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Full text of "Syrische Rechtsbücher"

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Syrische  Rechtsbiicher. 


Herausgegeben  und  iibersetzt 


von 


EDUARD  SACHAU. 


Dritter  Band. 


Berlin. 

Verlag  von  Georg  Reimer. 

1914. 


Syrische  Rechtsbiicher. 

=  Dritter  Band.  = 


Corpus  juris  des  persischen  Erzbischofs 

Jesubocht. 

Erbrecht  oder  Canones  des  persischen 
Erzbischofs  Simeon. 

Eherecht  des  Patriarchen  Mar  Abha. 

Aus  der  romischen  Handschrift 

herausgegeben  und  iibersetzt 
von 

EDUARD  SACHAU. 


Berlin. 

Verlag  von  Georg  Reinier. 

igi4. 


Einleitung. 


Es  ist  eine  verschollene  Christenwelt,  von  der  tlic  beickii  l^echts- 
biicher  des  Jesubocht  uiul  Sinienn  mis  die  erste  treiie  mid  ausfiihrliche 
Kunde  bringen,  nicht  von  ihren  auBeren  Scliicksalen  in  Krie^j  mid 
Fricdeii,  wolil  aber  von  der  Qcdani<enwelt,  welclie  ihr  biirgerliches  Lcben 
ill  all  seineii  fiezielnmgen  regelte.  Mir  ist  nicht  bekannt,  ob  nocli  Ruinen 
von  Kirchen  mul  Klostern  von  ihren  einstnialigen  Griindern  und  Be- 
wohnern  Zeugnis  ablegen.  Beredter  aber  als  Rm'nen  belehren  ims  diese 
IJteratiirdenkmaier,  unter  welchen  Kainpfen  jenes  Christentmn  cntstanden 
und  unter  welchen  Oesetzen  es  gelebt  hat  in  einem  feriien  Lande,  wo 
jahrhundertclang  das  Wort  des  Evangeliums  gepredigt  worden  ist,  und 
wo  jetzt  alles  Christliche  unter  einer  tausendjahrigen,  voiii  Islam  ge- 
hauften  Trummerschicht  vcrgraben  liegt.  Ich  meine  die  Persis,  jene 
Landschaft  im  Siidcn  des  nacli  ihr  heutigentags  benannten  persischen 
Reiches,  in  der  Hauptsache  die  Gegcnd  um  Schiraz.  Ein  machtigcr 
Strom  christlicher  Mission  ergoB  sich  friihzeitig  von  Antiochien  gegen 
Osten  iiber  den  Euphrat  und  Tigris  hinaus,  dem  letzteren  parallel  siid- 
warts  nach  Babylonien  und  von  dort  in  weite  asiatische  Fernen,  und 
so  auch  in  die  siidostlich  von  Babylonien  gelegene  Persis.  Dort  fal5te 
der  neue  Glaube  Fufi,  nicht  unter  dem  Schutz  eines  konstantinischen 
Kaisertums,  sondern  im  bestandigen  Kampf  mit  der  zoroastrischen  Reichs- 
macht  und  ihren  Magiern,  um  spaterhin  nach  dem  Untergang  des  Reiches 
der  Sapore  und  Chosroen  dem  Ansturm  des  Islams  zu  crliegen. 

Von  den  ersten  Missionaren,  welche  das  Christentum  in  der  Persis 
gepflanzt  haben,  ist  uns  keine  Kmide  erhalten;  nach  der  Sage  gehort 
die  Persis  zum  Christianisierungsgebiet  des  Apostels  Thomas;  wohl  aber 
sind  durch  das  Patriarchat  im  babylonischen  Seleucia  umfangreichc  Kon- 
zilakten  angelegt  und  erhalten,  welche  auch  iiber  die  Geschiclite  des 
persischen  Christentums  wertvolle  Auskiinfte  enthalten.  Auf  Grund 
dieser  Akten  und  einiger  anderer  Materialien  konnen  wir  die  Existenz 
des  persischen  Christentums  wahrend  mehr  als  eines  lialben  Jalirtausends, 


—     VI     — 

zunachst  von  410— Q60  n.  Chr.  unci  spater  bis  in  das  13.  Jahrhundert 
nachweisen,  und  finden  es  vertreten  durch  ein  Erzbistum  und  sieben 
Bistiimer,  das  erstere  in  Re\v-Arda§ir  oder  ReSahr,  die  Ictztcren  in  Istachr, 
Darabgird,  Kazerun,  Ardasirkiiurra  (  -  Oor  ^  Firuzabad),  Bih-Sapur, 
MaJkena-dhe-kurdu  und  auf  der  Insel  Kis.  Ein  Biick  auf  die  Karte  zeigt, 
daB  der  Oberhirte  dieses  Christenfums  im  auBersten  Norden  an  dem 
QrenzfliiB  Tab,  der  Susiaiia  von  der  Persis  trennt,  residierte,  was  jeden- 
falls  darauf  hindeuten  diirfte,  daB  von  dieser  Seite  her  aus  dem  friih- 
zeitig  christianisierten  Susiana  das  Christentum  zuerst  in  die  Persis  ein- 
gedrungen  ist.  Ini  Gegensatz  zu  dem  Erzbistum  liegen  die  meisten  Bis- 
tiimer weit  von  der  susianisch-persischen  Grenze  entfernt  gerade  in  dem 
Zentrum  des  Kuiturlandes  der  Persis,  in  jener  ausgedehnten  Landschaft, 
aus  der  die  beiden  groBen  persischen  Herrschergeschiechter  der  Achae- 
meniden  und  Sasaniden  hervorgegangen  sind,  und  die  besonders  durch  die 
gewaltigen  Ruinen  von  Persepolis  fruhzeitig  das  Interesse  der  Reisenden 
und  Altertumsfreunde  auf  sich  gelenkt  hat. 

Es  ist  eine  Eigentiimlichkeit  der  Kirche  der  Persis,  daB  sie  innerhaib 
des  asiatischen  Christentunis  eine  Art  Sondersteilung  beanspruchte,  und 
speziell  gegeniiber  dem  Patriarchat  von  Seleucia  den  Anspruch,  auto- 
kephai  zu  sein,  behauptete.  Sie  sei  die  Kirche  des  heiiigen  Thomas  und 
sei  der  Kirche  des  Mari,  der  babylonischen,  als  deren  Oriinder  Mari  gait, 
nicht  unterordnet.  Dieser  Zwiespalt  hat  nie  aufgehort.  Die  persische 
Kirche  lieB  ihre  Bischofe  von  ihrem  eigenen  Erzbischof  weihen,  wahrend 
der  Patriarch  behauptete,  daB  nur  er  allein  Inhaber  der  apostoJischen 
Tradition  sei,  auf  ihn  allein  die  Nachfolge  durch  ununterbrochene  Ober- 
lieferung  von  den  Apostehi  her  iibertragen  sei,  nur  er  allein  die  geistige 
Wiirde  durch  die  canonica  manus  impositio  iibertragen  konne,  daB  daher 
die  persischen  Bischofe  keine  Bischofe  seien  und  damit  dem  ganzen 
persischen  Christentimi  das  Fundament  fehle.  Uber  den  Ursprung  dieses 
hierarchischen  Streites  sind  wir  nicht  unterrichtet,  diirften  aber  nicht 
fehlgehen,  wenn  wir  annehmen,  daB  er  aus  den  Kampfen,  unter  denen 
sich  die  Konstituierung  der  ostlichen  Kirche  und  die  Erhebung  des  Bi- 
schofs  von  Seleucia-Ktesiphon  zum  Patriarchen  der  gesamten  orienta- 
lischen  Christenwelt  ostlich  vom  Patriarchat  Antiochien  vollzogen  hat, 
hervorgegangen  ist.  Die  Kirche  der  Persis  (wie  auch  diejenige  von 
Susiana)  diirfte  schon  langere  Zeit  bestanden  und  eine  gewisse  Bedeutung 
eriangt  haben  zu  einer  Zeit,  als  die  Christengemeinde  in  der  Hauptstadt 
Seleucia,  im  bestandigen  Kampf  mit  der  zoroastrischen  Reichsmacht  und 
ihren  Magiern  sich  langsamer  entwickelnd,  noch  verhaltnismaBig  un- 
bedeutend  war.  Als  daher  infolge  besonders  giinstiger  auBerer  Umstande 
im  Jahre  410  der  Bischof  von  Seleucia  eine  Obmachtstellung  als  Vertreter 


—     VII     — 

der  gesamten  Christenwelt  im  Reich  gegeiiiiber  dem  Konige  eriangte, 
mag  es  den  Bischofen  der  altcren  Kirchenprovinzen  wie  der  Persis  (und 
Ostarabiens)  schwer  gevvorden  sein,  sicli  der  iieueii  Autoritat  uiiterzii- 
ordnen '.  Die  Patriarchen  habeii  niemais  mit  Versuciien,  die  persische 
Kirche  zu  sicii  heriiberzuziehen,  aufgehort;  sie  haben  Sendschreiben  und 
Sendboten  an  ihre  einfluBreichsten  Vertreter  gescliickt,  haben  sie  auch 
in  eigener  Person  aufgesucht,  alles  ohne  entscheidenden  Erfolg.  Aiiein 
auf  sich  selbst  angewiesen  erlitt  dies  Christentuni  den  Ansturm  des  Isianis, 
und  wir  erfahren  nicht,  da6  es  ihin  einen  nennenswerten  Widerstand 
entgegengesetzt  habe.  Einen  lehrreichen  Einblick  in  diese  Kiimpfe  ge- 
wahren  uns  die  ausfiihrlichen  Briefe  des  Patriarchen  Jesujabh  III.  ans  der 
Zeit  der  Kalifen  Othman  und  Aii -. 

Zu  denjenigen  Oberhauptern  der  ostlichen  Christenwelt,  welche 
ganz  besonders  mit  den  Christen  der  Persis  gerungen  haben,  und  zwar 
mit  mehr  Erfolg  als  manche  vor  ihm,  gehort  der  geistig  hervorragende 
Timotheos  I.,  Patriarch  von  779  —  820,  ein  Mann  von  vielseitigen  lite- 
rarisciien  Interessen.  (Vgl.  Band  11  dieser  Rechtsbiicher,  Einieitung  S.  XVII; 
Braun,  Oriens  Christianus  1,313  und  A.  Riicker,  Die  Canones  des  Simeon 
von  RevardeSir  S.  20.  21.)  Timotheos  lieB  durch  einen  des  Persischen 
kundigen  Mann  ein  in  den  christlichen  Gemeinden  der  Persis  geltendes 
Rechtsbuch  aus  der  persischen  Sprache  jener  Zeit  in  das  Syrische  uber- 
setzen,  ein  Unternehmen,  das  nicht  etwa  aus  irgendeinem  literarischen 
Interesse,  sondern  lediglich  aus  dem  praktischen  Bediirfnis  seiner  Kirchen- 
vervvaltung  hervorgegangen  sein  diirfte.  Bei  seinen  Beziehungen  zur 
persischen  Kirche  war  es  ihm  wichtig,  die  biirgerlichen  Gesetze  zu  kennen, 
welche  unter  den  dortigen  Christen  galten,  denn  er  konnte  eventuell 
von  streitenden  persischen  Parteien  als  oberste  Appellationsinstanz  lun 
ein  Urteil  angegangen  werden,  (s.  die  Appellationsgerichtsurteile  des  Pa- 
triarchen Chenanischo  in  Band  I!  dieser  Rechtsbiicher),  und  dafijr  muBte 
er  die  persischen  Rechtsbiicher  in  seiner  Kanzlei  haben.  Auf  seiche 
Weise  diirfte  das  Corpus  juris  von  Jesubocht  entstanden  sein,  das  hier 
zum  erstenmal  in  Text  und  Obersetzung  veroffentlicht  wird. 

Die  Christenheit  der  Persis  besaB,  wie  nicht  anders  anzunchmen, 
eine  gewisse  Literatur  in  ihrer  eigenen  mittelpersischen  Mundart,  s.  ineine 
Contributions  to  the  knowledge  of  Parsee  literature  (Journal  of  the  Royal 
Asiatic  Society,  1870)  und  A.Rucker,  a.a.O.  5.12.  13.  Von  dieser  Literatur 
ist  nichts  erhalten,  wenigstens  bis  auf  die  Gegenwart  nicht  zu  Tage  ge- 


'    Siehe   die  Verhandliing  des  Patriarchen  Babhai  mit  dem  ersten  Erz- 
bischof  der  Persis  vom  Jahre  497  bei  Chabot,  Synodicon  S.  314. 
-   Siehe  Ausgabe  von  Duval  1904.  1905. 


—    vm   — 

komincii.  Wir  miissen  daher  dem  Patriarchen  Timotheos  dankbar  sein, 
da(5  er  uns  in  Obersetzunj^  wcnifjstens  zwei  Werke  aus  der  Literatur  der 
persischen  Christenwelt  erhalten  hat,  die  Werke  zweier  ihrer  Erzbischofe, 
das  Corpus  juris  desjesubocht  und  den  kleinen  Rechtsspiegei  iJber  Erb- 
reclit  von  Simeon. 

I. 

Jesubocht, 

d.  Ii.  Jesus  hat  t^ereinij^t,  ini  christhchen  Sinne=  Jesus  hat  er- 
iost,  war  ein  unter  persischen  und  babylonischen  Christen  nicht  seltener 
Name,  der  seinen  zoroastrischen  Ursprung  auf  der  Stirn  traj^t;  er  ist 
verwandt  mit  soichen  Namen  wie  Jazdaribocht,  Izedbozed,  Marabocht, 
BochtiSo',  Bochtsahpuhr  und  anderen.  Unser  Jesubocht,  der  Verfasser 
des  Corpus  juris,  ist  auBer  durch  sein  Werk  nicht  bekannt  geworden,  und 
ailes,  was  in  der  Literatur  iiber  ihn  iiberliefert  wird,  geht  auf  die  Zitate 
aus  seinem  Werk  bei  den  Juristen  der  Renaissanceperiode  im  11. — 14. 
Jahrhundert  und  auf  die  kurze  Notiz  des  Bucherkatalogs  des  Ebedjesu 
von  Nisibis  1290—1318  (s.  Assemani,  Bibliotheca  orientalis  III,  195)  zu- 
riick.  Die  Oeiehrten  dieser  Zeit  scheinen  nicht  mehr  iiber  ihn  gewufit 
zu  haben  als  wir.  Wir  sind  daher  fiir  unsere  information  iiber  den 
Autor  auf  sein  Werk  als  unsere  einzige  Quelle  angewiesen  und  besclirankt. 
Die  Erhaltung  desselben  verdanken  wir  vermutlich  dem  nestorianischen 
Patriarchat,  mit  dessen  Archiv  es  von  Seleucia-Kokhe  nach  dem  Norden 
bis  nach  Mosul  und  Rabban  Hormizd  gewandert  sein  diirfte,  und  dort 
taucht  eine  Handschrift  auf ',  aus  der  es  durch  Vermittelung  der  in  Rom 
vorhandenen  Kopie  fiir  uns  erreichbar  geworden  ist. 

Jesubocht  wird  in  dem  Titel  seines  Werkes  Metropolit  (Erz- 
bischof)  der  Persis  genannt.  DaB  der  Amtssitz  des  persischen  Erz- 
bischofs  Rew-Ardastr  war,  lehren  die  nestorianischen  Konzilakten.  Ein 
anderer  Inhaber  dieser  Wiirde,  Jazdad,  fiihrt  uni  das  Jahr  497  den  Titel 
Bischof  von  Rew-Ardasir,  Metropolit  der  Persis  (s.  Chabot,  Synodicon 
S.  64,  29;  65,10).  Mit  diesem  Jazdad  erscheint  das  Erzbistum  Persis 
zum  erstenmal  in  den  Konzilakten,  wahrend  das  Bistuni  Rew-Ardasir 
schon  aus  friiherer  Zeit  bei  Gelegenheit  der  Kirchenversammlungen  der 
Jahre  486  und  424  bezeugt  wird.  Wenn  dementgegen  die  viel  jiingere 
Tradition,  vertreten  durch  den  vatikanischen  Codex  Arab.  153  ^  behauptet, 
daB  das  Erzbistum  Persis  schon  von  dem  Patriarchen  Isaak  (399  —  410) 


'   Siehe  O.  Ebedjesu  Khayyath,  Syri  orientales  seu  Chaldaei,  Rom  1870, 
S.  122  und  S.  118  Anm. 


2   Bl.  198 


t"  ij^i  ^J^'   "^  J^^  '^J  ^'^'^^\  J*^"^^  -^  jj- 


—     IX     — 

eingerichtet  sei,  und  Ebedjesu,  Tractatus  S.  141  dasselbe  durch  den  Pa- 
triarchen  Jabhalaha  (415  —  420)  geschehen  seiii  Iaf5t,  so  ist  fur  diese  beiden 
Behauptiingen  eiii  Beweis  aus  den  Konzilakten  niclit  zu  entnehinen. 

Da  nun  biographische  Uberlieferung  iiber  unseren  Verfasser  fehlt, 
mussen  wir  mil  anderen  Mittein  eine  Ansicht  fiber  die  Zeit  seines  Lebens 
zu  gewinnen  suchen.  Es  gibt  unter  den  aus  den  Konzilakten  bekannten 
Erzbischofen  der  Persis  einen  Jesubocht,  der  um  544,  also  unter  sasa- 
nidischer  Herrschaft,  unter  der  Regierung  des  groBen  Anusirwan,  lebte. 
Kann  mit  diesem  Jesubocht  der  Verfasser  unserer  Corpus  juris  identisch 
sein?  Abgesehen  davon,  daB  nach  meiner  Ansicht  ein  amtlicher  Ver- 
treter  des  Christentums  unter  einem  zoroastrisclicn  Konige  schwerlich 
gewagt  haben  vviirde,  von  Zoroaster-Zarduscht  so  zu  schreiben  wie 
unser  Aulor  in  dem  Kapitel  von  der  Magierehe  II,  ii  S.  35.  36ff.  (ver- 
flucht  ist  also  Zardu§t«  usw.)  getan  hat,  ist  diese  Identifikatioii  auch  des- 
halb  unmoglich,  weil  sich  in  der  Einleitung,  welche  der  Obersetzer  dem 
Corpus  des  Jesubocht  vorausgeschickt  hat,  eine  Notiz  befindet,  die  uns 
notigt,  ihn  einer  erheblich  spateren  Zeit  zuzuweisen.  In  dieser  an  den 
Patriarchen  Timotheos  (779  —  820)  gerichteten  Einleitung  erzahlt  der 
anderweitig  nicht  bekannte  Obersetzer,  daB  der  Verfasser  des  Originals, 
Jesubocht,  von  dem  Patriarchen  Chenanischo'  die  Weihung  zum  Erz- 
bischof  der  Persis  erhalten  ',  also  damit  die  Suprematie  des  Patriarchen 
anerkannt  habe,  wahrend  vorher  die  Bischofe  der  Provinz  Persis  ohne 
Rucksicht  auf  den  Patriarchen  sich  selbst  ihren  Erzbischof  wahlten  und 
einsetzten  (hier  S.  5,  5ff.).  Es  gab  nun  zwei  Patriarchen  des  Namens 
Chenanischo,  den  ersteren  von  686 — 693  und  694—701,  den  zweiten 
775 — 779.  Letzterer  war  also  der  unmittelbare  Vorganger  des  Timotheos, 
der  diese  Obersetzungsarbeit  veranlaBt  hat.  Ich  habe  in  der  Anmerkung 
zu  der  Stelle  (S.  289)  wahrscheinlich  zu  machen  gesucht,  daB  hier  der 
zweite  Chenanischo'  gemeint  sei,  daB  daher  der  Verfasser  unseres  Corpus 
juris  der  Zeit  um  775—779  angehore.  Wie  ich  oben  S.  VII  angedeutet, 
war  dies  Obersetzungswerk  fur  den  um  die  nestorianische  Christenwelt 
hochverdienten,  auBerordentlich  tatigen  Timotheos  ein  Glied  in  der  Kette 
jener  Bestrebungen,  durch  welche  er  die  persische  Kirche  mit  dem  Pa- 
triarchal zu  vereinigen  strebte.  Jesubocht  lebte  also  in  mohammedani- 
scher  Zeit  unter  den  ersten  abbasidischen  Kalifen,  als  er  es  ohne  Gefahr 
fur  sich  und  seine  Gemeinde  wagen  konnte,  den  Zoroaster-Zarduscht 
als  den  Verfluchten  zu  bezeichnen,  wahrend  in  sasanidischer  Zeit  die 
Vertreter  des  Christentums  in  ihren  Eingaben  an  den  Konig  der  Konige 


'    Es  war  dainit  in  Erfiillung  gegangen,  was  jesujabh  III.  mehr  als  ein 
Jahrhundert  vorher  in  hei6eni  Bemiihen  erstrebt  hatte. 


—     X     — 

vor  seiner  zoroastrischen  Majestat  in  Unterwiirfij^keit  erstarben.  Die 
zoroastrisciie  ReiiKio"  blieb,  audi  nacluiem  tier  Islam  zu  uiibedinpter 
Herrschaft  gelangt  war,  als  Raja-F<eliginn  uiiter  deni  Kalifat  bestehen, 
unci  diesen  Zoroastriern  gegeniiber  konnte  Jesubocht  cine  freie  Spraciie 
fiiliren.     Eine  Anspielung  auf  licn  Islam  licgt  vor  auf  S.  9,  17.  18. 

Der  Obersetzer  gibt  dem  Verfasser  des  Corpus  ein  recht  maBiges 
Prjidikat  mit  auf  den  Weg.  Zwar  lobt  er  (S.  5, 3ff.)  seine  Forschung, 
seine  Begabung  inid  seine  natiirliciie  Beredsanikeit,  iiebt  audi  iiervor, 
daB  nocii  niemand  an  seinem  Werke  etwas  auszusetzen  gefunden  habe, 
nennt  iiin  aber  dann  einen  Mann,  der  zwar  in  tier  Kenntnis  der 
kirchliclien  Canones  nicht  vollkommen  war,  der  aber  fest  im 
heiligen  Oeiste  war.  Diese  Worte  lehren  uns  zunachst,  dal5,  als  sie 
geschrieben  wurden,  Jesubocht  nicht  mehr  lebte.  Worauf  der  Obersetzer 
den  Tadel  ungeniigender  kanonistischer  Kenntnis  grundet,  ist  aus  dem 
Werke  seibst  nicht  zu  ersehen.  Tatsache  aber  ist,  daB  Jesubocht  in 
seinem  Corpus  von  den  Canones  der  Konzilien  fast  gar  keinen  Qebrauch 
macht  (er  nimmt  nur  an  einer  einzigen  Stelle  Bezug  auf  einen  BeschluB 
der  Synode  des  Ezechiel  vom  Jahre  576,  S.  83, 3),  daB  er  durchweg  als 
ein  weitlicher  Jurist,  Gesetzsammler,  Gesetzgeber  auftritt,  der  mitgleichem 
Interesse  alien  Richtungen  des  praktischen  Lebens  in  Handel  und  Wandel 
nachgeht,  und  daB  nirgendwo  in  seinem  Werke  theologische  oder  hierar- 
chische  Ausfiihrungen  seinen  Stand  als  Kleriker  und  geistliches  Ober- 
haupt  eines  ganzen  christlichen  Volkes  besonders  hervortreten  lassen. 
Ein  Jurist  weltlichen  Standes  hatte  in  jener  Zeit  und  in  jener  Umgebung 
auch  nicht  objektiver  schreiben  konnen  als  dieser  Erzbischof.  Die  Kirche 
und  kirchliche  Interessen  spielen  in  seinem  Werk  nur  eine  ganz  unter- 
geordnete,  nebensachliche  Rolle.  Einmal  erscheint  die  Kirche  als  Not- 
erbe  wie  in  anderen  Qesetzgebungen  der  Fiskus  (S.  145  §  2).  Vgl.  auBer- 
deni  S.  103  lit.  1  und  S.  137  §  9.  Das  kanonische  Recht,  die  Interessen 
der  Episkopalverfassung,  die  in  den  Reclitsbiidiern  von  Timotheos  und 
Jesubarnun  einen  betrachtlichen  Raum  einnehmen,  werden  bei  Jesubocht 
mit  keinem  Worte  beriihrt. 

Fiir  die  rechtsgeschichtliche  Stellung  unseres  Corpus  juris  ist  es 
von  Wichtigkeit,  daB  nach  den  Darlegungen  des  Verfassers  in  seiner  Ein- 
leitung  es  vor  ihm  geschriebenes  biirgerliches  Recht  in  der  Persis 
nicht  gegeben  haben  soil.  Er  weist  hin  auf  die  Verschiedenheit  des  Rechts 
in  verschiedenen  christlichen  Landern,  auch  auf  Verschiedenlieiten  der 
Rechtsauffassung  in  altcrer  und  jiingerer  Zeit;  er  erwahnt  als  die  Quelle 
seines  Wissens  nur  die  Uberlieferung  der  Vorfahren  und  sein  eigenes 
Nachdenken  (S.  9,30— 33;  11,2),  und  bdont  ausdriicklich  S.  11,4.  5, 
daB  die  biirgerlichen  Gesetze  nicht  aufgezeichnet,  nicht  schriftlich  vor- 


—     XI     — 

handen  waren.  Nach  dieser  Einleitung  zu  urteilen,  hat  das  persische 
Christentum  wahrend  der  ersten  Jahrhunderte  seines  Bestehens  eine  Lite- 
ratur  iiber  biirgerliches  Recht  nicht  hervorj^ebracht,  und  auch  die  sonst 
in  der  asiatischen  Christenwelt  so  weit  verbreiteten  Leges  Constantini 
Theodosii  Leonis  scheinen  unserem  Jesubocht  nicht  vorgelegen  zu  haben. 
Siehe  die  blasse  Erinnerung  an  die  Lex  Fufia  Caninia  in  V,  xili  §  1  S.  177 
und  Anmerkung  S.  334.  Ebensowenig  wie  die  Einleitung  Jesubochts 
wissen  auch  andere  Quellen  von  einer  Literatur  uber  biirgerh'ches  Recht 
in  der  Persis  vor  seiner  Zeit.  Wenn  aber  auch  Jesubocht  die  Leges 
nicht  vor  sich  hatte,  so  ist  doch  der  EinfluB  derselben  mehrfach  zu  er- 
kennen;  so  ist  das  Fundrecht  (im  Tukkasa  iiberliefert,  s.  S.  344)  von  dort 
entiehnt,  und  der  Ausdruk  -poderrula  VI,  7  S.  183  diirfte  gleichen  Ur- 
sprungs  sein.  Ich  zweifle  nicht,  dal5  die  weitere  rechtsgeschichtliche 
Untersuchung  noch  weit  mehr  Zusammenhange  zwischen  Jesubocht  und 
den  Leges  nachweisen  und  damit  zugieich  die  Leges  als  die  alteste 
Schicht  der  burgerlichen  Gesetzesliteratur  des  christlichen  Orients  nach- 
weisen wird  (s.  Syrische  Rechtsbiicher  I,  Einleitung  S.  VIIL   X). 

Jesubocht  will  geltendes  Oewohnheitsrecht  aufzeichnen  und  auf 
Ersuchen  und  im  Einvernehmen  mit  den  Bischofen  seines  Landes  (s. 
S.  101,  5  —  8)  moglichst  einheitlich  gestalten  fiir  den  praktischen  Gebrauch 
bei  den  Gerichten  und  zur  Abwehr  der  Schaden,  welche  die  provinziellen 
Differenzen  des  Rechts  zur  Folge  haben  (S.  Q,  40).  Ganz  besonders  be- 
kampft  er  diejenigen  geistigen  und  materiellen  Schaden,  welche  nament- 
lich  im  Ehe-  und  Erbrecht  aus  zoroastrischer  Quelle  erwachsen  sind 
(S.  31 — 33;  97;  99).  Er  berichtet  an  verschiedenen  Stellen  uber  abwei- 
chende  Rechtsanschauungen  (IV,  i  §5  S.  97— 101;  S.  155  §2;  159  §8; 
165  §21;  179  §2;  189  §5).  Er  bezeichnet  einige  seiner  Oesetze  direkt 
als  Gewohnheitsrecht  (S.  121,  Iff.;  179  §2.7)  und  nimmt  z.  B.  bei 
strittigen  Fragen  des  Darlehns-  und  Seerechts  Bezug  auf  den  unter  Kauf- 
leuten  herrschenden  Usus  (S.  165  §  1 ;  167  §  3).  Es  verdient  besonders 
hervorgehoben  zu  werden,  da6  nach  Jesubocht  das  Eherecht  (Buch  II. 
Ill)  bei  alien  Christen  ein  und  dasselbe,  so  ziemlich  frei  von  erheblichen 
Verschiedenheiten  gewesen  sei,  wahrend  mit  dem  Erbrecht  (Buch  IV) 
sofort  vielfache  Differenzen  einsetzen.  Vgl.  seine  Einleitung  zum  Erb- 
recht auf  S.  93  I.  Kapitel.  Nirgends  zitiert  er  eine  schriftliche  Quelle. 
Seine  wenig  zahlreichen  Zitate  sind  ausschlieBlich  dem  Alten  und  Neuen 
Testament  entnommen. 

Das  persische  Christentum  war  aus  der  Religion  Zoroasters  her- 
vorgegangen.  Kein  Wunder  daher,  daB  ihm  noch  einiges  von  zoroastri- 
schen  Anschauungen  und  Gewohnheiten  anhaftete.  Besonders  schwer 
scheint  der  Kampf  der  Vater  des  Christentums  gegen  die  Inzestehe  und 


—     XII     — 

ihre  Konsequenzen  gewesen  zii  sein,  gegen  die  miser  Jesuboclit  init 
gleiclier  Macht  wie  vor  ihm  iin  6.  Jahrhiimiert  der  Patriarch  Mar  Abha 
ankampft  (S.  263—267).  Von  anderweitigen  Beruhrungen  mit  dem 
Zoroastrianismiis  in  Wort  und  Saclie  ist  zu  erwalinen,  was  er  pber  die 
persischen  Arten  der  Rechtsiibung  peseiui  iiiul  liihdadhastani  S.  13, 
fiber  abasakhuni  Erbschaftsverzicht  S.  151,  fiber  die  zoroastrische  Oe- 
reclitigkeit  in  der  Verwandtenheirat  S.37,  fiber  dudagsalari  Familien- 
vormundschaft  S.  127,  fiber  zurgerd(?)  eine  falsche  Urkunde  S.  191  §2 
erwahnt.  Es  wird  sicli  cmpfeiilen,  die  Vergleichung  des  Corpus  juris 
von  Jesubocht  mit  den  rechtliclien  Kapiteln  der  Parsenliteratur,  z.  B.  dem 
Dadhistan-i-dini  fortzusetzen,  besonders  wenn  erst  das  eigentliche  Gesetz- 
buch  der  Parsenfiberlieferung,  Mati  kan-i-hazar  datestan,  auf  dessen 
Bedeutung  zuerst  Chr.  Bartholomae  aufmerksam  gemacht  hat,  in  einer 
brauchbaren  Bearbeitung  vorliegt '. 

Charakteristisch  fur  Jesubochts  Jurisprudenz  ist  seine  Einteilung 
des  Rechts  in  drei  Gebiete,  namosa  (yo/ios),  dina  imd  terisutha 
(rectitudo). 

Namosa  ist  das  Recht  in  abstracto,  welches  den  Menschen  lehrt,  was 
er  tun  und  was  er  meiden  soil.  Fur  das  Christenvolk  ist  es  das  ideale 
Recht  des  Neuen  Testamentes,  das  seinen  hochsten  Ausdruck  findet  in 
Matth.5,22:  Jeder  der  seinem  Bruder  ohne  Grund  zurnt,  ist  schukiig  dem 
Gericht.*  Das  ist  das  Recht  Christi,  der  nicht  gekommen  ist,  urn  Prozefi- 
ffihren  fiber  Mein  und  Dein  zu  lehren.  S.  I,  vii.  ix.  x  und  vgl.  Simeon 
S.  212ff. 

Dina  ist  das  gemeine  bfirgerliche  Recht,  bestimnit  nicht  ffir  den 
voUkommenen  Christen,  sondern  fur  den  in  seiner  Schwaciiheit  irrenden, 
weitlicli  gesinnten  Menschen.  Es  dient  nicht  bloB  dem  Interesse  dessen, 
der  Unrecht  leidet,  sondern  ganz  besonders  aus  Barmherzigkeit  dem  Inter- 
esse desjenigen,  der  seine  Seele  durch  Unrecht  wider  Andere  schadigt  l,xii. 
Die  Unterscheidung  zwischen  namosa  und  dina  war  den  Vertretern 
des  Christentums  durch  den  Gegensatz  zum  Judentum  aufgezwungen. 
Letzteres  kannte  nur  ein  einziges  Gesetz,  das  mosaisciie.  Da  aber  das 
Christentum  den  Pentateuch  weder  als  Quelle  seines  bfirgerlichen  Rechts 
in  toto  (vgl.  Simeon  S.  218ff.)  noch  seines  christlichen  Gerechtigkeits- 
begriffes  annehmen  konnte,  und  da  das  Neue  Testament  als  Quelle  fur 
bfirgerliches  Recht  versagt,  so  mufite  der  Christ  ffir  seine  Religion  eine 
doppelte  Quelle  aufstellen,  das  Neue  Testament  fur  das  Ideal  des  Christen- 


'  Es  ist  nach  einer  brieflichen  Mitteilung  Bartholomaes  1913  in  Bombay 
unter  dem  Titel  The  social  code  of  the  Parsis  in  Sasanian  times,  part  II,  er- 
schienen. 


—     XIII     — 

turns  und  die  Tradition,  d.  i.  eine  modifizierte  Form  des  mosaischen 
Gesetzes  fiir  das  biirgerliche  Recht.  Wenn  nun  jiidisclie  Gelehrte  diese 
Tradition  als  unverbindlichen  Menschenwitz  hinstellten  (vgi.  Simeon 
S.  222,  41;  230,37)  und  zur  Stiitze  ihrer  Ansicht  darauf  hinwiesen,  dafi 
sie  in  verschiedenen  Gegenden  doch  recht  verschieden  sei,  so  bemiiht 
sich  Jesubocht  seinerseits  die  Tradition  dadurch  zu  stiitzen,  da(5  er  sie 
zuriickfijhrt  auf  Manner,  die  durch  den  Geist  der  Weisheit  ausgezeichnet 
und  imstande  waren,  das  Laster  zu  tadeln  und  die  Rechtsciiaffenheit  und 
die  Wahrheit  festzusteilen <  1,  xi,  und  daB  cr  die  provinzielien  Rechts- 
verschiedenheiten  gegenuber  dem  Idealgesetz  des  Christentums  als  irrele- 
vant darzustellen  sucht;  1,  IX. 

Das  dritte  Recht  Terisutha,  d.  i.  Rechtheit,  Geradheit,  Rectitudo, 
welche  wahrgenommen  vvird 

in  Wort, 

in  Gedanken, 

in  der  Sache, 
entstammt  dem  Avesta,  und  ist  das  bekannte  Moralgesetz  hukhta,  hu- 
mata,  hvarsta  der  zoroastrischen  Religion.  Vgl.  Zendavesta,  traduit 
par  Darmsteter  1893,  III  S.  3.  167.  168.  Jesubocht  versteht  darunter  die 
moralische  Rechtschaffenheit,  die  nicht  immer  mit  den  Satzen  des  biirger- 
lichen  Rechts  zusammentrifft.  Ein  Mann  A  verspricht  dem  B  seine 
Tochter  zur  Frau,  weigert  sich  aber  dann  (ohne  berechtigenden  Grund) 
sie  ihm  zu  geben.  Nach  der  Rectitudo  kame  dann  ohne  weiteres  die 
Tochter  des  A  dem  B  zu,  nach  dem  dina  aber  nicht;  I,iv;  VI,  vi  §  4  S.  1Q9. 
Ebenso  wie  diese  Dreiteilung  des  Rechts,  in  der  sich  jiidische, 
christliche  und  zoroastrische  Elemente  begegnen,  fiir  die  Jurisprudenz 
unseres  Jesubocht  charakteristisch  ist,  verdient  auch  seine  Lehre  von  der 
Rechtspflege '  aus  mehr  als  einem  Grunde  beachtet  zu  werden.  Sie  atmet 
einen  praktisch-humanen  Sinn  und  zeigt  uns  vviederum  die  Heriibernahme 
zoroastrischer  Denkungsart  in  das  Christentum.  Hier  kommen  zunachst 
die  beiden  S.  XII  erwahnten  Arten  der  Rechtsiibung  pesend  unil  bih- 
dadhastani  in  Betraclit.  Beide  Termini  waren  schwer  zu  iibersetzen 
und  aus  der  von  dem  Syrer  gewahlten  Ubersetzung  ist  nicht  zu  erkennen, 
was  sie  bedeuten;  I,  v.  Unter  ersterem  ist  zu  verstehen,  daB  in  einem 
ProzeB  der  Klager  aus  Riicksicht  auf  den  Verklagten  seine  Forderung 
herabsetzt,  auf  einen  Teil  derselben  verzichtet;  unter  dem  letzteren  im 
Gegenteil,  daB  jemand  in  einem  Rechtsgeschaft,  das  ihn  zu  einer  Leistung 
verpflichtet,  aus  Rucksicht  auf  die  andere  Partei  ihr  mehr  leistet  als  das 

'    Ober  die  Oerichtsverfassung  vgl.  §  VI   der  Synode  des  Patrlarchen 
Georg  vom  Jahre  676  be!  Chabof,  Synodicon  S.  484. 


—     XIV     — 

Gesetz  verlangt.  Die"  Richter  der  Kirche,  da  sie  doch  Lehrer  des 
Christentums  siiui,  sollen  sich  des  Pesend  und  Bihdadhastani  bedienen, 
iini  die  streitendcn  Parteien  zii  beraten  und  zu  ermahnen,  nicht  aber 
von  ilirer  richterliciien  Gevvalt  Gebraiich  machen.  Sie  sollen  die  Reichen 
ermahnen,  Barmherzigkeit  zu  iiben  gegen  die  Armen,  und  die  Verwandten 
ermahnen,  sich  ihrer  armen  Verwandten  anzunehmen.  Aber  dies  alles 
nicht  im  befehlenden,  sondern  im  ermahnenden  Tone.  I,  vi  und  V.vni 
§  3  S.  167;  V,  XI  §  6  S.  175;  V,  xiii  §  7  S.  179. 

Neben  dieser  nachdriicklichen  Empfehlung  des  friedlichen  Ver- 
gleiches  streitender  Parteien  wird  ein  weiteres  Verfahren  erwahnt,  das 
als  turrasa,  d.  i.  als  rectificatio,  correctio  bezeichnet  ist;  1,  xiii.  Wenn 
z.  B.  zvvei  rite  verlobte  Personen  ihre  Verlobung  auflosen  oder  eine  Frau, 
deren  Ehemann  verschollen  ist,  iiber  die  gesetzliche  Frist  hinaus  nicht 
langer  auf  ihn  warten  will,  dann  laBt  ihnen  der  Richter  eine  turrasa 
zuteil  werden,  indem  er  sie  auffordert,  in  jenem  Fall  die  Verlobung  auf- 
rechtzuhalten,  in  diesem  auch  iiber  die  Wartefrist  hinaus  dem  ver- 
schollenen  Gemahi  die  Ehe  zu  wahren,  damit  sie  den  hochsten  Idealen 
christlicher  Gesinnung  nahekoinmen  sollen.    Ili,ii  §1   S.  79;  III,  ix  S.  85. 

Eine  dritte  Art  der  Entscheidung  strittiger  Fragen,  die  Jesubocht 
enipfiehlt,  findet  nicht  statt  nach  dem  Gesetze,  sondern  2«So\JC>a  %*^k*0'l 
otier  JS^ivJGXfNSL^,  d.  i.  via  administrationis.  Dies  Verfahren  kommt 
hauptsachlich  im  Obligationenrecht  bei  Schuld  und  Pfand  in  Anwendung, 
in  solchen  Fallen,  wo  eine  gesetzliche  Norm  nicht  vorhanden,  daher  eine 
Entscheidung  ex  aequo  et  bono  zu  treffen  ist,  wie  z.  B.  bei  der  Frage, 
wieviel  dem  zahlungsunfahigen  Schuldner  von  seiner  der  Pfandung  ver- 
fallenen  Habe  fiir  seinen  Lebensunterhalt  belassen  werden  muB.  V,  vi 
§  1   S.  151;  §  5  S.  153;  V,  vn  §  2  S.  155;  §  8  S.  159. 

Auf  Entscheidungen  nach  dem  lokalen  Usus  ist  bereits  oben  S.  XI 
hingewiesen. 

Es  ist  aulkrordentlich  zu  beklagen,  dalJ  das  Werk  Jesubochts  uns 
nicht  voilstandig  erhalten,  dal5  in  der  einzigen  Handschrift,  der  wir  es 
entnehmen,  von  den  sechs  Biichern  das  sechste  am  Ende  unvollstandig 
ist,  daB  von  den  13  Kapitein  desseiben  das  sechste  (iiber  den  Eid)  des 
Schlusses  ermangelt  und  die  Kapitel  7 — 13  (iiber  itpofka-iila,  iiber  Ver- 
gehen  und  Streitsucht  gegen  die  Gerichte,  iiber  den  Lohn  der  Lohn- 
arbeiter,  iiber  Biirgschaft,  iiber  Verteidigung  [vor  Gericht?],  iiber  Brunnen, 
Kanale,  StraBen,  Briicken,  Palmbaume,  Weinpflanzungen  und  ahnliches, 
iiber  das,  was  zur  Beeintrachtigung  und  Schiidigung  eines  Menschen 
getan  wird)  ganzlich  fehlen.  Und  daB  diese  Teile  sclion  im  .Altertum 
verlorengegangen  (etwa  schon  vor  dem  11.  Jahrhundert),  mochte  ich  dar- 
aus  schlieBen,  daB  in  den  spateren  Sammelwerken  und  arabischen  Uber- 


—     XV     — 

setzungen  mir  bisher  nicht  die  geringste  Spur  von  diesen  Kapitein,  auch 
nicht  ein  einziges  Zitat  aus  ihnen  entgegengetreten  ist.  Sollte  diese  An- 
nahtne  sich  bestatigen,  so  inussen  wir  ferner  init  der  Moglichkeit  rechnen, 
daB  die  handschriftliche  Oberlieferung  unseres  Corpus  juris  bis  in  die 
genannten  Zeiten  auf  eine  einzige  Handschrift  (diejenige  der  Patriarchats- 
kanziei?')  zuriici<geht,  und  daher  die  Hoffiiung  auf  Wiedergewinnung 
der  fehlenden  Teile  durcli  Auffindung  einer  zweiten  Handschrift  recht 
gering  sein  diirfte. 

Von  dem  syrischen  Obersetzer  des  persischen  Originals  ist  weiter 
nichts  bekannt,  als  daB  er  seine  Arbeit  auf  Veranlassung  des  Patriarchen 
Timothcos  tmternahm  und  daB  zur  Zeit,  als  er  schrieb,  der  Verfasser, 
Jesubocht,  nicht  mehr  unter  den  Lebenden  weilte.  Wir  diirfen  daher 
seine  Lebenszeit  etwa  urn  das  Jahr  SOO  ansetzen.  Er  auBert  sich  in  der 
Einleitung  S.  3  iiber  die  besondere  Schwierigkeit  seiner  Aufgabe.  GewiB 
mit  Recht.  Mag  seine  Vorlage  mit  syrischen  oder  Pehlewibuchstaben 
geschrieben  gewesen  sein,  es  war  auBerordentlich  schwierig,  aus  einer 
indogermanischen  Sprache  in  eine  semitische  Spraclie  ein  Rechtsbuch 
mit  sorgfaltig  gefeiltem  Ausdruck  zu  iibertragen  und  fiir  die  oft  recht 
komplizierten  Gedankengange,  z.  B.  im  Obligationenrecht.  einen  ent- 
sprechenden,  allgemein  verstandlichen  Ausdruck  zu  finden.  DaB  ihm 
dies  meisterhaft  gelungen  ist,  muB  dankbar  anerkannt  werden,  meister- 
haft  bis  zu  dem  Grade,  daB  ich  kein  einziges  Werk  aus  der  mir  bekannten 
orientalischen  Obersetzungsliteratur  dem  seinigen  an  die  Seite  stellen 
mochte.  Er  hat  durch  seine  Kunst  ein  iniialfreiches  Werk  einer  ganzlich 
verschollenen  Literatur,  das  einzige  Denkmal  derselben,  uns  erhalten. 
Es  mag  sein,  daB  es  ihm  hier  und  da,  an  wenigen  Stellen  nicht  gelungen 
ist,  den  Inhalt  seiner  Vorlage  vollstandig  auszuschopfen  oder  ganz  genau 
wiederzugeben  (s.  Anmerkungen  zu  S.  163,  54;  191,5;  193,6);  dabei  ist 
aber  immer  auch  mit  der  Moglichkeit  zu  rechnen,  daB  sich  in  der  hand- 
schriftlichen  Oberlieferung  des  Textes  irgendein  Fehler  verbirgt. 

Jesubochts  Werk  ist  von  den  spateren  Sammlern  und  Kompilatoren 
vie!  benutzt  worden.  Bekannt  sind  die  von  dem  Nisibener  Bischof  Ebed- 
jesu  Bar  Berikha  (f  1318)  seiner  CoUectio  canonum  synodicorum  ein- 
verleibten  Stiicke-.  AuBer  ihm  konnnen  besonders  die  folgenden  Per- 
sonen  in  Betracht: 


'  Vgl.  was  G.  E  Khajjath,  Syri  orientales,  Rom  1870,  S.  122  uber  die 
romische  Handschrift  sagt:  descriptuni  Mausiili  —  ex  antiqiio  codice  jam  ad 
Patriarcharum  Ellarum  famlliam  pertinente. 

-    Uber  Ebedjesiis  Zla>SX^  lA*?  JOiA(k\,  s.  welter  iinten  S.  XXVIII. 


—     XVI     — 

1.  Erzbischof  Ebedjesu  Bar  Bahriz  um  1028, 

2.  der  Patriarch  Elias  I.  Gedanensis  (1028  —  1049),  und 

3.  sein  Sekretar  Abulfarag  Abdaliah  Ibn  Altajjib  (f  1043). 

Der  erstere  soli  eine  Schrift  iiher  Erbrecht  geschrieben  haben,  die  niclit 
eriiaiten  zu  sein  scheint. 

Patriarch  Elias  I.  iiat  wahrscheiniich  in  arabischer  Sprache  ein 
groBes  juristisches  Sammelwerk  verfaBt,  das  hauptsachlich  in  der  Be- 
arbeitung  eines  Nisibener  Bischofs  Elias  Bar  Sina  unter  dam  Titel  Vier 
Biicher  Canones  verbreitet  worden  zu  sein  scheint. 

Der  dritte,  Ibn  Altajjib  hat  ebenfalls  ein  juristisches  Sammelwerk 
in  arabischer  Sprache  verfaBt.  Vgl.  Syrisch-romisches  Rechtsbuch  aus 
dem  fiinften  Jahrhundert,  von  Bruns  und  Sachau  (S.  176.  177). 

Was  nun  die  arabischen  Ubersetzungen  des  Corpus  von  Jesubocht 
betrifft,  so  sind  zwei  zu  unterscheiden,  Arabs  1  und  Arabs  II.  Mit  Arabs  I 
ist  diejenige  Ubersetzung  bezeichnet,  welche  sich  in  dem  groBen  juristi- 
schen  Sammelband  der  vatikanischen  Bibliothek  Codex  Arab.  153  auf 
Bl.  81  —  Ql  befindet,  leider  nicht  vollstandig.  Es  fehlen  der  Anfang  von 
Buch  I  und  die  Biicher  V  und  VI  vollstandig  (s.  Anmerkungen  S.  2Q3. 
319).  In  dem  vatikanischen  Handschriftenkatalog  (Mai,  Scriptorum  ve- 
terum  nova  collectio,  toni.  IV  S.  290)  ist  dies  Werk  des  Jesubocht  nicht 
erkannt. 

Mit  Arabs  II  habe  ich  den  SchluBteil  derselben  romischen  Hand- 
schrift,  Bl.  149 — 222,  eine  wilde,  ungeordnete  und  vielfach  stark  bescha- 
digte  Masse  von  Blattern  bezeichnet,  deren  Wesen  und  Bedeutung  in 
dem  genannten  Katalog  (S.  291  unter  Nr.  21  Collectanea  juridica  usw.) 
ebenfalls  nicht  richtig  erkannt  ist.  Es  ist  ein  inhaltreiches  Sammelwerk 
iiber  die  gesamte  syrisch-nestorianische  Rechtswissenschaft,  aus  der  Fiille 
der  Literatur  geschopft  und  fortgefuhrt  bis  zu  der  Zeit  des  Verfassers. 
Den  Namen  desselben  finde  ich  auf  diesen  Blattern  nicht,  mochte  aber 
auf  folgende  Notiz  des  Katalogverfassers  (S.  291)  hinweisen:  Is  codex 
paulo  post  autoris  ben-Attibi  obitum  (qui  anno  Oraecorum  1355.  Christi 
1043,  mense  octobri  exeunte  contigit  Ar.)  videtur  exaratus.  Wir  diirften 
demnach  in  diesem  Sammelbande  ein  Werk  des  auch  anderweitig  um 
die  Rechtsliteratur  verdienten  Patriarchatssekretars  Ibn  Altajjib  vor  uns 
haben,  etwa  dasjenige,  das  den  Titel  i^i  _aJ|  <ij  Jurisprudenzdes 
Christentums  trug.  Die  ganze  Sammlung  besteht  in  der  Hauptsache 
aus  Zitaten  aus  alteren  Rechtskodizes.  Diejenigen  Autoren,  die  am 
haufigsten  zitiert  sind,  sind  folgende:  Reges,  d.  i.  Leges  Constantini  Theo- 
dosii  Leonis;  Jesubocht  und  Simeon  Persae;  Timotheos  und  Jesubarnun 
patriarchae;  Ebedjesu  Bar  Bahriz,  Erzbischof  von  Mosul  (um  1028);  femer 


_     XVII     — 

einzeln  Mar  Abha  (f  552)  '^L.J\\  DadhiSo  (urn  424);  Mar  Isaak  (urn  410); 
ISo'jabh  Catholicus  (urn  585),  Canones;  Marutlias  (iini  410);  Dionysius 
(urn  500);  Henaniso  (f  701)  JiL.J\;  Mar  SabhriSo',  Catholicus  von  Da- 
maskus  (t836);  Joliannes  der  Lahme  (fQOS);  Qeorgius  Catholicus  (um 
676);  Hizkiel  Catholicus  (um  576);  Johannes  der  Aussatzige  (um  694);  Surin 
(um  754);  Joseph  (um  554);  Narsai  (524  — 539);  Elisa  (524  — 539);  Alex- 
ander, Bischof  von  Jerusalem;  Theodosius  (f  858).  Dies  grol5e  Sammel- 
werk  der  vatikanischen  Handschrift  ist  ieider  nicht  vollstandig,  cs  wiirde 
aber  auch  so,  soweit  es  erhalten  ist,  eine  wertvolle,  sehr  empfehlenswerte 
Quelle  fiir  das  Studium  der  syrischen  Rechtsliteratur  sein,  wenn  es  ge- 
lange,  die  urspriiiigliche  Ordiuing  der  Blatter  wieder  herzustellen.  Ich 
habe  aus  diesem  Sammelband  die  Zitate  aus  Jesubochts  Werk  heraus- 
gesucht  und  in  meinen  Anmerkungen  verwertet. 

Die  beiden  arabischen  Versionen  Arabs  I  und  Arabs  II  sind  von- 
einander  verschieden,  und  zwar  scheint  niir  die  letztere  gewisseuiiafter 
gemacht  zu  sein  als  die  erstere.  Wenn  also  Arabs  II  vielleicht  von  Ibn 
Eltajjib  herriihrt,  kann  moglicherweise  Arabs  I  der  Sammiung  seines 
Zeitgenossen,  des  Patriarchen  Elias  i.  Gedanensis  entstammen.  Der  Oe- 
wiim  fiir  die  Feststellung  des  syrischen  Textes  aus  diesen  beiden  Ober- 
setzungen  ist  nicht  so  groH,  wie  man  wohl  erwarten  mochte. 


II. 

Simeon. 

Uber  den  Ursprung  des  kleinen  Rechtsspiegels  von  Simeon  tiber 
Erbrecht '  sind  vvir  noch  weniger  unterrichtet  als  fiber  denjenigen  des 
Corpus  juris  von  Jesubocht.  An  dem  Zustandekonunen  des  Werkes  in 
der  vorliegenden  Form  waren  vier  Personen  beteiligt: 

1.  der  Verfasser  des  persischen  Originalwerkes; 

2.  diejenige  Person,  welche  diesen  zur  Abfassung  seines  Werkes 
aufgefordert  hat; 

3.  der  Verfasser  der  syrischen  Obersetzung; 

4.  diejenige   Person,  welche  den   letzteren   zur  Abfassung  der 
syrischen  Obersetzung  aufgefordert  hat. 

Der  Obersetzer  wird  in  der  Uberschrift  ohne  Nennung  seines  Namens 
als  ein  Kleriker  aus  dem  Katariierlande,  d.  i.  dem  christlichen  Ostarabien 
in  der  Gegend  von  Bahrain  bezeichnet.  Die  ostarabische  Kirche  stand 
in  vieifachen  Beziehungen  zur  persischen,  ostarabische  Bischofe  wurden 

■   Zum   groBten  Teil  bereits  in  einer  Breslauer  Doktordissertation  von 
Ad.  Riicker,  Die  Canones  des  Simeon  von  Revardasir,  1908,  Veroffentlicht. 
Sachau,  Syrische  Rechtsbuclier  III.  b 


—     XVIII     — 

von  persischen  Bischofen  oder  vom  Erzbischof  tier  persischen  Kirche 
geweiht,  und  beide  Landeskirchen  begegneten  sich  in  der  Opposition 
gegen  lias  Patriarchat  von  Seleukia-Kokhe.  Beiden  Kirchen  aber  war 
iirspriinglicii  das  Christentuni  literarisch  durch  die  syrische  Sprache  ver- 
mitteit,  und  so  ist  es  nicht  verwiinderlich,  daB  ein  ostarabischer  Kieriker 
beide  Sprachen,  das  Syrisciie  vvie  das  Persische,  kennt.  Er  klagt  fiber 
die  Sclnvierigkeit  seiner  Aufgabe  (S.  210)  alinlich  wie  der  Obersetzer  des 
Jesubocht.  Er  ist  einnial  in  der  Nahe  des  Mannes,  der  iiin  zu  seiner 
Arbeit  angeregt  hat,  gewesen,  als  dieser  ihm  meiirere  persische  Schriften 
zum  Ubersetzen  in  das  Syrische  ubergab,  sagt  aber  nicht,  wo  dies  ge- 
schehen  ist  (S.  210,  5). 

Seinen  Auftraggeber  nennt  er  Mar  Simeon,  Priester  und  Lehrer 
(S.  208, 4)  und  verherrliclit  iiui  in  einer  so  iiberschwanghchen  Weise, 
daB  man  ihn  fiir  einen  Bischof  oder  Erzbischof  halten  mochte,  indessen 
auf  einen  solchen  ist  der  Titel  Priester  und  Lehrer'  nicht  anwendbar. 
Wir  wcrden  uns  dahin  bescheiden  miissen,  uns  unter  diesem  Simeon 
einen  angesehenen  Oeistlichen  im  syrischen  Sprachgebiet  (Susiana,  Me- 
sene  oder  Babylonien)  zu  denken,  der  ein  Interesse  daran  hatte,  das  in 
der  Persis  geltende  Erbrecht  kennenzulernen,  in  dieser  Hinsicht  also  eine 
ahnliche  Stellung  einnahm  wie  zu  anderer  Zeit  der  Patriarch  Timotheos, 
als  er  die  syrische  Ubersetzung  des  persischen  Corpus  juris  von  Jesu- 
bocht anfertigen  lieB  (s.  oben  S.  VII). 

Der  Verfasser  des  persischen  Originals  wird  ebenfalls  Simeon,  nam- 
lich  Mar  Simeon,  Bischof-Metropolit  von  Rew-Ardasir  genannt,  und  zwar 
in  der  Oberschrift  und  in  der  Nachschrift,  wiihrend  in  der  Schrift  selbst 
sich  keine  auf  ihn  beziigliche  Erwahnung  findet.  Diesem  Simeon  sind 
von  einer  Person,  die  er  Deine  Heiligkeit  anredet,  22  Fragen  aus 
dem  Erbrecht  schriftlich  vorgelegt  worden.  Der  Beantwortung  derselben 
schickt  Simeon  eine  Einleifung  von  mehreren  Kapitein  allgemeinen  In- 
halts  iiber  die  Quelle  des  Rechts  unter  den  Christen  voraus.  Wer  war 
nun  dieser  Erzbischof  Simeon?  wann  lebte  er?  und  in  welchem  Ver- 
haltnis  stand  er  zu  dem  Verfasser  des  persischen  Corpus  juris,  Jesubocht? 

Die  literarische  Oberlieferung  der  Syrer,  vertreten  durch  Ebedjesu 
Bar  Berikha  (f  1318),  gibt  uns  keine  Antwort  auf  diese  Frage.     Er  hat 


'  Die  Stellung  des  Lehrers,  Doktors  ,^ » '^ ^***  gehort  nicht  zu  den 
kanonischen  Qraden  der  Hierarchie.  Der  Biograph  des  Patriarchen  Mar  Ablia 
erzahlt  folgendes  (ed.  Bedjan  S.  217):  Abba  studierte  in  Nisibis  zusammen  mit 
Ma'na.  Letzterer  wird  Bischof  von  Arzanene.  Abba  ziebt  nun  mit  ihm  dort- 
bin  und  wird  betraut  mit  dem  Grade  des  Dokorats  ItSOJ^^LAMS  ^^^? 
in  Arzanene,  bekebrt  viele  Haretiker  zum  wahren  Olauben.  Naeh  einiger  Zeit 
geht  er  zuriick  nach  Nisibis. 


—     XIX     — 

das  Werk  Simeons  gekaiint  iintl  wahrscheinlicli  vor  sich  gehabl,  hat 
mancherlei  Aiisziige  daraus  in  seine  Schriften  iibertragen,  und  vermut- 
lich  auch  die  Zitate  aus  unserem  Simeon,  die  in  den  Sammelwerken  der 
Renaissanceperiode  vorkamen,  gekannt.  Dagegen  irgendetwas  Biogra- 
phisches  fiber  ihn  erfahren  win  durch  Ebedjesn  nicht.  Ferner  gibt  auch 
die  Reihenfolge,  in  der  Ebedjesu  unter  seinen  Quelien  Simeon  und  Jesu- 
bocht  anfiihrt,  keine  Auskiinft  iiber  ihr  zeifiiciies  Verhaitnis  zu  einander. 
Denn  im  Tractatus  S.  54  Kol.  2  nennt  Ebedjesu  den  Jesubocht  vor 
Simeon,  dagegen  umgekehrt  den  Simeon  vor  Jesubocht  im  Catalogus, 
Assemani  III  S.  279  und  im  Tukkasa  bei  Chabot,  Synodicon  S.  611.  Diese 
letztere  Reihenfolge  hat  auch  Eiias  von  Nisibis  im  Tractatus  S.  55  Kol.  2. 
Bei  dem  voiligen  Versagen  der  Oberlieferung  miissen  wir  uns  dem  Inhalt 
des  Werkes  zuwenden,  um  zu  prufen,  ob  es  uns  etwas  iiber  seinen  Autor 
und  dessen  Zeit  zu  lehren  vermag. 

Der  Verfasser  Simeon  auBert  sicli  nicht  fiber  die  literarischen 
Quelien  seines  Wissens.  Nur  gelegentlich  beruft  er  sich  auf  Theodorus 
von  Mopsueste  (t  428)  auf  S.  230,  15;  232,20;  244,26  (auf  den  Kom- 
mentar  zum  Romerbrief);  je  einmal  auf  das  Konzil  des  Patriarchen  Eze- 
chiel  voiu  Jahre  576  auf  S.  244, 9  und  auf  dasjenige  des  Patriarchen 
Jesujabh  I.  voni  Jahre  587  auf  S.  250  §  20.  Unser  Autor  muf5  also  nach 
dem  Jahre  587  gelebt  haben.  Weiteres  und  mehr  positives  durfte 
seinem  Werkchen  selbst  nicht  entnommen  werden  konnen. 

Man  hat  nun  bisher  vermutet',  dal5  der  Verfasser  dieses  Rechts- 
spiegels,  Erzbischof  Simeon  von  Rew-Ardasir,  identisch  sei  mit  dem  ein- 
zigen  anderen  Erzbischof  Simeon  von  Rew-ArdaSir,  von  dem  wir  Nach- 
richt  haben  und  der  dadurch  bekannt  geworden  ist,  dal5  der  Patriarch 
Jesujabh  III.  Briefe  an  ihn  richtete,  die  Briefe  XIV  und  XVI  seiner  Samm- 
lung  (s.  Duval,  Isoyabh  Patriarchae  III.  liber  epistularum,  Paris  1905, 
S.  179.  185,  auch  S.  200).  Wenn  also  unser  Simeon  mit  dem  Zeitgenossen 
des  Patriarchen  Jesujabh  III.  identisch  ware,  dann  ware  seine  Zeit  durch 
die  Regierungszeit  dieses  Patriarchen  von  647 — 658  festgelegt,  und  unser 
Erbrechtslehrer  Simeon  ware  dann  niehr  ais  100  Jahre  alter  als  der  Ver- 
fasser des  Corpus  Juris,  Jesubocht  (um  775—779). 

Ich  kann  mich  dieser  Ansichf  nicht  anschlieBen,  wenn  ich  auch 
von  vornherein  bekenne,  da(J  ich  sie  nicht  mit  positiven  Tatsachen  be- 
kampfen  kann.  Man  setzt  den  Erbrechtslehrer  und  Erzbischof  Simeon, 
dessen  Zeit  ganzlich  unbekannt  ist,  nur  deshalb  einem  anderen  Erzbischof 
desselben  Namens  und  derselben  Diozese  gleich,  weil  zufallig  ein  solcher 


'    Assemani,  Bibliotheca  orientalis  111,704;  Duval,  La  litterature  Syriaque 
S.  181;  Riicker,  a.  a.  O.  S.  18. 


—     XX     — 

in  der  Korrespondenz  eines  Patriarchen  des  T.Jahrhunderfs  erwahnt  wird, 
walirend  es  doch  auf  demselben  Erzbistumsthrone  vorher  und  nachher 
vicle  Sirneone  gegeben  liabeii  kann.  1st  doch  die  Reihe  der  Namen  der 
Erzbischufe  von  Rew-ArdaSir  iins  niclit  vollstaiidig  uberliefert '.  Was  es 
mir  aber  im  besonderen  bedenklich  erscheinen  laBt,  unseren  Simeon  in 
die  Zeit  647— 658,  also  vorjesubocht  zu  setzen,  ist  folgender  Umstand. 
Jesiiboclit,  ebenfalls  Erzbiscliof  von  Rew-ArdaSir,  sajjt  in  der  Einlcitung 
seines  Corpus  juris,  S.  11,4.  5,  da(S  die  biirgerlichen  Gesefze,  die  in  der 
persischen  Christenwelt  galten,  vor  seiner  Zeit  noch  nicht  auf- 
gezeichnet  war  en.  Es  Jiat  nun  doch  etwas  recht  bedenkliches,  an- 
zunehmen,  dafi  Jesubocht,  weiin  einer  seiner  Vorganger  im  Amte  bereits 
ein  sclirifti  iches  Erbrccht  iiinterlassen  hatte,  dies  cntweder  nicht  ge- 
kannt  oder  absichtiich  ignoriert  haben  sollte.  Ich  neige  daher  zu  der 
Annahme,  daB  Simeon  jiinger  ist  als Jesubocht,  nach  ihm  geschrieben  hat. 

Auch  der  folgende  Umstand  scheint  mir  beachtenswert.  Jesubocht 
kanipft  leidenschaftlicii  gegen  die  Lelire  Zoroasters  und  ihre  in  das  christ- 
liche  Familienleben  ausstrahienden  Wirkungen,  speziell  in  seinem  Erb- 
recht  Buch  IV,  i  §  5  S.  Q7ff.,  wahrend  Simeon  in  seinem  Erbrecht  den 
Zoroastrianismus  nicht  oder  nicht  mehr  miteinem  Worte  erwahnt  ^  Auch 
dies  scheint  mir  auf  eine  jiingere  Zeit,  auf  die  Zeit  nach  Jesubocht 
hinzudeuten,  als  die  Zoroastrier  unter  dem  Ansturm  des  Islanis  schon 
so  bedeutungslos  geworden  waren,  dafi  Simeon  nicht  mehr  Veranlassung 
fand,  sich  mit  ihren  Theorien  und  Gesetzen  zu  beschaftigen  und  etwaige 
Brauche  seiner  Zeit  auf  ihren  magischen  Ursprung  zuriickzufiihren. 

Wenn  ich  daher  geneigt  bin,  Simeon  der  Zeit  nach  Jesubocht, 
also  nach  775 — 779,  zuzuweisen,  so  mochte  ich  anderseits  keinen  be- 
sonders  groBen  Zeitrauni  zwischen  diesen  beiden  Mannern  annehmen. 
Denn  die  Gedanken,  welche  Simeon  in  seiner  Einleitung,  seinen  Insti- 
tutionen  auf  S.  212— 234  iiber  die  Quellen  des  cliristlichen  biirgerlichen 
Reclits,  iiber  ihr  Verhjiltnis  zum  mosaischen  Recht  und  iiber  das  Wesen 
der  christlichen  Tradition  entwickelt,  sind  ganz  dieselben  wie  bei  Jesu- 
bocht. Nun  konnen  zwar  diese  Ideen  aus  dem  Werke  des  einen  in  das- 
jenige  des  anderen  iibertragen  worden  sein,  ich  halte  es  aber  bei  der 
grolkn  Obereinstimmung  in  den  Gedanken  und  der  vullig  verschicdenen 
Form  der  Darstellung  fiir  wahrscheinlicher,  dafi  wir  hierin  im  groBen 
und  ganzen  die  Vorstellungen  eines  und  desselben  Zeitalters  zu  erkennen 
haben.     Es  mag  dahingestellt  bleibcn,  ob  die  Untersuchung  des  juristi- 

'   Unter  die  im  Synodicon  genannten  s.  Chabot  S.  681. 

'^  Von  pesend,  bihdadhastani,  abasakhuni,  dudagsalari  und  anderen  Ent- 
lehnungen  aus  dem  Zoroastrianismus,  die  bei  Jesubocht  vorkommen  (s.  oben 
S.  XII),  ist  bei  Simeon  mit  keinem  Wort  die  Rede. 


—     XXI     — 

schen  Inhalts  unseres  Spiegels  und  die  Vergleichung  desselben  mit  ver- 
wandten  Materialien  von  seiten  beriifener  Rechtshistoriker  vveitere  Indizien 
iiber  Ursprung  und  Alter  desselben  ergeben  werden;  ich  meinerseits 
kann  mich  nur  dahin  aussprechen,  daB  ich  das  Werk  Simeons  fur  eine 
Gelegenheitsschrift  halte,  in  der  der  Erzbischof  der  Persis  einem  Bischof 
seiner  Diozese  auf  dessen  Fragen  iiber  die  Hauptelemente  des  Erbrechts 
bundigen  und  verstandigen  Bescheid  gibt,  und  daB  sie  nach  Jesubocht 
(um  775—779),  aber  in  einem  nicht  zu  weiten  Zeitabstande  von  ihm 
verfaBt  worden  ist  Zu  weiterer  Charakteristik  seiner  Methode  und  Lelire 
mag  die  folgende  Darlegung  dienen. 

Fur  Simeon  ist  die  allein  maBgebende  Quelle  alles  christlichen 
Rechts  die  2JSot'oVt'f>,  d.  i.  die  Oberlieferung  der  Vater  (vgl.  Jesu- 
bocht S.  11,2),  die  er  durch  das  Neue  Testament  auf  den  Messias,  durch 
das  Alte  auf  Moses  zuruckfiihrt.  Er  verteidigt  sie  gegen  die  judische 
Auffassung  von  der  alleinigen  Rechtsverbindlichkeit  des  mosaischen  Ge- 
setzes  (vgl.  Jesubocht  S.  45 ff.  Kap.  VII)  und  weist  darauf  hin,  daB  letzteres 
durch  den  Messias  eine  ganz  andere  Bestimmung  bekommen  habe,  daB 
der  Messias  nicht  erschienen  sei,  um  burgerliche  Gesetze  fiber  Mein  und 
Dein  zu  geben,  daB  er  vielmehr  das  Idealgesetz  gegeben,  das  alien  anderen 
menschlichen  Dingen  zur  Richtschnur  dienen  miisse  (ebenso  Jesubocht 
S.  17  Kap.  X).  Auf  den  Einwand  der  Gegner,  daB  die  christlichen  Ge- 
setze in  verschiedenen  Christenlandern  differieren  (s.  Jesubocht  S.  21 
Kap.  Xni),  erklart  er  seiche  Verschiedenheiten  in  weltlichen  Rechtsfragen 
fur  irrelevant  gegenuber  dem  Idealgesetz  des  Evangeliums,  jedenfalls  fur 
nicht  wesentlicher  als  einzelne  Verschiedenheiten  in  den  gottesdienstlichen 
Gebrauchen  (S.  232). 

Von  solchen  differierenden  Ansichten  innerhalb  des  christlichen 
Rechtes  spricht  Simeon  an  zwei  Stellen,  einmal  in  §  11,  betreffend  die 
Frage  der  Aufnahme  eines  befreiten  Sklaven  in  den  Klerus  (S.  244,  15), 
und  in  §  15,  betreffend  die  Fragen,  ob  die  verheiratete  Schwester  neben 
der  Mutter  und  den  rechten  Brudern  zur  Erbschaft  berufen  werden  soil, 
und  ob  die  Mutter  ihren  Sohn  neben  dessen  Brudern  beerbt  oder  nicht 
(S.  246, 28;  248,12).  Charakteristisch  fiir  Simeons  Spiegel  ist  die  be- 
sonders  nachdriJckliche  Vertretung  des  erbrechtlichen  Interesses  der 
Wit  we,  denn  von  den  22  Paragraphen  der  Schrift  sind  allein  sechs, 
die  §§  1.  3.  4.  5.  9.  19  lediglich  diesem  Gegenstande  gewidmet.  Vielleicht 
war  sein  Interesse  gerade  fur  die  Verteidigung  und  Sicherung  der  Witwe 
im  Erbrecht  durch  solche  provinzielle  Sitten  wachgerufen,  welche  Jesu- 
barnun  im  §  27  seines  Rechtsbuches  (s.  Band  II  dieser  Rechtsbucher 
S.  167)  berichtet,  nach  denen  z.  B.  in  Westbabylonien,  in  Hira,  die  Wieder- 
verheiratung  der  Witwen  verboten  zu  werden  pflegte.   In  dem  Zusammen- 


—     XXII     — 

hang  der  erbrechtlichen  Stellung  der  Witwe  spricht  Simeon  auf  S.  238,26 
von  Heiden  .?*\.i>«.  und  beliaiiplet,  dali  bei  ihnen  ein  ehebrecherisches 
und  Iiurerisches  Weib  niclit  veraclitet  werde.  Da  dies  von  Muslims  und 
Zoroastriern  niclit  gelten  kanii,  ist  niclit  rccht  zu  erselicn,  wen  er  mit 
diesen  Heiden  nieint  (vgl.  jedoch  S.  259, 38).  An  einer  anderen  Stelle,  wo  er 
vom  Heidentum  spricht  (S.  248, 36),  kann  der  Islam  darunter  verstanden 
werden.  Nicht  ersichtlich  ist  ferner,  wen  Simeon  mit  dem  Ausdrtick 
judices  exteri  S.  246,39  bezeichnet.  Vgl.  die  Anmerkung  zu  der  Stelle 
hier  S.  358  und  Riicker,  a.  a.  O.  S.  53.  Wenn  man  den  materiellen  Inhalt 
des  Simeonschen  Erbrechts  mit  demjenigen  Jesubochts  im  Buch  IV  seines 
Corpus  juris  vergleicht,  ergibt  sich  sofort  eine  weitgehende  Oberein- 
stimmung  in  alien  Hauptsachen,  daneben  aber  treten  Besonderheiten  auf, 
die  es  nach  meiner  Ansicht  als  ausgeschlossen  erscheinen  lassen,  Simeons 
Schrift  lediglich  als  einen  Auszug  aus  dem  groBeren  Werke  Jesubochts 
Oder  etwa  als  eine  Erganzung  dazu  anzusehen.  So  lehrt  z.  B.  Simeon  in 
§  1,  daB  die  Witwe  ihren  kindcrlosen  Oeniahl  allein  und  unter  AusschluB 
seiner  Geschwister  beerbt.  Und  dies  ist  gerade  derjenige  Satz  des  Erb- 
rechts, den  Jesubocht  S.  99, 40 ff.  bekampft,  denn  nach  ihni  erbt  die  Witwe 
luir  die  eine  Halfte  des  Nachlasses  ihres  Gemahls,  wahrend  die  andere 
Halfte  seiiiem  Blutsverwandten  zufallt  (s.  S.  103  Abs.  f  und  g).  Die  Dar- 
stellung  Simeons  ist  durchweg  diejenige  eines  weltlichen  Juristen,  nir- 
gendwo  tritt  bei  ihm  ein  kirchliches  Sonderinteresse  hervor,  audi  nicht 
bei  der  Erwahnung  frommer  Stiftungen  (S.  238,  2),  wo  ein  minder  objek- 
tiver  Geist  hatte  versucht  sein  konnen,  das  Interesse  der  Kirche  etwas 
mehr  hervortreten  zu  lassen. 

Das  Schriftchen  Simeons  ist  von  den  spateren  Sammlern  und  Ex- 
zerptoren  in  gleicher  Weise  wie  das  Corpus  juris  Jesubochts  benutzf 
(s.  oben  S.  XV  ff.).  Von  einer  arabischen  Ubersetzung  finden  sich  in  dem 
auf  S.  XVI  erwahnten  Codex  arabicus  153  der  vatikanischen  Bibliothek 
einige  zerstreute  Reste. 


Mar  Abha. 

Die  Schrift,  welche  ich  an  dritter  Stelle  diesem  Bande  einverleibt 
habe,  ist  die  kleinste,  inhaltlich  am  wenigsten  ergiebige,  aber  dadurch 
beachtenswert,  dali  sie  alter  ist  als  das  Corpus  juris  von  Jesubocht  und 
das  Erbrecht  von  Simeon,  und  daB  sie  von  eineni  Manne  herriihrt,  der 
in  der  Oeschichte  seiner  Zeit  und  seines  Volkes  als  Patriarcli  eine 
groBe  RoUe  gespielt  hat.  Der  kleine  Traktat  Mar  Ablias  iiber  Ehe- 
recht  ist  das  alteste  Spezimen,  der  alteste  Versuch  rein  juristischer  Lite- 
ratur   ini   cliristlichcn   Orient,    von   dem   wir  zur   Zeit   Kenntnis   haben. 


—     XXIII     — 

etwas  ursprunglich  in  der  Form,  aber  grundlegend  fiir  die  Einrichtung 
des  burgerlichen  Lebens  nach  christlichen  Grundsatzen,  in  der  Haupt- 
sache  ein  Kommentar  zu  den  Ehehindernissen  des  mosaischen  Gesetzes 
in  Leviticus  18  und  den  verwandten  strafrechtlichen  Bestinimungen  in 
Leviticus  20,  10 — 21.  Zwar  hatte  das  Christentum  aus  seiner  antiocheni- 
schen  Heimat  eine  Sammlung  romischer  Rcciitssatze  mitgebracht,  diese 
aber  geniigten  nicht,  um  dem  Leben  seiner  Bekenner  die  spezifiscli  christ- 
liche  Rechtsgrundlage  zu  geben.  Dazu  bedurfte  es  einer  Erganzung  und 
Anderung  aus  den  Quellen  christiicher  Erkenntnis.  Und  wie  das  Christen- 
tum aus  dem  SchoBe  des  Judentums  erwaclisen  war,  so  geht  der  erste 
Versuch  einer  Reciitsiehre  vom  mosaischen  Rechte  aus,  zuglcich  aber 
diejenigen  Punkte  hervorhebend  und  ausfiihrend,  durch  welche  die 
evangeiische  Lehre  sich  von  der  mosaischen  unterscheidet.  Erst  nach- 
dem  die  schweren  Verfojgungszeiten  im  vierten  Jahrhundert  unter  Sapor  II. 
(309 — 379)  iiberstanden  waren  und  die  Christenwelt  durch  die  Verfassung 
von  410  zu  einer  Einheit  zusammengeschlossen  war,  setzte  eine  gesetz- 
geberische  Tatigkeit  in  groBerem  MaBe,  ausgeiibt  durch  die  Konzilien 
der  Jahre  420,  424,  484,  486,  497  ein,  in  erster  Linie  dem  Ausbau  und  der 
Befestigung  der  Episkopaiverfassung  gewidmet,  wahrend  Bestinimungen 
uber  burgerliches  Recht  nur  ganz  sporadisch  auftraten.  Von  alien  Ge- 
bieten  des  ietzteren  lag  den  geistigen  Fuhrern  des  Volkes  keines  so  sehr 
am  Herzen  als  das  Eherecht,  und  im  folgenden  Jahrhundert,  in  der  Zeit 
des  gToBen  Chosroes  Anuschirwan  (531  —  578)  tritt  dann  unser  Mar  Abha 
in  seinen  Kampfen  fur  christiiches  Wesen  gegen  die  magischen  Priester 
und  Beamten  des  Reiches  zuerst  mit  einer  Monographic  iiber  Eherecht 
hervor,  um  die  christliche  Ehe  rein  darzustellen  und  alle  diejenigen  Ele- 
mente  auszusondern,  die  ihr  aus  judischen,  magischen  und  heidnischen 
Kreisen,  aus  denen  sie  hervorgegangen  war,  noch  anhafteten.  Ausfiihr- 
iiche  Darstellungen  des  Eherechts  folgen  dann  erst  mehr  als  zwei  Jahr- 
hunderte  spater  in  islamischen  Zeiten  unter  den  alteren  Abbasidenkalifen, 
diejenigen  des  Jesubocht  und  der  Patriarchen  Timotheos  und  Jesubarnun. 
Mar  (d.  i.  Monsignore)  Abha  war  Patriarch  von  539  —  552.  Was 
wir  iiber  ihn  wissen  ',  geht  in  der  Hauptsache  auf  eine  inhaltreiche  Bio- 
graphic zuriick,  welche  Bedjan,  Histoire  des  Mar-Jabalaha,  de  trois  autres 
patriarches  usw.,  Paris-Leipzig  1895,  auf  S.  206—274  veroffentlicht  hat=. 


'  Siehe  O.  Braun,  Buch  des  Synhados  S.  93— 97;  Chabot,  Synodicon 
S.  318  Anm.  1   und  Labourt,  Christianisme   dans  I'empire  Perse  S.  163— 191. 

=  Uber  den  Namen  des  Patriarchen  Abha,  d.  i.  Vater  spricht  sich  der 
Biograph  S.  209  in  folgender  Weise  aus:  er,  dem  der  Name  wie  durch  eine 
prophetische  Voraussicht  gegeben  war,  denn  sein  Name  war  Abha  (-;  Vater), 
und  ein  Vater  war  er  alter  Christen  usw.« 


—     XXIV     — 

Diese  Schrift  ist  vielleicht  nicht  lange  nach  dem  Tode  Mar  Abhas  ver- 
faBt,  jedenfalls  aber  noch  in  sasanidischer  Zeit,  denn  sie  gibt  so  viele 
Titel  von  sasanidisclien  Rcichsbeamten,  die  fiir  cincn  im  Islam  schrei- 
benden  Biographen  unverstandlicli  iind  ohne  Interesse  waren. 

Abha  war  aus  dem  Heidentum  hervorgegangen.  Im  Dienst  eines 
sasanidischen  Beamten  tatig  wind  er  Christ,  getauft  im  babylonischen 
Orte  Akkad,  verlaBt  dann  seinen  Herrn  und  geht  nach  der  damaligen 
Hochschule  der  ostlichen  Christenwelt  Nisibis,  urn  sich  in  die  Wissen- 
schaften  des  Christentums  einfiihren  zu  lassen.  Er  vollendet  seine  Bildung 
durch  ausgedehnte  Reisen  nach  Agypten,  Athen,  Korinth,  Konstantinopei, 
Antiochien,  Edessa  und  zuriick  nach  Nisibis,  sowie  durch  Umgang  mit 
hervorragenden  Mannern.  Wahrend  seines  Aufenthaits  in  ietzlerer  Stadt 
empfangt  er  durch  Kuriere  die  Nachricht,  dafi  er  ohne  sein  Wissen  in 
Seleucia  zum  Patriarchen  erwahit  worden  ist. 

Er  ubernahm  sein  Amt  unter  den  denkbar  ungunstigsten  und 
schwierigsten  Verhaltnissen.  15  Jahre  iang,  von  524  —  539,  war  die  ganze 
ostiiche  Christenwelt  unter  derFiihrung  der  beiden  einander  bekampfenden 
Patriarchen  Elisa  und  Narses  in  zwei  feindliche  Lager  zerrissen  gewesen, 
und  seine  Aufgabe  war  es  nun,  dies  Schisma  niederzukampfen  und  die 
Einheit  wieder  herzustellen '.  Eine  unermiidliche  Tatigkeit  zu  Hause  wie 
auf  Reisen  stellte  er  in  den  Dienst  der  heiiigen  Sache.  In  der  Nacht 
beschaftigte  er  sich  mit  dem  Schreiben  von  Briefen,  die  er  im  Interesse 
der  Kirchenverwaitung  nach  alien  Landern  schickte,  am  Tage  bis  zur 
4.  Stunde  mit  der  Erklarung  der  heiiigen  Schriften,  und  von  der  4.  Stunde 
bis  zum  Abend  saB  er  zu  Gericht  und  schlichtete  Streitigkeiten  unter  den 
Christen  und  solche  zwischen  Heiden  und  Christen<  (Vita  S.  226).  In  den 
ersten  Jahren  seines  Patriarchats  konnte  er  sich  unbehindert  seinem  Amte 
widmen,  und  in  diese  Zeit  fallt  seine  Reise  nach  Mesene,  Susiana  und 
der  allzeit  gcgen  das  Patriarchat  aufsassigen  Persis,  dann  aber  begannen 
die  Schwierigkeiten  mit  der  persischen  Reichsregierung.  Die  zoroastri- 
sche  Geistlichkeit  verklagte  ihn  bei  dem  Konig  der  Konige:  »Der  Catho- 
likos  Abha,  das  Oberhaupt  der  Christen,  ziihlt  Euch  nicht  zu  den  Konigen 
und  Herren,  diese  Eure  glorreiche  Herrschaft  ehrt  er  nicht.  .^Is  er  nach 
der  Persis  und  den  siidlichen  Provinzen  Eures  Reiches  ging,  empfing 
man  ihn  (dort)  mit  groBen  Ehren.  Die  Religion  des  Magismus,  die  von 
Gott  Horniizd  gegeben  ist  und  nach  der  Euer  Reich  regiert  wird,  stellt 
er  als  etwas  verachtliches  hin,  widerlegt  und  bekampft  sie.  Viele  Magier 
hat  er  zum  Christentum  bekehrt.    Unsere  Religion  verkleinert  er  und 


'    Abha  war  mir  durch  ein  kurzes,  hochstens  einjahriges  Patriarchal  des 
Paulus  von  dem  Schisma  getrennt. 


—     XXV     — 

die  seinige  vergroBert  er.  Uns,  die  obersten  der  Magier,  behandelt  er 
wie  Luft.  Kiirz,  er  ist  ein  Freund  des  romischen  Kaisers  und  ein 
Feind  Eurer  Herrschaft.'-  Die  Foige  des  so  entzundeten  Kampfes  war, 
daB  Abha  von  den  13Jahren  seines  Patriarchats  lOJahre  in  Ketten  und 
Banden  verbrachte,  teils  in  der  Hauptstadt,  mehr  noch  in  Adlierbaigan 
und  an  dem  umiierziehenden  Hofiager  des  Konigs,  wiederholf  dem 
Martyrertode  nahe,  immer  wieder  gerettet,  und  dies  wohl  niciit  ohne 
das  Verdienst  des  GroBkonigs.  Oegen  Ende  des  Lebens  erlangte  er 
wieder  seine  Freiheit,  starb  im  Jahre  552  und  wurde  beigesetzt  in  der 
Patriarchatskirche  zu  Kokhe-Seleucia. 

Die  Lebensaufgahe  Ablias  war  eine  doppelte:  die  Wiedervereinigung 
der  cliristiichen  Kirche  und  Nation  nacli  langer,  kampfcreicher  Spaltung 
und  die  Reinigung  des  biirgerlichen  Lebens,  besonders  des  Eiielebens, 
das  unter  der  Einwirkung  der  miteinander  urn  die  Macht  ringenden 
Parteien  sich  von  dem  christlichen  Ideal  vielfach  wcit  entfernt  zu  liaben 
scheint.  Er  unternahm  weite  Reisen  um  die  Gemeindeu  zu  visitieren, 
und  diejenigen  Kleriker,  welche  wahrend  des  Schismas  ohne  die  richtige 
apostolische  Weihe  angestelit  waren,  zu  gntfernen  uiui  tiiircii  solche, 
denen  er  die  Weihe  gab,  zu  ersetzen.  Speziell  iiber  seine  Reise  nach 
Mesene,  Susiana  und  der  Persis  haben  wir  seinen  authentischen  Bericht. 
Und  wahrend  der  Zeit  seiner  Gefangensciiaft  wirkte  er  in  gleicheni  Sinne 
durch  seine  Korrespondenz,  wie  es  scheint,  iiberall  mit  durchschlagendem 
Erfolg.  Aber  nicht  aiiein  die  geistiichen  Personaiien  waren  es,  welche 
seine  reinigende  Tatigkeit  erforderten,  sondern  auch  die  Sitten  der  Geist- 
lichkeit.  Die  Episkopalverfassung  war  stark  denaturiert,  die  Reclite  und 
Pflichten  der  einzelnen  Kleriker  voni  Erzbischof  bis  zum  eiufaciien 
Priester  in  den  Verhaltnissen  zu  ihrer  Gemeinde  wie  unter  einander  waren 
nach  nienschlicher  Willkiir  geinodeit  worden.  Audi  hicr  niuBte  ein- 
gegriffen,  das  kanonische  Recht  der  Kirche  in  Erinncrung  gebracht,  der 
Gehorsam  gegen  dasselbe  in  aller  Scharfe  gefordert  werden. 

Neben  der  Reform  der  Geistlichkeit  und  ihrer  Sitten  kampft  unser 
Patriarch  gegen  die  unchristlichen  Sitten,  die  wahrend  des  Schismas  in 
das  Leben  der  Laien,  besonders  in  das  Eheleben  eingedrungen  waren, 
die  Inzestehe  und  Bigamie  persischen  Ursjirungs  und  die  Leviratsehe 
judischen  Ursprungs.  Er  befahl,  dal5  niemand  das  Weib  seines  Vaters, 
seine  Schwiegertochter,  das  Weib  seines  Onkels  (Vaterbruders),  zwei 
Weiber  zugleich  heiraten  solle.  Wer  es  tue,  solle  von  der  Kirche  aus- 
geschlossen  sein.  Wegen  dieses  Eingriffs  in  die  Landessitten  vor  den 
persischen  Behorden  verklagt,  steiien  diese  ihm  das  folgende  Verlangen : 
(•LaB  die  Manner,  welche  vor  deinem  Patriarchal  solche  Weiber  ge- 
heiratel  haben,  und  die  Weiber,  welche  die  Frauen  solcher  Manner  ge- 


—     XXVI     — 

worden  sind,  in  die  Kirche  kommen,  da  sie  dies  docli  nicht  zu  deiner 
Zeit  getan  liaben.<  Der  Patriarch  weigert  sich.  Die  Magier  stcllen  ilim 
weiter  die  Frage,  ob  er  dem  Grolikonige  gehorciien  odcr  cvcntueli,  vvenn 
seine  Religion  etwas  Anderes  von  ihni  verlange,  deni  Konige  den  Oe- 
horsam  versagen  werde,  worauf  Abha  zunachst  eine  ausweichende  Ant- 
wort  gibt,  dann  aber  auf  weiteres  Drangen  der  Gegner  erklart,  man 
miisse  Gott  mehr  gehorchen  als  den  Menschen  (Vita  S.  235—237).  Nach 
einiger  Zeit  werden  ihni  in  eincr  scliriftlichcn  Urkunde'  vier  Forderungen 
gestellt,  deren  Annahme  durch  seine  Unterschrift  die  gegen  ihn  ein- 
geleitete  Untersuchung  aufheben  werde: 

1.  Er  solie  nicht  diejenigen,  welche  mit  den  Frauen  ihrer  Vater, 
ihren  Schwestern,  Schwiegertochtern  und  anderen  Weiliern, 
welche  er  perhorresziere,  verheiratet  seien,  aus  der  Kirche 
ausschlieBen. 

2.  Er  solle  nicht  Gericht  (in  biirgerlichen  Streitfragen)  halten. 

3.  Er  solle  nicht  Magier  und  Heiden  zum  Christentum  hcruber- 
ziehen. 

4.  Er  solle  nicht  den  Christen  verbieten  von  deni  Fleisch  zu 
essen,  iiber  welches  der  Segen  nach  zoroastrischem  Ritus 
gesprochen  sei  (a.  a.  O.  S.  238). 

Abha  weigert  sich  die  geforderte  Erklaning  zu  geben,  und  daniit  be- 
ginnt  die  Verfoigung,  die  in  der  Hauptsache  bis  gegen  das  Ende  seines 
Lebens  anhielt.  SchlieBlich  wurde  ihm  gestattet  zu  wohnen,  wo  er  wolle, 
doch  wie  es  scheint  unter  standiger  Bewachung  eines  Polizisten  (S.  26Q, 
10  — 12).  Die  eben  genamiten  Klagepunkte  wurden  in  eineni  anderen 
Stadium  der  Verfoigung  in  folgender  Weise  formuliert: 

1.  Du  wendest  die  Magier  ab  von  dem  Din  (der  Staatsreligion) 
und  machst  sie  zu  Christen. 

2.  Du  lassest  deine  Volksgenossen  nicht  so  viele  Weiber  wie  sie 
wollen  heiraten. 

3.  Das  biirgerliche  Gericht  hast  du  den  Magiern  entrissen  und 
dir  angeeignet. 

4.  Du  warst  ein  Heide  und  bist  erst  neuerdings  Christ  geworden. 

5.  Oberall,  wo  du  auch  bist,  machst  du  Bischofe,  Priester  und 
Diakone  und  heilkst  sie  das  Christentum  zu  verbreiten  gleich 
dir  selbst  (a.  a.  O.  S.  254). 

Allem  dieseni  Drangen  zum  Trotz  erlal5t  Abha  das  Gesetz,  daB  derjenige, 
der  in  einer  von  ihm   verbotenen   Ehe   (Perserehe,  Schwagerinnenehe, 


'    Sie   wird  bezeichnet  als  'Jj  ^r— -^  -  ''• '•  Frageschrift. 


—     XXVII     — 

Leviratsehe  und  Ehe  mit  einer  Nichtchristin)  lebe,  etwa  infolge  der  Oe- 
setzlosigkeit,  die  wahrend  des  Schismas  eingerissen  war,  einen  Monat 
bis  zu  einem  Jahr  Bedenkzeit  bekommen  solle;  wenn  er  bis  dahin  die 
Ehe  nicht  lose,  sei  er  von  der  Kirche  ausgeschlossen,  und  zwar  so  lange, 
bis  er  sie  lose,  er  sowohl  wie  die  Fran  (Sendschreiben  ed.  Bedjan, 
S.  282.  283) '. 

Dies  allgemeine,  an  Kleriker  wie  Laien  gerichtete  Verbot  erieidet 
nur  eine  einzige  Ausnahme  zugunsten  derjenigen  Laien,  welche  in  der 
judischen  Leviratsehe  oder  der  aus  ihr  hervorgegangenen  Schwagerinnen- 
ehe  lebten.  Und  wenn  auch  der  Kampf  gegen  diese  Form  der  Ehe  im 
Leben  unseres  Patriarchen  eine  Rolle  spielt,  miissen  wir  wohl  annehmen, 
daB  sie  vielfach  vorhanden  gewesen  ist,  dal]  aus  den  zahlreiclien  jiidi- 
schen  Gemeinden  Babyloniens  und  der  Nachbarlander  viele  Familien 
zum  Christentum  ubergetreten  waren,  die  sich  von  der  nach  vaterlichem 
Recht  empfohlenen  Sitte  nicht  trennen  niochten.  Gegen  diese  ist  das 
Auftreten  des  Patriarchen  minder  schroff,  ja  er  bequemt  sich  sogar  dazu 
sie  zu  dulden.  Diejenigen,  welche  in  Unwissenheit  der  gottlichen  Gesetze 
ihre  Bruderswitwe  geheiratet  haben,  gar  in  dem  Gedanken,  daB  dies  sehr 
verdienstlich  sei,  sollen  ihre  Ehe  losen.  Wenn  ihnen  das  aber  schwer 
werde,  weil  sie  schon  lange  verheiratet  sind  oder  Kinder  haben,  dann 
sollen  beide  Eheleute  ein  Jahr  lang  fasten,  Gott  um  Vergebung  bitten, 
einen  Teil  ihrer  Habe  als  Almosen  geben  und  dann  Absolution  erhalten 
(also  in  ihrer  Ehe  weiter  leben ;  a.  a.  O.  S.  284.  285). 

In  dem  vorliegenden  Eherecht  legt  der  Patriarch  Abha  in  §  2  seine 
Ansicht  iiber  die  Perserehe,  in  §  1 1  uber  die  Leviratsehe  dar.  Das  Ver- 
bot der  Ehe  mit  einer  Nichtchristin  ist  hier  nicht  erwahnt,  wohl  aber 
in  einer  anderen  Schrift  von  ihm  (be!  Bedjan  S.  281,  14;  Chabot,  Syno- 
dicon  S.  336,  1). 

SchluBbemerkung. 

Die  Werke  der  beiden  Erzbischofe  der  Persis,  Jesubocht  uikI 
Simeon,  sind  der  Handschrift  Siriaco  Borgiano  nr.  81,  das  Eherecht 
des  Patriarchen  Mar  Abha  der  Handschrift  Siriaco  Borgiano  nr.  82 
der  vatikanischen  Bibliothek  entnommen.  Es  ist  das  Verdienst  des 
Herrn  P.  Cersoy,  zuerst  auf  diese  wertvollen  Kodizes  durch  seine  Notiz 
in  der  Zeitschrift  fiir  Assyriologie  vom  Jahre  1894,  Band  9  S.  361ff., 
aufmerksam  gemacht  zu  haben.  Mit  der  Geschichte  des  erstgenannten 
beschaftigt  sich  Dr.  Ad.  Rucker  in  Canones  des  Simeon  von  Revar- 
daSir  S.  9. 


Siehe  die  Ubersetzung  bei  Chabot,  Synodicon  S.  332  ff. 


—     XXVIII      — 

Fiir  den  syrischen  Text  konnten  auBer  den  Zitaten  in  dem  bc- 
kannten  Tractatus  von  Ebedjesu  (Mai,  Scriptorum  veterum  nova  colieclio, 
Rom  1838,  torn.  X  S.  1 — 331)  die  reichiichercn  Zitate  in  eincm  andercn 
Werke  Ebedjesus  benutzt  werden,  das  zuerst  durch  Herrn  J.  B.  Chabot 
in  seineni  Synodicon  Orientate  S.  609ff.  bekanntgemacht  worden  ist. 
ich  bin  Herrn  Chabot  zu  groBem  Dank  verbunden,  dafJ  er  mir  dies  in 
seineni  Privatbesitz  bcfindliche  Werk,  betitelt  ll-.?  JC»aoJ^3  IKMX^ 
X^iisX^  fiir  meine  Arbeit  auf  unbeschriinkte  Zeit  zur  \'erfiiji;ung 
gestellt  hat.  Als  ich  es  erhieit,  war  der  Druck  des  Textes  schon 
dem  AbschluB  nahe,  so  daB  ich  mich  daraiif  beschranken  muBte,  die 
Varianten  dieser  neuen  Textqnelle  in  meinen  Anmerkungen  zu  veroffent- 
iichen. 

Wie  in  Band  I  und  II  dieser  Sammlung  habe  ich  auch  in  diesem 
III.  und  letzten  Bande  den  Text  nach  der  romischen  Handschrift  gegeben 
und  meine  Verbesserungsvorschlage  als  Anmerkungen  unter  dem  Text 
hinzugefiigt.  Der  iiberlieferte  Text  ist  nicht  schlecht,  wenn  sich  auch 
vielleicht  noch  mehr  Korruptelen  unter  der  glatten  Oberflache  verbergen,' 
als  ich  bemerkt  habe  und  berichtigen  konnte.  Die  Punktation  und  Inter- 
punktion  der  romischen  Handschrift  ist  verstandig,  aber  keineswegs  fur 
unsere  Interpretation  von  bindender  Auktoritat.  Die  Kapiteliiberschriften 
und  Anfange  hat  der  Kopist  hier  und  da  niit  Punkten  iiberschwemmt, 
deren  Reproduktion  im  Druck  mir  entbehrlich  schien.  Es  ware  in  hohem 
MaBe  wiinschenswert,  daB  weitere  Handschriften  der  altesten  Rechtsbiicher 
in  den  Originalen  sowie  der  spateren  Sammel-  und  arabischen  Ober- 
setzungswerke  gefunden  wiirden,  ganz  besonders  aber  ein  Ersatz  fiir  die 
am  Ende  des  Corpus  juris  von  Jesubocht  fehlenden  Kapitel  beschafft 
wiirde,  und  ich  niochte  die  gelehrten  Kleriker  im  Orient  darauf  auf- 
merksam  machen,  daB  in  den  Sammlungen  in  Mosul,  Rabban  Hormizd, 
in  Dijarbekir,  vielleicht  auch  in  Soord,  in  der  Umgebung  des  Patriarchen 
Simeon  in  Kocanes  und  in  den  Kirchen  der  groBeren  Genieinden  in 
den  Alpenlandern  noch  mancher  Kodex  vorhanden  sein  diirfte,  der  uns 
in  den  Stand  setzen  konnte,  unsere  Kenntnis  von  der  Rechtsgeschichte 
des  ostlichsten  Christentums  zu  vervollsfandigen.  Ob  aus  tausendjiihrigen 
Grabern  in  dem  Boden  oder  den  Ruinen  der  Persis  noch  jemals  wieder 
Reste  der  Literatur  des  dortigen  Christentums  in  der  persischen  Ur- 
sprache  zutage  kommen  werden  gleich  den  Papyrusurkunden  in  Ele- 
phantine, dies  ist  wohl  nur  als  ein  frommer  Wunsch  der  Zukunft  an- 
zuvertrauen. 

Zwischen  dem  Erscheinen  des  III.  Bandes  dieser  Sammlung  und 
demjenigen  des  II.  1908  sind  sechs  Jahre  ins  Land  gezogcn.  Sehr 
gegen  meinen  Willen,  aber  die  Umstande  waren  starker  als  ich.    Die 


—     XXIX     — 

erste  Halfte  dieses  Zeitraums  ist  durch  die  Ausarbeitung  nieines  Werkes 
Aramaische  Papyrus  und  Ostraka  aus  einer  jiidisclien  Militarknlonie  zu 
Elephantine,  Leipzig  1911,  in  Anspruch  genommen  worden. 

Zum  SchluB  erfiille  ich  die  angenehme  Pflicht,  meinen  jungen 
Freunden,  Herrn  Referendar  Dr.  jur.  Erich  Pritsch  und  Herrn  stud.  phil. 
J.  H.  Simchovvitsch  fur  ihre  Hiilfe  bei  dem  Lesen  der  Korrektur,  sowie 
ersterem  auch  fiir  die  Abfassung  des  Sachindexes  meinen  Dank  aus- 
zusprechen. 

Berlin,  20.Juli  1914. 

Eduard  Sachau. 


Inhaltsangabe. 


Seite 

Corpus  juris  des  persischen  Erzbischofs  Jesuboclit  ....  1 — 201 

Erbrecht  oder  Canones  des  persischen  Erzbischofs  Simeon  203—253 

Eherecht  des  Patriarchen  Abha 255—285 

Anmeri<ungen  zum  Corpus  juris  Jesubochts 287—344 

Anmerkungen  zum  Erbrecht  (Canones)  Simeons 345 — 362 

Anmerkungen  zum  Eherecht  .\bhas 363 — 369 

Sachindex 370—385 


Corpus  juris 


des 


Jesubocht. 


Sachau,  Syrische  Rechtsbucher  III. 


Inhaltsangabe 


zuni 


Corpus  juris 


von 

Jesubocht. 

Seite 

Biich  I.     Institutionen 1—23 

16  Kapitel,  s.  Inhalt  auf  S.  5. 

Buch  II.     Eherechl 25—69 

19  Kapitel,  s.  Inhalt  auf  S.  27. 

Buch  III.     Eherecht 71— SQ 

12  Kapitel,  s.  Inhalt  ai:f  S.  73. 

Buch  IV.     Erbrecht 91  —  127 

9  Kapitel,  s.  Inhalt  auf  S.  93. 
Buch  V.     Obligationen 129  —  179 

13  Kapitel,  s.  Inhalt  auf  S.  131. 

Buch  VI.    Obligationen ISl     201 

6  Kapitel,  s.  Inhalt  nuf  S.  183. 


Text  und  Ubersetzung. 


Buch  1. 

Institutionen 

16  Kapitel. 


Sachau,  Syrische  Rechlsbiicher  III. 


—     2 


;.jcx^Aj    .jC33u^P   ;  y,  .  No «^  S.  \,  .  yi   ;\^oa    ^oujl.   ^LaoA 

v^^joJ^o   i^JO*.  o2  23u.A^o  23d^^^   .♦s^o.-v.^xdOkaa  I^oussp 

4sa^oui3cip  ViCl^?  .y.^  23a^.A»  .^^^au.p  2^eu33  I^  ?xx 
. ^..A.^A  2^2^.  2;-<.V.iio  ^    jnoo?  23^.0.^3    u.ct  ^«.aoo.v..Q3   10 
^OLSaawtlad  t\x  IsJoo  %\^>x»  w«>a^J:2^  o2  .^A^2  crisA^ae 

^o;\aP  23aba\  .s^SlM  ;9Xd  >Ax  2^a^^e  .>^e:!si2  ^^m^xo^ 
%lo*P^P  2^aA^^  :  X^w«^  '^i^»?  ^  1.>-^.V  l^?e  .2^'a^A.t 
.^3  UwA  ^?o  2£vi3ljQxX  ^2  ;L\»as^  o^^w^  .0^  1^^  is 
»^aa^0L^^3  j^Spoxo  . Z.3;..>x»  ZmOSS  Z^*.e  2vn.o  \x 
. ♦v^eiaa a>,.bo>3 uAaoaa^  >\....3>aa  Ixl  a'^JOi^aa  :^N\ntt*iae  2^Al!aax 
AViaiaS  :  X'jo'^  hxsS  ^  ftJt.A.ioA  aM\  wA  ^e^xa^ 
%\,  Aft^  "vy, .'» :sAoa  A,ftx>  >*a>aaA  3>.»3lx?  ^??  1^^^  :Lw.30jo 
2adL^  Jix^Ja'io  X>>33  u,:\A3  \\.»  :\d^xa  n^p  Ia2  .uQ>3k5p  20 
is^Ua^^x^p  UjQ>3.d  Ux^  2au.2  30;d>  l^p  u.crr  \x  jse^e  :  Uo; 
ij.»\N  .2*^^1X0  2^^030  u.o70L:i3A.^^  k^olO^^n^  ;s^2^^;^«io 
^^MM^x^p  2.3^2  \ap  .  veL3^'Ta>..  fi^oaa^  1^1  .R»..aLao  :  Uy.30LO 


Hs.  M^  ^^!Op    niit  Tilgung  von    u.^. 


—     3 


Mit  Oott 
fangen  wir  an  zu  schreiben  (d.  i.  zu  kopieren) 

das  Corpus  juris, 

verfaBt  von 

5  Mar  Jesubocht  (Ischobocht,  i.  e.  Jesus  sanctificavit), 

Metropolit  (Erzbischof)  der  Persis, 

auf  Betreiben  der  Bischofe  seiner  Hyparchie, 

und 

ubersetzt  aus  dem  Persischen  in  das  Syrische  auf  GeheiB  und  Betreiben 

10  eines  Mannes  frommen  Andenkens,  des  Mar  (Monsignore)  Timotheos, 

Catholicus-Patriarch  des  Ostens. 


Zuerst  die  Einleitung  {wortlich:  die  Entschuidigung). 

Wenn  ich  auf  der  Wage  meines  Geistes  die  GroBe  deines  her- 
vorragend  ehrenvollen  Auftrages  gegen  meine  mangelhafte  Bildung  ab- 

15  wage,  o  frommer,  in  ailem  gluckseliger,  unser  gesegneter  Vater,  Mar 
Timotheos,  Cattiolicus-Patriarch  (5.  Anm.),  dann  will  mich  bedunken,  es 
sei  besser,  daB  die  Einfalt  meines  Wesens,  die  bisher  den  meisten  ver- 
borgen  war,  deutlich  zutage  trete  und  ich  mich  ihrer  bruste,  als  daB  man 
mich  fiir  einen  Menschen  halte,  der  zu  hochmiitig  ist,  um  deinem  geehrten 

20  Befehle  nachzukommen.  (Ich  muB  um  so  mehr  deinem  Befehle  ge- 
horchen),  als  ich  doch  weiB,  daB  du  zugleich  mit  deinem  Auftrage  mir 
auch  deine  Gebete  fiir  mich  vor  Unserem  Herrn,  dem  Vollender  alles 
Guten,  spendest.  Und  da  mir  nicht  verborgen  ist,  daB  die  Kraft  des  Ge- 
betes,  das  ein  Gerechter  betet,  sogar  schwere  Dinge  und  solche,  die  iiber 

25  die  Natur  des  Menschen  hinausgehen,  zu  vollbringen  vermag,  so  schicke 
ich  mich  an  in  der  Hoffnung  auf  den  heiligen  Geist  und  seine  Kraft 
und  mit  Hilfe  deiner  Gebete,  welche  bei  Gott  Erhorung  und  Annahme 
finden,  an  die  Ausfiihrung  deines  Auftrages  heranzutreten.  Du  hast  mich 
beauftragt,  aus  der  persischen  Sprache  in  die  syrische  das  Corpus  juris, 

30  das  von  dem  Metropoliten  der  Persis,  Mar  Jesubocht,  verfaBt  ist,  zu  uber- 
tragen.  Weil  ich  aber  zunachst  nicht  genugend  geschult  und  fur  eine 
solche  Arbeit  vorbereitet  bin,  und  weil  anderseits  die  persische  Diktion 
an  vielen  Stellen  nicht  dazu  angetan  ist,  daB  ihre  Ausdrucke  sich  leicht 
und  genau  in  das  Syrische  ubertragen  lassen,   so  bitte  ich  Eure  hoch- 

35  weise  Ehrwurden,    daB   ihr,    wo  ihr   in    diesem   Buch  etwas  der  Ver- 

besserung  Bedurftiges  findet,  es  verbessert,  wie  ihr  mir  versprochen  habt. 

Weil  aber  nicht  allein  die  GroBe  Eurer  gottlichen  Weisheit,  sondern 

auch  noch  andere,  welche  die  Tiichtigkeit  des  Verfassers  (des  persischen 


—     4     — 

23a\p  U9  >>ex.Ax3  ,^jfa^»  ';^  U'k^2  .^2o  1^2  :  ^\«o;^2 
wdp9p  >A  2L3isJC».»   :  2por  "2a^eaiv->>.'«LJ  .V  \  'V.iaN  ^3l«>s^ 

3:i^.k»  2zl.Xa>  ^  2:)^ji.iA  2^oA  Aaop  lisc^ieolao  :  Z^oap  ^ 
,,...\.>2  ol«.^^o:2  2'3ujc»m  m>j.J9  \?a.:>p  ^ai^  <^L  %!^1  .2ec7 
.  .'ia.>.r>is^..aop  ^a%j  .otaL5p  Z^^o^^  Z.*JQ>30L.a  ^»%i<i««2p 
O07  :  «s^oo^A^p  Z^ax^ocp  l^ft.eLJC»*^2  ^  ^*y,.\oLa'\  \, . » 
^32o  .jcxt^a^a^J^^  l*X330L:ip  23u.A  ak.3LX^s.s2  ^^h'aa^caa 
i.,tt>\o^^  bXojuu^  ^3i.»  lA^p^jao  j.«jOu.p  2vaa.caN  opca  lo 
.y.,wd^j:2  2a...jo.*.  X^o  23k^.aa\,  2po;j  i^2e  :  JO-..a3>^'>  \..*^ 
^^caI  .oT^soLiii^^aaa  oA>v^.aa^  Jtil  yi.0Jc2  1^  Z3>^p  U3^2 
/:aLac3^2  ll^^p^  l^oi:.il3  209*  Aiat^  :^p  2X3\  ^p 
A^2i3p9  .  ;a^Xx2  Zspo^p  Z^eaa  23b«ajc  ^p  ^9^  :a^  1^2 

•  Zicr  Za^^p  2^oa3:s3k^  Ziaiio^  2is2  otsso?  i>>\^  . U»p>o 
.2dvee-»3^  "r-^  Z-^P  -^^P  ZJC3  -Zj-oP  oo^iop  .^a^p  ZsS 
.Zxaou^p  Zj:S  .2iNo^^3:^  ^  Zj^p  ju'^  Zuoap  .Zba32p  Zss 
^p  Okibi  .  o;.a^is.XDp2pov3o  p^jcx^  o;^  ^kdp  ecr  o^jijep 
ZJm.3  ;se3u.jOM3    .260C3  ZX3    .Za^s  Jsex.is^e    Zup    ;sox>jcxm  20 


oaa»3  .Z^3JC3   Zx3    .Za«3    o2  ^A.3b.da.^  Jsb*   Z&*3  d^ea^i^e 


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Z^o  ^a^ao  Z^  a^:^  Zj.'ta\\,V)p  .auQxxak«.p  Zxa  XJiii  Zjlp  ^ 
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'  1.  Z^p.  '  I.  2^au^:xaa3.  '  1.  laa:^  a^p. 

«  I.  ^aaa2o.  '  I.  Jaaaa^2.  "  1.  J,!aaL^^s2.  '  1.  awJ.«xS 

0V»i>^^JC>p2p9po.  '  i.  >'n\'n\.  '  add.  iXt.p. 


—       D       — 

Originals)  nicht  kennen,  diese  Schrift  (Ubersetzung)  in  die  Hande  be- 
kommen  werden,  so  glaube  icli  fiir  solche  Leser  darlegen  zu  sollen, 
daB  der  Verfasser  sich  nicht  aliein  durch  seine  Forschung,  seine  Be- 
gabung  und  die  Kunst  natiirlicher  Beredsamkeit  vor  Vielen  auszeichnete, 
sondern  dal5  er  audi  sich  dem  Joche  des  Patriarchatsthrones  gutwiilig 
untervs'arf  und  sein  Haupt  neigte,  urn  die  Handaufiegung  von  dem 
frommen  heiligen  Cathoiicus-Patriarch  Mar  Chenanischo'  (s.  Anm.)  zu 
empfangen,  wahrend  oftmals  die  Inhaber  des  Priesterthrones  der  Persis 
als  defekt  befunden  warden,  da  die  Metropoliten  von  den  Bischofen  ihrer 
Hyparchic  eingesetzt  wurden  (und  nicht  vom  Patriarchen). 

Auch  in  der  Beziehung  hat  sich  der  Verfasser  als  ein  vollendeter 
Meister  bewiesen,  daB  noch  niemand  an  seinen  Schriften  etwas  auszu- 
setzen  gefunden  hat.  Da  sie  geschrieben  sind  von  einem  Manne,  der 
zwar  in  der  Kenntnis  der  kirchlichen  Canones  nicht  voilkommen  war, 
trotz  alledem  aber  von  einem  Manne,  der  fest  im  Heiligen  Geiste  war, 
herruhren,  so  mogen  sie  gebuhrend  studiert  und  geschatzt  werden. 


Erstes  Buch. 


Verzeichnis  seiner  Kapitel: 
I.  Was  den  Verfasser  veranlaBt  hat  dies  Buch  zu  schreiben. 
20        II.  Was  man  unter  dina  versteht. 

III.  Was  man  unter  t_erisiitha  (=  rectitude)  versteht. 

IV.  Wodurch  sich  dina  (burgerliches  Recht)  von  terisutha  unter- 
scheidet. 

V.  Was  man  (im  Persischen)  pesend  und  bihdadhastinih  {s.Aiiin.), 
25  d.  i.  Rechtsminus  und  Rechtsplus,  nennt. 

VI.  Ob  man  das  Rechtsminus  und  das  Rechtsplus  (bei  der  Judikatur) 
anwenden  soli  oder  den  dina? 

VII.  Was  der  namosa  (=  v6nos  Oesetz,  Idealgesetz)  ist  und  wodurch 
er  sich  vom  dina  (biirgerlichem  Recht)  unterscheidet. 

30    VIII.  Warum  die  dine  (biirgerlichen  Gesetze)  nicht  bei  alien  Menschen 
gleich  sind. 

IX.  Warum  die  Christen,  wahrend  sie  dieselben  mnoi  haben,  nicht 
auch  dieselben  dine  haben. 

X.  Warum  Unser  Herr  und  seine  Apostel  nicht  in  betreff  der  mensch- 
35  lichen  dine  etwas  verkiindet  haben. 

XI.  Warum  wir,  da  doch  Unser  Herr  und  seine  Apostel  iJber  die 
menschlichen  dine  nichts  verkiindet  haben,  unsere  gegenwartigen 
dine  im  Gebrauch  haben. 

XII.  Dariiber,    daB    die    in    Tugend    und    Gottesfurcht    vollkommenen 
40  Menschen  die  dine  nicht  brauchen,  daB  diese  vielmehr  fiir  solche 

Menschen  dienen,  welche  schwachen  Geistes  sind  und  zum  Un- 
rechttun  neigen. 


—     6     — 

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^.o^  xJepJa  oisl?  •^fU'  >CnSl\.»X5oo  2M.yfo  ^  2SA\x 
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^3  ^^A«2  U'kxouo  Ax  ejis%'n\  :  ^^^uiif  l3rv->  olX>«n;\2 
doi2o  .  Ixiijjp  .^3m  ^  ^3  oo9^  H*jfia  :  eeoT  ^ab  aL^xd  is 
napped  :  locj-^o^  ^bcr  ^3kd.^X3  ^Ad.2  \x  Su^p  ^  .•>^2 
:  la^l  ;soAp  2;sX3u>  \x  Sk^p  ^p  ;s^2o  :  2^o,in  \  3  ox^2 
. .h'l.Vy  2'3u3epp  2;^ea.;s3.^  i\x  su^p  ;^^2o  -^  ^ .  <n  "v  -.«.« 
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2jso  307^0  lAx'tt.*  \.xp  2xlxxd^  .  ^p  v^eoM-»e  .^siop 
Ay, Si  ^2  . ;  Ha  \  V  3  y^ou-ii^l?  2;^^'x«>2e  :  2^oo3o  23a^o 
J30^  ^p  ;^'x«2  .;.>xa2  :«^ax  A.\,ao  .s^2o  .lih^l?  Xxsop  30 
Z^pcoL^p  ^2   ^ecxxp^p   '.aaNgO   t\\.'33a2   ♦.^ft.-i.axip 

'   Leerer  Raiim  in  der  Hds.  -   1.  2J^eXCLJC30k^O- 


XIII.  Wariini  aiich  diejenisi^en  dine,  die  wir  tiirrase  (=  rectificationes) 
neiinen,  iinter  den  Christen  nicht  yleicii  sind. 

XIV.  Ober  die  Behauptung  von  Juden  und  Heiden,  daB  die  Christen 
keine  dine  hatteii  und  daB  die  menschliche  Lebensfiihruny;  ohne 

5  dine  nicht  mciglich  sei. 

XV.  Warum  in  jener  ersten  Anoidnung  (d.  h.  in  deni  vorchristiichen 
Teil  des  gottlichen  Heilsplans)  die  dine  notvvendig  waren,  jetzt 
aber  (seit  dem  Heilswerke  Christi)  nicht  inehr. 

XVI.  Dariiber,  daB  die  Sache  (die  Wissenscliaft)  der  dine  sich  nicht  in 
10  Einzelheiten  und  stiickweise  darstellen  laBt,   daB  sie  aber  in  einer 

allgemeinen  Darstellung  zasammengefaBt  werden  kann. 


I.  Kapitel. 

Was  den  Verfasser  veranlaBt  hat,  dies  Buch  zu  schreiben. 

Wir   lernen,  daB   die  Menschen   friiherer  Zeiten   durch   viele   und 

15  verschiedene  Ursachen  zur  Abfassung  von  Biichern  bestimmt  vi^orden  sind. 
Einige  wurden  zuweilen  von  der  gottlichen  Gnade  angeregt  iiber  die 
Ereignisse  vergangener  Zeiten,  die  dem  Wissen  der  Zeitgenossen  ver- 
borgen  waren,  zu  schreiben.  Zuweilen  hahen  sie  auch  iiber  kiinftige 
Dinge    kraft    des   Oeistes    der    Prophetic   Vorhersagungen    geschrieben. 

20  Zuweilen  belchren  sie  uns  auf  Grund  der  Weisheit  Gottes  oder  indeni 
sie  uns  auffordern,  einen  tugendhaften  Lebenswandel  zu  fiihren.  Andere 
Schriftsteller,  geleitet  von  dem  Giauben,  daB  sie  kraft  natiirlicher  Weisheit 
mehr  wiiBten  als  andere,  haben  sich  bemiiht,  dies  durch  ilire  Schriften 
fiir  das  Studium    der  Nachwelt   zu    iiberliefern,   indem   einige   iiber  die 

25  iibersinnlichen  Dinge  schrieben  —  diese  Wissenschaft  nennen  sie  scientia 
rerum  divinaruni  ,  andere  iiber  die  Sinnenwelt  schrieben  -  -  dies 
nennen  sie  scientia  naturalis,  schlieBlicli  noch  andere  iiber  die  in  der 
Mitte  zwischen  der  iibersinnlichen  und  sinniichen  Welt  befindlichen 
Dinge  schrieben   — ,   diese  Wissenschaft   nennen  sie  doctrina  (Liicke  im 

30  Text),  wie  Arithmetik,  Geometric,  Chaldaismus  (Astrologie)  unil  Musik 
(s.  Anm).  Andere  haben  von  friiheren  Menschen  zur  Belehrung  und 
Erbauung  der  spateren  geschrieben,  andere  von  den  Meeren  und  Fliissen, 
den  Bergen  und  Hiigein  und  anderen  Dingen  dieser  Welt,  sei  es  fur 
das  Studium  Anderer,  sei   es   um   menschlichen  Ruhmes   willen.     Noch 

35  andere  haben  das  Verlangen  gehabt  Biicher  zu  schreiben,  um  (gleichsam) 
Statuen  und  Bildcr  ihrer  Wissenschaft  wie  zum  Andenken  unter  fernen 
Geschlechtern  zu  errichten  (wortUcli:  zusammenzusetzen). 


—     8     — 

2;soj>3^.X30  ^.o^  iv^jsl  .  ^c  2^W V.  *se  Ip^  \\ie  a^  H>p 
♦^^ft  X  \  .3e2  v«>s^23  ..KiTAg  \x  Li2  aaua^  ^.^.  '^  ■'■?^ 
opii^p  •  \  >.2  :  iJcsoLdp  1^033  2^oax.3.\^  ^o^  ....JL^p 
;ji3eaA  ^^'^^J^s  f^'^^?  2^>a.v.n;^.a>.ao  ^oA  2^1.5oA  ^««^^2  s 
lX3^.ao  i^o  .lii  Ji3X»  Z^  2^.^o  ^■oaA^.^e  .'  x  v  .  i  o? 
Ou.ipkaa^  2^^23  Xj.^w.2  :  2^au.3  3  o;\a  23cr  ^  X«2p  :  U2 
j^poTOkX  jaa3J.lpo    . .-.. A\  .T,;\>\  Ok^p  w\«2p    :  lA^ouO 

^^C7  ^233  ^A^2  ^  ^pso  Ua^o^  2eoT3  :  2^2  oou^ov^  lo 
^  •23c^  2;souo^o>^  ;va^  .^^s  ^»l.;s2  .^^31,1^,^^3  ,. .  \  ■  :.^ 
dw2  11,  \  P9  l.^\Zoj.p  SuA.  1^2  1%L.  .^.Sa-  ^233  2S.V\,v 
2avf>  tia  .OT  ;s^j  30L.A3  o^  .Zaw.pp  2;^oa^  :  Lt  \  .  \.i  ^v,o 
^2  ;^2  .:'nv\  laoiax  :!v^e  .  luA^  UxS  :s.^e  2^o\».gLS 
i,.ji.3...2  :  111  y  ^o  1.^9LXe  :  2;\o\.aa.ovj  o^s  xa  cuo  23b«a  13 
3uM  3;s2  >\^33  U'peo;^  3Lao  .2^niV,.y.oka3  ^\ovn  .oua? 
6^0  .2^OTo\l03  .jQu^jiasov^  ^2  ;solao7  .  •yoo;^  X^2  U«3 
Zii.\,Jo'ia  :^.o  :  ^\x  ,  .\,Ax  Ixcip  ^^oA  ^2  2^a»ao 
»^eacT   ^    :  2_ooe0T33    1^3 ]J   .•^.*ttfi>aioo3   X-a^?    w^juk^ 

2^32-33     K^OiSCr    ^     ^3;.%^    de«^    ^Oaoro    l..je>3^3    1X3 133    20 

^^-^  -  *^-  i^l^'x^lo  .U900^  ^^^  ^  ;s^Uax»2o  .U»323 
.230^  230kA  '^23  Ua^2  .U'x..2  2;so3;si3  ^2  v.CLaoa,3  cue 
2;^ea^  ^^2  :  11., .\  to  X^'^^ax  :  2^i.>,'aL.S  ^\3.i.>ai  ^.oe 
1^2  2^ft\..\.ro%a3  2^fva.ML>oT  cv*^^2  2auM  J3^  s^e  .li^3  3 
.^3k»2  ^3^j   •l?o^p   ^oXxe    :  Ix^p   oa^   xa   ece   Sw*  0^  25 

^  ^»>La^M.2  :  23^13  o^s  xa  o;^  ^23  w».3l\.  ^p  soio 
^  ^3  Xd.Ui3kM2o  :  L.»xd  ^  1  ,\.*p  ooo"  ^«.a.fix.^^<aa 
239*  \xe  .oix>3^  ;so,'\.\e  C7d.^x.  ^oA!S  xi2  \a  .L.'xm.2 
^op2  ^  »^2  .U^'i£3  Asous  ^,^^^3  wA<.23  :^\3A3^2 
2jN3lX3  eoc3  ,^Am2  r-ap  v^2o  .  ^A^p  2^>'i.X3  ooo-p  ^eaoT  30 
jbaa   .;La2  ^3aw»  2^3^  'niTa*.  ^»3  ^  ^2  v^2e    :  2;s.a'3M.2 


'   I.  ^Oj\3o2.  2  add.  i^*3.  '   I.   ul'?. 


—     9     — 

Ich  dagegen  bin  von  keinem  dieser  Motive  ziir  Abfassung  dieser 
Schrift  bewogeii  worden.  Demi  icii  halte  micii  niciit  fiir  eiii  upyavov,  das 
geeignet  ware  der  Wirkimg  des  heiligen  Qeistes  zii  dieiieii,  so  daB  er  inich 
anregen  konnte  Dinge  zii  schreiben,  welche  fiir  das  Studiuin  der  Menschen 
5  dienlich  sind.  Auch  bin  icii  in  der  sapientia  naturalis  nicht  bewandert, 
noch  vermeine  ich  ein  seiches  Mali  der  Bildung  zu  besitzen,  uni  den 
Sinn  von  Dingen,  die  nicht  ohnehin  jederniann  kiar  sind,  erschlielJen  zu 
konnen.  Auch  habe  icii  wenig  Verlangen,  ein  Menioire  spateren  Ge- 
schlechtern  zu  hinterlassen,  da  ich  niciit  glaiibe,  dal5  von  solclien  Dingen 

10  die  spateren  Oeschlechter  vie!  Nutzen  liaben.  ich  bin  vielmehr  durcli 
folgende  Griinde  zur  Abfassung  dieses  Buches  veranlalit  worden. 

Nach  meiner  Beobachtung  gibt  es  viele  Differenzen  unter  den 
Menschen  ini  biirgerlichen  Recht  (wiirtlic/t:  in  der  Sache  der  dine), 
niciit  allein  unter  den  verscliiedeiien  Religionen,  Sprachen  und  Nationen, 

15  sondern  audi  innerhalb  derselben  Religion,  Nation  und  Sprache,  wie  z.  B. 
innerhalb  des  Christentums.  Wahrend  diejuden  iiberall  dasselbe  Recht 
haben,  ebenso  auch  die  Haresis  des  Magiertums,  und  ebenso  auch  unsere 
jetzigen  Gebieter  (der  Islam),  sind  unter  den  Christen  die  Gesetze,  die 
im  Ronierlande  gelten,  verschieden  von  denjenigen  im  Perserlande,  und 

20  letztere  wieder  verschieden  von  denen  im  Aramaerlande  (Babylonien). 
Anders  sind  die  Gesetze  in  Susiana  (Ahwaz),  anders  in  Mesene  (Maischan), 
anders  in  anderen  Landern.  Von  Gau  zu  Gau,  von  Stadt  zu  Stadt  lassen 
sich  viele  Differenzen  im  biirgerlichen  Recht  nachweisen.  Und  obwohl 
die  Religion   des  Christentums   iiberall   dieselbe  ist,   ist  das  biirgerliche 

25  Recht  nicht  ein  einziges  und  nicht  dasselbe  (s.  Anm.).  Von  der  Ursache 
dieser  Verschiedenheit  handeln  wir  spater. 

Ferner  haben  wir  erfahren,  daf5  auch  innerhalb  derselben  Landschaft 
die  Gesetze  von  friiheren  Generationen  anders  gehandhabt  wurden  als 
von   den   jiingeren,  je  nach  Wissen    und   Neigung.     Dies   hat   niir  den 

30  Wunsch  eingegeben,  diejenigen  Kenntnisse,  welche  ich  durch  die  Ober- 
lieferung  der  Vorfahren,  sei  es  von  den  Viitern  unserer  Kirchen  (in  der 
Persis),  sei  es  von  den  Viitern  anderer  Kirchen  gelernt  habe  oder  kraft 
eigenen  rechten  Nachdenkens  fiir  richtig  erkenne,  nach  Kriiften  zu  ver- 
einigen  und  in  diesem  Buche  darzulegen,  zu  meinem  eigenen  Studium 

35  und  zuni  Studium  derjenigen,  welche  gleich  mir  einer  solchen  Disziplin 
bediirfen.  Dabei  muB  aber  mitgeteilt  werden,  daB  ich  nicht  ganz  aus 
eigenem  Triebe  an  die  Abfassung  dieses  Buches  herangetreten  bin, 
sondern  auch  infolge  der  Aufforderung  vieler  Freunde,  speziell  aber  auf 
das  Zureden  der  heiligen  Bischofe  unserer  Hyparchic  (der  Persis),  denen, 

40  wie  mir,  die  Verschiedenheit  der  Gesetze  unter  den  Christen  Besorgnis 
einfloBte,  und  denen  es  am  Herzen  lag,  daB  ein  und  dasselbe  Gesetz  in 
unserer  gaiizen  Hyparchic  herrschen  moge,  wemi  es  gleich  nicht 
moglich  ist,  daB  in  der  ganzen  Kirche  unter  lier  Sonne  dasselbe  Gesetz 
herrschen  sollte.     Wenn  es  sich   daher  gelegentlich  zeigen  sollte,  daB 

45  zwischen  den  von  uns  hier  verzeichneten  Gesetzen  und  den  friiher  in 
der  Tradition  der  Vorfahren  iiblichen  Gesetzen  eine  Differenz  besteht, 
so  moge  sich  niemand  dariiber  sehr  wundern,  denn  wir  folgen  darin 
einem  Wunsche  unserer  heiligen  Briider,  der  Bischcife  und  iibrigen  weisen 
Manner   in    unserer  Hyparchic,   daB    wir  nicht  allein  diejenigen  Rechts- 

50  anschauungen  niederschreiben  wollten,  welche  in  der  Oberlieferung  der 
friiheren  Oeschlechter  unseres  Landes  iiblich  waren,  sondern  auch  die- 
jenigen, welche  wir  rechtem  Nachdenken,  derallgemeinenObereinstimmung 
{wortlich :  dem  Bekenntnis  der  Gesamtheit)  sowie  den  in  andern  Kirchen 
Gottes  bekannten  Gesetzen  entnommen  haben.     Denn  das  Wort  Gottes 

55  ist  nicht  auf  uns  (unsere  Hyparchic)  beschrankt,  und  ist  nicht  etwa  nur 
bis  zu  uns  gelangt.  Auch  sind  unsere  biirgerlichen  Gesetze  nicht  gleich 
den  vofioi  (d.  i.  dem  christlichen  idealrecht),  die  in  der  liibel  geschrieben 
stehen   oder  von   den  Kirchenvatern   verordnet  sind,   so  daB  sie  gegen 


—     10     — 

^^\«l3o  '.ocAap  IsSeaA  :  Ixa^  Isioo  aujole  .Jua2  Loouos 
ja'p^   Ipai  ^2   >^    .I^OT   LlSAou*  >\^   V  .  n  .  I  r>  w.^a.a2p 
^o.^  X^^2   .u^^a  ^A^   ^^   ;^^2>...Mu\    a^p   a:^^N^p 
.X^2au>^.A  y>aa««'a  2L.!Va>P   ZXsoA.    ^   1^2   :  23aT  2^0wi3^^ao 
.^*3  L^x^eo^a  ^eo^i.^2p  :  ;^Okiiucx52  Ixlxdp  Ixa.^  ^    5 
Ulp?   l^A^ax  >\x    oec7  (,.\,.tr»  ^^^c^  ^2  '^0^23  ^^\^2 
OCT  >a    9^?  ?>**?  oXpXiislo  ■  U.y.o'sLaa  laa^  iv^a  i^2p 
iJSeiSe  ^^»  ^  ^2   -^^p   U^^^eor   o;.\.3>.3   2eoti    1-i-^p 
2po7\yv>e  . ?..*nT  X^w^Np  ov^  2N>^a  .'2o0V>  eor  xa  oc^p 
XJtai  ^JJaep   ^cr   ^.o  ;  '\.\...ot   Xk2p  :  ^»^  L*»^.\.aa  ^2  10 
;^30u.  pLO  ^eoT  v^'kxdvCMo  Ti-^pJa  ^p  >^A^2  ^o^  :  o^iiioo 
,^ai  \\  *»    .l?a;^  ii\    x^p;'^    Ju2   ^^   .1.^3^-0    ^p 
X^Lxo    :  L5eLax9^2  Ui-lp,^    ^2p  IjOu*.^^   ,jjOuA\.^23^ 
o^  j^A  ^\  ^;-'>J^   :  t~^^   ti^a^eo^s    ^oc;A^»>2p    •«t».>..p 
w.o;3  oeo;  ^mmXmXm  !..d^puA   ^p   lA^euop  .^d\«2  pn  .A3  15 
:  2ol\p  /^po^o  2^3^  Zax&««  ^p  ^Ak^2  ^1  1^2  .v^3Jsl3 
^dsoA  au\  oA  2o;^2p  2x>^'x..2   2^3.^a  A  a^3w.^2p   U^po 
pouAs  vr^oA   LaoSh.^  e2   .2oVi^2p   oT^A»  ^Ow.ioc^2  pou^Aa 
o2   :  U0A2   X3'£Ob3   ^*3u><jap    v«^^  Ijoo^ai    lA^2e    ■>'V^ 
o\nJl'o\  vCu.oja    Ap  U3....2  .aJCx2^^2  X^'^SlX  2op2  ^  20 
lAu30u3p    ^oa2  Us^ojo  ^1aj3*   ZaoA   A2  .•spjas   ' ^V m'cilT 
3J3l3  ju2  juAao  .^3^Jp  ^A^2  ^^oA  a\3u^2  U»'3>J3  japp 
.eoo"    ».d.3u;sA    Ap   ^<.ov3   cr^Soa X3JCX30   e2  .op.^J3^  ^2  23cr 
.;.^ix3  u^o^pe    .A2asp   L^«u3   .Uor  ;3^jA  li2  ;s1jq} 
230T  >w*»xao  .o;3  ^3jitp  ,-Aj.A  su.?;^   2eovi   a^is^  ^^?  ^ 

I.  II.  mOToX^2  '3w.\  ^  U^p  .U«p  001  Uaep  .^3^p  1X3  .  A2^JUo 
Ax^  j30iL«o  d^Zjoott^   AAA^p    :  2^3^  doAe2  .A^a;s:30 

I.  III.  ^o^■»3^  .2^e^«3^  ^CT  luep  .2>A^p  .1X3  .tn!^p  :b>»  Jtil 
21^03^3  op.»e  .1j3lX0lm3  ^P  cu^  .2xAtt3  ^  a^iso  . ^p 
XJt^^.i^P  U.OT  ^2  .2^cL3^p  ^  2^0^-03^0  .lA,3u.:s.» 
u.otojSa2p  «^a»  W.07  xa   .l3Lxa.»3p  ^p  w.cr  .1*»m^^  lOu-aae 

>  1.  w.;SOla23.  -  I.  0070. 


30 


—    n    — 

jede  Alteration  gefeit  waren.  Vielmehr  sind  es  in  manchen  Fallen  Dinge, 
die  durcti  die  Oberlieferung  der  Vorfahren  auf  uns  Spateren  gekommen 
sind,  und  jedermann  wendet  eine  solclie  Oberlieferung  je  nach  seinen 
Absichten  oder  nach  seinem  Gutdiinken  an,  wei!  diese  unsere  (burger- 
lichen)  Oesetze  nicht  aufgezeichnet  waren. 

Ich  schreibe  dies  Buch  in  der  Form  von  Frage  und  Antwort,  dam  it 
auf  diese  Weise  die  Sache  dem  Leser  besonders  klar  werde.  Die  erste 
Frage  ist  folgende. 


II.  Kapitel. 

Was  ist  dina? 

Dina  ist  eine  Wage,  eine  richtige,  welche  nach    Gesetz  verteilt 
und  jedem  Menschen  das  Seine  gibt  (5.  Anm.). 


111.  Kapitel. 

Was  ist  rectitudo? 

15  Rectitudo  wird  erkannt  teiis  in  dem  Wort,  teils  in  dem  Gedanken 

und  teils  in  der  Sache. 

Die  rectitudo  in  Sachen  zeigt  sich  z.  B.  an  Menschen  und  Baumen. 
Die  rectitudo  in  Gedanken  bestehf  darin,  daB  der  Gedanke  das, 
was  er  auch  denken  mag,  genau  so,  wie  es  ist,  das  Gute  als  gut,  das 
20   Bose  als  bos,  kurz  alles  so,  wie  es  ist,  denkt. 


—     12     — 

I.  IV.  .2.X33I3  .123    .2^>.»I^.»  Li«.3  o;3  a^a  oia  2jn\  "m?  jo^ 
23o;j    U^p   ^  liso^^iis   .2;\o^3>s   -30   U^3   JUdwA   Uaoop 

5         ■  S^  ■  •     ■  • 

3>.3..^.1    JU2    AA    Oai    U<.>3    oAp    ^3^3    OO    o'oip     .OO-     U«30 

:  ljij»3  ^  X^l  30V^  bodsbus  ^  <. \  \?<3    roixaL*.  yx^  ^.oa^ 
A3iN^.3o  aL.ao    :^   la2  ao^  issoioM  2eoT3   Zj^2   li^i.a   e2 
flop.  X^   ^3   lj;cr    :^  ^^23  ^  '>k^oo-   La^p   .3^2)2  a)Me 
^  2;so^^3>>  ^3  ^2   .  Zv«i.Q  ecrr  e2  2>«^j2   «c7o    .^  U2  lo 
;  3>aX  ^  ^oa^so  Jc;^.  1^  SlA   .  li^pa  ^3   1^2  .^oa2  o%\«3 

2Nm»    3^    .^a3;S    1^    l.&.d.30  3    ^3    OCT    .^^oC^is^i   Cl\^p    Ol^ 

:s^23    :s>»3   ^^j.  i^  X3   IxLpo   xLp   :sxd  .xa^d»23  23l\j: 
007  U*p  UoTo  :A.3^io3  hCUcx^e  a^^e  ..x^3^2  23.^  eo^a 

^    Zi.«\..M    a>d>^^    2^0^3JS3    \\.»     .^3^    iS    ^3    1^2    .^    15 

.loir  2iNoj-k<L»^»  ^^e  •S'^  Zjoouaaa  ^  t^b  U^pe  -U^p 
.2;soa*OM^,»  Z^po  ;s.i.A  Ijoo^aa  l^po  Uoot  ^p  2^e^3iS 
aj^i^^p  :  Zj^p  ^  c^SOe^StSp  .^OTOJS^2  pok-^Aa  ^  2ou2e 
mOIOx^PP  .puiop  Zjool^  3k^2  2301  \^^e  .oer  2;se^3«^  -^.p 
oJSp  w.dvj  -«p  ?  T  V  .  >  -J  ■g>,*a.\^')  ^Zae  ^olOs  ld.3kasp  20 
.2^o^3^p  ^o^^^^M  >^^  rtJaao^  ^^^uO>xao  ?;>,aa\>'Jo  ^tX^o 
2poT  i\xo  -U^p  )ax  2^o^«3d^  ^ec^o^  w3«2S>2o  Uas  I^ 
.U«po  2No^3^  »^&^^  pL^  Xi2  .3^2  Uo;^2  IsXa  ^2  -«3 
I.  V.  .1X3  .U^3  o^  ^'y^lo  l:sOf-'^:s  jb  w.o?  2;S3um2p  2ou..»  3.^ 
.o;^^jop2pcpo  .'pwucx^  ^oA  <J>«3>i3p  ^2  ,^^2p  .IxaoMip  25 
.  ^o;*;s'3^  ^p  ^oT  .U*p  ;se^^>.*o  U«p  ^e'3>«JO^  ^p  oac? 

2^0  3..<.JCX.«    ^    ~3>>*JC>..3p    W.0V3    •^PP'**^    ^    t;"''-^?    2M...\a3 

:  X^-^lo  :  Usoa  o-aou.^  a«^  &t2  p^p  li^2  .U^p  ^  ^cr 
A.\.'w  o2   :  lio?30ia  ^Ax  A  \,  Y>  o2   2^ft.\.3>..jo.'rt   \\.aoe 
:  ^ou.   •^'»>\  3db2e   :  ^ \ 'V.iaN  w»a>3ae  A  .-Icrp  2au>2  2^JS^  30 
wd.p  ov^^^jC}p2poM    .pobvAs   L^Sk-O  ^  ^^2e  .o>...*V.\,^2p 

>  I.  s\P-         -  I-  pojcx^. 


—     13     — 

Die  rectitiido  im  Wort  wird  ebenso  erklart  (wie  die  rectitiido  im 
Gedanken)  (s.  A  rim.). 


IV.  Kapitel. 

Wodurch  wird  dina  (das  biirgerliche  Recht)  von  rectitude 
5  unterschieden? 

Rectitudo  iinterscheidet  sicli  dadurch  vom  dina,  daB  nicht  alles, 
was  dem  dina  entspricht,  rectum  ist,  und  nicht  alles,  was  rectum  ist, 
dem  dina  entspriclit. 

Was  z.  B.  rectum  ist,  nicht  aber  dem  biirsrerlichen  Recht  entspricht, 

10   ist  folgender  Fall :  Ein  Mann  (A)  macht  mit  einem  anderen  (B)  einen  Vertrag 

folgenden  Wortlauts:     Meine  Tochter  N.  gebe  ich   dir  zur  Frau     oder 

Die  und  die  Habe  gebe  ich  dir  als  Geschenk.<     Wenn  nun  B  die  Er- 

fiillung  des  Versprechens  von  A  verlangt,  spricht  dieser:  -Ich  wollte  sie 

dir  wohl  geben,  jetzt  aber  gebe  ich  sie  dir  nicht.      Nach  der  rectitudo 

15  gehorte  die  Tochter  oder  die  Habe  dem  B,  aber  nach  dem  burger- 
lichen  Recht  gehort  das  Versprochene  ihm  nicht,  solange  A  es  ihm 
nicht  iibergeben  hat  und  nicht  den  Vertrag  ausgefiihrt  hat  (5.  Anm). 

Ein  Fall  dagegen,  der  dem  biirgerl  ichen  Recht  entspricht,  aber 
nicht  rectum  ist,  ist  folgender:     Es  bringt  jemand  einen  Schuldschein, 

20  der  bereits  bezahit  worden  ist,  vor  den  Richter.  Der  Richter,  nicht  wissend, 
daB  die  in  dem  Schuldschein  angegebene  Summe  bereits  bezahit  ist,  gibt 
sein  Urteil  dahin  ab,  daB  die  betreffende  Schuld  bezahit  vverden  muB.« 
Das  ist  biirgerliches  Recht,  nicht  aber  rectum.  Die  rectitudo  ist 
etwas  viel  feineres  als  das  biirgerliche  Recht.     Letztcres  Recht  wird  aus 

25  dem  vo'uos  (5.  Anm.)  und  aus  Argumentationen  abgeleitet,  wahrend  die 
rectitudo  auch  ohne  vofios  und  ohne  Argumentation  vorhanden  ist.  Gott 
ist  das  einzige  Wesen,  dessen  rectitudo  dina  und  dessen  dina  rectitudo  ist. 
Deshalb  spricht  der  selige  David:  Die  Gerichte  (dine)  des  Herrn  sind  in 
Wahrheit  und  Recht  in  allem    (Psalm  19,  10).   Bei  den  Menschen  dagegen, 

30  die  nicht  allzeit  und  in  allem  die  gerade  Linie  der  rectitudo  innehalten 
konnen,  ist  nicht  immer  die  rectitudo  dem  dina  glcich.  Spricht  doch 
hieriiber  die  Bibel:  Du  hast  angeordnet  die  rectitudo  und  den  dtnd<' 
(Psalm  99,  4),  wodurch  sie  darauf  hinweist,  daB  die  rectitudo  etwas  anderes 
ist  als  der  dina  (biirgerliches  Recht). 


35  V.  Kapitel. 

Was  wir  (im  Persischen)  pes  end  und  bihdadhastinih 
nennen,  d.  i.  Rechtsminus  und  Rechtsplus. 

Diese  beiden  Dinge  (Begriffe)  sind  in  vielen  Beziehungen  einander 
ahnlich.     Unter    pesend    versteht    man    ein    Zurii-kbleiben    hinter  der 

40  Forderung  desGesetzes.  Zum  Beispiel:  Ein  Mann  schuldet  einem  anderen 
ein  Kapital  und  ein  doppeltcs  (von  monatlichen  Zinsen?).  Und  well  er 
nun  wegen  Armut  oder  Krankheit  oder  aus  irgendcinem  anderen  Grunde 
nicht  zahlen  kann,  spricht  er  zu  dem  Glaubiger:  Gestatte,  daB  ich  dir 
nur  das  Kapital  gebe. 

45  Unter  Bihdadhastinih    versteht  man  ein  Hinausgehen  iiber  die 

Forderung  desGesetzes.    Zum  Beispiel:  Die  Tochter  erbt  nach  unserem 


—     14     — 
>Je   ;..i.^>.33    :  I^xjp  lu«^2  ■1-i-'?  >^?  I>«o3^i^  .c...^^: 

I.  VI.   Xxi    .  laoaao  6u  y«^^JLlo   .I^-iJsls  jcolS^   l^p  ^2  :  2;}\aa\.T 

■  ■  ■  ■  •  • 

^.o^k.oc^M,o  ^du«AMX»3  1»  .  ^^3  U«3  >*S.^3  .iU\a  ^p  U\.3e 
.  I V  \  a  ^  ^.JO^.o^.ao  bw.:!^  -^^P  ^eSi^Xoe  ^.^^  .Ij^p 
2;savaa.0T3  lV^.Va9  ^eou>!^2  ^o^aip  u^op  .2j^3u^p  ^..^  ijuae 
.2«^oji^«Sa»o  ^  XivVao?  ^2  .  ^ou  a^.ou.ioaA  .  oa^  ^p* 
^:^3k»  a^a  .lid.3  nOo;^  ;s^23  ^oac  ^o^  UxdoAa  w^p  a^e  10 
•yoau^l^p  ^p  XaJhJO^o  .Ixxxyas  \x  ♦  <vtai»i3ap  .^  2'au.>s^ 

I.  VII.  juxd  JA30  •  Doiai  oiuop   .IxsLxp  .Ixb   .>^p  2.isojJT[.^,soa 

■  2ou.aap   lipi^aSe  ^\«oui««\  ^o!eis»2  ^   '  cio'iat    .1.3^.3   ^ 

■  a,d»3ioa^  ^p«   ^,.\,.2  ^e  .>,n.\.'BL\  llo  »^  ^ .  V.23  13 
1j-«33^  t^p  73u>A^Joe  . ^ye'3o\.v\  ^^.^LV^  ^  2pe^JLiaoe 
u.c^e^^2  Ixoa^  .^p   X.i-*p    . ^cto.^x  .^a.i.xp   ..«,\  .2  \^ 
2;^d:»e    .  1  oftYvi    StSa   2'(S2  laoaMO   L^e^  ^2e    .Looaoap 
^x^e  07ia..o\  ^2  ^o-eJ^  kjc^aaop   LLd.2  \^  1^339\  ^ap 

I.  VIII.   .ZdJi»;sp   .1x3    .oupeos   ^2  au^  \\  \p   Ij^zA  2X3^  >^p  20 
^oa  A^p   >\\,'io   .Ix.V...  1,3   ;sa^   Ud.p  ^oa  1^  ^  A  \  y>3 

2aaL^  \^  ' ^3  .  ^  w.^^2  ^^2  LA.   'ooia^   .  ^na'wn 

\.^  l.i'.iau^.aa  Jape  .  llJa  \^  2g^2  ^p  .  ^p  ^^^2  ~X.2p 
1  ^  •  ft  2^.xa>,i  >e  ^olj:  l^p  1  \  %  .2o  .  ti.>.X3^^oo  ly  .ia\;s 
vOopM  , -s.^  t^x-s-«»<;^  :  1  pDoliai  ^ox  1^  liAC  .  .^ot  ^eciJ^p  25 
^ooc  1^  .  ^i^2  IjoASaA  3io  ;sia02p  ^2p  vVyn  .liLp  ^2e 
I.  IX.  ^ax  Zt*\.,o'3>3>^  xa  uSs  >\\.Njp  .l^Ji^p  .1x3  •2p'3w«.  "a^ 
^2^.x;^p  209"  oip*  :s3^ol^  -^^9^  ^  ^ec*.>^^p  .loo.aaui 
M9iei^2  3m.  oA  'jjuao  A.\.aop  ^e  .  U.\..o'aap  lL.p  eaabp 
. lA^yn'Lap  xJ..p  2eLXp  .^jw.3.^2  ^3  ^  .^oajA^??  Ik9  % 
\Ay  ^aap  ^.'aS>'\   .  :jf3o.ai\  ' 'V. . eu p  ^bi  .Ipof  ^^c  6%^i^lo 

'  add.  X>,S,t!).  I.  X.2o. 


—     15     — 

Recht  die  Halfte  von  dem  Erbteil  eines  Sohnes.  Nun  gibt  man  ilir  aber 
einen  ganzen  Erbteil,  daniit  sie  nicht  unverheiratet  bieibe  und  man 
nicht  an  ihr  etvvas  auszusetzen  finde  (s.  An/n.). 


VI.  Kapitel. 

5  Ob  man   das  Rechtsminiis  und  das  Rechtsplus  anwenden 

darf  Oder  nicht. 

Es  ist  Sache  der  Richter,  welche  Urteile  zu  fallen  haben,  dafiir  zii 
sorgen,  dal5  sie  nicht  der  Vorvvurf  und  der  Unwille  des  Volkes  treffe. 
Die  Prozeliparteien  aber  werdcn,  wenn  sie  das  Reclitsminus  oder  Rechts- 

10  plus  gelten  lassen,  besonders  gclobt  von  jedermaiiii.  Die  Richter  der 
Kirche,  da  sie  doch  die  Lehrer  des  Christentums  sind,  sollen  sich  des 
Rechtsminus  und  Rechtsplus  bedienen,  indem  sie  den  streitenden  Par- 
teien  Rat  geben  und  sie  ermahnen,  nicht  aber  von  ihrer  Kommando- 
gevvalt    gegen    die   Prozefiparteien    Gebrauch    machen.     Sie   sollen    die 

15  Reichen  ermahnen,  Barmherzigkeit  zu  iiben  gegen  die  Armen,  und  die 
(reichen)Verwandten  ermahnen,  sich  ihrer  arinenVerwandten  anzunehmeii, 
aber  dies  alies  nicht  in   befehlendem,  sondern  in  ermahnendem  Tone. 


VII.  Kapitel. 

Was  der  vouos  ist  uikI  wodurch  er  voni  din  a  (biirgerlichem 
20  Recht)  unterschieden  vvird. 

Der  vojios  (s.  Anm.)  ist  eine  Darlegung  und  ein  Befehl,  welcher 
dariegt,  was  man  tun  und  was  man  meiden  soil,  und  der  Outes  verspricht 
denen,  die  ihn  beobachten,  und  denjenigen  Verurteilung  andrcht,  die 
ihn  iibertreten. 

25  Das  biirgerliche  Recht  [dinii]  ist  der  Forderer  (petitor)  des  vo'/ios  (d.  h. 

der  Sachwalter  des  lo^os,  der  dariiber  wacht,  dalJ  die  ihm  zustehenden 
Rechte  erfullt  werden)  und  geht  wie  ein  inquisitor  und  Buchfiihrer  hinter 
dem  vojios  her.  Es  bringt  die  angedrohte  Verurteilung  iiber  den,  der  es 
verachtet,  und  belohnt  mit  dem  versprochenen  Lohne  denjenigen,  der  es 

30  beobachtet. 

VIII.  Kapitel. 

Warimi  die  dine  (biirgeriichen  Gesetze)  unter  den  Menschen 
nicht  gleich  sind. 

Sie  sind  deshalb  nicht  gleich,  well  die  v6noi  nicht  gleich  sind.  Denn 
35  der  voHos  wird  zuweilen  von  (Konigen)  den  Knechten  auferlegt,  zuweilen 
von  den  Vatern  den  Sohnen  und  von  den  Lehrern  den  Schiilern.  Und 
well  die  Bildung  und  Begabung  aller  dieser  Personen  differiert,  so  differieren 
auch  die  von  ihnen  gegebenen  vofioi.  Und  demgema(5  audi  die  dine. 
Demi  da,  wie  ich  ebeii  (im  VII.  Kapitel)  gesagt  habe,  sie  den  v6^iot  folgen, 
40  differieren  sie  untereinander. 

IX.  Kapitel. 

Warum  die   dine  der  Christen  differieren,   wahrend  ihre 
vouoi  nicht  differieren. 

Man  miiBte  zunachst  fragen,  was  der  dina  der  Christen  ist,  und 
45   dann,  warum  die  Art  ihres  dina  nicht  eine  und  dicseibe  ist.    Wir  ant- 
worten  darauf: 


—     16     — 

.b^AsoM  11.3  ouo  2ou>.»  y.^o  .Ix^y^  oir  aL.kM»  -V^^  ^cou*2 
wicyoua^I  .l\.\,i  71^  ^301^  Jso^e  .Isoap  Lio^X^  eo*  *>.->» 
Ullp*  ^3w^c7e  .IJJc  ^solmo  Ua^  2oov&  ^aof^  .Uaci  la  at.  A 
.2;sa»ab3  M>3  o^s  .  ^eoraslp  :^ft%\Yt->  Ijuos  ^2  . »  eSoui 

.I'ka^.^  ^jS^  i^e  .;^9  ;^  .^o^^  z^  .^«^b^  ;2^  :o;^2p 

.Ziia\x  Z^e  .2X33  :2ix  ^JiLaa  I^o  . ;\n..ao  l!So  ^'s^,  l^e 
^9"  .X^ol\.>.  l^e  .li'LbN,^3o  l^o  Vo3  >^e  .IsLiA  l^e 
3^2  ».a.aa.d.\.T   ;»<  %,>.  ^2e    .^^>^uk  Z^  ^o;^^?  c^^&a>^ 

.3u.C^.^3     Ua3    \^    3ua92    3ua    .!LL.<.30    LJ..39    ^<>2    OuSt.    .\%^3    lo 

♦^og;\.3>.3  lAg;.\.\.  10  .^oy.\j^:3  2<xx  l.io7e  .Li^^^iS  eacre 
^3kVc.A  3wa3  .^^  ^...^^ao  Ijcaa3aa3  2^3a\a  \^  L.oi2i2  la^ 

\^    ^^■.\.\.'lft.30    ^AL.30k>.«0     .3u.^^3    U^3    ^33    340iOU    .Ol^ 

.3ui.^A.3  U-^33  iMuAs  ^eo^diJs«2  :9X3o  Z^3  ^aaa2  ."u'i^l  blp 

I.  X.    OX3e2    M.Cro,»As    l^O     »^3^     1^    U30    >^\.»P     .23.Al3.3     .1X3    13 

2^^  *\^^  P^'li^?  o^  3^  y^SLaoA  .Zdi:A2  ulp  \x  9>30 
.A.a3   Ua3    x-t.v.riaL^  ^a\xo    :  oT:scL3>,\ao3     ?\Ani  Z^^o 

•  •         •  V  • 

\*ia\\  J334  1^  .Ui:i2o  La3b±i3  ulp  >^^  loaau  ^i^JOap 
l^e  Zvljca  l^o  l3crp  ^  vAxO^  Z^p  3^2p  obC^  l\52e 
ea^xxo  .2i\iip9  oaoro  .  *^eLaj.*3.o  oos^e  .voo^^so  lx«*i  ^° 
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—     17     — 

Der  dina  der  Christen  (d.  i.  das  ideale  biirgerliche  Recht  des 
Christentums)  ist  ein  und  dasselbe.  Es  schlieBt  sich  an  den  voiws  an  iind 
lautet  folgendermaHen :  Jeder,  der  seinem  Bruder  ohne  Grund  ziirnt,  ist 
schuldig  dem  Gericht  (find     (Matth.  5,  22). 

5  Indem  der  Evangelist  dann  darlegt,  was  der  dind  ist,  fahrt  er  fort: 

'Er  ist  schuldig  (verurteilt  zu)  der  Gehenna  des  Feuers^  (Matth.  5,  22). 
Und  ferner  spricht  er:  Einen  nichtigen  Knecht  fiihrt  hinaus  in  die  aulkrste 
Finsternis.  Dort  wird  sein  Heulen  und  Zahneklappern  (Matth.  22,  13). 
>Und  dann  werden  die  Gerechteii  leiichten  wie  die  Sonne  im  Reich  ihres 

10  Vaters..  (Matth.  13,43). 

Ahnlich  spricht  der  selige  Paulus:  >WiBt  ihr  nicht,  daR  die  Frevler 
das  Reich  Gottes  nicht  erben?  VergeBt  es  nicht:  Die  Hurer,  Gotzen- 
diener,  Ehebrecher,  die  Verdorbenen,  die  mit  mannlichen  Wesen  liegen, 
die  Unterdriicker,    die   Diebe,    Trunkenbolde,   Verleumder  und  Rauber, 

15  diese  erben  nicht  das  Reich  Gottes    (I.  Kor.  6,  Q.  10). 

Auch  Salomon  spricht:  Jede  Sache  hat  ihre  Zeit  und  ihr  Gericht< 
(Koheleth  8,  6),  indem  er  das  kiinftige  Gericht  meint. 

Solches  ist  der  dind  (der  Christen),  und  dieser  ist  gleich  iiberall. 
Deshalb   werden    wir    in   alien    Biichern   der   Heiligen  Schrift   iiber  die 

20  Beobachtung  des  vofios  dahin  belehrt,  daB  wir,  wenn  wir  es  beobachten, 
vor  dem  kiinftigen  Gericht  gerettet  vserden.  Und  nur  selten  reden  die 
Heiligen  Bucher  von  den  menschlichen  dine  (Gerichten),  da  sie  im 
Vergleich  mit  dem  zukiinftigen  dina  (wie)  nichts  sind. 


X.  Kapitel. 

25  Warum  weder  Unser  Herr  noch  seine  Apostel  etwas  iiber 

nienschliche  Gesetze  (biirgerliches  Recht)  verkiindet  haben 
(s.  Anm.). 

Fiir  Unsern  Herrn,  der  bei  der  Offenbarung  (5.  Anm)  seines  Reiches 
die  Toten    und  Lebendigen  richten  wird  und  Gericht  iiber  Alles  halten 

30  kann,  war  es  nicht  angemessen,  Gesetze  iiber  kleinliche  nienschliche  Streit- 
sachen  zu  geben,  voliends  nicht  fiir  den,  der  da  spricht:  Erwerbt  nicht 
Gold  und  Silber  und  Erz  in  euren  Taschen  (Matth.  10,9).  Verkauft  cure 
Habe,  gebt  Almosen,  macht  euch  Taschen,  die  nicht  schleilien,  uiui  einen 
Schatz,  der  nicht  ein  Ende  nimmt  im  Himmel     (Lukas  12,33).    Und  wer 

35  nicht  Hauser  oder  Bruder,  Schwestern,  Vater  oder  Mutter,  Weib,  Kinder 
oder  Dorfer  meinetwegen  verlaBt,  ist  meiner  nicht  wiirdig  (Matth.  19,  29, 
Mark.  10,29  uml  Matth.  10,37).  Hatte  es  sich  fiir  ihn  gepaBt  zu  lehren, 
wie  man  Kapital  und  Zinsen  einfordern  soil?  uns  zu  belehren  iiber  die 
Dos  und  die  Gewinnung  von  Frauen,  iiber  Sklaven  und  Sklavinnen,  iiber 

40  Geld  und  andere  irdische  Besitzarten?  Darum  hat  er  (Christus)  iiber 
diese  Dinge  nichts  verkiindet,  und  um  es  kurz  zu  sagen:  Er  ist  nicht 
in  die  Welt  gekommen,  um  irdische  Dinge  zu  ordnen  und  zu  leiten. 
Ware  es  anders  (d.  h.  ware  er  gekommen,  um  weltliches  Recht  zu  stiften), 
so  ware  sein  Kommen  in  die  Welt  ganzlich  entbehrlich  gewesen,  denn 

45  vor  ihm  sind  sclion  viele  andere  gekommen,  welche  sich  sehr  um  solche 
Dinge  bemiiht  haben.  Er  dagegen  ist  gekommen,  um  die  Menschen  zu 
lehren:  diese  Welt  zu  verachten,  die  Gliicksguter  derselben  gleich  nichts 
zu  achten  und  sich  mit  ganzer  Kraft  der  Erwerbung  der  Giiter  der  zu- 
kunftigen  Welt  zu  befleiBigen,  und  Zuversicht  zu  haben  vor  Gott. 

Sachau,  Syrische  Rechtsbucher  III.  2 


10 


—     18     — 

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I.  XI.   .3uo-xpu>»p   Zxa   .3u.:s.xp   Li^p   ^^p   2^.\Mp  a^a   2cri^^^  ^p 

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^.'v>.^.m?  ^  L»oaap  ^A>^2  :  2^3^X3  Uajp^^  <va..fiJ\;s2p 
aaatt*o\  :  AolX  ^  ouoaso^  ^a  eocr  ^^e  :  eocr  ^..^^^ 
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.^mAs  ^.j^o^  x^2  .2po7  \\.^e  .2^...au2  2^a3^  Axp 
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:  2;\a,v.ia...c77 p  l\?V.\ft..p  2^e«ea^p  T*ia.>'^'i  .gnT..'ia\  jjpv 
I.  XII.  w>o7  \x  .ajcx^a^p  Isa  .^oai'zu^p  2'ak3op  A^p  2^ea«s.oa0o 
^.n.A.iC9  A  .2o^^2  'inAmP.s  e2  2;sea;s^.d&3  yS>..aaV_p  ^Ad.2p 
»^ecT^xau3  ^■V.o.'aap  ^A>^Z^  X-*-^?  <^.*>-3i^  A2  .iJ^lp  Ax 
:^eaiv^»p  2i^o\.'ia\i  ^a^ois^l?  y.*p  oen  .l:saieo\\\  <A^o  2s 
ci^A.»  ^2   .ZAw.p  Ax  wd.da.A   A   .20A2  ^A^at^   au.ajco 


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V 


Ip   ispkiao  \a    .  a^A.  ;a^  Z-u^ea    .X.«^As    Zjaa\.p 


A  .)Lfi3a.^aui  LiZ-aAp  t^i.«xaw.  3e«s  .y.*p^>^w»  A  .jtii  ^ 
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'  add.  Xp<r.  =  add.  iJuAsp?  '  I.  l^uC^e^^^. 

<  I.  2^aX3.         '  I.  ^A..aao  st.  ^s^^ao  e2. 


—    ly    — 

Deshalb  haben  auch  seine  Apostel,  die  von  ihm  belchrt  waren  und 

nach   seinem  Vorbilde  handelten,   nichts   iiber   menschliclie  Streitsaciien 

{dint')  verkundet,  sondern  ilir  einziger  vouos  jst  dies:   die  Gebote  Oottes 

zu  halten  und  sicii  zu  liiiten  vor  der  Siinde  Kraft  der  Furcht  vor  dem 

5  zukiinftigen  Gericht. 


XI.  Kapitel. 

Warum    wir    Menschen,    obwolil    Unser  Herr   und    seine 
Apostel    nichts    iiber    menschliclie    Qesetze    (biirgerliches 
Recht)    verkijndet    haben,    uns    dennoch    solcher   Oesetze 
10  bedienen  (s.  Anm.). 

Wenn  weder  Unser  Herr  Christus  noch  die  Apostel  etwas  iiber 
menschliclie  Oesetze  verkiindet  haben,  so  ist  es  nicht  deshalb  geschehen, 
daB  sie  etwa  ein  gegen  Andere  begangenes  Unrecht  gering  geachtet  hatten. 
Denn  wiederhoit   belehren   sie  uns  iiber  das  Bose  und  das  Verbrechen. 

15  Weil  sie  aber  zu  Leitern  der  Kirche  besteiit  waren.  Manner,  die  durch 
den  Geist  der  Weisheit  ausgezeichnet  und  imstande  waren,  das  Laster 
zu  tadein  und  Rechtschaffenheit  unci  Wahrheit  festzustellen,  so  waren 
sie  der  Ansicht,  dal5  fur  die  Untersuchung  und  Leitung  (aller  Dinge) 
die  natijrliclie  Einsicht  der  Menschen  und  die  in  alter  Zeit  in  den  heiligen 

20  Biichern  verzeichneten  Vorschriften  geniigen,  indem  den  Menschen  aulJer- 
dem  die  Giite  des  Geistes  der  Weisheit  zur  Hilfe  komme.  Es  war  nicht 
notig,  daB  uber  diese  Gesetzesfragen  wie  iiber  eine  unentbehrliche  Sache 
nochmais  (von  den  Apostein,  naciideni  die  Verfasser  des  Alten  Testaments 
hieriiber  bereits  Bestimmungen  getroffen  hatten)  ausfiihriich  gesprochen 

25  wurde.  Darum  spricht  der  selige  Apostel  (Paulus):  Wenn  ihr  einen 
Rechtsstreit  habt  iiber  Dinge  dieser  Welt,  so  setzt  euch  diejenigen  in  das 
Gericht,  welche  in  der  Kirche  gering  angesehen  sind  (1.  Kor.  6,  4),  da 
man  eine  solche  Gerichtssache  wie  nichts  achtcn  muB  im  Vergleich  mit 
dem  Heroldsamt  der  Lehre  des  Glaubens  und  dem  Verdienste  eines  voll- 

30  kommenen  Lebenswandels. 


XII.  Kapitel. 

Dariiber,   daB  diejenigen,   die   in   der  Tugend  und  Oottes- 
furcht  vollkommen  sind,   nicht  der  Gesetze  bediirfen,  son- 
dern diejenigen,  welche  schwachen  Geistes  sind  und  zum 
35  Unrechttun  neigen. 

Wer  vollkommener  Tugend  und  fest  in  der  Gottesfurcht  ist,  bedarf 
nicht  des  biirgerlichcn  Rechts,  wie  der  selige  Apostel  (Paulus)  sagt 
(1.  Kor.  2,  15):  Der  Geistige  richtet  jedes  Ding  und  wird  von  niemand 
gerichtet."  Auch  wissen  wir,  daB  das  Gesetz  nicht  fur  die  Gerechten 
40  gegeben  ist.  Denjenigen,  die  noch  korperlich  sind  und  noch  wie  Kinder 
nach  der  Milchnahrung  verlangen,  nach  dem  Erwerb  von  irdischcn  Gutern 
streben  und  sich  bemiihen,  sie  anderen  zu  entreiBen,  was  natiirlich  nicht 
zu  ihrem  Heile  dient,  denen  bringen  wir  in  gerechter  Weise,  gleich  wie 
Kindern,  die  burgerlichen  Gesetze  gleich  wie  Riemen  zum  Sciilagen,  nicht 


20 


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v-«i^A  UoTsoA  3u.^  o2  ^sA  :  2;seuJo2  ^.A  iv.o  «^23  .^^jjao 
o2  :sA  :  ulip  ^  :sA  xa  v2o  .2^0ujo2  S.-aaS^  ^oc^  UJU. 
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:  l.aft\.>.  o2  Lo<Ax  e2  :  2^^\3  ^a^  o2  l^aoaiVy  Ixoi 
^oo^  ivAp  ni\.n'3a  ^.o  X^23  :  2^020X0  2;soucxJ^  o2 
^ai^  ;^A23  .2Xj>'3kM2  jcxjosot  d^^  :^«23  ^Aw.2  ;a^  .ulp 
^23  23wiiLX  li*\.jca'xa  ivo  r^"**?^  'A^?  U^^is^  v2o  -U^p 
.Ulpap  ^crp  l-iOT-aoa.  o.BU>p>  .U'3u«.2  :zixp  l5a*>A3  ■^•>^a'  25 


1.   XV. 


.  bkjcxbaaau.p  Xxi  .l%M,isse  ^<NoA  2301:^  l^P^?  lis^ou.  2o7p 
^«p  1x97  -Ulp  oooi  ^^<y.ou>  l^^p^  Ixdo^  eo^s  2j^  \\.'»9p 
l.daA^p  2^03^  ^^3l^  ^  ^09'  xAX,  1!^  x^  3^  .1^ 
.lA^p^p  23\2e  :;i^ciL^  Xxp  Ii^p3«\e  :  2*^3^*.  U**o  3u.^^p 

2iAM3o3   .^A^3   L1I3  '\X3  2;seL3^  ^oci    ^  tl .  \  r>  :»v^L.^ 

\       •  •  •  S    " 

XJL>x^  y.^^2p   ^-p    Ixoj    .2i^dA,.«.  J»   ^e3L^    .  vOCTUi^p 

'  d.  i.  XS^.'Jixo.  ■  add.   U3S. 


O    30 


—     21     — 

bloB  im  Interesse  desseii,  der  Unreclit  leidet,  sondern  ganz  besoiuiers  aus 
Barmherzigkeit  fur  den,  der  seine  Seele  durch  Unreclit  wider  Andere 
schadigt,  und  wir  bemiihen  uns  die  Streitenden  auf  den  recliten  Weg 
zu  fiihren  (wortlich :  Rechtleitung  iinter  iiirien  zii  niachen),  indeiii  wir 
uns  nicht  der  Scharfe  der  Gesetze  bedienen,  wie  der  seiige  Apostel  spricht 
(l.Kor.  6,  5):  Also  ist  auch  nicht  ein  Weiser  nnter  euch,  der  zwischen 
einem  Briuler  und  eineni  anderen  schliciiten  kann.  Der  Apostel  be- 
zeichnet(ll.  Tiniotli.  3,  10?)  unsere  richterliche  Tatigkeit  unter  den  Christen 
nicht  als  Gericht  {dind),  sondern  als  Rechtleitung  (rectif  icatio,  dlrectio). 


XIII.  Kapitel. 

Wanim    auch    diejenifjen    dine    (Oerichtsentscheidiingen), 

die  wir  rectif  icatio  lies  nennen,  unter  den  Christen  nicht 

gleich  sind  (s.  Anm.). 

Weil  diese  rectif  icationes  (5. /!«/«.)  nicht  etwas  in  den  gottlichen 
15  Biichern  Entlialtenes,  noch  etvvas  schriftlich  von  den  Vorfaliren  uns  Ober- 
liefertes  sind,  sondern  Dinge,  welche  der  Keniitnis  und  Priifung  der  Leiter 
der  Kirche  iiberlassen  worden  sind,  und  daher  auch  die  Art  der  Ent- 
scheidung  je  nach  der  Verschiedenheit  der  Auffassung  und  der  Intentionen 
jedes  einzelnen  von  den  Leitern  der  Kirche  differiert. 


20  XIV.  Kapitel. 

Ober  die  Behauptung  der  Juden  und  Heiden,  daB  die  Christen 

keine  dine  (biirgerliches  Recht)  hatten  und  daB  die  mensch- 

liche  Lebensfiihrung  ohne  dine  nicht  nioglich  sei. 

Dagegen  wird  von  unserer  Seite  erwidert:   Gesetzt,  die  Heilkunst 

25   ware   nicht  vorhanden,   und  Krankheit  ware  gar  nicht  oder  nur  in  ge- 

ringem  Mal5e  vorhanden,  vvozu  brauchten  wir  dann  die  Heilkunst?   Und 

gesetzt  den  Fall,  wir  hatten  keine  Gesetze,  und  Unrechttun  ware  gar  nicht 

oder  nur  in   geringem  MaBe  vorhanden,  wozu  brauchten  wir  ilann  die 

Gesetze?     Man  moge  doch  das  Vorkommen  von  Verbrechen,  Meineid, 

30   Mifihandlung,  Beraubung,  Rauberunwesen,  Diebstahl  miter  den  (angeblich) 

gesetzlosen  Christen  niit  den  gleichen  Vorkommnissen  in  anderen  Reli- 

gionen,  welche  Gesetze  haben,  vergleichen.    Und  wenn  sich  dann  zeigt, 

daB  solche  Dinge  viel  seltener  unter   den  Christen  vorkommen   als  bei 

anderen,  dann  erweist  sich  das  Sichriihmen  ihrer  Gesetze  auf  seiten  der 

35  Juden  und  Heiden  als  nichtig,   denn  das  Gute,   was  in  den  Gesetze n 

(unserer  Gegner)  ist,  existiert  bei  uns  in  der  Tat. 


XV.  Kapitel. 

Warum  in  jener  ersten  Anordiuiiig  (d.  h.  in  dem  vorchrist- 

lichen  Teil    des    gottlichen   Heilsplans)   die    Gesetze   not- 

40  wendig   waren,   jetzt  aber  (seit  dem   Heilswerke   Christi) 

nicht  mehr  (s.  Anm.). 

Solange  die  Sache  der  kiinftigen  Welt  und  des  neuen  Lebens,  das 

Urteil   iiber  die  Bosen   und  die  Belohnung  der  Gerechten   noch   nicht 

(durch  Unsern  Herrn)  geoffenbart  war,  da  lag  gebiihrenderweise  das  Be- 

45   durfnis  nach  irdischen  Gesetzen  vor,  damit  wir  infolge  der  Furcht  vor 

ihnen    die  Siinde    mieden.     Jetzt    aber,    nachdem   vor    den   Augen   der 


—     22     — 

Ix^^p  \^  :  luuouo  ^s^I  ^A  ol^  :  3M.iOk,3  iJ^p  li.a&<.apop 

I.  \vi.   Z33j:3   ^07   \x   .a^jcx^^^Jcp   IxS  .tkor  Zao^bXp   It^p  ^p 

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j^oap  ^  X'JOl  2^  3^  ^  .2;s^a\  2^Aaa3  1^2  :'2pu.l3e 
2iwJiio^   2^.\aft^   :  ?T\«t-i\   MJ:aA.  p    Uoraaa    ^eoAa  \^ 
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U^ai  .Uor  iiaVvi  oecr  \^3l^   l\d2  :  ^^«   laokap  ^or 
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^  JLi2  ^  UX^sap  2^aA^p«p    2;seXd.XM  w.c-   2pa'p   oov&2o 
X^aj^p   Lko^sp  l Ay   .2d^oalap  "m.^^    ^p   loo)j,o  i<.xL3  20 
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^    :S3b.30    ;zi3t,.30    \x     .:s^23kMM.    ^^1.30    X3a2''ZV.30    2>SaL303O    ivi 

.K^og?.«.\.v  u..n.vfap  ^A^2p  1 1  'V. \ou.o  Issep^^p  ^2  :  ui.p 
X^p   Li^p  l^p  eo^2   :  ^.  .  ^.x  Soju  Ju2   1^  2po?  >\,\.30o 

200*    3ua23    :s3k30    y»A,3:23    OOT    0«2    .LlOT    IS'XLSO    O.M   J^^^;S2    25 

^Ou..i^2p  ^^'\^2p  2^ol.^P  ^  Ixl  \-yx»p  ^Ip  \\,ia  .^Ju3o 
l>a3o?o  .:n^2:s^;sm  i,-*-i^^^^p  La^  K^^p^^p  asI  2^30  ^j.^ 
1  .  Y>>  n  2i3oZ3o  ;siAj:  .l...^pja  l^c  2^30130!^  ^xsa  .^ 

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6 


■   add.  23m..  '   I.  Ip,^l3.  '   I.  231M.30.  <   I.  030L^. 

U\^.  '  del. 


—     23     — 

Glaubiofen  das  kijnftige  Gericht  Kcoffenbart  wordcn  ist,  bedarf  es  nicht 
mehr  viel  der  Furcht  vor  dem  Gesetze  dieser  Welt. 


XVI.  Kapitel. 

Dariiber,    daB  die  Sache   (der  Wissenschaft)   der  Oesetze 
5  (des  biirgerlichen   Rechts)   sich   nicht   in  Einzelheiten  und 

stiickweise  darstellen  laBt  (s.  Anm.). 

Was  dieseti  Gegenstand  betrifft,  so  muB  man  wissen,  dal5  audi 
nicht  eine  einzige  der  weltliciien  Kiinste  und  Wissenschaften  aus  einer 
teilartigen,  stiickartigen   Darstellung  gelernt  werden   kann,   sondern    nur 

10  aus  einer  das  Ganze  umfassenden.  Denn  der  Arzf  kann  nicht  alle  mensch- 
hchen  Krankheiten  durch  eine  nur  auf  Telle  und  Einzeines  beschrankte 
Schrift  darstellen.  Ehenso  kann  der  Archltekt  (s.  Anm.)  nicht  (auf  solche 
Weise)  alle  Arten  der  Baukunst,  von  denen  niaiiche  bisher  noch  gar 
nicht  zur  Anwendung  gekomnien   sind,   darstellen.     In   gleicher  Weise 

15  konnen  alle  anderen  Kiinste  und  Wissenschaften  nur  aus  einer  das  Ganze 
umfassenden  Darstellung  gelernt  werden. 

Dementsprechend  hat  der  Urheber  des  allgemelnen  Gesefzes  (lo/ios) 
in  seiner  Gesetzgebung  nicht  einzein  iiber  dies  oder  jenes  geliandelt, 
was  wir   meiden   und  was  wir  tun  sollen,   sondern  hat  alles  In  ein  all- 

20  gemelnes  Wort  zusammengefalJt,  indem  er  sprach:  Wie  ihr  wiinscht, 
da6  die  Menschen  ouch  tun,  also  tut  ihr  ihnen  (Matth.  7,  12;  Luk.  6,  31). 
Denn  an  diesem  Befehl  hiingt  Oesetz  und  Propheten  (Matth.  22, 40). 
Denn  der  Mensch  wiinscht  nicht,  dal5  Ihm  Boses  angetan  werde,  wohl  aber 
mochte  er  aller  guten  DInge  tellhaftlg  werden.    Wenn  darin  das  Wesen 

25  der  Gerechtigkelt  besteht,  da(5  man  das  Bose  meiden,  der  Gerechtigkeit 
dienen  soil,  dann  slnd  evident  In  diesem  Gebot  alle  Gesetze,  auch  alle 
einzelnen  fur  sIch  zusammengefaBt. 

In  ahnlicher  Weise  behandeln  wir,  auf  das  einzelne  eingehend, 
die  verschledenen   biirgerlichen   Gesetze  zur  Obung  und   Unterwelsung 

30  derjenigen,  die  ihrer  bediirfen.  Daher  soil  uns  niemand  angreifen,  wenn 
er  (einmal  irgendwo)  ein  Gesetz  findet,  das  wir  in  diesem  unserem  Buche 
nicht  verzeichnet  haben,  als  ob  er  etwas,  das  uns  entgangen  wiire,  ge- 
funden  hatte.  Denn  ich  bin  der  Oberzeugung,  daB  man  nach  Analogie 
dessen,  was  wir  ausgefiihrt  haben,  auch  alle  anderen  Rcchtsfragen  richtig 

35  erfassen  kann.     Und  hiermit  schliel3en  wir  das  erste  Buch. 

Vollendet  ist  das  erste  Buch  des  Corpus  juris  des  Jesubocht. 


Buch  II. 

Eherecht. 

19  Kapitel. 


—     26     — 


II.  \^  :-  Uaoxd  Ixh  ov^p  3^  07^3  <^^j^^  2i»Z»  .Je^> 
7.i.«.\.pixa  :%.n.\  ^  0;^  .\.At  l^p  licU  ^2  ^A^Ia  w.07 
2«b«^^^  l»Ok»o  U.>aa  OLulbp  -i^S^p  %s.2  .isxa  ^2  .xoap 
i-'JUOi^  (.20  2ec73  li.^cr  ^a  oj^2o  ..^au'xda  ^  -^  ''^•»'  ...» 
:Jca2  ^*j.3  ^  ^u2  ou^^2  ^2p  .^Np  Ish  .4^'kaeap  5 
.;baS23  Ixh  .2^.y<..o  2^eZtf\,  6;\a  2pcr  \x  \o\a.-xip 
Uia\  .2;sl*^j(D  2^e*V.\\.  ;Aaoe  2207  2^oa^  Ixo  U^cr  ^^3 
2|^a9^^  Ap  U3W.2  .Zu2  >.vnN  20^2  <^d^  >.30^  ^^^^ao  ^ 
.txjso^^?  iJt-i   .ct^Jx^xcA  axcj;^   %d.\,Q  ^   L^p  2ak.aL\ 

SkA    2300^0    g!As.v'.3A   .33^.0^2    3ka     AyftS    ^3y^;s2    A    lUoAs    lo 
aJa3     ?.Oft1ftl    3^    U^Np    .^p    IS3    .OTiAa    3^°;^    2L^    ^^3 

cnJS^:i2  u.orawi.>2  .1  jiaua  .^'.  \  'a  ov^  :^Ae  2viA,_  M^  3^p 
:^M2  AOJoA  A  >\.At  A  ^p  ^  ..^otolmA  1X39  auoie 
.^Uol^P  Xtoftaaaa   ^sux^p   ^A^2  '  vaNp    .Ixsucp   1x3  .U.2 

>\\,1BP    .UUO;Sp    1X3    .A    ^p    ^ajj.^0     ^d.3.^    ^    ^OPi^    15 

.  ^.aau.ov»  Ap  23.-a.V  ec"  >x>-f1lf>p  -3^2  L..Aa  >^  iJJao 
l^p  2;^^i2  w.01  2;sdu2  ^.o^  lJC>..n.'iOo  .  7  iiia  .o^^p  2<N£u1j 
;i.\.tr>\a  2\-t\-i  ^.v . o 'V.t)  A  ^  .^ab^opop  2\a\3  u^o^opo 
2^.  \,.  \,  irr>3ua  2;^^Jl.^  l!^e  j  \ia  .oj-ao  Ap  2N^i2  jucxjp 
^i.«^A«  ^  l3u.2  ^p  .L^^^p  1X3  .I^Om  2*3.  t  \^  2ea7^p  20 
3u:s^e  :  .lotaN  •\.\.w\>\  i.y..\,x  pouAs  2;^io2  ^  23ui«p 
eoo^  ^^.y At  ^  L.ao3w.o  1  iiio\\*ffp  .23ucx^p  1x3  .A  ^p 
.ajBxV<3u«k3  1X3  .,j.<i\.Aj:  a  ^p  ^  .\oc^*SA  ♦s^on.-i.Tiip 
.o7^;m2  .jft-a.T.ap    U.y.oag   2aaA^  .\.At  A^   laooop 

'  I.  .s^esmaaiA  l^?.         -  add.  A.         ^  del.  2^^a2  -.oj. 


—     27 


Das  zweite  Buch 

von  demselben  (Jesubocht). 

[Verzeichnis  der  Kapitel:] 

I.  Welche  Weiber  ein  Christ  nicht  heiraten  darf. 
5  II.  Was  das  Schadliche  und  das  Bedenkliclie  der  Verwandtenheirat 

und  was  der  Vorteil  der  Ehe  mit  nichtverwandten  Weibern  ist. 
ill.  Wie  einige  Menschen  dazu  gekommen  sind,  all  solches  unreines 
und    siindiges  Gebaren    (der   Blutsverwandtenheirat)    nicht  zu 
verachten. 
10  IV.  Wenn  nun  diese  Angelegenlieit  (der  Blutsverwandtenheirat)  so 

iibel    und   so   volier  Unreinheit  ist,   warum  hat  denn  Gott  die 
Menschen    nicht   von  Anfang  an  so  geschaffen,   daH  ein  Mann 
absolut   nicht   imstande  sei,   mit  einem  blutsverwandten  Weibe 
Umgang  zu  pflegen. 
15  V.  Warum   ist  Lot  nicht  getadelt  worden,  als  er  seinen  Tochtern 

beiwohnte,  und  Juda,  als  er  bei  seiner  SchwiegertochterTamar  lag. 
Vi.  Warum  wir  nicht  die  Witwe  des  Bruders  heiraten  diirfen,  wahrend 
doch  das  Gesetz  (Mosis)  befiehlt,  dafi,  wenn  ein  Mann  sohnlos 
stirbt,  sein  Bruder  seine  Witwe  heiraten  und  (ihm  mit  ihr)  eine 
20  Nachkommenschaft  errichten  soil. 

VII.  Warum  wir  einige  der  Bestimmungen  des  Oesetzes  Mosis  be- 

obachten,  andere  dagegen  nicht. 
VIII.  Warum  wir  nicht  erlauben,  dafi  ein  Christ  eine  unglaubige  Frau, 
noch  daB  eine  Christin  einen  Heiden  heiratet,  warend  doch  der 
25  Apostel  (Paulus)  spricht:      Geweiht   ist   der   unglaubige   Mann 

durch  ein  glaubiges  Weib,  und  geweiht  ist  das  unglaubige  Weib 
(lurch  einen  glaubigen  Mann     (1.  Kor.  7,  14). 
IX.  Woher  wir  lernen,  daB  der  Christ  nur  ein  einziges  Weib  heiraten 
soil,  nicht  mehr. 
30  X.  Aus  welchen  Griinden  die  Menschen  im  Altertum  sich  von  ihren 

Frauen  scheiden  durften,  wir  dagegen  nicht. 
XI.  Aus  wie  vielen  Griinden  der  Christ  sich  von  seiner  Frau  scheiden 
darf,  und  aus  welchem  Orunde  die  Frau  sich  von  ihrem  Manne 
trennen  darf. 
15  XII.  Warum  ein  Mann  sich  von  seiner  Frau  scheiden  darf,  wenn  sie 

Ehebruch  begeht,  und  warum  sich  die  Frau  von  ihrem  Manne, 
auch   wenn  er  offenkundig  Hurerei  treibt,   nicht  scheiden  darf. 
XIII.  Von  solchen  Mannern,  welche  um  der  Tugend  willen  sich  von 
ihren  Frauen  scheiden. 


—     28     — 
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;^  X^%J33  X^lAX   aw::^  ^^2  ^«p  lioiXo    .a^  >  a-i  r.\?  laoAA 

asooLS^p  ^W^  ^  la^a  I^^a;^  o;^  vAt  ^2?  ^^r  \^ 
;s3  .230k\  ^aw«X»  U«  U^Lap  .ajcxx\Tt>..3  Uca  .6;\^3 
3;S3   .otX:^a2  somIip  2>aV^  o^  .\.At    k2p    .^JOA.^^JlL^ 

\   At     ^23     .i.«)u^d^J3uXp     1X3     .1^    o2    230lV.    0^3    2«u.^^3 

2^fiu2  Ajcv&p  VpJO  :23oA.  ^A^a  cr^^^i2  ^JOaj.?  3^J^^  2S.n,\\   lo 
..^23   .xjiau^:M.^X3  U:3  .1^  e2  cr^-i^  ouo^o^p  :;s^«.2 
2oc7r^3    :  23aV,  ^^'^  o^^Xs   ^as  ^^3:^x23  2^^il^   .\.At 
'nil3ivx23  2^^j,l^  w^Ax  v^?   .aucx^x^p  Ixs  .:^3m«i2  2\t\\ 
0^X33  2iv^»:.aa.-i  e2  :af!^,b^p  2X03^.1^0  ^A^3  c;l^a  ,Jae 
^oi^a  oS?  2:s^3  e2  :  2L^  U3«    S^r^p  :  U3u»2  23M^   b 
^ai  ^Ip  lt>\^  ^  2akAO  e2  :  ora32  ^iojA  ^^p^x2  :  isooi 
23.:!el^p    Uta   ft.Y>.Vt    .1^3.^2  2%  n  \  \  2o«7T^p    :iua3*«x2 
II.  I.    S^  A^  l^p   1x1  ^il  >:f^i-?  ^'01  ^^  l^^aoa^  .1x3  :  ^3^p 
§1.   ^iLfnap  ^Aw.2  ^as    .Ixu  ^2  Ajoap   U^josla    23i-i\\  o^ 
.1.32  ^s-^   .2^*.  .132  ^iu2   .2^>^   .^l  .Ld-Tsix   Ijootavi  20 
.2pp  iv^a2   .1^.2  ^^i2   .lao2p  2dw    .  l32p  2:s^  .lao2  ^^3  o2 
^2  3^   .2^^u^  ^^u3  .2^.3  ^b.3  .2dsXi2  ^k3   .2^\A   .2^^au. 
.la^^jC)^  l±o2p  w.6;3p  .2x»X«  23<77e«^p  ^2  ^^ucDo^ioo  ^o; 
^bio  .2^X3  ^3>.3p  U.07  .^2   .i^sLap  ^ciJ3o   .'nel?   Iae2p  ^or 

.C7?^L3    "^3u3    OT^i.3    1^2    .1.32    is,:^lp    2pC7V30     .2X3    is3u33    25 

§2.  ^^2  .lbo2p  1^2  •S^i2  ._^c^2p  ijQxvaau  ^aouap  ^^^  ^e 
Ua^2  :  lbe2p  l^lTtrUlo  :  l32p  1^2  isda2  u.oi  Uaxp  oapp 
^aa  .1^2  ^a>3  3o^e  .^»...a  2XoauLa3  tae2e  l32  ^oxp 
.2^^i2^  U>1  ^^>.3   .  ^o^  ^3  rr^??    .2^^^2p    2N«.   .2^«. 

§3.   ...^aA^AolJ  vMa^  ♦\3-5oi?  ^^*i  t'yo  .2^io2p  2>w«  ^is  30 

>  I.  ^^Xae■        '  I.  ^ise. 


—     29     — 

XIV.  Ob  die  Frau  aus  irgendeinem  Grunde  sich  von  ihrem  Manne 
scheiden  darf. 

XV.  Auf  welche  Weise  der  Beweis  des  Ehebruchs  erbracht  wird. 
XVI.  Ob  ein  Mann  seine  Frau  behalten  darf,  nachdem  sich  heraus- 
5  gestellt  hat,  daB  sie  Ehebruch  getrieben,  oder  nicht. 

XVII.  Ob  ein  Mann,  nachdem  er  sich  von  seiner  Frau  wegen  ihres 

Ehebruchs  geschieden,  bevor  er  eine  zweite  Ehe  eingeht,  die 

Geschiedene  in  sein  Haus  zuruci<nehmen  (d.  h.  die  Ehe  mit  ihr 

•    trotz  der  vorhergegangenen  Scheidung  wieder  aufnehmen)  darf 

10  Oder  nicht. 

XVIII.  Ob  die  wegen  Ehebruchs  von  ihrem  Manne  geschiedene  Frau 

eine  zweite  Ehe  eingehen  darf. 

XIX.  Ob  eine  solche  Frau  eine  neue  Ehe  eingehen  darf,  die  von  ihrem 

Manne   wegen   der  Tugend   (d.  h.  wegen   seines  Oeliibdes  der 

15  Keuschheit)  oder  wegen  seiner  Reise  in  die  Fremde  verlassen 

worden  ist  und  lange  Zeit  auf  ihn  gewartet  hat,  oder  die  deshalb, 

weil  sie  nicht  mehrjungfrau  war,  in  ihrVaterhaus  zuriickgeschickt 

worden,  oder  aus  irgendeinem  ahnhchen  Grunde  geschieden  ist. 

Ende  der  Kapitel  des  zweiten  Buches. 


20  1.  Kapitel. 

Welche  Weiber  ein  Christ  nicht  heiraten  darf. 

§  1.    Von  den  im  Alten  Testament  (Lev.  18,  7ff.)  genannten  Weibern 
(sind  es  die  folgenden,  die  der  Christ  nicht  heiraten  darf): 
die  Mutter, 
25  die  Tochter, 

die  Frau  des  Vaters  (Stief mutter), 
die  Schwester, 
5    die  Tochter  des  Vaters  (soror  consanguinea), 
die  Tochter  der  Mutter  (sorer  uterina), 
30  die  Schwester  des  Vaters, 

die  Schwester  der  Mutter, 
die  Frau  des  Bruders, 
10    die  Frau  des  Vaterbruders, 
die  Schwiegerm  utter, 
35  die  Schwiegertochter, 

die  Tochter  der  Frau  (Stieftochter), 
die  Sohnestochter, 
13    die  Tochtertochter. 
Zu  besonderer  Beachtung  wird  das  Folgende  hinzugefiigt: 
40  Der  Ausdruck  Mutter  begreift  in  sich  die  Mutter  der  Mutter,  der 

Ausdruck  Tochter  die  Tochtertochter  und  die  Sohnestochter,  der  Aus- 
druck die  Frau  des  Vaters  auch  ihre  Tochter  (und)  Tochtertochter. 

§  2.  Zu  denjenigen  (nichtheiratbaren)  Weibern,  die  im  Gesetz 
unserer  Vater  genannt  sind,  gehort  die  Frau  des  Bruders  der  Mutter,  da 
45  sie  der  Meinung  waren,  da(5  die  Frau  des  Vaterbruders  und  die  Frau  des 
Mutterbruders  einander  gleich  seien,  wie  Vater  und  Mutter  in  natiirlicher 
Verwandtschaft  gleich  sind;  ferner  die  Brudertochter,  die  Schwester- 
tochter,  die  Schwester  der  Frau  (Schwagerin)  und  die  diesen  ahniichen: 
die  Brudertochter  der  Frau,  die  Schwestertochter  der  Frau. 

50  §  3.    Zu   denjenigen  (nichtheiratbaren)  Weibern,  die  Unser  Herr 

im  Evangelium  genannt  hat,  gehort  die  wegen  Ehebruchs  geschiedene 


—     HO     — 

§4.   2^^i2   .U.Ax   U3a\.3   2^lkV.l^  » 'x.^23  ..A^2  ^o   :  32\ 
pouAas    k»23    w.o;3    ^^2   ^ai    .^\X3w«o   2^»^oA,^o  ^s^Om 


II.  II. 


..^souaybp  l-3,c»ao  ^  U*3>a  .^<o.3CkOLi3  Z-ajoaa  ^  2oo73 
XiSsol^o  Z30U.3  2;sAjC3e^o  ^  is^pja  .l%j»i^ie  2UXo  lliM 
.2pauM  '73-^?  Isou.  ^  It  i.l\  aS  2ocr3  Z^3;sou.e  :  Z«>^e 
eoTO  .^ou.^^  ^a^saa  ^Aj.2  Zi'aLM2  I»a»  '^  ^3  ^^aio 
o^  &^2p  2kaLX^  ;s«2  .2aM'^ao  %i^  Xiop  iaou^  ^A^>3?  ^  '° 
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^3;s  .ci^soo  07X3  >3L^  .1>,'^^1  ^op  ^  2^^i2  2;^^^ 
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*^2  ;^2  .,').i„ft,-pe  ^w^A    Ui)    :  2p'iM  ^xxp   Zaouw  ^   Ztv.vi^  15 

:  07«SJSS2    y.C7     w>C7     ^*p     CT^ShJO     .OT^SO     w.C^     .^O?     k^    CT^^^a2 

:  o7d^3k3  W.OT  w^or  ^p  oTd^Ao  .CT^J>A  W.C7  wkC?  ^  uiisba  e2 
:  or^^a*.  ^  aj^iolo  z  oja>>^  ^.p  o^Ls  :  crLa  ^  ova^vmO 
ci^oA  >>.M.a>SJ:2  lAp  wC"  1_A.\  .  W.9?  c;^2  ^p  gT^.«n.M 
^p  Xm^io  l^s^sou.  l\j^l  2po7  A\..sje  .:s>.»  ^o.A.joe^  20 
2oo^p  L.^  :  lxjhi.ML^  2eopa^  >-^>-^  ^?^  ^^?  X<<3uC3o^ 
)  t\,'. At  ^o  1A.3303  ^  2;.'^.Sb>\  ^^m  lai  .o'ci  l.'y.-i\\ 
Xai^o  2dAx  voo;^  X^ocro  .233w«A  ^.Vaoni^pe  X^  mJjop 
2fuM  3uao  .2P3mJS  ^ove  :  2p3w.*  ^  >~i>.ajcxAp  liu  .130m3 
Xispo^o  2Z«a3e  liS^oo  .^jotV  p  o^aoSk^As  oc*  \A^JC32e  23 
es^aaal  aj\^um  o]\^  ^  .\,*\..;^2  •2p3u»  ^as  ;t,v'.vt\  2oo73 
.tkoer  ^|mXm  Xxj^&ap  2;se3i,~o  IamJo  lis^ouop  ^«jui2  ^o^Xa 
.97^^.i2  2^,^^  ^  .^2  .2jN3ae  ^isa2  2i>T\\  ;s^2  a^a  ^p  jseds 
.iXiijae  cr^3a  ^p  ^2  .ot;sx3  ^  ^ouajc^e  2Uol3  o;^  200" 
mOT  or£^^i2  ^2  1^2  .o7^;s^2  ^bo  2^ x.ift.t;se  2Ua3  07X  2eoT  30 

'   I.  XJuUCT.  '   1.   l^^'kaoap.  '  add.  OJJ3   ^sAp    >*bj 

s.  32,  23.  31.  '   I.  J..'^UQ>efi<>^2. 


—     31     — 

Frail,  denn  er  sagt:  »Wer  eine  Oeschiedene  heiratet,  begeht  Ehebruch^ 
(Matth.  3, 32). 

§  4.  Zu  denjenigen  (nichtheiratbaren)  Weibern,  die  der  selige 
Apostel  (Pauliis)  im  Briefe  envahnt,  gehort  die  Heidin,  die  Leugnerin 
und  die  Zauberin.  Dies  gibt  er  zu  erkennen  durch  den  Aiisdruck  nur 
in  Unserem  Herrn     (1.  Kor.  7,39),  d.  ii.  nur,  wenn  sie  eine  Christin  ist. 


II.  Kapitel. 

Was  das  Schadliche  und  das  Bedenlcliche  der  Verwandten- 

heirat,  und  was   der  Vorteil  der  Ehe  mit  nichtverwandten 

Weibern  ist  (s.  Anm.). 

Der  Nutzen  der  Fremdenheirat  zeigt  sich  auf  verschiedene  Weise, 

10  zunachst  in  einem  Zuvvachs  an  freundschaftlichen  Beziehungen,  an  Hilfe, 
Annehmiichkeit  und  Forderung,  welche  den  Menschen  aus  gegenseitigen 
Beziehungen  der  Liebe  und  Freundschaft  erwachst;  ferner  darin,  daB  sie 
(die  Fremdenheirat)  von  anderweitigen  Makein,  die  nachher  dargelegt 
werden  soilen,  frei  ist    So  wird  ein  Zuwachs,  der  aus  den  Beziehungen 

15  der  Liebe  und  Freundschaft  erwachst,  durch  folgendes  Beispiel  illustriert 
(s.  Anm.): 

Ein  Mann  hat  Sohn  und  Tochter.  Seine  Tochter  gibt  er  einem 
fremden  Manne  und  fur  seinen  Sohn  bringt  er  eine  Frau  aus  einem 
anderen  Orte.    So  gewinnt  er  mit  seinem  Sohn  und  seiner  Tochter  eine 

20  zweite  Tochter  und  einen  zweiten  Sohn,  und  durch  diese  zwei  gewinnt 
er  zwei  (neue)  Familien.  Auf  solche  Weise  erwirbt  und  verbreitet  er 
die  Forderung,  die  Annehmhchkeit  und  die  Hilfe,  welche  den  Menschen 
aus  den  gegenseitigen  Beziehungen  der  Liebe  und  Freundschaft  zu  er- 
wachsen  pflegt. 

25  Dagegen,  wenn  die  Frau  eines  Mannes  zugleich  seine  Tochter  ist, 

seine  Tochter  seine  Frau  ist,  oder  wenn  seine  Tochter  zugleich  seine 
Schwiegertochter,  seine  Schwiegertochter  seine  Tochter  ist,  also  sein 
Schwiegersohn  zugleich  sein  Sohn,  sein  Sohn  auch  sein  Schwiegersohn 
ist,   und   wenn  die  Mutter  des  Mannes  zugleich  seine  Schwiegerm utter, 

30  seine  Schwiegermutter  auch  seine  Mutter  ist,  dann  hat  er  evident  keinerlei 
Zuwachs  (zu  seiner  Familie)  erfahren.  Daher  kann  er  auch  nicht  der 
Forderung  und  der  Annehmiichkeit  teilhaftig  werden,  welche  fiir  die 
Menschen  aus  einem  solchen  Zuwachs  (der  Familienbeziehungen)  hervor- 
zugehen  pflegen.    Erleben  wir  es  doch,  dal5  unter  manchen  OroBen  und 

35  Fursten,  die  in  Hal?  und  Feindschaft  miteinander  leben,  Heiraten  zwischen 
den  beiden  Lagern  die  Ursache  und  Biirgschaft  der  Freundschaft  werden. 


—     32     — 


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.iASol^P  IsolmS  ^^p  2;sio  1^  .Ja?i  ^l?  1  v,3..>2  .>^laa^  s 
'^»3  ,^au.o?  .>^iu  lXee93  2^o\.\»^  ^23  ^^oo2  ^.«2^  ItA^l 
Sb^s  :  23i^>jo.»  1^2  pLX  2^3o  ^  e2  .  l.ao2  ~\^  2^3 
^cr  2£s3w.3kA   ^xOl^^OlXP    .^sft'V  >t\\    pw.o   e2   l^joaoBp    :» AV 

Xiolo  Xj2p  2Xi.fiu2  ■*\  V.  ..X3H  iJSp  :  2Ncfuo2o  la\jsl  i\oA  10 
Via  l32p  2^oaL>JC}  >\\.>i9  w.is^2  ;Sd.23  UdM2  .2^aA^«^ 
2ak«abie  2*  a>\yO  l\ll^«o  l-^jciuse  ■•  eoM-v  >^c^-  ^'^^^ 
^  o^  23b.ip  1  'aoL .  \  V.  2\.n.\  ^2  ■  ♦eo?  ■  V  ■  v  n  ^.n.t..^oo 
.loucs  c^^^3  g;d.L>^J  ,\..T3  ^\M>A>>,  2;si\i2  e2  :  v3JC>  2^xl2 
.2oufibo  2>Seopo2pe  2;seop2p  23Jl«2  iA  .23^^\jo^  2p9'  p^o  is 
.  JSa)  ^  Ix^'i  lis'^^l  M.3  dels  .UXio  lA^j  laou.  l\^2 
2;\eL3^0LX  ^ao  2%n\\  200*  l\ap  :  }  oniai  200*  ^^^  0JS2P 
^  2>t\\p  ^ot  ^2p  2:!v^'3yM2e  :  2>.aoe  ^wo  lbo2  au^p 
w33  l-^-^^a  ;l\^2  .  w«o- Aso^iNaxa  ouaXm^oo^  ox^  .\.Ay.  2eou 
^07  ^JL^'x^  l^p  ^ovap  ^^\  -^^P^  ^  P''*^  e2  .WjL 
JM  x^i\jC3^3  .2aw^k»3  ^07  : 2;^^'kM2  lx&  >^  2;^^j.^  ^Aaa 
k2o  .^09*  IxaA  ^c^  ;^oA  ^2  23cr  ^07  ^o-  .2MA-C}  lifi 
23aA,^  .laaoT  200*  2«.m;s^  ;^p  I^olso  olj^2  .  ^cr  Uaot  2pcr 
opo^  ^xaouXe  :  U:s.«.o  2;\akje  :  2300  2^^a2  a)^  ^.^2p 
^■^  :  .u\,-\ois  c;^  2ec'  X^  •p^^  209*  >tt^p  l»  .p-^^..3j  25 
;l\^2o  ov&^s**  t-?*  <''^^^2  e2  :073a  Jip  c^so  isov  l\3Ul^^ 
;^u.*.»>aa  Z^p  :  C70j2p  IXiOl^  a-^^u2  >»eo-  1^42  p^  li^^^ 
:c7^3>ap  2;»oaL^  4\du2  ^.ea"  1^42  p^  \\^lo  .'<roj3l  ^ 
23M^  .^«2p   Ij^2   A32e   .6vi^^«*  00  ^ec-    An^ioa    l^p 

Sk^P    3u\    ^O^     ^>\     .w.070lm2    ;SOl^    07«N^vi2    bCLSLXO    U  3m2    30 


20 


'  I.  ^  *^2p  W.07  St.  ^p  ^aw>o7.  '  I.  :zxx.  '  I.  X3l. 

add.   XiOlo. 


—     33     — 

Da  indessen  der  Feind  iinsercs  Geschlcchts  (der  Satan)  heobachtete 

und  merkte,  welche  Forderimu;,  Trost  iirul  Hilfe  die  Menscheii  (aiif  diese 

Weise)  von  einander  liahen,   so   gab   er  sich  alle  Miihe,  alles,   was  ziir 

Forderung,  zur  Anneliiiilichkeit  mid  Freiuie  der  Mensclieii  dieneii  konnte, 

5  zu  schmalern. 

Ferner:  Ein  Mann  hat  eiiie  Fran  mid  eiiie  Tochter.  Wenii  nun 
seine  Fran  stirbt,  ist  iiim  seine  Tochter  Trost  und  Hilfe,  oder  vvenn  ihm 
seine  Tochter  stirbt,  ist  ihm  seine  Fran  Trost  und  Hilfe.  Wenn  aber 
seine  Frau  zugleich  seine  Tocliter  ist,  dann  hat  er,  wenn  sie  stirbt,  weder 

10  Tochter  noch  Frau;  er  ist  beider  beraubt,  und  es  ist,  als  ob  er  in  dem- 
selben  Moment  zwei  Todesfalle  erhtten  habe. 

Dasselbe  gilt  von  dem  Falle,  wenn  ein  Weib  zugleich  die  Mutter  und 

die  Schwester  eines  Menschen  ist,  und  von  aiiiiHctien  Verbindungen  mehr. 

Ferner:  Es  pflegcn  die  Menschen  gegen  Mutter,  Vatcr  und  Schwester 

15  eine  keusche  Licbe  zu  hegen,  wie  es  sich  gebiihrt,  dagegen  gegen  die 
Gemahh'n  eine  Liebc  des  Oemisses,  die  auch  derartig  sein  kann,  dal5  sie  mit 
sinnlicher  Schweigerei  verbunden  ist  (s.  A/irn.).  Wenn  aber  solche  Dinge 
zwischen  Sohn  und  Mutter  oiier  zwischen  Tochter  und  Vater  vorkommen 
in  Verbindung  mit  der  Aufdeckung  der  d'lcoin  und  der  fleischlichen  Be- 

20  riihrung  einer  widerwartigen  Ehe,  dann  ist  solches  eine  groBe  Schandc  und 
eine  schmachwiirdige  Entweihung,  dergleichen  bei  Vatern  und  Mtittern 
iiicht  vorkommen  soil,  damit  iiicht  die  Wiirde  von  Vater  und  Mutter 
zu  Schamlosigkeit  werde.  Auch  liaben  zuweilen  Sohne  und  Tiichter 
einen  Widerwillen  gegen  Vater  und  Mutter,  weil  sie  gar  so  alt  sind,  und 

25  halten  sie  fiir  verachtlich,  schamlos,  schmutzig  und  widerwartig.  So  hat 
ein  junger  Mann  einen  Wiilerwillen  gegen  eine  alte  Frau,  oder  einem 
jungen  Weibe  erscheint  ihr  greisenhafter  Geniahl  als  widerwartig.  Unter 
solchen  Umstanden  kann  aber  die  Ehre  der  Vaterschaft  und  der  Miitter- 
schaft  nicht  bestehen,  sowenig  wie  die  Liebe  zwischen  Oemalil  utui  Ge- 

30  mahlin. 

Ferner  was  noch  schlimmer  ist:  Wenn  das  Gesetz  nicht  dem  Manne 
verbote,  mit  seiner  Mutter,  Schwester  oder  Tochter  Umgaiig  zu  pflegen 
oder  mit  anderen  Weibern,  denen  er  sich  unter  keiiien  Umstanden  und 
zu   keiner  Zeit  niihern   darf,   so  ist  evident,   da!?,   weil  diese  Weiber  im 

35  Qeschlechtstriebe  nicht  verschieden  sind  von  den  anderen  (den  nicht- 
verwandten),  der  gewohnliche  Geschlechtsverkehr  audi  von  ilinen  aus- 
geiibt  wiirde.     Ware  das  nicht  eine  Schande  ohne  Grenzen? 

Ein  Mann  hat  Frau,  Sohn,  Tochter  und  Schwiegersohn.  Diese 
wohnen   alle   bei  ihm  im  Hause.     Wenn  er  ausgeht,   ist  er  nicht  sicher 

w  davor,  dal5  seine  Tochter  von  seinem  Sohne  oder  seine  Frau  von  seinem 
Schwiegersohne  gemilibraucht  wird,  noch  ist  der  Schwiegersohn  sicher, 
dal5  nicht  etwa,  wenn  seine  Frau  nach  dem  Hause  ihres  Vaters  geht,  sie 
von  ihrem  Vater  gemiBbraucht  wird.  Nicht  ist  der  Mann  sicher,  dal5 
nicht  etwa   seine  Frau,  wenn   sie   das  Haus  ihrer  verheiratcten  Tochter 

45  betritt,  von  ihrem  Schwiegersohn  gemiBbraucht  werde.  Auch  wer  verreist 
und  seine  Frau  bei  seinem  Brudcr  laBt,  ist  nicht  sicher,  denn  es  kann 
passieren,  daB,  wenn  er  zuriickkommt,  er  findet,  dali  sie  beide  eine  und 
dieselbe  Frau  liaben.  Und  andere  Schariilliclikeiten  mehr,  die  man  nicht 
verzeichnen  kann,  ohne  sich  zu  schiimen. 

50  Wenn  man  gegen  unserc  Ansicht  einwendet,  daB  sittenlosc  Manner 

und  Frauen,  auch,  wenn  sie  mit  Freniden  verheiratet  sind,  ahnliche  Dinge 
tun  kfinnen,  so  mogen  sie  bedenken,  daB  ein  solches  Gebaren  meistens 
dort  aufzutreten  pflegt,  wo  die  Menschen  sich  bestandig  sehen  und  nahe 
bei  einander  wohnen.    Denn  ein  fremder  Mann  kann  nicht  zu  jeder  Zeit 

55  das  Haus  eines  antleren  betreten,  nicht  bei  seinem  Weibe  sitzen  und  mit 
ihr  essen  und  trinken,  nicht  mit  ihr  reden,  nicht  mit  ihr  sich  amusieren, 
noch  mit  ihr  Scherz  treiben.  Wenn  eine  Frau  bei  solchen  Dingen  be- 
funden   wiirde,   wiirden  sie  (Mann  und  Weib)  von  jedermann  verachtet 

Sachau,  Syrische  Reclitsbucher  III.  3 


—     34     — 

2xaelx»   >  2e    ..vOax^^aa   ^^'^^   2xm.ol^    1^3   oAa    .2'koj: 
1-o'xaaj    t^Ok^  ^1  : 1'i^   'jJi^o  2'a>.n.V  a  :  *^^^^»  ^slool^ 

2aa\    .2ec;tt^  n^>^«»  x.^^    . Ii>sa3.^'^ja    ^o   2^«^  isftt.'iol    5 
:  C7X3U.3    2^..oA   ^a\Ap   ..ooc^   ^^^a^s  o^   .U3>:^aA   3i,A 
:  opax  Wlnt   e2  .opox  2xxie  .^aaLie  c:\^,i2  20>.  •^^^e 
L.^m;s»  ^2p  ^c7  .  Za>«*a\3  e2   I^SoJla  ouo^  ^x«.^ap   e2 
>\\.V)e  .JLi2  \a  ^^  ^M%2iis^o  wd^.o:<NXao   .  ^a^  ^2aa 
^p  23aL^   .2pc^  ^^??  2^et  i\\  ^  2i.^.\jp  ^3cp«»  2por   lo 
2^  ^2o  .ot;s^j  ^  po'i\i?  .»>s.ao  j:.a2  a^  .lAX..e   U.2o 
^oot^sWao  >  ecf;sou*2e  •vOC7>sg^2  ;zu>.  Ma^M.p  >»  .  .\>  S■^.ao 
o2p  .2ocTfis  ^^o;d.;ss;s  ^  ^?^?  ^^^  lAu2e  .w^c^^olX  .  A^^e 

I.abJcouSe   2;^o^'ra■\,o    Lm^j   :blx   .^.a^a-O    »  oeoup    o2  is 
^w^2  w^3«  laaap  .^«^p^  ^  Ix^a?  2;\Xm2  .^p  ae^  .U^-xsp 
.v^eorou.2  •^•nj2  o2  4^oo7oa2  i^>M2  o2  .  >  oot^Sm  oocr  >^23p 
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Il'3yM2    ]jC330kj3L3   o2    .2:^a»    TUC3.3    >  eCI«3^'La!^   000"    ,^.\\,D 
^^^07     .2p3uM    \^p    *  OaU\\.^Oi>>0    •  OC^OuOUbXA     >\  \,  M    20 

.I'a.'v..  oor  .^d.l2  3eisA2p  w^  i^^^^^^p  ^^or  ^  » '3u.x^pe 
Juu»  ?  Wftmp  li>.>jo*«  2  sax  ^0^;^  ^  a\^  :  2o;^2  >^kao  \x3 
2^.\«.^t,Je  .^xaa.^Xip  l-i'ijaa^jo  'Vtrva  M^p  »^eao7  :  ^2 
^i?  >*0T  ^  2v»^>»  .Ui'vap  ^  eo"e  .4s\.a!S  ^p  23070*0 
;^2  .  .v^eo;^  aSuJCm  2^0Lild>p«  2pc  2;solda\.  :  ^or  ^^ea?  ^ 
:zip^oA  v^  1^2  2pcT  2^ft'V\\,\  .asxdiop  ^ooO^  LCUx^  1^ 
^osoa^  'aLX  ;^«Uxa  w^j:^v^^.aso  :  2;\3i«3j:  ^\\3o  ,^p%se 
y  .  ^  •»<  I^a  vOoA  2pi^  .o^aiuaisL?  Iseo  .^oovloSo  l3^^p 
ZSO.M  P^-Ci^?  ^2  '.lipkjjOL^  ^app  H>p  OCT  .lia^xokjop  aijjao 
eoT  i\,.\p  .3^2  3^  ^xxi  !,\^,o\  ^oov-3;s  \x  Ajoo2  p^  30 
^2p  ^.d^'au.2  o2  2(N3u3   o2  ^\m  o2  ~2^.3o2  a_\.  ^sap   ^ 

'    Lucke.  -   1.   Isel. 


—     35     — 

und  verhohnt  werden.    Deshalb  nehmen  sich  die  meisten  Menschen  vor 
solctiem  unreineii  Gebaren  sehr  wolil  in  acht. 

Daijegen  den  Sohn,  den  Bruder,  den  Schwiegersoiin  i<ann  niemand 
aus  seinem  Hause  vervveisen.  Aiich  findet  niemanii  etwas  daran  aus- 
5  zusetzen,  wenn  sie  bei  ihren  Miittern,  Schvvestern  und  Scliwieijertochtem 
sitzen  und  mit  ihnen  essen.  Und  dann  nuili  eins  von  zvvei  Dingen  ge- 
schehen:  Entweder  sie  miissen  einander  fernbleiben,  indem  sie  auf  die 
Liebe  und  den  daraus  erwachsenden  Vorteii  verzichten,  oder  sie  treten 
einander  nahe  (zu  gesclileciitlichem  Veri<ehr)  und  nehmen  dann  den  Hohn, 

10   die  Unreinheit  und  die  Anriichigkeit  mit  in  den  Kauf. 

Ferner  etwas  nocii  Schiimmeres  ais  dies:  Wie  oft  ist  es  vorge- 
kommen,  dal5  Manner,  die  ihre  Sciiwester  oder  die  Frau  ihres  Vaters 
Oder  die  Frau  ihres  Bruders  begehrten,  in  ihrer  Sitteniosigkeit  auf  Be- 
treiben  des  Satans  ieicht  Mittel  und  Wege  fanden,  ihre  Verwandten  (,  die 

15  ihnen  ini  Wege  stehen,)  durch  Gift  oder  auf  andere  Weise  zu  toten,  wei! 
sie  nahe  mit  einander  vervvandt  waren  und  auf  einander  vertrauten.  Es 
widersteht  mir,  solclie  und  noch  argere  Dinge  anzufiihren  (s.  Aiim.). 

Der  allweise  Gott,  Unser  Herr,  hat  die  Verwandtenheirat  einge- 
schlossen  in  drei  feste  Gesetzesmauern,  von  denen  die  eine  in  der  Natur 

20  (des  Menschen),  die  andere  in  den  Oeboten  des  Gesetzes  und  die  dritte 
in  der  Furcht  und  Warnung  vor  deni  Fiuche  besteht.  Die  Mauer  in  der 
Natur  des  Menschen  zeigt  sich  darin,  dal5  diese  Menschen  (die  Magier), 
wenn  sie  auch  ihre  schmutzige  Sitte  fiir  Gerechtigkeit  halten,  doch  nicht 
Ieicht  dazu  kominen,  eine  soiche  unreine  Verbindung  einzugeiien,  wenn 

25  sie  nicht  vorher  von  schnoder  Begier  entflammt  sind  und  cinen  harten 
Kampf  mit  der  ihrer  Natur  innewohnenden  Vernunft  gekampft  iiaben. 
Und  wenn  sie  den  Schritt  getan  haben,  erfiillt  er  sie  oftmals  mit  Wider- 
willen. 

Die  zweite  Mauer  ist  dasGebot  (derMonogamie,  Liickc),  wie  es  Moses 

30  verkiindet  hat,  indem  er  zu  den  beiden  (Mauern)  noch  (ais  dritte)  heftige 
Fiuche  hinzufiigte,  sprechend:  Verflucht  ist,  wer  da  licgt  bei  der  Mutter 
oder  Schwester  oder  Toclitcr  oder  anderen  solchen  (nach  Deut.  27,  20. 
22. 23).  Wenn  sich  daher  die  Menschen  erfrechen,  in  die  eine  dieser 
drei   Gesetzesmauern   durch   eine  Bresche   hineinzudringen,   werden    sie 

33   doch  noch  von  den  beiden  anderen  zuriickgehalten. 

Verflucht  ist  also  Zardust,  der  von  wilder  Begier  entflammt  war, 
durch  die  er  vor  vieien  notorisch  geworden  ist.  Durch  die  Wirkung 
und  mit  Hilfe  der  Damonen,  welche  an  der  Sinnengiut  ihre  besondere 
Freude   hatten,   hat  er  samt  seinen  Anhangern  Mut  gewonnen,  und  sie 

40  haben  sich  erfrecht  einzudringen  in  dasjenige,  was  durch  die  drei  Mauern 
des  Gesetzes  vor  ihnen  verschlossen  war  (wiirtlich:  innerhalb  dieser  drei 
Gesetzesmauern).  Aulier  Zardust  hat  keiner  der  Haresiarchen  diese  Ge- 
setze  zu  iibertreten  vermocht. 


—     36     — 

^JLe3^•  'yA  >  oA.  ajo  .  l^xxp  ^oi  ^  .  o.^-^^j  .Ijooaoap 
:  2 • « \ <a   )Jae   a^^^S^.  ^.^^^2  a%3p   »cr   :  I^s^^slX  I^A^b^   ^3*23 

ouMado2  ouA.  w<J3  ^x^  oci  ..-i'ySisl  i\jy3  ooc  ^^^i.  "ay^e  i 
Iao7  «J30  \\.r>o  .1  ncvYixa  230ls  wAc  <^^  ^  <x\\  a\.ve 
1  oftiai  \^  SbTVtaN  ~o«oa2  :  jcxjcaacr  ^a  ^  a^  l\52 
II.  III.  ^^eauAxoL^p  iJA^Aj  ^  a^^»^2  ^2a  ..^;^^  ixa  .v^o" 
2^ou^\.  ^ao  ^^  iv^^SkA  .2x.,.,^e  2^elaa\.  2acr  o;X^  \^ 
^  ^Aivae  .»  ecivVaa  2^>aJ..i.JLX  ^  ^p  ^;sa^a  :2alxp  lo 
.OLXa^a  \v^  .la  Is  t.»a  ^  ^c*  .  Ivli o  XaoL^ae  '-^ofVr 
.iJOadOLi  \xa  2;yasajC3aLao  ^  :  •tv.a-iN  200*  U.m  ^  iju2a 
o  y  *\.  ..;s2  .^oo7^aeu\-i  *^oau^  Lo'c  L^a^ou.  ^«a  Ij^lo 
jc^^N^a  ZjA^a^  2JUA  oac'a  ^op  .  Ijooaaa  ^eop^  » eA.3aa 
.^07  3  2aw.2  2;\a3e  n^  lA^a  j  no.'a.i  \->dft^  >j».\.a^3  15 
dxd^^a  ;^2  .liiJbo^  ^  aw«A  aaL^io:2  1^  .'a^aoAAa  11.^^2 
.i^ojjaaX^  *^2o  .2^^  *\^  .l^J^a  Aok.^  c-^eaL^  >...3 
2ab^2e  .'A  i.3  67A  X>2a  2aM.2e  .2^(Lm1A  e2  -V  *  -»  \  e2e 
ZoLcLi^  :  Z<Aa  ;saMM.aj:e  2>«ol1m^  a)\^  ^p^po  -^V^  NAa 
;^a  •'xa32  4\^Ou2oao  .2;SflLJ^o  ;^'^2  . .  v.n.Ne  2'kap^o  20 
^kaau.a  ■  A^iX  ^  2x^3  ^cr  kSe  ^oo^  >-^a  ^p.io  2ooj^ 
2io.^  o;^  ^k£U^uo  1^  .u.oieL32  ^^^^a  ocra  ^6u  .  m>3  *  *  *  1 
^vv.aA  >32  A,aA.a^2  ^2  .^.0*0132  .^  x^lila  o'i<jy»a  ^01 
2;^e'ia\.\  ojxaxaoA  200*  y>.3>i5e  l^a  \\.aoo  .auo2ae  c^x«a 
.  .X  V  \.  ■>  ^.203  l^ooLae  .0;  Ti  ■■A.aa  2i».o  Ajt5k>  »  \^\«*<  23?*  25 
oV-\i^3  2;\ea..'ra  Ve  :  vxoa  ^ai  ^o_fiU3*3  ^ou^e  jox^i^l 
2^M^^  ^^Jl3*  laa^a  Uci^i  ij^aatA^  >^2  23oi\^e  .2^oala 
^oo^^ocra  :.qA.i>.OLjt  3^3  .2ac  2^oJ3a\.  jsp  ^3\d.^^3  >  oiou) 
.vOO^dA^ae  •veov*3w.2e  :  *^o).>'\i^po  ^oauaspcp  2^ea>A>~e 
^  ^^<joooo;  .  >^og;.o>j;aa3   li'ai.^  ^^mOSo   .1i'3um2  l^acrao  30 


-   1.  yOJc2.         ■  add.  ^i2  s.  26,5. 

'  1.  2^\aA.       '  i.  ^L3L>.^JL^. 

—     37     — 


III.  Kapitel. 

Wie  eitiige  Menschen  dazu  gekommen  sind,  all  solches  im- 

reines  und  siindiges  Oebaren  (der  Blutsverwandtenheirat) 

nicht  zu  verachten  (s.  Anm.). 

5  (Das  ist  gescheheii)  erstens  wegen  der  Sundhaftigkeit  der  Damoneii, 

zweitens  wegen  der  Heftigkeit  der  Begierde  (der  Menschen)  und  drittens 

wegen    der   Oppigkeit  und  Habgier. 

Was  die  Siindhaftigkeit  der  Damonen  betrifft,  so  wuHten  sie,  welcher 

Scliaden   den  Menschen  aus  der  Verachtung   der  Gesetze   und   welcher 
10   Vorteil  ihnen  aus  der  Beobachtung  derselben  erwachst  (5.  Anm).    Des- 

halb  haben  sie  sich  Miihe  gegeben,  die  Gesetze  von  ihnen  fernzuhalten. 

[Ferner  die  Heftigkeit  der  Begierde  (5.  Ann.)],  insofern  als  es  ihr  Streben  ist, 
dafi  sie  ailzeit  gegen  ein  Gesetz,  das  ihr  irgend  etwas  verbietet,  ankiinipft, 
wie  sie  sich  niemals  einem  Gebot  unterordnet;  daB  sie  vielmehr  frei  alles 

15  zu  erreichen  sucht,  was  sie  begehrt,  seien  es  Vater  oder  Mutter,  Tochter 
Oder  Schwestern,  verheiratete  oder  unverheiratete  Frauen,  und  uin  die 
ganze  Frechheit  der  Begierde  darzulegen;  seien  es  mannliche  oder  weib- 
liche  Wesen,  Menschen  oder  Tiere.  Um  es  kurz  zu  sagen :  Das  Streben 
der  Begierde  (der  Menschen)  ist,  da(5  nichts  sie  aus  irgendeinem  Grunde 

20   von  solchen  Dingen  abhalte. 

Die  Habgier  au(5ert  sich  in  folgender  Weise:  Der  Vater  eines  Mannes 
ist  gestorben.  Dem  Sohne  geniigt  nicht  derjenige  Erbteil,  der  ihm  nach 
dem  Rechte  von  seinem  Vater  zukommt;  er  hat  auch  noch  nach  den 
Erbteilen  seiner  Schwester  und   Mutter  Verlangen.     Und   weil  er   nun 

25  dies  schmutzige  Ziel  nicht  erreichen  kann,  weil  sein  eigenes  Oewissen  ihn 
tadein  und  alle  Mensclien  ihn  blolJstellen  wiirden,  so  erfindet  erdasMittel, 
(eine  Ehe  mit  diesen  Biutsverwandten)  fiir  die  grolite  Gerechtigkeit 
\s.Anin.)  und  den  Gipfel  aller  Ehrenhaftigkeit  auszugeben.  Deshalb  sucht 
man  auch  das  Gottesurteil,  das  sich  oft  an  Kindern  aus  solchen  schnuitzigen 

30  Ehen  zeigt,  insofern  etwas  an  ihnen  abnorm  ist,  ihre  Glieder,  Augen, 
Hande  und  FiiBe  und  andere  Glieder  eine  Schwache  zeigen  und  ihre 
Haut  verschiedene  Farben  zeigt,  in  der  Weise  zu  erklaren,  dali  dergleichen 
herriihre  von  dem  Kampfe  der  Damonen  mit  dieser  Gerechtigkeit,  wie 
die  Macht  der  Damonen  auch  an  solchen,   die  in  tier  Gerechtigkeit 

35   vollkommen  sind,  wahrgenommen  werde. 


—     38     — 

:  2«M^^  ^?^?    l^\Noia  ect  ^^2   .Uar   5^23  aa.»  I»^x^ 

;x/^^  .>^\    :s^:3   L.3^2   :2'3Lx^   ^w2   Ij^^olj:   >^   'i\^lp 
^ec;^  ivJS  1^2  .isexa^  >  eo]^  x^2  ^23  \\.y)  .2^aA«p*o    ^ 

II.  IV.   xSseo  2po7  2d^oa^   Xjlj   Lj^c  »23   .L^jSIs    Ixb    .2><.ol:^« 
2o;^2  ^<N  U^oT  ;s^aa  ^   1^  l,y-t\.\   .2M*Vo  2^ft *\.i\. 

. U.3>jrae   l^p  23^.2  \^  2o9f  l!^  .'aLJO^ioo  200*^3  '.oO.a-aas   io 
Z^e   :o3A«^2  2ou.e  7f32  «J!p  .>wi»3>i3  o3A^^23  ^c  s^e 
^<^a>.xao  l^e  .  >^ap^  ♦s^ojuoap   .113^2  :  o\V    J»   lie'i  Joo] 
^.se  o^3i^^2  l\52   .Uix..2  lae3  >.»    1.U  .  a-iot3  eoo* 
:  2oOT   }j^  Ol^2   2o;2^2   200*    2^.»3    :  23l^2x.»  ^2e   .  2o;^2 

vft-t.JC>.S    >.*Ac?3    I  ..1,33    .lic^    ^;\3^e    ^3aL\    «^3^    230L13    B 

.Z\e«  M.3^  30l«A3  oA  .2eoi  2^  '^'^P  .^^3^2  .  <^073  2^03 
UaJ^o^^o  UixX.-a^  23.J3  x^  eo?  .2^03*30  L^2  1^2 
ljuli.3  1^2  2%ai3  200*  2e»  .!U»^.M  1^3  U.vmiB  :  1.»3L3  3 
^  1j,i1i3.^  200"  2eoT  21AjC3  Iju^a  1^2  .2o<r  L^p  ;LaaA 
23M.e  Z32  >M  Jsp  iJtJLxa  4.  eo^^  a^ap  Ixc  >^2p  ^2  .23or  20 
:  ^00*^03030  ve^3^0u««  .\  \..*wp  lJu2  ^^2  .e3A«N2  !bo2 
^2  ^  v^en^  ..«.n.t.^  1^2  . *  >  ■  ^  ^-jo  Li'sm.!^  ....a-T.*.  l!^ 
:  laxft*.  Vioi  2eo7  2oot  .6^23^^.^^^  232  Laa^  .2^0uw«.e  23b.^6a 
.Ixxlxa  :s.»3  2o9^  2«^ioo  :  l^\..yaBe  1x^.3,^  LcmA.  p  00^  2 
^oaoT  >^  Sum  :  o3A^^2  1^2  23^.0  l32  Su.  .^  3^    Ixo"  v,2o  23 

2>OOu«e    1^2o    l32   ^     ^Op    l^O    Z^C^Ou.!^   .\\.B    I..<.a03bl3 

eeo*  >^>-av  X^2x.;^w.  232  XiOA  .Ip&i  ^ou3  >nN*a\  2^ou«.2p 
\\.»  :  IxJLu  eeo*  LiXm2o  X>a  Ux«2  t  o^V^  J»  0^2  :  2p9- 
3Ji^2  Jsn.a\o  23kA3  Z^2  :  2o!^2  >^3>»  \3o  rT,.>,«.  eo*  2poT 
:^2  -Ws^e  1jum3o  2^o[.^e  :  23M.6ap  l^xx^p  ^2  :23a  30 
■  4v3  ei^N  <^^  c^l  v^p  ^3^ae  :  2aLA3^  23a  ^  iv^^3bi3 
.2^,^^  2^0La>...aa  3u«a  2p3M,.^  ^oa2  .2u32  2^05^02  Swae 
^    *  -■  «^ocu>>s«2  d^Uox    :  von-^>-^  w.aA«X3op  *^crp  M.au3p 


—     3i) 


Wir  (Christen)  sagen  dagegcn  vertrauensvoll,  Jali  liic  Danioncn 
keinerlei  Macht  haben,  wo  Vollkommenheit  and  Gereclitigkeit  herrsclit. 
Demi  wenn  die  Damonen  aiich  kampfen,  gewinnen  sie  doch  keinen  Sieg. 


IV.  Kapitel. 

5  Wenn  nun  diese  Angelegenheit  (der  Blutsverwandtenlieirat) 

so  iibel  und  so  voller  Unreinheit  ist,  waruni  hat  denn  Gott 

die  Menschen  niciit  von  Anfang  an  so  geschaffen,  daB  eiii 

Mann  absolut  nicht  imstande  sei,  mit  einem  blutsverwandten 

Weibe  Umgang  zii  pflegen? 

10  Zunachst  muB   man  wissen,  daB  jedes  Gesetz  gegeben  wind  mit 

Bezug  aiif  Dinge,  weiche  moglich  sind,  nicht  mit  Bezug  auf  solche,  die 
unmogiich  sind.  Weil  die  jetzigen  Menschen,  als  sie  zuerst  geboren 
wurden,  von  Adam  und  Eva  geboren  wiirden,  und  nun  Weiber  aus 
einem   anderen   Oesciiiecht   oder  einem   anderen  Lande,   die   man    iiatte 

15  heiraten  komien,  niclit  vorhanden  waren,  so  wurden  sie  von  Gott  nicht 
getadelt  (weii  diese  Adamiten,  da  es  fremde  Weiber  niciit  gab,  unter  sich 
heirateten).  Und  wenn  man  sagt:  Gott  hiitte,  wenn  er  wollte,  zwei 
Menscheiipaare  schaffen  konnen,  so  dal?  die  Sohne  des  einen  Paares  die 
Tochter   des  anderen    hiitten    heiraten    konnen,  so  erwidern  wir  darauf: 

20  GewiB  war  es  nuiglich,  daB  Gott  niciit  blof5  zwei  Paare,  sondern  Tausende 
und  Zehntausende  von  Paaren  hatte  schaffen  konnen.  Denn  er,  der  die 
Engel  und  die  Sterne  am  Himmel  in  unzjihlbarer  Menge  geschaffen  hat, 
hatte  auch  Menschen  schaffen  konnen,  soviel  er  wollte.  Daraus  ware 
aber   den  Menschen   ein   groBer  Schaden   erwachsen.     Denn   audi  jetzt, 

25  wo  doch  alle  Menschen  von  einem  Vater  und  einer  Mutter  ahstammen, 
gibt  es  solche  unter  ihnen,  weiche  in  ihrem  Stolz  und  Hochmiit  andere 
Menschen  nicht  als  ihresgleichen,  sondern  als  Vieh  mid  wilde  Tiere  an- 
sehen.  Wieviel  mehr  wiirde  eine  solche  Anschauung  aufkommen,  wenn 
sich   herausstellte,   daB   das  (jerius  humanum  verschiedenen  Ursprunges 

30  sei.  Wenn  schon  jetzt,  wo  die  Menschen  von  einem  Vater  mid  einer 
Mutter  abstammen,  einer  der  ersten  (Kain)  seinen  Bruder  ttiten  konnte, 
ohne  dal^  er  sich  vor  Vater  mid  Mutter  nnil  vor  der  Briiderpfliciit  scliamte, 
eine  solche  Untat  zu  begehen,  wieviel  mehr  wiirden  sie  solche  Dinge 
begehen,  wenn  sie  verschiedener  Abstammutig  waren.    Deshalb  hat  Gott, 

35  unser  allweiser  Herr,  Mann  und  Weib  nicht  zugleich  geschaffen  wie  das 
Vieh,  die  wilden  Tiere,  die  Amphibien  und  Vogel,  sondern  er  hat  zuerst 
den  Mann  geschaffen  und  tiann  erst  aus  seiner  Rippe  das  Weib  gebildet. 
Und  durch  die  Comniunio  (matrimonii)  verband  er  sie  miteinander  niittels 
einer  natiiriichen  Verbindung,  damit  ilire  Kinder,  da  sie  gleich  von  beiden 

40  abstammen,  sowie  audi  die  wieder  von  diesen  geborenen,  da  sie  alle  als 
von  einem  Manne  und  einem  Weibe  geboren  anzusehcn  sind,  mit- 
einander in  Liebe  unii  Harmonic  leben.  Denn  es  gab  kein  anderes  Ge- 
schlecht  (von  Menschen),  mit  dem  man  hatte  eine  Verbindung  eingehen 
konnen,  um  dadurch  einen  Zuwachs  an  Liebe  (unter  den  Menschen)  zu 

45  erzielen.  Deshalb  konnte  solche  Liebe  niir  mit  den  vnrhandenen  Menschen 
zustande  komnien,  nicht  mit  nichtvorliandenen. 


—     40     — 

w*pow.^jop  >^oao7  i^2o  .233^1.  Tix  nO<7I^  locLi  •  •  eo;«^^.p 
2;siv^2  2auMe  23>.3..\  3m  ^3  . ,..t.t.,m>oo3  ^o^J  .  «  ocM-ao 
.233m.  ax  2«sou.o2e  aSOu.  .  oaiS  loc]^  .  •  ov;\a  esA^XI 
g;  'o  V.3  ^o^^.ax  3u.3  3  :  Us^^I  1jOi,v.\  loc^  ^2  iA  1^ 
ee073  ^  >^oacr  )aA,  :  Iicr  >\y,*t9e  .l30u«  2eo*  >^joo^^o0  ; 
.eooi  jAp  ^^2  ;aLX  ^3  oAo  .Zaou.  2eoMP  •^ec^  U^ 
.  •^^ooLfixi  ^'x^OLi^p  xa3  .Isi^u  ouXoe  ou.x^2p  s^o  1^2 
j^o^p  ♦^ec7JSo/V..a  \  n  .Isou*  zVoae  '>  oAjoe^sx^p  Li.Xi.2 
2^.0^20  2d^eo^2p  l^aou*  po^^j  oAp  Ls^p  «<.o^3  •2p 3u«. 
2«soaivMp  Ijou.  t32  •s^oo^  k2kX3e>sivip  X^2  .  v^eo^i^  2eo;^  lo 
23cr  k^2  .  ^-k^o?  ^233  Zi^axso  2;so\\.'\po  2i^tt-iiv-'o<..3e 
ouoas  tA<r  2va.X3  w.3i:3  eor  .2oot  jo  ^Zit3  . . t . 'V. rtot^ 
007  ^2  :  2Ai.'.«.\.3  ^oo;\a  ^^  XmSmo  .\..^Js^>2p  ec?  .cttXm 
\.j^ai  .hioi  2>  -JL^N  u.o7a«\jQ)a3  :  2a;^2  Is^  X^Jcso  ^p 
^p  ;s.>jc  .zl.L3  3Ae2  l^e  2d^iNi2  oucxa  1^  p^^  .X^^^  XnV,  is 
II.  V.  i^  ;,%ia\  ■;.T.*a,..p  Xxb  .^Ld  XJls  «^  AXsap  2ec?  .^.^ajaa 
^oux  ^p  puA  2poo^e  cTXJLaA  J3XtliN2  p^a  '^oA  ^3^^2 
^\X3u.Z3  oA  .crXJluA  3  3hd;s2  pL^  Sb^V^  .\,ft\  .C7X\^  MO^ 
;UXX»  J»  :  ov^ocT  2oo7  «\^uClx  p^  1^2  :  ^gpa.v  ^p  ^ 
^g>3.,»p>ia3  ^Pl«  li^p  .3b»2  .X^oA2  Xs^'AA  ^2p  lOw.2  .23L^au.p  20 
;jU3  OL^  Pl;:^  :  U07  2paLX  epoLXp  ^p  or^jd  .^^q^tiflta-io 
.29^2  ^  Xi^psA.  \a.D  ^  .U3XajQ>  2o9i  a.y^  2I^a\,o 
.  ^'3ajC32p  w.6p  ^2  .'  op^sLX  2Xe»*.^o  2^A,3  ^  o^p  .\\,t7 

WI.32    \xp     IXJi.i.VB    ^00^^     ^^     w.'3uM^>X2    y^OVpOk^Aj    ^A07p 

^p  Uaw.2  .23003  o\\,.a^2o  .eis.<i»  ^ooA^P  A\.»  .X^32  2s 
:se3uQ>  \x  pcu>^  eA  iy.cr  23aip  3>A,  ^'3auo2  .lldaa  n.p>.» 
^2p  .  ,^^aL^'M^2o  .  7»\.X  ct\^  \s.  ^2  1^2  .  ^>^^>.l  23<v'nve 
ZM..a±l^  2x\x  ^ooTJk?  *s0^o^  ^2  eo9eioc2  M.o'ajlae  .i^oa 
JGx^\.^Jp  K..^bo^2  Z&Aor  A  ^Ip  \\y)o  .lou2  IjcmA,  p 
^p   lA3pa.X3  i.*^M^2   .  ^<n-ift.v  ^Suie   w^o^aLj2  ^o;A  30 


'   Von  2eO^  bis  2ppkM  zu  tilgen.  -   I.  >^JOe>^X.i3. 

I.  2^ai;saau.3o.        '  ■■  ^30^x3.        '  1.  J^aud.        '   1.  »3aLX. 


—     41     — 

Nachdem  aber  die  Menschen  sich  vermehrt  hatten,  befahl  Gott, 
da6  sie  fremde  Weiber  heiraten  sollten,  daniit  durch  die  Verbindung  der 
Menschen  unter  einander  ihre  freundschaftiichen  Beziehungen  sich  mehren, 
denn  er  woUte,  daB  nicht  bloB  die  Liebe  wie  zwischen  Eltern  und  Ge- 
schwistern  unter  ihnen  bestehen  solle,  sondern  auch  noch  die  Liebe  der 
Schwiegersohnschaft,  der  Schwiegereltemschaft  (s.  Anm.),  der  Schwieger- 
tochterschaft  und  anderer  Verwandtschaftsgrade  hinziii<omme. 

Wir  bemerken  ferner,  dafi  Kain  der  erste  war,  der  damit  anfing, 
seine  Schwester  zu  heiraten,  der  mehr  als  alie  Menschen  verflucht  worden 
ist,  da  Gott  von  vomherein  eine  solche  Tat  (die  V'erwandtenheirat)  ver- 
werfen  wollte.  Abel  starb,  ohne  ein  Weib  genommen  und  Kinder  ge- 
zeugt  zu  haben,  Seth  aber  konntc  eine  von  den  Tochtern  Kains  heiraten 
(so  daB  es  der  Schwesternheirat  nicht  mehr  bedurfte). 


V.  Kapitel. 

15  Warum  Lot  nicht  getadelt  worden  ist,  als  er  seinen  Tochtern 

beiwohnte,   und  Juda,  als  er  bei  seiner  Schwiegertochter 
Tamar  lag. 

Als  Lot  seinen  Tochtern  beiwohnte,  war  er  sich  der  Tat  nicht  be- 
wuBt,  sondern  war  infolge  von  Weintrinken  sinnlos,  wie  auch  das  gott- 

20  liche  Buch  sagt:  Er  wufite  nichts  von  ihrem  Liegen  und  ihrem  Auf- 
stehen  (1.  Mos.  19, 33.  35).  Seine  Tochter  aber,  welche  diese  Tat  begangen 
haben,  sind,  obwohl  die  Tat  fiir  siindhaft  und  schmutzig  erachtet  wurde, 
doch  von  Gott  nicht  bestraft  worden,  weil  sie  nicht  aus  Wollust  und 
Frechheit  gehandelt  haben,  sondern  in  dem  Glauben,  daB  sie  allein  von 

25  alien  Menschen  auf  Erden  iibriggeblieben  seien,  da  alle  anderen  durch 
Feuer  umgekommen  waren  wie  einstmals  durch  Wasser.  Sie  glaubten, 
dafi  das  Feuer  nicht  allein  iiber  Sodom  und  Gomorrha  herabgekommen 
sei,  sondern  uber  die  ganze  Welt,  und  dachten  ferner,  daB  sie  wie  Noah 
und  seine  Kinder  gerettet  seien,  damit  sie  (sie  und  ihr  Vater)  das  Mittel 

30  fur  die  Errichtung  eines  neuen  Menschengeschlechtes  wiirden.  Weil  sie 
es  aber  auch  unter  solchen  Umstanden  nicht  erreichen  konnten,  daB  ihr 
Vater  ihnen  zu  Willen  sei  und  bei  ihnen  liege,  bedienten  sie  sich  der 
Hilfe  des  Weines,  was  auch  sonst  viele  Weiber,  wenn  auch  ohne  voiles 
BewuBtsein  und  gegen  alles,  was  sich  schickt,  zu  tun  pflegen.     Wegen 

35  dieser  ihrer  Auffassung  sind  sie  nicht  von  Gott  bestraft  worden. 

Auch  Juda  war  sich  seines  Tuns  nicht  bewuBt,  als  er  bei  seiner 
Schwiegertochter  Tamar  lag,  da  er  glaubte,  sie  sei  eine  Hure,  indem  sie 
wie  eine  solche  gekleidet  war  (1.  Mos.  38,  15).    Und  bei  Huren  zu  liegen, 


—     42     — 
auXao   :  :x^a3   l^Io   ^o.xo  l^p    IMAjos  oc-   .l^ja^ 

^aua  .l^s^^t  >d>OT  2;s^a2p  locr   xn.jta   Su^   .-*p   1^2  .c^A^ 
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Soai  IxpX    .w.ct&m2  >>da2  JkX3.a^  l^'A  2e9-  .\.As  w^p  ^2  20 
2eo^   joa^Sioo   .^crou^2  •isiv&X^  2eo^  «^  23  sli^p   .^<ja«   laaa 
-"■>^'^\  PkXi3^2  .Uxa  (^p  ci!^  eec*  1^  a^a   .^o'o^li  •A\..n 
..aix.JS,i  :s.>»p  w.070u«2p  ^l\«^^op  eo^p   li^d.2  .w.cou.2  i>^i2 
4^3^*  llLpo  .^>5a.iip  2aaLjCD  •^eoA  2eo'  xAp  w.6mp  \\.» 
,..mT  .  ^oc^aao  a^op   .200*  2oct  2poi3    .^ec-Uos  oAa  25 
vOoA  oocr  ^Ld>s^op  >.aioi:3  o2  k^oouj  a^^a  Lia^epo  laokS 
^  .Lm  doa  ^  ^eov^a^epe   ^^eouas  :\  \,io   Ap   •.^■''^ 
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^.ao   Uil^e    .cLs  «.»   laA  Ij^a  ^^^  oou  'aa^  laaao^  30 
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'   1.  •\xi[».  -  add.  ^p.  3   1    gjl^ 


—     43     — 

wiirde  damals  nicht  fiir  eine  Siinde  geachtet,  da  sic  sich  freiwillig  zur 
Verfiigung  stellten.  Audi  Tamar  hat  keine  Strafe  empfangen,  deiin  es 
war  ihr  ein  Unrecht  zugefiigt,  insofern  ihr  Schwiegervater  itir  befohlen 
hatte,    im    Hause   ihres  Vaters  zu   bleiben   (1.  Mos.  38,  1 1),   bis   iiim   ein 

5  anderer  Solin  ervvachsen  sei.  Als  er  dann  erwachsen  war,  gab  er  sie 
ihm  niciit  zum  Weibe.  Darum  tadeite  sie  ihren  Sciiwiegervater  wegen 
des  ihr  zugefiigten  Unrechts,  was  Juda  ausdruci<t  mit  den  Worten:  Sie 
ist  gerechter  als  ich     (1.  Mt)s.  38,26). 

Man    imiB  hierbei  audi  das  beruci<sichtigen,  dafi  die  Siinde  ganz 

10  besonders  nach  dem  Wiiien  uiui  der  Absicht  gerichtet  wird,  nicht  nach 
der  Tat  (s.  A  rim.). 


VI.  Kapitel. 

Wariim  wir  nicht  die  Witwe  des  Bruders  heiraten  diirfen, 

wahrend  doch  das  Gesetz  (Mosis)  behehit,  daB,  vvenii  ein 

15  Mann  sohnlos  stirbt,  sein  Bruder  seine  Witwe  heiraten  und 

(ihm  mit  ihr)  eine  Nachkommenschaft  crrichten  soil  {s.  Anm.). 

Es  war  ihnen  (den  Israeliten)  keineswegs  nach  dem  Gesetz  erlaubt, 
die  Scliwagerin  zu  heiraten,  wann  es  ihnen  beliebte  und  wenn  der  (ver- 
storbene)  Bruder  Kinder   liinterlieli.     Denn  der  Oesetzgeber  hielt  es  fiir 

20  widerwartig,  tlal5  derjenige,  der  uin  den  Tod  seines  Bruders  trauern  solite, 
seine  Frau  heirate  und  sicii  mit  ihr  erhjstiere.  Ware  es  (im  allgemeinen) 
erlaubt,  dal5  jemand  die  Frau  seines  Bruders  heirate,  dann  wiirde  es 
oft  vorkommen,  daB  ein  Mensch  in  der  Begierde  nach  seines  Bruders 
Frau  Mittel   und  Wege  suchen  wiirde  ihn  zu  toten.     Nur  in  deni  Fall, 

25  da(5  der  (verstorbene)  Bruder  eines  Mannes  keine  Kinder  hinterliilit,  be- 
fiehlt  ihm  das  Gesetz,  die  Witwe  seines  Bruders  zu  heiraten,  damit  das 
aus  dieser  Ehe  geborene  Kind  als  das  Kind  des  Verstorbenen  angesehen 
werde.  Denn  da  sie  nicht  auf  eine  Auferstehung  und  ein  neues  Leben 
hofften,  bestand  ihr  ganzer  Trost  darin,  da[5  sie  nach  ihrem  Tode  einen 

30  Namen  und  ein  Andenken  unter  ihren  Kindern  nder  denen,  die  ihre 
Kinder  genannt  wurden,  hinterlieBen,  damit  ihr  Name  und  Andenken 
unter  den  Lebenden  nicht  verschwinde. 

Wir  (Christen)  aber  schatzen,  da  uns  die  kiinftige  Welt  und  das 
neue  Leben  offenbart  worden  ist,  ein  solches  Andenken  wie  nichts.    Denn 

35  wir  glauben,  dali  im  Jiingsten  Qericht  weder  der  Sohn  dem  Vater  noch 
der  Bruder  dem  Bruder  etwas  niitzen  wird,  sondern  dali  jeder  nach  seinen 
Werken  abgeurteilt  wird,  und  das  Andenken  nach  dem  Tode  halten  wir 
fur   etwas  Nichtiges.     Deshalb  bilden  wir  uns  auch  nicht  ein,   dalJ  wir, 


—     44     — 

II.  vn.  >\^aa3   .lS3J.p  1x3  .Om  ^.^IXJO^  2307  >^3  ,.lM^3^J0   :  u^ 
>  ii.'v.y,!   ^  t^oi-i-ie    .Ixoiep   Itrnn^o.  \  -t   ^«':n^3  ^A^I   Imo 
^  oj^seXx^oA   :  ZX1..NV3   eo?'  ^^  ^^  ol^2  .  lA  ^^3  ^.cptf    5 
i^  .2^..\,*«3   Zjy.Aa^e   l.xse3   t^    ^3   a.a«>3^^aA   :  23 ao^ 
w>o7  ^ecT  Za2uq>3  bkOp  .  1.3u*::\;3  lAa^aa  \:^  eoc-  ,  .m ^sjcxso 
kdM32  :  i>*v}^2.  ^X3m  ;^a!S   <jb  >'ia'\«.A»3    :  ^ap  2^0X03^ 
^  2o;,^23  XaA.    O7d^oj^»«*^.ao   lA    .2i\_.^^Me   l.^^e3  >Jap  ^^p 
.L^3u.^.be  z\aftjc>3  ^^^oroaoLX  ^  orx^'soA  .^taXvp  cTX^a;^  io 
.2eu*:30  2'>,TA  \i^  i32  ^3  Ijaot  .;aA^3  c?^eo;^2e  oj\^^e 
^..^wAo  u>o7  Zub?  :  A.3M^  ee?^  «.^a^  o^l  ItI'^vj  eoot  >^^3 
^op3  ^^A^lA  ;si2  ^233  :  1x13^  e2  :is^2  Ax~^J30  aA  Uab 
jaex^N  ^^23   .ds,s2  ^cr^.ao  ^o;.3  ^^2  .^2  3>a    :  «<>ak3o-ioo 
^Vm  ^^PP  uiOT  ^  2ou*»  3b^   .Z^SkX  pa.    .2c^23  c^^p  w»   13 
.lisx.^j3   ^3b^..ttp    ^A^2   ^   ha^uXm   2L:i3u^e   :   Zt^a.Sit3.!n\ 
^1   .oT^iJaa  oA^sivao^  wdp^e    -jis^V^*.   ^ai   Ixop   :  ^a^^p^ 
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.iySo  r^?^  ^?  ft^axYiiS  vA3^A   ^.32p   .ZjxJ^xa    ?  oo'tti   20 
.IxsAdai  eoi  ^2  U07  \^aeo  .loid^xvA  iJOoaoLi  :  v^^^  >c»xi 
1^2  ^^^SAm  2^.>\.Me  1^0^  rJae  axi«.3ioaA  A\»  pa^As  oA 
ooai  ^..^..fta  :sA23kd.is^  OT-A-bop    :  ^\\^  ^oajj-ie  71^3^30  ^2e 
^  looj^  Z^p  :  Is'Ha   3k»2p  U.CT  ^2  .2^  .^.^0  Ujcos   ^oA 
ivd.2p   :<x»po  IziA^  Aa  ^  p^n^iN  ^  :  ^j.?  ^^  ^3.m2  01A2  25 
pok^jCD^  X-^   .^^X^  ^   1.^3  Ls  ;s.<.2po    :A^   ^    l^.aaux.3 

.±l«.i30    l.\X03    ^bO    .la3.Xp    'ZLby    .v<Xa2    ^OiA^^V    lAo     >  OO^^ 

u.07ouJ3&<>  ;^  :w.^  paL^^  l^l:3p  Uap^bs  >s^2p  .ia»2  pa  v'^^ 
zA  J.o^^J:a\.e  ^o7a\^  ^A^2  zA«3^p  \\.^  .^oAwJoAa 
Zi^  ^eo^Aa  ^2  3u\  2cr  .3l»2  oot  2;sZtt\.  233^:33  ^2  2007  30 


'  1. 2^o». 

'  1.  ^^^^. 

3   Liicke. 

^AO-a-p. 

''   Zii  tilgen.           ' 

1.  U.OT  2ZM\. 

Z\\"VB»ia\. 


—     45     — 

wenn  wir  viele  Kinder  hinterlassen.  dadurch  einen  Vorteil  gewinnen, 
noch  meinen  wir,  daB  wir,  wenn  wir  kinderios  von  dannen  gehen,  da- 
durch Schaden  erleiden. 


VII.  Kapitel. 

5  Warum  wir  einige  der  Bestimniungen  des  Gesetzes  Mosis 

beobachten,  andere  dagegen  nicht  (s.  Anm.). 

Wenn  die  Menschen  die  Wahrheit  erkennen,  aber  den  Frevel  und 
den  Dienst  der  Sunde  meiden  wollten,  brauchten  sie  kein  geschriebenes 
Gesetz,  denn  die  Einsicht  der  menschlichen  Natur  wiirde  genugen,  sie 

10  anzuleiten  zur  Erkenntnis  Gottes  und  fernzuhalten  von  Frevel  und  Sunde. 
Denn  die  Unsichtbarkeit  Gottes  ist  von  den  Grundlagen  der  Welt  an 
fur  seine  Geschopfe  durch  Nachdenken  erkennbar  aus  seinen  Werken, 
ebenso  seine  ewige  Macht  und  Gottheit  (Rom.  1,20).  Auch  weist  das 
folgende  Wort  (des  Apostels  Paulus)  die  Knechte  Gottes  darauf  bin,  daB 

15   die  Menschen,  wenn  sie  nur  wollen,  imstande  sind  zu  erkennen,  was  sich 

gebuhrt:     Was  denkst  du,  o  Mensch,  der  du  diejenigen  richtest,  die  sich 

mit  solchen  Dingen   befassen,  wahrend   du   selbst  dich  auch  damit  be- 

,    fassest,  daB  du  entfliehen  werdest  dem  Gerichte  Gottes    usw.  (Rom.  2,  3). 

Der  Apostel  weist  dadurch,  daB  wir  die  Toren  richten  und  die  Obeltater 

20  fur  unrein  erachten,  darauf  bin,  daB  wir  wissen,  daB  die  Sunde  das 
Bose  ist  und  daB  man  sie  meiden  muB  (5.  Anm.). 

Da  aber  die  Menschen  zu  Frevel  und  Siinde  neigen  und  daher 
die  Wissenschaft  von  der  Gerechtigkeitsliebe  verachten,  so  ist  ein  ge- 
schriebenes Gesetz  fur  sie  nohvendig  geworden,  damit,  wenn  sie  etwa 

25  vorgeben  wollen  das  Recht  nicht  zu  kennen,  das  geschriebene  Gesetz 
sie  widerlegt.  Deshalb  lehrt  das  Gesetz  sie  nicht  bloB,  den  Frevel  und 
die  Sunde  zu  meiden,  sondem  es  entzieht  ihnen  auch  den  Vorwand, 
unter  dem  sie  sich  meistens  dem  Frevel  und  der  Siinde  ergeben  haben. 
So  spricht  die  Bibel:     Du  sollst  nicht  einen  anderen  Gott  haben  auBer  mir. 

30  Mach  dir  nicht  zu  irgendeinem  Bild  oder  Gleichnis,  was  oben  im  Himmel 
und  unten  auf  der  Erde  ist.  Bete  sie  nicht  an  und  diene  ihnen  nicht  usw. 
(Exodus  20,  3 --5).  Vor  dem  Frevel  warnt  sie  die  Bibel  mit  folgenden 
Worten:  Wenn  du  mir  einen  Altar  von  Steinen  machst,  so  baue  ihn 
nicht  aus  behauenem  Stein,   denn  du  hast  Eisen  daruber  geschwungen 

35  und  ihn  beschmutzt  (Exodus  20, 25).  Die  Bibel  will  niclit  sagen,  daB 
der  behauene  Stein  in  Wirklichkeit  unrein  sei  —  waren  doch  auch  alle  Ge- 
rate  der  Stiftshiitte  und  des  Tempels  mit  Eisen  gearbeitet,  und  der  ganze 
Tempel  war  aus  behauenen  Steinen  aufgebaut  — ,  sondern  nur  aus  dem 
Grunde,  weil  die  Heiden  auf  Holz  und  Stein  Bilder  von  Menschen  und 

40  anderen  Dingen  in  Relief  einzugraben  und  auszuhauen  pflegten,  befiehlt 
die  Bibel:  Wenn  du  mir  einen  .Altar  aus  Steinen  machst,  ilann  baue 
ihn  nicht  aus  behauenem  Stein  .  Denn  besonders  auf  solchen  Steinen 
konnen  sie  Zeichen  und  Figuren  darstellen.  Und  da  die  Bibel  befohlen 
hat,  daB  kein  Eisen  den  Steinen  nahekommen  soil,  sind  sie  nicht  in  der 

45  Lage,  sich  des  statuarischen  Bildwerks  in  der  angegebenen  Weise  zu 
bedienen. 

Wenn  ferner  die  Bibel  befiehlt:  diese  Tiere  sollt  ihr  essen  und 
diese  nicht;  dies  ist  rein  und  jenes  unrein,  so  wollte  sie  durch  dies 
Mittel  die  Menschen  von  der  Anbetung  von  Vieh  und  wildem  Getier  usw. 

50  abhalten.  Weil  die  Menschen  eine  Neigung  sogar  zur  Anbetung  von 
wilden  Tieren,  Vieh  und  Fischen  hatten,  teiite  Gott  alle  lebenden  Wesen 


-     46     — 

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Z^  ^^c7o  .  .vO,\a2dv  2;soLm,.  ^^?  pJOk^p  W.07  v^2  .2XOkaoab3 
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.Z.io^o  23„»^no  ^ou^p  2;S3wXjC3A  Z»>x  Zt\1.\3  oja3;s23 
3u±L^  ^  XlL^pJ^  .2Z^\.^o  -Z^^^  -ZL.  yOO^^sA  .X\^ 
■  vOkaxd^.!  Z^  ^vaNNp  p.±l^  r.«p  2:ml\.^o  .\:^Z>3^o  ..ca^aaN 
2Z:a\^p  >^V^  t"^  ^^  :  H»^2o  ^....oaap  \\.v)  oo  ^^^ci^p 
k^2  au.X  2o7  .2oi[iS2  \oa2  voa2  .^osju^  Z^  .  »^oo7^  ...TiI^  u 

:S30;^    Z.3L.J0^P     Z^So^    ^23     .JU^ZVa    ^*3o23     Zo^^^iO    0^3 

Z^>d.XM  -TLoSOj  jao3  ZAoim  2eo7  y^o:^  >3\.3o  .\^  >  aa^^ 
ZJ.'.^o  23oX^  ^^3k.X.«>3  :  2Z.lVfi>  ^>«2  Ijcc;  ^23  ^cr  ^ 
^233  Z^ajc^o  Zj1!i'1^^o  2;so<Xm^o  Zaoj.^  113^^20  :  Zaoi^o 
Zi'au.2  -ZXyjp  ^x^slol^p  ^2  •^ocA  ^3k^^»  l&'3u.2  a^ao  .>^cr  2u 
^23i3  .2'3aLX^p  ^«2  Zior  \\.»  .2c^i^p  ^^^2  .^^oo^  y.>\.xa 
^oa2  i.tlM3>.ie  :  2^.^^^  ^ae  ^oa2  iV^xip  2o;A2  la^  ^or 
»^aA2  y.Ja.^p  u>07p  2x\^  i32  .CI^^.«2  2po7  ^c?o  .lbJ:o3  ^ 
2Z.»\jcx^  Z^Xm^  3^  \\.»  .2ixl.aa^  ^aA2  ^ooljc/^  ^^:>»\.P 
^2  v^oov^  o>A^e  2c^2  >^oa2  oaix«*  .e^s^^p  *^ai'crf  ^  25 
^oZA-i^  >\\.»  •\2o  ^oo;j>\.^oj:  ^oo3  >\\.ae  ^^  .2o^Z^p 
k^.^^  ^2o  :  vOC7;saa3k«.  :seoi«aoJs»  \\.»  ^2o  :  ^oov«J^^a 
a^apo  :  vpc'iaOi'osp  2^oXam2  \^^  >^2o  :  •s^ocr>S«iM  ;soXiAs 
Ti.>.fi>  '?"7  ^  \*'^fT  .2ca.^zAp  ^2  ^oo;.^  oxVoo  :  v^ooiu^ 
s,e3wXjQx&  Z^  -^^^V  v^^iJ''*'^  P^P  •2^oZaa\.p  Zaax  ♦vOotAx  30 

'  1.  ^AA.:aAo  i  n  \  vt.N  -  1.  2Z.dau\..  '  del. 

<    I.    Z,^J1m3. 


—     47     — 

in  reine  und  unreine.  Er  befahl,  die  reinen  zu  schiachten  iind  zu  essen, 
dagegen  die  unreinen  gar  nicht  zu  beriihren,  damit  die  Menschen  sie  ja 
nicht  fur  Gotten  hielten,  jene,  weil  sie  sie  schiachteten  und  aBen,  diese, 
weil  sie  sie  fiir  unrein  hielten.  Steht  dnch  audi  in  dem  Gesetzesbuche 
5  geschrieben:  Wie  das  Griine  des  Orases  habe  ich  euch  alles  gegeben 
(Gen.  9, 3). 

DaB  dies  alte  Oesetz  sehr  nutzlich  war,  erkennt  man  daran,  daB 
auch  jetzt  noch  viele  Menschen  Stiere,  Schafe  und  Fische,  Andere  Fische, 
Schlangen,    Drachen    und   andere   derartige   V^esen  anbeten.     Wahrend 

10  einige  Menschen  diese  Tiere  als  die  Scliopfung  des  Bosen  schniahen, 
beten  andere  sie  an  als  Gotter.  Deshalb  wolHe  Gott  durch  solche  Vor- 
schriften  den  Menschen,  gleich  wie  Kindern,  Furcht  einfloBen  vor  der 
Sunde  und  sie  fernhalten  vom  Frevel. 

.\us  demselben  Grunde  befahl  er  ihnen  die  Toten  als  unrein  an- 

13  zusehen.  Denn  die  Heiden  hieUen  viele  Verstorbene  fiir  Gotter  und 
beteten  sie  an  wie  Gotter,  sei  es  weil  sie  so  machtig,  so  reich  an  Siegen, 
so  weise  oder  so  schon  gewesen  waren  oder  weil  man  an  der  Liebe 
zu  ihnen  festhielt.  Die  Menschen  schiachteten  ihnen  Opfer  und  beteten 
sie  an   wie  Gotter.     Deshalb   wurden   die  Toten   zu   der  Kategorie  des 

20  Unreinen  getan,  damit  die  Menschen,  indem  sie  sie  fur  unrein  hielten, 
nicht  auf  die  Idee  kommen  sollten,  sie  als  Gotter  anzubeten. 

Dasselbe  gilt  von  der  Menstruation  und  von  der  Pollution  (Lev.  15, 
16.  17.  19).  Es  ist  haBlich  zu  wiederholen,  was  die  Menschen  unter  dem 
EinfluB.der  Damone  zu  tun  pflegten  in  der  Sache  der  Menstruation  und 

25  der  Pollution,  Dinge.  die  auch  jetzt  nocli  bei  einigen  wenigen  Heiden 
Branch  sind  {s.Anm.).  Deshalb  hat  Gott  auch  auf  sie  die  Bezeichnung 
der  Unreinheit  ausgedehnt,  damit  die  Menschen  aus  diesem  Grunde  einen 
Widerwillen  dagegen  hatten. 

Jetzt  aber,   da  durch   den  Aufgang  unseres  Eriosers  und  Lebcns- 

30  spenders  Jesus  Messias  das  Licht  der  Erkenntnis  der  Gottesfurcht  iiber 
die  Geister  der  Menschen  aufgegangen  ist,  haben  nicht  allein  die  Christen, 
die  Anbeter  des  Messias,  sondern  auch  die  Juden,  die  sich  bis  zur  An- 
kunft  des  Messias  noch  nicht  von  dem  Gotzendienst  losgesagt  hatten, 
sowie  auch   viele    Heiden   einen  Abscheu   gegen   die  Gotzenverehrung. 

35  Jetzt  bedarf  es  nicht  mehr  solclfer  Gesetze,  als  ob  wir  etwa  fiirchten 
miJBten,  daB  wir  die  Gotzen  noch  als  Gotter  verehren  konnten,  weil  wir 
wissen  und  bekennen,  daB  es  nur  cin  einziges  anbetungswiirdiges  gott- 
liches  Wesen  gibt,  daB  er  allein  der  Schopfer  aller  Dinge  ist,  daB  alles, 
was  er  geschaffen  hat,  schon  und  gut  ist,  wenn  auch  nicht  jedes  Ding 

40  jedem  Zwecke  dient.  Denn  einige  Dinge  dienen  zum  Essen,  einige  zur 
Arbeit,  einige  zum  Reiten,  andere  zum  Vergniigen,  andere  zur  Heilung, 
andere  zur  Kleidung  und  Bedeckung,  andere  zur  Jagd,  andere  fur  die 
Bewachung  der  Hauser,  GroBvieh  und  Kleinvieh,  andere  zur  .Abschreckung 
vor  der  Siinde,  andere  zur  Strafe  fiir  Vergehen.    Alle  diese  Dinge  dienen 

45  notwendig  einem  Zweck  im  groBen  Weltenhaus.  Gibt  es  doch  auch 
im  Hause  eines  jeden  einzelnen  von  uns  viele  Dinge,  die  nicht  zum 
Essen  und  Trinken  noch  zur  Kleidung  dienen,  wie  z.  B.  der  Riemen  und 
die  Peitsche,  welche  nur  zur  .^bschreckung  und  Warnung  von  Kindern 
und  Sklaven  dienen.    Trotzdem  halten  wir  diese  Dinge  nicht  fur  zwecklos. 

50  Der   Umstand   ferner,   daB   die  Juden   die  Wochen-   und  Monats- 

anfange  beobachteten,  wir  dagegen  nicht,  geht  auf  folgendes  zuriick: 
Die  Woche  ist  eine  Erinnerung  an  die  Schopfung  Gottes,  der  diese  Welt 
in  sechs  Tagen  schuf  und  am  siebenten  ruhte,  der  ihnen  befahl,  am 
Sabbat  zu  ruhen  und  in  der  SabbatsmuBe  derjenigen  Ruhe  zu  gedenken, 

55  welcher  Gott  sich  hingab  nach  der  Schopfung  aller  Dinge.  Ein  weiterer 
Orund  ist  folgender:  Die  Juden,  in  ihrer  Bosheit,  gonnten  ihren  Knechten, 
Tagelohnern  und  ihrem  Vieh  auch  nicht  eine  einzige  Stunde  Ruhe.  Deshalb 
befahl  er  ihnen,  daB  sie,  auch  wenn  sie  es  nicht  wollten,  in  jeder  Woche 


_     4S     — 

.Lab.»x»3  Zxate  Zra'V^a  2^oa^  •2*31x3  2^CLi>-ivii)  a^o 
. .:  *\,Vm  ^  lAJl^p  ^a^  2x.^ivJO.»  .Iso^  Z.»3bX  ^23  W.OT 
^.^kX^dvp  U3i^2  .2;solda^3  LaOkA  *  ootJ^  pjo  2307  Ay^ao  5 
o;^«^3  P^ap  \\.»  ^3  ^Ijco*  .230'  2^A■^■3  »  eou..3o  >  eox^ 
:  ZjcjmA33  .^>^3:\  \^  y.^3  :  •^..t.'oxolX*  .. !■><..» e  ^eiBp 
23ft\oe  Uio^o^se  son^As  oA   :  2o;^2  ^A~33  ^3^3  23^0^ 

:  V*Xa03     CT^^M.50l^    ;.303uX3     L..300V*    >^2o    X^i     :   Im.T.'03 

2lVajo  .^2e  :  2'3a*zv53  luAcv^  ^ocuise  x'^^l  1^  KtaSN  to 
IvaigJD  Isai  i>^  .2'ak3>''zi3  3  2^3>Vjca  ^  .  eoOS  2x1  .ILSil.  Jip 
^oa2  >««o\,^i  laaiSps  \mXi3  ^2  :  ^c  ^23  J^ooaaa  \^ 
3ft, ..\.3  oai  3m3  ^ji^pouaoe  ■  i  .  s.'?^?  ^.o^^e  .2g^I^3  ^2 
\a3  j^oaa  ^OTOJS->2  w.g7o3Cb>.\a  eo^e  .U9;^2e  23,«Vxd  Li^nA 
^2  .  ^."i-ye  ^'>  .  ^,y  .ovuo  w,'3a;^23  ^Aw.2  ^ai\^o  ■Tti.ie   is 

.  fc-tg^  V  t!)    mSO    jS.i>23    ^OV>3     .t-oJU*     2iS„wT  ,»«    « \ , > ,  >    ^O^.JtaA    Ou^ 

.l30La3>^3  .  ^  »^2o  .U.AoANs  .  ^3  ^^2.v«^  2>Aa:^  130^3 
^3  ^-•2o  .lisa.^.jail^i  ^  '^2e  .  lwA_3ft.^A3  ^3  X.^2e 
2>VyOL\^3  wd.3  ^^2o  .23u.^3  ^  ;^«2e  .2;^^JCxa^^e  lxa-3,\^3 
.2^.\...  >k\.ao3  i\.m03^3  ,je  :!^2o  IJLx3o  23u.^a3e  .^3  20 
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2:n.ti3  ^2o  3u\  2o7  .laa\^3  las  2iw3  o\3  ^.^Ju.  ^^lAu2 
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3 


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UpcTox  .^3Lxp  ^ajj  ..A.3.\.t  A  ^«p  ^  :  l^"x*  ^3o  lUx 
:  f^ou  vJU  lioi  ^iy\\\  23a3  o'c  :  2aA2p  o^^a^.esap  ^cr 
.i>.'\.x  3  NoA\j3ap  v^0Li2  xx^e  .w«.^^^2  l.>x..a3;  l3oa^e 
y».diA;s^2  cup  ^(T  2^Mi\\  ^epov3^  :  -^OLSsp  ;.v\\.3  3uae  30 
L«pbo;-kP  v^oct>>ft3;,3  ^  \  *»<  30>^o   .v^'xsp  ^oy^^kSo  sXs 

>  I.  ^.«2e■        '  I.  ;\ytto23. 


—     49     — 

an  einem  Tage  ihren  Knechten  und  Tagelohnern  imd  ihrem  Vieh  Ruhe 
geben  sollten.  Und  wenn  jemand  aus  gar  so  groHer  Habgier  sich  selbst 
keine  Ruhe  und  geniigende  Nahrung  gewahren  will,  so  soil  er  wenigstens 
einmal  wegen  des  Zwanges  des  Qesetzes  an  einem  Tage  sich  Ruhe  geben 

5  und  sich  etvvas  fordern  und  starken  fiir  die  Arbeit  der  ubrigen  sechs  Tage. 

Wir  (Christen)  aber  brauchen  nichts  von  diesen  Dingen,  da  unser 

Herr  die  Gottesruhe  vollendet  hat,  indem  er  den  ganzen  Sabbat  im  Orabe 

ruhte,  am  Sonntag   von   den  Toten   aufstand    und   uns  auch  an  diesem 

Tage  aufzuwecken  versprach  (5.  Anin.).    Und  vveil  wir  diese  Welt  und  ihren 

10  Wandel  aufgegeben  haben  und  uns  durch  ein  Sakrament  (das  der  Taufe) 
im  rvTTos  jenes  unsterbiichen  Wandels  hefinden,  so  haben  wir  auch  das 
Andenken  an  diese  Welt  aufgegeben  und  nehmen  das  unsterbliche  Leben, 
das  am  Sonntag  seinen  Anfang  genommen  hat,  zum  Vorbild.  An  diesem 
Tage  ruhen  wir  von  alien  irdischen  Geschaften,  widmen  uns  dem  Dienste 

15  Gottes  und  der  Erinnerung  an  die  Auferstehung  unseres  Erlosers.  An 
dem  Tage  geben  wir  auch  unseren  Sklaven  und  Dienern  Ruhe,  da  wir 
nicht  unter  einem  Zwange  handelnd  wie  diejuden,  sondern  mit  Diskretion 
uns  unseren  Obliegenheiten  widmen. 

Ebenso  haben  wir  auch  die  Monatsanfange  und  die  Feste  (der  Juden) 

20  aufgegeben,  sintemal  es  Mysterien  des  Lebens  dieser  Welt  sind,  wahrend 
wir  doch  die  kiinftigen  Dinge  zum  Vorbild  nehmen. 

AUe  iibrigen  Bestimmungen,  die  im  Gesetze  Mosis  verzeichnet  sind, 
die  uns  Gott  naher  bringen  und  von  dem  Dienst  der  Sunde  entfernen, 
ausgenonimcn  die  (in  diesem  Kapitel)  angegebcnen,  beobachten  wir  ge- 

25  wissenhaft  und  ehren  wir  wie  gottliche  Gesetze,  d.  h.  alle  diejenigen, 
welche  uns  abhalten  von  der  Beeintrachtigung  von  unseresgieichen  und 
uns  anieiten  zur  Kenntnis  Gottes. 

Dies  ist  der  Grund,  warum  wir  einige  der  Gesetze  Mosis  beob- 
achten, andere  dagegen  nicht. 


Sachau,  Syrische  Rechubucher  III. 


—     50     — 
.^oc^^'kAlo  •  eo;*'>.3Lb.^  Ibjc  Ixm  z\32  .eoc-  w.n-iT  l^s  ^ajja 

1^  .oT^Soo^  ;vol.\<a  \\.t?3  Jcil  X^2  ^le  .•  ecr3,.a>3^o 
\  \. v>  -V^au^  x>*  X^i.  :o;.tA.a  oujcD3>>aa^e  ft..i'ia.\  Ij^  s 
laSpOk^  \..A..B  Juo-ae  .pi.tA.!  y«wja  Z. 00,^.1  a  I-k.V^.b 
x!^  ^3  ^Jm*  .^-lioou  i<xp  l\  ...So  SuS  tsoa^  p^*^  l^jcsae^e 
u.N>.ia.xo  3b^p\  •\3'^?  ^-^op  .^o;  ^ap  Iau«>  \^  <j^  ^.►.q.vo 
■  ifK-til  A^  yw^^>^2  .l>>^xxp  Xsea*  o;^  Sla  .2o;^2p  07X^1.^^ 
JS  1^2  w.pe•^x2e  .LauL^Swlp  laoa.>.3  2^.1.^  ^s-o  ^  tUOo  10 
.l^cr  ,T  Na  \  \ \  ^J..^.nJ:p  Ayno  .^a^  X^ajj  ^  n.a*«3 
Z^  23u3op  eorp  :  i.jD^o\.3  .^ocr  2f3Z30  .^ore'aaoaAe 
^p  ^x.^o  -^07  ?lft\vp  Upora^  ^2  Jo  ^j^32  . 2^0.^30 
:  t-aT-}>>.  ^  Uaoa  \.nap  ~ocre  .2';\ouae  l!^  I««p  lJC3^3a\, 
.,?■■«■  V'aaA  Am  2'yTiVi  v^oo^A.^  ^  ,ji^*idvioo  iJica^  Liovse  <5 
cy^-a  .  ap  Upoio^o  ^07^2  4>  t  m  xisA  ^xAa  >^jM.30i.^e 
2Li\r^  ^  i^^s  .^»A\,\e  ^'i-a^N  ^«maJ^  07^0  .^^eb^p 
ouso  . >->a>.a.X3  ^  ^.^.^.x^^aoe  lo^soAs  1^2  .I^poo;^  ^2 
^oo^JS«2p  ^■aa.'\2  .  ,.^  a  n  t  2pL^e  Z^'a^d.  wjc'a  ^2  2;^eLaoaw3 
^orj^A  .^x.io»p  ^«\d.2  ^x^^o  .X&c  IboAxp  oraaepp  2«32  20 
^'a.a.*wp  .  Ltftrop  ?  P>ft'ia\-i  ^  ^ju^^p  ^\^2  :  laajcp  ^p 
^  aoA  .2^^mP  liy^^ft^  ^  ^p  ^  ^.cu.'^b»e  .2o^2  ;^eA 
.^3  2;So\..*V...3  .  ^o^  ,-ii^L^  sa3uM2p  ^.^^  2aki)a^ 
^o}\a  ^p  OLI07  .lluC^l  l-ooia  t\p  ^2  .  M.0;^  >>.3.,a*aoo 
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^3^1  p  ^  :s^2p  :2^A^  ^*oi  2po7  .^o;^2  26o«au>  ^oA  ^«p 
II.  VIII.  iMo  \\.aop  . l.vao^sp  1X3  .iS  y^p  :s^2  :  Zxoaep  T-Oftiai  ^ 
Jl^is^l^  vJOL^oyao  l^p  2vtl\  oo*  »3:>.ttiop  .^3)2  I,.«.^t  >a 
2i.3L^  la.ULd.opo  l^p  2;s;s^2  ^o"  ?.3i3u.tl.aoo  :  •,i.ia..ci.aop 
2^^^2  JLJOap  U.\.oS>-\  2\-a\\  g^o^-tt  1^  .^  .^•sa^arisop 
■l^to.  2aai^  2oc?^p  ^.yxaia  ^^^a2  l^e  .  luauo;ae  l^p 

'  I.  <v007  3u.Aak^.         -  I.  OCT.         '■'  I.  2^ivil^. 


^    25 


—     51     — 


VIII.  Kapitel. 

Warum  wir  nicht  eriaiiben,  dafi  ein  Christ  eine  unglaubige 

Frau,  noch  dafi  eine  Christin  einen  Heiden  heiratet,  wahrend 

doch  der  Apostel  spricht:    Qeweiht  ist  der  unglaubige  Mann 

5  durch  ein  glaubiges  Weib,  und  geweiht  ist  das  unglaubige 

Weib  durch  den  giaubigen  Mann  .    (1.  Kor.  7,14.) 

Der  zitierte  Ausspruch  des  Apostels  (Paulus):     Geweiht  ist  der  un- 
glaubige  Mann   durch   ein   glaubiges  Weib   und   das   unglaubige  Weib 
durch  den  giaubigen  Mann    bezieht  sich  auf  den  Fall,  dali  zwei  Personen 
10  (Mann  und  Weib)  friiher  Heiden  waren  und  nun  einer  von  ihnen,  Mann 


.oocr   lAx^  puxd  ^as  jio  »  eo(«3^p   1»    .oux«2  Ipo*  ^23 

o^  d^23  2m2  :s^2  ^2p  :  >»2  x^  ...aouopo  l^p  oc?  la^  «^2 
1^  .ououX  %'iftx;s3  l«3^  ^\^.I2  w.oTe  :  Uaauc»^  ;^3  2^M2 
1^3  ,A^3  o;2s  ;^^23  2pu.2  2^^,i2  ^2  ^\a»>3  inao  .a^JXaj^ 
i^  •y23  .3>ab23  mOP  .veo;.»ta^  >«3i.»,i^  3i.^  23(re  .>MuPao 
U3  Ibo  1^2  .voa2  t^.^3  .  ^3  Xx97  .^^ea2  ,^.1'a^,  ».eoM>3  <" 
23070  . ♦sOJLJO.a  3  a>..B.a  ^o.t'aa  .cr  xji.i.^  .o\e3«2  X^^&x 
23uJC32  .6? ^3  w>«.3  Laoua  ti^  2;s^.s2  .2^3^.2  ^<ooX3  .2ou,^ 
.  T.do'WL.i  ^  i>k3ayM;s2  :  6;\^3  x^^  ^3  >^2  . '  r>cv »  i  3  w.c? 

>..V.-Tl.^     :  ^^3    0L1O7     .yV.lft.-l    3a.««.V3    .2oOT^    1.3t.^«3    .  -ii  \3 

OCT  :^^J»3Z^  )ajQ>p  eoT    ZxsoJaaup  .^cr   lAVe    .2^.aj.dau07  is 
.2;sa»3u3  d%3  .iJrj^e  2''\t\\o    .^\^e^aL^  ^2  "aljsi   laor 
II.  IX.    »\yAT    SOuAs   2^^j2   23^^.3    ^.lA^d.    ld^2   ^3    .Z..^^^3     1j:3 

.2oC^23  oi^Aae  ^e  23olx  ^e  ■  1^  3uk;s^e  AoaaiS  li.yra'va 
3uA  2ov^2  2X3  3ouA3  2;s^a2  2x^3  ^o;a  .  ^  2x3uX  ^ 
wDOlslxi  lier  \\,>op  -^^P  ^op  •  ^?  2^^^  ^e  .2x3lX  20 
^eo^sj^  *^o<T]^o  .(r^.^JlZ^  t^Ldio  .oi^Ao  .^aToaA  2x3Li,, 
.Xkis.*  l^e  •K^eo^a^e  .lica  Ae  •'x3»2  2^.XA2e  .xcx3  x«. 
^oX<.^i3  ^  .xaal  .Ixoojsoj,  Iaot^  •^x«>»  x^x^  s^a  >^3oe  ^2e 
.3k^2e  .^0^1  aoL^  ^sslAao  23.^3  :^.^x^  .^  301x3  ecrs 
»*V  tt  le  .o;.tti^o  W.C70JIA  2vT.V  asooLsa  la?-  >\  \,  ti  23 
ov^  ^T  \  •viff  xae  . XJCX3  x*.  .  v^eo^'a^S  ^eoc;ae  .crJS^>ll^ 
.x^  Xm  1^2  .  ^3JS  eoor  1^  ■  t:'?'^  .3^3320  .2x«ao  ?-n-V'»*\ 
.xV^o*  2o^23  \.j^a)  ;ziA  axao  .l^x^ou^  ^^2  ^jooaoe 
:2307  ^sVvtN  tlSuJ:  xa  U>Ax  ^2e  .JcxAa  lA  .^■t.\xj 
Aa.  ?y At  lA  2;s^a2  .3^.332  3t,a  giAx  ^3a»  ^.^Ll«.a03  w 
.oraA^  Ax  .\.A.T  A  23aL\  ^2  Li^cn  :  oAxs  A2  .wiVa 
2bL3\  Ax  lasc'  3^23  U\.\ftT  Ap  u\\.e  :  cr;sxi2  A2 
Z^3   a^e    .^pou^  4sou3^olj:p  2^au3^  Ax   .2^^j2  Axo 


—     5H      — 

Oder  Weib,  Christ  wird.    In  bezug  hierauf  bestimmt  der  selige  Apostel, 

da(5   es   ihnen   freisteht,    sicli   nicht  von  einander  zu  trennen,   wenn  die 

nichtchristliche  Person  das  Fortbestehen  derEhe  vviinscht,  indem  er  spricht: 

Wenn  ein  Briider  da  ist  und  eine  nichtgiaubige  Frau  hat,  und  die  Fran 

5  bei  ihni  woiinen  bleiben  will,  soil  er  sie  nicht  entlassen  (1.  Kor.  7,  12). 
Dasselbegilt  von  der  Frau,  die  einen  nichtgliiubigen  Mann  hat  (l.Kor.  7,  13), 
unter  der  Voraussetzung,  dal5  man  namlich  ihre  Kinder  tauft,  gemaB  deni 
Ausspruch  des  Apostels:  Wenn  ihre  Kinder  nicht  unrein  sind,  nun  aber 
sind  sie  rein     (das.  Vers  14).     {S.  A/im.) 

10  Jedoch  solange  die  Menschen  noch  nicht  verheiratet  sind,  befiehlt 

der  Apostel,  nur  Christinnen  zu  heiraten.  Das  gibt  er  an  eineni  anderen 
Orte  zu  erkennen:  Solange  der  Oemahl  der  Frau  lebt,  ist  sie  durch 
das  Oesetz  gebunden.  1st  aber  ihr  Gemahl  gestorben,  dann  ist  sie  befreit 
von  dem  Gesetze,  so  daB  sie  heiraten  kann,  wen  sie  will,  nur  in  Unserem 

15   Herrn.    (1-  Kor.  7,39),  d.  h.  nur  Christen. 

Es  ist  klar,  daB  er  (der  Apostel),  der  dies  Oesetz  fiir  die  Witwen 
gegeben  hat,  dasselbe  in  gleicher  Weise  auch  fiir  Jungfrauen,  fiir  Manner 
und  Frauen   aufstellt  (d.  h.  daB  Christen   nur  Christen   heiraten  sollen). 


IX.  Kapitel. 

20  Woher  wir  gelernt  haben,  daB  der  Christ  nur  ein  einziges 

Weib  heiraten  soil,  nicht  niehr. 

Sowoh!  aus  einer  Tatsache  wie  aus  einem  Worte  Gottes.  Aus  einer 
Tatsache,  insofern  Gott  nur  ein  einziges  Weib  fiir  einen  Mann  schuf,  und 
aus  einem  Worte  Gottes,  insofern  er  sprach :    Deshalb  soil  der  Mann  Vater 

25  und  Mutter  verlassen  und  seinem  Weibe  anhangen,  und  die  zwei  sollen 
ein  Fleisch  sein  (Gen.  2,24).  Gott  spricht  hier  von  einem  Weib,  nicht 
von  Weibern,  und  von  den  zweien,  nicht  von  melireren.  Und  audi 
Unser  Herr,  indem  er  spezieil  dies  Gesetz  erneucrt,  spricht:  Habt  ihr 
nicht  gelesen,  daB  der,  der  zu  Anfang  schuf,  sie  als  Mannlein  und  Weibleiii 

30  schuf  und  sprach:     Deshalb  soil  ein  Mann  Vater  und  Mutter  verlassen 

und   seinem    Weibe  anhangen,   und   die   zwei   sollen   ein    Fleisch   sein 

(Matth.  19,  4. 5).     Und    die  Rede    zusammenfassend,    spricht  er  welter: 

Also  sind  sie  nicht  zwei,  sondern  ein  Leib     und  fiigt  den  Befehl  hin- 

zu:     Was  daher  Gott  verbunden  hat,  soil  der  Mensch  nicht  trennen« 

35  (Matth.  19,6). 

Auch  der  Apostel  stimmt  mit  diesem  Worte  iiberein,  indem  er, 
durch  eine  Andeutung  darauf  hinweisend,  spricht:  Das  Weib  hat  nicht 
Macht  fiber  ihren  Korper,  sondern  ihr  Gemahl.  So  hat  auch  der  Mann 
nicht  Macht  ijber  seinen  Korper,  sondern  sein  Weib-    (1.  Kor.  7,  4).     Es 

40  ist  klar,  daB  das  Nicht-Macht-Haben  iiber  Mann  und  Weib,  von  dem 
hier  Paulus  spricht,  sich  auf  ihr  Eheleben  bezieht,  und  daB  es  nicht  be- 


—     54     — 

X^p  zlislio!^  ol  Atl^alS  o2  aajao  2>.n.A.  >nvnN  ...yAT 
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lJ.ao7  .Ubu»2  2a.aA-^  2ec^p  oi^ap  ^g'Ou,.»a  1\.At  1^ 
.2;S3m«2  2;s;s^2  jljOuas  :  o7;^^a2  w^m3  >\.At  2x.aLA.  lA.S2 
2;Seb^o79j  .;.*.»> ..B  Lfiup*  .  oo;\a  epa  A.ut  Uc;^  Sbdo 
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S.ia\\  auu.;\2  1^  .I-.v3  ;se^Aio  o'^.^^2^  2^excu.  'aL^a 
M^3>«2   1A2  .1  "vs  aAouie  2:s3m.2  2;^^a2  jucxip   .  l^^p 

;j.3m2  .U07  7ia\\i3  ^otcLm  »^ooAd>J  ^  Ol5:^e^J:2  Usojc 
Uac7  .OT^^2  aA.c^  33bd&2  :2xo3  Xxd^  j»  a^^Aa  lA52p 
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il.  X.  .23uQ3uXa  Isa  .uieiM  lAla*a  laaj:  j^2  ^oac?  .^aL^w^dOLXa 
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^  ^2o  .•x^awM  ^1  ^2^jc2  Uc  A2oa  .^  ^.\..\3:  A  ^a 
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—     55     — 

sagen  soil:  sie  hatten  nicht  die  Maclit  irgendein  Oeschaft  zu  verricliten, 
zu  gehen  oder  zu  kommen,  ohiie  daB  der  eine  es  dem  anderen  erlaubte. 
Vielmehr  will  der  Ausdruck  besagen:  Wie  die  Fran,  solange  ihr  Mann 
lebt,  nicht  berechtigt  ist  einen  anderen  Mann  zu  heiraten,  ebenso  ist 
5  audi  der  Mann,  solange  seine  Frau  lebt,  nicht  berechtigt  eine  andere 
Frau  zu  heiraten. 

Indem  die  gerechten  Manner  der  Vorzeit  auf  diesem  Wege  wandelten, 
beobachteten  sie  dies  Oesetz  (der  Monogamie)  mit  groBer  Sorgfalt.  So 
dachte  Abraham  trotz  der  Unfruchtbarkeit  seiner  Frau  und  seiner  Kinder- 

10  losigkeit  nicht  daran,  daB  er  eine  zweite  Frau  heiraten  und  niit  ihr  Kinder 
zeugen  konne,  sondern  erachtete  es  fiir  gerecht,  in  Kinderlosigkeit  zu 
verharren,  nachdem  er  von  Anfang  an,  wahrend  seines  ganzen  irdischen 
Lebens  mit  ihr  in  Ehegemeinschaft  geleht  hatte,  und  erst  auf  Zureden 
der  Sara  entschloB  er  sich  seiner  Sklavin  Hagar  beizuwohnen.    Ebenso 

15  hielt  es  sein  Sohn  Isaak  fiir  recht,  mit  seiner  unfruchtbaren  Frau  zu  leben, 
die,  obwohl  mehr  als  lOOJahre  alt,  nur  ein  einziges  Mai  geboren  hatte, 
ohne  eine  zweite  Frau  oder  ein  Kebsweib  zu  nehmen.  Auch  Jakob  trat 
nicht  von  unkeuscher  Begierde  bezwungen  an  diese  Sache  (die  Bigamie) 
heran,  sondern  weil   er  einen  Pakt  (der  Verlobung)  mit  der  Rahel  ge- 

20  macht  hatte,  ihr  Vater  sie  ihm  aber  nicht  gegeben  hatte,  hielt  er  es  nicht 
fiir  billig,  diejenige,  der  er  beigewohnt  und  deren  Jungfernschaft  er  zer- 
stort  hatte,  zu  entlassen,  und  hielt  es  nicht  fiir  recht,  diejenige,  mit  der 
er  von  Anfang  einen  Pakt  gemacht  und  die  er  wie  seine  Frau  gekiiBt 
hatte,   zu   entlassen.     Und   mit  seinen   Sklavinnen   lieB   er   sich   erst  auf 

25  Drangen  und  Zureden  seiner  Frauen  ein.  Soiches  lernen  wir  genau  aus 
dem  gottlichen  Buch.  Und  Joseph,  so  machtig  er  war,  heiratete  nur  eine 
einzige  Frau,  die  Tochter  des  Potiphar,  ebenso  Moses  nur  die  Tochter 
des  Priesters  von  Midian  und  Aaron  nur  die  Tochter  des  Nachschon, 
des  Sohnes  des  Amminadab.     Ebenso   hahen   es  die  anderen  gerechten 

30   Manner  des  Altertums  gemacht. 


X.  Kapitel. 

Aus  welchen  Qriinden  die  Menschen  ini  Altertum  sich  von 
ihren  Frauen  scheiden  durften,  wir  dagegen  nicht. 

Diese  Frage  ist  auch  an  Unseren  Herrn  gerichtet  worden.     Wir 

35  geben  hier  seine  Antwort,  da  sie  machtiger  ist  als  jedes  (Menschen)  Wort. 

Moses  hat  angesichts  eurer  Herzenshartheit  euch  erlaubt,  cure  Frauen 

zu  entlassen,  damit  ihr  nicht,  nachdem  ihr  ihrer  satt  geworden  und  da 

das  Oesetz  euch    hindert   sie   zu   entlassen,  auf  Mittel   und  Wege  sinnt 

sie  zu  toten,  um  von  ihnen  frei  zu  werden,   und  ferner  hat  er  geurteiit, 

40  daB  es  fur  die  Frau  nutzlicher  sei,  von  ihrem  Manne  geschieden  als  des 

Lebens   beraubt  zu   werden.     Dies  beweist  deutiich,  daB  dies  (die  Ehe- 

scheidung)   nicht   von  Anfang  an   so  gewesen   ist,   und     Was  Oott  zu- 

sammengefiigt  hat,  soil  der  Mensch  nicht  trennen     (Matth.  19,  6). 


—     5()     — 

.X.x.i^  .\o*  lai^lp  a3L»e   .Ia^ct  leer    1^   .^^j^ao  ^p 

e2  :  ILicraoua  X.^.ao  ol  :  l^ov.n.v  .\\,'n   I^is^Ip  ^^waoIp 
1^3   ^>V,?   -^P  o.iai  :lp\j.    l^e   ^o-p  ip^l  lis\^  \\*o    --. 
^3  2ise».\\.3  l'\-x\  xo.^1  :  ci\^^  a^  ,5^.o^J:^.p   i^^ao 
UxJOi  .a«i^I  wAc  ^oA   .l\eo*  >Je3  2^0kdw<JC>u..3e  :  Los 
^!S2;si\  :  ^or  ^23  I»<m3  2aw3A.^  aui^^^a   ajip  ^c-  ^2  ^v 
>&^aX^  ^Ip  Ju2  3cb2  ^p  v^  .Uor  Ii^o2  e%n.O!n\  2^xi2 
^adb    :  Uor  ^<»23  23u3l\.    ^    aa^'^'Xip  2^ojjC3A:30  jc7;«^>>  io 
»^oc;3^a^ao  »,oP'^ntaA\-i  3^3  :2UVg3  Jo  2'3aL\   ^a2  2«^ 
«^e0p^iojo3e  ^oc>>otl.o3  liao  .aOOIS  .ve0i-'>^u  a^  eeo' 
Ai«3  ^P  ope  :  l.>jQ>3e>>  l^pe  4sx^s^  1^3  .  .  eo;io-3a^3e 
L^e  X>^  ;s*laoo\\.3    U««.ioo  23?' e   .2'L3l\,  ^    'Ji^  ^2 
eoT3   .W.C?  2307   .2o;^2  ^AM3e  \^^er  2;sa&Za   .Uoc  dwlkia  i5 
eo7  ^2  .^eop>.»  x^A^a   oiiu.  .  v^eovJ-^  ^^  'yiffs  !3X» 
.\^  <v„xs^ft   .30^  ^a-'oajJ^p  2:s.^^e  •  1-V-^   g;.aon.v  a\p 
liJ^ol  3k3i-.jo.aoo  :  orxao  t^   1  ^  \  >.  ^  l.t.taN  c3^o,x  sl^ 
:  ill*  Jap  xAaj  wa^^JUo  1^3   .^od  1^3   .^ouoe   :  cn^a^ 
L^3    .2LX2   1^3   «u.3e^   ;aLX  ^^%.3>o.»3   2^oaSi-i  .  O.'rtS  20 
lL.  ^  «L\X•^l    .U07   l.YiXv.is   230^*    Ijijtp    Lt^^a  .\\.in 
^  ^3XX^^   1^3    ^d^2  :  ANJ^e   loa  \\.ao   l^e    .a\^3 
A^3  .  a^^p   liSL^epe   l-aaJc  xsoui  :  2>.aao  3isj  .^eouao 
II.  XI.   2%n\^  .\,  At  A\^  •ia%-i3   .xoA.3u^3  1x3  .^vise  Uu  40 
ojA  .\.,..\  T  2>s\^  23u«lae    .0T;sisj2  jaa.ni.t.\3  Iv  ■  \.r>La  25 
.\.At  ..^cuaop  \^^c  25>^\x  .ov^b^^  ^  j:3l3^^3  2^Xa1^ 
^cv^:^d.2  ^  :!^2;s^i^A.  .pT;siv^2  jta-i.r.ip  Tv.ynxa  23nV\ 
.23aV^  .^3  ^<^3JS3  .20^^1.33  Iasol^la  .^  2;s^aox.B  .^A^ 
.2^aj:3k^  ^23    .>\,3k.aaA  ^3*  23or  ^2  3iA   -Ay  n   .^A^3e 
ttJXdXMu^   je^L  ^3>iXae   xA,   1^   .2oi^lo3   tri^i^l  L.3oAa  30 
i^LiLAe  .20%^ La  xA^  pxdoA  ^2  1^2  :2poT  2^o "^lyA 

>   I.  W.OU..  '-'   I.  1^.  '   I.  ^^3^3. 


—     57     — 

Viele  Menschen  sagen:  Es  ist  ein  liartes  Oesetz,  dali,  wemi  eine 
Frau  wegen  Unfruchtbarkeit  oder  Krankheit  oder  aus  irgendeiner  anderen 
Ursache  nicht  gebart,  d.  h.  vvenn  es  vorkonimt,  dal5  sie  mit  ihrem  Gemahl 
keinen  Umgang  pflegen  kanii,  der  Mann  nun  kiiiderlos  und  ohne  ehe- 
5  lichen  Umgang  bleiben  soil.  Wir  erwidern  darauf:  Es  ist  ebenso  hart, 
dafi,  wenn  der  Mann  von  ahnlichen  Leiden  erfalit  wird,  die  Fran  ge- 
zwungen  sein  soli,  diese  Notlage  zu  ertragen. 

Wenn   nun  aber  jemand   beinerkt:   Hat   doch  auch   die  Frau   die 
Eriaubnis,  sich  von  einem  solchen  Mamie  zu  trennen.    Wie  soli  man  dann 

10  iiber  viele  Manner  denken,  die  in  der  Jugeiui  utui  im  Reichtum  verlieiratet 
waren,  dann  aber  alt,  arm,  krank,  ohne  Hilfe  imd  Lebensnnterhalt  sind 
(d.  h.  sollen  ihre  Frauen  sie  im  Stiche  lassen)?  Und  sollen  unter  gleichen 
Lmstiinden  die  Frauen  von  ihren  Miinnern  verlassen  werden?  Das  wurde 
als  ein  bitteres  Unrecht  anzusehen  sein. 

15  Der  Oerechtigkeit  imd  Oottesfurcht  entspricht  allein  die  folgende 

Auffassung,  daB  das,  was  dem  einen  passiert,  der  andere  ansehen  soil, 
als  passiere  es  ihm  selbst,  daB  er  dies  als  eine  Folge  seiner  eigenen 
Siinden  ansehe  und  sich  bemiihe  zusammen  mit  seiner  Ehehalfte  Gottes 
Gnade  zu  erflehen,   daB  er  zusammen   mit  seiner  Ehehalfte  das  Elend 

20  geduldig  ertrage  und  fest  glaube,  daB  er  nicht  verlassen  werde  in  alien 
Arten  der  Triibsal,  die  man  ertragt,  indem  man  sich  zu  Gott  bekennt, 
damit  wir  nicht  wegen  des  Gluckes  einer  kurzen  Zeit  in  dieser  Welt 
des  ewigen  Lebens  beraubt  werden  und  nicht  wegen  Kinder,  die  iins 
nach   dem  Tode  nichts  nutzen,  unseren  ewigen  Namen  und  Andenken, 

25   welches  hoher  steht  als  Kinder,  verlieren. 


XI.  Kapitel. 

Aus   wie  vielen  Griindeii   der  Christ  sicli  von  seiner  Frau 

scheiden  darf  und  aus  welcheni  Gruiide  sich  die  Frau  von 

ihrem  Manne  trennen  darf. 

30  Die  Griinde,  wegen  denen  ein  Christ  sich  von  seiner  Frau  scheiden 

darf,  sind  streng  genommen  drei:  Qottesleugnung,  Ehebruch  und  Mord. 
Dabei  ist  aber  zu  beachten,  daB  Zauberei  auch  Qottesleugnung  ist.  Denn 
an  solche  Unreinheit  kann  der  Menscli  nicht  herantreten,  wenn  er  nicht 
vorher  Gott  geleugnet  hat.     Mit  Recht  verleugnet  ein  Christ  sein  Weib, 

35  wenn  sie  Gott  verleugnet,  wodurch  sie  sich  von  Gott  entfernt  und  jede 
weitere  Gemeinschaft  mit  den  GottesfiJrchtigen  verliert. 


II.  xir 


—      58      — 

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2Z..  \.<o  VOoa  3X3  2po7  ■2\ i.V  lauxp  Usoao^  '..Trtpo  10 
^A»\a>ao  ;l.««l30  2;sep3h»  ^p  2p30iJQ}e  .^afA^op  LcssoLde 
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A30U.P  ZVytftno  Imp  2pk^a»p  l3  3j;3  IsJUxd-^jo  .  U'3u«>2p 
X^johoiso  Tw.Ap  A.\.»  jaeiso  .I'xaX  ^  sUXi.o^  kj.;!^  lic'i 
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l%**tsio  ^  Zxip  ^o  .2pci  2;soa^3  U^^^ioo  '  2>>ftaoftV\.o 
^■u>■Q^  2jsoujo&3l»o  ^9^e  2p3ax>o  2x\^3a  -230^  ^9^3 


30 


'  I.  2doj.3^.  ^  I.  ^a2.  '  I.  230l\.  *  I.  Xi'*?  St. 

;Lm3  ^.  I.  2^o^a\\. 


—     59     — 

Der  Ehehruch  ist  deshalh  Scheidungsgrund,  weil  die  Frau  mit 
Willen  die  Einheit  des  Ehebundes  vernichtet  hat,  indem  sie  sich  mit 
einem  zweiten  Manne  einlieB. 

Mord  ist  deshalb  Scheidungsgrund,  well  sie  dadurch  die  natiirhche 
Verbindung  und  Zusammensetzung  von  Seele  und  Leib  getrennt  hat, 
weiche  durch  die  Kunst  des  Schopfers  des  Universums  hergesteilt  war, 
und  daher  auch  sie  von  der  Verbindung  mit  deni  Manne  getrennt  werden 
muB,  der  fur  sie  die  Seele  und  das  Leben  bedeutet. 

Wenn  die  Leiter  der  Kirche  zuweilen  und  seiten  bestimmen,  sich 
von  einem  Weibe  zu  scheiden,  die  schwatzhaft,  schmahsuchtig  und  wider- 
wartig  fur  das  Zusammenwohnen  mit  dem  Manne  ist,  so  kann  dies  nur 
geschehen  nach  vielfacher  Priifung  und  Erschopfung  aller  moglichen 
Mittel,  nachdem  man  sie  geschreckt  hat  mit  der  Strafe,  sie  verspottet  und 
alle  Arten  der  Korrektion  erschopft  hat.  Und  nur  in  der  auBersten  Not 
und  ungern  entschliefien  sie  sich  dazu,  einem  Manne  die  Scheidung  von 
einem  soichen  Weibe  zu  gestatten. 


XI 1.  Kapitel. 

Warum  ein  Mann  sich  von  seiner  Frau  scheiden  darf,  wenn 

sie  Ehebruch  begeht,  und  warum  sich  die  Frau  von  ihreni 

20  Manne,    auch   wenn  er  offenkundig  Hurerei  treibt,    nicht 

scheiden  darf. 

Deshalb,  weil  man  ersieht,  dal5  aus  dem  Ehebruch  der  Frau 
mehr  Makel,  Nachteile,  Unrecht  hervorgehen  als  aus  dem  Ehebruch  des 
Mannes.    Denn  wenn  ein  Mann  mit  einer  anderen  Frau  Ehebruch  treibt, 

25  so  werden  die  daraus  hervorgehenden  Kinder  nicht  die  Kinder  seiner 
rechtmaBigen  Frau,  sie  haben  keinen  Anteil  an  dem  Vermogensteil  (seiner 
Frau)  und  beerben  sie  nicht  (5.  Anm.).  Auch  ernahrt  der  Vater  sie  nicht 
aus  dem  Unterhalt  und  dem  Erwerb  seiner  Frau.  Dagegen  werden  die 
von  einem  ehebrecherischen  Weibe  geborenen  Kinder  die  Kinder  ihres 

30  Oemahls,  haben  teil  an  seinem  Vermogensteil,  an  seinem  Unterhalt  und 
seiner  Erbschaft,  obwohl  sie  nicht  von  ihm  gezeugt  sind. 

Ferner;  Die  Frau  kann  in  betreff  eines  Kindes,  das  aus  Ehebruch 
hervorgegangen  ist,  nicht  im  Zweifel  sein,  ob  es  von  ihr  oder  einer 
anderen  Frau  geboren  sei,  wahrend  der  Mann,  wenn  seine  Frau  Ehebruch 

35  treibt,  nie  wissen  kann,  ob  die  von  ihr  geborenen  Kinder  von  ihm  oder 
von  Anderen  gezeugt  sind.  Kurz,  in  alien  Fragen,  betreffend  die  Geburt 
von  Kindern  und  die  Abstammung,  sind  die  Frauen  eine  glaubwiirdigere 
Autoritat  als  die  Manner. 

Und  ferner,  weil  alle  Kosten   des  Unterhalts  der  Frauen  von  den 

40  Mannern  bestritten  werden,  so  scheint  das  Unrecht  in  dieser  Sache  groBer 
auf  seiten  der  Frauen  als  auf  seiten  der  Manner. 

Sobald  man  beobachtet,  daB  die  Weiber  Ehebruch  treiben,  sollen 
die  Manner  sie  in  Furcht  und  Schrecken,  unter  Hohn  und  Schmach  aus 
ihren  Hausern  verstoBen.    Wenn  man  dagegen  beobachtet,  daB  der  Mann 


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—     61      — 

Ehebruch  treibt,  soil  man  ihn  zur  Rede  stellen  und  tadeln,  ihm  BuBe  auf- 
erlegen  und  ihn  von  den  Sakramenten  ausschlielkn,  aber  seine  Frau  soli 
niciit  von  iiim  gescliieden  werden. 

Wenn  dagegen  von  vieien  Seiten  eingewendet  wird,  dal5  diese 
Bestimmung  nur  deshaib  gelte,  weil  die  Manner  die  Ricliter  seien,  so  ist 
das  eine  veraclitliclie  Verleumdung,  nicht  eine  Wahrtieit  (5.  A/im.).  Denn 
das  Gesetz  ist  nicht  von  den  Mannern  gegeben  worden,  sondern  von 
dem  Herrn  der  Manner  und  Weiber  (von  Gott). 


XIII.  Kapitel. 

10  Von  solchen  Mannern,  welche  um  der  Tugend  (d.  i.  aszetischen 

Lebens)  willen  sich  von  ihren  Frauen  scheiden. 

Ich  bin  von  vieien  gefragt  worden,  vvarum  einige  Menschen,  vvahrend 
doch  Gott  befiehlt,  dal3  der  Mensch  nicht  losen  soil,  was  Gott 
zusammengefiigt  hat  (Matth.  19,6)  und  der  Apostel  spricht:     Du  bist 

15  gefangen  iin  Weibe,  begehre  nicht  eine  Losung  (1.  Kor.  7,27),  dennoch 
um  der  Tugend  willen  sich  von  ihren  Frauen  scheiden.  Wir  antworten 
darauf  das  Folgende. 

Jede  Tugend  wird  nach  ihrem  Grunde  und  ihrem  Zwecke  be- 
urteilt,   nicht  danach,   wie   sie  sich  in  Taten  aufkrt  (s.  Aiim.).     Wir  be- 

20   haupten  zuversichtlich: 

Wenn  jemand  wegen  eines  gerechten  Zieles  seiner  Seele,  um  Gottes 
und  der  Liebe  zur  Tugend  willen  sich  von  seiner  Genossin  losen  will, 
indem  er  das  irdische  Leben  vollkommen  verachtet  und  seine  Seele  als 
abgestorben   gegen   seinen   ganzen  Lebenswandel  erachtet,   wie  jemand, 

25  der  langst  tot,  aber  im  Wandel  des  jenseitigen  Lebens  infolge  der  hochsten 
Tugend  lebendig  ist,  dann  wird  er  nicht  getadelt  wegen  seiner  Ober- 
tretung  {wortlich :  MiBachtung)  des  genannten  gottlichen  Gesetzes.  Denn 
in  Wahrheit  tut  er  es  um  keines  anderen  Grundes  willen  als  um  Gottes 
willen,  und  das  Motiv  seines  Tuns  ist  der  Befehl  Unseres  Herrn:    Jeder, 

30  der  nicht  um  meinetwillen  Hauser  oder  Briider  oder  Schwestern,  Vater  oder 
Mutter,  Weib  oder  Kind  verlaBt,  ist  meiner  nicht  wiirdig  (Matth.  IQ,  2Q; 
10,  37).  Wohlverstanden  spricht  Unser  Herr  nicht  folgcndes:  Jeder, 
der  nicht  Frau  oder  Kinder,  Vater  oder  Mutter  usw.  verlaBt,  ist  nicht 
wiirdig,  dali  er  mein  Schiller  sei.      Wenn  es  so  ware,  waren  seine  Schiiler 

35  sehr  wenige.  Vielmehr  will  er  folgendes  sagen :  Wenn  der  Mensch  nach 
Tugend  und  Gottesfurcht  verlangt  und  diese  Dinge  (die  Ehe)  ihni  ein 
Hindernis  fiir  die  Ausfuhrung  seines  Planes  sind,  dann  ist  es  besser  fiir 
ihn,  dafi  er  diese  Dinge  (die  Ehe)  fahren  la(5t  als  die  Gottesfurcht  und 
die  Tugend,   indem   er   die  Liebe  zu  den  Eltern,    Kindern,   Frauen  und 

40  alien  sonstigen  begehrenswerten  Dingen  dieser  Welt  als  sekundar  be- 
trachten  und  der  Liebe  zu  Gott  nachsetzen  muB.  Im  vorliegenden  Fall 
mit  vollem  Recht,  denn  man  muB  den  Schopfer  der  Natur  mehr  lieben 
als  die  Natur,  die  erste  Ursache  mehr  als  die  zweite.    Das  deutet  Unser 


—     fi2     — 

^,  \  ,  lis^   xA   xa  2:..\xa  1^2   .^0%^   wd.x>9-e   .rL..aa  ci^ 

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C7^3<xy.\   ^   ,  .a..3iSao    2^3^^   1  T  .1    >  eou^   isJSp  A  \,  'M 
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:aa3p2  I^e  l^or  ••a\vp  4»''i\N  ai^3^2p  Aywp   .m.N^2  10 
^M3.af  •»  2^0   :  vo^  >:^?^.?    l^^ouo  ^    ^^?*»  ?^   o2 
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^  3uc>-Op  ^^.iol^o  :  ?  >ia\  vp   1j'3.^.,o.03   .VtavaS  ^^ 
;  r>i/t  s,^  t   \^  0001   ^..o  o.n.^n    :  lail^l^  ^p  2o^2po  >«rt/l\ 
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:  2^o.A\.3>V3e   Uc^se   lv^3>3  ^oauxao  >  ocuxA  ,  .nnTo 
.s^oaoi  aS^p  2ivL>.^-ito  ^%*  i^^»M^   ^2  :  2^ l^.Vjfa  2XJl39o 
-\  V    *^eo^  \.,  \.3   zAp   LssouX  ;sau»3u3e    .iJse^h    L^p 
Ul2uQ>3  ^3auQ>  3kA   .2'k33L»Ao  230. \y\  -^073  :  v^ocruXoa^ 
:  ^ecrx^uo  ♦^<xv,\.\  ip  u.ct  .^sos^tv..^  ov^b.ap  2;se'v  I'm  \  \  20 
o^p  /^Adj^jao  'A  x^   .2'3uj(apo  2^1!\«.p   ZxasuS  ♦^o,Tn\te 
2^0l^3  t  .  (5>,>ft.-i    1^2   :  I^^.i    ^.X3^X.ao    :'o%o2   \.\..t) 
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II.  XIV.    .3uCx^^J332p    ;j:3    .;j3uCl3    OT;SOg*^   20..,^   3^    1^2    .Uat 

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—     63     — 

Herr  klar  an  in  folgenden  Worten:     Wer  Vater  oder  Mutter  niehr  liebt 
als  mich,  ist  meiner  nicht  wiirdig  iisw.    (Mattli.  10,37),  wodurch  er  zeigt, 
daB  er  nicht  dem  Menschen  befichlt,  diese  Dinge  niciit  zu  liebcn,  sondcrn 
zuerst  iiin  zu  lieben  und  dann  die  anderen. 
5  Viele  Menschen  aber,  ohne  rechtes  Verstandnis  von  dieseni  Worte 

Unseres  Herrn  und  nicht  erkcnnend,  was  die  Tugend  und  iiir  Ziel  ist, 
die  nicht  imstande  sind,  die  hochste  Tugend  zu  erreichen,  weii  sie  nicht 
ein  gerechtes  Ziel  haben,  entferncn  sich  vein  der  Beobachtung  des  gott- 
liclien  Qesetzes,  das  doch  der  Anfang  unti  die  Grundlage  aller  Tugend 

10  uiul  Gerechtigkeit  ist.  Sie  treten  es  niit  Fiilien,  als  oh  es  zu  niciits  niitzte. 
Wie  oft  haben  sie  dies  erste  und  gottliche  Gesetz  mil5achtet  aus  Begierde 
nach  eitlem  Ruhm,  zuweiien  audi  weii  sie  die  Oiiter  dieser  Welt  ange- 
strebt,  aber  nicht  erreicht  batten,  oder  weii  sie  bedriickt  wurdeii  von 
Ihren  Schicksalen  und  sie  nicht  zu  ertragen  vermochten,  oder  aus  Tragheit 

15  und  MiilJiggang  und  weii  sie  nicht  in  den  Geschaften  dieser  Welt  arbeiten 
woilten,  nicht  dein  Kaiser,  was  des  Kaisers,  und  nicht  Gott,  was  Gottes 
ist,  geben  woilten  —  wie  oft  haben  sie  dies  erste  und  gottliche  Gesetz 
mifiachtet,  das  doch  auch  von  den  wilden  Tieren,  dem  Vieh  und  den 
Vcigeln  beobachtet  wird,  und  haben  ihre  Frauen  und  Kinder  in  Hunger, 

20  Durst  und  BloBe,  vielfach  auch  unter  groHer  Schuld,  welche  sie  konfrahiert 
hatten,  erbarmungslos  zuriickgelassen  (s.  A/im.y.  Wie  die  Raben  kiimuiern 
sie  sich  nicht  uni  ihre  Jungen,  laufen  in  die  Gebirge  und  Wiisteneien, 
indem  sie  wahnen,  daB  es  fiir  die  Vollkonimenheit  aller  Tugend  genuge, 
wenn   sie  sich   die  Haare  scheren,   das  Gewand   eifriger  Tugendhelden 

25  anziehen,  indem  sie  nicht  bedenken,  daB  diese  Manner  nicht  an  ihrem 
Gewand  als  Helden  erkannt  werden,  sondern  an  ihrer  Standhaftigkeit  im 
Kampfe,  wie  ein  Ritter  nicht,  weii  er  Ritter  genannt  wird  und  wegen 
seines  Gewandes  als  Sieger  bezeichnet  wird,  sondern  deshalb,  well  er 
im  Kriege  seine  Tapferkeit  an  den  Tag  legt. 


30  XIV.  Kapitel. 

Ob  die  Frau  aus  irgendeinem  Griinde  sich  von  ihreni  Mamie 
scheiden  darf. 

Die  Lciter  der  Kirche  befchlcn  dem  Weibe,  sich  von  ihrem  Gemahl 
zu  trennen,  wenn  er  Gottesleugnung  oder  Zauberei  oder  Mord  begeht, 
35  aber  erst  dann,  wenn  er  mehrcre  Male  zur  Rede  gestellt  worden  ist,  trotz- 
dem  imUngchorsam  verharrt  und  nicht  mehrauf  seine  Riickkehr  zur  Gotles- 
furcht  zu  hoffen  ist.  Nur  im  auBcrsten  Notfall  und  ungern  eriauben  die 
Leiter  der  Kirche  dann  den  Weibern,  solche  Ehcmiinner  zu  verlassen.  Je- 
doch  urn  der  Tugend  willen  ist  es  den  Weibern  nicht  eriaubt,  ihre  Manner  zu 


—    r,4    — 

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liLxjp  2^^^^^o   :  IpA^e    laJV^  ^p   :  A-ia  ve    :i\.\.ft.n    ^ 
II.  XV.    Zs3    .^o7>A'3^  at  -I  %ia\   ,..^3..t.i    .  .^criA^jp    l^-t.'ixt^o 

Xap   ^lul  ^A^J:»    .ISOA,    ^3^^^    l4«    11^133    .  S^JO^M.'n^S 

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A<3u.^Ml3     1&9    ^l3    :  230!     ^233    2:^00^3    23C^    ^..^YV.C^.M    10 

'T^Vv  ^CU«.3  Swa   2eo73  2;s^j23   la.\.3L3  e2   .23a\  3  2301^ 
e2  •  iSjI  rVy    ^i3*  Idoa   !Uecr3  2;\a«jo3A»o   2^oua«3   e2 

^ai07     :^^.     e2    ^«3<N    ^    ^^L^JO^^    1^3    2'3u.3JC    23ClijO    3bO 

■V,rr.Vf:>  ^^\  ^P'^P  ^-'P  ^  .^3o;jC}  2o!^2  ^A«33  Ix^xap 
.U'3lm2  :zx^  l^>\,j,Y>  p^  e2  :  23..dA  xa  w,^^al^  ^^«m  b 
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l\52o  .^C7  ^23  o;^.\.x  L392  .cn^^i2  3eu.U3  l3^  1^3 
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^3  v,2  .2^e»^3o  :  2^oaM^3   I'aa-vxalj  2Xivs23  ct^o^^s^ 

>..tt3JSM     .U^OT     i^»*.3    C;\^>3    ^2    3l»1a     :  ..Ac     ..^u^3>3:    3w3    20 

a>....3e  c^^j2  ,-*.^  20^2  :3X±l  2^A^3  .<oea.Mu3  Isolds 
:^oj  i^A  a^a  ,-.3  i^2  :  23'i-.  ^ap  ^as^»^^J  l^oiap  Cs^io^ 
u.^^uIlA  ^u.»^3  23u3A,  L»l.i  :  23euo  lAe  :  l^peoux 
l^e  .2^a^f  3  2^eds2  0^3  X^2  aa  e2  :  239'  ^23  v>eA3u03 
AA33  3^Uo  ;^Tf^^  o^^-a^  loc^  .l^joa^iooe  2xr..^.^^  25 
.^«3  2'x«3  2'L.L»  Use  ^oA  2^^i2  3^u^^^  .o;Ax  1^2 
'^  A  V  3«A.  >a  20A2  ^Aaarjp  2&J^la^e  ^oeoao  ^^3  oao* 
;..t.agTO  lJ..ao7  .2307  2;soL2a\.  w^soLxp  ^33  eau23  .Iaov^ 
2^a\Mia  Jae  w.^i2  l^t  m>3  ^2o  .2c7A2  ti^^  ^?  -^  2eo^ 
2&Aao  ^»  ^ajcx«.X^  .2^.0L^^  6^3  ^^^2  :jcx.A.»  'Ae  :  230t  30 
Sua   .^o^   xAp  ^3u«oT  ^    -^P?^   ^-^  ^000)^0   .2ov^23 


'  1.  ^2. 


-     fi5     — 

verlassen.    Denn  mit  einer  solchen  Aufgabe  (der  des  Anachoretenlebens) 
werden  die  Weiber  nicht  betraut. 

In  betreff  der  Witwen,  die  noch  jiincf  sind,  spricht  der  selige 
Apostel  (Paiiius):  Ich  wiinsche,  dal5  die  iiii^eiidiiciieii  (Witweii)  sich 
wieder  verheiraten,  Kinder  gebaren  iind  iiire  Haiiser  besorgen  (i.Tim.5, 14), 
damit  sie  durch  Sorge  und  Miihe  infolge  von  Schwangerschaften  unci 
Oeburten,  infolge  der  Erziehung  der  Kinder  und  des  Dienstes  fiir  ihre 
Manner  imstande  seien,  ihre  sinnlichen  Triebe  zu  bemeistern. 


XV.  Kapitel. 

Auf  welche  Weise  der  Beweis  des  Ehebruchs  erbracht  wird. 
(s.  Atirn.) 

Man  fragt,  wie  die  Tatsache  des  Ehebruchs  festgestellt  werden  kann, 
da  doch  der  Ehebruch  nicht  offenkundig  und  vor  Menschen  betrieben 
zu  werden  pflegt,  auch  nicht  leicht  zu  jeder  Zeit  Zeugen  desseiben  an- 
zurufen  sind  und  ferner  auch  nicht  jede  Zeugenaussage  in  einer  solchen 
Sache  glaubwiirdig  ist.     (Wir  antworten:) 

Entweder  durch  das  Schwangerwerden  der  Fran  wahrend  der  Ab- 
wesenheit  ihres  Mannes,  oder  durch  wiederholte  offenkundige,  schamlose 
Hurerei,  oder  durch  zuverlassige  Zeugen,  deren  aber  nicht  weniger  ais 
zwei  Oder  drei  sein  miissen,  die  im  Sinne  der  Gottesfurcht  (des  Christen- 
tums)  zeugen. 

Wenn  ein  Mann  erklart:  >Ich  habe  mit  eigenen  Augen  gesehen, 
wie  meine  Frau  Ehebruch  trieb  oder  sich  mit  anderen  Miinnern  erlustierte  , 
muB  ihm  nicht  unter  alien  Umstanden  geglaubt  werden.  Denn  vielleicht 
will  er  seine  Frau  los  werden  und  macht  deshalb  eine  solche  Aussage 
gegen  sie.  Auch  darf  ihm  nicht  ohne  weiteres  geglaubt  werden,  wenn  er 
einfach  sich  erbietet  zu  schworen,  ohne  dalj  er  Zeugen  hat  und  ohne  daB 
seine  Frau  als  eine  freche,  sittenlose  Person  bekannt  ist. 

Wenn  dagegen  Zeugen  vorhanden  sind  und  sie  (die  Frau)  in  eineni 
solchen  Rufe  steht,  und  nun  ihr  Mann  erklart:  Ich  habe  gesehen  so  und 
so<s  dann  soil  er  einen  schrecklichen  Eid  bei  Gott  in  Gegenwart  seiner 
Frau  schworen,  und  dann  werden  die  beiden  von  einander  geschieden, 
indem  die  Priester  Fliiche  iiber  den  schuldigen  Teil  aussprechen. 

Anderenfalls,  wenn  man  iiber  das  Treiben  der  Frau  weder  sichere 
Kenntnis  noch  Zeugen  hat  und  nun  der  Mann  erklart:  Ich  habe  meine 
Frau  bei  solchen  Vergehen  beobachtet,  oder  weini  Anzeichen  vorhanden 
sind,  daB  sie  Unzucht  treibt,  sie  aber  nicht  ertappt  und  entlarvt  werden 
kann,  und  nun  ihr  Mann  sie  anzweifelt  und  erklart:  -Ich  bin  zweifelhaft 
iiber  sie  ,  dann  soil  das  Weib  herantreten  an  unsere  bitteren,  prii  fen- 
den  Wasser(s.  Niirneri  5, 18,  23,  24,  27  und  Anm.),  d.  h.  sie  soli  den  Eid 
und  die  Verwiinschungen  nach  dem  Worte  Gottes  aussprechen,  worauf 
dann  der  Priester  iiber  sie  das  folgende  Urteil  spricht:  Wenn  du  die  Siinde 
begangen  hast,  so  geschehe  dir  das  und  das  vor  Gott.  Wenn  du  rein 
bist  von  diescr  Siinde  und  von  der  Sache  nichts  weist,  so  bist  du  ge- 
heiligt  durch  das  Wort  Gottes< .     Und  von  da  an  bleiben  die  Eheleute 

Sachau,  Syrische  Rechtsbucher  \l\.  5 


—     6«     — 

.230l\3  2^aAA\,  ^.^^auo^  :  I'i^^e  Zao^jcal  ZvM2  l£x3w\.:u 

II.  XVI.   (rtsi^il  30u.Up  2%.n  \.\  o}!^  \\x  *^lp  .^..X3u^^^J:3    Ixh 

o^  d^23  ;jaau±)  3^3  >J»  2\t\\  .  1^  e2  23aV.  ^  2»Mioo3  aio 

.2307    ^23    2^^^2    30U.U3    O^    .\,.\t    iA     .l^'^dbJ^    1-V33 

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^  i^.kbo^ae  .oT^ivAi^  ^.*\n mY)3  13lJ.\,  ^  :07cA^?  Z^oxe 
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Ad2  ^^^joAd^^  A  >3.^  pa  -v^ooA  <J>Aa  2^oa«.o  :  2^1'A9 
A  T.CDft.'n.*  ^  XdA,  2x,\^    .2pcr  ^Ipp  2&oa^  *\'°^7 

II.  XVII.  aiop  23^1^  ^y.At  v,2p  .aucx-X^^axp  Ix^  .^oa)J^  Ibljo  is 
.2^3^2  2^;^i2  Juca^p  'jsy.a  l^o\  ^A^3  cr^io2  .a-a.arp 
.2^Pl^P  U'a^p^  ^  tr^  ^2  .A  o2  07;^^^^  b^^^J^aui-  sots'? 
oai  x\j^l  :  Zai^l  2%n\.\  ^oor  Aop^  Ap  X:aep  -^s^^P 
iNoA  ^^oj^^ip  ^eo%^  .\.At  .2^au«2  2^^i2  .XJCxa  2xaL\ 
i><xJA.*.-x.x  ^oo7p  3dop  yap9  Ap  .^xae2  ^p  ^^  -^p'^^  ^ 
>\\,iffi  ■2p'iM  ^o^  ^a.i^^j  ^eJSp  :23a\  ^A^s  N^la.*>-. 
^,tt.,3  X  \jaux?  ^p   .•^xaop  o^ipudeAa  2po7  ^2  la^Okaop 

II.  XVIII.  .3ucxb.^j^^p  1X3  .^9  23kM  fiy.fiL3doc2  ^c;  t^2p  ^i^a  ''^i\ 
.230u\  dAx3  cA-^3  ^  ^wfiL^^Jc2p  2^^j:A  .yA.T  ^2p 
i^p  -v^Sl^  ^3um  X.1X..3w«  2poT  \^  .Xii^l  2>n,\\  2eo7;sp  ^^ 
.siV,  .^■tX.^ax  71^  Aoxp  ^  .iu-ajo^p  2>n\N  oA  >V'^^ 
.oisou.  *»ivi2  Jul  \i4  ?ua  Ap  -.07  .CJ-.:^*2  2pc7p  2iAxe 
2 pi.*.  ;a^  ^oe^~x.l  :  ;»Aa.«.2  2 X3l\A  \3^  2^:sj2  o2 
^  2^^i2  wdJ^J:^  :  230l\  ;\V^^  a^p  Ud^2  :  ^oA^uCmo 
\^^  :  ^eo^.ii  .  3^  ^2  2pauM  aL.X  ^o^^  v^eec^^o  :  gt^b.3  30 
rcraou.  ^^i2  Aoufiuup  xA>\  ^ecf  liux^  -^P^  tr^or  ^2p 


add. 


—     07     — 

bei  einander,  nicht  inehr  von  irgendeinem  Zweifel  beriihrt,  indem  die 
Fran  Kleidung  und  Lebensgewohnheiten,  die  auf  die  Unreinheit  des  Ehe- 
bruchs  hindeuten  konnen,  in  Ordnung  bringt  (anstandig  macht)  (s.  Anm.). 


XVI.  Kapitel. 

Ob  ein  Mann  sein  Weib  behalten  darf,  nachdem  sicii  heraiis- 
gestellt  hat,  daB  sie  Ehebruch  getrieben,  oder  nicht, 

Der  Kieriker,  der  kirchliche  Wiirden  hat,  darf  nicht  eine  soiche 
Frau  behalten  noch  eine  Hiirerin  heiraten,  damit  nicht  seine  Wiirde  und 
der  Name   seines  Qottes   von   den  Unreinen,   die   sein  Weib  verderben, 

10  beschimpft,  er  nicht  von  jedermann  verhohnt  nnd  nicht,  wenn  er  andere 
vvegen  Ehebruchs  tadelt,  von  soichen  frechen  Personen  mit  den  Worten 
an  den  Pranger  gestellt  werde:  Wir  unterscheiden  uns  nicht  von  deiner 
Frau,  die  dasselbe  treibt  .  Aus  diesen  Griinden  eriauben  wir  den  Inhabern 
kirchHcher  Wiirden  nicht,  soiche  Frauen  zu  behalten. 

15  Dagegen  die  Laien  pflegen  wir  meist  nicht  zu  verhindern,  dieselben 

zu  behalten,  wenn  sie  wollen.  Denn  wir  hindern  sie  auch  nicht,  wenn 
sie  Huren  heiraten  und  eine  Schenke  halten  (5.  Anm.).  Freilich  pflegt 
man  sie  darob  auch  nicht  zu  loben,  aber  ein  gesetzlicher  Zwang  (soiche 
Dinge  zu  unterlassen)  liegt  ihnen  nicht  ob. 


20  XVII.  Kapitel. 

Ob  ein  Mann,  nachdem  er  sich  von  seiner  Frau  vvegen  ihres 
Ehebruchs  geschieden,  bevor  er  eine  zweite  Ehe  eingeht, 
die  geschiedene  in  sein  Haus  ziiriicknehmen  (d.  h.  die  Ehe 
mit  ihr  trotz  der  vorhergegangenen  Scheidutig  fortsetzen) 
25  darf  Oder  nicht. 

Einige  unter  den  Leitern  der  Kirche  sind  der  Ansicht,  daB,  solange 
die  geschiedenen  Eheleute  sich  noch  nicht  wieder  verheiratet  haben,  sie 
zu  einander  zuriickkehren  diirfen.  Wir  dagegen  sprechen  uns  dahin  aus, 
daB,  nachdem  einmal  eine  Ehescheidung  auf  Grund  offenkundigen  Ehe- 
30  bruchs  stattgefunden  hat,  sie  nicht  zu  einander  zuriickkehren  solien.  Denn 
das  ist  bestimmt  durch  den  Befehl  Unseres  Herrn:  >Wer  eine  Geschiedene 
nimmt,  begeht  Ehebruch'  (Matth.  5,32),  well  sie  eben  schon  einmal  ge- 
schieden worden  ist. 


XVIII.  Kapitel. 

35  Ob  die  wegen  Ehebruchs  von  ihrem  Manne  geschiedene 

Frau  eine  zweite  Ehe  eingehen  darf. 

Ober  eine  soiche  Frau  hat  Unser  Herr  deutlich  befohlen,  daB  ein 
Mann  sie  nicht  heiraten  darf.  Wer  eine  Geschiedene  nimmt,  begeht 
Ehebruch'  (Matth.  5,32).    Der  Grund  dieser  Verfiigung  ist  der,  daB,  wenn 

Ao  jemand  das  Weib  seines  Nachsten  begehrt,  oder  eine  verheiratete  Frau 
einen  anderen  Mann  begehrt,  sie  sich  nicht  zu  einer  Missetat  vereinigen 
solien,  die  den  Erfolg  haben  wiirde,  daB  wegen  des  Bekanntvverdens 
des  Ehebruches  die  Frau  von  ihrem  Manne  geschieden  wurde  und  nun 
die  beiden  sich  nach  Wunsch  miteinander  verheiraten  konnten.     Wenn 

45  das  so  vor  sich  ginge,  konnte  jedermann  leicht  das  Weib  seines  Nachsten 
bekommen,  insofern  es  jedem  schwer  fallen  wiirde,  ein  Weib  zu  behalten, 


('.8     — 


Zjosol^  «^  oa2  s^sai  Z^p  .!!  rxaiai  ^iXxa^  isLSkSe  :  IsoA  op 
^  ^3.»2;^2  1^1   :  :sLi\y  tt^3..3  2^ft»a  ^  \.   l\aoe    l^^a^ 

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2iN3ubb3  6paj:o\  o;^3  0>o  .^ecT^^o^o^JOa  >  0lA3«sju  :  23o? 
.u\3t.0J39  >^  2eoT3  Xa^euo  \v^  r^oo^aax  .^au.^.i  2oi^23  is 
II.  XIX.  o;\^a  ^  \j3p  ;^A3^j:23  2^isjl^  >\,At  ^23  .3ucv^s^3  :j:3 
23;sZ^3  'gv\^.a3  2is^«l^aL3  o2  g?,\.X33  2;\e3£^^M  ^,\.^3 
^OJSS  0^3  w>oT  ^.^Aa  e2  :  2\.\^  IJiJ*  ^sS'^^e  :  li3u»2 
^23  lis.  W\:  ^  23umO  e2  :  0T&a2  ^..n.N  :\33;!vj:2  :  ;^oo? 
Zaou^d   .dJ33  ^3^2o   .1a 3^2  2\n\\  2ea7^3  ^„a^^Jc2  ^^or 

^<a3.JCXl3    ^.^At   a^    lda«S3u^    ^!^?   •vOOt^   is^23    ^.A..2 

\..Aaee  -y^-'>-3^  *\2  y.yAt   w.3  '  .■»»  \  v    .23or  ^23  2;s^J2 
\x3  .M>3^3  23uae;.i»  'sAj:  ...^3;s3  2Laol.aiL.i  ^«^ov^  ^ijoa 

.1vaaTV&x«3   liid.339A.^ 

'   zu  tilgen.      -  die  hier  in  R  fehlenden  Worter  gt\^3  3  2^v^<  l^Oa  o2 

siiid  erganzt  aus  S.  2S,  14. 


20 
O   .JO 


—    (ii)    — 

von  der  man  weiR,  da(3  sie  Ehebruch  hewangen  hat.  Also  hat  der  Oesetz- 
geber  bestinimt,  datiiit  ihnen  iiicht  eiii  liinterlistiges,  vcrbrecherisches 
Mittel,  das  vmi  schiiuitzigen  Menschen  ersonnen  ist,  zum  Vorteil  gereiche. 

Von  vielen  Seiten  ist  dagegen  eingevvendet  vvordcn,  daB  es  doch 
hart  sei,  wcnii  eine  Fran,  die  eininal  bei  solchem  Fehltritt  crtappt  worden, 
ob  sie  nnn  einniai  gestrauchelt  oder  aus  Irrtum  oder  unter  dem  EinfhiB 
von  Charaicterschwache  gehandelt  habe,  iiir  ganzes  Leben  gezwungen 
sein  solle,  in  Witwentuni  oder  Hnrerei  und  Schmutz  zu  verharren,  da 
sie  eine  zweite  rechtinaBige  Ehe  nicht  eingehen  durfe.  Oftmals  heiratet 
sie  dann  einen  Heiden,  unci  vielieicht  geht  sie  dann  auch  deni  Christentuni 
verioren. 

Gegen  diese  Auffassnng  fiihren  wir  aber  das  Wort  Unseres  Herrn 
wider  die  Ehebrecher  in  das  Feld:  Wenn  dein  Auge  dich  argert,  reiH 
es  aus  und  vvirf  es  von  dir.  Denn  es  ist  dir  besser,  dal5  du  niit  einein 
Auge  in  das  Leben  gehest,  als  daB  du  niit  zwei  Augen  in  das  Feuer 
der  Holie  tallest  (Matth.  18, 9).  Es  ist  weniger  schwerwiegend,  dal5 
einige  wenige,  die  sich  freivvillig  (von  uns)  abgesondert  habeii,  um  solche 
Unreinheit  zu  begehen,  in  ihrer  Siinde  belassen  werden,  als  dali  der 
ganze  Leib  der  Kirche  Gottes  infolge  der  Ansteckung,  die  von  den 
Siindern  ausgeht,  zugleich  nut  ihnen  verdorben  werde. 


XIX.  Kapitel. 

Ob  eine  solche  Fran  eine  neue  Ehe  eingehen  darf,  die  von 
ihrem  Manne  wegen  der  Tugend  (d.  h.  wegen  seines  Qe- 
liibdes   der    Keuschheit)   oder   wegen   seiner   Reise    in   die 
25  Fremde   verlassen   worden   ist   und   lange  Zeit  auf  ihn  ge- 

wartet  hat,   oder  die  deshalb,   weil  sie  nicht  mehr  Jungfer 
war,   in    ihr  Vaterhaus   zuriickgeschickt   worden,   oder  aus 
irgendeinem  ahnlichen  Ornnde  geschieden  ist. 

Wir  sind  der  Ansicht,  daB  Kleriker  und  solche,  die  eine  kirchliche 
30   Wiirde  haben,  eine  solche  Frau  nicht  heiraten  diirfen,  wohl  aber  Laien, 
wenn  sie  wollen.     Und  hiermit  schlieBen  wir  das  zweite  Buch. 

Ende  des  zweiten  Buches  des  Corpus  juris  von  Jesubocht. 


Buch  III. 

Eherecht. 

12  Kapitel. 


\^  :sj&ol3  ^aXd.3  oi^p  a^a  oi^p  ^\^;s3  Isisel^  .jso^ 

^.\^^^>ao  2xi3f^  ^^ot*^2e  2^e'v.<.3>aop  woa^s  •^^^?  3•^^^ 
\x  .^s^^p  Us  •2p'i«.p  2>.eL^^0Lj:^  oaLp^aa^  ...^^  l^e 
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3^.3ap  a^  japi  Uut  laaap  ..^^ecuae  p.^  la^JL^p  2N^u2o  is 
.lba<N3  1X3  .  oT^oiap  23aLJC}  A\.t:)  wCL3>sx2p  1^^2  ed"*^ 
otS  W039  l-aouap  Zaa»..2  23mA  g;.\.aj  .S«2p  2^i^2  \^ 
2XoiDo2po  2p..3Lb..p  2;soi5;saxp  Issj:  \x  .23jcxxp  IxS  .S'^^a^p 
23'x<.A  ft, 'V.  cup  ,^A«2  \^  ■Juo.A.p.A^p  Lx3  .  T  V  .  yjo'k^p 
.Lsl^  ^eoM-M  3m3  2«^^^  ^a^^oe  .2^.i.i,i  a  2;SftA..xU3  20 
.2XXk3  1m03  .^P  l.ia^3eLap  Iifia2  .  I^oiao  e2  .  lies  I&«a2 
1j:3   .^07  ^23   2.»oL»p   ;^xx  o2  .2^0L^32  o2   LsLX    e2 

.'crf;SeXO^    l3L3  3>\^3    ..^    X\au.^23    2^^^l2    \^    .3UO,^3^3 


'  I.  1X3.  -  1.  0^09  3ap.         ^  I.  o2.         *  1.  Ai9-3aa. 


—     73 


Drittes  Buch 

von  demselben  Jesubocht. 

Corpus  juris. 

I.  Welche  Bestimmungen   und  Canones  die  Christen   in  betreff  der 
5  Gemeinschaft  (Genossenschaft,  Ehe)  mit  den  Fraiien  haben. 

II.  Von  solchen  Personen,  die  nach  AbschluR  des  Verlobunffspaktes 
und  nach  Oberreichung  des  Ringes  sich  trennen  und  den  Ehebund 
{worflich:  die  Genossenschaft  miteinander)  nicht  eingehen  wollen. 

III.  Von    solchen   Personen,    die   sich   nach   vollzogener  Ehe  wieder 
10  trennen. 

iV.  Von  dem  Weibe,  die  aisjungfrau  das  Haus  ihres  Gemahis  betreten 
hat  und  dann  von  ihm  verachtet  wird,  als  ware  sie  nicht  Jungfrau. 

V.  Von  denen,  die  fremde  Weiber  rauben  und  bei  ihnen  liegen. 

VI.  Von  der  Frau,  die  in  das  Haus  ihres  Gemahis  gezogen  ist,  ohne 
15  daB  er  infolge  von  Fehlern  seiner  Leibeskonstitution  mit  ihr  Umgang 

pfiegen  kann. 

VII.  Von  der  Frau,  weicher  ihr  Gemahl  nicht  die  Jungfernschaft  zu 
nehmen  vermag,  die  sich  daher  von  ihm  trennt  und  einen  andercn 
Mann  heiratet,  die  aber  dann,  nachdem  ihr  zweiter  Mann  gestorben, 
20  wieder  von  ihrem  ersten  Mann  zum  Weibe  begehrt  wird. 

Vill.  Von  Mann  und  Frau,  von  denen  die  eine  Person  in  Gefangenschaft 
gerat,  wie  viele  Jaiire  die  zuriickgebhebene  Person  in  der  Hoffnung 
auf  die  Ruckkehr  der  anderen  warten  muli. 

IX.  Von  der  Frau,   deren  Mann  in  die  Fremde  gereist  ist,  wie  lange 
25  sie  auf  ihn  warten  inuli. 

X.  Von  der  Ehe  der  Sklaven  und  SkJavinnen  der  Christen. 

XI.  Von  solchen  [Eheleuten],  welche  eine  rechtmalJige  Ehe  mit  einander 

vollzogen  haben,  von  denen  dann  die  eine  Person  von  einem  Sciunerz 

Oder  einer  Krankheit  oder  einem  kcirperlichen  Defekt  befallen  wird, 

30  wie  z.  B.  von  der  Krankheit,  die  von  einem  bosen  Geiste  ausgeht, 

Oder  von  Kratze  oder  Elefantiasis  oder  einem   ahnlichen  Leiden. 


.   —     74     — 

III.  I.  X^a.i.ao  Uo>^\  ^o>il  ^A^Ip   l^sopja   Iss  .^\^;s3  la^laop 

§1.  i.<i».3^Vy  \^  .Z^3  2;sa^:\asp  i;^oa^  ,U . y fo'sLX^  ;!n^23 
^01  .^Lxip  4sOLd«soLS3  2;sol3^3  UiV^, r>'a^3  l^oxoo  \^^oi 
^  2euA  :  2o^2  ^^  ^.jcaa  ^p  kA,  \.\..if)  .>.x^  ^3bao2  5 
zajsJOoifS  2^A»o  laxou.  loai  ^x^pja?  oa32  .7i?23  ov^2 
>.i,V,2  .w^ojepouAs  :9p2  looui?  xAs  ^p  .'i^2p  <*aui 
^Lo^^p  isSbHp  U.\,r)'k3>.iS  .32  ja?i  .cri^o^2  lisp^^^  o^ 
l^'^aoe  .23a.dk^p  ^.a^Xji  ^ouou.>vi  ;s..»p>-n  .^o^^^oucA 
Sua  .:,'o..Jl  w«j^p  ^kjce  Lic^p  2;souAg.ML-3  2>^-04u^p  10 
.>^2au.is  .  ^^^^J^0e  :auOJS^  «^eov)^P  1^  oo^p  .nia.gpa 
:  lioj^p  Zoaoo  pwsp  Xao  2por  \\.Y)e  .2oA2p  y^o*  2ds^3Qa 
2^3^  .2'30L3k»p   :  Yv.n    3p»a2  UaoLlov^e  "•ia..np  l^sae 

§2.  d^p  23^2  du.2  .s^2o  .^or  2;sa5Naa:^  ^■^.-^t■,.  2^>x<.3J:e  ^vd>a 
;,4  ^"a  .g^^o  .7  \ Na  .oyao  0).^  io.2o  :  .^la-n  ...jjo  Uc^  op  is 
-^  \  >^  ol^o  :  2Xj.dA  2^0L3;sajL3  .l?'i^  .A  (Tw\  .  .  Vip 
zlisaio^  3lo  Xso^ioop  ^<^oA2  ^3oa  \\^p  2;soa suool^ 
^2  .l?oi  yjx  eu*A.a^2  l^c^p  2^.o, -1  .\  fl  iS  \  \..v>  2-^2 
wd.6>aaxo  :^^.  e2  ^3;^  23;s2  oop  :^2p  luju^ope  jb  ..n-\is^a 
^ibout]  ec7   :  ^oo^A   ^.^^aok^e   7*tt>n    ^..iainY)e    ♦  ocuN.'nN  20 

§3.  :s«2  »^2  aoiso  .2^3i^3ux  2^ol3;^oux  ^cto  .  ^L.3a  ^soao 
:  U^ope  A52e  :  lio.*Ja  ^<jap  la^xo  Uop  op  xAp  23^2 
auA  ^3doo  .2^»a^  2^a3iNas  2^mA  2x3,\  ^^e^JLse 
2i3\  'plJOo  Uxa\^\  ^^2  :  lioj^  op  ;^^2p  23dv  A  ♦sOi\,iat 
.2^^.i2  2po-p  .k»2e  :  t'o.n   a-^A^o  Ula.opoo  Uc^  ;saba  25 

§4.  23aL\e  .^^gT^^xao  2'3u.3a  .VaxJao  2^a3J^OkX  ^07  .u.01  w.;sis^2 
:  o;do.OLS''Xp  auM2  2^3u.2  2^^j2  o2  2^^2o  .^^a2  oA  ^sA  a^ 
^bfp  2peL»  :  2^pw^p  T-a'so^^o  luoiua  ^  ^2^JUaop  laoe 
^Su^or  .U.07  2>oo2  ^  ^2  :  U.OT  or&do>2  2:s.ao2  o2  :  2j\:^j2 
.iCsi^l  li^i>^l  ^2e  U^  ^«p  o^  .^cr  o7^&i2o   .^.ot  2^3Zm  30 

§5.  li^a  .^^o^JLao  Ju2  :aLA.o   :  a\a.3  o^  i^^  p^a  2>k^^2e 


1.  aJa92p.      '  I.  Zaaui)  ^^uip.      '  1.  ss^jcI      '  1.  2^^^^. 


XII.  Von  dem  Weibe,  der  vvahrend   ihres  Brautstandes  oder  wahrend 
ihrer  Ehe  von  Feinden  Oewalt  angetan  worden  ist. 

Ende  der  Kapitel  des  dritten  Buciies. 
I.  Kapitel. 

5  Welche  Bestimmungeii  und  Canones  die  Christen  in  betreff 

der  Qemeinschatt  (Qenossenschaft,   Ehe)  mit  den  Frauen 
haben  (s.  Anm.). 

§1- 
Ober   die  Bestimmungen    und  Canones    der  Christen    in  betreff 

10  der  Gemeinschaft  mit  den  Weibern  sagen  wir  folgendes:  Weil  nun  ini 
Anfang  Oott  die  Eva  aus  der  Rippe  Adams  gebildet  hat,  jedoch  so,  dal5 
er,  bevor  er  sie  bildete,  seine  Absicht,  sie  bilden  zu  wollen,  aussprach 
—  heiBt  es  doch  in  der  Bibel:  Es  ist  nicht  gut,  da(5  Adam  allein  sei; 
ich  will  ihm  einen  Heifer  machen  gleich  ihm«  (Gen.  2,  18)  — ,  so  geziemt 

15  es  auch  den  Christen,  daB  sie,  bevor  sie  zur  Ehe  schreiten,  zunachst 
den  Verlobungspakt  aufstellen  (d.  h.  die  Absicht,  die  Ehe  griinden 
zu  wollen,  aussprechen)  und  die  symbolische  Handlung  des  Ringaus- 
tausches  vornehmen  lassen,  alles  dies  durch  Vermittlung  der  Priester  und 
der  iibrigen  Kleriker.    Denn  wir  glauben,  daB  dasjenige,  was  voni  Priester 

20  verfijgt  und  gesegnet  wird,  in  Wahrheit  etwas  von  Gott  Gesegnetes  ist. 
Wenn  daher  der  Verlobungspakt  durch  den  Segen  der  Priester,  der  iibrigen 
Kleriker  und  der  Glaubigen  bestatigt  ist,  dann  sehen  wir  die  Ehe  als 
richtig  und  feststehend  geschlossen  an. 

§2. 

25  Wenn  an  einem  Orte  keine  Priester  und  (sonstige)  Kleriker  sind,  wohl 

aber  christliche  Manner  und  Weiber,  welche  sich  rechtmaBig  mit  einander 
zu  vermahlen  wiinschen;  wenn  sie  aber  bis  dahin  von  der  Ausfiihrung 
ihrer  .\bsicht  abgehalten  worden  sind  —  nicht  etwa  dadurch,  daB  sie 
den    gottlichen,    durch   das  Priestertum  gespendeten  Segen  verachteten, 

30  sondern  dadurch,  daB  keine  Priester  in  erreichbarer  Nahe  waren;  und  wenn 
nun  die  Christen  des  Ortes,  zwei  oder  drei,  sich  versammeln,  die  Braut- 
leute  anhoren,  den  Ehepakt  aufstellen  und  sie  segnen,  dann  ist  ein  solcher 
Pakt  und  Segen  rechtskraftig,  und  ebenfalls  die  also  geschlossene  Ehe. 

§3. 

35  Wenn  es  sich  aber  um  einen  Ort  handelt,  in  dem  keine  Priester 

und  sonstige  Kleriker  und  auch  (auBer  dem  zu  verheiratenden  Paar) 
keine  Christen  vorhanden  sind;  wenn  da  der  Mann  sich  rechtmaBig  mit 
dem  Weibe  vermahlt  und  sie  dann  nach  einem  Orte  gelangen,  in  dem 
Priester  vorhanden   sind;   wenn   sie   dort   zu   der  Gemeinde  gehen,  der 

40  Mann  vor  die  Priester  und  Glaubigen  hintritt  und  den  Pakt  aufstellt 
mit  den  Worten:  Diese  Frau  ist  meine  Frau<,  dann  wird  diese  Ehe 
und  der  Pakt  als  rechtskraftig  angesehen. 

§4. 
Wenn  ein  Mann   nicht  verheiratet  ist,  aber  eine  Sklavin  oder  ein 
45  anderes  Weib  auf  seinem  Lager  halt;  wenn  er  dann,  von  den  Priestern 
und  Leitern   der  Kirche  zur  Rede  gestellt,  erklart,  das  Weib   oder  die 
Sklavin  sei  seine  Frau,  alsdann  ist  das  Weib,  wenn  es  eine  Sklavin  ist, 
frei  und  seine  Gemahlin.     Ebenso  ist  auch  das  andere  Weib  (die  nicht 
Sklavin  ist)  seine  Gemahlin. 
50  §5. 

a)  Wenn  ein  Weib  nicht  verheiratet  ist,  aber  mit  einem  Mann  in 
(wilder)  Ehe  lebt,  ohne  Mittelspersonen  und  Zeugen   in  Anspruch  ge- 


—     7()     — 

:S.3.V   J&Ie  .w.cre^^2  wA^ap  I'^sel  ^^^ae  .Ipirjao   iJL^ 
2;sa^p  a^^ixap^  >^   »  2  :  ^.9*  w.«^io2^   ^l  2^sO  yi>  n  oxo 
2aaL\  oor  J3b«3  m^    :  Iax^ojes   ^nnw)  2;sxi2p  crusiLo 
;  lit««Xao   2^.f30>Y>\e   2;s3^kj:  2^0L^^.0LX  ^07    :  2^^vi2   ^aC^ 
y  V   o2   •  'Ti  V  r ;^  l^p  e2  o;.^3  2a,.a, ^  jap  a^.  ^dl^  v^  ^^    ^ 
.^  Y'*^  a^o   .2^a3^ax  ^a^-^^-o  n^  ^p^   iS?  Ui«i2  2ab3A. 
^P9    1^3   U»M^^  :2^^i2  Ju2e   2^x^p  ,^a^^  Ui^ojo 
.X*a    l'^*^  ^\   .2^a^^aj:  '^p  w.ot  :  2;sio2  ^.o;^  IsuslA.    oo7 
■V  Y^  ^  o./>  '»^  %     .xauBp    2x\^e    .  •■-i.T.<..xaa  2^>^b^Lx   iJSo 
;^  .2^^Ji2p   .^cr  2p<r   .2poT  2^a3|^  ^^'■^^  "^^  t?  2;s^i2  10 
V  \  >^  jse^o   .2\n.V,  ^2  opt.^L.tp  cr^oa^  \x   lJl^&d^^^ 
3w^k<.X»  3^^   :  2JS..Oft.'aa.\   2^^i2  ^.073  2.3^^2  ^ao   ^  2\.-t.\  p 
^3  2£^^^2  .AJu.Nao  a^^?  >\.\,.'r)   .0^^.39  ^3u.ioe   1^  .cA 
*v^oa2  Ui3  .ause  ^pA^is^p   ilia    ■2>-i'>.\   lAiu  p^  2^3Ul 
:A2   .2*3^  Juo  23. 3.  \,  W.OX  2o'»^2  >A^30   ^^2e    .2>.n.vp   15 
.Z.»A^p  2^oj(a>\.'n  cAa^uaa^  Uoi^2  Ixsaaaa  p-a.^  Z^ 

§6.  ^>  r  ^ff  :  li^ifSl  aj^  >^p  2x3^0  .2oo7^p  pM^  ocp  ^07 
2^oa^  1-A\aoop  3io  ^2  .oijsa^  ^p^o  ^oio  2^^J2 
^^ptp  2^3Lb.p  Zic^  t^fUkO  .2;s^i2  ..^ilo  2aaL\,  oc  l3^ 
2p'3u..  73-X  >^oa2  I^'^osp  :  2^^^  ^pjo  ^.AnriYto  :  2pi«A  20 
2;\oajOk3.^a  .^  ec;^a^  o...t...S'o\  ^p*  :  2doj.<^  2^0^^01x3 
f>«V.ftixv^\    ^0^2   ^03^.0^0    .pouAs   vo^sou^s   JS2  ^xp 

§7.  2^^i2  e2  2>  t  \,  la^  lA  ^p  ^2  .1jjs3<x5  lA?  2p3 — ^ 
L^'Lspc^o  Lic^U3k^  1^«UM^>»  lA  e2  :2p3^»3  v^o  *V  n.i^^p 
23aL\  ^  »^2  ^3u>o7  :  2p3u«i^  ^?9?  ^eopOj\  ^^sao  2^3u^3  25 
o)!^  ^^Oh-  ^oaiop  2^io2  ;ao2X  ^,2  :  ZxJb  o^^acMp  Is^  1^ 
^«^3^  ^  23^p  Ulu2  .lus  .oA  U2  duoap  3^2p  avt^^ 
^ )J3»o  :  230i.»  ^  ovS  An^  o2  .%  r.x.-t  g;.nca^  o2p  .>n,'>>i 
:  ;X^  \^  yeoi'-Ti^  2'k-i\  ^a^ivAp  23^2  ocp  23uA,  6^2p 
.U*a-do  ;.JC>v\i  .•voo^  ^P?  ^;A«2  ^au?  p3J»  ^ouSA  30 
6^3   ■2'au3L.\.\   Zir^    ^^P    -23^2  oc^a  Ip.-,.^  :s^2  ^   ^2e 


d.i.  ^3u^.         -  x.a^p?        '  I.  Zao. 


—      I  I       — 

nommen  zu  haben,  unci  dann  erklart:  Der  Mann  ist  mein  Gemahl;  wenn 
in  gleicher  Weise  der  Mann  erklart:  Sie  ist  meine  Frau« ;  wenn  dann  die 
Leiter  der  Kirclie  und  die  Verwandten  der  Frau  nacii  Untersucliung 
der  Angelegenheit  finden,  daB  der  Mann  fiir  das  Weib  angeniessen  ist, 
5  dann  wird  diese  Verbindung  als  eine  giiltige  und  reclitmafiige  Elie  an- 
gesehen. 

b)  Ausgenommen  ist  der  Fall,  daB  sie  sich  eingelassen  hat  mit 
einem  Manne,  der  ihr  Sklave  oder  ein  fromder  Sklave  ist,  oder  ein  anderer 
Mann,  den  sie  nicht  heiraten  darf.    Wenn  diese  Sache  zur  Kcnntnis  der 

10  Kirche  und  der  Verwandten  der  Frau  kommt,  und  man  findet,  daB  der 
Mann  fiir  die  Frau  nicht  angemessen  ist,  dann  wird  eine  soiche  Ver- 
bindung als  unrein  und  als  nicht  rechtskraftig  angesehen. 

c)  Der  Grund,  waruni  in  dieser  Angelegenheit  das  Gesetz  fiir  das 
Weib  verschieden  ist  von  demjenigen  fiir  den  Mann,  ist  folgender:  Das 

15  Weib  wird  nicht,  wie  der  Mann,  mit  der  Verfiigung  iiber  ihre  eigenen  An- 
gelegenheiten  betraut.  Was  ferner  den  Mann  betrifft,  so  wird,  wenn  ihm 
von  seiner  rechtmaBigen  Frau,  welcher  Art  sie  auch  sei,  ein  Kind  geboren 
wird,  sein  Same  nicht  verdorben  (d.  h.  nicht  in  der  sozialen  Steliung  herab- 
gesetzt),    denn    ein    solches   Kind   wird   geachtet  wie  sein   (eines  freien 

20  Mannes)  Kind.  Dagegen  wenn  die  freie  Frau  sich  mit  einem  Sklaven 
vcrbindet,  so  sind  die  Kinder,  die  von  ihr  geboren  werden,  Sklaven- 
kinder  {s.  An/n.).  Und  wenn  auch  in  der  Gottesfurcht  Sklaven  und 
Freie  einander  gleich  sind,  so  befiehlt  das  gottiiche  Gesetz  doch  nicht, 
die  Ordnung  dieser  Welt,  welche  das  Gesetz  ins  Leben  gerufen  hat,  zu 

25  verwirren. 


§6- 
Wenn  ein  unverheirateter  Mann  einejungfrau  betort  und  ihr  bei- 
wohnt;  wenn  nun  nach  dem  Bekanntwerden  der  Sache  der  Mann  und 
die  Angehorigen  des  Weibes  eiiiverstanden  sind  und  die  Priester  finden, 
daB  sie  fiir  einander  passen,  und  wenn  die  beiden  vor  der  Kirche  sich 
damit  einverstanden  crklaren,  daB  sie  in  rechtmaBiger  Ehe  mit  einander 
verbunden  seien,  dann  sollen  die  Priester  sie  bioB  wegen  ihrer  Charakter- 
schwache  tadein  und  sollen  ihnen  befehlen,  von  nun  an  unzertrennlich 
an  einander  festzuhalten. 


35  §7. 

Wenn  dagegen  der  Mann  oder  das  Weib  die  Ehe  ablehnt,  otier 
wenn  die  Priester,  die  Leiter  der  Kirche  und  die  Verwandten  der  beiden 
nicht  der  Ansicht  sind,  daB  sie  fiir  einander  passen,  dann  muB  in  folgender 
Weise  verfahren  werden.    Wenn  der  Mann  tl as  Weib  nicht  heiraten 

w  will,  und  wenn  sie  schwort,  daB  sie  sich  ihm  ergab,  da  er  ihr  ver- 
sprochen  habe,  sie  zu  heiraten,  dann  ist  er  gezwungen,  eines  von  zwei 
Dingen  zu  tun,  entweder  sie  zu  heiraten  oder  ihr  eine  'wpe«  zu  geben, 
und  zwar  die  Halfte  des  ortsiiblichen  Betrages,  wie  sie  Leute  von  ahnlichem 
Geschlecht  und  Vermogen  zu  geben  pflegen.    Und  wenn  es  in  der  be- 

43  treffenden  Gegend  Sitte'  ist,  daB  die  Weiber  (bei  der  Heirat)  den  Mannerii 
etwas  geben,  dann  muB  sie  gleicherweise  dem  Manne  die  Halfte  der 
ortsiiblichen  Darbringung  geben.  Beide,  Mann  wie  Frau,  sollen  nach 
ihren  Vcrmogensverhaltnissen   geben.     In   beiden  Fallen   sollen    sie  die 


—     78     — 

x\t^  JNoAN  :  23w^  .  eo;^  ;!o.23  Tsyie  ocrp  l\^     .I^oss^s 
^oXaL^Xaoa  w.6p  .  ^3b»2  ^.p  l\\^   .•  a^Xi  2^xi2o  i\n\  p 

v^oo;^«*  ^^2  .2'\t\\  Xxa,  ;\52  .ZsjA  2'>ai.   >  oA^ap  2x.^ 
*^^oA;s^    23^.2  ouj^p    :  2o;A23   or^sx^A   ^^^^u»p    I.aabae 

§8.  Z^  zli<iisAl  Zxil  e2  2^^i2  ^p  ^2  .233^..  ^  ^^eLsaL^^luo 
U.C7  ;.^Ax^  lA^2o  .2aun.A,  ooiS  2'^''Tu2  ^C7  2eo7<Np  .-^o^ 
;sxd  2;^oajcx3k»o  Li^^^e  2L0Z:]  ^i3.»23  l.\  >  .2  :  2'xi'lu2 
.^eo7d>>a^:»j03  Ijcako  :ajc>de  ^o\3utU  J3p4?  la^j  -^^^^ 
^*ou*ao3  lA^2  .<.i.>ai^2  ^3i^3  .>ns'ia\  ^339  Xxn  ^3  Zx>.l33 

§  Q.    j}Sp    lA^yJOXa     2vn.\3    Z»0     .1  \\>,Ot93     2^e33L»    JSjk. 

2^^.v..\..oa>a  2;s^j1^  ^  3olmUo  ;,*\. 'v',>3  2;sa.b>»,t3L'>  o2^ 
^Jm.^2  Z^  : )  x.v.t  ov^x^Zas  Zs^  zA  ^3  ^s^so  :  Z.a.t-n 
Zjoaaaia  ^bi  ItsisA:^  30u>Zi3  :  Z107  5^23  2a.-nL\^  2S.\..tt:3 
u.6v^  oucxa  1  .ii.\,fr>3a  Z-oattJ3  oi^p  w^ov^  ■2^ftv<\.r>%'%3 
\  ^^  *;^  :  ^>..CLa  Z^  Z.^.  V  »  «^ol10t  ^2o  x«\  lai  .2:^^j,2 
^^^2  ^  3u\  z\32e  -Zs^p  u.^^2  \a  .07^da2  joojajtip 
Hi.  II.  \^  -^3^3  2x3  .K^oo^aauii  0Laa..n2  ^.<^xa  o^p  w.op  -noo;^ 
.^^v^  •S3oVaJS2o  .2fso3>.<.'v  ao3  u.ol.&£\  ^e?r3  3^03  ^.^^2 

§  1.  ^eao7  ■2*33^.3  2^.a^^as^  oaxd:s^  f*^^  ^^  ^^«X^^^ 
2dvOuA,^ba3  l\Ja%^  ^  aaa^o  •233^..  3^  u.oa^  eSwSL^p  xA^ 
oo;i2  :  2^\x  w^cT3  Ip^la  Ip'i^  y^xa  w.3  ^s^ji  :  Zioiap 
23kw.L3  ,->.jo...^^»^  o2  .U^^3  ZiOT  2eo;A  ^^o^^^?  ^ 
^a^  >eMj  >,  .  \..d  ^p  ^oo;^  ,^^2  Z^  :  v>^  ^aip 
y«ju«'^i  Z^2  :  U30JC  ^  Zj>^^  v^oo;^  ^<i^?  Vso  :  2^a^^oa 
Z^  ^p  ^Z^  .Z^^iop  Zafta  2^cj.ja>3>.aoo  :vi^  2^Z3o  ^^ecr^oA 
Jao  ^oasAip    .  ^^eo^  ^  «:^?^^    :  2^3o'li  o\^.tt^a^  m>3^ 

§  2.   Za^  Z^  pa^As  »^oo;j^  >«.  ^p  ^^2  .2^a^^ax  "TspJO   .2p'i«. 
«yO^Za  e23  s^oo^  ^j>^^2  Zd.^»p   Z.aaua   .  ^djosoud   .\i>.3  30 
Z^9   oorp    Zjm.Z^    2p3k.M^    NOuOu-k-Su^iva p    e2   Z\Cu5>»ftT\ 


25 


Liicke?     Fehlt   2^3^^  w.or   A^^?  -  1.  ^2. 


—     79     — 

Halfte  geben,  weil  sie  sich  von  einander  trennen.  Und  dann  haben  sie 
uber  das,  was  sie  einander  gegeben,  weiter  keine  Verfugimg  (s.  Anm.). 
Dagegen  in  einem  Lande,  wo  es  nicht  Sitte  ist,  dai3  die  Weiber  den 
Mannern,  noch  die  Manner  den  Weibern  etwas  geben,  dann  sollen  sie 
3  (einander)  geben  nach  ihren  Verhiiitnissen  und  geniaB  der  Entscheidung  der 
Kirche  der  betreffenden  Gegend,  und  darauf  sich  von  einander  trennen. 

§8- 

Wenn     dagegen     das    Weib    oder    Hire    Verwandten    nicht 

wollen,  daB  sie  den  Mann  heirate,  und  wenn  sie  nicht  den  oben 

10  angegebenen  Schwur  leistet  (daB  sie  sich  gegen  das  Eheversprechen  ihm 

ergeben  habe),  dann  sollen  sie  durch  BuBe,  zeitweiligen  AusschluB  vom 

GenuB  der  Sakramente  und  durch  offentliche  Riige  vor  der  Kirche  ge- 

buhrend    fur    ihre  Sunde    bestraft    werden.     Wie    dies  geschehen   soil, 

werden  wir  spater  sagen,  wo  wir  von  der  Bestrafung  der  Sunder  handeln 

15   (5.  ///.  Kap.  S.  81). 

§9. 

Wenn  ein  Christ  ohne  Vermittlung  von  Priestern  und  christlichen 
Laien  einen  schriftlichen  Verlobungspakt  macht,  oder  durch  Vermittlung 
von  Heiden  (einen  solchen  macht)  und  dann  das  christliche  Weib  heiratet, 

20  sie  spater  aber  nicht  behalten  will,  so  zwingen  wir  einen  solchen  Mann 
nicht,  die  Frau  nach  den  Bestimmungen  des  christlichen  Gesetzes  zu 
behalten,  weil  er  sie  nicht  nach  christlichem  Gesetz  geheiratet  hat.  Die 
Heiden  iibrigens  bestimmen  ihrerseits  auch  nicht,  daB  ein  Mann  seine 
Frau  entlassen  konne,  wann  es  ihm  paBt,  und  wir  Christen  haben  keine 

25  Veranlassung,  solchen  Eheleuten  einen  Zwang  aufzuerlegen,  da  sie  nicht 
vor  uns  ihren  Pakt  geschlossen  haben. 


II.  Kapitel. 

Von  solchen  Personen,  die  nach  AbschluB  des  Veriobungs- 
paktes  und  nach  Uberweisung  des  Ringes  sich  trennen  und 
30  den  Ehebund  nicht  eingehen  wollen. 

§  1  (s.  Anm.). 

Diejenigen  (Mann  und  Weib),  welche  durch  Vermittlung  der  Priester 
den  (Verlobungs-)  Pakt  mit  einander  gemacht  und  den  Ring  gegeben 
haben,  dann  aber  aus  irgendeinem  Grunde  einander  nicht  leiden  mogen; 

35  wenn  sie  beide  der  gleichen  Gesinnung  sind  (d.  h.  die  gleiche  Abneigung 
hegen)  oder  aus  irgendeinem  Grunde  sich  (wegen  der  Aufhebung  der 
Verlobung)  miteinander  verstandigen,  zwingen  wir  nicht,  daB  sie  unterallen 
Umstanden  die  Ehe  konsuminieren,  wenn  sie  es  von  vornherein  {s.  Anm.) 
nicht  wollen,  sondern  wir  stellen  sie  zur  Rede  und  tadein  sie  nach  Kraften. 

«  Wenn  sie  aber  dann  doch  nicht  die  Rectificatio  (s.  1,  XIII)  annehmen  wollen, 
gestatten  wir  ihnen  sich  zu  trennen,  bevor  sie  die  Ehe  konsummieren. 

§  2  (s.  Anm.). 

Wenn  aber  nur  die  eine  Parte!  (der  Brautigam  oder  die  Braut)  die 
Ehe  einzugehen  verweigert,  dann   notigen  wir  sie  nach  Kraften  entweder 
*3  die  Ehe  zu  konsummieren  oder  sich  mit  einander  zu  verstandigen,  so  gut 
sie  konnen. 


—     80     — 


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III.  IV.  d%\..^j3p  li\^j^  ^*^?  2;s^.,i2  .^uX  .1.^>J323  Ijca  .2i^^j.^ 
.u,oT  ~2d<a^e^J  oAp  ^  ^2  '^\«^^jC32o   .^xo^e'visp   Z'aa.T.a 

§  1.  33Xx^  Ipai  Itsa^AXaa  :^^ul\  2^^i2  u.o?  Um^^^^^  ^^  v^ 
eo^2  ajMo  >^3isisie  >a  2;sa.jC33A»e  2;s;so;3l3  .cio^l  ^^"3,^  13 

§2.  ^3  ..^2  .oT^.Vy.'V)  g;\  ^n\  2ecT3  Uauoo^  o;\^  .0;^  ;s^2p 
Japo  zajJ^s^  lyselisJso  Qi\ia  ^  paM^^e  .2;so:3e  zAX.  L^ 
v^ojxlLui  :  A.>J^'^p  L-e^  1^  L3'^:i.Au3  ^^^auTliAp  Zx'peas 
.2o;^2p  o?;s&.X^  -V^?  :33P^  ov-<>G^32e  2fiv><>Al^e  2>.n.\,\ 
}juio  ♦^o>A^ie2e  Zx<.ak^  1^.3 p^u  'ap.Ja  2x\lo.p  .^ooa^aso  20 
mOT  k.ap2  ^  :s^Z.iZ^  ^2  .007  2S.3  \  ^  v^a^Z-X-A  .Isu^^p 
.2poT  ^2p  2;^A.x  cTsXs  ^i\  o%i.sap  \\..^  I^o  .2;soa^ 
.^oov^  j>xa>,aae  .2ov^2p  z\:ioa  2;s\yO.\  L&o^  .^ec;^^^  3*\o 

§3.  ^p  ^2   .OufiU^2p   2:s,txA^   *^ootS  ^o;.!!^^    L^   p^^    2p'pM.   ^ 
u.oTe^^2  Z.awJtCkja  X^p  oAp  w.6^  :  I.»Zap  23>.a.X^  La^   lA  2s 
»^oa2  ♦x^o>tia>.Ao   .2;s^iZ^   Ia«3  o^a  ^olSOOli  .Ua^xoucsa  op 
III.  V.  ^«^\.>.p  ^ibi  \x  :  It'aa^.p  Ixa  .jcsol^  l^p  2p'xJS  AaaaN 

§  1.  2k*a>ao  Z^  p^a  xA.  ^  *\2  .^o^aox  ^^o^^pe  ^oo;\«p  i^Sp  Ziu 
2;s;sj2  waOT  Z^a^e  67-^  ,  ,A  \....  2a  n  \  \  >\...^p,^  2^^^2 
•  ZxJla  a^ssjsxip   2%t\^   o;^  .yAac   .oj^  ao)L>.;s;sp  6;^crp2e  30 

I.  2:^^oN^. 


—     81      — 
111.  Kapitel. 

Von  solchen  Personen,  die  sich  nach  vollzogener  Ehe  wieder 
trennen. 

Wir  bedienen  uns  gegen  sie  eine  lange  Zeit  hindurch  aller  Mittel 
der  Zurechtweisung,  d.  h.  gegen  diejenige  Person,  welche  die  Ursache 
des  Obels  ist,  (wir  tun  das)  so  lange,  ais  die  unschuldige  Partei  es  er- 
tragen  will  ohne  Ehegenossen  zu  leben. 

Wenn  aber  Mann  oder  Frau,  d.  h.  die  unschuldige  Partei  (von 
der  anderen  Partei)  gezwungen  wird  wider  Willen  (ohne  Ehegenossen 
zu  leben)  und  nun  die  Erlaubnis  fiir  das  Eingehen  einer  neuen  Ehe 
verlangt,  so  erschopfen  wir  zunachst  alle  Arten  der  Verniittlung.  Wenn 
wir  sie  aber  nicht  wieder  zur  Pflicht  und  Gottesfurcht  zuriickbringen 
konnen,  geben  wir  der  unschuldigen  Partei  die  Erlaubnis  eine  neue  Ehe 
einzugehen.  Den  Schuldigen  aber  verfluchen  wir  und  schlieBen  ihn  aus 
von  der  christlichen  Gemeinschaft,  indem  wir  keiner  christlichen  Person 
gestatten,  itiit  der  betreffenden  Person  eine  rechtmafiige  Ehe  einzugehen. 


IV.  Kapitel. 

Von  dem  Weibe,  die  alsjungfrau  das  Hans  ihres  Oemahls 
betreten   hat   und  dann  von  ihm  verachtet  worden  ist,   als 
20  ware  sie  nicht  Jungfrau. 

§1- 
Wenn  evident  erkainit  wird,  dalj  das  Weib  gesiindigt  hat,  wird  sie 
mit  Schimpf   und   Schande   in   das   Haus  ihres  Vaters   zuriickgeschickt, 
indem  von  ihr  ein  Ersatz  des  Verlustes,  den  ihr  Gemahl  durch  sie  gehabt 
25   hat,  falls  sie  etwas  besitzt,  gefordert  wird. 

§2. 
Wenn  aber  die  Sache  nicht  evident  ist,  ihr  Mann  nur  den  Vorwurf 
gegen  sie  erhebt,  ohne  daB  die  Sache  aus  den  in  der  Bibel  (Deut.  22,  13ff.) 
angegebenen  Indizien  erwiesen  werden  kann,  danu  bringt  man  den  Mann, 

30  die  Frau  und  ihre  Eltern  vor  die  Richter  in  die  Kirche,  und  unter  schreck- 
lichen  Eiden  befragt  man  den  Mann  vor  dem  heiligen  Altar,  dem  Evan- 
gelium  und  dem  Kreuze,  ob  er  seine  Aussage  der  NVahrheit  gemaB  mache 
und  nicht  aus  HaB  sie  in  solcher  Weise  falschlich  beschuldige.  Und  der 
Priester  verkiindet  uber  sie  (beide)  eineu  Fluch  mit  den  Worten  Gottes 

35  und  trennt  sie  voneinander,  indem  die  Kosten,  die  sie  gehabt  haben, 
nicht  zuriickgegeben  werden. 

§3. 
Wenn  aber  der  Mann  nicht  schworen  will,  weil  er  in  der  Sache 
doch  nicht  ohne  Zweifel  ist,  dann  legt  man  in  gleicher  Weise  der  Frau 
40   den  Schwur  auf,  und  darauf  befiehlt  man  ihnen,  in  ungeloster  Ehe  bei 
einander  zu  verbleiben. 


V.  Kapitel. 

Von  denen,  die  fremde  Weiber  rauben  und  bei  ihnen  h'egen. 

§1- 
45  Wenn   das  Weib,  das  man  raubt,  noch   nicht  mit  einem  Manne 

verlobt  war,  und  (dann)  das  Weib  und  ihre  Eltern  wiinschen,  daB  sie  ihm 
gegeben  werde,  kann  derselbe  Mann  sie  heiraten  (s.  Anm). 

Sachau,  Syrische  Rechtsbucher  HI.  6 


III.    VI 


—     82     — 
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.Ipai  26vOu«3l»  a>,3L^  2>S^i23  ou>*3^3  1^3?  A.au.iN^  jib  ^2o 
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§  3.  .2£vOu.3^  2po7  «SJtto^.x2  2js;^23  U^s^sp  ^au.ios  ^p  s^2o  s 
^3  ^2e  .2oc;iN  aj!^?  .g;*3LtoA3  o7a>^kM3  23^  ;j^  ^  »^2 
2301^  ^2  .d^a*.?  OCT  2\t\\  2ooTJS  ^la^N  z!^  .^La^  Z^ 
ooTo  .23C7  2;so,'na\\,\  .jsA-xo  Zm3o2  2earis  1^3    .l^aL^l 

>\^   :^3  %xh  .\^  ^  ^lLa3  ^2  :  w.cr  2^^i:^  3  0V*3   lo 
6;^  i^;se^wXA3  «.>a>.y.^  Z^o  o^^^jb   2^  .,t.\  ^A«23  2^i\j;2 

§  1  2^^.i2  Za^^3  L.\  ^20  *^2  . C>.*.a  l^eajsop  2^\^  >\\,.t» 
t.Sft.'v  .g^X^o  71-^  2oc7^3  6v^  i\,At  .Z-d''njL3  ..c>a3u>;\3 
2^ouJe>23    2aauQ»  >^\,»3  2^0kUjc>^x..>Ua   ZJCx\^^^o   •  1^^3 

§  2.  ^   ^aX*  disAv   Z^3  aj.^  .y,  At  2.^^^  2^  ^p  >^2  .g^.^b..33   is 
2JSOuJQ}23  23auc»  \^  :  2aw.<>  2^j.x  2:so\»32  3jl,jq>:^o   .2^jj: 
6v^^^  ^  2jcok.3Ae  Z«i.-o>3e^  o^  jcr^;)Oo  xa  .cjJ^^^p 

§3.  3ua  ecn  Zj»3»j  zaj^sa  Jsl^  ^  >^2o  .07^,^013  Xaii^p  laoa 
^b9  6;^  aap,>»2.p  /axie  \^  ^aiois^l  ojj^p   .auis^l  cX.-i.a 

§  4.  ^3  .v^2o   .oToa2  ;Sda  ^  '^'•^^  ^^?  y'?^  ^^  ^^*-^  .g;^va  20 
;s^o  .•Sd.;s^2  w.or3  ;s3^  i\a  u.07o«^*2  6^op23  .2:sdM  2£^Ni2 
2^ax>3ud3  3mA,  2^A^   -oAw-P  :a>.aa.3  ;  \  \\<\  t  ct,\,\-i  N 
^  Z2^2  .U07  2^a»  2eo7  2^^i2  ^as  0^3  A\.b9  Aioi  Zjso&aap 

.23^3^3  z»a»  Ayvi  :  2^^.l2  ;BA\^^3  ^34  i^e  .23l3\ 

23ai\  ytOOcM  Z^  'or^a^e^A33  2^i^2  Ax  :  Z^>^j:3  Ixh  23 
^3ioo  .Zi3w»2  2a.a.V^  looiiso  evii^  Jix^^d^o  6?*3Loa3 
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^  t^92^o  o7ds:M2  23aA,  JjaoLXA  »^23  .Z^oA2  l3*^^30  3um2 
2o7  .J3o£v  o7;sa^  U3^^  v,2  .U^mI  23oA^  2ec7r;se  07^0^ 
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'   I.  07^oAo^J3 


§5. 


III.   VII 


30 


—     83     — 

§2. 
Wenn  sie  aber  zur  Zeit,  als  sie  geraubt  wurde,  bereits  mit  einem 
anderen  Manne  verlobt  war,  wind  in  folgender  Weise  mit  ihm  verfahren: 
Die  heilige  Synode  (s.  Anm.)  befiehlt,  daB  er  (der  Rauber)  sich  nicht  seiner 
5  listigen  Tat  erfreuen  soil.  Wenn  erkannt  wird,  dafi  er  dicse  Freveltat 
wider  den  Wiilen  des  Madchens  begangen  hat,  dann  soli  sie  ihrem  Ver- 
lobten  zur  Ehe  ubergeben  werden,  nicht  ihrem  Rauber. 

§3. 
Wenn  dagegen  erkannt  wird,  daB  die  Freveltat  mit  Einverstandnis 

10  des  Madchens  ausgefiihrt  worden  ist,  so  kann  ihr  Brautigam  sie  nehmen, 
falls  er  sie  (noch)  haben  will.  Wenn  er  sie  aber  nicht  mehr  will,  dann 
kann  sie  nicht  von  ihrem  Verfuhrer,  wohl  aber  von  irgendeinem  anderen 
Manne  geehelicht  werden,  damit  ihr  Beispiel  nicht  als  Anleitung,  AnlaB 
und  Vorwand   fiir  einen   solchen  Frevel   benutzt  werde,   und  auBerdem 

15  empfangi  der  Entfuhrer  eine,  seiner  Missetat  entsprechende  Strafe  und 
muB  der  Geschadigten  eine  BuBe  zahlen,  wie  wir  oben  geschrieben 
haben  (vgl.  Ill,  I  §§  7.  S  und  Anm.). 

VI.  Kapitel. 

Von  der  Frau,  die  in  das  Haus  ihres  Gemahls  gezogen  ist, 
20  ohne  daB  er  infolge  von  Fehlem  seiner  Leibeskonstitution 

mit  ihr  Umgang  pflegen  kann. 

§  1.  Wenn  die  Frau  schweigend  ihr  Schicksal  tragen  will,  kann 
sie  bei  ihrem  Manne  bleiben,  solange  sie  will,  und  wird  gelobt  ob  ihrer 
Standhaftigkeit,  mit  der  sie  auf  eine  Heilung  ihres  Gemahls  hofft. 

23  §  2.     Wenn   sie  das  aber  nicht  will,   so  braucht  sie  nicht  langer 

als  ein  Jahr  bei  ihm  zu  bleiben ;  sie  soil  ein  Jahr  in  Witwenschaf t  in  der 
Hoffnung  auf  die  Heilung  ihres  Gemahls  verharren,  indem  sie,  solange  sie 
in  seineni  Hause  wohnt,   Unterhalt  und  Kleidung  von   ihm   bekommt. 

§  3.    Wenn   ihr  Gemahl   in   solcher  Zeit  stirbt,    wahrend  sie  in 

30  seinem  Hause  wohnt,  so  gehort  ihr  alles,  was  ihr  Gemahl  ihr  gegeben 

hat,  sowie  alles  dasjenige,  was  sie  aus  ihrem  Vaterhause  mitgebracht  hat. 

§  4.  Wenn  dagegen  die  Frau  stirbt  (wahrend  sie  im  Hause  ihres 
Gemahls  wohnt),  so  gehort  ihren  Eltern  alles,  was  sie  mitgebracht  hat, 
und  ihr  Gemahl  hat  fiber  ihr  Eigentum  keinerlei  Verfugung  (s.  Anm^. 

35  §  5.    Die  Ursache  der  Verschiedenheit  dieses  Gesetzes  (betreffend 

die  Ehe  eines  Mannes,  der  die  Ehe  nicht  konsummieren  kann,  im  Gcgen- 
satz  zu  der  Ehe  eines  Mannes,  der  die  Ehe  konsummiert  hat)  ist  die,  daB 
der  Fehler  nicht  ein  Fehler  der  Frau,  sondern  ein  Fehler  des  Mannes  ist, 
und  daB  es  sich  nicht  gebiihrt  die  Frau  wegen  eines  Fehlers  des  Mannes 

40  zu  beeintrachtigen. 

VII.  Kapitel. 

Von  der  Frau,  welcher  ihr  Gemahl  nicht  die  Jungfernschaft 

zu   nehmen   vermag,  die  sich   daher  von  ihm   trennt  und 

einen  anderen  Mann  heiratet,  die  aber  dann,  nachdem  ihr 

45  zweiter  Mann  gestorben,  von  ihrem  ersten  Mann  zum  Weibe 

begehrt  wird. 

Es  heiBt  in  der  Bibel:     Wenn  ein  Mann  sein  Weib  verlaBt,  sie  von 

ihm  fortgeht  und  einen  anderen  Mann  heiratet;  wenn  er  (der  erste)  sich 

dann  zu  ihr  zuruckwendet,  wird  jene  Erde  verunreinigt    (vgl.  Deut.  24, 

50   1 — 4).     Hier  aber  liegt  der  Fall  anders,  denn   das  Weib  ist  wahrend 


—     84     — 

.1^  ^3  »^2e  :  OCT  Ixa^a  cr^^.l2  jvoo"  l^p  Ay.Y*  .Ucr  ^1? 
Ixan  .Ixy^l  2a.a\^  2ocTi^o  :oM13^a?  c7^  ^oo*  \  ^*  1^ 
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III.  VIII.    '2^^i2  o2  23>.3l\  t\^  :•  Za1^;\p    Ijcs   .^ot   U.32  iaLi\.ioo     s 

Xi^l   OCT    3^>2>J.p    O;^    J3P9    UiJt.    liOJi?    .»^oop^    py..    lll^sJUop 

i^i  3w.;s«p  ^  laaa  \a  .o^e<  sap  2%3Xa  \\.:io  ^^^J:2p 
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po«.!l3  ^^^.^^^.x  ^.^fi^^  Xis^  :  ^^  ^  ^p  *\2  .o;^^«oa  ^oAp 
III.  IX.  o^A^o  J^«2p  2^;si2  \x  V  ;.^>s;s3  zss  .^oouti^p  :2x«.^Xl  lo 
e3.■^>.ao^:»  ^  ^2  .aiti^^p  oA  Js?i  l-aouap  ].A3b^2  23m!S 
dA«Np  1jo9  .o;.^.^.3P  2;\a3>S0uXi^  ■N-V*^  ^^  :  ^>&  3>.»^>2 
o]^  do^e  2^a3^oiX^  •^V^  t^?  N^  .3'li:&>>p  ;au.N^j  wjjc 
3A..jo;s3  o'A  >op4  H»u:  kXsa  .dA»^>3  v^  UJSs'zoi^o  Iso^se  Jo 
^.beau^  k^2  .oi.\.a..3  ^  I^ofuse  oA  ^^2  t-i.p  *^lo  .3''xia;^e  ij 
d^^'luo  .2^%^  2>k2^  ^p^oTo  ■aa.>jC3;sp  jjp^  h>>u:  a.joxS 

;^^3u.fis23  ;^e   .mc;o^^23  ;L3i.«2  oA^'J^  2^a^3  u'aaak^  ^^ 

•      •  •       \  • 

.  ^^3u.cr  aTlia  2^3e^.^   Zjoso.^  X^p    :  2^pu^p   X^''v.n>.t>.\ 

.o^^^.'jA  jjg.-a.T^p   Z.«.y3uS^   Z^;sp.^  Liw.po   Z^>  no  *V  i 

III.  -x.  2;sa^XaJcp    Is'yx  \x    .23uc>^p   ZX3    .1i3m2  23.-a\^  2oo7^o  20 

§1.  23a:>b»p  i-aa-Jap  ^   Iao^V^  :  U^^jokap  >Jscpo2po    23iiL^p 

2»0kiijo^5a3    ^p  pcu«\3   .2*3^  ^..oap  ^  jl..x5   A   -^cp 

Ape   .^07  ^2p  ;^e^  ^poojAp  UopA  ^pf   .^^pcj^'saap 

iJL^  ^eoo^^p   Z^oiLA  ,  .\^.\t  A   .s^eoU'3u»p  2^.0L]JCxAao 

2^).mA  ,.,.  y.\.y   2fi^c^.»2e  2'>.n.V  v^^T^   lA.^2o   .^^073  2s 

)9L^  »^2o  JS.^  23Zm  ^j^  :aLX  ^2o    .  2^.oC3a.aa.A  2^o^;sajA 

§  2.  u.^.»2e  .veo:u'^»p  2^oax>A;30  ^ap  p^Ao  .2^o;»2e  2'inx  wja 

^oou'^M  ^\..\x  A  .o3ivo^Jc2  ^ocu'^-^p  2^>ftAO*l^ia3p  .^ 

^eoUi.ao  pu«  rr^P9-&   N^  lA^2o  •2p'iM  ^    ^ea2  ^askSap 

<  I.  2^^a2e  st.  2^^^a2  e2. 


—     85     ~ 

dieser  Zeit  (ihrer  ersten  Ehe)  tatsachlich  nicht  seine  Gemahlin  geworden. 
Ware  sie  das  geworden,  hatte  er  sie  nicht  fahren  lassen  und  sie  nicht 
einen  anderen  Mann  heiraten  konnen.  Nun  aber,  da  sie  nicht  die  Ge- 
mahlin ihres  (ersten)  Mannes  geworden  ist,  darf  er  sie  gehen  lassen. 
Wenn  dann  ihr  wirklicher  Gemahi  (der  zweite)  stirbt,  dann  darf  er  (der 
zuerst  mit  ihr  verheiratete)  sie  heiraten,  wenn  er  will,  und  dadurch  wird 
jene  Erde  (das  arvum  natale)  nicht  verunreinigt. 


Vlll.  Kapitel. 

Von  Mann   und  Frau,  von   denen  die  eine  Person  in  Qe- 

10  fangenschaft  gerat,   wie  viele  Jahre  die  zurfickgebliebene 

Person    in   der   Hoffnung   auf  die   Riickkehr   der   anderen 
warten  niul3. 

Je  langer  ein  Mann  oder  eine  Frau  unter  solchen  Umstanden  wartet, 

um   so   mehr  liefert  diese   Person  einen   Beweis  ihrer  Keuschheit  und 

15   ehelichen  Liebe.     Wenn   sie  aber  nicht  zu  warten  vermogen,  wird  von 

Gesetzes  wegen   bestimmt,  daB  sie  nicht  langer  als  drei  Jahre  auf  ein- 

ander  zu  warten  brauchen  (s.  Anm.). 


IX.  Kapitel. 

Von  der  Frau,  deren  Mann  in  die  Fremde  gereist  ist,  wie 
20  lange  sie  auf  ihn  warten  mu6. 

Wenn  das  Weib  mit  ihm  verlobt,  aber  noch  nicht  verheiratet  war, 
soil  sie  3  Jahre  warten. 

Wenn  sie  dagegen  mit  ihm  verheiratet  ist,  aber  nicht  Nahrung  und 
Unterhalt   von    ihm    bekommt,   soil   sie   7  Jahre  lang   geduldig   warten. 

25  Bekommt    sie  dagegen   den   Unterhalt   von   ihrem   Gemahi,   dann 

mu6  sie  sich  bis  zu  10  (5. /Iw/n.)  Jahren  gedulden.  Dann  wendet  sie  sich 
an  die  Kirche,  und  die  Leiter  der  Kirche  schreiben  nun  an  ihren  Ge- 
mahi, wo  er  sich  gerade  befindet.  Wenn  dann  die  Leiter  der  Kirche  ein- 
sehen,  daB  nun  keine  weitere  Moglichkeit  fiir  eine  Rectificatio  (d.  i.  erne 

30  Ermahnung  des  Abwesenden  zur  Riickkehr  zu  seiner  Frau,  5.  /,  XI/I) 
vorhanden"  ist,  dann  kann  sie  auf  Grund  einer  Erlaubnis  und  eines 
Richterspruchs  der  Kirche  sich  von  ihrem  Gemahi  scheiden  und  einen 
anderen  Mann  heiraten. 


X.  Kapitel. 

35  Von  der  Ehe  der  Sklaven  und  Sklavinnen  der  Christen. 

§1- 
Die  Ordnung  des  Verlobungspaktes  isf  fur  Sklaven  dieselbe  wie 
fur  Freie,  nur  mit  dem  Unterschied,  daB  die  Priester  die  Vermittler  (der 
Verlobung)  unter  solchen  Leuten  mit  Erlaubnis  der  Herren  sein  sollen, 
40  aber  ohne  Erlaubnis  ihrer  Herren  diirfen  sie  es  nicht.  Auch  diirfen  die 
Sklaven  und  Sklavinnen  nicht  eine  gesetzliche  Ehe  eingehen,  weder 
mit  Freien  noch  mit  Unfreien,  ohne  Erlaubnis  ihrer  Herren. 

§2. 
Wenn  sie  aber  mit  Erlaubnis  ihrer  Herren  sich  verheiratet  haben, 
45  dann  diirfen  ihre  Herren  sie  nicht  mehr  von  einander  trennen.   Und  wenn 
ein  Glied  dieses  Ehepaares  verkauft  wird,  darf  weder  der  Kaufer  noch 


—     8K       - 

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s^ooA  ^2p  ^Jm^Su.  aA    .^eo^'ioLbw  ^oA  2^oaZae  2Nouojc  to 

§4.     ^     2^VC3     ^\.»..p     y^Op     .^3^2     ^C7     .UMlXS    23l»    00"    ^^2 

»^ooA  OL3o;*is2p  Hs'^Xm.  Xxi.  ^ooA  js^2p  2aoLXaja«p  lt.aL.ouo 
oaSk^  .  ^eoA^?  2J^oaaL^  a\.*op  sl^ao  .UiopJO  ^oa^'^  JSi 
lisoJ^isax  ;sa^  v^^  e  A2e  2X.i^pki3  ^.o:  2;sol^;soj:  ^  v^ai2 
\\.»  oAo  .*~^oci-i.ie  2pL^A,^^  X.l^p«  oi^p  2pof  .1a'x.>2p  is 
2^oa^  ^  »^oa2  .^oA^^p  ja?i  :  x^As  ^eo;A^  ^.\,Atp 
^OiJcak^AsA  Ap  ^-tud;>  zlcjSl  ^S^??  lAoioao  2^ft^^^a.g?^ 
III.  XI.  :-  aucau^auwp  1X3  .  js.cnoifta  ^vo3;solX^  e«s.2  ^9  2pM.p  ^^^^ 
2«d..Uoe  t^aXae  .2^..t>a  2;so'V...a\n  2paMA  o*Vaip  .Ab.2  \^ 
.♦s^oo^'3kV.3kJ  ^p>ie  laoftao  e2  UcrSoa  o2  Isl^  ^oajise  SmS  20 
2;\ojm.32  o2   .IsS^  o2   z  i,JL^3  1m03  ^P   li073<xap   1a«a2 

§  1.  ZiJl^a  ^-tXa^aa  p^ap  ocj^i.  ^or  .^Acr  ^2p  l^o^p  lakso 
aA^edsJ:2p  a^'zisp  jjp*  lA  :  2p'iM^  <x  '\.  n  1  :  ^C7  ^2pp 
ol\X^  Ao  :  ooo"  ^*.oA.ao  A  ^p  «^2  .2pxM  ^  ♦.^ftt%^^^ 
^.«A>20tao  :  lieoie  o2  Iiotsoa  eoro  :>&0L5>.as  ispuO  ^as  2p'iM^  2s 
♦..o  \  *«>  \  t  e  voxauuouip  jopi  .cftSOuJOlaaA  1  "x  \  ,\->  ^ 
-.  *^eri><i.*a  2oo7p  Apoa  >\\,y>  .  ;L»3>x'3a  A^p  «y2o  .cr;^oujol3 
yayio  \.ax  ^ooja^  y^  \^  p^  ■^??-»  ^  >x>*\.ia\  ,  .\.  At 

§  2.  3lm3  29^X»  :  l?'i^  ^a^p  ♦v^oo7;sft^ai  ^^^  ^p  •^2  .ci\^p 
aouxaap  craouA  ^P9  .Uor  ^2p  Imam  e2  Uorsoa  ^oa^^x  30 
py>Aa  olXm  p^  .20A2  JSo^  ^p  2«SoujB>l^  laucxie  .JC»iau.io 

'  I.  I.oo;*^k2p. 


—     87     — 

der  Verkaufer  sie  zwingen,  ihre  Ehe  zii  trennen.  Hien'On  ist  nur  der 
Fall  aiisgenommen,  daB  ein  Eliegatte  (Mann  oder  Frau)  in  die  Fremde 
geht,  das  zuriickgebliebene  Eheglied  eine  langere  Zeit  auf  die  Riickkehr 
des  Abwesenden  wartet  und  dann  (nachdeni  die  Riickkehr  nicht  erfolgl  ist) 
5  von  seinem  Herrn  genotigt  wird,  eine  andere  Ehe  einzugehen. 

§3. 
Es  ist  klar,  daB  dies  Gesetz  fur  Christen  bestimmt  ist,  weil  es  dem 
Worte  des  seligen  Apostels  entspricht:  >Wir  richten  nur  die  drinnen, 
nicht  die  drauBen.  Die  drauBen  aber  richtet  Gott  (1.  Kor.  5,  12.  13). 
10  Es  ziemt  nicht  den  leiblichen  Herren,  weil  sie  zu  Herren  ihrer  Sklaven 
eingesetzt  sind,  sich  ihres  Herrentums  gegen  ihre  Sklaven  und  Sklavinnen 
zu  bedienen,  sondern  gemaB  dem  GeheiB  des  Apostels  soUen  sie  Billigkeit 
und  Gerechtigkeit  gegen  ihre  Sklaven  iiben,  da  vvir  doch  wissen,  daB 
es  auch  fiir  sie  einen  Herrn  im  Himmel  gibt. 

15  §4. 

Dies  sprechen  wir  deshalb,  weil  vvir  erleben,  daB  viele  Christen, 
wenn  sie  Sklaven  gekauft  haben,  die  mit  freien,  ihnen  von  ihren  friiheren 
Herren  gestatteten  (gegebenen)  Frauen  verheiratet  sind,  diese  ihre  erste 
Ehe  trennen  und  sie  zwingen  eine  neue  Ehe  einzugehen.     Ein  solches 

20  Vorgehen  ist  ungebiihrend.  Weil  sie  die  Gewalt  ijber  ihren  Leib 
haben,  diirfen  sie  dieselben  nicht  zuriickhalten  von  einer  Sache  des 
Glaubens  und  des  Gesetzes  der  Gottesfurcht,  welches  befiehlt,  daB  die- 
jenigen,  die  einmal  eine  rechtmaBige  Ehe  geschlossen  haben,  nicht  von 
einander  getrennt  werden  sollen. 


25  XI.  Kapitel. 

Von  solchen  [Eheleuten],  vvelche  die  Ehe  miteinander  voll- 
zogen  haben  (wortlicher:  welche  sich  in  rechtmaBiger  Ver- 
bindung  mit  einander  verbunden  haben),  von  denen  dann 
die  eine  Person  von  einem  Schmerz  oder  einer  Krankheit 
30  oder  einem  korperlichen  Defekt  befallen  wird,  wie  z.  B.  von 

der  Krankheit,   die  von  einem  bosen  Geiste  ausgeht,  oder 
von  Kratze,  Elefantiasis  oder  einem  ahnlichen  Leiden. 

§1- 
Wenn  solche  Personen   in  voller  Kenntnis  ihrer  Leiden  sich  ver- 

35  heiratet  haben,  so  soil  man  sie  hinterher  nicht  von  einander  trennen. 
Wenn  sie  aber  nichts  davon  wuBten  und  vor  Eingehen  der  Ehe  nicht 
einander  davon  in  Kenntnis  gesetzt  haben;  wenn  die  betreffende  Krankheit 
Oder  der  Defekt  von  Menschen  geheilt  werden  kann,  dann  sollen  sie  in 
Geduld  ausharren  und  sich  um  die  Heilung  bemiihen.    1st  dagegen  eine 

40  Heilung  nicht  moglich,  dann  diirfen  sie  sich  von  einander  trennen,  weil 
eine  Betorung  unter  ihnen  stattgefunden  hat,  indem  jede  Partei,  was  ihr 
gehort,  mit  sich  fortnimmt. 

§2. 

Wenn  aber  (erst)  nach  vollzogener  Ehe  bei  einem  der  Eheleute 

45  eine  solche  Krankheit  oder  ein  solcher  krankhafter  Defekt  auftritt,  dann 

mu6   der  andere   sich   in   Geduld  fassen   und   die   Heilung  von  Gottes 

Gnade  erhoffen,  indem  der  eine  ebenso  denkt  wie  der  andere,  bei  dem 

das  Leiden  aufgetreten  ist. 


—     88     — 

III.  XII.  V  ajOiXa^?  1x3  .ec?  I»a»  m««.>s2  oup  007  ^2  .  »  e9M-» 
3^J3  ol  CT;se%.%'m  •-i-i>N>V3  ^  ^AiLM^.Ip  2au.2  2^&^2  \>. 
2\.\..a3  3  ^Swioop  \^cr  oaj^L  .g?V^33  2^adNoa^  "^V^? 

^2  .o;.oLJCxip  6i\\n\  jo?^    iS    .cr^oA  x^Xjo2p   •.»o\\, 
.^\^;sp  2L»L»   2lAj:   .ciivaS;^OLX^  -^V^  -^^o  >f^  2JSa>,.a>ao 

.iJilp  >\:v<p  llAoa  ^OkX^p 

'  1.  )ll. 


89 


XII.  Kapitel. 

Von    dem   Weibe,    der  wahrend  ihres   Brautstandes  oder 
wahrend  ihrer  Ehe  von  Feinden  Gewalt  angetan  worden  ist. 

Wenn  sich  herausstellt,  daB  das  Weib  mit  Gewalt  und  gegen  ihren 
Willen  geschandet  worden  ist,  dann  darf  sie  wegen  des  Unrechts,  das 
ihr  zugefiigt  worden,  nicht  beeintrachtigt  werden,  sondern  ihr  Verlobter 
oder  Oemahl  soil  sie  nehmen,  ob  sie  nun  seine  Braut  war  oder  seine 
Ehefrau. 

Ende  des  dritten  Buches  von  Jesubochts  Corpus  juris. 


Buch  IV. 

Erbrecht, 

9  Kapitel. 


—     92     — 


IV.   .^^on.vftT.p  vi\^?   y^   au^?   l^^hlp   l^Jaaljas   Jo^ 

v2p  y.07  \^  .^aisp  %x'y  .U:s3au.  \xe  las  P-*^?  ^oou'ka 
Z^   e2  ^^2  ^3  -,aibi  :aLX  .1^2  ^p  2dveL«2e   Z^2  ^ouX 

.233  ^3^33  2^.0au^uO  \x  .^;S3  1X3  •23'iM>  w»  ^^;^3u.  Ow.230 

.  ^ \ .\, «r>'a>a   d^oA   llj^   ^Swxl^^   zl\«   Z'n'vas    .:.bo323   1x3 


.2^x3  1x3   .^3u>m2  23uA33   ulpo  iJOa^oa  i\^   .lXdau.3  1X3 
.  l^JLXS    1X3    .OM>3  ^2    ^^„»»  6;\\3  i^^J03   3i03    2^^j2   \x 

U3uOa3o3  2^300  .oA^ap  lAa^oSe  U3:N..aa3  2^Xi2  \^ 
.2'3l3\3  2;seJS3u.  ^  ^'kdis^oo  ^a»  ^cr^   iJO^Xao  croa23   10 

^303    v^OOM-^    u.070U^0    ^13>3    2'3>.t;\    \x    .l.a»^3    1X3 

^3  oac;  6^>\joV  303   \x   .l^jc;s3   1j:3  -^^A^.  ^^oovj-^o 
23u»l.»3  22o^L5oM3  dw^e2  Ijx's  o, ■»  \  t  .2x.^^  ^olj^s 

IV.   I.    .U^30u.\^e   .233  3m33    ^Su'xd  \^   .L.»3^   1X3  v   1^2323 

l-^auX  ^^  vn  c>3  ,_Aa2  ^  ^o^Asap  :  >x>.M.\  \.i^ot  ^39  15 
1^2  .3;s2  \3o3  Tv.y.n'aLa  .^^oo^Xa  233u»  'ai^  ^ox  :  Ixrn^ 
^  ^■.JG>aL'»^  1^3  :  lAaasL^p  ^oci;sou.33  1^  >\\,v>3  13^2  ^2 
>^l.*Ah^  .^G^23  Lao!  v  no  ?.iia.'v.\..To  1^07.1^2  IjSj^.3 
l^lLao  ^^jo^Lsap  hA.2  ^3  ^oo^a  .2>>Aft3  l^p  ^3.Xl5^^ 
2pXM^  ^.ia\T  .l.x...3>.0  ^07^23  ljo3>ye  Uoi'xiae  :  UoiuS2  20 
^t.M.iCDp  ^p  ^Adkla  :  Ixo;^  lao>.x  ^J-dojop  "^t'aaop  m^Zs 
2^Axo  .3;s2  ^oap  1 1  .  yjrp'ka  ^eo;^  ^ax  1^  .Ixo^  ^ 
•  Ixo^  y^i.^.C)  ^3  ^  .2po7  2J^oa^^.3>^3  Ixaa  g.eu.  2po73 
2;N3u^..3   ^2o    .yiNLtV'Wp    2;^X^3   ^3uM«2   23bdi^ap   ^23    ^^A«2 

■  I.  2£^oai...'3ud.         '  del. 


93 


Ferner 

das  vierte  Buch 

von  desselben  Jesubochts 
Corpus  juris. 

5  Die  Kapitel  des  Buches: 

I.  Uber  die  Verwandtschaften  innerhalb  einer  und  derselben  Familie 

und  iiber  das  Erben. 
II.  Uber   die   Frage,   ob   die   Briider    und   Schwestern   von   derselben 
Mutter  (uterini)  den  Briidern  und  Schwestern  von  demselben  Vater 
10  (consanguine!)  gleichsteiieii  oder  nicht,  und  vvie  sie  einander  beerben. 

III.  Ober  die  Verwandtschaft  innerhalb  zweier  FamiJien. 

IV.  In  vvie  vieien  Bedeutungsarten   das  Wort  benajja  --  filii  bei  den 
Christen  gebraucht  wird. 

V.  Ober  Gesetze  (louoi  und  dine)  unseres  Gewohniieitsrcciits. 
15       VI.  Ober  die  Frau,  welche  nach  dem  Tode  ihres  Geniahis  auch  noch 
ihre  Sohne  (Kinder?)  durch  den  Tod  verliert. 
VII.  Ober   die  Ehefrau,   der  durch    das  Testament  und  den  Befehi 
ihres  Gemahls  ein  Teil  gegeben  wird,  indem  sie  von  seiner  Erb- 
schaft  ausgeschiossen  wird,   und   iiber  die  Tochter,   der  durch 
20  den    Befehi    ihres  Vaters  ein   Teil   gegeben   wird,   indem    sie   von 

seiner  Erbschaft  ausgeschiossen  wird. 
VIII.  Ober  den  Fall,   dal5   ein  Mann   stirbt,   wiilircnd   seine  Kinder  teils 
miindig,  teils  unmiindig  sind. 
IX.  Ober  dudagsalarih,  d.  i.  das  Institut  des  Hausoberiiauptes. 
25  Zu  Ende  sind  die  rese  (-    Kiipfe),  d.  i.  Kt<t>aKaia  des  vierten  Buches. 

I.  Kapitel. 

Ober  die  Verwandtschaften  innerhalb  einer  und  derselben 
Familie  und  iiber  das  Erben. 

Man  mu(5  nun  wissen,  daB  in  allem,  was  wir  bis  jetzt  geschrieben 
30  haben,  die  Christen  allerorten  mit  einander  iibereinstimmen,  ausgenomnien 
v/o  sie  infolge  der  Onwissenheit  der  (weltlichen)  Machthaber,  die  von 
den  gottlichen  Biichern,  von  den  Ordnungen  und  Satzungen  unserer 
Vater  nichts  wissen,  wider  Qebiihr  anderen  Gesetzen  gehorchen  miissen. 
Denn  alle  diejenigen,  welche  die  heiligen  Biiciier  und  die  Satzungen  und 
33  Ordnungen  unserer  heiligen  Vater  kenncn,  stinimen  in  allem,  was  wir  bis 
jetzt  geschrieben  haben,  iiberein.  In  demjenigen  abcr,  was  wir  von  jetzt 
an  schreiben,  stimmen  nicht  alle  Christen  allerorten  iiberein.  Die  Ursache 
davon  haben  wir  in  dem  Anfang  dieser  Schrift  (/,  /  S.  0.  II)  tlargelegt. 
Nun   aber  stellen   wir   dasjcnige  dar,   woran  wir  in  der  Kirche  unserer 


—     94     — 

^^J^aip   vOCM>-^   ^L33   ^    m\^I  ^lo  .IX^'skMl 

U^^S   ;so^3^o    .Ucr^2   13^^03   1^:^000  ^.o^    .  lAoaeu 

^OLSu'xd  .233  wjja  2^.0L^L^'xd  ~mJ3*  laoaa  .^a^^ae  Ipc  ^ 
.:d^dsji2  .Av3  .:;3o2  .132   .Lj..ao^   .  ^^o^x^2  23 p   Jjop  ^    s 

§  1.  l&^aouj  vo^^  ^9^  •  ^^  •^  ec;\^o  .2>^m  .1m2  .2iSa^  .23a 
laoL^  .U*  U^lso  S.VA..2  ..^^ea2  ^os  1^  e2  :  2p'i«.  ^p 
.^o  ^2o  I»2e  la2e  2^.^oe  23ao  .2;s>^2  oC^  x..2e  ^^»p 
U.070LJO0  cf;\iu2  o;^  ^^3^  .ot.t  .  vu  \^  TiSuao  >.oB  l^e 
.^tao  23m>  v,eo;j-»  3M>.\a  .23oo  SuA.  ^  2•^^i2  .po^^Aa  lo 
.Cxs  oA  ;^^2  p^a   :  xaA   m.'Vi   i^o  w.07  ^•wOLsp  ^p  2;^3a 

§2.   2x3e  2:s^j2   Lj..^  A.\.»o   .oreL32  Xo  ^bs  ^nj.3o  6^^  X.A 
».,*V  n  13   Z.30  ^  2^^j2p  A  \.5o    .2p'3M.   "a,^  v>.va3u-»    h^oj: 
li.aoft^  ^2  -pA^  P^  CTinx^  ^o^  .ci-V^jV  2x^j..ka  2:soA«xu 
07^0la2  ^3  23a  .^3mC7  ^   ;TT.,.is.5a  cr;\*p  23^0   .Uo;^2  is 
.pu±lioe  or^^epae   .^cr<oiv^2  opiUp  \\.3o  .^c'eiv^2  23aL\  p 

§3.  ^2  3^  2^.3j  'Liio  \\se  .^<aaaa  2p'iM  tx^  ^«ax  2pcr  ,\\,y) 
23ai^p  >\\,'n  .23a  :zi^  ^J.»a  Z^ox  1^  .  i\^^i\l  ot^so  :  ^c 
.^cre^s^2  craJ^s  :  ^  23um  .^•^oa2  ..^  n^  i^l  ,^ii>.  .  jao 
2;S3a  .w.oroal^  1^3*o  LjcxjA,  "t  .  ft  y>  eorp  .^p  ^;^3>kp  20 
^  ^  ■  H  s^  ^3  j^  .orTea2  >^  61^  i^2  pouAa  2;so>A.  .  ^p 
l^p   .^sJ..3op  ;.\A.^  2pc?   \.\.,Y>o  .oioaA  •, o  1 V e   I.3..39 

§4.   '2X3  67A  ;s^2p   lie  zAe«.^p  2;s3a    l-i^o  \\seo   .oA  ^!^2 
.^3*  23.d»p  A.\,M)  .^   23k«.  .o-oa2  ^.a  w30  \\Uo  '3ta\\     A 
^M.^^J:2o  .>>xcu£^2e  209*  Is^p  ^>ao   'coal  >Jae  cA  3auis2  23 
o2  .cA  2eo<  ^y.'gp  9300  .crroa2  x>\  oA  30>d.  .a-a32  i^^  ^ 

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>   add.  ^«,«US303.  '   I.  ^9- 

a^  i»^  St.  ^^. 


-     95     — 

Provinz  sowie  in  andcren  Kirchen  gewohnlieitsmaBijf  festhalten,  iiiul 
auch  clasjenige,  was  uns  von  diesen  Gesetzcn  als  tjczicmend  (erscheiiit), 
genial?  dem  in  den  heilij^en  Biichern  enthaltenen  Sinne  und  der  Recht- 
schaffenheit  cines  Reclit  und  Billis^kcit  liebenden  Geistes  in  Oberein- 
5   stimmung  mil  unseren  heiligen  Briidern,  den  Bischofen. 

Und  zunachst  nun  legen  wir  dar,  vvie  viel  verschiedene  Verwandt- 
schaftsgrade  unter  den  Mitgliedern  einer  Familie  es  gibt.     Die  Vervvandt- 
schaftsarten  der  Faniilicninitglieder  sind  aclit: 
Vater,  Mutter, 

10  Gemahl,  Gemalilin  (Weib), 

Sohn,  Tochter, 

Bruder,  Schwester  (s.  Arim.). 

§1- 
Erbrecht  der  Haupterben '. 

15  Sind  alle  diese  Personen  in  bezug  auf  die  gegenseitige  Beerbung 

sich  gleich  oder  nicht?  Wie  und  auf  weiclie  Weise  (erben  sie)?  — 
Wenn  ein  Mann  stirbt,  indem  er  Gemahlin,  Soiin  und  Tocliter,  Vater 
und  Mutter,  Bruder  unci  Schwester  hinterlJiBt  und  iiber  seine  Habe  nichts 
bestimiut  hat,  so  beerben  ihn  nur  seine  Gemalihn  und  seine  Sohne  (Kinder), 

20  namhch  die  Gemahlin  und  der  Sohn,  ein  jeder  von  ihnen  je  einen  (ganzen) 
Bruchteii  (des  Nachlasses),  die  Tochter  aber,  die  ini  Hause  (ilires  Vaters)  ist 
und  es  noch  nicht  verlassen  hat,  nur  einen  haiben  Bruchteii,  waiirend 
die  Tochter,  die  das  Vaterhaus  bereits  verlassen  hat  (d.  h.  verheiratet  ist), 
keinen  Bruchteii  aus  dem  Hause  ihres  Vaters  bekommt.    {So  nacli  cmcn- 

25   dicrtcni  Text,  s.  A  urn.) 

§2. 
Gleiches  Erbrecht  von  Witwe  und  Sohti. 

Waruni  sind  Gemahlin  und  Sohn  einander  gleich  in  bezug  auf  den 
Anteil  an  der  Erbschaft?  -  Weil  die  Frau,  nachdeni  sie  eine  recht- 
30  maBige  Verbindung  mit  ihrem  Gemahl  eingegangen  ist,  nach  gottlicher 
Bestimmung  mit  ihm  ein  Leib  (Gen.  2,24)  geworden  fst  und  daher  gleich 
wie  sein  Leib  angesehen  wird.  Der  Sohn  aber  ist  gleich  wie  der  Mann 
(der  Vater),  denn  von  ihm  ist  er  uiul  an  seine  Stelle  wird  er  gestellt. 
Deshalb  sind  sie  einander  gleich  in  bezug  auf  den  Anteil  an  der  Erbschaft. 

35  §3. 

Verschiedenes  Erbrecht  von  Sohn  und  Tochter.  ■ 
Warum  ist  die  Tochter,  obwohl  auch  sie  von  dem  Manne  (Vater) 
gezeugt  ist,  nicht  dem  Sohne  gleich  in  bezug  auf  den  Anteil  an  der 
Erbschaft?  -  Weil  der  Sohn  in  einem  doppelten  Verhaltnis  zu  seinem 
40  Vater  steht.  Erstens  ist  er  sein  Kind,  zweitens  aber  errichtet  er  seinem 
Vater  ein  neues  Geschlecht,  wahrend  die  Tochter  nur  die  Abstammung 
von  ihrem  Vater  hat,  nicht  aber  ihrem  Vater  ein  neues  Geschlecht  er- 
richtet.   Deshalb  kommt  ihr  nur  die  Halfte  von  dem  Erbteil  des  Sohnes  zu. 

§4. 
45  Ausschlufi  der  verheirateten  Tochter  von  der  Erbschaft  des 

Vaters.     (Vgl.  §  17.) 

Und  warum  bekf)mmt  die  verheiratete  Tochter  (nach  emendierfem 
Text,  s.  Anin.  zu  §  1)  iiberhaupt  keinen  Teil  aus  dem  Hause  ihres  Vaters? 
—  Erstens  well  ihr  einmal  (bei  Gelegenheit  ihrer  Verheiratung)  von 
50  ihrem  Vater  etwas  nach  seinem  Ermessen  gegeben  und  sie  (damit)  be- 
schenkt,  und  sie  von  dem  Hause  ihres  Vaters  losgelost  worden  ist.  Denn 
ihr  Vater  hatte  ihr  (bei  ihrer  Verheiratung)  dasjenige  gegeben,  was  ihr 
zukam,  oder  was  er  als  angemessen  ansah,  und  hatte  sie  aus  seinem 

'    Die  Inhaltsangaben   unter  den  Paragraphenzahlen   sind  von  mir  hin- 
55   zugefugt.    S. 


—    or.    — 

§5.  ^JLae  2ds,^a2  o^  :Sd.2o    :  2-xj  2\  i  \  \  :s^3    l»o   .2%t\^ 
^^^^Z^   :  ^e    ^2o    Z»2e    l32e    :  ^Aoco?    ^nIso    :  oiX^.:u 

^>i  vo  :s->7i'V..\..T'r>e    .  ^o?    <^o>j   lu-.-V^,j(a'xa  Xj^a  ^M2    s 

jQ3ujQ»3a7  ^.l„.J  :  2;sol»  3^j3  2aaLO  >\\^  ^9^?  12A«»OlXo 
^  Zxpg.'aa.i.i  a^A^  lot  .H^ox^xayj^p  li>,aj>Jso^^  ^oM-»? 
.;Ly.v'...v.'J3  U^^ap  2^a^<wM  £sa.Sc^  2o%^2  ^3;s2  .X>xou»p 
xaa  :  Vu  o;^  ^-o^  3^  is.«»p  ecrp  23auo  >  oaxa^ai.A  z^pe  lo 
ixjQ^  .2aa  o^  :!vi.^o  2^^.a2  o^  ^s^2e  2x3A  •^o^oa  •v2p 
.1m2  o^  Xx^  v^2o  .ui9;ou.Z^  ZxS*  pj.CUe  .cr;sisj2  ^a'OLM2 
o;^  ju.'x^p  l^^l  UQ30X5  >\^  ^.^  e2  .9'pp  Sj  e2  o-pp 
•  Z^^Pk^  oo^  ZX3«  6m>^  7t.«..tt.*o  o7>Sis^2  Jucjui  :  ZotVa 
lAiai  ^p  Zj.3^2  :  23kj  o;^  2poT  l^p  2ak.3A,p  ^^p  lt..^.d  is 
:  %L^  ^^'^  ^^  ^*lp  ecrp  Laout  :  \;\,'au  l^p  ,^oo;a  ,^3^ 
l!S2  :^A«^.2  cijjse  o^  ^2p  ec?  .o^.i^j^p  2^ox..  2oa;.Ape 
OCT  :  a>.\..iN2  0V3>>>3u±l  ^  o2  ^aieu»l  ^  jao^  \^  <-» 
2eo7  ^p9  Z^  .o^  :s^2  pouAa  laaxap  cr^oaa  \v^  >.32p 
^p*  .prd^asL^xo  i.\\.»  uQ>ex3  \^  ^»  Z^2  .Zi^aou.  o^ 
^p  \\.»  ^jcopa*  2l.aa.^  ^2  ^p  z^sor  ^  .Zi^Sou.  o]!^ 
2^.^'au*2  ^l?  Zj>.2m2  :  Z^o;  Z  v  'V.Ncup  2oo7  2>>1a^^  non 
ear  k^2  :aue>  :  Zjco^p  Z■^^w.pp  1  v  'V.Na^  ^  \xuc  2S>Z..\ra 
Z-aouX  1^2  :^e^aa  i\^2e  :  Zsa»  :auop  eo^  1-^P?  ?ip^^ 
.Zxa^p  Zs^^  ^  y^As  ^  2dvOLaaau  p^  2;so^aMe  .2^oiftT.p  25 
2^Xi2  ot!^  d^  ^Ip  ^.Mua2  .oisAi  ^»  Axaol  ^p  2^e^x.. 
2^»oaujQ>  ^\;»  p^2;sp^  07^ivi2  Z^2kJUo  Z^  o2  :  ^..^p  oa%^ 
XiJ  ^  ^^Ip  007P  gpa-T  I\.^iva  Zjact  z\32  :  2;soLci^e 
2JSdvi2  \.ny.  Pla  Z*<>2  ^  o2  .cn^s^  ^  e2  ai:\'y3  *:xi  1^2  .zL* 
aj.JS»>i\^  'Lxa  ^sp  Ju2  ^  ^  uojob^  \^o  o2  :  ^o-0u.2p  '■mlTI  30 
o^^o    ■t^92p   oaj!^  Z\.3«   'auJ3;^Ap   ^P9P  3^2   <n^    .axap 

'  I.  .auxaa. 


20 


—     97     — 

Hause  entlassen.  Zweitens  aber,  weil  sie  (durch  ihre  Verheiratung)  einem 
anderen  Pfleger  und  einem  anderen  Oberhaiipt  ubergeben  worden  ist 
und  ihr  (infolgedessen)  eine  Erbschaft  aus  einem  anderem  Hause  zusteht. 
Daher  fulirt  sie  nach  der  Verheiratung  nicht  mehr  den  Namen  ihres 
5  Vaters,  sondern  heiBt  die  Frau  des  X  und  nicht  (mehr)  die  Tochter  des  Y. 

§5. 
Von  der  Levirafsehe  (s.  Anin.). 

Wenn  ein  Mann  keinen  Sohn  hat,  wohl  aber  eine  Gemahlin  und 
Tochter,  sowohl  ledige  wie  verheiratete,  ferner  Vater  und  Mutter,  Bruder 

10  und  Schwester,  wem  von  diesen  Personen  fhefit  dann  die  Erbschaft 
zu?  —  Uber  diese  Rechtsfrage  besteht  eine  groBe  Meinungsverschieden- 
heit  unter  den  Christen  in  verschiedenen  Landern,  und  in  verschiedener 
Weise  pflegen  sie  diese  Frage  zu  entscheiden.  Die  Ursache  hiervon  ist 
die  Meinungsverschiedenheit    tiber  die   Hoffnung  auf  das   Leben   nach 

15  dem  Tode  unter  den  Religionen,  zu  denen  auch  der  christliche  Glaube 
gehort. 

In  dem  Gesetze  Mosis  hat  Gott  namhch  auf  die  Schwache  des 
menschiichen  Geistes  Riici<sicht  genommen,  und  damit  derjenige,  der 
sohnios  stirbt,  nicht  verzweifie,  befiehh  er  (was  folgt,  vgl.  Deut.  25,  5.  6): 

20  Wenn  ein  Mann  stirbt  und  eine  Frau  hinterlaBt,  nicht  aber  einen  Sohn, 
so  soil  sein  Bruder  seine  (des  Verstorbenen)  Frau  heiraten  und  ihm  ein 
Geschlecht  errichten.  Wenn  aber  ein  Bruder  nicht  vorhanden  ist,  soil 
sein  Onkel  (Vatersbruder)  oder  dessen  Sohn  oder  sonst  auf  alle  Falle 
ein  Blutsverwandter  seine  Witwe  heiraten  und   durch  sie  ihrem  ersten 

25  Gemahl  ein  Geschlecht  errichten.  Was  nun  aber  die  Habe  des  sohnios 
vorstorbenen  Mannes  anbetrifft,  so  gebiihrt  sie,  damit  auf  diese  Weise 
zweierlei  erreicht  werde:  daB  der  Name  des  Verstorbenen  nicht  unter 
den  Lebenden  verschvvinde  und  daB  der  Erbe  seiner  Habe  eine,  wenn 
auch  nicht  von  ihm  selbst,  so  doch  von  seinem  Bruder  oder  von  einem 

30   Blutsverwandten   gezeugte  Person   sei,  als  Erbschaft  diesem   (Sohn   des 

Levir),  wenn  auch  nicht  wegen  der  bloB  nominellen  Sohnschaft,  sondern 

unter  alien  Umstanden  wegen  seinerBlutsverwandtschaft  mit  dem  Erblasser. 

DemgemaB  hat  nun  auch  der  unreine  Zarduscht,  weil  er  ursprung- 

lich  ein  Schiiler  dieser  Lehre  war,  wie  er  auch  manches  andere  aus  der  Lehre 

35  des  Testamentes  Mosis  entnommen  hat,  ein  Gesetz  aufgestellt,  das  dem 
mosaischen  ahnlich  ist,  und  hat  den  Namen  des  Levirats  und  die  Erb- 
schaft (des  Levirsohnes)  eingefuhrt,  indem  er  das  Levirat  aus  dem 
Buche  Mosis  entnahm,  aber  die  Erbschaft  von  sich  aus  hinzufiigte. 
Wenn  z.  B.  der  Verstorbene   keine  Witwe  hinterlaBt,    oder  aber  wenn 

40  seine  Witwe  wegen  Alter  oder  Sterilitat  nicht  gebaren  kann,  auch  in 
dem  Fall  soil  der  Name  des  Verstorbenen  nicht  unter  den  Lebenden 
verschwinden,  sondern  —  so  befiehlt  Zarduscht  —  es  soil  dem  Ver- 
storbenen durch  seine  Tochter  oder  Schwester  oder  durch  seinen  Bruder, 
indem  er  namens  seines  verstorbenen  Bruders  ein  Weib  nimmt,   oder 

45  unter  alien  Umstanden  durch  irgendeinen  seiner  Blutsverwandten  ein 
neues  Geschlecht  errichtet  werden. 

Evident  geht  ihr  (der  Anhanger  Zarduschts)  ganzes  Streben  darauf 
zuriick,  daB  sie  keine  Hoffnung  auf  ein  neues  Leben  haben  und  die 
diesseitige  Welt  als  ihre  einzige  Hoffnung  ansehen.     Wiirden  sie  doch 

50  den  Namen  und  das  Andenken  in  dieser  Welt  gleich  Nichts  achten, 
wenn  sie  das  andere  Leben  erwarteten,  das  Leben  nach  dem  Tode.  Darum 
hat  der  widerwartige  Zarduscht  befohlen,  daB,  wenn  ein  Mann  stirbt 
und  eine  Witwe  hinterlaBt,  einerlei,  ob  er  einen  Sohn  hinterlaBt  oder 
nicht,  derjenige  Mann,  der  die  Witwe  heiratet,   demjenigen  ahnlich  ist, 

55  der  auf  fremdem  Boden  arbeitet  und  nur  fur  seine  Arbeit  einen  Lohn 
zu  erhalten  berechtigt  ist.  Dies  hat  er  (Zarduscht)  wissentlich  in  seinem  un- 

Sachau,  Syrische  Rechtsbucher  III.  7 


—     98     — 
^eci^  ;!^p   '\^^p    .w>  T.V.3   ^.c*    1«\\     .2^.ft\.\,^  Ipor 

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3^  2>nV  3  .^.so33«  Is^sa  loo"  xa^  23ct  \^e  .2;so:»  ^^a    s 
OCT  :  o^  ;!o^   ^2e  23o  o;S  ^^2  »^2  :  2;\^.i2  o^  i>^lo  i^lio 
w.cTo^2  U>\a3    oh^   ^2   .Luj   2^M2   ^or  .\  .a.ip  2\..n.V 

OV^    wOpf     OT^OuA^S     30u*.Aj    2L\.2o    .OvA.^3     1^3    Z_^3  Ij 

j»  ^o;\^  oA  :2laa\.  o);v^So..-i  ^uo  is^lX3u>3  ocr  .oucms 
23..eiV,  .23CT  \^  OCT   3^23   ^«\«2  ^oA^  UJ^i3   :  ^a-   iJaxil  lo 
2;n^50  3    :  g;, '.  V  -a  ;au^  2i^do2  ^3  Ouaot   iw.cesl^   tx^  txA 
2%.-3.V    OOT3   olA  2;\w.ao3  ;.t.<  V  h  .d2o    .^oovA^  voo;^x^2 
.o;j»  ^3Ad.^^«3   L.J33   1^2   .LxJLs  07^isi2  3jcm3  a3r.>..N^ 

.^0^2   3^023    OOT3    lAe    .^^^>303    00*3    lwJ>3   tt3,X^^»23    ^oaoT 

.o7^^i;A  .23a  ^3  N^^3  eorp  ;j.u^  a<7;«'Aao  U«  lio;3e  is 
u.6^  :  %soi  U^ft*^  OJ(^l.fil,\■^2  1^3  .^A«2  ^3  U-^V^^ 
.  v^oo7*se^   3^J    Zj>aa^o^3    23J3JO  aior   oAp    .^jo^ia  lAp 
USb^o^  ^2  ,  M  t f)?  ^^ouAO'p  ^eor^J..ao  w.?"  23(r   t,\..32e 
■I -S^-^''  ^3   ^o;^   23o;  2fi^oae  A^  oxjcxa  .  *^oai,JSio.Jia^? 
k^2o  C&s  ^vOOM>-M   «s^o3Aai3   Ao   ••^  oou~23  Xsi  .nfi»Yk\  20 
3^j   ^-d.>,\,.Xao3  ^^Ad.2  .o;s.oo3  .^ouivrp  .^0La2   l1j^3   lA 
^3b.  lA  Ao^aoAs  ^.aaua2   .%'n,\.\  ,,»v'BL.>ovao  .s^oo7«SOLao 
^Aw.2  ^»   ?\.\, re'JA  23cr  Ay'ao    .^^c?  oyJx^isl  Upov^^p 
^393    ^oovA  X*Vm^2   iS   .l^"y.^l  2^o3Mj   .  eo^dw23 
^aueja3  ^SwO^  Z^2  .or^^j2\^  23>.3\3  U^xd  oAa  wfi-iTiaN  25 
.wd.orob32  Xi.3  ^  ^^Sw.23  yaijaa  ooT   .  »«Acr  ^23  ,lJi^  ^ 

woOT^oxOk^s  Iia*3  ■^ ^ovA^a  ^  ^^A  3ov»^23  73>Me 

ioA  ^2o  .2^k3A  jo)u4^4  .230113  " ^3  laii  .souAjs 

o2   .ot^mA   o2  w^cttolmZ^  o2  .ou»A  o2   wkOroaA   .2^3o   oA 
;A3b±loJ&  ^2e  .U007  i<^lxe3>^  "^i^?  **^  .w-coLau'Las  IasjA  30 


'  I.  \\.^  -  I.  Xaax.        '  i.  ^^joAaop  st.  ,^o3l'»  z!^3. 

^O^^ao.  ^   Liicke  in  R.  «   Liicke  in  R.     Add.   Ilij.in3. 


—    99     — 

reinen  System  ausgedriickt.  Wir  brauchen  niclit  alles  zu  berichten,  nicht 
alles,  was  er  hieriiber  gesagt  hat.  Wiirzel  samt  Friichten,  d.  i.  die  Frau 
samt  ihren  Kindern  gehoren  alle  dem  Verstorbenen.  Und  audi  die  Habe 
des  Verstorbenen  wird  nicht  als  das  Eigentuni  des  Mannes  angesehen, 

5  der  seine  Witwe  geheiratet  hat,  sondern  als  das  Eigentuni  der  Kinder, 
die  von  ihm  gezeugt  werden,  die  aber  als  die  Kinder  des  Verstorbenen 
gerechnet  worden  sind,  nicht  als  die  Kinder  desjenigen,  der  sie  gezeugt 
hat.  Auf  diese  Weise  wird  die  Habe  des  sohnlos  verstorbenen  Mannes 
seiner  Witwe  gegeben  (s.  Anm.  za  S.  97,  7). 

10  Die  Christen   aber,   welche   nicht  dieser  Doktrin  gehorchen,  weil 

sie  wissen,  dafi  die  Hoffnung  der  Olaubigen  nacli  dem  Tode  sich  nicht 
auf  solche  Dinge  richtet  und  daU  nach  den  Verordnungen  ihres  Qesetzes 
etwas  derartiges  nicht  das  Erbteil  derjenigen  ist,  welche  von  dannen 
gehen,  (die  Christen)  haben    dies  Verfaliren    von   sich   gewiesen,   da  sie 

15  nicht  die  Witwen  ihrer  Briider  heiraten  noch  niit  ihnen  Kinder  zeugen 
diirfen,  und  da  sie  die  Kinder,  die  nach  dem  Tode  der  Verstorbenen 
(von  einem  anderen  Vater)  gezeugt  werden,  durchaus  nicht  als  die  Kinder 
der  Verstorbenen  ansehen,  da  diese  Dinge  mit  Riicksicht  auf  die  Un- 
wissenheit   der  Juden   bestimmt   worden   sind.     Und  deshalb  haben  die 

20  Christen  in  anderen  Landern  es  nicht  fur  richtig  erachtet,  die  ganze 
Habe  des  (verstorbenen)  Mannes  seiner  Witwe  zu  iibcrlassen.  Sie  be- 
stimmen  vielmehr,  dali  die  Frauen  (Witwen)  in  dieseni  Fall  die  Mit- 
gift  bekommen  sollen,  die  sie  aus  ihrem  Vaterhause  mitgebracht  haben, 
und  auBerdem  nur  die  Oeschenke,  die  ihnen  von  ihren  Eheniiinnern  bei 

25  Gelegenheit  der  Verlobung  gemacht  worden  sind;  daB  aber  der  iibrige 
NachiaB  des  Mannes  seiner  Tochter  zuflieBen  soil  oder,  falls  er  keine 
Tochter  hinterlaBt,  seineni  Vater  oder  seiner  Mutter  oder  seinem  Bruder 
oder  seiner  Schwester  oder  den  librigen  Blutsverwandten.  Ein  seiches 
Verfahren   ist  sinnig   und  entspricht  dem  gottlichcn  Oebot.     Denn  also 

30  befiehlt  Gott  in  seinem  Buch  (Numeri  27,8 — II):  Wenn  ein  Mann 
sohnlos  stirbt,  gehort  seine  Erbschaft  seiner  Tochter.  Und  wenn  er 
keine  Tochter  hat,  gehort  seine  Erbschaft  seinen  Briidern.  Und  wenn 
er  keine  Briider  hat,  wird  seine  Erbschaft  seinem  Onkel  (Vatersbruder) 
gegeben  oder  seinem  nachsten  Blutsverwandten.      Keineswegs  aber  hat 

35  das  gottliche- Gesetz  bestimmt,  daB  die  Erbschaft  eines  Mannes  seiner 
Frau  (Witwe)  gegeben  werden  soil. 

Was  nun  aber  die  Christen  in  unserem  Lande  (der  Persis) 
betrifft,  so  haben  sie,  weil  sie  mitten  unter  Magiern,  die  iiber  die  Erbschaft 
des  sohnlos  verstorbenen  Mannes  in  der  oben  angegebenen  Weise  ver- 

40  fiigen,  angesiedelt  sind,  ebenfalls  die  Erbschaft  des  sohnlos  verstorbenen 
Mannes  seiner  Witwe  gegeben.  Sie  haben  nicht  bedacht,  daB  sie  (die 
Perser  nur)  wegen  des  Levirats  also  bestimmt  haben,  weil  bei  ihnen  der 
Vater  und  die  Briider  des  (sohnlos  verstorbenen)  Mannes  oder  irgend  je- 
mand  von  seinen  Blutsverwandten  seine  Witwe  heiraten  durfte;  die  Kinder, 

45  welche  von  eben  diesen  Personen  geboren  wurden,  als  die  Kinder  des  Ver- 
storbenen angesehen  wurden,  und  ihm  (dem  Verstorbenen)  die  Habe  gehort, 
nicht  demjenigen,  der  seine  Witwe  geheiratet  hat,  indem  auch,  wenn  die 
Frau  in  dieser  Leviratsehe  sohnlos  stirbt,  die  Erbschaft  den  Blutsverwandten 
ihres  ersten  Gemahls  gehort,  nicht  ihren  eigenen  Blutsverwandten.     Da 

50  sie  dies  nicht  begriffen  haben,  haben  sie  (bisher)  eine  Praxis  geduldet, 
die  nicht  iibereinstimmt  niit  dem  gottlichen  Befehl  noch  mit  dem  all- 
gemeinen  Gerechtigkeitssinn  noch  mit  der  unter  den  Christen  allerorten 
bestehenden  Gewohnheit.  Und  viele  Male  ist  es  vorgekommen,  wenn 
ein  Mann  sohnlos  starb,  aber  eine  Witwe  sowie  auch  Vater,  Mutter  und 

55  Briider  hinterlieB,  daB  dann,  weil  der  Vater  und  die  Bruder  des  Ver- 
storbenen nach  den  Verordnungen  des  gottlichen  Gesetzes  nicht  seine 
Witwe  heiraten  konnten,  die  Witwe  einen  fremden  Mann  geheiratet  hat, 
der  fremde  Mann  in  die  Erbschaft  jener  Personen  eingedrungen  ist  und 


—     1(1(1     — 

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IspkAO  pua^p  ^  ovr  ^2  :  Z^2e  2G^2e  :  ^JLao  2;sNa2  ^p 
o7£v^j2  :zxx  :  2'3axbop  Z^^*^  V^-^  w.oa^  o;^  Jse?*  23w.aLX  e2 

b.  .^20  -o^^p  w»a&;^  ^2e  o^3w±)a^  ^^2  pou^.^^    .a)A*3Ja   \x  30 

'  1.  2»ftaaiL..  \yao.        '  add.  UAao.        '  •-  ^p  statt  xap. 
'  1.  2eo7o. 


20 


—       IDI         — 

mit  ihnen  die  Erbschaft  geteilt  hat,  so  daB  auf  diese  Weise  der  Tod  ihres 
Bruders  ein  doppelter  war  (insofern  er  keinen  Sohn  hinterlieB  und  seine 
Erbschaft  zum  Teil  seiner  Familie  entfremdet  wurde).  Und  das  geziemt 
sich  weder  vor  Gott  noch  vor  Menschen._ 

Aus  diesem  Grunde  haben  wir  in  Ubereinstimmung  mit  unseren 
Brudern,  den  Bischofen,  beschlossen  in  deutlicher  Weise  zu  verfiigen, 
was  nach  dem  gottlichen  Gesetz  und  dem  allgemeinen  Gerechtigkeitssinn 
geziemend  und  gerecht  ist  (wie  folgt): 


a.   Witwe  (s.  Anm.). 

10  Wenn  ein  Mann  sohnlosstirbt,abereineGemahiin,T6chter,Eltern  und 

Briider  hinterlaBt;  wenn  er  (durch  sein  Testament)  etwas  bestimmt  {s.Anm.) 
Oder  mit  der  Frau  bei  Gelegenheit  der  Verlobung  einen  Pakt  iiber  seine 
Habe  geschlossen  hat,  so  soil  gemaB  seiner  Bestimmung  und  seinem 
Pakt  verfahren  werden. 

15  b.   Witwe  und  ledige  Tochter. 

Wenn  aber  keinerlei  Verfugung  von  seiner  Seite  vorliegt  und  er 

eine  Frau  und  ledige  Tochter  hinterlaBt,  so  wird  die  Habe  des  Mannes 

und  die  Mitgift  der  Frau,  alles  was  dem  Mann  gehorte  (s.  Anm.),  gerecht 

geteilt.    Unci  die  Witwe  bekommt  gesondert  einen  Teil,  und  jede  einzelne 

20  der  Tochter  bekommt  die  Halfte  eines  Teils,  wie  wir  (vgl.  §  3)  gesagt  haben. 


—     102     — 

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20 


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—     103     — 

c.   Witvve  iind  ledige  Tochter. 
Und  wenn  der  Mann  (auHer  seiner  Witwe)  nur  eine  einzige  (ledige) 
Tochter  hinterlaBt,  wird  alles,  was  der  Mann  iiat,  und  auch  die  Mitgift 
seiner   Frau   (5.  Anm.  zii  b),  gerecht   in   zwei  Teile  geteiit.     Davon   be- 
5   kommt  die  Frau  einen  Teil  und  die  ledige  Tochter  den  anderen. 

d.    Ledige  Tochter. 
Die  Haustochter  (d.  h.  die  ledige  Tochter)  lebt,  wenn  sie  noch  eine 
Mutter  hat,  bei  der  Mutter.    Sie  steht  unter  der  Oberaufsicht  des  Vaters 
und  (falls  dieser  nicht  mehr  vorhanden)  der  Briider,  und  diese  sind  be- 
10  rechtigt,  sie  (zur  Frau)  zu  geben,  wem  sie  wollen. 

e.    Witwe  und  verheiratete  Tochter  oder  Tochter. 
Wenn   eine   ledige  Tochter   nicht   vorhanden   ist,   wohl   aber  ver- 
heiratete, so  bekommt  die  Witwe  ihre  Mitgift  vollstandig  aus  dem  Hause 
ihres  Gemahls   zuriick.     Und   was   iibrig  bleibt,  wird  in  zwei  Teile  ge- 
15  teilt.     Davon  erhalt  die  Witwe  den  einen,  den  anderen  die  verheiratete 
Tochter  oder  die  verheirateten  Tochter. 

f.    Witvve  und  Vater. 
Wenn  aber  auch  keine  verheiratete  Tochter  vorhanden  ist,  wohl  aber 
der  Vater  (des  Erblassers),  dann  wird  die  Habe  des  Mannes  in  zwei  Teile 
20  geteiit,  von  denen  die  Witwe  den  einen,  der  Vater  den  anderen  bekommt. 

g.  Witvve  und  Mutter,  Briider,  ledige  Schvvestern  (s.  Anm.). 
Wenn  der  Vater  (des  Erblassers)  nicht  mehr  lebt,  (wohl  aber  die 
Witwe),  so  wird  der  auf  den  Vater  entfallende  Erbteil  iiber  die  Mutter, 
Briider  und  ledige  Schwestern  des  Erblassers  verteilt,  und  zwar  so,  daB 
25  die  Mutter  und  die  Briider  ein  jeder  von  ihnen  je  einen  Teil,  die  ledige 
Schwester  aber  nur  einen  halben  Teil  bekommt  (wahrend  die  andere 
Halfte  nach  §  f.  der  Witwe  zufiillt). 

h.    Witvve  und  ledige  und  verheiratete  Schwester. 

Wenn  Mutter  und  Briider  des  Erblassers  nicht  mehr  vorhanden 

30  sind,  wohl  aber  (auBer  seiner  Witwe)  eine  ledige  und  eine  verheiratete 

Schwester,  so  wird  der  betreffende  Erbteil  (d.  i.  die  Halfte)  so  lange  auf- 

bewahrt,  bis  die  ledige  Schwester  ihre  Aussteuer  erhalt,  sei  es  eine  ein- 

zelne  oder  (in  einem  anderen   Falle  auch)  mehrere,  indem   sie  in  ge- 

biihrender  Weise  aus  jener  Habe  ausgesteuert  wird.     Und  wenn  etwas 

35   iibrigbleibt,  wird  es  gerecht  unter  die  beiden  Schwestern  verteilt. 

i.   Witwe  und  verheiratete  Schvvestern. 
Wenn  eine  ledige  Schwester  nicht  vorhanden  ist,  wird  der  betreffende 
Teil  iiber  die  verheirateten  Schwestern,  so  viele  ihrer  sind,  zu  gleichen 
Teilen  verteilt. 

40  k.    Witwe  und  Bruderssohn  und  fernere  Verwandte. 

Wenn  aber  auch  eine  verheiratete  Schwester  nicht  vorhanden  ist, 
wird  der  betreffende  Anteil  dem  Bruderssohn  des  Erblassers  oder  seinem 
nachsten  Blutsverwandten  gegeben. 

1.    Witwe  und  keine  anderen  Erben  (s.  Anm.). 

45  Wenn    kein    Blutsverwandter    mehr   vorhanden    ist,   bekommt  die 

Witwe  ihren  Teil,  und  der  andere  Teil  wird  fiir  fromme  Gaben  (Stiftungen) 
und  fiir  Gedenkfeierii  (commemorationes)  des  Verstorbenen  iiberlassen, 
sintemal  er  weder  Sohn  noch  Bruder  noch  einen  Verwandten  hinterlassen 
hat.     Dieser  Teil  wird  vertrauenswiirdigen  Miinnern  in  der  Kirche  (zur 

50  Verwaltung)  iibergeben,  damit  er  dem  Verstorbenen  anstatt  der  Sohne  und 
Briider  zum  Namen  und  Gedachtnis  nach  seinem  Tode  gereiche. 

m.    Witwe  und  ihr  Erbteil.    Vorkaufsrecht  der  Verwandten. 
Was  nun  die  Hauser  und  Felder  des  Verstorbenen  betrifft,  die  er 
von  seinem  Vater  und  seine  Witwe  von  ihm  geerbt  hat,  so  darf  sie,  bis 


—      1114     — 

2xT,\.\  Uo'oip  J30  iJxp.^  .oi-ii^  ^  2^^iI  »ea2  i^^a^e 
»^2e  .^oa^il^  ^  IJO^<^^^o  ^  oojj  •^^'•^p  ^C^  ^2  .uL.i 
U.1^  .  ^3«fis  2^3^o  1aX^»  'aa.y.a  :ajj»YiN  2^.^a2  ^2^^ 
*sOajj  ^3«;s  .^\a»>s  ajj  .113^^2  2>,3,\^  2o^^  ^3  ^.^  .a^^sp 
Uvu^  o2  .Xxaip  cC^.^.3^  ^3  <^^^i^  .6^\jo3  1^1^  ?Mi.\.n  i 
\.\r  1^  .aA2  ec73  U^l^  e2  .;.i^xd  2x3A.  eo"  po  oJSa 
<iL,\  at  YK \  1A2  .g^^.xap  L^2  ;.ia..i\.  i  >0L\.n.i3  w.x.a02  oVi^ 

Ais^v  2^>^3   2^o,vca'V,'o-ie   .2;sa^  A,3e^o    .2;^^i2  2^2^ 

§6.  o^  ^.di2  :2^i^i2  o2  2^3  2\n  \  \  xA  ^3  .^2  .^^s^p  ^\  10 
:  2Xe>Sau.  2ecr;s  ^^  .vtA  jCll^ipo  :  2X.n,3p  iJLa  ^p 
2X^aL3p  ^fJLa  a^  ^..2o  .:  2'%i''^2o  2i.3  23.a.VA  i^p  !.» 
.;!^tAo  2doaL3p  2^.i^  ^.>ao>»  ^  ^;sxa  -^^  .n.lipo 
.^O7oa2p  .U.ii.d  ^  7ip>ie  3u>is.xi  ^p  •^Lo  .^O7oa2p  'j-i^wa  ^33 
^'o7e  2^>.^aL^p  ^'07  ^p  oao?  .^o;\a  Xii^a  i\^2^3;s  .\\^^>*   >^ 

§7.  ytl"*\\p  ^p  o;^  d^2o  :  2;s^aL3p  iSa  Je  is^  ^lo  .^JA^p 
tMOToaX^  %3l  OT^  isj.1  ^^  v2  .2;so^au.  looi^s  ^^o^  .vn  \ 
.2:s..aL3p  2^ou.L^o  2^;L^o  ov^lA  :  1j1  c^  iv^  ^p  ^2o 
.\^  ^   ^AX»2p   OCT  ^^o  :  vnA  ;aAap    ^p    2;s«.  \x 

§  s.  2^e^au.  ,:  .\,f)  i^  :  ^obe  lliuo  l^i>Sl  i^lp  Vai  U»  A \. y)o  20 
o^  ^.>.2U3bO  23P  3u«a  ^Oliui  ^2  >:^  .Z^Z^e  iJaeL^e  LsL^ 
^o.^A  ^  ^p  o^o  .^^^^  ^  \^  ^p  \\.»  .^oacT  ^2 
tJ0  >\.\^  J30  3  Uie  ;sou»au3  .2^eiv^L«  233;s3  2aua>.5o  \.x^ 
Xi^.t.1  ^2o  .vopxip  ^.^ta^ao  \^  >^J«k^JS  ^  ^.p  o^  .i\^isA 
^p  o^o  .2Lei^  ^  ^  lacLo  :  ^•o.^kX'aucse  l^oLo  >^ec;^  X«2p  25 
^  ^  I'ya  .2;sft3L.\.3e  l!Sw\.  ^oi^p  p^^jaa  .istojo  ^  2%av, 
2>.tt.V.  ^  2:s^olX3  ^2o  •230VA  s^  2^^  ^-i.2  :  w.o:oun2 
^  ;L^£^  ^P  ;A2  :  1^^  ^  \itt.x  ^s»  230V1  o^o  .^07oJS«2 
^  ^3  .^ouo  ;A2  .2^^000  ^  2\-ft.v  ^  ;A^2e  .23o;a 
ilhojjk  ^  \txip  .w.o7eJs^2  lB;s  oc7  ^2  ^p  l*»l    1^1  .lidOS.  30 

§9.  ^^.ao2  ;!^2  %.ijio  \\,»o   •2p3LM  ^   ^eov^pso   ^.oui^    1.^2 

'   I.  ^3^>S«So.  -'  Zu  tilgen. 


—    io:»    — 

sie  sich  wieder  verheiratet,  darin  vvohnen  und  von  den  Erfragnissen  sich 
nahren.  Wenn  sie  aber  sich  gezwungen  sieht  sie  zii  verkaufen,  mul5  sie 
dieselben  zu  einem  niittleren,  angemessenen  Preise  an  den  Briider  ihres 
Gemahls  verkaufen.  Wenn  sie  sich  aber  wieder  verheiratet,  muli  sie 
3  ebenfalis  diese  Hauser  und  Feider  zu  einem  solchen  Preise  an  den  Bruder 
ihres  Oemalils  verkaufen:  sie  ist  nicht  berechtigt,  dieselben  ihrem  zweiten 
Oeniahl  oder  anderen  von  ihren  Kindern  als  denjenigen  aus  erster  Ehe 
Oder  sonst  irgend  jemand  zu  schenken,  solange  die  Bruder  ihres  (ersten) 
Gemahls  sie  zu  dem  Preise  (zu  kaufen)  wunschen,  sondern  darf  nur  an 
10   diese  verkaufen,  aber  den  (erlangten)  Kaufpreis  geben,  wem  sie  will. 

Wenn  die  Bruder  ihres  ersten  Gemahls  die  Hauser  und  Feider 
nicht  kaufen,  benachrichtigt  die  Frau  die  Kirche,  und  mit  Erlaubnis  der 
Kirche  gibt  sie  dieselben,  wem  sie  will. 

§6- 
15  Ledige  und  verheiratete  Tochter.     {S.  A/im.     Vgl.§5h.) 

Wenn  ein  Mann  vveder  Sohn  noch  Frau  hinterlaBt,  wohl  aber 
ledige  und  verheiratete  Tochter,  wem  gehort  dann  die  Erbschaft?  — 
Wenn  der  Mann  vveder  Sohn  noch  Frau  hinterlaBt,  wohl  aber  ledige 
und  verheiratete  Tochter,  dann  werden  zunachst  die  ledigen  Tochter  aus 
20  der  Habe  ihres  Vaters  in  gebiihrender  Weise  ausgesteuert.  Und  wenn 
dann  noch  etwas  davon  iibrigbleibt,  wird  es  gerecht  uber  alle,  d.  i.  die 
ledigen  und  die  verheirateten  Tochtern,  verteilt. 

§7. 
Verheiratete  Tochter  neben  Vater  oder  Mutter,  Bruder,  ledigen 
25  Schwestern  (s.  Anm.). 

Wenn  ledige  Tochter  nicht  vorhanden  sind,  wohl  aber  verheiratete, 
wem   gehort   dann  die  Erbschaft?  Wenn  der  Erblasser  einen  Vater 

hat,  gehort  sie  seinem  Vater;  wenn  aber  sein  Vater  nicht  mehr  lebt,  seiner 
Mutter  {vg/.  VI  §  ]),  seinen  Briidern  und  seinen  ledigen  Schwestern.    Fiir 
30  die  verheiratete  Schwester  (gilt  die  Analogic  dessen),   was  wir  oben  (in 
§  4)  dargelegt  haben. 

§8. 

Witwe,  Sohne,  Tochter  gegen  Vater,  Mutter,  Bruder  (s.  Anm.). 

Warum  flieBt  die  Erbschaft,  wenn  Witwe,  Sohne  und  Tochter  vor- 

35   handen   sind,   nicht   dem  Vater,  der  Mutter  und  den  Briidern  des  Erb- 

lassers   zu,   da   diese  doch  innerhalb  derselben  Familie  mit  ihm  ehenso 

verwandt  sind  wie  jene?  —  (Deshalb  nicht)  well  die  Erbschaft  iiblicher- 

weise  von  oben  nach  unten  geht,  nicht  von  unten  nach  oben,  wie  auch 

das  Wasser   seiner  Natur   nach    von    oben   nach  unten  flielit,   nicht  yon 

40   unten   nach    oben.     Auch   pflegt  in  den  Baumen,  die  Zweige  und  Aste 

haben,   der  Zweig   den  Tau    und   die  Feuchtigkeit  aus  der  Wurzel,   die 

Wurzel  sie  nicht  aus  den  Zweigen  zu  Ziehen.     Der  Sohn  aber  steht  in 

demseiben  Verhaltnis  zum  Vater  wie  der  Kanal  zum  Fluli  und  wie  der 

Zweig  zur  Wurzel;   der  FTuB  nimmt  nicht  sein  Wasser  aus  dem  Kanal, 

45   sondern  der  Kanal  aus  dem  FluH,  unti  die  Wurzel  nimmt  nicht  den  Saft 

aus  dem  Zweige,  sondern  umgekehrt.    Der  einzelne  Bruder  ist  auch  wie 

ein  Kanal,  der  sein  Wasser  aus  einem  Flusse  nimmt,  aber  in  ihrem  Laufe 

sind  sie  von  einander  verschieden. 

§9. 
50  Vom  Erben  der  Eltern  und  Qeschwister.    (Vgl.  §  7  und  §  10.) 

Warum  beerbt  zuweilen  der  Vater  den  Sohn  und  der  Bruder  den 

Bruder?         Wenn    der  Verstorbene   keine  Witwe,   dagegen  (nur)  Vater, 

Mutter,   Bruder  und  Schwester  hinterlalit,  dann   mulJ  die  Erbschaft  zu 

diesen  zuriickflielkn,   well   auch   das  Wasser,   wenn    von  unten  her  sein 

55  Weg  gesperrt  wird,  sich  nach  oben  zuriickwenden  mull 


—      lOH     — 

^a^cT.ip   Uexul  :i^o   U>2e   lailo   Xal  M>p  o^  Avd.2e  ^^a2 
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§10.   .iai  Xd.2  3^3   Ijjio  JS..\,.i9e    .♦a.3..aovj  .1.^3   M.^2ioe 
'\.\.-*w  .L^  ;L33uX3  ^ouio^e    Z^:^30u«  2eo7    3a.^^kjj  o^A    5 

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.  ♦s^ec?3^joa^  ^.3>5or  3.3  ;1^  <^2o  .\^  ^  ^.tiajos  ^a~^ 
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.1\^  w.o7oaa^  '.o;A3c7a^3  Ua^  -^LsX^  !V^?  t^  ^?^? 
§  11.  Uax  ;^c^2  Ijs^^o  li^C\a  i^opj  liol  ^1  3.3  Ziab  \\.t9o  lo 
1^2  .lal  7J.X  L.oa  I^  lliup  2^e^3.^3  2^oa^  :  ial  yx^  ^oi 
o^saocxp   Zj3»3   zZsI^  J^V^?  't''   "^^^P  ^\.ie   .1^2   AX 

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§  12.  ;J^^  ^m2  ^  ^1  Za30  >\\,>t9o  .;s^^p  ocrp  ^a^o^l^p  ^1 
23aL\p  ^3  ^pao  .croa2  ^3op  ^2  .2i^.OL3p  2^^  1,.\.iffi  ^suop 
.w.0T0L32p  2\.aA  «^aL5o;Ap  UUi2  .Cu  e2  2^*2u2  c;^  ^iv^^p 
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2X^3  ^  soAp  ^p  ^^A«;^  .Xal  ^  v?^  ?  y.^  p  ;s3.3o  s^2  20 
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^  ^^iol?  OCT  U«3  SlSL^^^  .^^2  :sA  v2  Z^2  .;^2  »^23 
.2^.>aLsp  ^07  2'^ObM2  N^}...^e  ^^.^.^  ^  i\..^p.A  3l3  A^ 
Joen?  ^07  iSs^o  .is^Uo^x  >^\5^.a  ■:sp.3o  3w«>a»  ^p  •^^2o 

§13.  ;a^  ^»2  ^p   I^ivsou.  loo.   .solS  ^ ju Aa p   ^o;^o    .2i<...aL3  as 
OCT  Xi%3  .lo'ai  isl  ^p  ^39   X^^30u  .Z^  o2  .132  ^p  ocr 
2o07  1^2   .^JAOT  oA   .1.302  ^p  ^...3  oor  .>\.3..^  ^    ^3b3e2p 
23.M32  ^^.a. ^.1  p  .^Jbo  ~2^.^L^o  23a  .^^L.oj:  o^pA^  ♦sOO^^.aA 

§14.  ^  l32  ^p  U^.30u  jLd.3.^   Uab  \\^e  .;s^2^3^  v^eojA^ 
lAe   .LX3*  jso'n.ttiB  lA  2^X11^3  >.\.\.'»  .1.302  ^p  oor  % 
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'  I.  ovipaoxp.  ''  <-idd.  2;N.OL3p. 


—      107     — 

§10. 
Vater  als  alleiniger  Erbe  des  Sohnes. 
Und  warum  fallt,  wenn  der  Vater  des  Erblassers  noch  lebt,  nur 
ihm  allein   die  Erbschaft  zu   und   nicht  (aucli)  den  iibrigen  (in  §  9  ge- 
3   nannten  Personen,  namlicli  Mutter,  Bruder  und  Schwester)?  —    Weil  die 
Erbschaft,    wenn    sie  nicht  nach   unten  flielien   kann,    sich   nach  oben 
zuruckwenden  muB,  nach  dem   Beispiel,  das  wir  oben  (^  8)  gegeben 
haben.    Auch  das  Wasser,  wenn  es  sich  ruckwarts  wendet,  flielit  zunachst 
zum  FluB  zuruck  und  dann  (erst)  in  andere  Kanale.    Und  auch  deshalb, 
10   weil   dasjenige,  was  dem  Vater  zukommt,   zur  Zeit  seines  Sterbens  auf 
seine  Sohne  (d.  i.  Kinder)  iibergeht. 


Erbrecht  der  Mutter  verschieden  von  dem  des  Vaters  (s.  Artrn.). 
Warum  stcht   die  Mutter,  wahrend    sie  doch  an  vielen  Stellen  in 

15  den  heiligen  Bilchern  dem  Vater  gleichsteht,  nicht  auch  in  bezug  auf 
das  Erbrecht  gegen  die  Sohne  dem  Vater  gleich,  sondern  den  Briidern? 
—  Weil  dasjenige,  was  dem  Vater  zufaHt,  nach  seineni  Tode  seinen 
Sohnen  (Kindern)  zufallt;  dasjenige  aber,  was  der  Mutter  zufallt,  nicht 
unter  alien  Umstanden  von   den  Sohnen  (Kindern)  geerbt  wird.     Fallt 

20  doch  das,  was  manchen  Tochtern  als  verheirateten  Frauen  zufallt,  ihren 
Ehemannern  zu,  nicht  ihren  Sohnen  (Kindern).  Darum  geniigt  fiir  sie 
ein  Teil  gleich   wie  der  Teil  des  Bruders  des  Verstorbenen  {vgl.  §  7). 

§12. 
Bruder  und  ledige  Schwestern;    ledige  und  verheiratete 

25  Schwestern.     {Vg/-  §S  3  und  6.) 

Warum  fallt  der  ledigen  Schwester  auch  von  seiten  ihres  Bruders 
ein  halber  Anteil  zu,  ebenso  wie  von  seiten  ihres  Vaters?  —  Die  Habe 
eines  Mannes,  der  weder  Gemahlin  noch  Kinder  hat,  kehrt  notwendiger, 
weise  zum  Hause  seines  Vaters  zuruck.     Und  nachdem  das  geschehen 

30  ist,  teilen  die  im  Hause  vorhandenen  Personen  diese  Habe  unter  sich 
wie  etwas,  das  ihnen  von  seiten  ihres  Vaters  zukommt.  Daran  haben 
aber  dicjenigen  Personen,  die  nicht  mehr  im  Vaterhause  sind,  wie  z.  B. 
die  verheiratete  Schwester,  keinen  Anteil,  solange  Bruder  vorhanden  sind. 
Wenn  aber  keine  Bruder  vorhanden  sind,  soil  so  verfahren  werden,  wie 

35  wir  [in  §  6]  gesagt  haben,  indem  zunachst  die  unverheiratcten  Schwestern 
gebuhrcnd  ausgesteuert  werden.  Wenn  dann  etwas  ubrigbleibt,  wird 
es  zu  gleichen  Teilen  verteilt. 

§13. 

Tochter  als  Erben  der  Mutter  (s.  Anm.). 

40  Kommt  den  ledigen  und  den  verheirateten  Tochtern  von  der  Mutter 

das  gleiche  Erbteil  zu  wie  vom  Vater  oder  nicht?  —  Wie  sie  vom  Vater 

erben,  haben  wir  oben  (in  §  6)  angegeben.    Das  Erben  von  der  Mutter 

ist  aber  nicht  so,  vielmehr  beerben  alle  Kinder  ihre  Mutter  in  gleicher 

Weise,    Sohn  und  (ledige)  Tochter  und   verheiratete  Tochter,   alle  zu- 

45  sammen  in  korrekter  Weise. 

§  14. 
Erbrecht  der  Kinder  gegen  den  Vater,  die  Mutter. 
Warum  ist  das  Erben  von  dem  Vater  verschieden  von  dem  Erben 
von  der  Mutter?  —  Weil  der  Frau  die  Fahigkeit  fehlt,  ein  neues  Oeschlecht 
50  zu  begrunden  und  die  Familie  fortzusetzen,  und  sie,  abgesehen  von  der 
Familie  ihres  Gemahls,  keine  Familie  fur  sich  ist,  und  alle  ihre  Kinder, 
Sohn    und   Tochter,    einander  vollkommen   gleich   sind   (als   demselben 
Uterus  entsprungen).     Dementsprechend   und   deshalb   beerben  sie  ihre 
Mutter  in  gleicher  Weise. 


—     108     — 

oi^  ..a.i2  ^ojsi  l:s'yjo  i^  ^??^  y^>-^  aup\^  .  ooiA^o 
§  13.  Z»  .» ecpo2p  UAvaou.  ..AflT  ^s^Uos  Ipoi  \\*ce  li\o^^3 
li.^jo  *  \.'»  oaA  :  x,\  le  X^i^a  cv^  x^Ip  2;^^u2  Ix...»p 
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§16.  .'^\  .Uu  o^  >A  2i\^i2  .2;soL3^3^e  ^.^^  IjAa  :  w.voisp 
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2^cL.l^o  l::i^o  Xaol^  l\x  .132  ><A  ^p  ^2o  .I\jb  Zsi^ 
.23M..ijiao  vOop>^  P^A  \a  .^.d.Uaj:  ^oj\a  ,,ft. 'Vipe  .2^.«3L3p  20 

§17.    w.or    ^    30L^    Z,tt.^ip    2^3op    Z^^SOu.   JUSte^     l.i^     >\\.YIO 

U'^aou  .'.dnt   .2X.M  p^   2^  .n.ip  ^  ^orp  >\y»   .2x^.3L3p 
.910132  :s.k3  ^  LslA  Zn.»^p  ^p  ^cr  .2a^3L.3p  ^OL&or  \^ 
ocrp  Xj^Xjs  .6v>^^-»^?   Z.3kd.2  \a  .q;^ju''v..Q-\  ov^^sou.   I-\^ 
IV.  II.  Z^2  ^olx  v^2p  w.or  \x  •:■  ^DiSp  ZaS   .2S>aaxp  2^jxxe  2;^.o  25 
ZiOM2pe   .1.^  o2  .1^2  ^p  ^oacr;  pLX   Z^2   ^p    :  2^a^2e 

§  1.    Mis  7LX   Z32   «.kJa  ^OX   Ujb^p   SlA,    2;sol3^    -^P?^   ^    ^Sb^ 

?Oftia\  ;auA  :s.>Zy.oa  :  L.oA^  ZsX^o  ^2  2po7  »\\,^o   •  1»2 
^soAa  pL^  09*  .\. A  .i\*i.*^  i.i\a^,nip   i^oj^  ^2  .^e9uA^ 
^p  Zsaju   .ope2  ^^ao  o2  .a070u32  ^^y3  oT^^   a-x  ^■'c>.ip  30 
X£xi\p  U'^p   Aaou.  .^^\.»  •^?>»»  7i^  ^tfx  A  .U^soup 

'  add.  ;^A.  '  I.  2^a3^  stntt  2^a3^  ^2. 


—    loy   — 

§15. 
Von  der  Verfiigung  fiber  den  NachlalS  der  Ehefrau  (s.  Anm.). 
Went!  eine  Frau,  die  einen  Oemalil  unci  Soline  liat,  stirbt,  wem  kommt 
in  dem  Fail  die  Habe  zu,  die  sieaiis  ilirem  Vaterliause  jjeerbt  iiat?  -  Wenn 

5  be!  Gelegenheit  der  Verlobung  ein  Vertrag  abgeschlossen  worden  ist,  soil 
dementsprechend  verfaliren  werden.  Wenn  aber  ein  solcher  Vertrag  nicht 
abgeschiossen  ist,  geiiort  die  ganze  Habe  ilirem  Oeniaiil.  Warutn?  Weil 
die  Frau  audi  nicht  zu  ihren  Lebzeiten  berechtigt  war,  ihre  Habe  einer  be- 
liebigen  Person  zu  geben,  und  ihr  auch  nicht  gestattet  war,  im  Sterben 

10  gegen  den  Willen  ihres  Oernahis  ein  Testament  zu  machen.  Danach  ist 
klar,  dal]  sie  dasjenige,  was  sie  im  Leben  nicht  tun  durfte,  auch  im  Sterben 
nicht  tun  darf,  namlich  ihre  Habe  einer  beliebigen  Person  geben.  Wenn 
aber  der  Mann  aus  Liebe  zu  seiner  Frau  oder  aus  Herzensgiite  etwas,  das 
ihm  von  ihr  zufallt,  den  iiun  von  ihr  geborenen  Sohncn  (Kindcrn)  geben 

15  will,  so  ist  auch  das  schcin  vor  Gott,  vorausgesetzt,  dali  dies  nicht  fiir  seine 
iibrigen  Sohne  (Kinder)  die  Ursache  von  Hunger  und  Verarmung  wird. 

§  16. 
Wie  das  ledige  und  wie  das  verheiratete  Weib  beerbt  wird. 
Wenn  ein  Weib  keine  Kinder  hat,  wem  gehort  ihre  Erbschaft?  — 
20   Wenn  sienoch  nicht  verheiratet  war.sondern  im  Hause ihres Vaterslebtc.fallt 
ihre  Erbschaft  den  Familienangehorigen  ihres  Vaters  zu,  d.  i.  ihrer  Mutter 
und  ihren  Briidern  und  der  in  der  Familie  des  Vaters  lebendcn  Schwester. 
Wenn  dagegen  die  Erblasserin  schon  verheiratet  war,  sie  aber  ihren 
Mann  verloren  hat  und  kinderlos  ist,  dann  fallt  ihre  Erbschaft  dem  Vater 
25   (ihres  Gemahls)   zu,   falls  er  noch  lebt,  sonst  der  Mutter,  den  Briidern, 
alien  ledigen  und  verheirateten  Schwestern  (desselben)  gieichmaliig,  indem 
jede  einzelne  Person  einen  Teil  bekommt  (5.  Anm). 

§17. 

Begriindung  des  §  16.    {Vgl.  §  4.) 

30  Warum  ist  die  Erbschaft  der  verheirateten  Tochter  verschiedcn  von 

derjenigen  der  ledigen?  —  Weil  die  ledige,  wenn  sie  stirbt,  ihre  Erbschaft 

den  im  Hause  Befindlichen  hinterla(5t;  die  verheiratete  dagegen,  wo  sie 

auch  sein  mag,  in  welchem  Hause  und  welcher  Familie  sie  auch  leben 

mag,  ihre  Habe  auf  ihre  Verwandten  (d.  s.  die  Verwandten  ihres  Mannes) 

35  vererbt  (s.  Anm.). 

II.  Kapitel. 

Uberdie  Frage,  ob  die  Briider  und  Schwestern  von  derselben  Mutter 
(uterini)  den  Briidern  und  Schwestern  von  demselbcn  Vater  (con- 
sanguinei)  gleichstehen  oder  nicht,  und  wie  sie  einander  beerben. 

40  §    1. 

Erbrecht  der  Fratres  consanguinei  und  der  Fratres  uterini. 
In  re  naturae  sind  die  Kinder  des  Vaters  den  Kindern  der  Mutter 
gleich  (s.  Anm.).   Deshalb  ist  auch  iiu  gottlichen  Buch  fiir  beide  das  gleiche 
Gesetz  mit  Bezug  auf  die  fleischliche  Verbindung  gegeben,  denn  verflucht 

45  ist  namlich  jedcr,  der  da  schlaft  mit  seiner  Schwester,  der  Tochter  seines 
Vaters  oder  der  Tochter  seiner  Mutter  (s.  Dent.  27,  22).  Im  Erbrecht 
sind  sie  aber  nicht  einander  gleich  wegen  der  Abstammung  von  ver- 
schiedenen  Geschlechtern  (d.  h.  die  Kinder  des  Vaters  und  die  Kinder  der 
Mutter  reprasentieren  je  einen  verschiedenen  Samen).    Deshalb  sind,  so- 

53  lange  Briider  und  Schwestern,  Kinder  desselben  Vaters,  vorhanden  siiul,  die 
Kinder  der  Mutter  von  seiner  Erbschaft  ausgeschlossen ;  sie  sind  aber  auch 
dann  ausgeschlossen,  solange  noch  Sohne  oder  Tochter  der  {5riider,  die  von 
demselben  Vater  [wie  der  Erblasser]  abstammen,  vorhanden  sind,  da  auch 
diese  zu  demselben  Geschlecht  gehoren  (wie  der  Erblasser).  Wenn  tiagegen 

55  eine  Deszcndenz  des  Vaters  nicht  mehr  vorhanden  ist,  dann  werden  die  Kinder 
der  Mutter  zur  Erbschaft  berufen  sowie  die  iibrigen  Verwandten  je  nach  der 
Nahe  der  Verwandtschaft,  wie  ich  im  folgenden  darlegen  werde. 


—     110     — 

2^03  e2  Xm  ^^2  3^  l\32e  .i^2  ^aa  M^;vi«  lS  :  l32  ^xa 
l.o.t.V  3  o^j.^  3l^  ovi>ao  ^of  kd23  hao^2  ;.32  >^VJ  1^23 
.X»2  ..dJ3  ^;S3k^  .Io2  ^3  ^Acr  ;sa2  ;A  ^2  iSl    .^a^i^l 

11.3^2  .  IjOvSa  ^.1.3.13   3k«^^^3   ^^>\«2  :  l3U*3Lt}3    1^3j:  ^23  ^2     s 

§  2.  SlA  liol  ao  Im2  Zj.^  .\\.'no  ..^3X33  ySaiJ  1^1  2ou.>»3 
U2b«2  .U^solo  ^2  2aj:  Z^  :  lal  3a  U>2  pLX  T.i.%.n  lax 
:»^2  3^a  ^2  Zjaot  :  X»l^  U^sa*  Z\ib  Z^  :  Zs2  :s^23  1.^3 
^3  A\.t9  .1^2  ^3  U,!^  ^^;\30u.  l\aa  iS  :  l32  aa  Z«2 
X&3  ;jOo.2o  :  Z323  ofSDjX^  <^  oAe  .^crro^M.2  U3m«2  !jcm\  lo 
^3  ;.m2  xA  3wd   ZJA07   .^Z^  U^3a«   Z\.:0   :X32  aC^  X^ 

§3.   Xm,1  ao  ^2  U»  ^\^e   .Xm2  is   ;«.z!S   U^sou.  l\x   :  lal 

^bi>j3  ^io  oor  3la   :  ;»2  ^3  ^2  ^  3^'yJa   au.i^  .132  ^3 

U0u>2    .;U>2  OueOT    .Xm^   ^    ■^'^?   ?-*^   r*?    ^-^^    .A.X.t3   2*33 

Z^^  iZle  %M  oX.^  ^2  23cr  A\.'n   .230  Ouocr  23^   303   15 

IV.  III.   .2*33  ^3^.33  ^ooua^  \^  .^\^£\3  1x3   .^oaj<.\ry\   l^^so^ 

i;  1.    ^O^    ^^    ioJ»3^.dO  ~.^3  32    .  ^Ql^^f^l    ^33   ^3^03   2^a3u..'xd 

1^:30  ^aj^iJaa  ^  ,^^.1.^3  :  X^l  lo^^xM  v^s^oe  .Z^2  Z-jjo 
1^2  .230  <^^^2  .23k3  ^3i3  .23a  3o  .Z^  ^3  ^^<\*Z^  :  Z^3;seui 

1m2    .2X303    zS.A>3    .2^30    X&3    .2X&3    X3     .23.33    2;^«.    .2303    20 
132    .1323    2X^^2    .1323    2^w^    .1323    U>2     .2^303    ^    .2X333 

^  .1^23  U.2  .  .1^23  l.»2  .Z.M23  lo2  .lo23  Z^2  .Zo23 
.Z^23  l32  .1«.2  X^j,2  .U.2  Xaa  .1^2  so  .1»23  l\^  .1^23 
l.\.ao  .^  tSX3  .4w  30  .1^.23  i^  .1^23  1^2  .1^23  1m2 
.2XXl23  l32  .^3  ^  .^3  U>2  .^3  1^2  .^\«.3  l32  .^\«.3  25 
^  .2XXj23  1^2  .2XXi2  xio  .2XX.i2  io  .2Xio23  1^2 
X«2o   ^jS3>.a3  X^2  .233^.  ^  ^X3Lk  .^Soi  v^oc;\a   .2XXj23 

0139  230^  X^ttXd  1^2  ^Jw*aauJO  ^3X3  .^«Xk*  ^3  ^23  .1^3 
^    l3UXd    X.X^3    .^33    ^3X33    2X03uLd    Xd.23     .J...a^j3 


i;  2.    30    2'30.\    .1^9     lJ^Z.3    .OJ  tX  V.    ^^0uX3    X.«2o     .233     3m03     ^OT    30 

.»^eou>op2  eX*»3   i1jo3  lljoo  iSao   iIjo  o^  X«2e  •sl^ 

1   I.  .^00^>S.i.2.  -   1.  ^^*X332. 


—    Ill    — 

§2. 
Begriindung  des  §  1. 
Unci  wariim  ist  der  Prater  uterinus,  walirend  cr  in  natura  dcm  Prater 
consaiiijuineus  "[leich  ist,  ihrn  niclit  audi  im  Erbrccht  gleich?      -    Wie 
5   die  Erbschaft  nicht  der  Mutter  zuflieBt,  solange  nocii  der  Vater  lebt,  ebenso 
erbt  der  Prater  uterinus  nicht,  solange  nocli  der  Prater  consanguineus  lebt, 
weil  er  einem  fremdcn  Geschlecht  angehort,   nicht  dem  Oesciiiecht  des 
Vaters.    Und  wie  die  Erbschaft  der  Mutter  zuflieBt,  wenn  der  Vater  des 
Erblassers  nicht  niehr  lebt,  ebenso  fheBt  die  Erbschaft  dem  Prater  uterinus 
10  zu,  wenn  Pratres  consanguinei  nicht  mehr  vorhanden  sind. 

§3. 
Sohn  des  Prater  consanguineus  schlieBt  den  Prater  uterinus  aus. 

Und  vvarum  ist  auch  der  Sohn  eines  Prater  consanguineus  (dem  Erb- 
lasser)  naher  verwandt  ais  ein  Prater  uterinus,  wahrend  jcner  zwei  Genera- 
is   tionen  (von  dem  Erbiasser)  entfernt  ist,  dieser  aber  nur  eine  einzige?  —  Der 
Sohn  des  Bruders  ist  derBruder,  wie  der  Sohn  desSohnes  der  Sohn  ist,  wes- 
halb  auch,  wenn  Sohne  und  Briider  sterben,  ihre  Sohne  an  ihrer  Statt  erben. 

111.  Kapitel. 

Ober  die  Verwandtschaft  innerhalb  zweier  Qenerationen. 
2n  §1. 

Vierzig  fernere  Verwandtschaftsgrade. 
Die  Verwandtschaftsgrade  innerhalb  zweier  Qenerationen  sind  vier- 
zig.    Ich  werde  sie  zunachst  aufzahien  und  danii  darlegen,  welche  von 
ihnen  zur  Erbschaft  berufen  werden  und  welche  nicht. 
23        Der  Sohnessohn,  der  Sohn  des  Bruders, 

die  Sohnestochter,  die  Tochter  des  Bruders, 

die  Gemahlin  des  Sohnes,  die  Gemahh'n  des  Bruders, 

der  Bruder  (Halbbruder)  des  der  Vater  des  Bruders, 

Sohnes,  25  der  Bruder  (Halbbruder)  des 

30    5  die  Schwester  (Halbschwester)  Bruders, 

des  Sohnes,  die  Mutter  des  Bruders, 

der  Sohn  der  Tochter,  die  Schwester  (Halbschwester) 

die  Tochter  der  Tochter,  des  Bruders, 

der  Gemahl  der  Tochter,  der  Sohn  der  Schwester, 

35        der  Bruder  (Halbbruder)  der  die  Tochter  der  Schwester, 

Tochter,  30  der  Gemahl  der  Schwester, 

10  die  Schwester  (Halbschwester)  der  Vater  der  Schwester, 

der  Tochter,  die  Mutter  der  Schwester, 

der  Bruder  des  Vaters,  der  Bruder  (Halbbruder)  der 

40        die  Schwester  des  Vaters,  Schwester, 

die  Gemahlin  des  Vaters,  die  Schwester  (Halbschwester) 

der  Vater  des  Vaters,  der  Schwester, 

15  die  Mutter  des  Vaters,  35  der  Vater  der  Gemahlin, 

der  Vater  der  Mutter,  die  Mutter  der  Gemahlin, 

45        die  Mutter  der  Mutter,  der  Sohn  der  Gemahlin, 

der  Bruder  der  Mutter,  die  Tochter  der  Gemahlin, 

die  Schwester  der  Mutter,  der  Bruder  der  Gemahlin, 

20  der  Gemahl  der  Mutter,  40  die  Schwester  der  Gemahlin. 

Alle  diese  Personen  konneii  einander  beerben,  d.  h.  zuweilen  erben 

50  sie,  zuweilen  nicht.    In  welcher  Weise  sie  erben,  wollen  wir  spater  darlegen. 

Zunachst  aber  miissen  wir  untersuciien,  dali  es  eine  Verwandtschaft  in  zwei 

Qenerationen  gibt,  eine  solche,  welche  naher  ist  als  eine  Verwandtschaft  durch 

eine  Generation,  und  solche,  welche  ihrgleichkommen.  Auf  welche  Weise? 

§2. 
55  Kindeskinder  neben  Kindern. 

Ein  Mann  stirbt  und  hinterlafit  Sohne  und  Tochter  und  Sohnes- 
sohne, (Kindeskinder),  deren  Vater  gestorben  sind.     Dann  erben  diese 


—     112     — 
^ols   IstsoT   .^vLs   .  2e    ■•oli2    L^ia   .2  ^^Uolx   ..eouci:32p 


pM,^  2o^2  >  3>»3   lXd.3L^    l»a3   .^oro  .xlrj  ai^   Ujj    ..jj 


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§  3.  w.070b32  ^  Zi^kSOu.  aj!^  loir  ai\x3  X...»p  lie  :  2aap  2dsXi2e 
6^  2eo7  .UXm2  2301^^  i^oar  1^  »»  ^2  .lA  o2  a%\.^3p 
af}^  ;s^  .!UXm2  2aauV^  ^o<rp  ^p  9^^^  .zlJiS  :3^  U^Sou. 
^   eaAd.ds2p   Z«V3^    ;^2   .Uaoa-d   o;\^a3    ^.0*032   ^ao    2^jtf 

§4.  :s^e  cj^  i>^l  2;sk3  2xm  ^lo  .2^e^x..  Iaovt  .Lmxo   z^b  m 
iVat  .070323  2^voL.2e  Z^2  ^.l■.3  2^^ao  '\a.\  Om.2  .230  oj!^ 
.0TO323  ^\a^3:  4s&»  l^jox  .cro32p  2^ou«2o   Z^2  ^.^.^.3  2^J.» 
i>.x^  23t.M  .oec-  ^uVc>  •.^23  A  \.  la   .2^3u3  ^.o"    2auM   ^^2 

i;  5.    ^3X33    ISi/kA    ^0^2  ^^2e    .1^   3.«>^e    -OOar    ^is^    30..A3 

2«S3u3    233    3um33    ^OACT    ^aO    SmXa    .lj>t30A3    ,  .n«'lf13     .^33    13 

2JS3a  ^  2^^o^3ua  ^,..-x.>S>Jl  3u.i^  .2X^^.33  23u33  .2;s3oe 
2^o»aa6^3  .23aLV3^SMe  U.2o  :  Iao2e  ial^o  .sol^  ltt.*\.i3 
tielo  1.32  ^  :  l^£^30.<j  ,.<t  ■  %  B  SlUs^  -i^^Lap  llu  ^^2 
^~.2e  -iSao  Uu  c;^  .^Ae  2aw3L\  :^.i^3  Zaoo  .XvmO  U.2e 
Z^l^  o^o  .IaJSso*  2ecr  ^Ao^  .u.o7ojj3  ^\,v'3e  I.i.j.3  o^  20 
au^o^o  op.3*  .jap  i^23  laa-^  liJak-JCy^jso  .  l»2e  l32e  4ou*2o 

§6.  2^^a2  :s^2  s,2o  .or;^3^  Z^2  .UautiS  Ii^so..  200"  Z^  .  xi2 
.2d^oA^3u.  ^.\  \.3L.ti  ^2  .zlJijp  Z.'d..i..3  o^  ;s^2o  :  23  i  ^^ 
X3a%,Jsse  2op23  i^aoo  .>  eo?.Acrv32  oeo^  ^mm  3iA3  ^2  ,  .\\^.'»9 
%i%3  .2;^^^2  :aL^  ^\A»  .-yo.sp   Z^j.3  ;^^2  ^2e    -yeg^.^-iN  23 

§  7.  Jap  ^ao^p  .o^ft>.>iaN  jtp*  ^p  \.3>'m  .X^  ^  ^aLao2p  007 
.*ioo2  .Ajs^  ^ao  ^33kje»p  ^cr  Zou'sLd  ^  .Za^30»  Z\^  ,jb 
z\^2  .Z3  3j:3  ^a%^  am»  iv.^  -V^?  1^  ^eov-^-*2p  ^ 
w.>«^2  .2;s3ao  2300  2;s^i2  ^  \\.in  :  23p  3.««3p  Z3u'ka^ 
.2;S303  •  .  v-i  \  .Z.1^30.^  ?  Y'i)  :  23op  1.L!jo  ;s.i<Ap  ^3  30 
Zifi^sou.  ;\,a»    .;l^3«3  z\3o^o   zlJo  ^  d^2  p^a  Isa.to.'K.io 

'  1.  wSu'ikX).  '  del.  ^i  (Jap.  '  Lucke. 


—     UH     — 

Sohnessohne  (Kindeskinder)  den  Anteil  ihrer  Vater  neben  den  Briidern 
(Geschwistern)  ihrer  Vater,  und  zwar  zii  gleicheii  Teilen,  einerlei,  ob 
es  Enkel  oder  Enkelinnen  sind.  In  diesem  Punkt  sind  also  die  Sohnes- 
kinder  den  Sohnen  gleich.  Dasselbe  iiat  der  heiiige  Mund  unseres 
5  Herrn  dem  Moses  in  der  Angelegenheit  der  Tochter  des  Setofliad  be- 
fohlen.  Mit  Recht  sprechen  die  Tochter  des  Seiofhad.  Gib  ihnen  den 
Teil  und  die  Erbschaft  neben  den  Briidern  irires  Vaters«  (Num.  27, 7). 

§3. 
Schwiegertochter,  nicht  wieder  verheiratet  oder  wieder  verheiratet  (s.  Anm.). 
10  Beerbt  die  Geniahlin  des  Sohnes,  nachdem  dieser  gestorben,  den 

Vater  ihres  Gemahls  oder  nicht?  —  Wenn  sie  sich  nicht  wieder  ver- 
heiratet hat,  beerbt  sie  ihn  neben  den  Siiiinen  (ihren  Kindern).  Wenn  sie 
sich  aber  wieder  verheiratet  hat,  erbt  sie  nichts  von  dem  Vater  ihres  ersten 
Gemahls,  vvohl  aber  beerben  ihn  die  Kinder,  die  sie  ihrem  ersten  Gemahl 
15  geboren  hat. 

§4. 
Enkelin  neben  den  Geschwistern  ihres  Vaters. 
Wenn  diese  Frau  (Gemahlin  des  Sohnes)  eine  Tochter  hat,   nicht 
aber  einen  Sohn,  welchen  Teil  erbt  dann  diese  Tochter  neben  den  Brii- 
20   dem   und   Schwestern    ihres  Vaters?  —   Sie   bekommt  den   ganzen  Teil 
ihres  Vaters   neben   den  Briidern   und  Schwestern  ihres  Vaters,  wenn  es 
auch   nur  eine  einzige  Tochter   ist.     Denn   wenn   es  (anstatt  einer  ein- 
zigen)  auch  viele  Kinder  waren,  wiirden  sie  doch  nur  einen  Teil  erben 
und  nicht  niehr. 
25  §5. 

Die  direkte  Deszendenz. 
Welches  sind  die  durch  zwei  Generationen  verwandten  Personcn, 
welche  in  der  Erbschaft  (dem  Erblasser)  naher  stehen  als  diejenigen 
Personen,  die  ihm  nur  durch  eine  Generation  verwandt  sind?  —  Die 
30  ledige  Tochter  und  ledige  Sohnestochter  (s.  Anm.)  stehen  erbrechtlich 
dem  Erblasser  naher  als  die  verheiratete  Tochter,  Vater  und  Mutter,  Bruder 
und  Sch wester. 

Gleicherweise  stehen  auch  die  Sohne  der  Tochter  ihm  naher  als 
Vater  und  Mutter,  Bruder  und  Schwester.  Und  wenn  ein  Mann  stirbt, 
35  chne  Sohne  und  Tochter  zu  hinterlassen,  wohl  aber  Sohne  und  Tochter 
seiner  Sohne  (Kinder)  hinterliifit,  so  fallt  diesen  seine  Erbschaft  zu,  nicht 
seinen  Briidern  und  Schwestern  und  nicht  seinen  Eltern.  Um  es  kurz 
zu  sagen:  Solange  eine  Person  aus  seinem  Samen  vorhanden  ist,  kann 
die  Erbschaft  nie  anderen  Personen  als  seinem  Samen  (seiner  direkten 
40  Deszendenz)  zufallen. 

§6- 
Witwe  und  direkte  Deszendenz. 

Wenn  ein  Mann  eine  Frau  und  zugleich  Sohnessohne  hat,  wie 

verteilt  man  seine  Erbschaft?  —  Man  verteilt  sie  so,  als  ob  ihre  Vater 

45   noch  iebten,  die  Sohne  bekommen  den  Teil  ihrer  Vater.    Und  wenn  er 

Tochtersohne  (Tochterkinder)  hinterlalU,  teilt  man  die  Erbschaft  zwischen 

ihnen    und   der  Witwe   in    der  oben  angegebenen  Weise  (5.  /V,  I  §  5e). 

§7. 
Erbrecht  der  durch  zwei  und  mehr  Generationen  verwandten  Personen  (s.y\nm.). 

50  Wir  miissen  nun   darlegen,  welcher  von  den   oben  aufgezahlten 

Verwandten  den  anderen  beerbt. 

a)    Wenn  Sohnessohne  vorhanden  sind,  bekommen  die  iibrigen 

nichts,  auch  nicht  die  durch  eine  Generation  verwandten  Personen,  aus- 

genommen  Gemahlin,  Sohn  und  Tochter. 
55  b)    Wenn  Sohnessohne  nicht  vorhanden  sind,  fallt  die  Erbschaft 

den  Sohnen  der  Tochter  zu.    Um  es  kurz  zu  sagen:  Solange  Sohne  (Kinder) 

vorhanden  sind  und  die  Fortpflanzung  des  Samens  (Liicke). 

Sachau,  Syrische  Rechtsbucher  III.  8 


—     114     — 

UJ,i^  1\^  .1^2  ^3  I^oLlo  U^l  i^  v^p  »2e  .laal  ^p 
.w,070ci23  v^^  ^^  ^xa?  >OLio;^  .^3  ol19T  .l32p  2^eL.l^e 
Li^^aou.  l\i^  w.ara32p  .sOa2  ^^2  ^*iap  .oao?  ;!^  ^  ^2o 
XJseli   2<Nou.2e    l^l^o    .u.<7rou323    ;^2   pos    2^a«>2o    1^1^    s 

^\«2e  .oue2po  u.9'oa2p  ;jx.'xa^  :  >  oo;^  ,  .-\  .•vnp   .^\«1^ 
^3^^  •s^2  .lA^sou.  2ocr  cpe2   ^33    e2   ^07002   j»    «^eo;*:sA2p 
^p   Xju'>  clN    •^sp    Z.^o3Xj   ^2o   ^3P  ^^A^^  «v^e  <^3p 
;i.a«'xQp  ^xso  :  2«j.jp  2;sou.2o   Z^Zi^e  :  ?i\,vno  2N^>i2p   10 
IV.  IV.  ■:-  l^a32p   1x3  .li^so^  nOO^  Z\.ab   1^   .  ^c  ^2p  u'aM>2 

§1.   .^3  oaoT  .^x^^o  .Tit^.o'ka  tSOk^  Xm  ^3k»2ioo  Ui*  ?ia"vip 
3\^^>»p  o'oi  ^2   .  v±e   U.'vj  .l^aAae   Ijoo.ia.t.'ie   1  v.>'i 
^*p   Ijcxx'ttvn  .joaaoa   I^p  >^2e   ^->'  nft-ia.!  .2   .23.-3\  ^ 
Z^olAs  .2^jQ)eLiaaa  2;^^.i2e  2S>.a.\  jas  pA^is^ep   o'ci  i^lp  is 
Zm3o2  ^  \£d  e2  .^s.>paaaa^  ^  Ju2  \aLa»p  007  ^2  ^p 

§2.  Z^^so^  2eo7  ^ja^  :^cT  ^eo^A^  ^  .^3u«.2  «^op  jao  e2 
ucDaaaj.3  zApp  3u.2^  >:»  eou^  .  Z.>jg><v«'a.\  007^  .^.9^01.32  ^3o 
Z33^^  0L.33XV  ;^2  .^c7oa2  ^30   U^30u.  o;^  >w^  :  p^^ioo 

§  3.   J»  \3lO^.»p  ^p  eo7  ^2o   .2;S3,«  aj!^  2ocr   I^e   ■  oiJ.*:.a  ^  20 
3w3LX   zAp  oovi2  :  Zax«.2  LifiJ  \u3iOL»    e2   :  Zv^pe.'n.N.v 
o2  Zadoa  ^\e>N3u.p   Zasju  Xd.l^<,3u.   1.'n..no  w.OLa^.   M.9;eLi32 
Ou<J^^.»  -^\-  N^  ^^  .w.oioa2  ^    o^  xA  .2'au.3LX  2pquc9a 

§4.  ;a3w^  «^2o  .2^3^«  a^  2oor  zAe  ^o70L32p  2Xa  Jap  :L33^^ 
.O7is3o2  ^30  23w\^  tn^  3l\w.X3o  :  •^s.joaaai  .^;\i2  2aaL\_  -s-fikAp  25 
e2  .2;so%-33  ^a^o^aJXip  o^  «\.At  .2^3w»2  2^.^J;2  ^  e2 
2^^^2  2io^  :  2^..0ft.!Mui  2^^^2  oucxip  vpJO  ^  ^2  .zA 
Zio^  ;ap^  :  Li*S30u.e  ^soaois  o^.vtN  ^,3..ft.i9e  :  l\.>ieyja 
Zm.  pa  ^p  «v^2  .2;s'3l.  ^0112  pwXbap  o^  ^\,.\t  .UsLopoe 
Ol^P  oai  3a;jQ>  i^ZdAX^  .2X3m.2  .Z>&j2  oijoa   :  ^\.<^3ud  2;\da2  30 

'   Liicke. 

-  add.  Xiisio^. 


—     IK)     — 

c)  fallt  die  Erbschaft  den  Brudern  und  Schwestern,  die  von  dem- 
selben  Vater  abstammen,  zu. 

d)  (Und,  wenn  soiche  niciit  vorhanden  sind),   talit  die  Erbschaft 
den  Brudern  und  Schwestern,  die  von  derseiben  Mutter  abstammen,  zu. 

5  e)    Wenn  aber  von  derseiben   Mutter  abstammende   Briider  und 

Schwestern  nicht  vorhanden  sind,  fallt  die  Erbschaft  den  Brudern  und 
Schwestern  des  Vaters  zu,  d.  h.  denjenigen,  die  von  dem  Vater  ihres 
Vaters  abstammen. 

f)  Wenn  die  letzteren  nicht  vorhanden  sind,  fallt  die  Erbschaft  den 
10   Brudern  und  Schwestern  zu,  welche  von  der  Mutter  des  Vaters  (des  Erb- 

lassers)  abstammen,  sowie  den  Brudern  und  Schwestern  seiner  Mutter, 
indem  alle  zu  gleichen  Teilen  erben. 

g)  Wenn   aber   soiche   Personen   nicht  vorhanden   sind,  fallt   die 
Erbschaft  den  diesen  nachst  verwandten  Personen  zu,   den  Verwandten 

13  seines  Vaters  und  seiner  Mutter,  und  denjenigen,  die  von  seinem  Vater 
Oder  von  seiner  Mutter  abstammen,  einerlei,  ob  sie  durch  zwei,  drei  oder 
vier  Generationen  mit  dem  Erblasser  verwandt  sind. 

h)    Dagegen  fallt  die  Erbschaft  den  Verwandten  der  Gemahlin  und 
des  Oemahls,  den  Briidern  und  Schwestern  der  Sohne  und  den  iibrigen 

20  ahnlich  verwandten  Personen  nicht  zu. 


IV.  Kapitel  (s.  Anm). 

§1- 
Drei  Arten  Sohne  (Kinder). 
In   wie   vielen  Bedeutungsarten   das  Wort   benajjd   (filii)  bei  den 
25   Christen  gebraucht  wird. 

In  drei  Bedeutungsarten : 

Sohn  nach  der  Natur, 
Sohn  nach  dem  Gesetze, 
Sohn  durch  Annahme  (Adoptivsohn). 
30  Der  erstere   ist  der  auf  gesetzliche  oder  ungesetzliche  Weise  ge- 

zeugte  Sohn  eines  Mannes. 

Sohn  nach  dem  Gesetze  ist  derjenige,  der  von  einem  Mann 
und  seiner  gesetzlichen  Gemahlin  abstammt. 

Sohn  durch  Annahme  ist  derjenige,  den  jemand  aus  der  Taufe 
35   annimmt,  oder  den  er  auf  der  LandstraBe  oder  irgendwo  anders  aufhebt. 

§2. 
Das  ungesetzliche  Kind  erbt  nicht. 
Wem  von  diesen  Sohnesarten  kommt  die  Erbschaft  des  Vaters  zu? 
—  Dem  Sohn  nach  dem  Gesetze.    Denn  dem  ungesetzlich  geborenen 
40  Sohne  kommt  die  Erbschaft  seines  Vaters  nicht  zu;  er  wird  auf  des  Vaters 
Kosten  erzogen,  ist  aber  nicht  sein  Erbe. 

§3. 
Das  adoptierte  Kind  kann  vom  Vater  zum  Erben  gemacht  werden. 
Auch  der  aus  der  Taufe  oder  auf  andere  Art  angenommene  Sohn 
45   beerbt  den  Vater  nicht,  falls  dieser  nicht  offenkundig  schriftlich  oder  vor 
Zeugen  eine  diesen  Sohn  betreffende  erbrechtliche  Bestimmung  gett-offen 
hat.    Wenn  er  noch  ein  Kind  ist,  wird  er  auf  Kosten  (wortliclt:  aus  dem 
Hause)  des  Vaters  erzogen,  wird  aber  nicht  sein  Erbe. 

§  4  (s.  Anm.). 
50  Ungesetzliche  und  gesetzliche  Ehe  und  Kinder  der  ersteren. 

Wenn  ein  Mann,  bevor  er  eine  gesetzliche  Ehe  eingeht,  von  seiner 
Sklavin  oder  einem  anderen  Weibe  ein  Kind  bekommt,  darf  er  es  als 
Sohn  annehmen  oder  nicht?  -    Wenn,  bevor  er  eine  gesetzliche  Ehe 


—     IK)     — 

2ooT  \  ^"^  Z^  2^  v.2e  :  ^*»>.Q  ^c?  2^Xa2  <^oi  l\^Kr>n.tx.\ 
.^ai  tS\  .2^>^i2  ^ei  j^ecr  .^Mjcaaaaa  o!^  >  2o  .a^JOsisu?  o%^ 
.\^^  ^   3u.\  ^3>^2  . : .jpft-aa.*   .oa2  l.o^  d;<j.3  JlA^23 

§5.  ^^  2^'au.  3>a.^a  230^1    ^^As  1^  Uab  ^Vaoe  .^vutootai    3 
.0^  'jk^Axp   xa3  ^w.Xi339   iS2  ::s^2^3^  o^   a^   -la^p 
.2^3l_  u.cro:s^    Z-JOa-aauA   ^a    oov^   2^a^    ^a    a..3L.^.^a 

§6.  o^  aA.^^  :2aoJOaaaA  2^^a2  o^  :»^2  xa  ^2e  .  \,.\t  C^ 
o;^  y^Xia  >\,..\.t  :  2^^^2  ^M2  ^  e2  :  ^oo2  ^  2au\^ 
:jljo.5o  ;9>-t)  ^boa  007  \a.  ^*ab^2a  ;^  .L^  o2  .aj^^jJO  10 
;  T  ^.^^^  a^^  ^  ^L\^:^»a  eor  \a.  ;.3>.xo.a  :sa^  .2^:si2a 
>7  »•'  tt  J30  7T>i*TT  o^  >^;s.&a  e2  .71A  ^OTOLkSX^a  2;s^.i2a 
Y Ar  auis!^o  2:s^jQ3aaM  2^^i;^  7i^\.   z!S  a^a   .x^tfia* 

§7.  ^2o  .^SyAt  A  joo^aa  Asp  .^oaoA  2^akd.  seui2  a>.a.xa a 
^»2  ^  Uu  Aa!»  A2  ..^JOOJua  2^^a2  3j6a  A  %'>a\\  i^ 
.A  e2  .U^aou.  ^eoA  U^  ^J^±o  ^a  2^aL«.2  ^isi2  ^  e2 
:  2^aA.a  u'aoa^o  Uo^  V?J3  ^.^tcLmS  2aaL\  230^0  A  ^,2 
»^ai2  luo  :u.oi  w.^iv32  2^d^i2  2aoia  :  :.v.aa.o^^  tia^^  o2 
:  Viije  2^ds^2  s^2  07doJ3LJ  v<>^^  ?^^  aft^^a  A2  :  ^Aor 
o^A_^2  o';»oo2  ^^  ^  v^2  .aaA.aA  2^aj^  ^cr  t^^i^o  20 
^  ^a*.^  r'-^SV  *\^®  .6;-.J-3  7t^  -Zoo2  w>oi  2^aL«.  :^c? 
.^2  ^oa^rL^bJup  .^ereis'y^  ^  i^iVAt  Ao  2aaL\a  ix,jJO 
^p  ^2  .^eo^  ^a»  A  .Xm  o2  2^au.  ^a  .^ooou?  .^xe^uA 
2^a3^  W.07  zAA.  A2  :2i3.V.  -.?o2  Ao  :o^X^^2  HksI^  ^ 
.^ec7oa2a  li,^^Ja  ^  ^Ajy  ^^  ^eoa^Ma  ^  ^39   :Ju2  \:3^  23 

§8.  a>\«^.5oa  ^a  23a  . Zv\,\<vt  ^o^  ^^^  .2is'3u.  ^3  ^oeo^ip 
^a.1  a^a  oa^A2  :oA^^  ^  Xtl^^wX2  Ap  -^^aA.  2^^a2  ^ 
3^2  A2  :ju2  \a  7»^0  ;^^Z^au.  AV  A  .2^6u23  oAia 
^:y-r\  ^a  JcAoA   z\\o   .xaJ.  Ao  .enao  ^2  oris-oLa  oA 

'    I.  b^Su.. 

■'   add.   Ua^M^ 


—     117     — 

eingeht,  jene  erste  Frau  stirbt,  und  er  nun  ihre  Sohne  als  Kinder  und  Erben 
vor  Priestern  und  Glaubigen  annimmt,  darf  er  sie  zu  seinen  Erben  machen. 
Wenn  er  aber,  wahrend  jene  erste  Frau  noch  lebt,  eine  zweite  Frau 
heiratet,  so  bezeugt  er  damit  deutlich,  daB  jene  erste  Frau  nicht  seine 
5  gesetzliche  Frau  ist.  Ware  es  anders,  so  durfte  er  sie  nicht  verlassen. 
War  die  Frau  aber  ungesetzlich,  dann  sind  evident  auch  ihre  Sohne  (Kinder) 
ungesetziich.  Haben  wir  doch  oben  (s.  §  1)  gesagt,  daB  gesetzliche  Kinder 
seiche  sind,  die  von  einer  gesetzlichen  Ehefrau  geboren  werden. 

§5. 
10  Beschrankung  der  Testierfreiheit  (s.  Arim.). 

Und  warum  darf  jemand  nicht  zu  Erben  machen,  wen  er  will?  — 

Wenn  er  dies  bestimmt  (d.  h.  einen  Fremden  zum  Erben  einsetzt)  in  einer 

Weise,  die  zvvar  nicht  i<orrei<t,  aber  immerhin  noch  zuiassig  ist,  darf  er 

es  tun.     Er  ist  aber  niciit  berechtigt,  jemanden  zum  Erben  zu  machen, 

15  der  nach  dem  Gesetze  nicht  Erbe  sein  kann. 

§6. 
Ein  wahrend  gesetzlicher  Ehe  geborenes  ungesetzliches 
Kind  des  Ehemannes. 
Wenn  jemand,  der  eine  gesetzhche  Frau   hat,  von  einer  Sklavin 
20  oder  einem  anderen  Weibe  ein  Kind  bekommt,  darf  er  ihm  seine  Habe 
ubermachen  oder  nicht?  —  Nachdem  ich  von  dem  vor  dem  Eingehen 
einer  gesetzlichen  Ehe  geborenen  Kinde  gesprochen  habe  {in  §  4),  ist 
kein  Zweifel  mehr  iiber  dasjenige.  das  nach  dem  Eingehen  einer  gesetz- 
lichen Ehe  geboren  wird.     Er  ist  berechtigt  es  zu  erziehen  oder  ihm 
23   in  gebiihrender  Weise  etwas  von  seiner  Habe  zu  geben,  indessen  ohne 
Schadigung  seiner  gesetzlichen  Frau  und  ihrer  Kinder.    Er  ist  aber  nicht 
berechtigt,  diese  ungesetzlichen  Kinder  zu  seinen  Erben  zu  machen. 

§7. 
Ungesetzliche  Kinder  einer  Sklavin   und  einer  freien  Frau 

30  (s.  Anm.). 

Wenn  aber  ein  Mann  iiberhaupt  keine  gesetzliche  Ehe  eingeht, 
sondern  mit  einer  Sklavin  oder  einem  anderen  Weibe  Kinder  zeugt,  fallt 
diesen  Kindern,  wenn  er  stirbt,  seine  Erbschaft  zu  oder  nicht?  —  Wenn 
er  nicht  zu  Lebzeiten  vor  den  Priestern  und  Leitern  der  Kirche  oder  vor 

35  Glaubigen  (d.i.  christlichen  Laien)  bekennt:  Dies  ist  meine  Frau  und 
dies  sind  meine  Kinder  ,  sondern  wenn  er  sie  nur  wie  Frau  und 
Kinder  in  seinem  Hause  halt,  und  jedermann  den  Tatbestand  kennt,  dann 
muB  man  unterscheiden.  Sind  die  Kinder  von  einer  Sklavin  geboren, 
so   ist  die  Frau   samt   ihren  Kindern  frei.     Sind  die  Kinder  noch  klein, 

40  werden  sie  auf  Kosten  des  Mannes  erzogen,  und  seine  Erben  sind  nicht 
berechtigt,  sie  in  die  Sklaverei  zu  reklamieren.  DaB  diese  Kinder  aber 
als  Erben  oder  Kinder  des  Verstorbenen  angesehen  werden  konnten,  steht 
ihnen  nicht  zu.  Im  anderen  Fall,  wenn  diese  Kinder  von  freien  Miittern 
geboren  sind,  und  der  Verstorbene  kein  Bekenntnis  in  betreff  ihrer  Ab- 

45  stammung  abgelegt  hat,  der  Tatbestand  aber  jedermann  bekannt  ist,  dann 
sollen  die  Kinder,  wenn  sie  klein  sind,  auf  Kosten  ihres  Vaters  erzogen 
werden,  sie  konnen  aber  nicht  seine  Erben  sein. 

§8. 
Kinder  des  Ehebruchs  (s.  Anm.). 
50  Wenn  ein  Kind  von  einer  Ehebrecherin,  die  nicht  von  ihrem  Gemahl 

geschieden  ist,  geboren  wird,  und  ihr  Gemahl,  obwohl  er  davon  unter- 
richtet  ist,  die  Sache  nicht  vor  aller  Welt  bekannt  gibt,  sondern 
das  Kind  wie  sein  Kind  in  seinem  Hause  halt;  wenn  nicht  allgemein 
bekannt  ist,  daB  das  Kind  von  einem  (anderen)  Manne  gezeugt  ist,  sondern 


—      lis       - 

a^a  :  2;soa^  au>-i>>.*l  lAi\':iOJ^p  1  •v.to^  N^~^  ^^  -  ?^^^ 
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§Q.  ^^  ^o  :2'3oA:&  ^eoTe  U.\.o'aia  Jap  ^p^^^^p  ^p  U^a 
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2^.&l,^a<lOT  ^jl3  ^007  l^p  liii  ^2  .^\ft5op>3  ^p  ajj  .♦  eq^i..v.o  10 
■  ?.\.\y.re'ka  y^bcr  ^aj..Jii  e2  I^V««  iol3  «^^2  i^l  .^c^Avip 
^t  \  I  \  n  .  •.joo^ii^  I.  t,i3Clm^  >^  •x2o  .»^0uio7p  ,1  1  >p  k_k«s«i.2  !L^ 
.  vO^^  ^ou-  X^  ^p  v,2e  ..ncayA  .j^^  1^  ^oauo^-al? 
§10.   ^p   Uu    .IAxm   lui.O   \x   ^ojl'Aa^^    Z^p    vOOT^   .j>^a>.\io 

.  »^eo;^u  A  v»\,0  3>^  ^007  ^  ^2  :  2;^3m«2  2^^^2  2a  i  V ^ 
X^JL*  ^p  V.2  .vOC7oa2  ds.o  ^  i>iio  ♦s^o.t  c»  p   ^^oo;^   bSp9 

§11.  \^  .U.y.oia    ^eo7oa2p    U*vd    »^ol3ucmp   ^p«    1^   .  ^^^^ 
oT^Sai^Xawaoe  oi^epoa^  .\\.»  ^  ^^2  uA.3>aoe  2poab»  2a3 
>TVn\  >\.At  .w>o7au  71^  2£«>3u.  loaj^    l^p  ^9'eL32  auOB  20 
.w.o7ay«2  :aLX  2^aw.  2eoti   -Tip^  P^^   1^  -^P  ^2  -auCt^p  ^2 

§  12.  2;^^u3  .ov^Pljo-^  ^>-d  ^  W.COU32  cp.dj^  :.^\  ).i.p  L^ 
crojl  islia  a^  ^  ^2  :  07002  •SdOia  2kA,  07a32p  ^(rcLy«ap 
pjOk^  1^  ^p  «.^2  .OT^^o^  ^2  pbSL^^a  .cr^^X^.**)  'ap^ae  p.a5 
a^A^  ;^   .2:twOk3p  2^jl3  ^2  cra32  ^.lO  ^^  2^jm  ajo;s  ."psie  23 

§  13.  :  z\^a  ot!^  i^p  2^^i2  :  I^  o2  crojl  ^  ^^.J0^^2  ^^p  zA\ 
0p  23>aft^p  23^«!-3  loa  pud  2x3  007  .2x3  om-^  pw^^^o 
w.a;^  -^^a  >2u(3lA  ^2  .2eo;Ap   l3^  ocp   lp>^l  ^xas    .oue2 


>  1.  Za^solSo. 
'  I.  ^^au.. 


—     119     — 

die  Sache  Bedenken  iind  Zweifel  unferliegt,  dann  ist  dies  Kind,  wenn 
der  Gemahl  der  Fran  stirht,  sein  Erbe  ebenso  wie  seine  iibrigen  Kinder. 
Ist  es  dagegen  offenkundig,  da(5  das  Kind  nicht  sein  Kind  ist,  iind 
die  Sache  evident,  wie  z.  B.  wenn  die  Fran  schwanger  wird  iind  gebart, 
5  walirend  ihr  Mann  abwesend  ist,  und  wenn  dann  ilir  Mann  nach  seiner 
Riickkehr  die  Fran  nicht  entlassen,  aber  auch  nicht  das  (in  Ehebruch 
gezeugte)  Kind  an  Kindes  Statt  anneiinien  will,  dann  iniiB  das  Kind  von 
seiner  Mutter  erzogen  werden,  darf  aber  nicht  ihren  Gemahl  neben  dessen 
gesetzlichen  Kindern  beerben. 

10  §9. 

Religios  gemischte  Familieii  (s.  Anm.). 
Wenn    Kinder    christlicher   Eltern   Unglaubige  werden   und    nicht 
Glaubensgenossen  ihrer  Eltern  sein  woilen,  sollen  sic  nach  unserer  Be- 
stimmung  nicht  die  Habe  ihrer  Eltern  erben.    Dasselbe  gilt  von  Frauen, 

15  welche  nicht  denselben  Glauben  haben  wie  ihre  Ehemanner.  Wenn  aber 
die  Tochter  oder  Frauen  von  Heiden  Christen  werden,  so  sind  wir  nicht 
die  Richter  der  Heiden.  Wenn  diese  ihnen  die  Habe  ihrer  Eltern  geben, 
so  verhindern  wir  sie  nicht,  dieselbe  anzunehmen;  wenn  aber  die  Heiden 
sie   ihnen   nicht   geben,    dann  raten  wir  ihnen,   dafi  sie  urn  heidnischen 

20   Besitzes  willcn  nicht  einen  Streit  anfangen. 

§10. 

Kinder  gemischter  Ehen. 

Wenn  ein  Mann  Kinder  hat,  die  ihm  von  einer  andersglaubigen 

Frau  geboren  sind,  ohne  dal]  er  (neben  ilir)  eine  andere  Frau  hat,  und 

25   diese  ihre  Kinder  Christen  sind,  sollen  sie  ihren  Vater  beerben;  sind  sie 

aber  Heiden,  so  sollen  sie  die  Habe  ihreschristlichenVaters  nicht  bekommen. 

§  11  (5.  Anm.). 
AusschliiB  des  tingehnrsanien  Sohnes  von  der  Erbschaft. 
Ober  einen  rebeliischen,  ungeratenen  Sohn.    Wenn  sein  Vater  wegen 
•  30  seines  Ungehorsams  und  schlechten  Benehmens  bestinimen  will,  dali  dieser 
ihn  nicht  neben  seinen  ubrigen  Kindern  beerben  soil,   ist  er  berechtigt, 
demgemafi  zu  verfahren.    \Venn  er  aber  eine  seiche  Bestimmung  nicht 
getroffen  hat,  erbt  der  ungeratene  Sohn  neben  seinen  Geschwistern.    Hat 
doch  sein  Vater   nicht  vor  seinem  Ableben   seinen  Willen    kund   getan 
35   (etwa  dahin  lautend,  da(5  der  ungeratene  Sohn  entcrbt  werden  solle). 

§  12  (s.  Anm.). 
Die  unziichtige  Tochter. 
Wenn  die  Tochter  eines  Mannes  zu  seinen  Lebzeiten,  solange  sie 
noch   ledig   ist,   Unzucht  treibt,   und    ihr  Vater  sterbend  eine  besondere 
40   Bestimmung  iiber  sie  getroffen  hat,  soil  seiner  Bestimmung  gemiifJ  ver- 
fahren werden.    Wenn  er  aber  nichts  bestimmt  hat,  beerbt  sie  den  Vater 
wie  die  anderen  ledigen  Tochter,  denn  es  ist  (in  dem  Falle)  nicht  bekannt, 
ob  ihr  Vater  ihr  verziehen  hat  oder  nicht. 

§  13  (s.  Anm). 
45  Ort  der  Steuerpflicht  des  unehelichen  Sohnes. 

Wenn  von  einem  Weibe,  die  keinen  Gemahl  hat,  ein  Sohn  geboren 
wird  und  dieser  Sohn  in  dem  Lande,  wo  seine  Mutter  wohnt,  aufwachst,  so 
gehort,  in  welcher  Ortschaft  es  ihm  auch  belieben  mag  zu  wohnen,  die  von 
ihm  zu  zahlende  Kopfsteuer  der  letzteren  Ortschaft. 


—      120     — 

IV.  V.  2aui^33  s^2p   Ijooaoao  ulp  <\^  :-  Uia.,.3   Ixs  .2eau  ^La 
§  1.   2SA^^  e2  23o\,  ^^^^^^3  :  *xA   2^^a2  \v^   .>  om!^  ,\.^.ml 

\^     "    "        •  •      •  ^ 

:  •via\N  :  dT\so  m.Xm2  ju2  ^   e2  g;^^3  ^p    ocro    :  c-oa2    s 

'lJ03^^p   U^   1^  2;s^^2  w.crp  ecu2   1^2   .oi^   a?;.^^    1^ 

2;so,.i%.2e  lA>~  ^soi^Ap  ^3.a5  :2;sx^3  Ua^sa^ao  :6u'3^2  .jp 

;s3h»  e2   .X^joa  o^^a^a  Jip  6^^  :3ov>^   .2;^^Jl2e  2%.Ti.V  a 

§2.  2^^^2  e2   :w.97ea2  ^    2Sa   v^2    .a^JaioifS   woSuop    .  ^au.! 

^^JL     Z^p    ^O^cLmS    23l3A.      .\.A  T    .'.0»>-»    >~<>^     .g;  \.^3     .^     10 

§3.  o7JSisj2p  2^ftxjo..^\.ioo  Ao  'i^^eb  .\\,^  ^^^.  '^  ^  ••^^ooA 
ivAp  :  2<Spu^p  1j>«PP  1.^^m3  "ais^o  ais^  :  ^couLsp  o2 
:  Ua^^p   Ap  23ol\_  ;Nla3   ^aisae   :  g^v.vB  ^   2^JM  •xOoA 

§4.  lA^  o2  2^d^2  .ovv^-ti  ^•sa^  l!^  -V*^  ^oacTo  2;\>.&2  ^hi 
jae  oou2  :  Ju2  ^  1a^30u.o  2;\ea33  .  A,-i l^)^.ao  >.2  zlhOkS.*  is 
W.OTP  !.3u'aL^  :  23aA._  ecr  yxyja  M^  u\.Vy  e2  2^^a2  ^c-p 
ec'p  1  i.v.,b  ^  .^sJ..ao  v^^i-^  ^^->^  . lA>.\.  oorp  o2  2;s»a2 
^/sbfiA  '.yta  :  ^i^^M  ^^lsA,  M^p  ^^J  >^p  s^2  ;  2%.n..V 
J>i3  ^*\,Ay.  Ao  .2V-1.1  ec-  ^  ^sj.^  '.KVyP  e2  i:^,iS? 
o2  XA\.  eo7  A3,B^2  «^2o  .i-MO  w.c?  A^  :  23aL\p  or^Se^^au.  20 
2>N2p  "^yso  llso>^i\OJX3  lij\p  2^.e•^^M  '.oa  jao  2^s^a2  ^ai 
%>\ie?  'sp.io  ^\U9  :^p  2aA,2  ^^  e2  :  <A.a*>p  2SA\x   <^ 

§5.  ^  ^2  23u3  .2oc<^  ^Xi2  M.orp  o2  :  'A  \.  oc'p  lju'\  fa\ 
2aaL\  ooTo  :  Ux»2  2>n^\  2;so3aLa  39u^.ao  X.ii.a  ^a-0L32 
aXm^^  oAauap  2aaL\   ecrp  I'yja  :  2^e>.3.3  erA  >\.n-n.Y)  25 

§6.   l.v.a   L32p  Zno  v. ip> » 'VM\.^..aau3    1^Xm2  2x3l\   ^2o   . po.m\  3 


I.  ;joa^>»^3. 


121 


V.  Kapitel. 

Ober  Satze  unseres  Qewohnheitsrechts. 

§1- 
Versorgung  der  wegen  Ehebriichs  geschiedenen  Frau  (s.  Anm.). 

5  Namlich  von  der  Frau,  die  wcijen  Ehebruchs  oder  anderer  Griinde, 

wegen  deren  die  Christen  ilire  Frauen  entiasscn  konnen,  von  ihrem  Gemahl 
entlassen  wird.  Es  gilt  in  betreff  ihrer  die  Bestimmung,  dal5  sie  durchaus 
nicht  bekommen  soil,  was  sie  von  ihrem  Vater  initgebracht  hat,  noch 
was  ihr  von  ihrem  Gemahl  oder  anderer  Seite  zugekommen  ist.    Viehnehr 

10  wenn  sie  sich  nicht  von  ihrer  Hande  Arbeit  nahren  kann,  dann  bestimmen 
die  Leiter  der  Kirche,  dali  ihr  nach  dem  Vermogen  und  dem  Stande  des 
Mannes  und  der  Frau  von  seiten  ihres  Mannes  Geld  oder  etwas  anderes, 
das  fiir  ihren  Unterhalt  ausreicht,  gegeben  wird. 

§2. 
15  Das   Erbteil   kann   bci  Lebzeiten   des  Erblassers   nicht  ge- 

fordert  warden. 
Wenn  ein  Sohn  (Kind)  von  seinem  Vater  oder  eine  Frau  von  ihrem 
Gemahl  eincn  Teil  (der  Erbschaft)  fordert,  ist  er,  solange  er  lebt,  berechtigt, 
ihnen  denselben  zu  verweigern. 

20  §3. 

Enterbung  der  Ehefrau  oder  der  Kinder. 
Wenn  ein  Mann  wegen  frevelhaften  Benehmens  oder  Ungehorsams 
seiner  Frau  oder  Sohne  (Kinder)  ein  Schreiben  schreibt  und  von  den 
Richtern  der  Kirche  untersiegcln  laBt  (ein  Schreiben  des  Inhalts),  daB  sie 
25  keinen  Teil  haben  an  seiner  Habe,  und  er  dann,  ohne  ein  Testament 
gemacht  zu  Iiaben,  stirbt,  dann  werden  diese  Frau  und  diese  Sohne  (Kinder) 
nicht  zu  seiner  Erbschaft  berufen. 

§4. 
Folgen  der  Annahme  an  Kindesstatt. 

30  Wenn  eine  Frau  oder  ein  unmiindigcs  Kind  (5.  Anm.)  von  jemand 

an  Kindes  Stelle  und  als  Erben  angenomnien  werden,  und  sie  vor  dem- 
jenigen,  der  sie  angenomnien  hat,  sterben,  haben  die  Blutsverwandten  der 
angenommenen  Frau  oder  desangenonimenen  Kindes  keinen  Erbanspruch 
gegen  die  Habe  des  Mannes,  der  sie  angenommen  hat.    Wenn  sie  dagegen 

35  nach  seinem  Tode  sterben,  dann  fallt  der  Erbteil  dieser  Frau  oder  dieses 
Kindes  ihren  Blutsverwandten  zu,  und  seine  urspriinglichen  Erben  haben 
iiber  diesen  Erbteil  keinerlei  Verfiigung.  Und  wenn  dies  Kind  oder  diese 
Frau  von  den  ursprunglichen  Erben  des  Mannes  in  eine  Sozietiit  {vff/. 
Buch  V  Kap.  IV),  die  aus  den  Ertragnissen  von  Feldern  oder  aus  der  Miete 

40  von  Hausern  besteht,  aufgenommen  worden  ist,  dann  flielit  eine  ent- 
sprechende  Rate  des  Einkommens  den  Blutsverwandten  dieses  Kindes 
Oder  dieses  Weibes  zu. 

§5. 
Adoption  (s.  Anm.). 

45  Wenn  ein  Sohn  (Kind)  von  seinem  natiirlichen  Vater  (5.  IV,  IV  §  1) 

einem  anderen  Manne  an  Sohnes  Statt  gegeben  (geschenkt)  wird  und 
dieser  ihn  an  Sohnes  Statt  annimmt,  so  gilt  er  nur  als  Sohn  (Kind)  des 
Adoptivvaters. 

§6- 
50  Adoption  ohne  Aufgabe  des  bisherlgen  Kindesverhaltnisses. 

Wenn  ein  anderer  Mann  mit  Einwilligung  des  natiirlichen  Vaters 
den  Sohn  (das  Kind)  des  letzteren  an  Sohnes  (Kindes)  Statt  annimmt,  ist 
er  der  Sohn  (das  Kind)  von  ihnen  beiden. 


—     122     — 
§7.  u.oroL32  »2o  -23^  lo'cn  >  oajJ'ii^p   .li\o^3^  oisolS  \.:x.n^ 

eor  :  g;v.tn  ^   :9>^  vj^  3o;«o    :  2;s 02^.3.3    I^L.!  2a.T.X 

§  S.   zly^l  ^ft^.*^  ^2  ;L^2  ^aoA    4^^  .lo'ai  J-o^   1323   .%\^\ti 

.  ? \.'T0   o^\«3   l3u'xei^   ^oop..ao   >M   >««\.a   ^.^Zjua^^    :  1^2 

IV.  VI.   .aj^aa  >32  ^^s^^  ot^^^^s?  2J\0k»  ^^J^  2^:m2  A.^  :■  isxp   1x3 

§1.  M:e   :U3m2  2%a\.^  JSecr  \^3wX  I^  Sl^s   3^.1,    ^   oou^ 

obi  ;U9l3  ..s^oo^ii^vd  v39  2xuo  i\at  .^'>»..3L33  2i\3a  e2  2^3 
t;  2.  0^  :!o^  . 1.13^^2  2>-i\\  ^>eoT3  ^3  00^1^2  .\^  ^  ^3^023  <» 

l!S2   .Id^soj  6;\^>33  ^3kX3  ^^^^^^3   ^\i3e    llja    .^    : -^Mao 

S-ax3L^  e2  »^eo7*^au«l.^  o2  »^eov»-«*Z^  .»^eovi*S3a^  ^-V-^ 

IV.  VII.    )\^   -:-    la>3,3C3    1X3    .\^  ^   ^3^23    007    ll*3    .^OO^^jJ'iJap 

;u>iift^T3   2:^^ae  6^\.^a3e   Lis^isou^e    I-ad^xj3   2^isj2 

§1.  :;^3wm2  23>.3,.Y^  2eo7iN3  'ppJO  ^  2JSisi2  .l^^ssou.  ^.a.33 
:  2d«,d,;u33  ,^JL3  ^^  e2  Uj>.3  ^bo  Ju2  Mio  :  >>ocr3  s^j  o2 
UL<Ai3  2^303  eo^i2  \2  .^crp  Zi.<j^  ^  2^a»  6;^  ;s^ 

§  2.  2dvOL»ao  op  .lils^a*  >.«ja3  lasj:  ^2  .dpol^  ^2  2ooT  .2X.>» 
:sJS  croa2  :sd^  ^  ^a3^^2  bioalp  XipJaoJ^p  2^3a  ^2 
^3   2iSOM2   ^    .2&Mfc3L3   ^i^.i.^3   vO-A^   t^    :  ^^Ajao   ^   o;A 

§3.  ^3  23k3  .\^  ^  ^3i^^?  OCT  Z&«3  .2^JM  c;^  2^2  2;si3uAA 
said  ;i^3  ^  oo^^  .t^o7a32  ^  ^•oao  :  ajS  ^JC33<^23  oovi2 
isaaUf;  Xxlp  'ppM  OCT  ^:)b  3>,^jo  23a  Iao;^3  :^.«lx.3u.  ^O7oa2 

*   ,1  »1.«a    u.07a32  zu  tilgeii. 

-  I.  ^'xd^^o. 

^  1.  1^1 


20 


—     123     — 

§7. 
Zuwendungen  an  den  Adoptierten. 
Und  wenn  ein  anderer  Mann  mit  Einwilligung  des  naturlichen  Vaters 
den  Snhn  des  letzteren,  wenn  er  noch  Kind  ist,  an  Sohnes  Start  annimmt 
5  und  ihm  etwas  von  seiner  Habe  gibt,  so  gehort  diese  Habe  dem  natiir- 
lichen  Vater. 

§8. 
Die  Beerbung  von  Kommorienten. 
Wenn  drei  Bruder  zusammen  sterben,   und  man  nicht  weifi,   wer 
10   zuerst  und  wer  zuletzt  gestorben  ist,  so  beerben  die  Verwandten  dieser 
drei  Bruder  einen  jeden  einzelnen  von  ihnen  besonders. 

VI.  Kapitel. 

Ober  die  Frau,  welelie  nach  dem  Tode  ihres  Geniahls  auch 
noch  ihre  Sohne  (Kinder)  durch  den  Tod  verliert. 

15  §    1- 

Unverheiratete  Witwe  Erbin  ihrer  Kinder. 
Wenn  nainlich  (die  Witwe),  bevor  sie  eine  neue  Ehe  eingeht,  einen 
ledigen  Sohn  oder  eine  ledige  Tochter  durch  den  Tod  verliert,  bekommt 
sie  einen  Teil  von  ihrer  Habe,  wie  wir  oben  angegeben  haben  (JV,  III  §  3). 

20  §2. 

Verheiratete  Witwe  nicht  Erbin  ihrer  Kinder  aus  erster  Ehe. 

War  sie  dagegen  bereits'  wieder  verheiratet,  so  bekommt  sie  nichts 

von  den  Sohnen  und  Tochtern  aus  dem  Geschlecht  ihres  ersten  Gemahls, 

falls  sie  sterben,  sondern  deren  Erbschaft  fallt  ihren  BriidernoderSchwestern 

23   Oder  ihren  iibrigen  Blutsverwandten  zu,   wie  wir  oben  dargelegt  haben 

(IV,  III  §3,  s.Anm.). 

VII.  Kapitel  (s.  Anm.). 

Ober  die  Frau  (Ehefrau),  der  durch  das  Testament  und  den 
Befehl  ihres  Qemahis,  und  iiber  die  Tochter,  der  durch  den 
30  Befehl   ihres  Vaters  ein  Tell  (seiner  Habe)  gegeben  wird, 

wahrend  jene  wie  diese  beide  von  derTeilnahme  an  der  Erb- 
schaft neben  den  iibrigen  Erben  ausgeschlossen  sind. 

§1- 
Erbrecht  der  Mutter  am  Nachlafi  der  verheirateten  Tochter. 

35  Wenn  eine  (abgefundene)   Frau  (Witwe)  vor  ihrer  Wiederverhei- 

ratung  oder  nach  derselben  irgend  jemand  von  ihren  Sohnen  oder  ledigen 
Tochtern  durch  den  Tod  verliert,  bekommt  sie  nichts  von  deren  Habe. 
Wenn  aber  eine  Tochter,  die  bereits  verheiratet  war,  stirbt,  dann  erbt 
von  ihr  auch  ihre  Murter  wie  ihre  iibrigen  Erben. 

40  §2. 

Erbrecht  der  Tochter  am  NachlaB  der  verheirateten  Sch  wester. 

Auf  gleiche  Weise  bekommt  auch  die  Tochter,  welche  auf  Befehl 

ihres  Vaters  von  ihrem  Vaterhaus  getrennt  worden  ist,  nichts  von  den- 

jenigen  (ihrer  Geschwister),  die  im  Vaterhause  sterben.    Dagegen  von  den 

45  verheirateten  Schwestern  erbt  sie  einen  Teil,  wie  wir  oben  (IV,  I  §  12?) 

angegeben  haben. 

§3. 
Erbrecht  des  Sohnes  und  Abfindung. 
Wenn  ein  Vater  seinem  Sohne  einen  Teil  (seiner  Habe)  iiberwiesen, 
50  aber  nicht  ausdrucklich  verfiigt  hat,  da(5  dieser  Sohn  auBer  dem  ihm  ubcr- 


—     124     — 

U«  ocp  ^3  ^2  .^aioaip  i:s.,.3^  ^i^..ie?  -o^'crp  U^xfi  ^ 
J^aiaal?  U.vr>  ^  i\sie  oj^  i^^  :  ajJiB  \^  ^  wib>2o2p 
u.c?o«.23  U.j>f33  ^p   Zaxx  ^   .M.cou.1^   ^-  *  -^  -r   ^-^^p   ecr 

§4.  2b^  \x  .U^Sou.  ^ajp  lais  73-^  ^j..^  cjA  x^2  .  ..^.^^^^ p 
^2  :  ulJo2x»  ;^  l^aao  e2  1^07301^  >  ec;^  Js^2p  2^3a  e2 
•3UQ»JS  U.01  2^xa  v^3  .1  raoia  1  3>.CLa  2jvo\.\~o  I^o.iaft 
71^  o^ V^a o  2Xii»  JLxaa   .ooT  2aa  ^^p  ^2e   .233  ^2  2io» 

§  5.  ^  A-a^Ttf  o2  2pLxj  o^au^p  ^^p   ecr  \^  .2^^'3u.p  X^^jc 

.U.07CL.2   ^    iA3^^O0   007    SlA    .u.O70UkZ!S   >^^^  ^^^    .^07eu*2 

Xl^  ^p  •s^2o  .o'Xj.^  ov^  aai^i^is    .  Ti.Vwis-ip   ..^ib   oor   •\2e 

ovS  ^.iJoSioo  SwA  .u.coou'xd  o2  ^ctou.2  o^  >^^.^u.    -rV  -xsx 

IV.  VIII.   isHiop   lijX    \^  ■:■   ldj^;sp    >jc3    .^.070^.3    v»:ieou   ^eoA^ 

§1.  v^^?  ooi  ^2  .M33e3  *^ajj^o  ,^\\,  ^oct.iie  :  w-coiae 

•s^oo:^^  Jopi   .  ^eoTa32p  U^xa   ♦^ftSVlip   i^sse'sp   ^oaor  )s 

ft'n.ifti   2;s3kXp   U'aap^Mp   UpOioAae    .2^3^^  vf^i!-^   ^ 


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^SjJ,po  iJJso^aj^o  XJLil  ^aj!L,l.  ^  v^ib  :^«2  ^2e  .2;s>.^p  20 
^2p  ^oo^m^Xj  ^P  >^  •s^2e  . ^.\.a>\SuA  ^oau^lS  .2ov^2 
Xa^I  .^c7ouau'3aj  ^  3b«^  e2  Lj23  iZlS  A^^  .  ^Ao< 
uQ303A\a  s^  o2  .2o;^2  JS\..>,To  2;se^3io  o^yityi  xu^^p 
§2.  ^303p  .xOacr  ^^  I^  ^p  *^2e  :  2;saL^  ^id^^a  >.^Tp  !U«2 
i*\\p  >^eo;.K3u'xc)  ^  ^3^.2  Ju2  N«2  ^^^o  . lj>«i.d  v^o\\*Vip  25 
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I.  Z^v? 


1.    v« 


—     125     — 

wiesenen  Teil  keinen  Anteil  an  seiner  Habe  haben  soil,  dann  beerbt  der 
Sohn  seine  iin  Vaterhause  sterbenden  Geschwister.  Wcnn  aber  der  Vater 
so,  wie  oben  angegeben,  verfiigt  (d.  li.  den  Sotin  abgefunden)  hat,  dann 
bekommt  der  Sohn  nichts  von  der  Habe  seines  Vaters,  die  seinen  Ge- 
5  schwistern  (lit.  Briidern)  als  vaterliches  Erbteii  zufallt.  Dagegen  von  der 
anderweitigen  Habe  seiner  Geschwister,  wenn  sie  sterben,  bekommt  er 
seinen  Anteil  neben  den  iibrigen  Erben. 

§4. 
Erbrecht  unheiibar  kranker  Kinder. 
10  In  betreff  eines  Sohnes  oder  einer  Tochter,  weiche  unheilbare  Krank- 

heiten  oder  Korperfehler  haben  wie  Blindheit  und  Lahmheit,  bestimmt  das 
Gesetz : 

1st  es  eine  Tochter,  so  erbt  sic  wie  ein  Sohn. 

1st  es  ein  Sohn,  so  erbt  er  neben  den  iibrigen  Erben  anderthalb  Teile. 

15  §5. 

Erbrecht  geisteskranker  Kinder. 
In  betreff  desjenigen  Kindes,  das  an  einem  Damon  krankt  oder 
dessen  Gehirn  getrubt  ist,  befiehit  das  Gesetz,  daB  sein  Teil  der  Erbschaft 
neben  demjenigen  seiner  Briider  abgesondert  iiiul  seinen  Briidern  iiber- 
20  geben  werden  soil,  damit  diese  es  ernahren.  Wenn  es  gesund  wird,  wird 
ihm  sein  Erbteii  iibergeben.  Wird  es  aber  nicht  wieder  gesund,  beerben 
es  seine  Bruder  (Geschwister)  oder  Blutsverwandten,  indem  sie  verpflichtet 
sind  es,  solange  es  lebt,  zu  ernahren. 


Vlll.  Kapitel. 

25  Ober  den  Fall,  daB  ein  Mann  stirbt,  wahrend  seine  Kinder 

teils  unniiindig,  tells  miindig  sind. 

§  1   (s.  Anm.). 

Teilung  der  Erbschaft.    Unmiindige  Erben. 

Wenn    die    miindigen   Kinder  die  Habe  ihres  Vaters  zu  teil  en 

30  wunschen,    miissen   sie  sich  an  die  Kirche  wenden.     Auf  GeheiB  der 

Kirche  bestellen  sie  zwei  oder  drei  Vertrauensnianner,  und  durch  deren 

Vermittlung  teilen  sie  die  Habe  in  deutlich  geschiedene  Lose,  und  dann 

nimmt  jeder  sein  Los  in  Besitz.    Die  Lose  der  unuiiindigen  Kinder  werden 

auf  Befehl  der  Loiter  der  Kirche  (Pfiegcrn)  iibergeben,  und  zwar,  wenn 

35   unter  ihren  Briidern  zuverliissige,  gottesfiirclitige  Manner  sind,  diesen  ihren 

Briidern.    Wenn  aber  solche  unter  ihnen  nicht  vorhandeii  sind,  werden  sie 

den  Brudern  ihres  Vaters  oder  einem  seiner  Blutsverwandten  iibergeben, 

der  durch  Rechtschaffenheit  und  Gottesfurcht  bekannt  ist,  oder  (sonst  je- 

mand),  der  in  jeder  Beziehung  nach  der  Ansicht  der  Kirche  geeignet  ist. 

40  §2. 

Zwangsteiliing  der  Erbschaft.  Unmiindige  Erben. 
Wenn  die  miindigen  Kinder  die  Teilung  nicht  wiinschen,  wenn 
aber  dann  irgendein  Verwandter  der  unmiindigen  Kinder  vor  der  Kirche 
Beschwerde  fuhrt,  dali  die  miindigen  die  Habe  der  unmiindigen  nicht 
45  in  gebiihrender  Weise  verwalten,  dann  befehlcn  die  Leiter  der  Kirche 
den  miindigen  Briidern,  die  Teilung  vorzunehmen  und  die  Habe  der  un- 
miindigen abzusondern  (von  der  ihrigen).  Sie  (die  Leiter  der  Kirche) 
nehmen  dann  diese  Habe  an  sich,  wie  es  sich  gebiihrt,  oder  iibergeben 
sie  Vertrauenspersonen,  weiche  der  Kirche  genehm  sind. 


—     1 2() 


§2.    v^ 


iV.  IX.  .2:s..j  ^waucs  ^p  Olao-  g;^'ii\oi  30  3  3  Isaoc  \x  :  l^j:;\p  Ixs 
§  1.  ^^UM.3k£  Jii2  \x  :  o^a.iOLXp  Zmolo  I^ioa  li^  adi^  ^  ^2 
.^2  : 2;^o  2x»3  UaudOL^  ^2  ^aLX^^  2^.o  as  2ocii  eoTp 
w.cTe^^2  LJ^iXaoe  X  ^  '^A  o  vi?  . T  > > o  n  w^sXs  2•,'>*^k»  w.p 
'^^■^tVaM  .2JSe^a^^J  o;3  .  eaVo*^*^?  «oacfp  2^o<N3^o  2^JXx!^  s 
^a..a.^>.aoe  y^  2  Abo  a  ^^.^  :  2^a^p  2d«N33^  ^xd  >  e^'-''^3u'xa 

Xag-aXftt.a   l^o32p  2iao2»   7x\s   .2o;^2  ;s\m3   ojJ^   x«2e 


t 


*N"'**'  e2. 


127     — 


IX.  Kapitel. 

Uber  dudagsalarih,  d.  i.  das  Institiit  des  Hausoberhauptes 
(s.  Ann/.). 

§1- 
5  Vom  dudagsalar,  d.  i.  Hausoberhaupt. 

Wenn  ein  Familienoberhaupt  am  Tage  seines  Sterbens  mit  klaren 
Worten  jemand  zum  Hausoberhaupt  einsetzt,  soil  gemaB  dieser  seiner 
Verfiigung  verfahreii  werden. 

§2. 

10  Einsetzung  eines  neuen  Hausoberhauptes. 

Wenn  man  aber  dann  durch  die  Erfahrung  wahrnimmt,  dal5  er 
ein  Verderber  und  Beschadiger  fiir  die  Familie  und  die  Erbschaft  derjenigen, 
die  an  dieser  Erbschaft  teilhaben,  isf,  oder  ihre  Blutsvervvandten  (wider 
ilin)  vor  dem  Altar  (Var:  vor  den  Leitern)  der  Kirche  Bescliwerde  fiihren, 

15  dann  sind  die  Leiter  der  Kirche,  nachdem  sie  ein  Verhor  und  eine  Unter- 
suchung  angestellt  und  ersehen  haben,  daB  die  Beschvverde  berechtigt  ist, 
befugt,  ein  anderes  Hausoberhaupt  anzustellen,  eine  Person,  welche  den 
Leumund  der  Zuverlassigkeit  und  der  Oottesfurcht  hat  (s.  Ebedjesu, 
Tractatus  S.  243  Kol.  2).' 

20  Zu  Ende  ist  das  vierte  Buch  von  Jesubochts  Corpus  juris. 


"V 


Buch  V. 

Obligationen. 


13  Kapitel. 


Sachau,  Syrische  Rechtsbucher  III. 


1  :^(i 


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\^3  ^^aa  ^ox^p  o)\^p  Sla  oi^p  Ixaa^p  I^aolv  ;3e;\ 
.Xxh  .laooXaop  ^i^?  Ilcu^LderuO  >^^^e2  l-ss  :■  lump's  A, 
:  \.3».3  o2  'isaOl  la.T  X,  .\. .  \  t  ^  Ip  ^'cr  \^  . : ,  .■■■w>..d 
.^3>»3  1S3  .1^  e2  -ISrP  ^^^  g^tiUd  ^iviS  :  ov^aao^s 
:  ^jorabo  Jul^  .so;^?  isp^^?  :ju1^  >\,  At  ^Ip  ^er  \x 
\^  .Zn!S^P  1x3  .^CTrp  23^.2  ^\\^3  .a«auoa  <v&d9u  jse^^p^ 
.lxaaM3  Xs3  .2^.0L^^0LX  \^  .16^323   1x3  .m^s^se  <oo-a» 


^3  aaoT  g;.>Aa,:\..olj2  \.^  .^\X3   ixS    .  laa.ao    ^oa^   \>. 


UU0^>3     1X3     .U2wX»0    ^xSfu.    >^>^     .  IbOLXp     1X3    ~^\Oa  333^^0 


2X^3  \^   .Uji^P  1X3   . •\,Ii,p-i   l^pe    l\aAnp  2X£i««  \^ 
•  t^c?  ^2pe   2S^lxo    lJl\xa\   >^   .23l«3^p    1x3    .2^^e 

Hjoi*  \s.   .  3iJC»X3^3    1X3    .1X30*0    lU*   \^   .3w«lX3w«3    1X3 


2330*.    t^uX     .SUCX^^^^P     iJKS     .2;^'3u.3^    JOV'^^p     ^DSu^O 

2k»l.aep  22o;^l3cr^  ^v.^o2  iJis  oaa\x   .vvcuo2pe   23aixp 
V.  I.  e2  :..v.3»  93b^   .\.At  >  2p  w.o"  JS^   Itidop^  .lJL3    -l.x.aa... 


1.  ^  Ok^2  .1^  o2  -l^r?  >-3ai^  op^^A  ^:»c&p  Tupao^p  lj.3«a 
2ooT  lA  :  ♦yQgi.tn.ii.iaa  iJfA.vn  oeo*  ^«.t«.^^  i^Lap*  3w.X, 
^p  1^2  .1^  o2  9u.^j»o  \^  23cx\    >\.At  .  2p  :  laa&B  20?* 

l^a^ae  2;so.x.3.3  :  LxjLlj  x«,Xao  wJ.a«   t-'TL-sp  \^^ 

y^uu-o  :2^^a^  l^p  x^2  j»  ^  .  Ahto  :  Ix.^^  lo'so^Lse  20 
^A^2  \x  la.dax  ..j^solX  ^^l^p*  :2;se^d.3^  l^p  x&l^  ^.p 
^^t«ia.,n  Y)   .  ^Cw.  ^s^lAop  >:o  eo-  ^2o   *~^ootjjso  oo'^^.^aop 
^^t.«.,%\T  x^  .;y2^«3d^   iSo  2x^00   l^p  t^p  ^2o   ...^sxsaoo 

>  add.  1&3«.  -  I.  2^a«30L» 


—     131      — 


Fiinftes  Buch 

von  demselben  Jesubocht. 

Corpus  juris  (s.  Aim.). 

Kapitel,  d.  i.  Ke<f)a\ma  dieses  Buclies. 

5         I.  Ob  ein  Mann  berechtisft  ist  oder  nicht,  vor  seinem  Tode  oder  iin 
Sterben  seinen  Besitz  zu  geben,  wem  er  will. 

II.  Ob  ein  Mann  bereclitigt  ist,  eine  Sache,  die  er  eineni  Anderen  als 
Geschenk  gegeben,  ihm  aus  irgendeinem  Grunde  wiederabzunehmen. 

III.  Ober  Geschenk  und  Testament 

10      IV.  Ober  Sozietat. 

V.  Ober  Stipulation  und  Vertrag. 

VI.  Ober  Abcisakhuni,  d.  i.  Erbschaftsverzicht. 

VII.  Ober  Darlehn  und  Pfand. 

VIII.  Ober  das  gefahrdete  und  das  gefahrlose  Darlelin. 

15       IX.  Ober  Zins  und  Zinsvertrag. 

X.  Ober  Deposita,  erborgte  Saclien  und  ahnliches. 

XI.  Ober  Kauf  und  Verkauf. 

XII.  Ober  fromme  Zuwendungen  und  Schenkungen  an  Kloster. 

XIII.  Ober  die  Freilassung  von  Sklaven  und  Sklavinnen. 

20  Zu  Ende  sind  die  Kapitel  oder  Ke4>a\aia  des  fiinfton  Buches. 


I.  Kapitel. 

Ob  ein  Mann  berechtigt  ist  oder  nicht,  vor  seinem  Tode 
oder  im  Sterben  seinen  Besitz  zu  geben,  wem  er  will. 

§1- 

25  Wenn  nainlich  die  Menschen  sich  ihrer  Habe  in  gerechter  Weise 

bedienten,  bestiinde  kein  Zweifel,  ob  ein  Mann  dariiber  verfiigen  darf 
oder  nicht.  Da  sie  aber  oftmals  sich  in  boser,  frevlerischer  und  hinter- 
listiger  Weise  desselben  bedienen,  von  dem  einen  ungebiihrlich  etwas 
wegnehmen  und  dem  anderen  zu  Unrecht  etwas  geben,  so  ist  es  fiir  uns 

30  angemessen,  iiber  das  Geben  und  Schenken  der  Menschen  eine  Unter- 
suchung  anzustellen.  Wenn  sie  in  rechtmal5iger  Weise  geben,  bestatigen 
wir  es;  wenn  sie  aber  in  ungebiihrlicher  und  unrechtmaBiger  Weise  geben, 
fijgen  wir  uns  ihrem  bcisen  Willen  nicht.  In  folgender  Weise  miissen 
wir  entscheiden: 


—     182     — 
^2.  aau  ^   •si   .a^laalS  ^p9  '  Uiu>2   ^l?o   .Ix^   >  eou^^ 

.li^o.A.3  Ljcssol^  2;^ou^  au  :^.^p  9^^'-  ^"^  \  -  ^  ■^ 
^>>^  :  ^^  SkA  el  2^.^^  ^o-o\x  :^«2  a^a  ^.3  «^2  :  2^oooa\\.po  5 
^A^^w^^  : -^.x&^o  ijcsSaAs  ^o-oiae  c^^^il^  g;v.v.o  o^^a 
^fa  vl  :^v^«-  vOO^J^  Juoao  :  lix^l^  aa\\.Ae  ,^^xi 
"voo^-o^^  ^^■'o.ctao  1^  :  2;!s.o  e2  l\xu.  e2  •^■^n  »  oo;^ 
\.At  :  w.o7ftX3L^  e2  ct^>^u1^  aoi*  ^p  ^2   .t»a\A^  Ijkoi 

§3.  Zaix^  o2  ^.070,^1^  .s^2e  :  l\^a3  o2  1323  Z\^%*p  l^e'a^ 
^oo^3u.lA  aJS^jctt  '^^  ;sxd  ^  .^2  .aau  ^o-<x.-i*'xo3 
A.>A*ttN  ^JS2^M  .^2e  -oo^  ^o^^-^?  •  <^  eoj^  aou^2p  lao  ecu 
,.y.AT  1^  .^eo;^  ao^^s.ao  4^^^  a^j  ^p  >2o  :  \\B«^  ^07 
.^a^   l^xS^^p   l»xx   .v^eoT^  aov<.^23   1»   eo*   %~^tvA  is 

§4.  2e9T    yx  \  T.ao    I^   a^a    ..eov^  acr^;v2  .^»^  :9>-0   ^2e 

:  v^ec;-^  ■soij.p  oc'p   ^o-oumJi  2>^.ia  e2   .'! Kiaw  u.ct   ^oT-^p^la 

^^jaolp  yapjao  eor  ;  ^-...aaeLao   iSp  ^os^l^p       \  ^  *   lA 

2.>»AaAg3  oAp  ^OT  \^  .l^ecr  ^p  .^oiae  .•^eoi^  aaui^Lp 

eor  .^eoTA  30u;s2  ^^2^3:s   2A2   .l^o^p   ZjoaouSkO  ou^e  20 

§5.  :  oup>iOk^p  Uso  23aL\  .\.At  Z^e  .ec^  ^oo'>\^po  .  "ap-se 
1^   .2;\3l«  cj!^  w.c7eX^2  1^   ijcsoaoLi  ^p  ooj^  2^x.  ^-■^'^^ 

§6.   i^p   >\.Ay     1^2   .•.0^2  ojMo  o^p    .w^crojap    la^x^    ^^^e 
w.o7ei3   voeoiLi   •v^2   1^2   .30^*  7)3u»  ^2  w.o'ft  \  t  \  ^^Soua  25 
V.  II.   <_..3Xp   1x3   .2o;^2  ^>\■»>^   L.'3kaoLi  e2   :  li»\'akao  e2  2pe'3^ 

JO^p  ^0070^0  Jtii^   ■S&t^p   :B3^3   XI i^    .\.«^y   «^2p   W.CT   \^ 

§  1.  c7  3aA  so^p  ^  'aphsib  .>d.o7p  23^«2  2^A^o  ^cra-ouCM  ^Ok^ou 
LaoxA  «*ceX.o2  cr^.a3^o   crxa  \*,a3>->.   Si.^    .ctt^sa  .V\.3 

'  I.  11^97.        -  I.  o?v.V3l^.        '  I.  ^2e.        '  I.  2;se^>dj^ 
•  1.  l^e. 


—    ]-n    — 

§2. 

Wenti  ein  Mann  zu  Lebzeiten  oder  im  Moment  seines  Todes  seine 

Habe  seinem  Sohne,  seiner  Tochter,  seiner  Frau  oder  einem  seiner  Ver- 

wandten  oder  einem  Fremden  gibt,  so  ist  er  dazu  berechtigl,  vorausgesetzt 

5   dali  die  Saclie  nicht  ein  doloses,  frevelhaftes  Verfahren  invoiviert.    Wenn 

aber  ein  Mann,  sei  es  da(5  er  verschuldet  ist  oder  nicht  verschuldet,  seine 

ganze   Habe   in   listiger   Absicht  seiner  Frau   und   seinen  Kindern   gibt, 

um    hinteriier  Andere  zn    betoren    und   zu   betriigen,   und   wenn  er  bei 

ietzteren    eine  Schnid    kontrahiert,   wenn  er  ihnen  Vieh  oder  Land  oder 

10  ein  Haus   verkauft,   so   lassen   wir  diese  seine  frevlerische  Absicht  nicht 

gehen.     Wenn   aber  ein  Mann   seiner  Frau   oder   seinen  Kindern    seine 

ganze  Habe  gibt,  so  diirfen  sie  die  Gabe  annehmen  unter  der  Bedingung, 

daB  sie  die  Sciiuld  des  Vaters  bzw.  des  Gatten  bezahlen  (s.  A/im.). 

§3. 

15  Wenn  er  sie  seinen  Briidern  oder  anderen  Verwandten  gibt,  wenn 

ihnen  die  Gabe  iibergeben  wird,  bevor  er  die  Schuld  kontrahierte,  so 
gehort  sie  iimen,  wenn  sie  auch  verpfiichtet  sind  die  genannte  Schuld 
zu  bezahlen.  Wenn  aber  die  Sache  ihnen  ubergeben  wird,  nachdem 
der  Geber   die  Schuld    kontrahiert   hat,  diirfen   sie  die  Gabe  nicht  eher 

20   in  Besitz  nehmen,  als  bis  die  Schuld  bezahit  ist. 

§4. 
Wenn  die  Sache  ihnen  aber  auch  gegeben  (d.  i.  versprochcn  oder 
vcrschricbcii)   ist,   bevor  der  Geber  die  Schuld   kontrahierte,   indem  der 
Geber  das  Feld  oder  das  Haus  ihnen  nicht  zu  seinen  Lebzeiten  in  ihre 
25   Hande  iibergab,  diirfen  sie  das  Gegebene  nicht  ohne  Schwur  in  Besitz 
nehmen.    Der  Schwur  (der  Empfanger)  mu[5  besagen,  daB  die  Sache  ihnen 
nicht  in  listiger  und  frevelhafler  Weise,   sondern  rechtmaBig  gegeben 
worden   ist  mid   ihnen  gehiirt    (5.  Ebedjesu,    Tractatus  S.  244,    Kfll.  2, 
Z.  3     11). 
30  §  5.     Vgl.  IV,  IV  §  5. 

Ein  Mann  darf  nicht  im  Sterben  zu  seinem  Erben  denjenigen  machen, 
der  nach  dem  Gesetze  nicht  sein  Erbe  ist.  Er  darf  nicht  von  seiner  Frau 
dasjenige  nehmen,  was  sie  aus  ihrem  Vaterhause  gebracht  hat,  und  es 
seinen  anderen  Kindern  geben,  die  nicht  von  ihr  geboren  sind. 

35  §6. 

Er  muB  unter  alien  Umstanden  seine  Sohne  erben  lassen,  wenn 
auch  nur  etwas  Weniges,  ausgenommen  wenn  sie  rebellisch  sind  oder 
seinen  Zorn  erregt  haben  oder  ohne  Gottesfurcht  sind  (5.  Anrn.). 


II.  Kapitel. 

40  Ob  ein  Mann  berechtigi  ist,  eine  Sache,  die  er  einem  anderen 

als  Geschenk  gegeben,  ihm  aus  irgendeinem  Grunde  wieder 
abzunehmen. 

§1- 
Was  jemand  seinem  noch  nicht  erwachsenen  Sohne  gibt,  wahrend 
45  er  noch  in  seiner  Erziehung  ist,   bis  er  15  Jahre  alt  wird,  kann  er  ihm 
wieder  abnehmen.    {Vgl.  V,  III  §  8.) 


—     184     — 

loa^  2«Sou3LJC3A   l-\JO   Sb^   >  2   :  las  c  &.-3  A    aoup   sa^.^ 
1^  oTxa  oo7e  .oulSui   l-jcaS^^p  ov^  j^o   ^S^e   >CT.ijr3 

§3.  abj^?  "a^ie  ^2o    .cka  ^  »cro^.y  e2  2xo  e2   '\am  e2    s 

oij^  .Tt-oaft^  o;^  .\..>^  :cu.>o.2   o;«3m2  x^».;s3  laart  vr^aoA 

§  4.    .y.\y  A2^  Jsp  23mo  i\32  .!Li'kA.2p  l^ajc^  sou?  ^?  733^30 

V.  III.   .UOis^pe  liyjo-aaa  \^  .i^is?  Xsa  .^cou^ajoa  «^<xd9U3  o;^ 

§  1.  ^\30-aao  Ix^xd    luoss 


—  tsXao?  Xaoa^x  -^  Us*^?  laX*?  •»  iA    10 

OOT3  >i>o7eL^3  ^2  ^3  2^ja'a.ao   .ou  .^«*>I^^ae   A 

.  ^^Vt  A  .l^JC  2aMa  Njo^N23  ^^J  ^  ^cojaso  .li'sisjse 

§  2.   aov»   N^  2xnA^    :    «>'\\..TV>N  ~  Laa.-^   ^p    l-D^^D - 

XI A  e2  ot^^jA  :c^^^  ^  e2  oAa^.  "PP^  ^\3^ 

:23aLV   •Mass   1^  .w.c7e^2  cra^^ls  w>p   IaslSo  :  u>o;ea3  ^   b 
2:^«3  00:3  e2  A,a,M  ^crp  laaxe  .oA  ^a9;«J^23  4j.»  ^o-  oA^s 

§3.  jiio  >A  2aaL\^  •:-  2JSe^x.p  l^Lx  2J-X  A  \  '\.\  :  2a>.nA_3 
.^^i\^  A  e2  ^troi^^l  '^>3  .A:3A  :  A^^p  :sx»  ^^tp  :  :^^.•.e 
^?>so  007  >»c?cL.»3  2aaLX  ^  2^^si2  ^o"  e2  caj  oc"  laaa 
OCT  •s^eoA  ^aAxi    Ap  2v'a.X^  eoA    '\."A.t   *.oA  jo;d.;s23 

§4.  a^jp  :juA  ya^iJ^o  ■a'Xa  Ju2  ^^  -:-  <^  ^cp  Lao.^  'a 3^.90 
o2  o^\eu>  H^  ^^M  ^3^Jo  :  2ecu  \-^P  '^'^t^  o;\^  ^;\ol» 
.U3>Jiaa  ^  Lo  e2  aoij.  e2  z^u^aJLxJop  Iasjc  jsp  e2  c^»>^  ijap 
^1^3  3^o  :  23k.^^  ec-  crj^  ais^^lp  L'y.-s.\o  oA  .yAi 
2ocT  oA^PP  /93u»  ^2  A2  .  ^3^.2  axdo  oA  d^  .2a  n.^  23 

§3.   Aw^p  "opjas?  :  ju A  sXdi.e  ai^^  3^  ^^"^A^  :  c^OLSop  Lu«s 
OCT  cA  •^^^•^2p  23^0.1    00?  .w.070>Sa2  ^!Su.p   li2  SkiLxp  s^j 
3.0  ■:■  .In^^  oA  .siN^p   3X3  23.3l\    IfLop   'v.^n  \^   :  l3^^ 
^A^  2eo;i  A^p  :9>»  >;^*P  SuOde   :  Us^p  23aL\  solx 
\a    U2  >\,  Arp   :  3k:jb2e  *^Xm2  ju  A  e2  ^.^^uA  e2   :  ^sa  30 


20 


§6.    ^- 


1       4 


>   I.  ^Oio'i^l.  -  add.   A    Ar    „^   oc-3?  "^  add. 

•  V  * 

Text?  ■■   I.  OqC^ 


—     135     — 

§2. 
Aber  auch  was  er  dcm  erwachsencn  Sohne  jjeijeheii,  kanii  er,  wenn 
er  im  Alter  bediirftio;  unci  arm  ist  und  sich  niclit  ernahreii  kaiin,  vvalirend 
der  Sohn  ihii  niclit  nach  Oebiihr  unterhalt,  ihni  wieder  abnehmen,  Vieh 
5   Oder  Land  oder  Hans  oder  ihren  Geldeswert. 

§3. 
Aiicli  das,  was  er  seiner  Tochter  gibt,  kann  er,  solange  sie  unter 
seiner  Hand  ist,  ihr  wieder  abnehmen. 

§4. 
10  Was  er  aber  anderen  Personen  gegeben  hat,  kann  er  unter  keinen 

Umstanden  wieder  zurucknehmen. 


III.  Kapitel. 

Uber  Geschenk  und  Testament  (s.  Anni.). 

§1- 

15  (In  diesem  Abschnitt)  zeigen  wir,  wodurch  (das  Testament)  sich 

unterscheidet  (vom  Geschenk).  Das  Geschenk  (unterscheidet  sich  dadiirch) 
vom  Testament,  (daB)  das  Testament  vor  dem  Tode  (des  Testators) 
nicht  in  Wirkung  tritt,  wahrend  das  Geschenk  schon  zu  Lebzeiten  (des 
Schenkenden)  bestatigt  wird.    Eine  Stunde,  nachdem  die  Schcnkung  ge- 

20  macht  ist,  darf  man  nichts  mehr  daran  andern,  dagegen  das  Testament 
darf  man  andern,  solange  (man  lebt) '  (s.  Anm.). 

§2. 

Wenn  ein  Mann  einen  Teil  seines  Feldes  oder  Hauses,  seiner  Frau 

oder  einem  seiner  Sohne  (Kinder)  schenkt,  wahrend  das  iibrige  in  seiner 

25   Hand  ist,  dann  gehort  nach  seinem  Tode  der  verschenkte  Teil  dem  Be- 

schenk-ten,  und  den  Rest  des  Feldes  oder  Hauses  verteilen  wir  zusammen 

mit  der  iibrigen  Erbschaft  (unter  die  erbberechtigten  Personen). 

§3. 

Wenn  ein  Mann  schreibt  und  untersiegelt  wie  folgt:     Meine  Habe  X 

30  gehort  meinem  Sohne  Y    oder    meiner  Frau> ,  so  ist  er  berechtigt,  wenn, 

wieviel  es  auch  sei,  die  Habe  jenem  Sohn  oder  jener  Tochter  von  dem 

Manne  zu  seinen  Lebzeiten  (nicht  im  Sterben)  gegeben  worden  ist 

(s.  Anm),  ihnen   das  Geschenkte   nicht  zu  ubergeben,  solange  er  lebt. 

§4. 

35  Wenn  jemand  zugunsten  eines  Anderen  schreibt  und  untersiegelt: 

Nach  meinem  Tode  soil  meineganze  Habe  dir  geh6ren<',und  erdanach 

etwas  von  seinem  Felde  oder  Hause  oder  seiner  sonstigen  Habe  verkauft 

oder  verschenkt  oder  verpfandet,  so  ist  er  dazu  berechtigt,  und  derjenige, 

dem  er  jene  Urkunde  geschrieben  hat,  hat  nach  dem  Tode  des  Dnnators 

40  weiter  nichts,  als  was  dieser  im  Moment  seines  Todes  besafi. 

§5. 

Wenn  jemand  zugunsten  eines  Anderen  schreibt  und  untersiegelt: 

Das  Meinige  soil  nach  meinem  Verscheiden  dir  gehoren  ,  so  gehort 

demjenigen,    zu  dessen   Gunsten   dies  Schriftstiick  geschrieben   ist,  die 

45  ganze  Habe  des  Mannes,  die  er  seit  der  Abfassung  jenes  Schriftstiicks 

erworben   hat  (s.  Anm.). 

§6. 
Wenn  ein  Mann  ein  Testament  macht  und  bestimmt:  »Meine  Habe  X 
soli  meinem  Sohne  Y  gehoren'  oder    meiner  Frau«  oder  irgendeinem 

'    Der  Text  ist  nur  fragmentarisch  iiberliefert.    Ubersetzung  konjekfural. 


10 


—     13fi     — 

aoL^  l!Sp  oor  ^2  .^^3  <^2  o;!^  »^23   ^lajao   \3o   >ivo\ 
^^   :  >X>'V'n\  o^  ,\,.\t   :  ^>.»  jlizA  J3.^m  ^2o  .l^i\^3 

:  ^30X9  t^Li^aiA,  w.07Ol13  2acj\,  d^l^so  a^^e  :  ..i  is  sN-^a 
2oo^  :3Xa3  ;sx»  e2  ;L\.eu.  o2  2^M>^  007  i^aea  ^2e 
3£^.>.Mp  29dM.doo  2^3^X3  jj'3>3>aaN  e2  ^.c^oaZ^s  Zj^2  2vtA 
i;  S.  JU2  dO^p  :  ^3kM2  ^3h.»  o2  2i\.k3  o2  l\je3u»o  .W.070W.2  ^ 
r^luc  2'f)>oa>a!aa*^  aci  "^.\^  oors  w.o70k32  ^^2  :  230lX9  c?3jA 
^Ax  Z^  .  ^lu:  2'kA^x»M  3^j  .Uao^  pXxo  e2  ^^»  1^ 
§  Q.  *^2  2S>.3i.\  •:■  u.o7ei\.V  ,\. .Vj;  ,vA->y  007  ^2  .^>JSe  00^ 
:  ;3e?  'P?^  J^p  Iv-ytXi  ^\^  3JLb>A  U2  fi^lios  3&3P  :pja^ 
»sio  la^?  ^2  >.nV5aN  .\..«Vt  .cA.3  ;a3>.'o\%-i  :  23o^  oor^ 
A.a^i3  Zj>3w.2  :  U2  a^i^p  3io  uJL.p  JT.^ttn  3>.3,xi  A^a  .'yaal  13 
Ii'aoA^  ^9^  n2  ^>J33«po  Ii'SkSepp  laaoup  1a^2  :  A  -a^p 
1^  ^2o  :  a^dAjLo  JO?i?  ^2  2%  t  \  007  >.n.xp  :  2d^pL^p 
23k^p  s^*2  vop'^3.^^0  •^^>^.  ooT  p^sAiP  ppM  eoA  NoA\«a 

§  10.   :  ^^  3ka32p  ^^2  A«p    Xx^AAa   pA^i^A?    yiaal  -slo  ■:■  •vOOT^ 
Xaau^ojosuai  ;sp^-»   ^i2   3u^2  Ap    :  2%.-t.i^   ec^    3k.»liA    ^2  20 
3^2  ^2  Za«3  o;3o   :■  w.01   Ul^s^p  ^pu.07  o^^  ^>^^3^^2  :  UoT 

§11.  w.^^.i2o  .oA-p  %Jai^p.3  2ia\  XCL^  v^2  :  A3  Xs^p  ^2p 
Zj^2  Is^  o2  ;\.flUo  :  2i3\  ^^^^  2ocn^  u.^3a  ^^A^  o2 
.  ^«0UM  ^?>**  2x»  ^sA  >!yd>\3:  :  2oou  ^^oA^pp  xci3  -ooi? 
)\\xoh.^  Ux»2  2\t\\  2eo7^e  at±e2p  oor  2S>t\^  2o07^  Ap  2s 
2a>A>3>^  23011,  3jil3p  asL^  ecre  •:■  lo^  u.cr7p  U^2  :  la^ 
)!^1  -OC77P  ;Ad.2  o2  ;l\Am  e2  2:^^^  2eo;i  oA*P  •  ^^|7jm  23^. 
2&.0  2oo^  oA'P  :  2xak\  ^A^  Uoor  iv^A^  ^2p  xtl3  ^^ 
00^  07*S30  o2  .07j^^2  U.C77  lotTlis  A  v2  •ooip  lj^2  .Afl.*  e2 
.6;^   30UP   ^3^  OCT   ^0^130   I3.A>A    l\^    A    .33i>2p   230l\ 

23aL\  oaj.a  ^ouocu    .2^3kXp  U^3>3o  ♦van.ft\>  3^3  «.^2  A2 

'   I.  23aL\.  '   I.  loOfA    St.    :9>30?  '   add.  007p    l303>.^? 


30 


—     137     — 

Anderen,  unci  er  spricht:  Ich  bin  befugt,  dies  Testament  zu  andern  wann 
ich  will  ,  so  ist  er  befutjl,  mit  seiner  ganzen  Habe  zu  verfahren  wie  er 
will,  als  hatte  er  gar  kein  Testament  gemacht,  und  wenn  er  Schulden  hat, 
kann  er  sie  bezahlen  aus  demjenigen,  was  er  jenen  gegeben  (vermacht)  hat. 

§7. 
Ein  Mann  schreibt  und  untersiegelt:  Dies  oder  das  Feld  oder  Haus 
soil  nach  meinem  Verscheiden  dem  besten  unter  meinen  Sohnen  ge- 
horen  .  Er  stirbt,  wahrend  seine  Sohne  noch  unmiindig  oder  auch  schon 
mundig  sind.  (Unter  alien  Umstanden)  gehort  jenes  Haus  oder  Feld  oder 
10  was  er  in  dem  Schriftstuck  erwahnt  hat,  demjenigen  seiner  Sohne,  der 
seinem  Vater  oder  den  Verwaltern  der  Kirche  der  beste  unter  den  Brudern 
zu  sein  scheint  (5.  Anm.). 

§8. 

Wenn  ein  Mann  einem  unmundigen  Sohne  ein  Feld  oder  Haus 

15  oder  etwas  anderes  schenkt,  und  wenn  der  Vater  des  Kindes,  bis  es 

ISJahre   (vgl.  V,tl  §  1)  alt  geworden,   das  Objekt  weder  verkauft  noch 

verpfandet,  so  verfiigt  daruber,   nachdem  es   15  Jahre  alt  geworden, 

nicht  mehr  der  Vater,  sondern  sein  Kind  (s.  Anm.). 

§9. 

20  Wenn  ein  Mann  bestimmt:     Nach  meinem  Tode  soil  N  mit  meiner 

Habe  machen,  was  er  willc,  so  darf  N  mit  aller  Habe  des  Testators 
machen,  wie  er  will. 

Wenn  er  spricht:  >N  soli  nach  meinem  Tode  mit  meiner  Habe 
verfahren,   wie  er  weiB,   daB   es  gut  fur  mich  ist    ,   wie  z.  B.  mit 

25  Bezug  auf  (kirchliche)  Gedenkfeiern  und  fromme  Gaben  (Stiftungen),  (so 
ist  das  giiltig),  wenn  die  Leiter  der  Kirche  finden,  daB  jener  Mann  ge- 
ziemend  und  gut  handelt.  Anderenfalls  sollen  sie  abandern,  was  der 
Mann  (N)  verfugt  hat,  und  solien  nach  ihrem  Ermessen  vorgehen. 

§  10. 
30  Wenn  jemand  bestimmt:    Es  soil  mit  meiner  Habe  verfahren  werden, 

wie  N  sagt  ,  und  nun  N  erklart:  >Ich  sage  nichts  in  dieser  Angelegen- 
heit",  alsdann  ist  jenes  Testament  ungultig. 

Dasselbe  gilt,   wenn   der  Testator  den  Ausdruck:     wie  N   will 
gebraucht 

35  §11. 

a)  Wenn  ein  Mann  in  seinem  Testament  bestimmt  und  meine  Frau 
oder  meine  Tochter  N  moge  den  Mann  X  heiraten,  und  er  auBerdem 
bestimmt,  daB  der  Acker  m  oder  das  Haus  n  ihnen  gehoren  soil,  dann 
steht  es  jeder  von  ihnen  frei,  den  angegebenen  Mann  nicht  zu  heiraten, 

40  sondern  einen  anderen  guten  Christen,  wen  sie  will,  zu  heiraten,  und 
was  er  jeder  einzelnen  vermacht  hat,  Haus  oder  Acker,  oder  was  es  sonst 
sei,  gehort  ihr. 

b)  Wenn  aber  der  Testator  bestimmt:  Wenn  sie  den  X  hei- 
ratet,   soil   ihr  das  Haus  m  oder  der  Acker  n  gehoren^,   und  nun  sie, 

45  sei  es  die  Frau  des  Verstorbenen  oder  seine  Tochter,  den  genannten 
Mann  nicht  heiratet,  dann  bekommt  keine  von  ihnen  dasjenige,  was  er 
ihr  vermacht  hat.  Nur  in  dem  Fall  bekommt  sie  es,  wenn  die  Leiter 
der  Kirche  durch  Untersuchung  feststellen,  daB  der  vom  Testator  ge- 
nannte  Mann  einen  Schaden  an  seinem  Leibe  hat,  so  daB  sie  ihn  nicht 

50  heiraten  darf  (s.  Anm.). 


—     138     — 

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^  jia>^kao  acru-isie  oAp  oo^e  .^ooro^  w,3^I  jlaO^  tec 
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■:■  o^aXSou.  ^^  i>i2e  o;^  2-»\r^  -  vOog>»  pu*  XZ^ib  >  2  :  Llo^  20 

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y.01  X'j^  .^2  :o^  soj.^  007 p  Ij>a2  2^.^  ^^2  e2  1  \  ei..  «s^2 
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«v2e  .2oou  ^f\^3p  .oi^^s  uy»  hS»  ^2  :  2^X»p  Z^p  2X^iMo  25 
1^:0  -Uis  6;;^  ^^^  ^2o  .ov>i3.^   ;  ^,4)   .o^X.^^  x.^^  ^p 

ij  16.  o2  .^w^  0T:^beZ^  e2  ot3>.-i.v.\  2x3l\  30^^  v<^  ■:-  ap^hjxS 
ovjj  l\iel  o2  2pqLX  ocT  ^  .\.At  .  ^3^2  Tsy^  o2  :,T\a.. 
.^.o^s^p^  o^ipLioi^o  ^2e  <.*oT0u«.3  Z^ci^  ^^  3un.^.»^  spuao 
Tipkdo  ^1^  'sp^  OCT  ^^07  .^.Za9o  aoT^  e2  ^»ae   Z^   ^p   ^2  30 

<  I.  >X3«.         '  I.  2^^.a23. 


—     1H9     — 

§  12. 

Wenn  ein  Mann  ein  Feld  oder  Haus  oder  etwas  anderes,  was  nicht 

ihm  gehort,  einem  anderen  als  Geschenk  gibt,  und  der  Beschenkte  weiB, 

daB  es  ihm  (dem  Schenkenden)  nicht  gehort,  es  aber  dennoch  annimmt, 

5  so  soil  der  Schadenersatz,  den  die  Qesetze  (Richter?)  uber  eine  solche  Sache 

verhangen,  zur  Halfte  von  dem  Schenkenden,  ziir  Halfte  von  dem  Be- 

schenkten  gezahlt  werden.    Und  wenn  er  auch  das  Feld  besat  hat,  niul5 

er  es  seinem  Eigentiimer  zuruckgeben.    Wenn  er  aber  nicht  wuiite,  (daI5 

das  Geschenkte  dem  Schenkenden  nicht  gehorte),  so  miissen  ihm  seine 

10  Auslagen  und  sein  Schadenersatz  von  demjenigen,  der  ihm  das  Feld  ge- 

geben,  obgleich  es  ihm  nicht  gehorte,  zuruckerstattet  werden. 

§13. 
Wenn  jemand  einem  Anderen  etwas  als  Geschenk  gibt  und  dabei 
nicht  die  folgende  Bedingung:  Wenn  es  dir,  aus  was  fur  einem  Grunde 
13  es  auch  sei,  abgenommen  wird,  so  entschadige  ich  dich  ,  hinzufiigt,  oder 
wenn  der  Schenkende  sich  von  dem  Beschenkten  eine  Gegengabe  in 
Oeld  oder  etwas  anderem  geben  laBt,  dann  kann  der  Beschenkte,  falls 
ihm  die  Sache  abgenommen  wird,  nicht  eine  Forderung  gegen  den,  der 
ihm  die  Sache  geschenkt  hat,  erheben. 

20  §  14  (s.  Anm.). 

Wenn  ein  Mann  A  in  seinem  Testament  in  betreff  seiner  Frau 
Oder  seiner  Tochter  bestimmt:  Es  soil  ihr  eine  bestimmte  Sache  ge- 
geben  werden,  und  sie  soil  von  meiner  Habe  ausgeschlossen  sein<t; 
wenn  nun  jemand  B  aus  seiner  Familie  stirbt  (z.  B.  ein  Sohn),  dann  fallt, 

25  solange  von  A  (der  als  verstorben  zu  denken  ist)  auBer  der  genannten 
Tochter  noch  andere  Kinder  vorhanden  sind,  die  Erbschaft  des  B  der 
Frau  (der  Witwe)  oder  der  genannten  Tochter  nicht  zu.  Wenn  dagegen 
A  anderweitige  Kinder  auBer  der  genannten  Tochter  nicht  (hinterlassen) 
hat,  dann  fallt  ihnen  (der  Frau  und  der  genannten  Tochter)  der  NachlaB 

30  des  B  als  Erbschaft  zu  nach  den  Bestimmungen,  die  wir  oben  (IV, I 
§  5  b,  c,  e)  gegeben  haben. 

Wenn  A  eine  solche  testamentarische  Bestimmung  in  betreff  seines 
Sohnes  getroffen  hat,  (so  ist  zwischen  zwei  Fallen  zu  unterscheiden): 

a)  Wenn  die  Habe  von  A  noch  nicht  verteilt  ist  (unter  seine  erb- 
35  berechtigten  Kinder)  und   noch   nicht  jeder  von  ihnen  das  Seinige  be- 

kommen  hat,  und  wenn  in  dieser  Zeit  einer  von  ihnen  stirbt,  dann  fallt 
dessen  Erbschaft  dem  genannten  Sohne  nicht  zu. 

b)  Wenn  dagegen  in  der  Zeit,  nachdem  die  ganze  Habe  des  A 
(iiber  seine  Erben)  verteilt  werden  ist,  einer  von  ihnen  (den  Erben)  stirbt, 

40  dann  fallt  dem  genannten  Sohne  ein  Erbteil  von  seinem  NachlaB  zu. 

§15. 

Wenn  ein  Mann  schreibt  und  untersiegelt,  daB  die  Habe,  die  er 

erwirbt,  seiner  Frau  gehoren  soil,  oder  wenn  er  irgendein  Feld  oder 

Haus  ihr  gibt,   so  kann  die  Frau  nach  Belieben  es  verkaufen  oder  ver- 

45  schenken,  aber  bevor  sie  es  verkauft  oder  verschenkt,  bleibt  es  in  der 

Hand  ihres  Gemahls  (vgl.  §  21). 

Wenn  sie  es  nicht  verkauft  oder  verschenkt,  und  ohne  Testament 
stirbt,  gehort  es  ihrem  Gemahl,  falls  er  noch  lebt:  wenn  er  nicht  mehr 
lebt,  ihren  Sohnen,  und  wenn  sie  keine  Sohne  hat,  ihren  Verwandten. 

50  §  16. 

Wenn  ein  Mann  seinem  Sklaven  oder  seiner  Sklavin  ein  Haus  oder 
Feld  oder  etwas  anderes  gibt,  kann  der  Sklave  oder  die  Sklavin  zu  Leb- 
zeiten  mit  dieser  Sache  machen,  was  er  resp.  sie  will,  und  auch  im  Sterben 
durch  Testament  daruber  verfugen. 


—     140     — 

§17.  'pxao  iS  .;Uo7    .^  aiix^ai^p  oraou.^  '  ^cot^^l  oi^p   a2^3 
a.M*  .aijjaa  ^^^^  >2  .<^   :.il  aotoS    3b3>2  »2    ti^I   .eo' 

§  IS.   e2  : 2;s^  o2   :  l\xi^  ca^a^^   Ixsl-X^   ac;^   •  2    :     ■rr«%  'r -\, 

«\,  At  .gTa>a^^  Z^xaa)  2a.»  a^  30i^3  2iaL:30  e^'   :  oi^  ;s«23 

Z^  »^2e   .^^p  s^ai^  ,^^^0^  or^oaaa  e2  ^cro...^   ^3^3-V<   eo7 

§  10.  ^2  2k3\  V  ^u'ois^l  Ux.*2  criva    .^.;Jee   >J*ie    Z^o   20^ 

^   >\.At  :  23w.  2au.;sjc»2  UJt  \^o  ..A^p  ZaL^eawa  >n  ^,1    10 

23L^ioQ>2  w.cr  wtL^  l^p  o^  .\.,\x   1^  .ou^jJ3  \-D.ni   ^p  ^2 

§20.  :aT\*p   XJO^f^yj  xtx5  >A  2aaL\   :  2a>.'a.X_   o'er?   om  xaexs 

yAd  2d^^:3  o2  )  \n»  2A2  :  2oou&   w\«p  23ap   ..;  ,va   af\s>p 

aoT^isl?  2au3  eoT   .^jcra.»  ^.3^.2  JuzA  e2  ^wiap*^  2ec;a   i; 

je7^;^2p  Tiaoo  OCT  \^    y  At  iS  .^ajoalp  li^ua  ci\^  oj!^ 

§21.  ^«m3  2;s^i;A  ^cT^ioop   ?  \.\  n  .^^.3^.2  xixA  e2  2^^p•A 

Z^p  2^;M2  ;\...^3;  zAo    .oTau»l.aa^  o;\^n^  .\.Aa  .cA^^s 

§  22.   ci\^p  Ukxn  \^  xaB  ju2  ^2   :   u.o'oAx  oA-^p  2^ojjcxS^ 

Aa   :  *3uc»ae  2;s^o   tAfiUo  23^31^  jov<>o    :  oA^?    l^:s«3o  20 

^  v<^  :  Ju2  JuZ^  g^ft.m'vn   ^p    IJuoa    .laoxa   v±e    ^sslSo 

ZAoA^os  e2  .OT^aXp  2;^0l»  ^'^s?  Ua^2  :  ^oou3o  Xi2  sjcbu* 

^    3kd.^3    ^3     ^2o     •2aA^    A^    OVA3UC30U.    ^OT     lA     -A^^-Op 

..^^^03  7)a»  ^2  wiib  v.^  .^aj^se  x^lA  ac!^d^2p  l^uoa 
^3  ^2e  .2eoT  suJOu^p  :a>io  ocr  lAaoXi  :xil^  aaT.*is2.  Ap  25 
1»3hX  .oA  ZV^P  lao^  .  .s^eo;&:u  x^2  A^  ovA  ^^-i  .^^ 
i;  23.  :2:^5^  ^^^^.  >^>^  ^^  N^  ■'■-  ^o^  aujcau.p  :sa,»  oc'  Aaoisap 
^  o2  o7^Aix«.  ^  ^yio  yjaa  paaSe  :  <oe  ^AiL.  oA  ^.«2e 
w.croiaAe  cr7^>waA  ao^j.  ^p  l^Lso  :  Xia2  jl&zA  u.oreJS^ 
^  ^2  .of^^«^p  U^30l^  ^^Jo  Ae  :  cT^^^  v^^sAap  30 
.A^^JCi    :  oisa   ^o   OT^AeUk   ^   ^ooA  Ok30v>^^2p  ^eaOT 

'  Lucke. 


—      141     — 

Wenn  er  aber  es  nicht  verkaiift  oder  versclienkt  unci  dann  sfirbt, 
wird  das  Objekt  wieder  etvvas,  das  ihm  nicht  gehort  (d.  li.  es  fallt  an 
den  Donator  zuriick). 

§17. 
5  (Liickc  im  Text,  s.  Anrnerkung.) 

§  18. 

Wenn  ein  Mann  seinem  Sklaven  ein  Feld,  Haus  oder  etwas  anderes 

gibt  und  darauf  den  Sklaven  samt  allein,  was  er  hat,  verkauft,  so  darf 

der  Sklave  das  Geschenk  seines  ersten  Herrn  im  Leben  oder  im  Sterben 

10  geben,  vvem  er  will.     Wenn  aber  der  Sklave  stirbt,   ohne  es  verschenkt 

oder  verkauft  zu  haben,  gehort  es  seinem  zweiten  Herrn. 

§  19  (s.  Anm.). 
Wenn  ein  Mann  durch  sein  Testament  bestimmt  hat:  Meine  Habe 
soil  X  gehoren,  und  X  soil  alljahrlich  an  meinem  Gedenktage  einen 
15  Estira  ausgeben  s  so  ist  der  letztere  berechtigt,  die  Annahme  der  Habe 
zu  verweigern  und  jene  Ausgabe  nicht  zu  machen.  Wenn  er  aber  die 
Habe  des  Donators  annimmt,  ist  er  nicht  berechtigt,  die  Ausgabe  eines 
Estira  am  Gedenktage  desselben  zu  unterlassen. 

§  20. 

20  Wenn   ein   Mann   in   seinem   Testament  bestimmt:     Meine  ganze 

Habe  soil  meinem  Sohn  gehoren,  nur  das  Feld  oder  das  Haus  N  soil 
fiir  fronnne  Zwecke  verwendet  oder  einem  anderen  Menschen  als  Geschenk 
iiberwiesen  werden  ,  dann  hat  der  Sohn,  dem  die  ganze  Habe  seines 
Vaters  vermacht  worden  ist,  nicht  die  Verfiigung  iiber  dasjenige,  was  fiir 

25   fromme  Zwecke  oder  fiir  einen  anderen  Menschen  vermacht  wor'den  ist. 

§21.     Vgl.  V,III  §15. 
Der  Ehemann  ist  berechtigt,  eine  Habe,  welche  seiner  Frau  zu  seinen 
Lebzeiten  gegeben  wird,  entgegenzunehmen,  und  die  Frau  ist  nicht  be- 
rechtigt, ohne  Eriaubnis  ihres  Mannes  dariiber  zu  verfiigen. 

30  §  22  (s.  Anm.). 

Wenn  ein  Maim  durch  sein  Testament  uber  seine  Habe  verfiigt 
und  einen  Sklaven,  ein  Feld,  ein  Haus  und  Geld  —  alles  einzein  niit 
Namen  bezeichnet,  das  Geld  in  der  Summe  angegeben  —  verschiedenen 
Menschen    vermacht;    wenn    nun   eine   dieser   im   Testament   bedachten 

35  Personen  einen  Verlust  erieidet  (d.  i.  nach  dem  Tode  des  Testators  und 
vor  der  Auszahlung  der  Legate),  z.  B.  durch  den  Tod  des  (vermachten) 
Sklaven  oder  durch  den  Einsturz  des  (vermachten)  Hauses,  so  fallt  sein 
Verlust  nicht  der  Gesamtheit  (der  Legatare)  zur  Last. 

Wenn  anderseits  der  NachlaB  zur  Bezahlung  des  Geldlegates  nicht 

40  ausreicht  (so  hat  eines  von  zwei  Dingen  zu  geschehen):  Wenn  noch 
Geld  in  dem  NachlaB  vorhanden  ist,  das  niemand  vermacht  ist,  wird 
hieraus  das  Fehlende  erganzt;  anderenfalls  soil  jede  der  im  Testament 
bedachten  Personen  ihm  (dem  Legatar,  dessen  Legal  nicht  aus  dem  Nachlali 
im   ganzen  Betrage   gezahit  werden   kann)   pro   rata  seines   Legats   bei- 

J5   steuern,  bis  das  f^ehlende  erganzt  ist. 

§  23  (5.  Anm.). 
Wenn  auf  einem  Manne  eine  Schuld  (Darlehn)  liegt  und  er  Fekier 
und  Hauser  hat,  wenn  er  einiges  von  seinen  Hausern  oder  Feldern  ver- 
schiedenen Personen  vermacht,  das  iibrige  aber  seiner  Frau  und  seinen 
50  Sohnen  vermacht,  damit  sie  seine  Schuld  (Darlehn)  bezahlen;  wenn  mm 
letzteres  zur  Bezahlung  seiner  Schuld  nicht  ausreicht,  so  soil  auch  von 
denjenigen,  die  etwas  von  seinen  Feldern  und  Hausern  vermacht  be- 
kommen  haben,  so  viel  genommen  werden,  als  zur  vollstandigen  Tilgung 
der  Schuld  notwendig  ist. 


—     142     — 

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.v<A-^3^?  J3?*  ^i^  <^2  liJLao   .llu  ^^2    ^3   lias   .2i>»^^2 

i;  23.   2^^^A  .dJ^Ld  iJap  Jov>^J3    :  o;\«3   Ul^^ao  pjcx^   *.l  2301^ 
;i.^  g;i..>i>do   :  2'3u.^oc»2  2130  2ak3A.    <\^  :  s,oo;*c^3ax3  2'3l3l\. 
.2'3L«doQ>2  21.30  ^'iai  ^\^3^^   :  2'au.^JC32  2Lae   «30    3^;>^   lo'oi  lo 
P^mS  :  ds^UeiX  ac^  ^  ^2o   .^o«S  *^pajJie  3.m\a  ^ooiue 

^6^.3    ^3    .^2     .^^ViaSs.*    2>.Ok303w3    O^S    .l^OOu.    3kM3    e2    Is^^^ 

.  ^^^^.30  2'3w.^jQ>2  21.30  ^07  .jov-  l-3^n-3  .^^.3   e2  2^j3oeu 
§26.   :a\^p  lijd^3b3  3jil^  ^2  23aLV,  .o^  ^c^^2  ;SdMX03  eo^ 

MCfcuae  cr;s^a2  .M.aioX>2  23ui*a2  u.j.3o  ^•^^^23  .«.a..v,o  ouSkSp  is 
§  27.  o}\a3  1^2  23k3o2  ^2o   .^X^JS  ^  ^33o23  eo"  U*3  .  vaV\^a 

%,S3  N^*3  .  k^Jb^^a   .u.o7ois.j.2  23LMa2   w.^j.33e   wJi.33    <\.t.a 

.  >^oop^  3m>  3u.Aa  :^d.2^«^^.  1^2  .3uocx»  e2  3u.X^  ol^  .^3o 
§28.   llij^o  2<N^J23   :  ^^iutxjg  ajJ^?  3^0.3   Ju2  ..  2e   .-i>J.^  2;l«. 

3U.JQJU*    o2    3d.JS.i.    oJ^O    .:s«2^3^    2JNO303k3    0^30     .2oOVi     ^^  ?    -<> 

§  29.   :  sA&^jii)  ^  2Xj^  00^  2ec76v  tA^3  :  233lX   pJx!^  ^l  .i\S>a^J 

3b3    wJO     %LX3     3^302    .^  2     1^2    .2eO?     .OlA     30^^^3 

^2o   .233  'L»c7oi^2   23olX    ^  .^2   .loc^i    LS^soao    2;\o^\5 

V.  IV.  2^a^^oa  \3.  130323  Iss  .o^  l\,3o  2;s3k3  ^2  2^^j2  ^3 

§  1.   :  u.oa«N  ^3.3L3«o  :  :33^  Uj-xJO  ^dwOJiao  ^ecrs  Isola  2'3aLi,_  ^2  25 

:  2eov&  ^.d.2^^^;s  ^:nj^3  ^.^..^xt-yi  e2  ^.^.ajo?   ^3.30  A..a3 

2o    .^oo7>M.*3  2eo;^  ^.aUojc  ^^dJLd  o2  ^*m3ou30  3  ;sab.3au\.a 

^e   ^ue  2^^j2  oj^  ;s^o   :  M3e   I^'^olJ:  ^Ou&ot  ^  ju2 

w.c;e^2  ^oo;\a3  .lou'sudo  1^2  aj!^  io.2  ^  ^2  :  U)i^3  soiX 

.l3u'3J3o  1^2  <n^  ^.A  ^3  ^2e  .^<roJ^'i,axp  oJSe   :  o^ii.v.fl  30 


§2.   ♦^, 


1  add. 


—     143     — 

§24. 
Wenn  ein  Mann  seine  Habe  seiner  Frau  iind  seinen  Sohnen  (Kindern) 
gibt  und  bestimmt:  Mein  Sohn  N  soil  zwei  Telle  von  meiner  Habe 
bekommen,  so  muli  derjenige  Sohn,  der  zwei  Teile  von  der  Habe 
5  seines  Vaters  bekommt,  auch  zwei  Teile  von  der  Schuld  (Darlehn)  seines 
Vaters  bezahlen.  Wenn  aber  der  Mann  seiner  Frau  und  seinen  Sohnen 
(Kindern)  Feld  und  Haus  nominatim  (wortlich:  mit  Namen)  gegeben 
hat  (d.  h.  dem  einen  das  Feld  x,  dein  anderen  das  Haus  y,  dem  dritten 
das  Feld  z  usw.)  dem  einen  mehr,  dem  anderen  weniger,  dann  muli  die 

10  dem  Erblasser  obiiegende  Schuld  von  seiner  Frau  als  Frau,  von  seinen 
Sohnen  als  Sohnen  und  von  seinen  Tochtern  als  Tochtern  bezahlt  werden 
(d.  h.  jeder  von  ihnen  muB  zu  der  Zahlung  der  Schuld  pro  rata  seines 
Erbteils  beisteuern). 

§25. 

13  Wenn  ein  Mann  durch  sein  Testament  bestimmt:     Die  drei  Manner 

N,  M,  O  sollen  ein  jeder  hundert  Estire  (bei  Arabs  II,  Bl.  211b,  h  undert 
Denare)  von  meiner  Habe  bekommen  ,  und  seine  Habe  nicht  mehr 
als  hundert  Estire  betragt,  so  sollen  diese  hundert  Estire  geteilt  werden, 
und  jeder  von  ihnen  soil  ein  Drittel  davon  bekommen. 

20  Wenn  er  ihnen  seine  Habe  zu  gleichen  Teilen  durch  ein  und  das- 

selbe  Testament  oder  durch  eine  Verfiigung  von  ein  und  demselben  Tage 
vermacht,  soil  in  gleicher  Weise  geteilt  werden  (wie  im  ersten  Fail). 

Wenn  aber  der  Erblasser  diese  Verfugung  an  3  verschiedenen  Tagen 
oder  durch  3  verschiedene  Testamente  getroffen  hat,  fallen  die  hundert 

25   Estire  demjenigen  zu,  dem  sie  zuerst  vermacht  worden  sind. 

§26. 
Wenn  ein  Mann   durch   sein  Testament  bestimmt:    >Meine  ganze 
Habe  soil  meiner  Frau  und  meinen  Sohnen  (Kindern)  zusammen  gehoren  , 
so  mussen  Frau  und   Kinder  die   Habe  teilen,  wie  wir  oben   (in    §  24) 
30  angegeben  haben. 

§  27  (s.  Anm.). 
Wenn  die  Mutter  spricht :    Meine  ganze  Habe  gehort  meinen  Sohnen 
und  Tochtern  zusammen  ,  so  soil  nicht  der  eine  mehr,  derandere  weniger 
bekommen,  sondern  ganz  genau  soil  jeder  einzelne  von  ihnen  den  auf 
35   ihn  entfallenden  Bruchteil  bekommen. 

§28. 
Wenn   jemand   bestimmt:     Meine  ganze  Habe  soil  der  Frau  und 
den  Kindern  des  N  gehoren  ,  so  soil  gleichfalls  ganz  genau  geteilt  werden 
und  nicht  etwa  der  eine  mehr,  der  andere  weniger  bekommen  (s.  Anm.). 

)'.  §  29. 

Wenn  jemand  bestimmt:  N  soil  einen  Tell  von  meiner  Habe  be- 
kommen (Lucke  im  Text),  so  ist  das  moglich  {s.  Anm.).  Wenn  er  aber 
bestimmt:  Er  soil  neben  meinen  Kindern  Miterbe  sein  ,  so  erbt  der 
Betreffende,  wenn  es  ein  Mann  ist,  wie  ein  Sohn,  und  wenn  es  ein  Weib 

15   ist,  wie  eine  Tochter. 

IV.  Kapitel. 

Ober  Sozietat. 

§  1  (s.  Anm.). 

Wenn  Manner,  so  viele  ihrer  sein  mogen,  irgendeine  Habe  erwerben 

so  und  nun  stipulieren:     Alles,  was  wir  besitzen  und  erwerben,  soil  genau 

(gemeinsam)   unter  uns  sein  ,  so  gehort  ihnen  alles,  was  sie  erwerben 

Oder  besitzen,  zu  gleichen  Teilen  (Ebedjcsu,  Tractatus  S.  242,  Kol.  2). 

§2. 
Wenn   nun  einer  von  diesen  Kompagnons  stirbt,   ohne  Frau  und 
55  Sohne  (Kinder)  zu  hinterlassen  und  ohne  ein  Testament  gemacht  zu  haben, 


—     144     — 
li'a^Aopo  i>Ja?*  \\jao  .Vi.i^.sja  \^  >  oa^.a^i  I^wx^a  U'aoabao 

^   eoT  roT^SeaoLs  aj.  \.T,.d?  ec7  um»3   l.aa.a    :  c;so^3b<.  La 

.op  a.n.vaa^e  .o^i..j..Q  ojo.,saouSe  '.oja«.aa^  o;^  \  At  :.m.3  s 
.2^a3:soLX3  o^^  yXna-ao  .piN^e  aiN.a  >  2  Z^2  .  Is^p  ^a.^  ^a 
. >\,*^»  A.aL^;s2p  OCT  :  2a\ft.\A-^  OM»»  l.i.0  ^oto.MO  ^2 
o;.^.a.»  o^p  Lj>3«  eo^p  :  !!  x  .  ,i  ft  o^^^^  ai\j>.Jap  eoro 
:2^o^3^  opaJi,  A^-S^?  Ti^-O  ^:^3^>^  Ivlip  ^^2o  2^adNaa3 
ea'VT'aa'iaN  o2  ai.3»a^  :o^  >\.i.V.»  1^  .oi\^p  2^.uo  ^  ^y^fr?  lu 

§  4.  JSw^ax^  3^  .«c7ou32p  ^cnou«.s  « 2  2xaL\  .JuiA  ^^laA  e2 
.^Xm2  j:i2  ^33  1. \,vti  ajIS  saj^isi  :  w.o7o«s^2  oiaSOLXXS  >^^mjS 
isp^  o;^  307^  o2  :  o):x^^  ^.v.ft'ttN  o;^  .\,\T-Tr)  ^aiojal  o2 
;.j.3«  OCT  yaxJO  e2  or^aaop  Iiao  ^o'oo2  >^2  :oi3  3\;siv&p 
u.o7o>S«2  o;\w.p  .oraa  ocrp  .u.07ep,...l3  ^2p  Ti^ao  \^  p,ja^  i^  is 
,U.ub3  Za^s  ^30  2^J^  o^  ,: .\,t)e  u.o7baL..Z3  2oc7p  ;d3>^  eor 

§5.  ^^  ^ocf^iJao  Xm  v,2  :  Z^^Soa  2'aaL\  .^o7o1m2  ^«2  .>^o?a:32p 
aiJ3  lo'ojo  l^h^l  I'i^sX^^  ^il  ol  :  i-3L3>\.X3  .^  LJ^.3^c 
2eo7  x^^  o2  .ua^j:2  ^oo^^d^ousp  l^^n  oot^o  :  ^.j^soiN 
oor  vCo;v.v,tt^  ^w>ii39^  ^o-o.S£va.xp  :La3uS  :  1^Xm2  23^L3  20 
e2  ^a3o;^  o2  .  ^aas  cp  :  ^oo^X  «^^oo^•^OJ:^  loa^  :s^lp 
^*p  ^^^J  .^JcsL^ao  %^  .oo^^os  ooTp  2^Jl»o  .  ,  .\\*V'o 
liao  op  2oo7  SbdOL^p  23^2  ^  e2  o^^olk  ^  l3^.as  001  ^'en 
i^2e  l3>.oux  oorp  ;Lt.>i„B p  2^0.30  L^'^oj:  ^ouao?  ror^sxao 
3lmP  ^2  .Lj.dJ._d  oor  ^  aj.^  '.>\.»p  2^AA-^o  I^^^sou  25 
Z^^Sas  oor  u.3Cs.s2p.3^J3  «yl  1^1  .crj!^  ^^^^p  jsp^  ^eo>uo 
%.XA2p  2;sa->.Xe-aa-3  ^otcL^^aj:  :  Z^x«.2  23mA  A«2  o2 
'93^30  :  I^^oa  oorp  2^.j.3e  axs^e  .  ^oovloa  ftV\B  Uaa.opo 
:u.o7  ^eo;\^p  ;^lXi.3.3  :  >^eo;\^tdp  2^.^xe  ^A3^o  ^^^^jjiip 

§6.  ^^2  :  Z3a>i>a3  :ayse  yiOJiao  ^00^.30  3m  :  L^JSOuX  2'3u3A    <v2  30 

>    add.  0020(3030^0?  -   1.  2;SJJ30    Op  St.  2^0.300   Op. 

'  I.  U3^a^. 


—      145 

(so  ist  zu  uiiterscheiden:)  Wenn  er  Bruder  (Geschwister)  und  Venvandte 
hat,  gehort  ihnen  seine  Habe,  und  nicht  seinen  Kompagnons.  Wenn  er 
aber  keine  Bruder  (Geschwister)  und  Venvandte  hat,  sollen  die  Leiter 
der  Kirche  uber  seine  Habe  zu  fronimen  Gaben  und  Gedenkfeiern  in 
3  gebiihrender  Weise  verfiigen  (Ebedjesu,  Tractatiis  S.  242,  Kol.  2). 

§3. 

a)  Wenn  ein  Mann  jemand  in  Sohnschaft  annimmt  (ihnadoptiert) 
und  ihn  zu  seineni  Erben  einsetzt,  dann  gehort  dem  Adoptierten  (noch) 
nichts  von  der  Habe  seines  Adoptivvaters,  und  letzterer  l<ann,  soiange  er 

10  lebt,  sie  verkaufen,  verpfanden  oder  verschenken  und  damit  alles  machen, 
was  er  will  {vgl.  fV,  V  §  2). 

b)  Wenn  er  aber  durch  schriftliche,  untersiegelte  Urkunde  ihn  (den 
Adoptivsohn?)  in  Sozietat  aufnimmt  (d.h.zu  seinem  Kompagnon macht), 
dann  kann  der  Adoptivsohn  auch  schon  zu  seinen  (des  Adoptivvaters) 

15  Lebzeiten  einen  Tei!  (des  Sozietatsvermogens)  von  ihm  fordem.  Was 
dagegen  das  ganze  Vermogen  des  Adoptivvaters  nach  dem  Status  zu  der 
Zeit,  da  er  jenen  in  die  Sozietat  aufnaiim,  sowie  das  Vermogen,  das  er 
in  der  Folgezeit,  bevor  er  mit  ihm  die  Erbschaft  teilt,  erwirbt, 
betrifft,   so   kann   er  dies  weder  verkaufen   noch  verpfanden  noch  ver- 

20  schenkenjweil  alles  Sozietatsvermogen  ist),  ausgenommen  seinen  eigenen 
Anteil.    (Uber  diesen  kann  er,  der  Adoptivvater,  verfiigen  (s.  Anm.). 

§4. 

Wenn  jemand  zu  Lebzeiten  seines  Vaters,  soiange  er  noch  unter 

der  Patria  potestas  ist,  von  einem  Anderen  eine  Habe  geschenkt  bekonimt; 

25   oder  wenn  sein  Vater  ihn  ermachtigt,  fiir  sich  selbst  etwas  zu  erwerben, 

Oder  ihm   etwas  gibt,   damit  er  damit  Handel  treibe,   so  verbleibt,  falls 

sein  Vater  im  Sterben  oder  vorher  nicht  uber  die  in  der  Hand  dieses 

Sohnes  befindliche  Habe  eine  Bestimmung  getroffen  hat,  diesem  Sohne 

dasjenige,  was  er  in  der  Hand  hat,  und  auBerdem  erbt  er  einen  Teil  von 

30  der  ubrigen  Habe  seines  Vaters,  gleichwie  seine  Bruder  (Geschwister). 

§  5  (s.  Anm.). 
Wenn    einer  von    den   Kompagnons    in  die  Gefangenschaft  von 
Feinden   gerat   oder  in   ein   anderes  Land  geht  und  sich  ansiedelt,  und 
nun  die  ubrigen  Kompagnons  zur  Zeit  seiner  Gefangenschaft  oder  seines 

35  Wohnens  in  der  Fremde,  wahrend  die  Sozietat  besteht,  ihre  Habe,  an 
welcher  der  Abwesende  Teil  hat,  verkaufen  oder  verschenken  oder  auf- 
teilen,  ohne  den  ihrem  Kompagnon  gehorigen  Teil  abzusondern  (zu 
reservieren);  wenn  darauf  nun  der  Kompagnon  aus  der  Gefangenschaft 
oder  der  Fremde,  in  der  er  wohnte,  zuriickkommt  und  seinen  Anteil 

40  verlangt,  dann  mussen  seine  Kompagnons  seinen  Besitzanteil  samt  Gewinn 
und  Ertragnissen,  die  ihm  als  Sozietar  von  diesem  Besitze  zukommen, 
herausgeben. 

Jedoch  wenn  seine  Kompagnons,  nachdem  er  in  die  Gefangenschaft 
geraten  oder  in  die  Fremde  gegangen,  unter  Vermittlung  glaubiger  Manner 

45  ihre  Habe  aufgeteilt  und  seinen  Anteil  abgesondert  (reserviert)  haben, 
so  gehort  von  da  an  alles,  was  sie  erwerben,  und  die  Ertragnisse  ihrer 
Habe  jedem  einzelnen  von  ihnen  (als  personliches  Eigentum)  {Ebedjesu, 
Tractatus  S.  241,  Kol.  2). 

§6. 
50  a)    Wenn  unter  Kompagnons  einer  irgend  etwas  im  Kriege  eriangt, 

so  behaupten  einige,  daf5  seine  Kompagnons  daran  keinen  Anteil  haben. 

Sachau,  Syrische  Rechtsbucher  \\\.  10 


—    I4r. 

^p  2;so3^0lS  .\\,yi   :  Us  so  so   l.'\\.'»  ^p  X^ootoum  \.^ 
V.  V.    §  1.   :  ^PlSo^  j33«  23or  ^  .-aiavd   .  t'a.Me  ^oa^  \^  :  Isaou^p    Iss 

i^2  :2fi«.lAe  2^ft\ra.'vn\  2ax  :  ^.^l\^.■^^   LiJ3*  ecui  >.a.V3 

§2.    23l33     :  23aL\    ISLX    ^OlI^S    >TV,    3^^     23w3.X.     .  ll.«\ae     23JOl^ 

:  y>o7oX«2  w>\a3  ^o«S3u.  aoe  23a  .laae  ^  aA^^s^p  l.ao>a 
eoA  a.^^^0  w^aio  ^^2  :  ^;bb  ^.^aoxd  pA.»^^3  lao  oiro  <« 
ec7p  2&aiJ3  :  2aci  oor  :  y«oa>s  ^9;3  :  laao  L&3w.2  2ao  2x3A, 
§3.  ;..^3l±3  23^3  .^qli^^  sol^  Ix^c  » 2e  .o;^  ?..\.ab  lA  ^^^^. 
^2  .u.o7o^^2  w.\*3  2^e«^3i«  300  2^3  :  Lase  ^  ^kAd.^^o3 
IXxXJO  .^.i:ib  ^oaJ^  >-t.V3  ;  2S>.3lV^  e<r  pxet  :  23o  oer  jao 
eoT3  ^o•^^^  w^jol^  olS  .w.oa^  ^c*  >\\.'«  .^oli^s  >-iw3  eorp  n 
W.3  »^2e     •\'*'  w.oa>s  >tv.3  eorp  2;so^3l^  . .i.t.N  L^2  .2^3 

3l3.X3    0073    l\,.V.a    .^1^    ^Oa;^    3u3UX3     OC*     3^0     :23a     OOT 

■  ■  ■  •  •  ■ 

§  4.   2i^^i2  .23l3  eoT3  2;seJ^3u.  ^«jaA  l\jii>  ^ea;s  w,cr  \\  y>  ^oa^ 
&^  lil  laau?    :  Xi2  2U.  w.oaiN  23aLX  *^2   :  l\^a  ov^  X^23 
boa  .w.oa>«  XsoL^opa^p  eor  :  ^«x»2  isa^^  e2  :^^o  o2  An..  20 
or3L*.:.5aA    \.A.T  lA  .^oli^  ^or  A.\j30  :  1  \b.a  6tJ^  x^23 

§  3.  Xi^23  :  oTi,3,«A  Jo  aob2  >a  23aLV  .9  3w3o  ec"  oius  '  v-itaNe 
oT^aoue  .6v-^2  >*\*3  .2'3u.ioC}2  ^:s^^  Uasp  oA^^  >^  2>m 
^b9  23W..  U^23  :  Me2  ^3  ^2  .aiS  aa;^:s2  lA  ^AiA  :^ 
1^2  :  ^  ^acu  2'3u.isjC}2  ^bjc^x   Uase   :  au>y^l  wA.p  g;^.A.  25 

§  6.  k«A^3  l.»3ua  X.*a3  :  i.:b2  ^  v2e  .oiA  Jo;^^2  l.\.>..b> 
:  Zijoi^  Mceiv«2  o^^^p  1^32  ^2  Laoxa  ^2  :^  ioc:^ 
ioou  w\*p  Aiip  X^sp  lX32p  :  3032  ^p  ^2  :  91^  jou^sl 
^2  :5^  ioo;^  .Adokap  3^2p  ^  :oA  oa(7V•.^>2  A  l\iip  :^ 
oA  w\.w.\s  :  l303a  OCT?  X3,^  ^2e  .acu  l»x&  oiA^p  3^32  30 
giAvp  1X32  .^!^  ^.^ou  .Aiipp  3Je2  s2e  .^croua^i  ae^p 
ae^p   o^    „y.At    1^   .  ^.*TT.    Aiip   ^2e   .aou    1^  -Aiip 


—      U7     — 

b)  Dasselbe  gilt  von  Geschenken,  welche  ein  solcher  von  Konigen 
unci  GroBen  bel<ommt. 

c)  In   betreff  der  Sozietat  wird  aber  von  einigen  behauptet,  daB, 
wenn   die   Kompagnons    iiberliaupt  eine  Teilung   iintereinander   vorge- 

5  nommen  haben,  die  Sozietat  damit  aufgelost  ist  (vgl.  VI,  IV,  §  7b). 


V.  Kapitel. 

Uber  Stipulation  und  Vertrag. 

§1- 

Zunachst  muB  man  dies  wissen,  daB  man  eine  torichte  Stipulation 

10   nicht  als  eine  Stipulation  achten  soil,  und  man  soil  den,  der  sie  macht, 

nicht  notigen   danach  zu   handeln.     Vielmehr  gebiihrt  demjenigen,   der 

infolge  einer  solchen  torichten  Stipulation  dann  toricht  liandelt,  Tadel 

und  Vorwurf,  auch  Bann  und  AusschlieBung  (von  der  Kirche). 

§2. 

15  Wenn  ein  Mann   mit  dem  anderen   die  Stipulation  macht:   -Der 

erste  Sohn,  der  dir  geboren  wird  und  aufwachst,  soil  mein  Sohn  und 
Erbe  sein  ;  wenn  dieser  Sohn,  der  zuerst  geboren  wird,  dann  stirbt,  und 
nun  danach  demselben  Manne  ein  anderer  Sohn  geboren  wird  und  auf- 
wachst, so  bekommt  dieser  zweitgeborene  infolge  jener  Bedingung  nicht 

20  die  Habe  des  genannten  Mannes. 

§3. 

Wenn  ein  Mann   mit  einem  anderen  folgende  Stipulation  macht: 

Der  erste  Sohn,   der  dir  geboren  wird  und  aufwachst,   soil  mir  Sohn 

und  Erbe  sein« ;  wenn  nun  dieser  Sohn  vor  dem  Mann,  der  die  Stipulation 

25   gemacht   hat,   stirbt,   so   fallt   die  Habe  des   letzteren  nicht  wegen  jener 

Stipulation    den  Erben   des  adoptierten  Sohnes  zu,   sondern  den  Erben 

seines  Adoptivvaters. 

Wenn  aber  der  Adoptivsohn  nach  dem  Adoptivvater  stirbt,  dann 
fallt  die  Habe  des  Adoptivvaters  infolge  jener  Stipulation  den  Erben  des 
30  Adoptivsohnes  zu  {vgl.  IV,  V  §  4). 

§4. 

Wenn  eine  verheiratete  Frau  mit  jemand  die  Stipulation  macht: 

»lch  gebe  dir  einen  Acker  oder  ein  Haus  oder  etwas  anderes  ,  so  darf 

derjenige,   mit  dem  sie  diese  Stipulation  gemacht  hat,   solange  sie  ver- 

35   heiratet   ist,   nicht   infolge  dieses  Paktes  die  betreffende  Sache  an  sich 

nehmen  oder  von  ihr  fordern  {vgl.  V,  III  §  21). 

§5. 
{Text  verderbt,  s.  Anmerkiing.) 

§6. 
40  Wenn  jemand  spricht:     Ich  gebe  dir  mein  Weinfeld<,  so  bekommt 

der  Beschenkte  sowohl  die  Weinstocke  wie  das  Feld,  auf  dem  sie  stehen. 
Wenn  er  aber  spricht:  Ich  gebe  dir  das  Land  meines  PalmenwaideS' , 
so  bekommt  der  Beschenkte  nicht  die  Palmen. 

Wenn  jemand  spricht:     Ich  gebe  dir  meinen  Weinstock  ,  so  gibt 
45   er   ihm   auch    das   Feld,   auf  dem    der  Weinstock   steht;   und  wenn  der 
Weinstock  verdorrt,  kann  er  (der  Beschenkte)  ihn  wieder  anpflanzen. 

Wenn  jemand  spricht:  Ich  gebe  dir  meine  r^ilmen<>,  so  gibt  er 
ihm  nicht  das  Feld,  auf  dem  die  Palmen  stehen ;  und  wenn  die  Palmen 
verdorren,  darf  er  (der  Beschenkte)  sie  nicht  wieder  anpflanzen  (s.  Anm.). 


—     us 

§7.  A*^t  ZaoaA?  :a)hj3^  txx  ^.OliCS  >2  2a.3.1.  .>ea2  ^e>OLx 
:  l»Ou  oo%3  ^  U2  3aj.4.  1^  v,^o  .2ak««  13^sjq>2  ^  U2  jou 
i.tlfixd3  ^ou  ooT^  «^2  .~6vi^k30u.  >^2e  -^  Ixl  :3au-  ^S^-3 
vAAs^\  w..o7a\x ^^  :  IXpo  2^23  ImSl^  :  a^o  crswao  2^2  1^ 
.0^^  aa^  Z^o  c;uo  isa?  pouAs  Z^o*  oo7  ^ae  1^2  .  Ia^sol*    s 

§8.  or^^>i2  7&^  M.ai^  >iLb«  >^  2LaL\  .  U^sou.  aaauaa  ^b« 
:  U2  aoL^a  iio  .li2  Ui)?  U2  iJud?  :»?.»  \a?  :  js^^e 
W.CT  2^^»  ^sJ^ao  .w.c7e:s^2  '  wJ.^  ^^JSu>^^o3  ..a.\..a  Loas 
o^ibo  o)^  H>>^^^o  *  2;s3u.2  2X^^2  .:iu6ki  ^^'^^^  ocro  2^^j2 
\^,>«<  2oo?  Z^  MaJip  73?^  Aa  -^^koX.  007  ;s:jbo  :  lliu  lo 
^2  Z^2  .pa^As  2i^»3wi3  2dvXi2  ^cr  ^p  l«iaA  .^aido  ^.or 
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§9.  uAsNap  :o;fi«.isj2  :zi^  u.ola^  solX  ^2  23aL\  .2;sft A\,%^>ao 
1^2  ;sockcr    .u.cn    Jsp^M   A  ^Okiis   2po7    .U2   aai   A  2^x«2 

§  10.  Z»Ou!S  Z^a^  ^2p  :  2aaL\  :aL^  u.oa^  p>,rL^  ^f  2aL:i\  .2^^i2 
2i>w.3  o2  Xa\3  Z^^A**  -A  •x2o  .^^  Z&2  j6^  ^'3XX32  2Z»  ^* 
haolp  ^pio  oo"  Z»ou.  eoA  Z^x^  •x2  -^  lil  9\x»  A^*  ^ 
oA  Ad^xp  :9pkao  23aL\  eoT  ^2  .aa^  Ap  :9p^  o^ue  aZ^ 
oA  yoAxMO  o;ue  Aaxp  Z^a^Jso  :  u.o7oAx  ^c^^^  :  ovuo 
^2p  .u.a.idv  suSl.^  Z-i^cr  ^p  vf  .2;s<^  oor  o2  z.\-q.>.  u.cr 
OCT  ^  P'-:^  •  s^^  Z^2  J30^  zJS  ^3:sJC92  2Z.bo  ^\^«  Z^ftA 
JOpi  Ao  :u.aifiv  w.9r  ^aa^;s2  :  sax*  :sa^  ^^2  30^  Z^JCxa  25 

S  11.  2aai\  v^  .jcSp  :zj>ie  pa^iS^  »,2  A2  ^yjso  007  o;^  ;zAsip 
.A  ^o^d.  Is^ao  ^\59o  ^^*  v^p  :  23aLX^  ya^  :  u.eai^  ^olX 
^\^9  o'oi  Zboou.  e6v3  v,2  .^  Za2  acn*  ■vpm  ^^«e  ^Af^< 
.w.oaiN  a.a.xp  ocA  o^^  .\.At  o^^  aouSsl  A  pp^  ^A3«e 
.Aaxp  :spkM   ecA  ^'^o?'^   A2   .3k»2p  apuM  eo7  <^Na   zAp 


30 


'    add.  >-3L\..  -'    I.  O^S^Ou..  '<    I.   ZlS^Ou.  '    I.  XiMO. 

j^nxa.         "•  1.  i,.,M,'ao.  ■  Text? 


—     149     — 

§7. 
Wenn  ein  Mann   mit  einem  anderen  die  Stipulation  macht:     Ich 
gebe  dir  bis  zu  dem  und  dem  Tage  eine  Estira,   und  wenn  ich  sie  dir 
an  dem  Tage  nicht  gebe,  gebe  ich  sie  dir  spater  samt  Zins   ;  wenn  nun 

5  der  Beschenide  an  dem  festgesetzten  Tage  nicht  erscheint  und  die  Estira 
fordert  (sondern  erst  an  einem  spateren  Tage),  so  ist  der  Schenkende 
nicht  verpflichtet,  ihm  den  Zins  fur  die  Zwischenzeit  zu  ersetzen,  sondern 
der  Besdienkte  darf  sich  erst  von  demjenigen  Tage  an  den  Zins  anrechnen, 
an  dem  er  den  Schenker  um  Auszahlung  gebeten,  dieser  aber  die  Aus- 

10  zahlung  nicht  geieistet  hat. 


§8. 

Wenn  ein  Mann  mit  seiner  Frau  eine  schrifthche  Stipulation  macht: 

Alles,  was  ich  besitze  und  erwerbe,  soli  in  der  Zeit  nach  meinem  Tode 

deinen  Sohnen,  die  du  gebarst,  gehoren    ;  wenn  danach  diese  Frau  stirbt, 

13   der  Mann  eine  andere  Frau  heiratet  und  von  ihr  Kinder  bekommt;  wenn 

nun  dieser  Mann  stirbt,  so  gehort  sein  ganzer  NaciilaB  nicht  infolge  jener 

Stipulation  allein  den  Kindern   seiner  ersten  Frau,  sondern  in  gleicher 

Weise  auch  seinen  Kindern  von  seiner  zweiten  Frau.    Denn  wir  haben 

oben  (in  §  I)  gesagt,  daB  eine  torichte  Stipulation  keine  Stipulation  ist, 

20  und  dies  ist  evident  eine  Torheit,  daB  ein  Mann,  well  er  in  der  Liebe 

zu  einer  ersten  Frau  befangen  ist,  seine  Kinder  von  seiner  zweiten  Frau 

in  Armut  und  BloBe  lassen  sollte. 


§9- 
Wenn  ein  Mann  mit  seiner  Frau  eine  Stipulation  macht :     Ich  heirate 
25  keine  andere  nach  dir  ,  so  ist  diese  Stipulation  nichtig.     Dasselbe  gilt, 
wenn  eine  Frau  eine  solche  Erklarung  abgibt 


§10. 
Wenn  ein  Mann  mit  dem  anderen  die  Stipulation  macht:  »Wenn  ich 
bis  zu  dem  und  dem  Tage  dir  hundert  Estirin  gebe,  und  wenn  das  nicht 

30  geschieht,  ubergebe  ich  dir  das  Feld  x  oder  das  Haus  y  ;  wenn  er  nun 
bis  zu  dem  festgesetzten  Tage  die  genannte  Summe  nicht  ganz  auszahit 
und  dann  der  andere,  der  eine  Teilzahlung  von  ihm  bekonimen  hat,  sich 
gegen  ihn  wendet,  so  wird  von  ihm  (von  seiten  des  Stipulanten)  seine 
Teilzahlung  zuriickgefordert,   und  dann  iibergibt  er  (der  Stipulant)  ihm 

35  das  Feld  oder  das  Haus  (5.  Anm.). 

Wenn  er  aber  (an  Stelle  der  ersten  Halfte  dieser  Stipulation)  das 
Folgende  stipuliert:  Wenn  ich  dir  bis  zu  dem  und  dem  Tage  nicht 
hundert  Estirin  gebe  (zu  erganzen:  gebe  ich  dir  das  Feld  x  oder  das 
Feld  y  ),   und  er  dann  von  dieser  Summe  ihm  auch  nur  einen  kleinen 

40  Teilbetrag  gibt,  ist  die  Stipulation  gebrochen,  und  er  braucht  ihm  nicht 
das  Feld  oder  das  Haus  zu  iibergeben,  sondern  nur  noch  den  Restbetrag 
der  genannten  Geldsumme. 


§11- 
Wenn  ein  Mann  mit  einem  anderen  die  Stipulation  macht:  -Wenn 
man  mir  die  und  die  Sache  gibt,  gebe  ich  dir  die  und  die  Sache  ;  wenn 
nun  dem  Stipulanten  an  dem  betreffenden  Tage  die  und  die  Sache  nicht 
gegeben  wird,  steht  es  ihm  frei,  die  versprochene  Sache  nicht  zu  geben,  da- 
gegen  aber  dasjenige,  waser  (etwa  bereits)  bekommen  hat,  zuriickzugeben. 


—     150     — 

§  12.  Ipoi  >*a;\aii\.-3L3  ^  ^2p  :cT;^^J2  71^  ^oa^  ajiuV.  >2  ^^>^. 
l^a^s  ^3  ^2  .  ^s£oB32  2:bo  w^^  U2  J0j,«  :  2^3  .oJ^  ^w^^Jao 
^oo;^3«S3  ka}23  jio  is^2  .  v00^3^  ^?^  ><^  :  ^s^jq>2  >^Taa*> 

J339    ^'S:!OC}2    2;aO    hA<773    3l^23    ^3    »^2o    .0^    ^i^?    JO?* 

t^2o  ;  ^,.i..'\,'o2  ^3  ^j^  .2d^3u3o  2ij  ^w.«J  o  \  \  'X. ^ \  ^ 
■  23.^^3  2^oaA^ao^.»e  Z^>»wm3  V.m'o.N  :  jop^  liso^^  Ipaua 
V.  VI.  i\,x  V  ^3  Xx'^  .3>.a.^.a  iJ^or  .;lJL33  Z^3^3  2^o  ^.in.oe 
§  1.  w!D  ft^2o  ^2a}  SlA  2X3L.V  .2(Nou.3aL»  ».3  o^xbi  .uj^iojxxolal 
XA  *^2  .Uu  ajU^  dv*2o  :  li*\JO  ^3  iXUsuxo  .\s30u.  ^ca\^ 
1^0^23  UNSou.  was  ^\>%Tt»3  ^«3b»2  :2X3Cu.  ^  eo^»  ^^3^^Jao  10 
2^o3o;£x3  :  2^>^X3  Z.a'3u33..»  ^yJO  M>3b^2e  2is3k.^  ^A^2e 
^3w.3  ^^\«2e  :  ^o^i?  Xi^JO  aC^  *■?  »J»>V.3.t93  :  1jlj^3 
;ofto  ^doo  :  ^3m  %^?  ^^A*2  \^  ^^o  :  ^..aa.^.x^ 
^.k\s;^  .2^;^3  U'3a3L»3  iMdw^a  :^oou.  23.^0!^  2^.a^3aLao3 
eoT3  xliuo  2^^j2  ^  ^33^  Z^i'a^  :  ^<oou.  23.^0^  ^P^c'^  ^   '^ 

U^OPO    2'k.3L\    vClL.1a.„n,3     .2^3u^3     Ll'LsS.^     ^^2     .23..3lA 

.IsolV.  0073  ^oou.  *^aA.x3a3  . li*j..d  o'er  \^  2o;^2  w\«.3e 

^3u.^^0  OJAaXJO   ^30   0.«30JS23    ^d\«2    233l\3    ^cToaa    ^    ^2o 

U^Af3  •x2o  :  1;m\  ^2  ;LJca\j  ^2  :  o^t.^M  ^  as^^  <^?^^? 
«,olX3l^  ^3  'zi:>w.23   .«^oo;A.x  ^^   ,.t^.ajo^   .l^a\^  ^l  20 
^  ^3mNx  ^^3^.3   .o.Sl^o  oouV  3  ^paa    Z^OL\.«.e    liuX 

§  2.  23aL\  .  iaa\.,^o  ZiuA..  >^3  Am^  .  ol  ^V?  >^  ^^  '^^ 
2*301^9  d>J  o;^^  d<u.2o  :  2^i)0L«.  ^croA^  :s^2e  :  M^iV  ^^ 
5^2  ^Ao.2  UjcxAX^LSas  .2^3uX3  X^'xssuso  ^>.Ja.'\  :  2'3uX«>e 
%\,\h  ^  2'xA^e  2'3a^«  lA\,\  ^32  3ov«^^  .^nsou.  23iaaLS3  25 

§3.  ;s^2  :6x^^^>3?  ;fc>.v.d  ^  2^^^^3  ^.,.3  2fis^^2  \^  .^ecoa23 
:  AX»is^  o^^k^ap  2i^.>3L!S  X.^.a2  u.oT3  'pyio  0073  33)23  jb 
1^3uX  ^d.2  W1.07  ^2  ^s^Li^vi-aoe  :  ^ou.  w.'3u»  ^  Sy^s  ^.>2 
j^2e  .^3  3jb23  ^3  :sw.2  .2^.J..3o  otJ^  Xw.2  ^v^cL.  JLaep 

§  4.  so  z.\\.  .exa^  Uacp  :s.»2o  -li^oTP  ^.^2  .2^3^X3  u'da^ao  30 
\a2  ajiua  ^  ^oiaalp  l^soio  i:sa  ^  ^2  :  ^^jj:  2'\ic»\t5au. 

>   I.  JJA^I.  -    I.  ^^lUCM  3^1303    St.    ^2    ;.JJQ>iA303 


—     151     — 

§12. 
Wenn   ein  Mann   mit  seiner  Frau   die  Stipulation  macht:     Wenn 
aus  dieser  deiner  Schvvangerschaft  ein  Soiin   hervorgeht,  gebe  ich  dir 
hundert  Estirin,  wenn  aber  eineTochter  daraus  hervorgeht,  funfzigEstirin   ; 

5  wenn  sie  nun  Zwillinije,  Sohn  und  Tochter,  gebart,  mu(i  er  ihr  nach  einer 
Ansicht  beides  (d.  i.  100  —  50  Estirin)  geben,  wahrend  nach  anderer  An- 
sicht  er  die  hundert  Estirin  iiher  Sohn  und  Tochter  verteiien  mu(5  (d.  h. 
seiner  Frau  fiir  beide  Kinder  hundert  Estirin  zahlen).  Wir  aber  sind  der 
Ansicht,   daB   man   auch   in   diesem  Fail   die  Vermogensverhaltnisse  des 

10  Mannes  und  die  Erbteile  seiner  iibrigen  Sohne  (Kinder)  in  Betracht  ziehen 
mul5.  DemgemaB  verfahren  (entscheiden)  wir  (d.  h.  cine  solche  Stipulation, 
mag  man  die  eine  Ansicht  haben  oder  die  andere,  fiihren  wir  insoweit 
aus,  als  nicht  die  iibrigen  Kinder  des  Mannes  dadurch  geschadigt  werden). 

VI.  Kapitel. 

15  Von  Abasakhuni,  d.  i.  Erbschaftsverzicht. 

§  I  (s.  Anm.). 
Ein  Mann  stirbt  und  hat  Schulden;  er  hinterlaBt  aber  auch  Habe 
und  Sohne  (Kinder).    Wenn  nun  von  ihnen  die  Zahlung  der  Schulden 
(ihres  Vaters)  gefordert  wird,  sprechen  sie:     Wir  sagen  uns  los  von  der 

20  Erbschaft  unseres  Vaters  ;  und  sie  gehen  in  die  Kirche  und  sprechen 
vor  den  Leitern  der  Kirche  in  Gegenwart  der  Oemeinde:  Wir  sagen 
uns  los  von  aller  Habe  unseres  Vaters.  Diejenigen,  die  darum  wissen, 
erzahlen  es  weiter  und  beschworen  die  Sache  fiir  diejenigen,  die  nicht 
darum  wissen.     Und  sie  (die  Sohne)  schreiben  eine  Lossagungsurkunde 

25  fiir  den  Glaubiger,  die  von  den  Leitern  der  Kirche  untersiegelt  wird.  Als- 
dann  ist  der  Glaubiger  nicht  berechtigt,  von  der  Witwe  und  den  Sohnen 
(Kindern)  des  Verstorbenen  etwas  zu  fordern.  Viehnehr  ernennen  die  Leiter 
der  Kirche  glaubige  und  gottesfurchtige  Manner  zu  Verwaltern  jener  Habe 
(die  der  Verstorbene  hinterlassen  hat),  damit  sie  seine  Schulden  bezahlen. 

30  Wenn  aber  bekannt  wird,  daC  die  Sohne  des  Verstorbenen,  welche 

sich  von  seiner  Habe  losgesagt  haben,  etwas  davon  in  Handen  haben, 
sei  es  im  verborgenen  wie  Diebe  oder  offentlich  wie  Rauber,  so  ver- 
urteiien  wir  sie.  Wie  aber  Diebe  und  Rauber  das  Gestohlene  und  Ge- 
raubte  ersetzen  sollen,  werden  wir  spater  behandein,  wenn  wir  zu  dem 

35   Kapitel  iiber  Diebe  und  Rauber  (Vl.XIII?)  kommen. 

§2. 

Wenn   ein  Mann   verschuldet   stirbt   und  Sohne  (Kinder),   die  un- 

miindig  und  lahm  sind,  hinterlaBt,  befehlen  die  Leiter  der  Kirche,  daB  via 

administrationis  ebenso  wie  dem  Glaubiger,  so  auch  den  minorennen 

40  und  lahmen  Kindern  aus  der  Habe  ihres  Vaters  gegeben  werden  soli. 

§3. 
In  betreff  der  Ehefrau,  die  sich  lossagt  von  dem  Besitz  ihres  Mannes, 
gibt  es  zwei  Ansichten: 

a)  Nach  der  einen  soil  dasjenige,  was  sie  in  das  Haus  ihres  Gemahls 
45   mitgebracht  hat,  gerechnet  werden  wie  die  Forderung  eines  der  Glaubiger, 

und  sie  soil  wie  die  iibrigen  Glaubiger  ihren  Teil  von  der  Hinterlassen- 
schaft  pro  rata  ihres  Anspruchs  bekommen  (s.  Anm.). 

b)  Nach  anderer  Ansicht  nicht  (d.  h.  soil  das,  was  die  Frau  mit- 
gebracht hat,  nicht  als  Schuldforderung  gcgen  den  NachlaB  ihres  Mannes 

50  gelten).  Auch  haben  die  Leiter  der  Kirche  teils  in  jenem  Sinne,  teils  in 
diesem  verfugt. 

§4. 
Ein  Knabe  von  15  Jahren  hat  nach  dem  Tode  seines  Vaters  noch 
aus  dem  Hause  desselben  den  Lebensunterhalt  bezogen.    Wenn  er  sich 
55  nun  aber  von  dem  Besitz  seines  Vaters  lossagt,  ist  er  deswegen,  weil  er  bis 


—      152     — 

u.cr  \\^  :  IkoA.  p  2X.<J3J  ^3X^  :  oiJ..a^  ^»  ^ka^^p  TipM 
3h^  trSsaiL^p  2;sft.t.v,3a.^3  ^^a^'^^^ioo  lA  .a-i^s-a  o^ai^p  ■> 
Xi'aksa^MS  2fr»ftvo'^.'aa3  ^2  :aw.3aJS23  aio  >^  .32e  .^^aaioo 
^p  ^^2  .se9)A  ^«y«\x  :  M^^w.  ^<o<L.  2'3l»p  ^2  :  2^«p.xp 
^Okda%»  »^2p  .2NaJ^p  Uaaa^tt  ,^ynB  ^s^lijoasw^^^p  .^ioc2 
*^oai^^^a  1^  :  X^2"K.'oV  2aaLX.p  C7;^wj  <JW  a\^2p  a>a\a 
oA  -Ipoio  .g;iiiib  ^»    ^3aX»   p^    :  07N.3eu.p   2^^00x30^.3  10 

§6.  .»..«aep  2i3\^  :»^2p  laaa  .^a^A^  2^0LijpjS>*V5ai  1^2  .li^as 
2^dJZ^  .yAx  .M.au»2  :3p>^  o2  ^iiu.  :  ^<Li  w.o^o\x  :^2p 
UxaoAs  ojj  y^is-?  2:s.o  v<v«aL!S.t\  l^p  :  2%-i\  p  L^ia  o2 
>^A>.  2;^^3  ^2  Tx^^ju   .  ^abM2  Tia^ao  XdA   ^2  1^2  .9<ioou.p 

§7.   Xio^?  .lisp^?   l^'yjpjaa  m-PwCL^  X.>2.jjoa3A»  jo^  .^a«.  15 
^   u.oV'iaAili    1^    .2^^^<>^   ^07oA^   iv..2p    :  2x3\    w^p    Jb 
ds^^p  ^p  3^j    .cr^jcttxisAe  0^.3^033^  ^oSkjcbp   l»a   .0^^^..^ 
^1  ^zj^isXio    .aix^xa   >ix)   c^lsois^   ^^jj   ^^k3^^   ^2   :  2ab3A. 

§8.  5^2p   ■ak^2p  ^   :!o.2   :  2;s^aL3p   2;s3d   ^.^p   .\\.ao   .^\dj   a)\^ 

§  9.  :23aLX.  'Z^p  •3^2p  ^p  ;(^2  ..^oao  oC^  is^l  ^ou.  ui'slm  ^  p^.  20 
:  w.o7ajaL^o  c7d<»isol^  aa^  :op.ao  "opM  e2  :ovi»<J-£3  ^  cri^a  ^2 
07d^:s.A2  :2ai.3LX^p  07>Sa»  ^^.^o  :o;tall  ^»»e  >d«^  ^«p  ^3J!0 
^  .soup  7iy^  ecrp  M.3oe^e  :oT^e«S3^  ,:»  ^aa^s^  ^caxao 
.^o;^^^  Z^e  .^ooi^s.^  l\3l.a^.»  Z^  :  Lv3e«^o  ,^«^  auxa 
Z^\.3  h39L:a^  ^.^ai  ^«X3o  :  ^sp^^  v2  Z^2  ."^yio  oc"  ^001^^ 
)liao  2;sX&2  ^i»2  ^  k2o  .^3wm2  jcaI^  ao;.k^^  1^  :2^..3^ 
^^.Aa  zA  :  Za2  ^  e2  Z.^k^.3  ^^o  :  ^J>39  ^J>««p  :  2;s.T.3p 
^93  ZJ39  OOP  v^  .^l  ^  ^o3*p  '>iel?  ^p  23a  .^yoo;^ 
ooTe  .m070u32  ^  JLoL^e  2oo^  ai  .2^j>o«p  laxa  .s^oo 
§  10.  23ads^  2301!^  >^2o  .0^  .\..\y  .2oo'  w^orep^Zs  ^9p  "^yso  30 
juap  ^i<J3«  ^  3k.«a  Z^2p  :^oa^.  poLXo  .oo^p  Zj^2  Zj-ox)  Jap 

'  1.  -.'iao. 


25 


—      158     — 

zum  Ablauf  von  15  Jahren  aus  dem  Hause  seines  Vaters  seinen  Lebensunter- 
halt  bezogen  hat,  nicht  verpflichtet  die  Schuid  seines  Vaters  zu  bezahien. 

§5. 

a)  Die  Frau   und  die  Sohne  (Kinder)  eines  Mannes  wohnen   in 
5   seinem  Hause,  bevor  sie  sicii  lossajren  von  seiner  Habe.    Sie  sind  nicht 

deshalb,  weil  sie  in  seinem  Hause  gewohnt  haben,  verpfhchtet  seine  Schul- 
den  zu  bezahien,  wenn  sie  sich  von  seinem  Besitzeiossagen.  Aberaiich  wenn 
sie,  naciidem  sie  sich  losgesagt  haben,  mit  Erlaubnis  der  Leiter  der  Kirche 
und  auch  der  Qlaubiger  in  dem  Hause  des  (verstorbenen?)  Schuidners 
10   wohnen,  steht   ihnen  dies  zu  (d.  h.  haften  sie  nicht  fiir  seine  Schuiden). 

b)  Es  konmit  aber  auch  vor,  daB  die  Leiter  der  Kirche  via  ad- 
ministrationis  bestimmen,  daB  die  Frau  und  Sohne  des  Verstorbenen, 
wenn  sie  alles,  was  sie  aus  dem  Hause  des  Verstorbenen  genossen  {wortliclr. 
gegessen)  haben  (nach  dem  Tode  des  verschuldeten  Familienvaters),  voil- 

15  standig  zuruckzahlen,  nicht  zur  Bezahiung  seiner  Schuiden  verpflichtet 
sind,  wenn  sie  sich  von  seiner  Habe  lossagen  (s.  Arim).  Dies  aber  be- 
stimmen sie  nicht  ex  lege,  sondern  via  administrationis. 

§6- 

Solange  der  verschuldete  Verstorbene  Felder  oder  Anderes  hat,  soUen 

20  seine  Witwe   und  Sohne  (Kinder)  nicht  das  Haus,   in  dem  sie  wohnen, 

zur  Bezahiung  seiner  Schuiden  hergeben.  Wenn  er  aber  nichts  hinterlassen 

hat  als  dies  Haus,  so   muB  auch  dies  zur  Bezahiung  seiner  Schuiden 

hergegeben  werden. 

§7. 
25  Femer  bestimmen  die  Leiter  der  Kirche  via  administrationis,  daB, 

solange  der  Schuldner  lebt,  man  ihn  nicht  aus  seinem  Hause  entfernen 
darf,  soweit  es  ausreicht  fiirsein  Wohnbediirfnis  und  sein  Geschaft(ifO/T'//f/z: 
seinen  Dienst).  Wenn  er  aber  gestorben  ist  und  seine  Erben  sich  von  seinem 
Besitz  lossagen,  muB  auch  sein  ganzes  Haus  hergegeben  werden  {s.Anm.). 

30  §  S  (5.  A  rim.). 

In  betreff  einer  im  Elternhause  lebenden  Tochter  sind  einige  der 
Ansicht,  daB  ihr,  gleichwie  einem  der  Qlaubiger,  ein  Teil  des  Nachlasses 
zusteht,  wahrend  andere  dies  verneinen. 

§9. 

35  a)    Wenn  ein  Mann  seine  ganze  Habe  oder  einen  Teil  derselben 

seiner  Frau  und  seinen  Sohnen  (Kindern)  gibt,  dann  eine  Schuid  kontrahiert 
und  nun  seine  Habe  verkauft;  wenn  dann  nach  seinem  Tode  seine  Frau 
und  seine  Sohne  sich  von  seiner  Erbschaft  lossagen  und  erklaren:  Das,  was 
er  uns  gegeben  hat,  geht  der  Kontrahierung  der  Schuid  und  dem  Verkauf 

40   voraus  ,  so  wird  diese  ihre  Aussage  nicht  angenommen,  und  die  Schenkung 

wird  ihnen  nicht  belassen.  Wenn  aber  dasObjekt  verkauft  wird,  und  sie  (die 

Hinterbliebenen)  es  um  einen  korrekten  Preis  zu  kaufen  wijnschen,  wird  es 

keinem  Anderen  zugeschlagen  (als  ihnen,  d.  h.  sie  haben  das  Vorkaufsrecht). 

b)    Wenn  die  Witwe  und  die  noch  im  Elternhause  lebenden  Sohne 

45  (Kinder)  erklaren:  Wir  haben  es  (das  streitige  Objekt)  von  dem  Gemahl  , 
respektive  von  dem  Vater  gekauft  ,  so  sind  sie  dazu  nicht  berechtigt. 
(Doch  ist  zu  unterscheiden.)  Wenn  namiich  der  Sohn  erklart:  Ich  habe  es 
von  meinem  Vater  gekauft  ;  wenn  er  zur  Zeit,  als  er  es  kaufte  und  die 
Verkaufsurkunde  schrieb,   bereits  erwachsen  war  und  von  seinem  Vater 

50  getrennt  lebte,  und  wenn  das  Gekaufte  sich  in  seiner  Hand  befindet  (d.  h. 
es  ihm  bereits  ubergeben  worden  ist),  so  ist  die  Sache  rechtsgxiltig. 

§  10- 

Wenn  ein  Mann   sich   lossagt  von   irgendwelcher  Habe   und   die 

Stipulation  macht:     Ich  werde  niemals  auf  diese  Habe  ProzeBanspruch 

55  erheben  ,  so  kann  er  ohne  die  Erlaubnis  jenes  (des  Besitzers  jener  Habe) 

auf  die  betreffeiuie  Habe  unter  keinen  Umstanden  einen  ProzeBanspruch 

erheben  (s.  Anm.). 


—    ir)4    — 

3um>3  of^   «\,.\t    1^   ecrrs  I^ooaAso   I^a   . l\-.v B    Iaoui    1i2 
§11.   Z^p  i\Am  e2  I:!^3  ^'slIiA,  -li^to   oo'  >\^  JcSa^aa^   w.a9   ^ 

V.  VII.  §1.  Jul  ^io  ^<u  xa  2a.2L\  .  HTi.T.tao  2^^•.^  \^  .  I.^n,  ts  Ij:S 
:  ^SkAMdoo  e2  dsl^v  ^«l«?  eoT  <y2  :  1  v  > t  ii  1^2.^0  ^sLjoo 
cTJSOk^  &^2p  o'oi  yis,  ^spo  :  U'au.2  w^rebou.  Jka  .^'iN2o 
.  v^J>«3  2eopo  :w.c?auaM?  ^aa^  ^2p  :s^:30  2^^2p  :  U^suo 

v,ocr3:so^»  ^2o  ♦s^oov..ao3>..d  ^  v,2  ■23>.t\  ool^  '\.  .\  t  io 
2xj.'23e  2ds>.^p   Ulpp   ^v^au^e    :  ;.t.>.T^  eor  2;s..^p   ^9o2 


§2.  2i;io  o^  U%Taa  v,2o  .2i<w3<L.  >«'xaop  l^kjA  v^Xa  a^^^^p 
:  ^•vT'ov)  Is^SmO  Is^^ae  :  2>v.o  e2  ^  \f>..  1A2  :  ^voSs^l 
XaOk^  l^p  y^aiop^la  :  2>S^a  oir  o2  AiQ^  w.crp  ^  eou2 
ZaopkXp  o;^  »\,  At  lif3  op  :^«o2  ^  .»3>.n  eo^e  :  w.ce^^2 
'.2^>m2p  UBtaaa^  A^si  A  .;»^zAao  oA^p  sp^ao  Aojip 
:  ^ciois^l  ^«e2  :^dj»puOp  eorp  2au.l3  o^  :  1i%t'»  oot  ^p  .^2 
.  ^pkA^  :  ^»\-v^  ^  U«p  :.d9o2  ^^^^p  oorp  .^cro'i^la  A2 
'ulp  ^p  .^^jAae  .dy^p^a  ^«o2p  o'e"  sp^doA  ^ftCi.x.ip 
:spk»  .2^^PlA^  ^a):d.d^  pouAa  ^  ULdp  .^p.A^  2^pb>.p 
y.3u.23  oJ^  :  : WTt?  ^  ^2o  :  AA^^^  UXm2  A^  .JL^p  ^p 
aeuAa  laioo  h>>3  A2  :  I&iA.2  ^-L^Zs  Ad2e  :  U»xd  ^ 
aau^f^  .X^buXip  uNg-aaA  L»>^  :  ^^>  t  Y> "n  Z...ao>-n  ^oA 
:a^  *^oafJiiis?  Za^^o  :  ^%TiaY)  UXm2  ^oA  v^e  .  *  .i9>a\ 
fivo^  Ae  :  ,  •v.T.'a.in  lA  ^2o  .ya^JlT.ie  .  a.\A.3L.a  2'paM. 
p^  *^\\'\\  ^.^isjiiep  ^  ysp^tt  .Ua^2  ^oA  Ae  'j-iepjo 
i^2o  .^a^^sao  ^%^p  oor  ^  vo^  xlSip  ^p  7ip.»e  ■'■pp^ 

§3.  ;sZ!o  •^f  .Uao7  poL^dvi  2XatJOi  \.*VfigL-i  A2  .11^.3^3  ol^  2par 
Jap  wd.^h^^^  or^e^au.  ^aae    :  IsjUm,  ^aio>\^  is^Lo  l\,:x\ 

'  1.   A.  -  Tractatus  opfiA.  '  add.  Tractatus  ^J 

*  leg.  Xi,'k^L         '  I.  ^p  ulp  St.  XiLp  ^p. 


t.     IS 


30 


—     155     — 

§  11  (s.Anm.). 

Wenn  ein  Mann  ein  Haus  oder  Feld  nicht  hat,  es  sich  nicht  in  seiner 

Hand  befindet,  er  i<einen  Anspruch  darauf  eriioben  hat,  und  nun  eri<lart: 

Es  gehort  mir  ,  so  steht  es  ihm  frei,  daB  er  sich  fur  die  darauf  lastenden 

5   Schulden  als  mithaftbar  ansieht  {wortlich:  so  ist  er  berechtigt,  daB  er  sich 

nicht  lossage  davon). 

Jedoch  wenn  er  die  Sache  in  seine  Hand  bekommen  hat,  wenn  er 
einen  Anspruch  darauf  erhoben  hat  und  mit  seinem  Anspruch  abgewiesen 
ist,  dann  mu(5  er  sich  von  der  betreffenden  Sache  lossagen  (wortliclr.  ist 
10  er  nicht  berechtigt,  dafi  er  sich  nicht  lossage  davon). 

VII.  Kapitel. 

Uber  Darlehn  und  Ifand. 
§  1  (s.  Anm.). 
Wenn  ein  Mann  etwas  entleiht  von  einem  Anderen  und  diesem  als 

15  Pfand  Gerate  (Mobiliarbesitz)  gibt ;  wenn  der  Schuldner  stirbt  oder  verarmt, 
und  nun  andere  Olaubiger  kommen  und  gegen  den  Pfandinhaber  den 
Anspruch  erheben:  Gib  her  das  Pfand,  daB  wir  es  verkaufen  und  den 
Erlos  unter  uns  teilen  ,  so  ist  der  Pfandinhaber  berechtigt,  einerlei  ob  er 
fruher  oder  spater  als  diese  Olaubiger  dem  Schuldner  das  Darlehn  gegeben 

20  hat,  das  Pfand  herzugeben,  es  mit  Wissen  der  Richter  der  Kirche  und  glau- 
biger  Manner  zu  verkaufen,  sich  selbst  vollstandig  hezahlt  zu  machen  und 
den  Rest  (des  Erioses)  den  iibrigen  Glaubigern  auszuhandigen  (Ebedjesu, 
Tractatus  S.  238,  Kpl.  2). 

§  2  (5.  Anm.). 

25  a)    Wenn  das  Pfand  nicht  aus  Geraten  besteht,  sondern  ein  Acker 

Oder  ein  Haus  (Immobiliarbesitz)  ist,  und  die  Verpfandung  durch  unter- 
siegelte  Urkunde  erfolgt  ist;  wenn  dies  Feld  oder  Haus  sich  in  der  Hand 
des  Glaubigers  befindet  und  dieser  in  der  Reihe  der  Glaubiger  der  erste 
ist,  dann  ist  er  ebenso  (wie  der  Pfandinhaber  in  §  1)  berechtigt,  solange 

30  er  sich  nicht  selbst  vollstandig  bezahlt  gemacht  hat,  den  iibrigen  Glaubigern 
nichts  zu  geben. 

b)  Wenn  aber  das  Pfand  nicht  in  der  Hand  des  (der  Zeit  nach)  ersten 
Glaubigers  ist,  sondern  in  der  Hand  eines  spateren  Glaubigers,  so  be- 
stimmen   die  weltlichen  Richter,   daB   zunachst  der  erste  Glaubiger 

35  sich  vollstandig  bezahlt  machen  soil. 

Dagegen  die  Richter  der  Kirche  bestimmen,  daB  dem  ersten 
Glaubiger  nur  das  Kapital  (nicht  die  Zinsen)  gegeben  werden,  das  aber, 
was  dann  noch  iibrigbleibt,  ijber  die  iibrigen  Glaubiger  verteilt  werden  soil. 

c)  Wenn  das  Pfand  weder  in  der  Hand  des  ersten  Glaubigers  noch 
40   in   der  Hand   eines  anderen  Glaubigers  ist,  es  aber  schriftlich  nur  dem 

ersten  Glaubiger  verpfandet  ist,  so  wird  es  dem  ersten  Glaubiger  zur 
Verfijgung  gestellt,  damit  er  sich  sein  Kapital  (nicht  die  Zinsen)  voll- 
standig daraus  zuriicknehme. 

d)  Wenn   das  Pfand  sich  in  der  Hand  eines  anderen  Glaubigers 
45   (als  des  ersten)  infolge  einer  schriftlichen  Verpfandung  zugunsten  der 

be  id  en  Glaubiger  befindet,  dann  teilen  sie  es  unter  einander  und  machen 
sich  daraus  bezahlt 

e)  Wenn  aber  das  Objekt  iiberhaupt  nicht  verpfandet  ist,  weder  an 
den  ersten  Glaubiger  noch  an  den  zweiten,  so  teilen  sie  sich  das,  was 

50  der  Schuldner  hat,  unter  einander,  und  den  Rest  ihrer  Forderung  (wenn 
das  Objekt  zur  Zahlung  der  Schuld  nicht  ausreicht)  fordern  sie  von  dem 
Schuldner  (Ebedjesu,  Tractatus  S.  238b,  239a). 

Auch  in  diesem  Fall  wird  nicht  ex  lege,  sondern  via  administrationis 
verfahren. 
55  §3. 

a)  Wenn  ein  Mann  verschuldet  stirbt  und  seine  Erben  sich  von 
seiner  Erbschaft  lossagen,  so  verfahren  die  Pfandglaubiger,  diejenigen, 


—    15(;    — 
I  ....  .     • 

o2  ;\.n«.  ^au^2  Z^e  .U^^sm  ^oe  liAiJu.  ^  oau'i^ta  ^^2p 
Z^^Xa^p  Id^aj^xaoLS  .00;^  a^^^  LsXa  pok«Aa  %^1  I^^o  s 
^p  x^^Juopo  -o^X^p  :sp.»  Li^pJO  jao  ^ouOJca  :  I^wso 
:  2;s.i>3  e2  i\am  Is^oo  ^T.aa.aa  La3k<*2  ^oi^  ^2o  ':  U3m*2 
Z^  ^p  ^2e  :  vo\^3k.i  ^0°^  '^^P  Tip^io  ^sa  \ \  ^oa^'^is 
^OkA^  : ^Om  w.'3b»  :  vOo;\a  ^j.^  :  ^ eoviM  p>.~  ^a^  .'vt'o'i? 
§4-  •vOOTJM  :sd.2  »^2o  .^2p  ^pbM  «\p.\\*\i  o^9o2p  ■sy.io  "ap-so  10 
^eorp  \\.t)  :d^x»2p  :s^2p  ^p  ^^2e  :  <.S.3»o  ;^^^pa]  2iN2p 
Zusuopoe  ti.eawi  l&il^  Li'aapkao  ^>a.'\  :  >\aao  ^^aepuOp 
o'crjp  ^3»  oojaIo  .Uiepja  eo^  oift\Ti>\e  :  tio>\  <JMK).\ia\ 
ocrp  o;^  .y,  At  :^«o2  l^.ao3>.,d  007  :  ^Vse  2^2  ^,  ao>  n 
.36^  ;^  -o^^P  ^3^  \.nTp  ;^puV.  >i»cro'i«^  Xd.2p  u-^ija  15 

:>^*o2  Uaop^  OCT  ol^  =  t^  ^^»p.dp  eoT  ^p  ^^2  .U^mI^ 
^Ol^  -2p'aM.  :zu.  ^.^SX^^  lS2  .Uao7  P^^^^P  ^  \  At  ^ 

§5.  ^a^  ^'VT'OYtp  ^i^Z  TJyio  o2  2^.o  o2  ;.\,tt.«  .Ok^9o2p  7i?k^ 
:np^p  .a%i39p  oaj!^  \.\r  Z^  .  ^L«2  xii^  pP»»  n2  :  ju2 
2^.1^  o2  Att..i  ;soc;   U^ijiM^M  or^oAp  o'oi?  "B^io  soj^i'jaop  20 

§6.  or^oA  ^"v  Tiaaae  2i,.3A.  v^  ^9-0  ^^  23..3l,\  .^a^o^p^l^p 
2aoi\  ^  ^%*  30^0  .  t^3kM2  :9pk^  o2  2iv^:3  e2  :  '  \  JtXm 
^^x  ^3^30  :  An...  W.OT  e2  2^.^j  ocr  cp7;soA  s^juo^o  1iXm2 
^.3>g»aoXaa  ^ao  z  ojsai  ,^%*  UmslIIp  00^  z\am  o2  2;\.o  eo- 
o2  2^.0  eo7  2oap  :  Ua^2  007  2olm»  Z^  ^  ^2  :  2k3\  eo7  23 
o;^p  Z^^a.^  eo;^  2^01^  200^  A.».p  •ap.ie  ja»  ^^^s^  A,a.. 
ec;  pou.I^p  :  Z^^pi^Cl^  y>g70u\.3>jp  cv^  >\.  At  zA  .  ^p«2 
:  2ai:  k^ivd^p  A.pu.is^e  2ft »t»  ^p  v^e  :  Aam  u>cr  e2  2i\.k3 
:  Za3w»Z^  2^o3kd.^.^  ^bi  ^^ap  Z^pk^  :  Z^^putX^  cA    V  Ax  Z^ 

§  7.   poL^o  :  Ju2  ^  ^%^  ^2  2X3\  :  zXxUi  o2  2:Sda  007  pou.ZAp  30 

1  I.  ;Lj.a>xaa.  '  1.  U3u«,2.  "  I.  eor  st.  ecra. 


—     157     — 

welclie  Mobiliarbesitz  als  Pfand  in  der  Hand  haben,  und  diejonigen,  welche 
Felder  und  Hauser  als  Pfand  in  der  Hand  haben,  in  der  eben  beschriebenen 
Weise  {in  §§  1  und  2,  s.  Anm.) 

b)  Wenn   ihnen  (d.  i.  einigen   Glaubigern)  aber  nicht  ein  Pfand 
5  gegeben   ist,  wahrend  Anderen   Felder  und  Hauser  verpfandet  sind,   sie 

dieselben  aber  nicht  im  Besitze,  sondern  nur  die  Urkunde  haben,  durch 
welche  ihnen  das  Feld  oder  Haus  verpfandet  ist,  dann  bekommt  der  erste 
Glaubiger  das  Seinige  und  der  andere  den  Rest. 

Und  wenn  an  einen  Anderen  Feld  oder  Haus  schriftlich  verpfandet 
10   ist,  teilen  sie  sich  das  Objekt  nach  MaBgabe  ihrer  Forderungen. 

Wenn  aber  das  Objekt  keinem  von  den  Glaubigern  verpfandet  ist, 
dann  teilen  samtliche  Glaubiger  sich  das  Vorhandene  nach  MaBgabe  ihrer 
Anspruche  unter  einander. 

§  4  (s.  Anm.). 

15  a)   Wenn  einer  von  den  Glaubigern  zuerst  kommt  und  sich  (vor 

Gericht)  beschwert,  und  einer  sich  zuletzt  beschwert  iiber  den,  der  sich 
zuerst  beschwert  hat,  so  beauftragen  die  Leiter  (der  Kirche)  verstandige, 
glaubige  Manner,  die  Preise  (fiir  den  Verkauf  des  Pfands)  zu  bestimmen 
und  (es)  dem  ersten  zu  iibergeben. 

20  b)    Wenn  nun  derjenige,  der  sich  zuerst  beschwert  hat,   der  erste 

Glaubiger  ist,  ist  er  berechtigt,  die  Habe,  die  er  in  der  Hand  hat,  so- 
lange  dem  Anderen  vorzuenthalten,  bis  er  sein  Kapital  daraus  wieder- 
gewonnen  hat. 

c)  Wenn  aber  der,  der  sich  zuerst  beschwert  hat,  nicht  der  erste 
25   Glaubiger  ist,  so  darf  er  nicht  also  handeln,  vielmehr  teilen  sie  das  Pfand 

unter  einander  nach  MaBgabe  ihrer  Forderungen. 

§  5  (s.  Anm.). 

Wenn  ein  einem  Menschen  verpfandetes  Objekt,  Feld,  Haus  oder 

etwas  anderes,  an  einen  anderen  Menschen   (von  dem  Eigentiimer)  ver- 

30  kauft   wird,  so    ist  der  Kaufer   nicht   berechtigt  es  friiher   in  Besitz   zu 

nehmen,  als  bis  derjenige,  dem  das  Objekt  verpfandet  war,  das  Seinige 

zuruckgezahlt  bekommen  hat. 

§  6  (5.  Anm.). 

a)  Ein  Mann  entleiht  von  einem  anderen  ein  Darlehn  und  verpfandet 
35   ihm   dafur  ein  Feld   oder  ein  Haus  oder  sonst  etwas;  er  entleiht  dann 

weiter  von  einem  anderen  ein  Darlehn  und  verpfandet  ihm  dasselbe  Feld 
oder  Haus.  Darauf  verkauft  er  das  Haus  oder  Feld  an  den  ersten  Glaubiger, 
und  nun  gerat  der  Schuldner  in  Armut. 

b)  Wenn  nun  der  zweite  Glaubiger  nicht  nachweisen  kann,  daB 
40   das  Haus  oder  Feld  einen  hoheren  Wert  hatte  als  denjenigen  Betrag,  um 

den  der  Schuldner  es  seinem  ersten  Glaubiger  verkauft  iiat,  ist  er  nicht 
berechtigt,  den  ersten  Glaubiger  an  der  Besitzergreifung  dieses  Hauses 
oder  Feldes  zu  hindern. 

c)  Wenn  er  aber  nachweisen  kann  und  notorisch  ist,  daB  das  Objekt 
45  einen  hoheren  Wert  hatte,  dann  darf  der  erste  Glaubiger  das  Haus  oder 

Feld  nicht  eher  in  Besitz  nehmen,  als  bis  er  die  Differenz  (zwischen  dem 
gezahlten  Kaufpreise  und  dem  wirklichen  Werte  des  Pfandobjekts)  dem 
zweiten  Glaubiger  ausgezahlt  hat. 

§7. 
50  Wenn  ein  Mann  von  einem  anderen  ein  Darlehn  nimmt  und  mit 

ihm  die  Stipulation  macht:  -Ich  verpfande  dir  meine  ganze  Habe  fiir  dies 
Geld,  das  du  mir  geborgt  hast  ,  so  ist  der  Schuldner  nicht  berechtigt, 


—     15,s      - 

Xxo^  I'Vua'vi  <^JSoA  ^.%T.'nifl  .^.^^^.d  o^A^s  :^a.iN  oudo-^ 
tfl^uap  lM-'\  Qi  y  ,\  .a  jie  >^%^p  l'\.-y\  o'er  :  ^joo  x^%_3 
oi  ftn»Yv\  o^  .\..\t   £S   -^VoP   I^oa    oorp    .2>>ft.'a'>.^ 

§  S.  uA>.3  )\,\t3  ^^p  :  ^JAC  oA  ■alNae  :  cra^^  .^  ^«^  ^^  ^^^. 
:  I.auG>a  Uo^a  ^«^  o2  .  «^^oA  ^xda»  ^^2  la^  ^aI^  U^2 
.o:iS  A«^^  Uacr  a^p  .lacn  \^  ^-o^a^  U^cr  ksAp  ^  uilp 
oA  V  A,T  A  .aAu.3  "n^-ie  2x3l\^  ooA  ^s^^p  ^jib  l»ak^ 
.\.  At  .  y'VT^bo  o2  ^»»  ^3  «y2o  .a\>Tia'ia\  o2  ojaoaA 
o2  ;AfiU>  U.OPP  :  auaoT.lOuS  Zoio  o^-aou^  ;»^2p  l>aap...d  ocjA 
opatp  ocrp  w.o7o3la2  rJap  oOk^opoAe  .U2  Xn^  ^J^o^p  :  2;^«3 
.2pcr  ^2  2£vpLxp  ^p  )JL.?  ■crawN.l.aoAo  y%  t'»»  ot^oA  o2 
:  ^•Na£^2  2^j.^j93  Z3^.dp  ^ab  eo^  ^f^o  .^^m.  ^s^lxjcxiaAao 
;^pt^  .,U'\ti>i  ^p  ^2o  -Ti^ae  OCT  :  oA  ^-oU^sao  .1  .ti>in\ 
w\^^xp  y^aLao2  .oA  Jck^o  A,Q.*  o2  2^.o  oo7p  ^J^^ls  la^p 
^a^saaji  :  2aaA  p  o^^jo^  2axp  ^a^ao  ^  %\.jop  .ca^aa!^  oA 
.]j^p  ^2  oA  JNu<.2p  2ivd3  o2  .A a.,.  Aa  :  .^^a  e2  ij*^  e2 
Uop  e2  )\am  Ipajj  U2  >ap  :  2aw3A  a>^2p  ^p  u.o7  A^ 
i^^a  .oiaaAx2  cA  200"  ,\,At  A  3^  oai  .i\*oai  la^  2n^>3 
:opaAx2  2eci  ..y.  At  A  p^a  tr^2p  ^awae2p  ^  ^.d.2  .Iiajoou.  ^ 
.2p9T  Ax  Zaajoou*  opao  ^s^^p  ajA^p  Aa>^  oA  •^A  A2 
»vA  aooL^p  .^«akae2  .2oA2  ^.A»pe  2d^oala  iNolSA  ^^p  o^ 
>aa^a  e2p  .pouAa  ^Jsa<N  ^  2au»  A2  .Ix'ijaa^  ^3X1  p  oA 
^   o2  ^AcL  ^  2ay«a   Xsl^^i   e2  :  Aaxp  pa^ao   o'er   ofMO 

§  9.  IxAJtio  Aay  :  Xi3^  oo^s  ^oroawZs  loei  ds^2p  'sa^aaa  e2  : 1'ka  25 
>y  Atp  ^)i«akao2  .bb^^p  ^p  Xd.2e  :  lax  au.:s^p  ^  is.>2p  :  ^p 
op.2Jcaep  ooA  *^^-i  Ap  :2ax  a>^Xw.p  U'x.x'o  au^2p  ooA  cA 
^au'ilsp  \\ie  .ocTp  o^XeauJCxA  9';sex.>^  :  2ol.x  a^.^ 
.cn^eauUQx*  .ou^aao  3^.^33  oc'  A2  .oao^  Zv>x'r)  Ax  . l^oa 
§10.  o2  2&^2  :oTX3u.  ;soA  jl&2  o^JLaouao  ^2  .^3^.1  a^aw.ao  ^ao  30 
w.aA^  p^3>^  Ao  2«saAM  ^*ov>^^<2p  UAi  o2  lix  o2  2au.aci 
2aAb«3  iiVy'ff  :  UAi  o2  2a>^.aa  e2  2;sao2  w.01  2aA^o  :  2^Xm2 


20 


—      lolt      — 

denjenigen  Teil  seiner  Habe,  tier  ziir  Tilgung  dieser  Schuld  erforderlich 
ist,  zu  verkaufen  oder  zu  verschenken.  Dagegen  den  iibrigen  Teil  seiner 
Habe  darf  er  verkaufen  oder  verschenken. 


§  8  (s.  Anm.). 

5  Wenn  ein  Mann  von  einem  anderen  ein  Darlehn  nimnit  und  ihm 

folgende  Urkunde  aussteiit:     Ich  verpfande  dir  von  meiner  Habe,  was 

du  wiilsl,  oder  verkaufe  es  dir  urn  dies  Geld  (d.  h.  urn  den  Betrag  des 

Darlehns)-,  so   befehlen   die   weitiichen  Ricliter  hieruber  wie  foigt: 

a)  Wenn   er  (der  Schuldner)  eine  solche  Urkunde  ausgestellt  hat, 
10  kann  er  (seine  Habe)  nicht  eher  verkaufen  oder  verpfanden,  als  bis  er 

seinem  Glaubiger  das  Seinige  zuriickgezahlt  hat. 

b)  Wenn  er  aber  dennoch  sie  verkauft  oder  verpfandet,  so  hat  der 
erste  Glaubiger,  der  jene  Urkunde  in  der  Hand  hat,  das  Recht,  zu  erklaren: 
>Das  Feld   oder   das  Haus,   das  du  verkauft   hast,   verlange  ich  <,  es  zu 

15  reklamieren  aus  den  Handen  des  Kaufers  oder  (zweiten)  Pfandnehmers 
und  an  sich  zu  nehmen. 

c)  Die  Rich ter  der  Kirche  sehen  aber  auch  dies  vom  Standpunkt 
der  Vervvaltung  an.  Wenn  dem  ersten  Glaubiger  eine  Verkaufsurkunde 
ausgestellt  ist,  iibergeben  sie  ihm  (das  Objekt).    Wenn  es  ihm  aber  schrift- 

20  lich  verpfandet  ist,  ist  nach  ihrer  Ansicht  der  Schuldner  berechtigt,  bis 
der  Glaubiger  das  betreffende  Objekt,  Haus  oder  Feld  auswahlt  und  genau 
bezeichnet  hat,  jedes  Feld  oder  Haus,  das  er  hat,  nach  Belieben  zu  ver- 
pfanden oder  zu  verkaufen  oder  zu  verschenken,  mit  Ausnahme  desjenigen, 
was  der  Hohe  der  kontrahierten  Schuld  gleichwertig  ist. 

25  d)    Was  aber  den  weiteren  Fall  betrifft,  dafi  der  Glaubiger  erklart: 

Obwohl  ich  das  und  das  Feld  oder  Haus  ausgewahlt  hatte,  hat  er  (der 

Schuldner)  dennoch,  ohne  dazu  berechtigt  zu  sein,  es  verauliert.    Er  soil 

mir  Schadenersatz  zahlen,  so  sind  einige  der  Ansicht,  dal^,  wenn  der 

Schuldner  auch  das  betreffende  Objekt  verauBert  hat,  ohne  dazu  berechtigt 

30  zu  sein,  der  Glaubiger  dennoch  nicht  berechtigt  ist,  deshalb  Schaden- 
ersatz von  ihm  zu  fordern. 

Wir  aber  befinden  nach  Rechtschaffenheit  und  Gottesfurcht,  daB  der 
Glaubiger  absolut  nicht  das  Recht  hat,  Schadenersatz  zu  fordern,  sondern 
dafi  eines  von  zwei  Dingen  eintreten  muB:   der  Glaubiger  laBt  sich  von 

35  dem  Schuldner  das  Seinige  zuriickzahlen  oder  er  erklart  sich  damit  ein- 
verstanden,  irgendeins  der  Felder  oder  Hauser  oder  etwas  anderes,  was  der 
Schuldner  zur  Zeit  noch  besitzt,  (als  das  ihm  gegebene  Pfand)anzunehmen. 


§  9  (5.  Anm.). 
Ober  ein  solches  Pfand,  dessen  Wert  hoher  oder  niedriger  als  der 

40  Betrag  der  Schuld  (gemeint  ist  Geldschuld)  ist,  bestimmen  wir  wie 
folgt:  Wer  ein  uberwertiges  Pfand  hat,  ist  nicht  verpflichtet,  aus  seinem 
Plus  demjenigen  Glaubiger,  der  ein  minderwertiges  Pfand  hat,  dasjenige, 
was  dieser  zuwenig  hat,  zu  ersetzen,  denn  beide  haben  Geld  gegen  ein 
Pfand  geliehen. 

45  Aber  derjenige,  dessen  Pfand  ein  minderwertiges  ist,  darf  von  dem 

Schuldner  den  Betrag  einfordern,  um  den  sein  Pfand  zu  gering  ist  {vgl. 
§  J 8,  zweiter  Absatz). 

§  10  (5.  Anm.). 

Wenn   ein  Mann   einem  anderen  eine  Sklavin  oder  eine  Kamelin 

50  oder  Ziegen  oder  Schafe,  welche  gebaren,  verpfandet  und  keine  besondere 

Stipulation  dabei  macht;  wenn  nun  die  Sklavin  oder  die  Kamelin  oder 

das  Schaf  gebart,  so  gehort   deshalb,   vveil   das  Geborene  nicht  Frucht, 


—      IRtl     — 

2ftoo2  w.or  :  ^■•VTY)?  ocrp  :  l^JOi,  o2  2x.Aa  o2  :  2<oo2  w.or    

o2  .^^2    U.C73  ocn?  oc^lo   .w.oTe^^2   . ?, . A.a   e2   23ij>X3    o2 
.o^  l3>io  wdpf  3  ^2  :  sA^ioo  ^eaaaao  .Jrjj  LJtXi  e2  2\..^j 
2aAa»  \Vy503  zA\pp  Uxoou«e  2:^^^3^  .\\,»p  2^.a.^i    s 
o2  23u.^  o2  2^M2  2X30   auo.««a    :  23^^   \x    l\5rtV,3    lii  2e 

§  11.  ^a^mI  pxaa  \^^  o2  l^xoA  \S^-a9  >jb  .^<oou«  23^  UAi 
•ppj^  o2  ^  *^  ^  "^  ^3^.30  .o?.\.t.Ji  .■•v.x.ia.'t)  cr3.n«.\  a«m3 
z!S  ocTo  -1 'VT'T'  or^so^s  ec;^  jo;^  o^^iih  .,%,t,'HL*r)  g^^■\\^.ao3 
eoT  asi^opa^  Is^  l^o  -ISSlM  eo:  e2  l^uoa  ecr  ,V -i  a »  lo 
;^  :  w.3u»2  jeA2  ivo^  ct^amih  U2  J^23  A\.»  .3b»2e  .li...^.a 
U23  oo^  i^^-i  1^2  :  7) 3^20  e2  I-^lmCx-^  Lie  1^2  ^^■■a.a.'w 
"7*^1^  jJo3Ai3  vp^  o2  ^Ajcxa  oc"  :  Iv.vtl  cr^oA  isA:3JC» 
:  ^oadv  >-TiX  L^  .;.i>i-n  2^0  23u3u\  3  oai^l  .^cre3u.2  ^ 
^2e  :  ^A.iC)>.a  ^  %^1  aau-  >A^  l^k.^^  w^^  La0a...33  is 
:  2eoi  ^AJC^ao  97^0^3  eoro  .ecr  Us*  3^0..  :  ^eai^  poL^ 
;  of.y^j.io  Is^x  n  liiop  li^^p.^  U.v.Be  :aiX3%3  onie  loo-  l3a 
1^3  :  Xx^jJO  C77^a^  2ooi  ^ua^  :^..ae3L.0  3  00;^  o^  ^A-t 
;*\,r>->  U.a.O  23^  l!^2  o^w^±)  o;^  ^ivi  I^e  iSuoa  >^3aa 
.Za^jxs  ;L^u^J33  ^oa^  ^2  ;g;i.v.B  ^^%tYK'o  opp  ^p^  e?^  o2  20 
rrjx.i  ft  y,a7ods^2  u.07e3uiL3p  007  d^oA  2x.ia  :  o^a^s^  ecrp 
a>ao  ^otdxi  .;Liu.Ji^  ^aiois*l  w.o7opu.Z3p  ec!e  :  n^  A^ao 
o2  ^jcsp  »^ecTio.^j  >m2  .s2e   .073^0^   L.i^.u.B  'aXxio  ov^P 

§  12.  i.tt3LXo  23aL\  4s li  v,i  .^sOaiiKi.^?  -.aA^  ^2  ♦^oariia  ::^Aao 
23u»  Z^Je  :  2S00U*  ^aia\^  :s^2e  :  23aa.*  lA.\,o  2>>;!^2  25 
\x  3,.mC&53  U^2  e2  .23aL\3  o'X^^2  .2Xw33o  l^'^JO  Isou. 
%Ajoa  ecr  .^a^^a  2^p>,a.p  Uaap^Mp  UpJaa^j  lorivaaus 
&^2  Lflucxa  ecrp  l^s^sa*  .1j..3L3  Llx  A^  ^2  .  oi^Sbo^^o 
liyt)  >aX3Ai  e2  .2^j3kJi  ^'cnp  U«j^  ^^  ^ecr^j^^p  ^eiiN 

^13.   :^<Li  w.c7a\x  ^^2p  ju2  .^^p  I^aa  ^U3 ^  ^o^^^uo   ^° 


•    add.  w».  =   ).  ^p.  '   1.  OVJ3;\Ou.e. 


—    nn    — 

sondern  Wurzel  ist,  dasjenige,  was  von  der  Sklavin  oder  Kamelin  oder 
dem  Schaf  im  Stadium  der  Verpfandung  geboren  wird,  dem  Schuldner. 
Wenn  er  (der  Glaubiger)  das  von  der  Sklavin  oder  der  Kamelin 
oder  dem  Schaf  geborene  Wesen  in  gebuhrender  Weise  aufzieht,  muB 
der  Schuldner,  der  Eigentumer  der  Sklavin  oder  Kamelin  oder  des 
Schafes,  die  Kosten  fiir  das  Aufziehen,  Entschadigung  fiir  Arbeitsverlust 
infolge  der  Geburt  und  den  Lohn  fiir  die  dem  neugeborenen  Wesen 
zugewendete  Muhewaltung  dem  Glaubiger  ersetzen. 


§  11  (s.  Anm.). 

10  Wer  einem  Anderen  seine  Habe  als  Pfand  gibt  zur  Sicherstellung 

von  Geld  oder  einer  anderen  Sache,  welche  er  ihm  schuldet,  und  danach 
das  Geld  oder  die  andere  Sache,  fiir  die  er  das  Pfand  gegeben  hat,  dem 
Glaubiger  zuriickgibt; 

wenn  nun  der  Glaubiger  die  Annahme  verweigert  und  das  Pfand 

15  nicht  zuriickgeben  will,  und  spricht:  Weil  ich  das  Pfand  weiterverpfandet 
habe  an  X,  verweigere  ich  die  Annahme  der  Schuldtilgung.  Er  (der  erste 
Schuldner)  moge  aber  die  Schuldtilgung  demjenigen  geben,  dem  ich  das 
Pfand  weiterverpfandet  habe,  damit  er  seine  Habe  aus  dessen  Handen 
befreiec ; 

20  wenn  der  erste  Schuldner,  dem  die  Habe  gehort,  nicht  die  Stipulation 

gemacht  hat:  Am  Tage  x  des  Monats  y  zahle  ich  dir  dein  Geld  zuriick  ; 
Oder  aber,  selbst  wenn  er  auch  dies  stipuliert  hat,  dieser  Termin  ver- 
strichen  ist,  wahrend  der  erste  Pfandinhaber  von  ihm  zur  rechtmaBigen 
Zeit  die  Riickzahlung  forderte  (der  Schuldner  aber  nicht  zahlte),  und  er 

25  daher  mit  Wissen  des  Schuldners,  des  Eigentiimers  der  Habe,  das  Pfand 
weiterverpfandet  hat; 

alsdann  ist  der  erste  Pfandnehmer  berechtigt,  die  Annahme  der 
Zahlung  und  die  Ruckgabe  des  Pfandes  zu  verweigern.  Vielmehr  soil 
dann  der  Eigentiimer  der  Habe  (der  erste  Schuldner)  das  Geld  oder  das 

30  Objekt,  fur  das  seine  Habe  verpfandet  ist,  gemaB  den  von  ihm  in  der 
Verpfandungsurkunde  angegebenen  Bedingungen  zu  dem  zweiten  Pfand- 
nehmer, in  dessen  Hand  die  Habe  ist,  bringen  und  ihm  iibergeben.  Dieser 
zweite  Pfandnehmer  nimmt  entgegen,  was  ihm  zukommt,  und  gibt  die 
Habe  (die  ihm  verpfandet  war)  ihrem  ursprungiichen  Eigentumer  zuriick 

35  (also  mit  Obergehung  des  ersten  Pfandnehmers)  (vgl.  §  16). 

Wenn  aber  zwischen  ihnen  ein  Streit  oder  Wortwechsel  entsteht, 
sollen  sie  gemaB  der  zwischen  ihnen  abgeschlossenen  Stipulation  verfahren. 


§  12  (5.  Anm.). 

Wenn  ein  Mann  stirbt  und  Frau  und  unmiindige  Kinder  hinterlaBt; 

•w  wenn  er  auch  Schulden  hinterlaBt,  und  nun  der  Glaubiger  Kapital  samt 

Zinsen  zuruckverlangt,  dann   soil   die  Witwe  oder  wer  sonst  fiir  seine 

Familie  verfiigt,  gemaB  dem   Befelil   der  Leiter  der  Kirche  jenes  Geld 

samt  Zins  und  Zinseszins  gemaB  der  zwischen  Schuldner  und  Glaubiger 

bestehenden  Stipulation  aus  der  Habe  der  Familie  bezahlen.    Oder  aber 

45  sie  bezahlen  das  Kapital  und  ziehen  von  den  Zinsen,  soviel  sie  konnen,  ab 

(s.  Anm.). 

§13. 
Ein  Schuldner  darf  nicht  eher  seine  Habe  verkaufen  oder  verpfanden 
oder  verschenken,  als  bis  er  seine  Schulden  bezahlt  hat,  es  sei  denn,  daB 
50  er  soviel  von  seiner  Habe  zuriickbehalt,  als  der  Summe  seiner  Schulden 

Sachau,  Syrische  Rechtsbucher  MI.  II 


—    1  (■,•_>    — 

.\,.\t  sou  el  ^"VTiayi  el  o*^  .  2o  .^x^o^  el  o\%TYv'ft\e 
.oT^jou.p  I^ftdjo't  ^ol^  li.\,b  eo"  Jap  ^cup  ^cL.  2i^ 

§  14.  jul  .ot^olS  y>tioa».2  e2  -o^  jou^2  e2  .j«3   l:u2  ^oJS  ^    s 

.^.XmP  '^^^P  .3^2  wsaioe  .la^^  jis^e    qtv.v.d   j»»  vf 

:  j^d.l''^^^'^*.  Ou.aw'oN  2^ao  1^  v,2  :c;^\%T'n  e2  c?^ja*  233oje3e 

..laO^a  Z^  :  op.^^  pa:»  e2  wSf  2330uC3e  ^A^p  \\.^a 

,^.-iT.-s.>«<  2'3u.aa  ■IvxT'ff  e2  Z<>xo«  w.oTe   .opise  .\aoXxao   l^o 

§  15.  "■j^\  f^..  jsp  jov»e  :  Ju2  ju23  2^30^.  ^pto,\v,  :»^2  ^1  ^^'^.  '<> 
e2  O^Am  ^  or^^ou.  ^xa^^^    :  xi2  jui^   ^ceio   ^   e2 

§  16.  ^a^  ;  \  n.,  ol  Js^  , ,  >  t  in  in  JLii  ^2  :  aa^^Lp  l:s^  ^ 
liio^  \ ^''  :  Ua»>*2  23aLX,  ^oA  ,%Tiair)  Ju2  ec*e  :ju2 
i^OlAjeas   :  iJ^ad^  2^J0L«.  23>aflA  :i„».p    1.1o.t  ^^ja   :  ,U«i.d 

§  17.  ^\^^  ^.oao7  ;AjC>a  ^^Qt?   :xi2  3^302  ^2  .0-:^^  e2  ai\jcx^  is 
X^ae  :  Iscrpa  e2  l^ljop  :3lm  UZao  o-NeA  a^r3J.5oe  A^  ^ 
A  Ul»  ecr   1^2  :  »j.50  "\.Bg.3   &a»23   l^ucxap   :  3Je2  ou^p 
.2aaL\  ooA  Aioa^  Ju«.  .^?olp    lAOk^    eo*    .w.^o^   ^3>iaa 

§  IS.  ^  i^2  M.3  1  wx't)  i\\,in  .3^23  Ul»  .\\in  ouo^  aeavo 
;sA   :  o^s  ^2^x^0303  l^joa  ^^  2oa  3^.^    lt3>Tio   .23   :  3^23  20 
.^c^esuZa  ^w.23   .IWTir)  ^    Sw^N^    A:».3.aaLS  i^a*.   liio^   07^ 
.Uaa3o  2ols  3^^^  aa  v^3   .^3^2  .2:se^3^  ;sa^A  ^3   Om 
0cr  />  ■\.«.^v>\  A^^  .2as  >«^3  3>a  ^2o  .M.cre^w>2  Itrxxao  23«3 

§  19.   :^N^o  ^siN^e  xi2  00  ^%*  ^"^'^.  r^^  *v^  .3uJCx»3  'japjao 

:oT3au.3  ^aiois^i.  laax  ^ooiup  Slm  3mA^3   .  w«3^^  %^2  u2  25 

^ v'^^  c;^  .y.Vx  3o^a  ci\«3  2^ji»  vO0V)>»  ?^  '^  ^ 

la^^   OCT  \\.^^^   A   .0A.3  2^j^  >X3^   vec;j>»  >«*  v2o 

aoL^isao  :  io«aL5^2  Ap  2^J^  \.du  :  :»^^i5^2p  2^j>do  \\.a() 

t;  20.  Z^L±)  0V3  ;^^2p  .^Ow^p  2i>,\.  x  .veo^Xj-^Jp  ^oui;s  ^2 
.li3^0u.  o^  >\\.3^2  .Usos  Jae  's3w3o    .xa5^  A  .cr.A^^a^e  30 

■  add.  ^■•Vtaftao   e2.  -  Tractatus  >\.QX.  ""   I.  m6>SO- 

*  I.  ^i5M  A. 


—     163      — 

entspricht.  Wenn  er  aber  (trotzdem)  seine  Habe  verkaiift,  verpfandet 
Oder  verschenkt,  ist  der  Olaiibiger  berechtigt,  von  dieser  Habe  den  seiner 
Forderung  gleich  komnienden  Betrag  von  deni  Kaufer  oder  dem  Be- 
schenkten  oder  dem  Pfandnehnier  zuriickzufordern  {vgl.  die  §§5,  7,  15). 

5  §14. 

Wenn  jemand  seine  Habe  verkauft  oder  verpfandet  und  dariiber 
eine  Urknnde  ausstellt  und  nun  erklart:  Ich  habe  es  (nur)  aus  Furcht 
und  Angst  verkauft  oder  verpfandet <> ;  wenn  er  nicht  den  strikten  Beweis 
erbringen  kann,  daB  er  aus  Furcht  oder  Angst  seine  Habe  verkauft  oder 
10  verpfandet  hat,  wird  seine  Aussage  niciit  angenommen  und  ihr  nicht 
Geiior  geschenkt,  sondern  der  Verkauf  oder  die  Verpfandung  wird  als 
gultig  angesehen. 

§  15  (5.  Anm.). 
Wenn  ein  Mann  gegen  verschiedene  Personen  Schuiden  hat,  und 
15   verschiedenen    Personen   etwas   von   seinen    Feldern   oder  Hausern   gibt 
(schenkt),  so  werden   seine  Schuiden  aus  dem   verschenkten  Feld  oder 
Haus  bezahit  (vgl.  §  13). 

§16. 

Wenn  ein  Mann  ein  Haus  oder  Feld  an  einen  Anderen  verpfandet, 

20   und  dieser  es  an  einen  zweiten  weiter  verpfandet,  so  kann  der  Schuldner 

seine  Schuld  an  den  zweiten  Pfandinhaber  bezahlen,  und  bekommt  dann 

sein  Feld  oder  Haus  zuriick  [vgl.  §  11).  {Ebedjesii,  Tractatus  S.  239,  Kol-  /■) 

§  17  (s.  Anm). 
Wenn  jemand  erklart:  >Ich  habe  zugleich  von  X  Geld  enthehen 
25  und  ihm  als  Pfand  ein  Gerat  aus  Silber  oder  Gold  gegeben  ,  und  nun 
X  erklart:  Er  hat  das  Geld  von  mir  entliehen,  aber  das  Gerjit  hat  er 
mir  nicht  verpfandet  ,  so  muB  der  Schuldner  das  Geld,  zu  dem  er  sich 
bekennt,  dem  Glaubiger  zahien,  aber  wegen  des  genannten  Gerats  muB 
er  mit  ihm  ProzeB  fiihren  (Ebedjesu,  Tractatus  S.  239,  Kol.  I). 

30  §  18. 

In  betreff  des  Pfandes  gibt  es  folgende  Ansicht :  Wenn  das  Pfand 
weniger  wert  ist  als  das  Geld,  zu  dessen  Sicherstellung  das  Pfand  ge- 
geben ist,  ist  der  Glaubiger  nicht  berechtigt,  mehr  als  das  Pfand,  das 
in  seiner  Hand  ist,  zu  verlangen. 

35  Wir  aber  sagen  in  Rechtschaffenheit:  Wenn  das  Pfand  mehr  wert 

ist  (als  die  sicherzustellende  Schuld),  so  gehort  dies  Plus  dem  Schuldner, 
und  wenn  es  weniger  wert  ist,  muB  der  Schuldner  dem  Glaubiger  das 
fehlende  erganzen  {vgl.  §  9,  2.  Absatz).  {Ebedjesu,  Tractatus  S. 239,  Kol. 2.) 

§  19. 

40  Zwei  Manner  entleihen  eine  Sache  von  einem  dritten  und  stellen 

ihm  daruber  eine  versiegelte  IJrkunde  aus.  Dann  darf  der  Glaubiger 
von  jedem  der  beiden  Schuldner  nur  denjenigen  Teil  der  Schuld, 
der  auf  diesen  entfallt,  zuriickfordern,  ausgenommen  den  Fall,  daB  die 
beiden  Schuldner  sich  gegenseitig  fiir  einander  verbiirgt  haben.    (In  diesem 

45    Fall  kann  der  Glaubiger  von  dem  einen  wie  von  dem  anderen  Schuldner 
die  ganze  Schuld  zuriickfordern.) 

Und  wenn  einer  von  ihnen  seinen  Teil  (der  Schuld)  bezahit,  so 
wird  wegen  des  bezahlten  Teils  die  Urknnde  nicht  hinfallig,  und  mit 
dem  anderen,  noch  nicht  bezahlten  Teil  wird  gemaB  der  unter  den  Parteien 

50  abgeschlossenen  Stipulation  verfahren  (Tractatus  S.  23b,  Kol.  2,  s.  Anm). 

§20. 
Eine  Urkunde  fiber  eine  Schuld,  die  aus  Kapital  und  Zins  besteht. 
Es  ist  nichts  von  dem  Kapital  zuruckgezahit  worden.     Hinfallig  ist  der 
Zins  {sic  s.  Anm.). 


—      I(U 

§21.  >\..Sj;.3  ^xa5  Ulp  .:^e.Sbw.  xSl^M  ^2  -TjI  \>.p  iStx^ 
l^baa  ^3  ^  .ilia  ^  ov^p  .Xs^^p  :  la^  ^2  li\30>^  2iaa^ 
oi^3  2^j^  ..eo^uo  ai«.^a  ^ap  .2<Se«Naw.  wJa  ^  .  oo;d.^^23 
^eabr  ^  s^sNioo  >a  '.  ^oo)->.is^l  ^  ^p  ^2  -^s^Jo^  ■;.>.a^ 
•sOaoT  .1^3^?  ^Okxcrfi  Itsoiioo  .>\,\*\*n\  ^ . n .««  .>eoUki^23    s 

§22.    JLll    ^    .^xa^    vOO^A.^    vOu>:)fi^?    .  vecn«3A~   '0L^Xd2p 

.3db2e  JcSb  :  ou>»  >X3^>v»p  ^x«2  :3>»  e2  .LSuaa  \\.» 
XSi^sa^a  ZsA^e  I'iajjo  2i^^^  ^^p  >\\one  :  U2  olm.  J^p 
oor  b^\^  :aL\up  pjad  ^po  .jLap^^  Ij^p  7?^  7 1  at-a 
;j)^.a  2£s^tf  ^3io  v^2  .2aaL\  pAjc»e  :.^w3  e2  i\a«.  ISlOiA  10 
;.ooa^\j]p  :  ulpb^  ^a^isboo  :  2jJ.p  ^xd  2pbiuQ>e  U^so^p 
^  2^^.^  e2  i\A>>  ^'01  \^^J:;s  :  paLXp  -ppjaa  ;.*aoxa  po^ 
axag?,Ma!S  o;^  \*>-A^  .  A.Ctfp  2SA\xo  2*3 ^^  ^2o  .  l..^p>^ 
2^>eLj.o>a.ao  07^  3Xti;sis  o;*aocLV\  \\^o  .'Aa*.  2-xao  \x 
V.  VIII.    t^oAap  li<^%*  \x  :  ^^j^fi^p  %xh   .U-Aao  2^p^  ^  2;Mae   is 

§  1.  ;b&*  ^p  ^07  ^  S\.ff>  .;\,v.a'ap  ^p  2^^«u  .  :\,vm  i^pe 
;JiDdo:»  ;!o.U^J>»p  Zaa^^a  ^ase  ;i\,Nf>T  jape  23oa  ^e 
"^.xcxbop  U9ia2  .U'xooumO  Z  V . %a p  l^xx  jap  1^2  .2^j.ao 
^2p  U'3uC30u.p  Xaajce  :2;S3a\2^^p  U3uC30u.e  :  U^aa  Z^p 
2.i^%*p  ta^p  ■A>.'aau^  ^P9  2po7  ^2  lJ^2  :  23X.,iao  ^JSor  20 
;^2  .  ^  U^aa  o^  2l\ouoap  ^2  .j\ud  X^po  '  \,ii,n.->p 
^a^a.^    .2'a\fiv  ^»»^  ^aMw»2p  I'L.^  ^«2e    ■  ^^p   2^ou^^ax3 

§2.  )  y,  V  tt  1  l^p  2Njoum  :  2a.3-i^  wLx  x^2  Suae  .>.n.v:^^p 
Ul^e  U3fe  :  l^au  ^  ^\\'\^2  ai.a  I^oXUsp  ^'cr  :  lytttipo 
;  zy^xiB  %^p  W.OT  ^  :  ^slaC?  aaaaa  Z^^.>«3;ao  1^  .oa3p«2  2s 
Ul^o  XJ09e  :  ;-A*.a^\  1.^.^2  jaiaaop  ^p^d  ^  ^2  1.^2 
Xia^  2aao  2i:i\  ;sZao  .lisax^a  o2  :vOOV»'^2  ZA^Zjs  \^a:^ 
^  ^aaxao  1^2  .<»v^2  ^.p  ^lo  .2;so«S3u.  w^s  ^ab  oA  ^i^e 
X^a^  ec7  .t.n«.ia.\  :  2^iiou.  2x^0  2S..-i,\.^    .\,A,t    :  g;v.ii,.fl 


>  add.  2£s^ep^3  o^a?  M.  OkXa^p.  '  i.  ^yn^. 

del.  2^J«?        '  I.  Zjcxa^a.         °  1.  ^A^^^2. 


—      1(55      — 

§  21  (s.  Anm.). 
In  betreff  des  Falles,  daB  ein  Vater  Schulden  hinterlal3t  und  seine 
Erbschaft  bereits  aufgeteilt   ist,  gestatten   die  Richter  dem  Olaubiger, 
daB  er,  wenn  er  will,  die  Schuld  von  den  Solinen  (Kindern)  einfordert. 
5  Wir  aber  bestimmen,  daB  er  von  den  Erben,  so  viele  ihrer  sind, 

von  jedem  einzelnen  den  entsprechenden  Teil  einfordern  soil.  Wenn  sie 
aber  nicht  (anwesend?)  sind,  dann  sind  die  Anwesenden  (?),  wenn  an  sie 
die  Forderung  gerichtet  wird,  verpflichtet  zu  zahlen.  Wir  bestimmen 
aber,  daB   sie  die  Quoten   der   ubrigen  Erben,  fiir  welche  sie  Zahlung 

10  geleistet  liaben,  von  ihnen  wieder  einfordern  {Ebedjesu,  Tractatus  S.  236, 
Kol.  2). 

§22. 
Es  wird  eine  Geldsumme  oder  irgend  etwas  anderes  von  einem 
Manne  gefordert,  dieser  aber  bestreitet  die  Sache  und  erklart,  daB  er  die 

15  Geldsumme  oder  die  Sache  nicht  schulde.  Da  er  aber  weder  durch 
Zeugen  noch  durch  eine  Quittung  seine  Aussage  beweisen  kann,  verliert 
er  zur  Zeit  seinen  ProzeB  vor  dem  Richter.  Der  Richter  befiehit,  daB 
er  ein  Feld  oder  Haus  zur  Bezahlung  der  Schuld  hergeben  soil.  Der 
Verkiag^e  tut,  wie  ihm  befohlen. 

20  Wenn  es  dann  in  der  Folgezeit  dem  Verurteilten  gelingt,  vor  dem 

Richter  eine  Quittung  und  Zeugen  (welche  beweisen,  daB  die  gegen  ihn 
erhobene  Forderung  zu  Unrecht  erhoben  war)  zu  produzieren,  und  nun  der 
Richter  erkennt,  daB  jener  Forderer  zu  Unrecht  seine  Forderung  erhoben  hat, 
dann  soil  diesem  dasFeld  oder  dasHaus  (das  ihm  zugesprochen  war)  wieder 

25  abgenommen  werden.  Auch  befehlen  wir  ihm,  die  Frijchte  und  Ertragnisse, 
die  er  (aus  jenem  ihm  mit  Unrecht  zugesprochenen  Gut)  gewonnen  hat, 
an  den  rechtmaBigen  Eigentiimer  zuriickzuerstatten,  und  wegen  des  von 
ihm  begangenen  Unrechts  soil  er  von  der  Kirche  mit  Tadel  und  Verweis 
und  AusschlieBung  (von  den  Sakramenten)  bestraft  werden  {Ebedjesu, 

30   Tractatus  S.  236,  Kol.  2  und  Arabs  //  Bl.  189b,  7ff.). 


VIII.  Kapitel. 

Uber  das  gefahrdete  und  das  gefahrlose  Darlehn. 

§  1  (5.  Anm.). 
Das    gefahrdete    Darlehn    (Darlehnsobjekt)    ist   abgesehen    von 

35  demjenigen,  das  durch  das  Meer,  durch  das  Feuer,  durch  den  Landes- 
fijrsten  und  durch  die  Feinde,  ein  solches,  dasteilweise  weggenommen 
werden  (zugrunde  gehen)  kann,  wahrend  es  von  anderweitigen  Schaden 
und  Verlusten,  z.  B.  rechtswidriger  Besteuerung  (Verzollung),  Handels- 
verlustund  ahnlichen  Verlustarten,  frei  ist. 

40  Ubrigens  aber   muB   man  wissen,   daB   nach  unserer  Bestimmung 

Streitfragen  betreffend  das  gefahrdete  und  das  gefahrlose  Darlehn  meist 
nicht  nach  dem  Gesetze,  sondern  durch  Vergleich  und  nach  dem  unter 
den  Kaufleuten  herrschenden  Usus  entschieden  werden  miissen  (Ebedjesu, 
Tractatus  S.237,  Kol.  2). 

*■■>  §2. 

a)  Ein  Mann  schuldet  eine  gefahrlose  und  eine  gefahrdete  Schuld 
(z.  B.  ein  Schiffer  schuldet  einem  Kaufmann  eine  Ladung  Ol  in  Kriigen). 
Wenn  nun  das  gefahrdete  Objekt  glijcklich  den  Hafen  erreicht  und  als- 
dann  Waren    und  Gerate   verkauft   werden,   in   dem  Falle   unterscheidet 

50   sich  das  gefahrdete  Darlehn  nicht  von  dem  gefahrlosen. 

b)  Wenn  der  Schuldner,  der  Besitzer  der  Ware,  vor  der  Ankunft 
des  Schiffes  im  Hafen  und  auch  (nach  Ankunft  des  Schiffes  im  Hafen), 
wahrend  Waren  und  Gerate  noch  im  Schiffe  oder  im  Schuppen  liegen, 


—     166     — 
^»  ^s^lAm  oi\«3   -py^  3JCX13   liex^  .laoA.    0073   .UZaeo 

ooT  ^3  v^e  .U3u«2  ^jsou.  J^ao^  ,^ov^a  ^l«.^JC»^  733^^0 
:  ^^07  3  ;La^30L^  v  o.n.'^.f^.i?  <JS0  ^^u.^^  :  IJ.  Lboe  2j>39 
l.»3^3  .:  \.i  n  zAp  ^eo^:s^2  >seo7^iieu.p  v^b^^  >.\.At  s 
:23aL\  3  U^j.xt3  l^sjc  k»  «.o\nn  ^.oaii^^:i  !93i^3  1  .NotaN 
»^23  .y^Qf^^s^l  X\\..aj3  v^ec^^iiou*^  ^ou?;^  voJSxi  lAse 
vOordooLMp  ^oljo^A  i^2  JO^X^  :  wAcf  w^  sSb^M  3i^iOL» 
§3.  ^ooris^^ap   ^  s^.ttff  moua^3  ^3   ;La^jL  .  1  \.  v  as  w.9u^^2 

^*3  aiOT    :  2*Y>>  B   >»3u>J3   ^^^3  w,0?3    ;^o2   l3^.3J   :s*>lV.3    10 
^.«li^a  2^3A^   2^?^?    t^^!^?   "^^  Ol   l^l  ^1^  C;33    li3« 

,?iA»-i  u^33  ^«aaL^3  ;.'n..ne  w.oa^.3  Uaause  :  ^\S  Ihisl  o2 
.»^oo;:wA^  v^a.Qjo3^^  li^??  U^aa^  X^3  \y.^  ■'■??-^  'P-^ 
Ixil  U'aaa^  >.**tt>.n.V)  :  2;s3^3  1j '303^^0^  M>33^i3X»3  L» 
.>uo3  vO>-iA.>3  2;sou^^aa3  2'3A^  2o;^2  ...^ouiSe  ?  'a,\m  is 
e2  ^3  ;sok3^e  2;sftvin>.*V.\y^^  ^3  eacr  .oui-jsjaplpaj^o 
\^o  :  \^  ^  ^3k»23  ^2  :  2j^3   ^e3L^J!o.o   U*3  ;so3»jo^ 

.Tti.'aT3  ^.ttftsaa  o  Xjm.3^  ao^^^^-^'^  ^^  ^^lij*  l^aaua  iJso^p 
V.  IX.  ^3  .2'3A^d^  Xo  ^3uyM23  23>.i^  ^2  ■a.iA'o.^  Jap^  Zj^oto  20 
§1.  73U0  ^  SuO^  2;^^3  A^  ;^3^a«o  2:s^3  \^  :  L^xJSp 
bd«efi<  ^2  .i:saiiix„cj  ^ta  ^  ojcxk^sis  Z^  ■S'aVNa  ZAoaaA 
.;L30u.  23b»  ^2  .^oo^Ax  2oot;s  a  -^f^axp  •!  \  >  o  Yt  \  TiA 
3u.o3  Z-i^Ok^  i32  2^a»3o  ajjo  .2;^03  .^eojJ^  ouo^  xAo 
aiA  oA  .2JS3w^3  ^3  2^c^2  .acj^  A  2i^.ia3a  o^Suoas  .3^2  2s 
^^AwkA  ^?  e^^aa  A2  :  2o;^23  c^AXdoA^  ^  ^s^cAsx^ 
^eop.jj»0  >^a^^.A3  ^jcji-N^ki^ioe  zAp  :  l.i<j-.B  •vOOjA  X«23 
^a^^^^3  ^^«m^x»  z\52  ^  ^^«.i3«  laaao  :  Us^ou.  Ap  u'L^A 
•s^oo^A^  is^2p  .^oao:  *^ai  ^.\  *V..xao  ^p  Z^2e  ■  ^eop^ 
: '93k»  U3JC30U..  vOoA  ^sAp  M.or  A^^  .^o^xSap  2^iiou. 
U>fi>Yi  ^e^  Ap  e«.«*o  osmaO  .M^xd  Ae  ^c^^baop  u.07  ^ 


30 


^*.au>^,aa  ^aou.  i!^??  evp  '^op  JO^%e  :  2i\^v  A: 


3    «sOu«ip 


—     167     — 

stirbt,  und  er  entweder  keine  Erben  hat  oder  Erben,  die  sich  von  seiner 
Habe  losgesagi  haben,  dann  ist  der  Oiaubiger  berechtigt,  die  Ware  und 
das  Gerat  des  Schuidners  solange  mit  Beschlag  zu  belegen,  bis  er  sich  diirch 
diese  Ware  und  dies  Gerat  voilstandig  bezahlt  gemacht  hat,  dies  alies  mit 

5     Wissen  der  Leiter  der  Kirche  und  giaubiger  (d.  i.  christlicher)  Personen. 

Was  dann  noch  iibrig  bleibt,  wird  den  iibrigen  Glaubigern  iiberwiesen. 

c)    Wenn  aber  Waren  und  Gerate  zur  Befriedigung  dieser  Giaubiger 

nicht  ausreichen,  dann  sind  die  Giaubiger,  dencn  das  gefahrlose  Objekt 

geschuldet  wird,  berechtigt,  sich  aus  dem  Rest  der  Habe  des  Schuidners 

10  bezahlt  zu  machen,  ohne  den  Glaubigern,  denen  das  gefahrdete  Objekt 
geschuldet  wird,  etwas  abzugeben.  Wenn  aber  dann  (nach  Befriedigung 
der  ersteren  Klasse  von  Glaubigern)  von  der  Habe  des  Schuidners  noch 
etwas  ubrigbleibt,  wird  es  den  Glaubigern  der  zweiten  Klasse  iiberwiesen. 

§  3  (s.  Anm.). 

15  Was  nun  die  anderen  Arten  von  schriftlichen  Vereinbarungen,  welche 

die  Menschen  miteinander  machen,  betrifft,  z.  B.  den  schriftlichen  Pakt, 
genannt  debirath-kadhmaja,  d.  h.  Ankunftszeit  der  Schiffe, 
oder  den  schriftlichen  Pakt  mit  der  Klausel  bis  zur  Ankunft  (der 
Schiffe)  bei   der  Insel    x   oder  dem  Orte  y<    und  ahnliche  Vertrage 

20  mehr,  wie  sie  Seefahrer  miteinander  abschlielkn,  so  werden  Streitigkeiten, 
die  daraus  entstehen,  da  sie  nicht  durch  richterliches  Urteil  entschieden 
werden  konnen,  vor  die  Leiter  der  Kirche  gebracht,  und  diese  beauftragen 
Sachwalter,  weise  und  gottesfurchtige  Manner  aus  dem  Kaufmannsstande, 
mit  der  Vermittlung,  damit  sie  nach  den  oben  (Buck  /,  Kap-  V  und  VI) 

25  erklarten  Methoden  (auBergerichtlichen  Ausgleichs),  dem  pes  end  und 
bihdadhistini,  d.  i.  sich  einverstanden  erklaren  und  Gutrecht, 
Oder  nach  dem  Rechtsminus  und  dem  Rechtsplus  (durch  Minder- 
und  Mehrleistung)  den  Streitfall  erledigen. 

Deshalb  wollen  auch  wir  (Jesubocht)  uber  diese  Dinge  kein  Gesetz 

30  aufstellen,  da  das  Meer  sich  doch  oftmals  dem  Willen  und  Gesetz  der 
Menschen  nicht  fugt.  Man  soil  in  solchen  Fallen  gemaB  dem  unter  den 
Kaufleuten  herrschenden  Usus  vorgehen  (Tractatus  S.  237, KpL 2,  Z.  11 — 15). 


IX.  Kapitel. 

Ober  Zins  und  Nutzen. 

35  §  1  (s.  Anm.). 

Der  Gesetzgeber  (Moses)  befiehlt,  daB  Zins  von  Glaubensgenossen 
uberhaupt  nicht  genommen  werden  soil:  »Wenn  du  den  Armen 
meines  Volkes  etwas  borgst,  sollst  du  nicht  wider  sie  wie 
ein    Giaubiger   sein     und    nicht    Zins   von    ihnen    nehmen<: 

40  (Exodus  22,  24).  Und  in  gleichem  Sinne  spricht  der  selige  David:  »Wer 
sein  Geld  nicht  gibt  urn  Zins«  (Ps.  15,5).  Aber  die  Kirchenvater 
haben  nicht  aus  Opposition  gegen  das  GeheiB  Oottes,  sondern  im  Hinblick 
auf  die  Besitzenden,  die  sich  nicht  dazu  verstehen,  ohne  Gewinn  Anderen 
ihre  Habe  zu  geben;  —  oftmals  sind  sie  aber  auch  nicht  imstande,  von 

45  ihnen  (ihren  Schuldnern)  das  Ihrige  zuriickzufordern,  und  sind  andrerseits 
die  Schuldner  nicht  beflissen,  ihre  Schulden  zu  zahlen,  well  ihnen  aus  der 
Verzogerung  der  Zahlung  kein  Nachteil  erwachst,  —  und  weil  sie  (die 
Kirchenvater)  eingesehen  haben,  daB  die  Armen  ohne  Darlehn  nicht 
leben  konnen,  und  ferner  auch  deshalb,  weil  sie  erkannt  haben,  daB  viele 

50  Menschen  sich  schonungslos  der  Zinsnahme  bedienen  —  aus  alien  diesen 
Grunden  haben  sie  das  Gesetz  gemacht:  Man  soil  in  einem  Monat  fiir 
100  Dirhem  EINEN  Dirhem  Zins  nehmen,  aber  nicht  mehr  (vgl.  Iicsn  nST3 
Nehem.  5,  11). 


—      1  (kS      — 


§2.  >\y,t»  ^3^w3  eeor?  ^^p  .oaor  .1^  au.x«o  .♦  <xnra.i  2*o*  a^^ 

^«a2  2\aa3  ^^  iS  ,j>^->3l»>^^  U^ao  ^a  a^  .-^xftvYi.gia 
auoA  ^  x>^  :  UaoT  ;i^2  ^p  "a^a  .*s^iafi>A^a?  w.OLi.s  ^ap 
2auOLX  2x.aa  2ooT  •^^2  0w32o  .^^^oiS  ^j^  ^jsx^>se  .^"i^al 

§  3.  ^  ^^  jiil  M.a  •.^2  .Z^L^2  ^  au.^!^  AoaaN  .\.>ft«^  , . '^ v,2  lo 
a^aA.  Z&aor  ^2  :2;s.k3aa  ^ou^aa  ^a  gpoLt.ao  1^    :  2:!^^jab3 
.so^  :  ^Ad  Zaaft-^  Xvxx  ^^Suo^  U2  ^o;ao  ^  v^2a  :  ^eais 
a^iX^a  2;s.d^a  ^2  :  2a;sij  Ija^issep  ^2  2:s.*ja  ^    ^^v 

§  4.  ^  ^%^  Jul  «v2e  .ou-v  .n/SJj^^^a  ^i..ayaa  007  2a^;3  :  Uao^* 
Z^jaa  ecra  2^.ddaaa  w,oa>>  aoi^o  :  g;\ju  ^•vtia'De  craoui  is 
2aaLX.  i-Suaa   eor  A^x^a  :z3xa  ^^2  .;\,nw  wora  2a  15  ouba 
oidvo^a  .230^  ^  ltso>i..ieajie  isooi   1^  a^a  :  aj\,\n  ^x5e 
>^;sa  ;bo  :2ao;A  ,:»  X^jOl^  ^ai  X5^\^^  i\A»  wcrr  u>t'o'w 

§  5.  ju2  ^  ^%^  a^a  2aci\  .0^  .aov^^^  o^A.o.a  2^J0u«  2ab.ao 
s2  :  23k^jK2  o;^  3^^  o2  ?  WT'tf  or^So^  ^N.T.ia.yie  .2^.da^o  20 
.a>^2  .  ^  2^J0u.  2aa0o  .^cL.  2aajLS  crx^ae  lAjcxa  2^^^^ 
akjb2  ^a  Z5ev>e  :  23^^^  o2  U%T*ffi  Zsor  w.;soA  w^OwJc  l^a 
o2  ;wT&o  w.!^  ^^2  30^3  1^3^  .;AiOL?t  ^  1^1  sap.  lAa 
V^LOa  oor  TL^^JUo  2;\x^3  U3a>»  ^o^  •yO^U  -23^^ 
2x<i303  i^x^  .2^xxa  li'sasLdo  ^xa  Udouope  Ix&l^  or^^oae  23 
.o;\d.a  :93k»  Ajaio  p?S>aaN  2%\.t  e2  ;iii..Tao  007  ^ou*  l\ie 

X^O^   y>i^23    3i03    ^cL.    23.30    heL^^J::30    ^3     iS    1  2:Sd03 

V.  X.  txh   .l\  \.T  e2  l.v>T3e  ^i^aoA  k^o^p   .or^s^aso    1.'\.r>."\ 
§1.  o2  IJilao  a,a   .^o^  ^2po  ^Ixe   lilA^aV.  >A^  :  2ajcx^3  % 
:  23aLV^  eo7  ^  ^^o-ivy^Aao    :  vXa  1^  ^..5a\3ci^»JO   ^3m>2   73^30 
d^  ■  ^■T.v.\ioo  oA~>P  Usax^iec^-ioe   7  ><o a  ^  a^  ^   ^f 


—     169     — 

§2. 
Die  spateren  (Gesetzgeber)  haben  dann,  mit  Riicksicht  auf  das  Be- 
durfnis  der  Entleihenden,  den  Zins  auf  20  Estirin  herabgesetzt.  Und  bis 
jetzt  bedienen  sich  gottesfiirchtige  Menschen  dieses  Zinsfulies.  Wir  aber 
5  belehren  die  Giaubigen,  daB  niemand  mehr  nehmen  soil  als  dies.  Dies 
bestimmen  wir  nicht  als  Gesetz,  wohl  aber  als  Rat  und  Ermahnung, 
als  Lehrer  des  Giaubens. 

Sofern  wir  nach  dem  Gesetze  vorgehen.konnen  wirdieMenschen 
nicht  hindern,  mit  einander  Vertrage  zu  machen  (wie  sie  woiien),  aber 
10  auch  in  dem  Falle  erlauben  wir  ihnen  nicht,  dal5  weniger  als  10  Estirin 
gegeben  werde,  wie  wir  auch,  selbst  wenn  der  Zins  (im  Lande)  zehnmal 
so  hoch  ist,  nicht  erlauben,  daB  mehr  als  das  Doppelte  (d.  i.  20  Estirin) 
an  Zins  genommen  werde  (5.  Anin.). 

§3. 
15  Wenn  jemand  etwas  auf  Zins  entleiht,  aber  die  Hohe  des  Zinses 

nicht  festlegt,  sondern  folgendermaBen  stipuliert:  Wenn  ich  dir  dein 
Geld  nicht  bis  zu  dem  und  dem  Tage  zuriickgebe,  gebe  ich  dir  den  orts- 
ublichen  Zins  ,  so  bestimmen  wir,  daB  dieser  Zins  dann  nach  dem 
niedrigsten  ortsublichen  ZinsfuB  eingezogen  werden  soil. 

20  §4. 

Wenn  ein  Mann  von  einem  anderen  ein  Darlehn  nimmt,  ihm  dafiir 
seinen  Acker  verpfandet  und  mit  ihm  stipuliert,  daB  er  (der  Olaubiger) 
als  Zins  fur  das  Kapital  das  Ertragnis  dieses  Ackers  bekommen  soil; 
wenn  dann,  bevor  der  Schuldner  das  Geld  zuriickzahlt  und  sein  Pfand 

25  auslost,  der  betreffende  Acker,  ohne  daB  irgendeine  Nachlassigkeit  auf 
seiten  des  Pfandinhabers  vorliegt,  von  einem  Strome  weggerissen  wird,  so 
muB  dem  Glaubiger  sein  Geld,  wenn  er  es  verlangt,  zuriickgezahlt  werden. 

§5. 
Wenn  ein  Mann  von  einem  anderen  etwas  auf  Zins  entliehen  hat 

30  und  ihm  ein  Pfand  gibt  oder  eine  Urkunde  ausstellt;  wenn  er  nun  das 
Geld  samt  Zins  dem  Glaubiger  bringt  und  dieser  dann  spricht:  Dein 
Pfand  oder  deine  Urkunde  befindet  sich  augenblicklich  nicht  bei  mir  , 
worauf  der  Schuldner  spricht:  Ich  zahle  dir  nicht  eher  dein  Geld,  als 
bis  du  mir  mein  Pfand  oder  meine  Urkunde  herausgibst  ,  so  soUen  sie 

35  zu  den  Leitern  der  Kirche  gehen,  und  in  deren  Gegenwart  soil  das  Geld 
samt  Zins  giaubigen  Mannern  in  Depot  gegeben  werden,  fiir  so  lange, 
bis  der  Glaubiger  das  Pfand  oder  die  Urkunde  dem  Schuldner  zuriickgibt 
und  der  Glaubiger  von  ihm  sein  Geld  zuriickbekommt.  Von  dem  Tage 
ab,  an   dem   der  Schuldner  Geld   und  Zins  erstattet  hat,  zahlt  er  nicht 

40  mehr  Zins.  Und  dem  Glaubiger  ist  nicht  gestattet,  daB  er,  nachdem  der 
Schuldner  das  Geld  samt  Zins  erstattet  hat,  mit  der  Riickgabe  des  Pfandes 
oder  der  Urkunde  zaudere  (Tractatus  S.  238,  Kol-  2). 


X.  Kapitel  (s.  Anm.). 

Ober  Deposita,  erborgte  Sachen  und  ahnliches. 

45  §   1. 

a)  Wenn  Gerate  oder  andere  Dinge  einem  Menschen  ubergebeij 
und  ihm  dann  gestohlen  werden;  wenn  sie  nicht  infolge  seines  Ubermuts 
oder  seiner  Nachlassigkeit  gestohlen  sind,  ist  er  nicht  verpflichtet,  dem 


—     170     — 

•v\.\ot\  IMp^v  locr  au«.3  .\\,v>  ol^o  :  ilxsA.p  c^q,\\'v  o>io 
.\  \. It  MiS  .s^Io  .  Lj-^30ud  ^goA-v,  x.<A  .ou.»  o.Vn^ocI 
o\Md^Jc2  UyNoA  IMa^^  2ec<  ou^a  \.\,y>  oI  ■c^^o^\.^OY) 


§2.   :sxao  tiXty)  Xi2  p^o   .U^SolS   ^ota\v,  ;s«2   .•v\,\ 


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^.*ao>B3  ocrp  ^  097  >  2  :  ^^ioo  e2  Ai\ioe  1ax»2  eo-  ^e 
2>t\\  n\.xl  ov^P   lj,1.^3   Laxs  ^3_by  ^3.^0  oc*  A.n.d   to 
>a.\.3  2k3A.   ecrp  \^\-^  ^3  .^2  .2^,ft\>o  oA  i^   .UL.2 
JUZ^  pL^2o    :  oA«?    U  lao  ^^     JU3k^  cr3w»3    2^>ft\<a.^JB   ^ 

.oslmA  :sa^  OCT  .xei^p  oum  .o  AM.;s2e  ftTiV>>2e  .  ..<iM>2 

§3.  cn^oLdp  OCT  :  jui^  n^Tao  ^3y..2  ^yse  o2  Lil.ie  ju2  .  2e 
OCT  ..^  JLi\^.»o   •  wsaaaae  ci^oD   2;so.  \  ta  'V,  -r>   o^    3>a.  V  a   is 
.^pj»  OCT  ,\  n  ,a  ;sw..»x^p    ecr   iX*.*.  :  ^.^ououao  c^^oAp 

§4.   2^;s.m3  Ai3L<»a  o2  1&1»  n^Tt?  jli2  «.2o   .ciaa^  .xox^ap 
isiS  :U^  o2  ?*\.o^  OCT  >\-3.a«op  eoro   :juA    u\n,o\-i 
2ocTp  IA^^>eu.  'ULoolm  .  1&  1»  o2  l^LJOa  ecp  mA^o  1»X^^ 
.oraooi^  soj^isi  1\\b  A^  .IAjoa  ecrp  :2i^^J30  lilaa  oou)  20 
l^^^^^o   -IsS'J'   lio^a   UxoOm  A  2ecTp   :  ci»  ysol  .  2e 

§5.  oraouA  rtXTty  X&2  p^a  .Uauoou.  ocr  oA  acv«^^  .23u.3J:p 
•SOJUS  ^  OuSo  :  23.^.^3  o2  23k.3LX  0C70  :  23u.X3  o2  23>'a  v. 
OC7P  i^o..t.'o,.n  zAp  2>.'a,.ve  2;\o3mCt«  iAo  i^^^a  2^^o3umi2 
OCT  it^OA^^o  A.«.ao^^  e2  :^3hi.  o2  ^1^  :^co>!s^2  c^Ol^P  23 
d^A  U3uoa«>  .au«.  Ae  .^soA^a  oA  ^A  .  ^a^o^^l  o^iso!^p 
:^i»2p  ^C7  2^.Wx  J90  23u«.k3}p  :^^^^^  m>3  ^2  .Uxso^e 
2oc7  07«sol^p  OCT  jum  Aoa;s2o  Am»^2  o2  .jsx^  o2  ^.^:» 
d^a  A. Si  *V, 'laN  .lasjoouM  o2   •.Mu\,    :  2kd^o  o2  23,.3u5..  ocr 

§6.  jt^l  \-\  n  vip  "ap,^  Ajk  2^-ji^.o.3l.3o  .cSia.N  .^x^oAo  30 
^  ^ftv^iicpe  ^Ax  v^  oA  :  cA  1\.^ ?  '^.m  p^  :  lAxaVa 

'   1.  JlSj^.  =  zu  tilgen. 


—     171     — 

Besitzer  Ersatz  zu  leisten.  Wenn  es  aber  bekannt  ist,  daB  die  Dinge 
infolge  Obermiits  und  Nachlassigkeit  des  Depositars  gestohlen  sind,  muB 
er  Ersatz  leisten. 

b)  Wenn  Behorden  und  Feinde  die  Objekte  weggenommen  haben, 
5  und  dies  nicht  wegen  eines  Vergehens  von  seiner  Seite,  nocli  wegen  einer 
von  ihm  der  Beiiorde  geschuldeten  Abgabe  gesciielien  ist,  ist  er  nicht 
zum  Ersatz  verpflichtet.  ist  es  aber  infolge  eines  Vergehens  von  seiner 
Seite  Oder  weil  er  der  Beiiorde  eine  Abgabe  schuldete,  geschehen,  dann 
ist  er  zum  Ersatz  verpflichtet. 

10  §2. 

a)  Wenn  A  etwas  (z.  B.  10  Schafe)  bei  B  deponiert  und  B  etwas 
(z.  B.  40  Schafe)  bei  C  deponiert  und  dann  C  bestohlen  oder  beraubt 
wird;  wenn  der  erste  Depositar  (B)  die  Sache  (des  A)  zusammen  mit 
seinen  eigenen  Sachen   dem  C   iibergeben   hat,  trifft  ihn  (den  B)  kein 

15   Vorwurf. 

b)  Wenn  aber  B  die  Sache  des  A  ohne  dessen  Erlaubnis  von  seinen 
eigenen  Sachen  abgesondert  und  einem  Dritten  (C)  iibergeben  hat,  und 
die  Sachen  nun  diesem  Dritten  gestohlen  oder  geraubt  werden,  muB  B 
dem  A  seine  Sache  ersetzen  (5.  Anm.). 


20  §3. 

Wenn  ein  Mann  einem  anderen  ein  Gerat  oder  sonst  etwas  iibergibt, 
der  Depositar  es  ohne  die  Erlaubnis  des  Eigentiimers  verpfandet,  und  es 
nun  dem  F^fandinhaber  gestohlen  wird,  so  ist  der  Depositar  verpflichtet, 
dem  Eigentiimer  Ersatz  zu  leisten. 


25  §  4  (s.  Anm). 

Wenn  ein  Mann  bei  einem  anderen  ein  Gerat  oder  Geld  als  ver- 
siegeltes  Objekt  deponiert,  und  der  Depositar  das  Siegel  erbricht  und 
mit  dem  Geld  oder  Gerat  Geschafte  treibt,  dann  soil  der  Gewinn,  der  mit 
dem  Gerat   erzielt  wird,   und   der  Zins,   der  mit  dem  Gelde  gewonnen 

30  wird,  mit  dem  Eigentiimer  zur  Halfte  geteilt  werden.  Wenn  dann  der 
Eigentiimer  erklart:  Mir  ist  aus  der  Sache  ein  Verlust  erwachsen*,  und 
diese  Behauptung  als  wahr  erkannt  wird,  soil  ihm  dieser  Verlust  (von 
dem  Depositar)  erstattet  werden. 

§5. 

35  Wenn  ein   Mann   einem  anderen  einen  Sklaven   oder  ein  Kamel 

iibergibt,  und  der  Sklave  oder  das  Kamel  nicht  infolge  schlechter  Bc- 
handlung,  Unvorsichtigkeit  und  unmaliiger  Arbeitsforderung  von  seiten 
des  Depositars  stirbt  oder  flieht,  schwach  wird  und  herunterkommt,  so 
trifft  den  Depositar  keine  Schuld,  und  er  ist  nicht  zu  Verlustersatz  und 

40  Riickerstattung  verpflichtet.  Wenn  es  sich  aber  herausstellt,  dal5  aus 
einem  der  genannten  Griiiide  der  Sklave  oder  das  Kamel  gestorben  oder 
geflohen  oder  geschwacht  und  heruntergekommen  ist,  ist  der  Depositar 
verpflichtet,  dem  Eigentiimer  den  Wert  des  Objektes  oder  den  Verlust 
zu  ersetzen. 

45  §6. 

In  Kiirze:  Wenn  ein  Mann  irgend  etwas  in  Depot  nimmt,  und 
es  einen  Schaden  erieidet,  nicht  infolge  einer  Nachlassigkeit,  so  haftet 
er  nicht  dafur.  Wenn  aber  der  Schade  eine  Folge  seiner  Nachlassigkeit 
ist,  ist  er  zur  Ersatzleistung  verpflichtet. 


—     172     — 
^p  ^3  w.d«^2  .■py^e  OOP  a^^isioo  i^  .T\tif)  o;\t,B3  ocrp 

i;  7.  o2  :  o^aou.  w»  Six  xils  ^i^I  7ia>M  e2  Ul^e  :  U^soAs 
eoi3  ^<vv.»g;ao  ^  o^  >^2  :  >\n^asJO  e2  au32  e2  .^^■^■\.^^o 
y^^Jcp  oor  007  oum.  .\au.;M   e2  a^^    o2   .•a.oA.NA   ou^ljcp    ^ 

i;  8.  o2  2a>d>^33  ^e  .o^^aa^  c^oA^^s  e2  :  u.o-cxaa^  b6.ox,2Lup 
:  aa2o  X*^  aj\:s^  «^2  :<xi2  ^  J^;i:  2;sou»  :  t^^by^i  ya^^ie 
o2  w.oT<>.^.-^  A.ea.^13  ^  iJip  ecr  eor  .1  .*«  '2euMi^.^  o2 
2iSoaMy>*2  ^ojus  ^  o!^  3^^  :  ^>Xab  ^  v,2e  .oyiaa^  ov^ol^;s 
6^  :  ^^  2iv«.oa»  ^  Jv-nAs  2^>,«'3..Vie  :  liso'y^en*  zAe  >o 
^  23k,M  ^  ^p  ^2  .)^^p  eoT  >A^  1  \  Vsol^  e2  Liauoou. 
v2o  .;^aja>ou.o  Uxaod  >^cft\v,  n«2  .js;jb  ^3k^23  ^V^'x 
.UauoohMO  ZaXso^  .sum  Uop  op  :  SlXm^^o  o2  "aoi^ioo  ^.>A 


\ 


§9. 


2     15 


20 


X^  ^JS^  2>-a\\3  ayrxx-iio  toraou*  ^  «^Zx  23uX3  a^a  jul 
.op  aoLby  2301^  oor  oA  ^  ^2  :  ».*i.^  ;^3oi^  o2  :  ai!S  U2 
^2  .OL^  T  V**^?  ,lJ..>3>i  :6^\x  ^92  3^.^923  1m3o2  w.6;a  o2 
6;.ia.\,  iX>*V'o\  o^^  ■oj\ie  Six?  oorp  or^oii^^opo  »^  oJS 
:  ajS  X-aoM  3^23  U>30^  ^ij^  ^3  ^2e  .oT^aaA  2%^3  ..1.073 
tS^3  0073  o7:soA .Y>o;ao  ^o  :  op  solx  ^o23  2>.t.v.  eoTo 
.ora.^  23b<.^  yorp  :fn.\,  A.\3^aa^  ou*.  :  it*aa  o;^  U^ 
V.  XI.  XA^i§  \x  .3ue3uX3M.p  Ij:3  .dvi!^2  ai\*p  .23Aj:e  2;sL>3^e 

§  1.  .^sf^p  ^ib  eoTo  .^pfiae  e2  ^p$^?  -apjaa  ^p  \y.Yi  .Uno*o 
007  aSk^opoA  a)S  \  A T  iS  :  iJsoJ^  \axo  ^  o«3  iLao 
ljoao73  Aiu  iSl  .\.'^\  \jaLX  iS  ^p  ^2e  -^9?  "a^Jao 
:  9u.3ap  A.au.X»  M?^?  :s3u»e  :  ^Ap^J:2p  3.^2o  :  3fti»\.3  25 
^f  p  ;s3uaoo  :  ♦veoT^j....n  ;.bod^..Me  XaXa  2oor  lA  ^  ^^2 
liopors  ^o^  StA  :  ^01  ^2po  :  23u.)a  e2  I1I30  wi.o7ed^2 
^9p  ^p  oor  .^§p  'P?M  007  ft3>ao^aft^  a)S  .\,At  .l^LXla 
^p  ;s3k»  .oucxi   :^p  o)^  .\yAt  .Ueao73  wfipkx  ^2  .■^ixse 

§2.  isSbaoe  UJMo  ^p  2Xk^a  .eoi  la.ac7  o^  .^o^SmO   Laioap  30 
s^o;^  .LOolx  sLcip  -apja  ^  ^2  .Ldoxs  ^p^^p  \a2^^o  iSp 

>  sic  '  I.  aa^ds^.         '  1.  U.3e2. 


—     173     — 

§7. 

Wenn  ein  Mann   von   einem   anderen   ein  Gerat  (Gewand?)  oder 

sonst  etwas  erborgt,  und  es  gestohlen  wird  oder  zugrunde  geht  oder 

verdorben  wird,  so  ist  er  verpflichtet,   selbst  wenn  seine  Nachlassigkeit 

5  nicht  schuid   daran  ist,  den    Wert  des  Objektes  zu  ersetzen   oder  ein 

Ersatzstuck  zu  liefern. 

§8. 

a)  Wenn  jemand  ein  Kamel  oder  ein  anderes  sterbliches  Wesen 
von  einem  anderen  erborgt,  und  es  gestohlen  wird  und  verloren 

10  geht  und  nachgewiesen  werden  kann  (daB  der  Entieiher  in  der  Be- 
hutung  des  erborgten  Gutes  nachlassig  gewesen  ist),  ist  der  Entieiher 
verpflichtet,  dem  Eigentumer  den  Wert  oder  das  Objekt  selbst  zu  er- 
setzen (s.  Anm.). 

b)  Wenn  es  stirbt,    nicht  infolge  schlechter  Behandlung,    Un- 
15  vorsichtigkeit  und  Oberanstrengung,    hat  der  Entieiher   weder  Verlust 

noch  Ersatz  zu  leisten.  Wenn  es  aber  infolge  einer  der  genannten 
Ursachen  stirbt,  hat  er  Ruckerstattung  und  Schadenersatz  zu  leisten. 
Und  wenn  das  Tier  arbeitsunfahig  oder  lahm  wird,  muB  er  dafiir  den 
Verlust  und  Ersatz  leisten. 

20  §9. 

Wenn  jemand  ein  Lasttier  von  einem  anderen  erborgt  und  genau 
angibt:  Ich  will  es  fur  die  und  die  Arbeit  oder  fur  die  und  die  Reise 
verwenden  ,  und  er  es  nun  zu  einer  anderen  Arbeit  oder  zu  einer 
anderen  Reise  verwendet,  und  es  Schaden  erieidet,  wenn  auch  nicht  in- 

25  folge  seiner  Nachlassigkeit,  ist  er  verpflichtet,  den  Wert  des  Tieres  dem 
Besitzer  zu  ersetzen. 

Wenn  esaberzu  derangegebenen  Reise  und  zu  derangegebenen  Arbeit 
verwendet  wird,  und  das  Tier  infolge  seiner  Nachlassigkeit  einen  Schaden 
erieidet,  ist  er  verpflichtet,  den  Wert  des  Tieres  dem  Eigentumer  zu  er- 

30  setzen,  ihm  aber  gehort  das  arbeitsunfahiggewordeneTier  und  derKadaver. 


XI.  Kapitel. 

Uber  Kauf  und  Verkauf. 

§1- 
Von  dem  Verkauften  oder  Oekauften  und  von  dem  Verkaufer. 

35  a)    Wenn  der  Verkaufer  etwas  verkauft  und  den  Preis  bekommen 

hat,  kann  er  das  Verkaufte  nicht  mehr  zuriicknehmen.  Wenn  er  aber 
den  Preis  noch  nicht  erhalten  hat,  sondern  nur  eine  Arrha,  und  nun 
spricht:  Ich  bin  betort  worden  ;  wenn  diese  Behauptung  sich  als  Wahr- 
heit  erweist,  wenn  sie  nicht  eine  versiegelte  Urkunde  mitein- 

40  ander  geschrieben  haben,  und  wenn  das  Verkaufte  ein  Gerat  oder 
Lasttier  oder  etwas  ahnliches  ist,  dann  ist  er  (der  Verkaufer)  berechtigt, 
indem  er  eine  doppelte  Arrha  zuruckgibt,  das  verkaufte  Objeki  (von 
dem  Kaufer)  zuruckzunehmen. 

b)  Demjenigen  aber,  der  die  Sache  gekauft  hat,  steht  es  frei,  wenn 
45  er  seine  Arrha  fahren   laBt,  die  Annahme  (des  gekauften)  Objektes  zu 

verweigern. 

c)  Wenn  aber  ein  untersiegelter  Kaufvertrag  vorliegt, 
sind  die  Bestimmungen  andere  (d.  h.  in  dem  Falie  mu6  nach  den  Be- 
stimmungen  des  schriftlichen  Kontraktes  verfahren  werden). 

50  §  2  (s.  Anm). 

a)  In  betreff  von  Lasttieren  oder  Geraten  oder  nicht  eBbaren 
Dingen,    die    auf    den   Markten    verkauft   werden,    gelten    folgende   Be- 


—     174     — 
\^  \^2ioo   1^3  71 3^  o2   :  LaI^  o2  Ibb^^a  k*cr  ovp   oor 

X^   .  ^3*2p  Z»  \a2ioo3  ,^p   "oyie   .o]^  \.\x   1^  '  looux 
§3.  iJi  ^ie  iSl  XJjoj:   ^   oAp    sab^o    ■ft."v.3c;.'n.\  .\.>\t 

o2  :  loo?  2^M  l^p  7>»  lieojx  op  2«mX»  xa  :  t^.o'  2x>^a 
23l\2p  1»  .  ^^ou.  ^^.»\33l^  ^  l.»p.^  :  cfbu»  ot-^po2  1^ 
■  cra^  A^  23i...6a  OL3bBo;aa^  .\..\t  .acrj^  23u.,bap  U3Joeu*o 
:  23k^><^  aOocL  v^^^  ^?  *\^o  .g^^uoa  ajjjaa  \  n-T-iaNe 
073^  \^  oT^ox^nao^    \,At  i!S  ::sa^  l»a»  o;^  l\x  e2  lo 

§4.  :  A«^p^wX2p  ^oaj^ia  p^  3k392o  .l^poLx2eo7  ^p  ^2  .J^sp  ^^ 
^^lXmOJU  oJS  a^poisp  M^^2  >\a  :  Uoa*  e2  oo"  Iwrtf^  >^2 
o2  :  2puAa-tl->p  T  "a  t  ■»  2X-AaA.,«p  Lit  ^2  :  2oc^  l-uC3e2 
.oa^opa^  .\..\t  I^  :  Isorpp  :.iaLT.i  1%^  o2  :  2aA.'kao*p 
ia^^^n  1^2  .U^p^s  oA  .2eoT  Li^e^o  lo^^^p  ^^p  Z^pojc  is 
op  aaL^is23  eoT3  2^3^3  UaaSbdo  ^^xfiUS   :  2^aj^^>»-BO 

§5.  lx*iJa  ^9iop  ^  -cp^p  \^a  ^  o^aucjAM  ^^^a  .l^poLX 
o'oip  ^pu.  .Ajcxi  o2  ~tJ«  eoT  p^  :  xi)^  aau  o2  oA^p  Z^p 
U'j^  oo;^p  ^  eoM2  .yd.o7ejs.o2  ajj^p  o^  .ao;*  e2  ^9p 
;.3ol\^  ^2  .;.\Sn  ^p  ^2o  -Zaii.  ^2  :  o^  pui:.2  ldjrn>\.3 
w3f»  :eo7  o;^p  oA  ^^.^pi^p  1\,\n  vX&2  ».2  .w.oTaAA,  ..v.iCLjo^ 
.oj^p  2eor  :  30;*  o2  :  ^f  p  1.v.\h  oor  ^3^3  ^^  :  30:^1  o2 
aaui^-i-  e2  ^9P  00;^  ^yib  .2^3OT0lae  o2  .^vi.o«  w.or  >\y.>o 

§6.  \V«\xt-\  ^a^  :  ^xOL^^oxs  Jul^  i^2p  i\xLm  o2  2;so  .o^ 
oa3»aa^  :  U'x«2  ^^^^op  Zaa.Vyj  o'io^  ^^.^  Z^'^oap  1»  .  ^ 
u.o7oaL3JC  v^2  JV\^^2p  ^p  l^  .ooT  jcxviavn  oA  ^aJl2  jul^ 
^^i^bi^ap  i.aau>^3  ^00^.3  :  ot;s^3.^  «^oo;^JNa  ^^oua^dp  M.^2e 
U«aa  Ol^  2po7e  .^Xm2  jui^  ouoo^  Jopi  ^  -.r^    U'3m.2 


20 


25 


;^0J:   i^   del.  -  1.  J^p.  »  add.  Ol^   Tractatus. 


—      175     — 

stimmungen :  Wenn  der  Kaufer eines  Lasttieres oder  Gerates  oder  einer  n  i  c h  t 
eBbaren  Sache  sie  ihrem  (urspriinglichen)  Eigentiimer  (dem  Verkaiifer) 
vor  der  Marktzeit  zuriickgibt,  kann  er  den  gezahlten  Preis  (von  dem 
Verkaufer)  zuriickbekommen.  Wenn  aber  der  Markt  einmal  begonnen 
5   hat,  kann  er  es  nicht. 

b)  Dagegen  eBbare  Dinge,  wenn  sie  einmal  gekauft  sind,  kann 
der  Kaufer  nicht  mehr  zuriickgeben  (Ebedjesu,  Tradatus  S.  240,  Kol.  2). 

§  3  (s.  Anrn.). 

a)  Was  solche  Dinge  betrifft,  die  nicht  auf  den  Markten,  sondern 
10  in  Hausern  und  gegen  Deklaration  ihres  Wesens  ohne  weitere  besondere 

Stipulation  gekauft  vverden  (so  ist  zu  bemerken):  Wenn  es  ein  Lasttier 
ist  und  an  demselben  ein  Fehler  hervortritt,  den  der  Verkaufer  nicht 
bemerkt  oder  auf  den  er  den  Kaufer  nicht  aufmerksam  gemacht  hatte,  ist 
letzterer  bis  zum  Ablauf  von  40  Tagen  berechtigt,  indem  er  Lohn  und 
15  Abnutzung  des  Tieres  bezahlt,  es  seinem  (urspriinglichen)  Eigentiimer  (dem 
Verkaufer)  zuriickzugeben  und  von  ihm  sein  Geld  zuriickzubekommen. 

b)  Wenn  aber  das  Tier  imierhalb  dieser  40  Tage  lahm  wird  oder 
irgendeinen  Schaden  bekomiiit,  kann  er  es  nicht  vvieder  dem  Verkaufer 
zuriickgeben  (Ebedjesu,   Tractatus  S.240,  Kol- 2;  S.24I,  Kol.l). 

20  §  4  (s.  Anrn). 

Wenn  Betorung  (Betrug)  bei  dem  Handel  stattfiiuiet,  und  einer 
von  ihnen,  Verkaufer  oder  Kaufer,  erklart:  Ich  bin  betrogen  worden<, 
so  darf,  wenn  der  Betrug  nicht  in  einer  Verwechslung  der  Substanz 
besteht,  eine  Art  Glas  nicht  als  Hyazinth  oder  Smaragd,  oder  Messing 

25   (_^  )  als  Gold  verkauft  ist,  der  Kaufer  das  Gekaufte  nicht  zuriickgeben. 

Die  Leiter  der  Kirche  dagegen  befehlen,  wenn  es  sich  uni  Betrug 

bei  Kauf  und  Verkauf  handelt,    indem   sie  nicht  den  Wortlaut  des  Ge- 

setzes,  sondern  Rat  und  Ermahnung  anwenden,  daB  der  Betrogene  eine 

Minderung    seines   Verlustes    von    seinem    Oegner    (als    eine    Art    Ent- 

30  schadigung)  bekommen  soil  {Ebedjesu,  Tractatus  S.  241,  Kol.  1). 

§  5  (s.  Anrn.). 

a)  Wenn  jemand  (A)  eine  Habe,  die  nicht  ihm  gehort,  an  einen 
anderen  (B)  verkauft  oder  verschenki,  wahrend  der  Kaufer  oder  Be- 
schenkte  weiB,   daB   die  Sache   dem  A   nicht  gehort,   dann  urteilen  wir 

35  iiber  B  wie  einen  Dieb,  falls  er  die  Sache  im  verborgenen  halt,  oder 
wie  einen  Usurpator,  wenn  er  sie  offen  zeigt  (vgl.  VI, I  §  9c  und  Ebed- 
jesu, Tractatus  S.  241,  Kol.  1). 

b)  Wenn  jemand  eine  Habe,  die  ihm  zur  Zeit  nicht  gehort,  ver- 
kauft oder  verschenkt,  spater  aber  diese  Habe  sein  Eigentum  wird,  dann 

40  geht  sie  kraft  jenes  Verkaufs  oder  jener  Schenkung  in  das  Eigentum 
des  Kaufers  oder  Beschenkten  fiber. 

§6. 

a)  Ein  Hans  oder  Feld,  das  jemand  gemeinsam  mit  anderen  be- 
sitzt,  soli  aufgeteilt  werden.     Wenn   die  Mitbesitzer  einen  Teil  davon 

45  gegen  Zahlung  desselben  Preises,  den  auch  andere  Personen  zu  geben 
bereit  sind,  zu  erwerben  wiinschen,  ist  es  nicht  gesetzlich,  ihn  an  einen 
anderen  (als  die  Mitbesitzer)  zu  verkaufen. 

b)  Wenn  aber  (dieser  Gemeinbesitz)  bereits  aufgeteilt  ist, 
und  dann  die  Nachbarn  und  Adjazenten  um  denselben  Preis,  den  andere 

50  geben  wollen,  die  Parzelle  zu  erwerben  wiinschen,  ist  es  nicht  statthaft, 
sie  an  einen  anderen  (als  diese  Adjazenten)  zu  verkaufen. 

Diese  Bestimmung  beruht  nicht  auf  dem  Gesetz,  sondern  auf  dem 
als  pesend  bezeichneten  Rechtsverfahren  (s.  obcn  Buck  I,  Kap-V  und 
Anmerkung,  und  Ebedjesu,   Tractatus  S.241,  Kol.l). 


V.  XII. 


—     17fi     — 

§  1.  ^o'xuoaZ^e  2^s'au.aA  ^au^i^ao?  ^3  p>»  .I;s'3i^3A  aou^.»p 
ocrp  i3oA,«*^j  t^o^  3^  o2  .U3^.ou^p  ^2  Z^2  .2^p«^o 
e2  y>ae>  V  <aazAe  2x.p  w.ou^  3;sa.ao  3kd.:s^3  7ipw»  :  9a>>M 
1^  .l!^^^aA  e2  ;  0[i>Ti»'n\  o2  ojjsca^  <^  xi2  .^-siip^ 
\xidsXA  :  c;^  2ooi    y,  At  L^  3^:^  ^93  ^p  Ij^Io   .\.\r 

§2.  3ov>?  007?  o;j>.ilft*\,.i  ^2  :  2^ijp^  ao;*fr.^p  :.t...uno 
Ju.'aSe  ftTftVYiN  2^xv.p  U'aci>»  .  .V^At  :  Jul^  'aLS^J:ao 

^3.  pjoJ^o  iJa?^  ty.in  sa^  Xi2  ^2e  .ajj  eSoriLaa^e  .opixa 
hCtdao  2eovA  ^.vt  a  •3L\.p  o'oi  ^'i^Ls  ?,v.\  ,b  ^cr?  .j-i^0r 
Xk2  :  23aL\  o'cip  >^ajuo  ,l«i'T3  M.a>oue  ^  ^,2  :  2i^^'3fa 
007  po^Xx  UoT  eoT  :  ;j3\,  Ijolt  o^A  »^2o  2?;^;^  «^3p 
;ii\  23k3L\  2^aJk.3  Uaoa^  yO'o.ai  .:»^  ^p  ^2e  .,U.;ti 
.^39  ^07  jq»j%Aj  ecrp  .;  t.\  ,d  ocr  \^  2o;^2  \^po 

^4.  2*330   zilisio  is^^  i>iol  :2i^xi3fAo  23l«3A  laaj^^^sep  Lis^lo 

.iCsaVielp  Xa'xx  ^2  .  vp^  3^3A,:sj   Ij^o?  .dp^  ^3\d.^^3 

V.  XIII.  2x3^3  2330U.*  \^  .  3>jo»x^^JS3  ;b:3  .^3^2  JuZ^  ^oiu^^^ 

§1.  aud»^  ^  I.j^c;   :~2ovao2e  J^.^^  2'va.v.  >\\.,y)   .li^ouiclpo 


voua  ^^iN  ^  2x«.  \x  ^  23.3l\3  .Uxeor'sp  j^aoimi  20 
2^^X123  ^3  2dsxa0  .o3\..y>\  o^  »\.At  ^cre^^2  o^^pp 
ofJ^p  23wM  ^  -^^Ji-Mp  wio^  ■o3't..'n\  .y,  A  T  1^  .;.kjJjpo 
.  ^^3  ^p  23^^  .^aioiap  23M.e  .o7<s.dsj2p  ^3  23^.0  .c^^,is^l 
U.OV3  '^^3  yiaV^  SsuMip  2L3l\  .\,A.Tp  .^\>>.».2  tJ^aor 
:  ju2p  .:^i--i^o  2;^^^;A  ^au.3ui  &ji23  jopi  zAp  .ouX3;s2p  25 

2£s^3u>^  2307  ?  fl.nte  -Z^jlso  2«s^a2  y^o^    oi\d.3  eor  «^  3u.X^ 

2.  23lm3  >\,At  )^  .e33u«.^2p  Zaoo  .p-A^?  o'oip  Uo^e  Js.^ 

U07  23w^p  2^e3JS2  ^p   Nd.2   .vecT^e>n\Tia\   :  ,AA^   .Jp 

\^  :  2a»o  \  T3  ♦^ogu'>ia\  i\.*2   1^2  .e33yM^^2  ^Ip  .w.Xm.2 

'  1.  ^aj!^. 
'  I.  2^op^2o. 
'  ot\^pp? 


XII.  Kapitel. 

Uber  fromme  Zuwendungen  und  Schenkungen  an  Kloster. 

§  1  (s.  Anm.). 

5  Niemand  darf  dasjenige,  was  Klostern,  Eevocoxeia,  und  fiir  fromme 

Zwecke  gegeben  wird,  verkaufen,  verpfanden  oder  verschenken,  es  sei 
denn,  dalJ  es  zu  dem  Zweck  geschieht,  daB  es  Gewinn  bringe,  oder 
indem  man  es  in  Austausch  gibt  fur  etwas  Anderes,  was  dem  betreffenden 
Kloster,    l€vocox€Tov,    und    der   frommen    Stiftung   noch    mehr  Gewinn 

10  bringt.  Wenn  jemand  es  kauft,  ohne  dazu  berechtigt  zu  sein,  wird  es 
ihm  wieder  abgenommen,  und  seinen  Verlust  und  sein  Geld  soil  er 
von  dem  V'erkaufer  zuriickfordern. 

§2. 
Wenn  eine  fur  fromme  Zwecke  gegebene  Habe  durch  Bestimmung 
13   des  Stifters  einem  Menschen  (zur  Verwaltung)  ijbergeben  wird,  so  sind 
dennoch  die  Leiter  der  Kirche  berechtigt  die  Sache  zu  untersuchen,  zu 
beaufsichtigen  und  dariiber  zu  wachen. 

§3. 

Wenn  jemand  eine  Habe  fur  fromme  Zwecke  gibt  und  dabei  be- 

20  stimmt:     Diese  Habe  sol!   in    der  Hand   des   besten  meiner  Sohne  sein 

(von  ilim  verwaitet  werden)  und  fiir  fromme  Zwecke  verwendet  werden<  ; 

wenn   nun   unter  den  Sohnen   und  Verwandten    des  Stifters  ein  gottes- 

fiirchtiger,  gut  beleumundeter  Mann   vorhanden  ist,  so  soil  dieser  jene 

Habe    in   seine   Hand   (Verwaltung)   nehmen.     Wenn   aber  eine  solche 

23   Person   nicht  vorhanden   ist,  sollen  die  Leiter  der  Kirche  einen  guten, 

gottesfurchtigen   Mann    iiber  jene   Habe  setzen,    damit    er  die    fromme 

Stiftung  verwalte. 

§4.    • 
Wenn  eine  Sklavin  mit  ihren  Kindern  und  ihrer  eventuellen  Nach- 
30   kommenschaft  einem  Kloster   oder  fiir   fromme  Zwecke  gegeben  wird, 
soil  sie  samt  den  Ihrigen  ebenso  behandelt  werden  wie  andere  Sklavinnen, 
die  irgendeinem  Menschen  gegeben  werden. 


XIII.  Kapitel. 

Uber  die  Befreiung  von  Sklaven  und  Sklavinnen. 

33  §   1. 

a)  Ober  Sklaven  und  Sklavinnen  ist  also  geschrieben  im  Gesetze 
der  Romer:  Ein  Mann  darf  ein  Drittel  seiner  Sklaven  befreien  ,  aber 
den  auf  seine  Frau  und  Sohne  (Kinder)  entfallenden  Teil  darf  er  nicht 
befreien,  weil  ein  Drittel  ihm  gehort,  eins  seiner  Frau  und  eins  seinen 

40  Sohnen  (Kindern)  (s.Anm.). 

b)  In  unserem  Lande  (der  Pcrsis)  dagegen  halten  wir  es  so,  daB 
ein  Mann  freilassen  kann,  so  viele  er  will,  weil  man  der  Meinung  ist, 
daB  niemand  die  Frau  und  die  Kinder  eines  Mannes  mehr  lieben  soil 
als  derjenige,  dem   sie  gehoren,  selbst  (er  daher  am  besten  weiB,  wie 

<5  er  fur  sie  sorgen  soil,  wieviel  Sklaven  er  freilassen  soil  oder  nicht,  es 
also  fur  ihn  keiner  gesetzlichen  Bestimmung  bedarf),  und  daher  dies 
dem  Wissen   und  Wollen   des  Verfiigungsberechtigten  ijberlassen  wird. 

§2. 
Nach   der  Freilassung  darf  der  Freilasser  die  Freigelassenen  aus 
50   keinem  Grunde  wieder  in  die  Sklaverei  reklamieren. 

Sachau,  Syrische  Rechtsbucher  lU.  12 


r 


—     178     - 

p  X^lo  .f^ao  <iyop  \aa  oA   :^2  .e33b««>s2  .  ocunop  n<\<.2 

§3.   ;  oT^^oI^  o2  cra^aa.^  a  3u»ao  Jn2  ♦,2o   .23cr    '•o.n    Ijoota^-i 

§  4.  ^  .o^jbdj.^  ^  3aw...»  1^   :  oi^  X^23  733w»  ouaA,  3L«.»    >L^e 

3^2   l2^  ^2  :  U\p   1^  p^  ol  U\p  3^    icAooI^y   f>&^.^p 

Zliis  ^2  iS2  :  ^3au.,.a0  ani6  ^aA^ioop  a;«i3  .523  :  is.^U<»xd 


§6. 


5.  auo-a>J3  2ds^2p  ^o  :  ^Oui2  2*3;^  2ds^2  u.or  »:»  ^>\«^oop 
W.OT  Jap  ^aAd.>>^oe  :  3Xm»  6^i^«2  o^^pp  lp,M>  lisjie  .>oatt 
^  23lm  or^ila  ^  e2  ov>^3  ^  a^^Va  :  lisJiao  ;.V.V3  ^oe2 
:  Z^JSos  d^^  2^opo2e  2'i3LX  ^  £o.2  v,2o  .2ab>«M  ^<u^  auoA 
^opo2o  2p^iiLX  ^OT  ^p  w\«p  2^J.»p  .^2  >  oo^Jido  .^p  p^o 
^»  w.6^  .v^eop.^  a.«A^  .^o;^2e  2'>.n,.v  .ouaot  :  23au...ao 
2aiL^  \ap  xab2  Uaoi  v,2o  :«xaA2  2*3^  :  2ab3L\  ec;^  ^.\,a9p 


sO^aae 


N' 


ij  7.  2aaL^  .eoT  2a U.  2aaLX,  o6^  2d^^5e  Ixxio^  1\-^?  U«2e  .2^3 
.\,At  2isji^  y.op  .aa^M^  vOJ^  l^oa  ^ibo  2Xm  a^a  2^^2  e2  is 
'2aaM»  otjAii^  o^jmJ.13  ;  VfftNe  p^x^A  2>tlv  >n^ia\  oA 
2akM  o2  ;l\5  .2^M2  o2  2aau^  a^^a  2^ea^2  ^a  :Sd.2  .u.ot 
*^oLv»  ^^stS  ^jior  vo^^  ^^?  »^<XAOT  .aawi,^  ^ouo  ^.^X  ^ 
2ds^2  o2  2>iSy  eo7p  1».y,  soAxeup  ^.>>.n '^^^  .Laxsp 
.2>a.5Xao  H>P  ~p.JuC3u3  .^  U^ao  oA  2pc7e  .^ouieaa^^.ue  20 
.^Aas.xoLJup  U«pa9\  \^p  .Xxso^p  liiolse  tAx 

-  I.  2aaMi»a.  ^  1.  Mxa^. 


—     179     — 

Es  gibt  aber  Gegenden,  wo  man  diesen  Usus  hat,  dal3  auch  nach 
der  Freilassung  die  fruheren  Herren  ein  Patronat  fiber  die  Freigelassenen 
haben,  indessen  nicht  iiberall.     Auch  ist  dies  nicht  Gesetz. 

§3. 
5  Wenn  jemand  seinen  Sklaven  oder  seine  Sklavin  tVeilafit  und  nicht  zu- 

gleich  init  seiner  Person  auch  seine  Habe  (peculium)  freiia(5t,  so  ist  seine 
Habe  nicht  frei  (bleibt  Eigentum  des  fruheren  Herrn)  {vgl.  Leges  R II,  §  24). 

§4. 
Wenn  jemand  seine  Sklavin  freila(5t,  sei  sie  schwanger  oder  nicht, 
10   und   wenn   er   dabei   auch  nicht  deutiich  erklart,   da(i  auch  die  von  ihr 
zu  gebarenden  Kinder  frei  sein  solien,  so  sind  dennoch  auch  die  Kinder, 
die  sie  gebart,  frei. 

§5. 
Wenn  jemand  von  einer  Sklavin,  von  der  ein  Zehntel  ihm  gehort, 
15  freilaBt,  und  von  ihr  Sohne  und  Tochter  geboren  werden,  so  ist  jedes 
dieser  Kinder  zu  einem  Zehntel  frei. 

§6- 

a)  Wenn  Sklaven  und  Sklavinnen  mehreren  Mitbesitzern  gehoren, 
und    einer   von    ihnen    erklart:    ^Mein  Teil    von    diesen   Sklaven  und 

20  Sklavinnen   ist  freigelassen  ,   so  werden  alle  Sklaven  und  Sklavinnen  in 
demjenigen  Teil,  der  diesem  Manne  gehort,  frei. 

b)  Wenn  er  folgende  Erklarung  abgibt:  »Alle  Sklaven  und  Skla- 
vinnen, die  mir  in  meinem  .^nteil  zustehen,  sind  frei  ,  dann  nimmt  man 
eine  Teilung  vor  und  bestimmt  durch  das  Los,    und  jeder  Sklave  oder 

25  jede  Sklavin,  die  in  den  Teil  und  das  Los  dieses  Mannes  fallen,  sind  frei. 

§7.  ■ 
a)    Ein  Sklave  oder  eine  Sklavin,  die  zu  einem   von   so  und  so 
vielen  Teilen    befreit   sind,    konnen    in    diesem  Teil    fur  sich    selbst 
arbeiten  und  fur  ihre  eigene  Person,  soweit  sie  frei  sind,  Habe  erwerben. 

30  b)    Es  gibt  aber  auch   Lander,   wo,   wenn   ein   Sklave   oder  eine 

Sklavin  zur  Halfte  oder  zu  einem  Drittel  freigelassen  wird,  die  Besitzer 
der  ubrigen  Teile  verpflichtet  sind,  den  Preis  (Teilpreis?)  des  betreffenden 
Sklaven  sich  zahlen  zu  lassen  und  ihn  freizulassen.  Dies  aber  geschieht 
nicht  nach   dem  Gesetz,  sondern  nach  dem  als  pesend  bezeichneten 

35  Verfahren  (5.  oben  Buck  I,  Kap-  ^)- 

Ende   des   V.  Ke(baKaiov. 


Buch  VI. 

Obligationen. 

6  Kapitel. 

Kapitel  6  imvollslandig  am  Ende. 


—     182 


■  Ixaa~3  Xx3  '  ■  ISbaceiAa  ZaaoJ^LS  els  a^xa  ^yso  J^il  x^^L^  ^o^ 


2;soA3>o  \^  .l-aao^a   Ixs    .L^te^ea^  \^   .  I^olxs   1x3 


li\l  \^  .l^^>k3  1x3  .ulpp  Uaoo'\  XoLdoAp  2;sou^x>e 
i\x  .auCjA^^p  Ijcs   .2^>o  T%  V   \-^  .2aucxxp   1j:3   .2'3>A,2p 
1B.SO  2;se30^o  2'3ap  Iskx  A.X  ■Jjcx^.a^p  1x3  .2^o3A.,UjC3  io 
.^07  ^2pp   laskxe  lao'sk^e   *  \  opo  2;s'>  n  v  Y>e  2;^M3e2o 

l^.Me    USJOOuA    3^.aLX^>.»3    7I3u»    i\^    .3uC3uX^^^p     IJLS 

.1X3   .^\X3  23»l»p  22o;^i5oU)  ^s^^ol   .Ijc's  nY>\  t   .JLi2p 
§  1.   .V»3L.a  ^  Ij^p  <X^o  .L.au.2e  1.^30)  Ud.3  \^a  \^  l^-wSbO 
2'3u.xx  2pcr^joe   .ISwXoAsp  o2  :  23u.3j:  Ik^j:  cjsax  i^p   1^   is 
^3w.2   l^e   .ci^   ^^^softx   1^  .xa^p    w>b    Ij^p    .13j:ol^p    e2 

^J.^    ^^di^3..«3    ^a%3    ^p    ^a.M    .1,V..>.1    1^3um2    Ij^P    .\  \t  N 

^x*  1^  3^  :  Xjjcx^a  233W.A  ppoi  ^ou  ll^^-op  :  ^v.ol^oe 
2Na\l3u3  L^^p^d  Li^p  \.a»a  >\^3u>  L^p  !.»  :jLi2  ^oaua 
^l  .U'3um2p  iWypLd  ^^a~3oe  2^oua3lA.  '  \.n  ^oux^noe  20 
<^2e  .ycro\.ia\  ^  ^^.^i1^L^T;  2pnJC3e  2%.\.t  ajtw  i\^  >^ 
§2.  :l«»3U3p  lAos  ^  ^??  w.;s:3o:e  .1l*P  ov^  ^3^3A,  jsptp 
^^^  e2  ^M«»  ^*N2  a^a  o2  .:;>>%  2iN2  l^o  Ux.*!^  2xd 
^*jc>.*\.\.^>ao  1^0  ^3m.&^   o2   :  lupA   ^xb^^   o2   :  2p3w«^ 

'  zu  tilgen.  >  I.  ld.3y.«l^. 


183 


Sechstes  Buch 

von  demselben  Jesubocht. 
Corpus  juris. 

I.  Ober  die  erste  und  letzte  ProzeBpartei   (d.  i.  den  Klager  und  den 
Verklagten). 

II.  Ober  eine  giiltige  und  eine  anzweifelbare  Urkunde. 

III.  Ober  eine  an  einer  Urkunde  begangene  Falschung  (Verderbnis)  und 
iiber  eine  falsclie  Urkunde. 

IV.  Ober  rechtmaBigen  und  anzweifelbaren  Besitz. 

V.  Ober  glaubwiirdiges  und  anzweifelbares  Zeugnis. 
VI.  Ober  den  Eid. 

VII.    Ober    TrpoOea-fiia. 

VIII.  Ober  Vergehen  und  Streitsucht  gegen  die  Entscheidung  der  Gerichte. 
IX.  Ober  den  Lohn  der  Lohnarbeiter. 
X.  Ober  Biirgschaft. 
XI.  Ober  Verteidigung  (vor  Gericht?). 
XII.  Ober  Brunnen,  Fliisse,  Kanale,  StraBen,  Briicken,  Palmbaume,  Wein- 

pflanzungen  und  alinliches. 
XIII.  Ober  das,  was  zur  Beeintrachtigung  und  Schadigung  eines  Menschen 
getan  wird. 

Zu  Ende  sind  die  Kapitel,  d.  i.  die  K€<f>a\ata  des  sechsten  Buches. 


I.  Kapitel    (s.  Anm.). 

Ober  die  erste  und  letzte  ProzeBpartei  (d.  i.  den  Klager  und 
den  Verklagten). 

25  §1. 

Wenn  der  Klager  keine  echte  oder  zweifeihafte  Urkunde  und  keine 
echten  oder  zweifelhaftcn  Zeugen  hat,  horen  ihn  die  externen  Richter 
nicht  an  und  ziehen  den  Beklagten  niclit  in  das  Gericht. 

Wir  dagegen,  da  wir  wissen  und  kennen,  daB  viele  Menschen  iin 
30  verborgenen  einander  etwas  geben,  ohne  daB  irgend  jemand  von  ihncn 
Bescheid  weiB,  wir  nehmen,  wenn  der  Klager  nicht  als  verlogen,  ver- 
leumderisch  und  prozeBsiichtig  bekannt  ist,  seine  Klage  an,  auch  wenn  er 
keine  Urkunde  oder  Zeugen  fiir  seine  Aussage  hat,  und  halten  Gericht 
fur  ihn,  wie  es  sich  gebiihrt  {Ebcdjesti,   Tractatus  S.  232,  Kol.  1,  2). 

35  §  2  (5.  Anm.). 

a)  Wenn  der  Richter  infolge  der  Klage  des  Klagers  den  Beklagten 
in  das  Gericht  zitiert,  dieser  aber  nicht  kommt,  oder  wenn  sie  (beide)  ins 


-      184     — 


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^J03 


otSiTmN  ^  ASi\. ttY)e  .lAxw  Xxj.?  i\aS  ^^1?  1»  IaL.!  ^p 
loir  Ipai  ^ipo  :  a-:soA  ai^  ^aoaoo  c;iso  ^p  wXsooo  :  U^p.3    s 

§3.  ^x^  l».t.p  oj!^  i^l  xa  Ju2  .It  A%'JO  ^~<A  lauals  .32  .cr^oA 
U.073  2x»2  >\\.'ao  U^p  axa  Ua*  »^eou>»  >~  x~2e   .o^aou. 

^w^.\x»p  eorp  XiA^l  :o;u>->  o;^  .\Ajuoo  :  Jul^  ^p-g^A.^. 
op  l3^A  aj!^  ais^o  :  U^p  a>«.:.'aL.Ne  .lJ.J.p  XoA  ^»'  "aN 
■\  -^^  .oii\a^l  Xi^p  ai!^  aaj^  .  l^iopJO  U^p  \.X3p  00*  Issju 
OOP  Ux»2  Xi^p  \ia  ^o  .oT^-p  \^3  yaj^  Zo^p   >.«.:.13l^ 

§4.  o7&.a*A  \a.\..tt.^  J(.i2  »^2o  .l^p^^  ^92  ;A  Pm2p  ^^^^9  '^ 
fio.2p  3^302  :  i\a\.t3N^  auap  "ap-io  oa%3  ;^3u..2e  :  T.^.i.a.i 
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pL^;sj:ao  :^Ux«.2p  oi^ai^ap^tt  >\\^  UiepJOo  .X:kp»»  li^p 
^x«.2o  .^iN2  U'x»2  Z^'^ax  'spkiirp  ''lio  .ai^  p^lo  '\»\Jn  aj^ 
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eoT  Z^p«L»  0*3^.20  ^aih^a^  ^ae   Tiii  H  »\.nxp  w.6p  ;..^pa3o 

§  5.  U*pa  Ju2  p^ae  .«^oo;^;a^io:A  o^SA\^o  w.o?o3l3  ti^  U.v.n 
.jLCUfiOy  23w^  2io..^aa^  2;^^^e  :  Jcal^  \\  \  n  Y>  Ul>&^ 
;^2  .U«p  >.n.S.'o.\  .^  iAj:^  zA^  zA  i-^??  OT^OLCL.^Ow 
^pM.oro   .m.io^p  Zil«^^  23.\j:  \^  :  a.a.VAO  ^^..olao  2««a  25 

§  6.  y«a5oo  29^  ZjJ.po  :  Jc.i2  n^  Zi^^p  o^  :s«2  Ju2  p^a  .Zi^p  p^aaa 
jop^  Z^  :  2>\j:  oisok^  >^J^  Ji)  ^2  :  pb^2  23L\eL\j]  U^p  oorp 
*^2e  -Zj-oP  o;^  paL^;sAp  Z^e  .oT;sa&i\ZV^  ojmo  ,x»:sxisp 
ZJ^i^po  :  Z>&au»2  Z.u>^   .^.o^ousaus^p   2>\.t   ojia  \.  x^2  ^p 

§7.   :oT3i...,\  A^^y.ni  ^a2  p^e  :.*oTeAx  poyoa  2po-^xj^2  Z«'ff>n  30 

'  I.  V\'r<  -  add.  Zt.>a>\b>3.  ^  I.  Z^x.2. 

♦  I.    \Vt'-"  ■  1.   Z-i— 2p.  '    add.  ^p.  ■  del.  xAa. 


—     185     — 

Oericht  kommen,  aber  sich  priigeln  und  beschinipfen  oder  auch  den 
Richter  schmahen,  oder  weiin  sie  rebelliscli  sind  und  dem  Gericht  nicht 
gehorchen  wollen,  so  verurteilen  wir  wegen  soldier  Vergehen  den  Obel- 
tater  nicht  und  beugen  nicht  sein  Recht,  sondern  gemaB  dem  Mal5  und 

5   der  Art  seines  Vergehens  verhangen  wir  tiber  ihn  Verweis,  Kirciienbulie 

und  Ausschiul5  vom  Gottesdienst  (Ebedjesu ,   Tractatus  S.  232,  Kol-  2). 

b)    Wenn   aber  der  Beklagte   zum    heidnischen  Richter  geht   und 

dort  den  Kliiger  verklagt,  sich  iiber  ihn  beschwert  und  ihn  zu  jenem  bringt; 

wenn  dann  hieraus  dem  Kliiger  Verlust  und  Schaden  und  Miihewaltung 

10  entsteht,  wird  dafiir  Entschadigung  von  demjenigen,  der  ihn  vor  den 
Heiden  verklagt  hat,  verlangt,  und  auch  verhangen  wir  Kircheiibann  und 
AusschlieBung  vom  Gottesdienst  iiber  ihn. 

§3. 
Wenn  ein  Mann  mit  einem  Anderen  einen  ProzeB  hat,  und  einer 

15  von  ihnen  aus  irgendeinem  Grunde  sich  einen  Term  in  vor  dem  Richter 
geben  lalit;  wenn  nun  vor  dem  Termin  der  Kliiger  sich  einen  Stell- 
vertreter  bestellt,  ihn  ermachtigt  zu  dem  Richter  zu  gehen  und  vor  ihm 
den  ProzeB  zu  fiihren,  und  wenn  er  ihm  eine  auf  die  fragliche  Streitsache 
beziigliche  Urkunde  des  Inhalts,  dal5  er,  der  Kiager,  ihm  den  ProzeB  an 

20  seiner  Statt  zu  fiihren  iibergeben  habe  (s.  Anm.),  ausstellt,  dann  ist  dieser 
Vertreter  befugt,  mit  deni  Beklagten  den  ProzeB  auszufechten.  Und 
wenn  der  Angeklagte  zu  dem  Termin,  den  er  bekommen  hat  (d.  h.  der 
ihm  mitgeteilt  worden  ist),  nicht  erscheint,  verliert  er  den  ProzeB  (Ebedjesu, 
Tractatus  S.  232,  Kol.  2). 

25  §4. 

a)  Wenn  jemand  einen  anderen  wegen  einer  Habe  verklagt,  und 
der  Verklagte  aussagt,  daB  er  das  Objekt-der  Klage  (nicht  allein,  sondern) 
gemeinsam  mit  Anderen  (in  Sozietat)  bcsitze;  wenn  er  aber  nicht  Urkunden 
und  Zeugen  vor  dem  Richter  beibringen  kann,  verliert  er  den  ProzeB,  und 

30   infolgedessen  bekommt  der  Kiager  jene  Habe  und  nimmt  sie  in  Besitz. 

b)  Wenn  aber  danach  die  anderen  Mitbesitzer  kommen,  ProzeB 
anfangen  und  iiber  den  Kiager  obsiegen,  sintemal  ihr  Kompagnon  (der 
Verklagte)  in  dem  ersten  Termin  verurteilt  worden  war,  nun  aber  (in 
dem  zweiten  ProzeB)  jener  Kliiger,  weil  er  ihreni  Kompagnon  die  Habe 

35  abgenommen  und  an  sich  genommeii  hat,  verurteilt  wird,  dann  wird  jene 
Habe  samt  den  Friichten  und  Einkiinften  ihnen  iibergeben. 

§5. 
Wenn  jemand  eines  alten  Rechtsanspruchs  wegen  einen  anderen 
verklagt  und  eine  alte  Urkunde  vorbringt,  so  verhindert  uns  das  Alter 
40  des  Prozesses  nicht  Gericht  zu  halten,  sondern  wir  machen  eine  Unter- 
suchung  iiber  seine  alte  Urkunde,  unci  dann  halten  wir  Gericht. 

§  6  (5.  Anm). 

a)  Wenn  ein  Mensch  mit  einem  anderen  einen  F^rozeB  hat,  und 
der  Richter  bei  der  Untersuchung  findet,  daB  in  dem  ProzeB  ein  Dolus 

45  vorliegt;  wenn  dann  der  Kiager  nicht  eine  Urkunde  hat,  soil  seine  Klage 
nicht  angenommen  und  nicht  fur  ihn  Gericht  gehalten  werden. 

b)  Wenn  er  aber  eine  Urkunde  hat,  die  er  einem  anderen  Richter 
schickt  (um  vor  diesem  sein  Recht  zu  erstreiten),  dann  soil  auch  der  erste 
Richter  (vor  dem  er  zuerst  seine  Klage  anhangig  gemacht  hat)  wie  ein 

50  Zeuge  iiber  ihn  vernommen  werden. 

§7- 
Wenn  ein  Mensch  einen  anderen  vor  dem  Richter  verklagt,  kann 
der  Verklagte  mit  diesem  Kiager  nichi  eher  einen  neuen  ProzeB  anfangen, 


—     186     — 

l»e  .c;jtf  .6oo^JLl  l!^  '>i\\,  d^-^  >.2e  .Uc  ou^p  \^a  sl^ 
§  s.  ^2  'OPoS  ^ax^Kie  oudo  .\so^Ju  I^^xd  U^p  eo^  ^cuo^^Ip 
2^tl.>.3  l^Sels  v^«lu^  .'v.\,t»p  .ou^p  .VaNj^  A\\.Q\  ju2 
^  .U*p  ecrp  U-BUOftap  Usf  -i^p^  1^  ^  ^2  :^T.fvi3  o2 
Ua*  or^  30u^a  X^2  .0^302  ^  2\i\N  oTvA>'ia^  jopi 
.3^2  tkX..2  oUd.p  \^a  ^p  v.2o  .jdOJ^p  :.ai.'\  Ij^p  ecu 
U«pA  Z^jc  \a  2;\:aoL^  l^l  l^so  'S  :^aiLX  ^oXAxa  .Vy-io 


3 


§Q.  p^a  JL»2  .l!^op  ^2  .  voouup  >.T.va^e  ■•ap«p  Z.aaa  Lx^^ 
ociS  2^^^^aoL^  2;s^m  Xi^p  \^ae  :  Jul^  ■  ^-^  »<•■■  A%\. ovi 
;a^xu  '.v.vH  :  Z^p^aoe  li^pj  Alx  ^«p  oo'o  :  ^*  nuop 
U>ii.Bp  M07a»p  :  ;^Xm1  %i^p  \.a>.3o  :  Uaeaud  aj^s  >\  \ -i  \ 
X«3u»2  Lj>«p  A^a  p^ae  .^oMxs  o^S  ^*p  eo*  Jap  .cjajpou^o  i^ 
:  X^p^vo  ^po  Al^  oc  1^2  :  Av^^aaiS  Ui3»'»^  2^^.>»  1^ 
0;^  ;Sd.2  juui  OCT  \^^  lA^2  .OL^  2eo:p  Zj  a.oeL»3  iJ^ 
.nvSio  :  Iw  39*0  eo-p  l^pu.^^0  ^20  .%\\  "3%^  \^  :  l«.3o2 
>*g7o,\\,  ^o^aa  .U«tB  eo7  ^.eut  li^-aSft^a  o2  01^  loar  .a.vV^ 
ecrp  OCT  ^2o  .^ea^^e  .  la'a^xo  ?n\i^  \xp  ^2  Lisjoolm  20 
cp  pb«.^Xi  007  ^2  :  •  \*^\Jn  o'crp  2^joaX3  209*  .o^aa  ^«p 
§10.  23aL\  p^e  :  2jo\^o  'tivX^  o'cro  .lua^^p  cr^^o^2  .2;sa3^ 
X,\  1  "j^  ta\  2;s...»  :  aiJ^p  \,X3  :  cLsu.  slx  Ij^p  oiA  ^^2 
.U^p  ovaax  pu>.la3^  la^  J^  .U^pos  U«p  \^ao  :  2^^^u^ 
.U»p^  ^  li^p  \^ao  .Ud.p  J»  >n*V.'a\  .Uol3«^  ^    \.A,y  23 

VI.  II.    I'x^iiX  i-'i\X  ^^^    ■:■    ^3^>P    1X3    .Li^P    oA    '■OVIX     lU3«M    SA. 


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>  I.  >\>\.,Qi  ■  '  1.  07A>'n\.  '  I.  ^oj^^p. 


—     187     — 

als  bis  dieser  erste  ProzeB  entschieden  ist.  Und  wenn  er  es  dennoch 
tut,  soil  seine  Klage  nicht  angenommcn  werden. 

Sobald  aber  der  erste  ProzeB  entschieden   ist,  wird  seine  Klage 
angenomnien  und  Oericht  fur  ihn  gehalten  {/zbedjcsti,  Tractattts  S.  232, 
5  Kol.  I). 

§8. 

a)  Wenn  jemand  seinen  ProzeBgegner  dessen  beschuldigt,  tlaB  er 
im  Begriff  stelie,  in  eine  groBere  oder  geringere  Feme  zu  verreisen,  und 
wenn   die  Zeit  der  Entscheidung  des  Prozesses  nocli  nicht  bekannt  ist, 

10  soil  man  ihn  nicht  von  der  Reise  abhalten,  sondern  es  soil  ihm  fiir  seinen 
ProzeB  soviel  als  moglich  Zcit  gewahrt  werden. 

b)  Wenn  aber  der  Verklagte  spricht:  Ich  habe  so  viel  zu  tun,  daB 
ich  nicht  jede  Stunde  mit  meinem  Klager  in  das  Oericht  koinnien  kann  , 
so   soil  dies  nicht  von  ihm  angenomnien,   sondern  es  soil  ilini  ein  an- 

15  gemessener  Termin  gegeben  und  dann  der  ProzeB  in  gebiihrender  Weise 
entschieden  werden  (Ebedjesu,  Tradatus  S.232,  Kol.  2;  S.233,  Kol.  1). 

§9. 

a)  Wenn  jemand  einen  anderen  wegcn  irgendeiner  Habe  verklagt, 
und   der  Verklagte   nun   denjenigen   zur  Stclle  bringt,   von   dem  er  das 

20  betreffende  Objekt  gekauft  hat;  wenn  nun  dieser  Verkaufer  in  das  Oericht 
gezogen  und  als  schuldig  befunden  wird  (wenn  er  z.  B.  bewuBt  etwas 
Gestohlenes  verkauft  hat),  dann  wird  das  Objekt  deni  Klager  iibergeben, 
und  der  Verklagte  reklamiert  den  Preis  des  Objektes  sowie  seinen  Verlust 
von  dem  Verkaufer. 

25  b)    Wenn  aber  der  Verklagte  den  Verkaufer  des  Objektes  nicht  zur 

Stelie  bringt,  sondern  in  den  ProzeB  eintritt  und  verurteilt  wird,  dann 
hat  er  weder  fiir  den  ihm  entstehencien  Verlust  noch  fiir  das  Objekt 
selbst  ein  Riickforderungsrecht  gegen  den  Verkaufer. 

c)  Wenn  aber  bekannt  wird,  daB  dieser  Verkaufer  das  Objekt  ge- 
30  stohlen  oder  durch  Usurpation  sich  angeeignet  liatte,  so  wird  dieser,  wie 

Diebe  oder  Usurpator,  fur  den  Verlust  verantwortlich  gemacht  und  muB 
Schadenersatz  leisten.  Und  wenn  der  Kaufer  wuBte,  dal5  es  gestohlenes 
Out  war,  wird  auch  er  fiir  die  Saciie  mit  verantwortlich  gemacht,  ebenso 
wie  der  Verkaufer  als  Dieb  und  Usurpator  (vi^l.  V,  XI  §  5  a  and  Ebedjesu, 

35    Tractatus  S.  233,  Kol.  1). 

§  10  (s.  Anm.). 
Wenn  jemand  (A)  mit  einem  anderen  (B)  einen  ProzeB  hat,  und  der 
Verklagte  (B)  den  Verkaufer  (C)  (von  dem  er  das  streitige  Objekt  erworben 
hat)  zur  Stelie  bringt,  und  nun  der  Klager  (A)  mit  ihm  (dem  Verklagten)  (B) 

40  nicht  weiter  prozessiercn  will,  so  kann  der  Kaufer  (B)  aus  dem  ProzeB 
ausscheiden  und  der  Klager  (A)  mit  dem  Verkaufer  (C)  den  ProzeB  beginnen 
(Ebedjesu,  Tractatus  S.  233,  Kol.  J). 


II.  Kapitel  (5.  Anm.). 

Ober  eine  giiltige  und  eine  anzweifelbare  Urkunde. 

45  §1. 

a)  Eine  giiltige  Urkunde  ist  diejenige,  welche  untersiegelt  ist 
von  solchen  Personen,  welche  von  der  Kirche  oder  von  den  Konigen 
und  Statthaltern  auserwahlt  und  angestellt  werden. 

Eine  anzweifelbare  Urkunde  ist  diejenige,  welche  die  Siegel  von 
50  Zeugen  tragt. 

b)  Wenn  die  giiltige  Urkunde  vor  Oericht  produziert  wird,  be- 
dient  man   sich    ihrer  als  beweiskraftig.     Dagegen   in  betreff  der   von 


—      1 HH      — 
I'soMd  >^  v^e  .^a^a\s.   >i.>t v   l3.i3aLb>.  .I'stias   l^ox^^op 

iJSepeoJO  veo;«\x  i^Io   .oiiXa  ^ae  2^xx  ^ouo  23>i2  ot'js 
.Xi^cr  o^  ^3  ^2e   .la^^xap  ^2  o^s  j^  ^^.u^JUiXv  .2^\S..^ 

§2.  .  •  \.>N  23^3j:  2\yT  2;»oia0  Ju2  ^2o  .^cnVv.  ^.v«'vT.a>oo  s 
^3  i^2  :  U.vn  Uo;^  ^  ^J3<3  :  3^20  J:Sp  op^3  \^ao 
.2au.aa  2k^  q;ax^  i^2  ^  ^2  :  u>^  ^^A.at  ;A  ^co.'o.Vy 
^2  o^J^s  x^L\,^ao  a^JLse  ^»X2a  :  2popo  e2  'MoaLja  e2 
.;Uao7  o;j^  .\30^JU  A^  :  23c^e  23\j:  ^s^  ^p  v2e  •■03*3 
Z^soolSo  23oiuC3  o;^  ^s^  ^  K^2  .is^3^3  ^3020  >^%^  PA  ^2e  'o 
^.Xpeouso   23  0^X3   ui^  is-^1   y^p    ^2e    .ciJLie  .S-ieisJi^    zA 

§3.  Ju2  a^a  .^pvp  ^2  U^p  .v.>T\,o  .o^M  ,,i.vtaT  .1.3kJca^L33 
v^2  •  :s3oe  o;!^  ^3^^2  l^p  3^3)20  :  .^a^  S>\.t  g;,i3L.'w  x^2 
^^A^Tffl  .  :93k»  op.»  .^3^;s2p  ^p^is^ee  :  2ou,i»  ou^p  \^a 
^,»^jax3  ;j3^2  .ou^  ^JwM  ^i.3.aa».  Uacre  23>^j:  eo;^  o;^  ^ju.  is 

§4.  2^J.o•  %\,T  2^.»ao  p^a  xi2  .2x^  ajjsixx  ^^p  eoT  ^  .o^ 
oaip  ^cftia.y,  JC3P  w^  \.CLso  ^^o^p  ^3wl^J0  ^2  -^^^^  op 
.aixso  .i^M^sJuo  AX«.ivi   l3Jia^   %\  t  ^2  .2>\yT  eo*   . U.%n 

§  5.   3ua   .;A.«^2o  ;.£UX^  23i.^   'O^-^p  >ao.S^.t  Jop^p   ^2o 
^2  .1.i\  \  xLa  o^j.^  ■a.jQ.aisJ   «^2  :  .^.070^^2  23k^Lx   l.aeio.0  % 
.2x^j:p  kA,   »^  1j>\x3>5   .0^)  ^^  fc*««3L>.^>aa  23u.3J(  2\\.T3p 
^3  ;l^2  .iXi.p  ojjio  y^JtlXA^  ^  iso'^^Ja   .'ii\\p   Jo   li^p 

^\XP    ^3    ;Lv\  T>,a    .ova    hJ^    .^...O;^^J0    23^3u3L3p    ^2    ^ 

^l  .23U.&X3P  ^2  0%^  >A«^l.x»^oa  iu\    1^   .Uac  o^  .2X30u. 

§6.  23u.aj:3  :L»;^.«a  p^  :  XJo'i^pp  jb  '  ii  StV^  .lAJft-^uap  ^2  23 
30JS  ^p  l.\AJix3e  .0^3  ^.v>*«T,MXao  2x>XJL3p  ^2  ..d.pie^x.2 
5^2  .I^J.o9  3\.sp  USataB  .2^a^3u3  ou  .2^e3l«.  %\t3 
.^o7ft\\.  ^Xm  >^3>,aA.  1.31-00.^0  .0^3  w1.mJLm^^o  la  10, ^ap 
.oi3  M3u.Xi  233^:3  .3aLb.p  lilp  '^?  001  :  ^P?  laJJav, 
MXM^ta  ^3u.c7e  .l3Ldax  ^coVv  3>3L^  :  1i3m2  U^p    w^p  1^2  30 

§7.  o?fr>e3u.^.a   A.yn-Y)   :  IJi.3*   %A_^e   L.ai.«iO.  ^p  2Si  \.  t  .0^3 

>  I.  ^^3w.e.         '  •^''  ?-^^  ^-^P?-'        '  I-  vf- 


—     18S) 

Zeugen  untersiegelten  Urkunde  stellen  wir  eine  Untersuchung  an.  Wenn 
dann  die  Zeugen,  welche  die  Urkunde  imtersiegelf  haben,  glaubige  und 
an  dem  betreffenden  Ort  mid  in  der  betreffenclen  Genieinde  bei  jeder- 
mann  als  gottesfiirchtige  Manner  bekannt  sind,  und  sie  einen  guten 
5  Leuniund  genieBen,  dann  bedienen  wir  uns  einer  solchen  Urkunde  wie 
einer  giiltigen.  1st  aber  jenes  nicht  der  Fail,  behandeln  wir  sie  als 
anzweifelbar  (Ebedjesn,  Tractatus  S.  233,  Kol.  I). 

§  2  (s.  Anm.). 

a)  Wenn    jemand    eine    giiltige  Urkinide    vor  dem    Richter   pro- 
10   duziert,   und   sein    Gegner   Streit   erliebt   und   spricht:     Ich    habe   diese 

Habe  (an  ihn)  verkauft,  aber  noch  nicht  den  Kaufpreis  (von  ihm) 
eriialten  ;  wenn  er  nun  eine  giiltige  oder  eine  anzweifclbare  Urkunde 
Oder  Zeugen  hat,  wird  seine  Aussage  angenommen  und  sein  ProzeB 
in  gebiihrender  Weise  verhandeU.  Wenn  er  aber  Urkunde  und  Zeugen 
15   nicht  hat,  wird  seine  Aussage  nicht  angenommen. 

b)  Ebenso  wenn  jemand  etwas  entleiht  (eine  Schuki  kontrahiert) 
und  nun  erklart:  Ich  iiabe  es  schon  zuriickerstattet  ;  wenn  er  keine 
Zeugen  und  Beweise  hat,  wird  seine  Aussage  nicht  angenommen.  Wenn 
er  aber  Zeugen  und  anzweifclbare  Beweise  iiat,  nehmen  wir  seine  Aus- 

20  sage  an  und  veriiandeln  seinen  ProzeB,  wie  es  sich  gebiihrt  (Ebedjesn, 
Tractatus  S.  234,  Kol.  I). 

§3. 
Wenn  jemand  eine  Schuldurkunde  (Schuldschein)  hat  und  spricht: 
Es  ist  (mir)  nichts  davon  zuriickgczahlt  worden   ;  wenn  aber  der  Ver- 
25   klagtc   beweist,   und  es  nachweisbar  ist,   dal5  doch  etwas  davon  bezahh 
worden  ist,  dann  erklaren  wir  jenen  Schuldschein  fiir  nichtig  und  iielimen 
seine  Aussage  entgegen  wie  die  Aussage  desjenigen,  der  kcinen  Schuld- 
schein hat. 

§4. 
30  Wenn  jemand   eine  Kaufsurknnde   beibringt   und   nun    ersichtlich 

wird,  daB  er  von  dem  Kauf  ziiriickgctreten  ist  und  den  fiir  das  Objekt 
gezahlten  Preis  zuriickbekommen  hat,  wird  diese  Urkunde  wie  eine  an- 
zweifelbare  angesehen,  seine  Klage  wird  angenommen  und  sein  ProzeB 
nach  Oebiihr  entschieden. 
35  §5. 

Wenn  von  einer  aiten  und  schadhaften  Urkunde,  die  rite  unter- 
siegelt  ist,  eine  Abschrift  genommen  wird,  bedienen  wir  uns  ihrer  als 
einer  giiltigen  Urkunde.  Die  weltlichen  Richter  entscheiden  nicht 
auf  Grund  einer  Abschrift  als  einer  giiltigen  Urkunde,  wir  aber  be- 
40  diencn  uns  ihrer  als  einer  giiltigen,  ausgenomnien  die  Abschrift  eines 
Schuldscheines,  denn  eine  solche  behandeln  wir  nicht  wie  eine 
giiltige,  sondern  wie  eine  anzweifclbare. 

§6- 
Die  Kopie  eines  Testaments,  wenn  sie  rite  untersiegeH  ist,  be- 
45   handeln  wir  als  eine  giiltige  Urkunde;  ebenfalls  die  Kopie  einer  Frei- 
.  lassungsurkunde. 

Die  Kopie  einer  Kaufsurknnde  behandeln  wir  als  eine  anzweifcl- 
bare und  stellen  dariiber  eine  Untersuchung  an.    Die  Untersuchung 
des  prozeBfiihrenden  Richters  nehmen  wir  als  giiitig  an.    Wenn  aber  ein 
50  anderer  Richter  die  Untersuchung  gemacht  hat,  nehmen  wir  sie  auch  als 
gultig  an  (5.  Anm.). 

§7- 
Eine  alte,  vor  langer  Zeit  geschriebene  Urkunde  soil  deshalb,  well 
sie   vor  langer   Zeit  geschrieben    und   alt   ist,    nicht   miBachtet  werdcn, 
55  sondern  wir  bedienen  uns  ihrer  als  einer  giiltigen  (vg/.  VI,  I  §  85). 


11)0 
VI.  ni.     Ixi    .CJJS  ,*»Xmisi  23^X33   ^2    Z^2    .;^^JCX1    iJS    .OT^OJX.N^O 

§  1.  ^a^Xs  2^30^  •/0>»  o%3  >«M>3JC93  2S>\.T  07;sol^  ..^ivxaop  ^ 

§2.  ^  .2^xx^  a^^^  \-^  .,To\.  n  \^e  1.ajq>  \^  ^oucu  s 
op;  s2  .oiisoS  y.^^.uo  2xdoj:3  23.\j:  ^3  oaor  :  33A,3>^e93 
^  U3>JB»eu»  o;^  L\.'i)  :  2%  \,t  007  ^a^a\x  3^^3  eoi  k:io 
ooT  \y.«f)  .0^  20073  :  \ IX  ViO  2aajC3aL««  \^  :  23u\a  ooT 
•s^2o  .0^  30u>^^o  -23^^^:  eo7  3is^3  eor  ^  ^a^ivi  •2x\j: 
oo^j  aL.^^3  1.SlCx3  .-.^.aa  ^2  .laauc^a^  o;^  2ecr  lA  ^3  10 
2;s'3u.3>.A  avj-^^f^o  .2%.\„T  3d^^3  OCT  w^  .\jN;s.a  :  2x\.jl 
2k\j:  OCT  :aL«;sj.  opo^^Msp  ocro  .liJa^^^o  Zaesojcx^l^e 
\r^■■Q;^^.   1^  ^^-o^^  3^^   t^e    .3JQ>2^^e    .;l\a^^    .23l^cs3 

§3.   Ijcaso  ^33  Z.X1.2  23.yj:  .:a>.ia.i  waauo7^.i   zAe   .or^esopo 

.:S3baaL3   op   ^l^MtS^iOO    l!S    .^3u.>.^3     ISO    :  pOLXiOO    Uao^e    13 

tv^ooTaScxA  umXm^^  .y.cTbxk2.3  is.A23  ooTo  .ov-i.vs  ^oucne 
.  U*Xa>3o  N.IA  2xo^  k32o  .2:^2300  iv*a  2;sojjc»2kaaa  .2«S3L^a 
§4.  li\x  Uorp  :  o;3^3  \^3  Ji^la  x^23  23^^^  \^  iab23  ^e 
2>sok^3u.o  23  3JC  eu.ft^.'ia^  ...•vt'n  ^^3  1^  z  y.-w,  LosoAs 
Wseax  aj!^  is*2.  ^3  »^2o  .ou»  ^»^ju  l^  :  ysol^  Tsp^?  20 
.w03«3  ^2  )J^3  O^  3t,3A.^MlO  .o>uo  .^.M^^ss  2*1^33:  l^oixo  e2 
VI.  IV.     §1.    3UW.2   .)AX0^3P0  233Ja3   Xi^JJO  ;S03uw«2   \^    .2.^0323    lj:3 

U.07  .UeoT  ^^3  2^kOLXi.akA  .^^3^.3  li^2   .2oor  23k^3a  v^je    Iv.td 
^3  eor  .op  ^«^3w.  :  bOLX  ^'suAso   li3\  IsaI  e2   ■>x.v.\.a3 

.^3^2    ZJA073     .^3    :s^2o     .U:3073    ^    ^^2     .2e07     l3>3>a^33    25 

§  2.  ;i:i2  o2  U<3  OOT  .  X>.3u.  ;i^o  eo7  l%.TeL^  ,U.t,B  ayi^2  a^Ao 
^  o2  Xx^p  ...A.X3  «^oo^3fi^  ^., ..a>,^  o.\iaa,.oTN,ia.\  i^oj: 
.vOL3.tt^ao  4^xo  o2  230^   oo?   »xi2  ^^a^lju   .  •s0073^JC]a 

\  .   .  .  ^ .       .  . 

2^03^'yMZ3    b\di3w.    XM.iS_>.3    007 

iOl^    OCT     2p^    ^^    ^2     .lA^A.d? 

Xmi^?  -    I.   3um2. 


11)1 


III.  Kapitel  (s.Anm.). 

Cher  eine  an  einer  Urkunde  begangene  Falschung  (Ver- 
derbnis)  und  iiber  eine  falsche  Urkunde. 

§1- 
5  Derjenige,  bei  dem  eine  Urkunde  gefunden  wird  (s.  Anm.).  in  der 

etwas  verdorben  ist,  soil  eine  Korrektion  empfangen  durch  das  Scheren 
seines  Haupt-  und  Barthaares  und  soil  nicht  weniger  als  einen  Monat 
in  Sack  und  Asche  vor  der  Tur  der  Kirche  stehen. 

§2. 

10  Wenn   bei  jemandem  ein  Zulargerd  (s.  Anm.),  d.  i.  eine  falsche 

Urkunde,  gefunden  wird,  und  nun  derjenige,  zu  dessen  Nachteil  er  die 
Urkunde  geschrieben  hat,  dadurch  einen  Verlust  erleidet,  so  wird  aller 
Schade  und  alle  Muhe,  die  dem  letzteren  durch  die  Urkunde  erwachst, 
von  dem,  der  sie  geschrieben  hat,  eingefordert  und  dem  Geschadigten 

15   ubergeben. 

Wenn  ihm  aber  kein  Schaden  daraus  erwachst,  so  wird  ein  solcher 
Qeldbetrag,  wie  er  in  der  Urkunde  angegeben  ist,  von  dem  Faischer 
eingefordert  und  den  Klostern,  E€voroxe7a  und  frommen  Stiftungen  iiber- 
wiesen. 

20  Und  derjenige,  mit  dessen  Siegel  die  falsche  Urkunde  untersiegelt 

ist,  soil  mit  ,Ausschluf5  von  der  Kirche  und  Bann  bestraft  werden,  auch 
soil  in  der  Folgezeit  sein  Zeugnis  nicht  angenommen,  und  er  nicht  mit 
einer  Vertrauenssache  betraut  werden. 

§  3  (5.  Anm.). 
25  Wenn   bekannt   wird,    daB   eine   Urkunde  auf  dolose  Weise   her- 

gestellt  ist,  gebrauchen  wir  sie  nicht,  und  die  Faischer  sowie  denjenigen, 
der  sie  in  Handen  hat,  bestrafen  wir  in  der  Kirche  mit  Vorwurf  und 
Verweis,  auch  mit  Bann  und  AusschlieBung  vom  Kirchenbesuch. 

§4. 

30  Wenn   jemand   behauptet,   dafi   die  in   der  Hand  seines  ProzeB- 

gegners  befindliche  Urkunde  auf  dolose  Weise  hergestellt  sei,  so  wird 
seine  Aussage  nicht  angenommen,  wenn  er  nicht  beweisen  kann,  daB 
das,  was  er  behauptet,  wahr  und  ersichtlich  ist.  Wenn  er  aber  giiltige 
Dokumente  oder  Zeugen  fiir  seine  Aussage  beibringen  kann,  wird  seine 

35  Aussage  angenommen  und  in  gebuhrender  Weise  Gericht  fiir  ihn 
gehalten. 

IV.  Kapitel. 

Ober  rechtmaBigen  und  anzweifeibaren  Besitz. 

§1- 
40  RechtmaBigerBesitzer  ist  derjenige,  der  (als  solcher)  no  to  rise  h 

ist  Die  Notorietat  besteht  darin,  daB  Jedermann  oder  daB  gute  und 
anstandige  Menschen  von  ihm  Bescheid  wissen. 

Anzweifelbarer  Besitzer   ist   derjenige,   von  dem  man  bald  so, 
bald  so  aussagt  (mit  Bezug  auf  sein  Besitzrecht)  (Ebedjesu,    Tractatus 
45  S.235,  Kol.1). 

§2. 

a)    Wenn  ein  Besitzer  (Inhaber  einer  Sache)  anzweifelbar  und  nicht 

notorisch  ist,  dann  soil  der  Richter  oder  es  sollen  glaubwiirdige  Menschen 

vor  den  beiden  ProzeBparteien  oder  hinter  ihrem  Riicken  die  Leute  der 

50  Gegend  oder  des  Ortes  fragen  und  Recherchen  anstellen,  und  je  nach 

dem  Ergebnis  dieser  Recherchen  soil  im  ProzeB  verfahren  werden. 


—     102     — 

§3.  .  ^«jj:  ^*xao>*.  ^^  3w.is^  w.c7e^^I  a^?  ^«3  U-oA  au^^I  :  cu^a 
o;i«3  \^ae  .2aa\.  eo;^  Ix^-xJO  ecr  l\a>  .liJial  iSis  ^  oi 
^A«2e  .l.i.*.>.»  Su^^I  ILxo-a  ocrs  .^3J.e  loan  1%^  !uS07  3 
o2  .2^ft,3a.\^j  'V'-^Sw.  I^  :  '  \  .  t  B  ■^g;...\..Y>  .  oc..^.ao3 
23k^  oPOlV.  ^^2  lAsA.  1\J3  ^^2  :  2^aj.^JUa  e2  lj.^^aX3  ^ 
2&ioaboo  .2^\j:  oor  ^  2x>9JC  a^:^«  .2NeawM.2  w.o<  .2L.XX 
^3  ^2o    .1^]^    \*CT   Is^  ^   »2o    .Z^eoi   Iv^vfi  aM«.2p  ec^ 

§4.  23cnJC3  e2  2a^x  o;aax  is^  a^a  Ju2  .ot\  n.A  l.»a.i  :  2..^ 
XA  :x.ili  aj:\op.*^lJ  is^l?  Li^^  iVVytD  Jcsse  :  2'au.Lx 
2cri32  2^A^  ^  e2   :  ^..jj:  ...fa^y.  >.»   x..^^  .ui^i^l  2^ev«>2  <« 

o2  :  ^«Xi.m2  e2  :  'Vd.vM  eor  000*  ..«aw.M23  ><ucn3  2;sol3o\vo 
"^^^  o2  .U.CTO07.32O  ZaSi  S  Vyh  oc  eeor  23^2  oo^a  oAp 
2aM  ou.aM»^  2^»  ^^  ^^  :  Ijm.3   3>5ol.5a.^  eec  .-•^3^    lAa 

§5.  Japs  :  tXau.^^<-^  Xi-v.a  ^.-^l?  oof.ilo  .U^p  o;^  aoLX^>.»  l^e 
Uo7p  .^332  pb  o;j^3  \^3o  :  A]>'j^  ^o7o^^2  u.c?oaL^l3  U39 
3^  v2  :  2^3  %^2  ^3  per  :mJ^  jj^tfl  Ucr  3.ju.«2  2>>ft.,ASb3 
3.^.^2  ZJ^cip  Uo;  30U.U3  ^^.op  :  ixau.^^  2^oa^  loLCLXioo 
.U07  ^  Tia^  ^3u.ioo  >5a^I^  ^2  .2oo7  '^ Uoi  w.'i«l3  :  li^s.Ja  ^n 
^2  .2^!^-'>^*   > \i  T   ;  \^\  n    .>iM»23  oiri    oor  Maud.l3  ^S^  «s2 

.2^0X>m2    U.9P   ^ 23XX33    ^2    ^*3     a^O     •  >^     13JC0lSl33 

otJ-^o  ^3^3..tt.a    la  S>.\  V  tt \  23c^jo  £sa^x.j.^e  2i^.»o^e 
§  6.   :u.9TeX^2  Ju2  ^.a^lap  ^^«jj:  iv^;s  ^  A.x.^s^p  U^JhO  .>\An,av) 
e2  :  Xm.23  o'oip  U\.\ftto   .2^oa.x:^o  2;saaa\x  A\.ao  «.^2  ^^ 

23^2  oc;?  a^p  >\\.tB  o2  :  cX^Su.  l^o  w.o!cu.s    \\.» 

^  i.a3;\xi  .»^23A3kS  ^w^or  ^'i^ios  "^  ^^2  .1a3\^£  loir 
^  2au.  Xi.2  ^3  ^2o  -lA*?  oiae  .^»^JUo  .U<J>.a  ^o-oi^la 


'  1.  3ka.        -  1.  ,-x.ak-.        ^  1.  OCT-        *  1.  ^  ^2  statt  ^o. 

'■"  \<,*f\   7u  tilgen.         ''■   I.  OCT-  "   Zu  tilgen.         *  add.  >  V..,,T«ii)».50. 

0  add.  ^030^9.  '"   I.   1^  statt  ^. 


—     198     — 

b)  Wenn  aber  audi  so  ein  klares  Resultat  nicht  erzielt  wird,  dann 
mag  diejenige  Partei,  die  in  dem  betreffenden  Besitz  am  meisten  be- 
kannt  ist,  den  Eid  darauf  schworen,  wenn  sie  will.  Wenn  sie  aber  nicht 
will,  mag  sie  der  Gegenpartei  den  Eid  zuschieben  {Ebedjesu,  Tractatus 

5  S.235,  Kol.I). 

§  3  (s.  Anm). 
Wenn  der  Besitzer  einer  Habe  sie  schon  mehr  als  50  Jahre  besitzt 
Oder   sie  von   drei  Vorfahren   bekommen   hat,   und   wenn   sein  ProzeB- 
gegner  nun   sah   und   wulite,  dal5   der  jetzige   Besitzer  und   diejenigen 

10  Personen,  von  denen  er  die  Habe  bekommen  hat,  nicht  als  Ubeltater 
oder  als  solche,  die  besondere  Vollmacht  und  Einfluli  haben,  bekannt 
sind,  in  dem  Fall  ist,  selbst  wenn  der  Klager  eine  giiltige  Urkunde 
vorbringen  kann,  der  (faktische)  Besitz  mehr  giiltig  (mehr  beweisend)  als 
eine  solche  Urkunde,  und  dem  Besitzer  steht  es  frei,  seine  Aussage  durch 

15  einen  Eid  zu  beschworen,  wenn  er  will.  Wenn  er  aber  nicht  will,  kann  er 
seinem  Oegner  den  Eid  zuschieben  (vgl.  VI,  VI  §  8a  und  Ebedjesu,  Trac- 
tatus S.  235,  Kol.  1). 

§  4  (5.  Anm). 
Wenn  jemand  (A)  weder  eine  Urkunde  noch  glaubwiirdige  Zeugen 

20  hat  und  nun  einen  Anspruch  auf  eine  Habe,  die  im  Besitz  eines  Anderen 
(B)  ist,  erhebt;  wenn  B  diesen  Besitz  seit  mehr  als  50  Jahren  hat  oder 
durch  Vererbung  von  drei  Vorfahren  bekommen  hat;  wenn  sich  nun 
ergibt,  dafi  diejenigen,  die  den  Besitz  hatten  oder  haben,  bekannt  sind 
als  Personen,  die  besonderen  EinfluH  und  Vollmacht  besalkn,   und  als 

25  Obeltater,  oder  daB  der  Klager  und  seine  Vorfahren  in  einer  anderen 
Gegend  lebten  (daher  nicht  in  loco  ihren  Anspruch  geltend  machen 
konnten),  oder  well  sie  nicht  ihren  .Anspruch  geltend  zu  machen  ver- 
standen,  dann  wird,  wenn  er,  der  Klager,  eines  von  diesen  Dingen  be- 
weisen   kann,    seine  Klage  als  giiltig  angenommen.     Andernfalls   wird 

30  sie  nicht  angenommen  und  nicht  fiir  ihn  Gericht  gehalten  {Ebedjesu, 
Tractatus  S.  235,  Kol.  2). 

§  5  (5.  Anm.). 
Wenn   von   dem  Besitzer  (A)  einer  Habe  bekannt  ist,  daB  er  sie 
seit  langem  hat,  und  nun  sein  Gegner  (B)  spricht:     Dieser  hat  den  Besitz 

35  von  mir  in  Arbeit  (z.  B.  als  Pachtung),  wiihrend  A  es  leugnet,  dann 
wird  eine  Untersuchung  angestcllt.  Wenn  sich  dann  ergibt,  daB  der 
Besitz,  bevor  A  ihn  hatte,  in  den  Handen  von  B  war;  wenn  bestimmt 
etwas  hiervon  bekannt  wird,  und  wenn  anderseits  A  keine  Kaufsurkunde 
vorbringen   kann,    so   behandein   wir   ihn   als  anzweifelbaren,    nicht  als 

40  rechtmaBigen  Besitzer,  und  wir  befehlen  dem  A  den  Eid  zu  leisten 
sowie  Zeugen  beizubringen,  und  wir  nehmen  diese  (Eid  und  Zeugen) 
von  ihm  an  (Ebedjesu,  Tractatus  S.  235,  Kol.  2). 

§  6  (5.  Anm.). 
a)    Wenn  bekannt  ist,  daB  sich  eine  Habe  seit  3  Jahren  in  der  Hand 

45  eines  Menschen  befindet,  sei  es  infolge  gewalttatiger,  widerrechtlicher  An- 
eignung  und  besonderen  Einflusses  und  besonderer  Vollmacht  deslnhabers, 
Oder  sei  es,  well  der  Inhaber  minderjahrig  und  unwissend  war  oder  well 
an  dem  betreffenden  Orte  ein  Klager  nicht  vorhanden  war;  wenn  diese 
Dinge  genau  bekannt  sind,  dann  wird  die  Habe  in  seiner  Hand  gelassen, 

50  und  er  wird  zum  ProzeB  zugelassen  (d.  h.  es  wird  ihm,  dem  Inhaber, 
gestattet,  im  ProzeBwege  sein  Anrecht  auf  die  Habe  darzutun).  Wenn 
aber  eines  von  jenen  Dingen  der  Fall  ist  (d.  h.  nachgewiesen  werden 
kann),  und  er  nicht  eine  Kaufsurkunde  vorzeigen  kann,  dann  wird  er  als 
Usurpator  angesehen. 

55  b)   Wenn  er  aber  dann  (hiergegen)Beschwerdefuhrt  mit  den  Worten: 

>Die  Habe  soil  in  meinen  Handen  bleiben-s  dann  soil  die  Habe  in  seinen 

Sachau,  Syrische  Rechtsbucher  lU.  13 


194     — 


.^aiop^la  l>*v.O   s^ib   wtx^^JU    :^o(m    w.'xi.l3    ^^-^"^^   \\jjs> 


.2 


§7.   ^2  :  u.cra32p  ^o7a*^.a  X32p  Xx*\np  23ap  jao  lioop.^^1  -JH?^? 
.2jso3um2  W.C7  233iouo  l^  .2'3u.&x  2pc^  o2  2a\pX  ouo^  :^^ 
t^2o   :  .?  ii.L.b  ♦v<>\\3a3  IBXO   l^dvoLxp  ^2   La^^   ,^p  o^J    s 
230^0  23^^^  ^ooj^x^  :s^  v2  .2^o;a32pe  2x3Lxp  2^eaL'^2 

§8.  \3iYB^^  a^o  .2^3u.kx  2^ex^y..2  u.07  ; 3>x««^«^  ;i^  :  2*3^3^: 
:  23G^  e2  2S>.\,.t  u,cre3k^;o  ^3  dw^o  :  lp>.-i..x  lise  ^ 
^o^ox^Xa?  eoT  ^  2^\»  »\.vtato  .ot3l^  \^  a^  ^i.^y.^aj^ 

§9.  :  ja><xarM>i  X^p  jcxlp  l\*\M  p>*^l?  jc&2  . U>\\.n  »j»3  ^2  2oot  10 
i^jaoSso  y«070  3X^e  lJi.u_t9  007  :  oiS  2ocr  \  A  <r  x^  3^ 
.073^0!^  ^arj.i,  l,v.v.ttJ3  UaJOsOMO  .Ijaf  eop  ■t.t^iJi  oorp 
Xa^  ^  .U-^xJa  v^\.30  ; \ .\ It  23l»  ^  .^'3M2is^3  M>^2  ~^o 
00^  2^  ^p  v2o  .230^  y.oy^\y,*o  2x^kaoe  .  laou  eo^  00 
VI.  V.  ^opo^jo   \^    ^.T.'aaMp   LX3   .ao;J.   ?..i*v..d  ^oiois^l  aip^l^p   m 

§1  iso^  \xp  :  ;^o;^2  ;jdoo  ^3  2'3>.>ao2  .laaouSopo  2^3^^.301: 
lsx*i3  \xp  iJ^p  .i\ie  \a  :sa^;s  .  ^pa^o  \s^i>,  o2  ^sis 
:  23uM2  ^2  .;l^  ^p  ^2e  .23ube2  2o;^2  ^  ^A^ppo  .2'x.3j: 
:  2:!sj:^  >na>*ia\  2lll^  Si^s  ^«2^  Z^p  :  L.o^2  l3^.3o  o^ 
>\^3  zA\  i^l  :  t^iJCxbp  2L!^jia  sio  li^p  \\»  Zj>^^  X^o  20 
isa^  «\^3  y.07  :  lai^A  ^o2  :  2o^l^  JSjJ,po  I's^yx  iS^l 
^is*p  JLi2  3m>  i^p  ^  ^2  ou^  .  ^'pcpo  ZoA*^  e2  ^3>» 
.;Uaa«ope  23aL\^  .Uo]!^!  la^^  mo2  lpci\xo  .^^2  tJae  ^^auo^ 
.u.oroXk2  3m.  ^2  .U07  s^'>2p  23aL\  p  ^39  jopio  .y«OwS»  oj.» 
1^39  .Xj^oi  s^lp  ^p  2va.V  .po^jcxaop  2iNepo;jOu3  ^iaouor^M  23 
2;^aiaauop  .juA^  ^  ItsopoTJo  <^tro\s.  ><*lp  ocr  !.oa]^p 
.l^ia  ajoaa  Aa  .2^aj.^«  Ao  .2^o^3dv3  2oA2  ^A^p^s 
Apo    .u.ora\x    povcMop    OCT   :ziA.  2fS0ka33^^3  o^  i^^po 

Sum    ^2    '  ^2p    ^p    2301^    ■  ICXA.    ^tt.jA.d    AJ^.»     ">  ^  \, L  "^ 

■  A  ^or  ^  ^o;\3o  «s2o  .c7>SepoiJC3.3   ,^dXi.c;;M    .u.cro>s^2  30 
>A  .2lA^fiA  ^d.3.^  li\aiio^oj,3o  2^oa^w.  l^e  •  ^p  2£<e^d.3io 

1  1.  ^.^TT).  -    I.  \^e.  '   add.    U07- 


—      1515      — 

Handen  belassen  werden,  es  soil  aber  in  dem  Falle  die  Aussage  seines 
ProzeBgegners  angenommen  und  demgemaB  ihr  ProzeB  in  gebiihrender 
Weise  verhandelt  werden  (d.  h.  in  diesem  Falle  wiirde  es  die  Aufgabe 
des  Klagers  sein,  sein  Recht  auf  die  Habe  darzutun)  (5.  Anm.  und  Ebed- 
5  jesu,  Tractatiis  S.  236,  Kol.  /). 

§  7  (5.  Anm.). 
a)   Wenn   ein  Sohn  eine  Habe  seines  Vaters  zu  dessen  Lebzeiten 
besitzt,  wenn  er  keine  Urkunde  oder  glaubwurdige  Zeugen  hat,  wird  sein 
Besitz  nicht  als  rechtmaBig  angesehen. 
10  b)   Das  gleiche  gilt  von  dem  Besitz  von  Kompagnons,  bevor  sie 

die  (gemeinsame)  Habe  untereinander  aufteilen  {vgl.  V,  IV  §  6  c). 

c)  Auch  gilt  der  Besitz  von  Sklaven  und  Sklavinnen,  wenn  sie 
nicht  eine  Urkunde  oder  glaubwurdige  Zeugen  haben,  nicht  als  rechtmaBig. 

§  8  (5.  Anm.). 

13  Und  wenn  der  Eigentumer  eines  Sklaven  (der  in  der  Hand  eines 

Anderen  ist)  verklagt  (d.  h.  sein  Anrecht  auf  den  Sklaven  angefochten) 
wird,  und  er  weder  eine  Urkunde  noch  Zeugen  hat,  dann  geben  wir 
den  Sklaven  seinem  Eigentumer  zuruck,  nehmen  aber  die  Aussage  des 
derzeitigen   Besitzers  als  diejenige  des   Klagers  an   (d.  h.  gestatten  ihm 

20   vor  Gericht  sein  Recht  zu  beweisen). 

§  9  (5.  Anm.). 
Wenn  jemand  gesetzwidrig  die  Habe  eines  anderen  hat,  ohne  dazu 
berechtigt  zu  sein,  soil  er  diese  Habe  samt  ihren  Friichten  sowie  den 
Gewinn  von  dieser  Habe  wahrend  dieser  Zeit  und  den  Vermogensschaden 
25  dem  Eigentumer  wiedererstatten.  Alles,  was  von  dem  Eigentumer  in 
betreff  seiner  Habe  ausgesagt  wird,  beschwort  er,  wenn  er  will,  und 
bringt  dafiir  Zeugen  bei.  Wenn  er  aber  will,  kann  er  auch  die  Habe 
demjenigen,  in  dessen  Hand  sie  ist,  schenken  {Ebedjesu,  Tractatus  S.  236, 
Kol.  I). 

30  V.  Kapitel. 

Uber  glaubwurdiges  und  anzweifelbares  Zeugnis. 

§1- 

a)  Im  gottlichen  Buche  ist  gesagt:  Auf  dem  Mund  zweier  oder 
dreier  Zeugen  steht  jedes  Wort    (Deut.  19,  15),  und  es  ist  klar,  daB  dies 

35  von  glaubwurdigen  und  gottesfiirchtigen  Menschen  gesagt  ist  Wenn 
es  aber  anders  ware,  wie  konnte  dann  in  demselben  gottlichen  Buche 
gesagt  werden:  Geh  nicht  hinter  vielen  her,  Boses  zu  tun,  und  mijhe 
dich  nicht  um  das  Recht  hinter  vielen,  welche  verachten     (Exod.  23,  2). 

b)  Es    ist   klar,    daB    die    Schrift    bei    dem   Ausdruck     auf   dem 
40  Munde  zweier  oder  dreier  Zeugen     glaubwurdige  und  gottesfurchtige 

Menschen  im  Sjnne  hat,  und  daB  es  nicht  besagen  will,  daB  nicht  (unter 
Umstanden)  ein  Mensch  glaubwurdiger  sein  kann  als  1000  andere.    Des- 
halb  sagt  das  gottliche  Buch:     Wer  findet  einen  glaubwurdigen  Mann? 
Prov.  20,6.     Ein   solcher  Mann,   wenn   er  auch    nur  einer  ist,  soil  fur 

45  das  Zeugnis,  das  er  ablegt,  Glauben  finden.  Ein  solcher  Mann  muB  so 
sein,  daB  alle  Welt  ihm  bezeugt,  daB  er  glaubig  und  gottesfiirchtig  ist, 
rechtschaffen,  ohne  Habgier,  ohne  Parteilichkeit,  ohne  Feindschaft  gegen 
denjenigen,  auf  den  sich  sein  Zeugnis  bezieht,  und  ohne  Eingenommenheit 
infolge  von  Verwandtschaft.     \X^enn  ein  solcher  Mann  auch  nur  einer 

50  ist,  so  wird  sein  Zeugnis  geglaubt. 

c)  Wenn  aber  nicht  alle  diese  Dinge  von  einem  Zeugen  bekannt 
sind,  sondern  nur  vielen  bekannt  ist,  daB  er  rechtschaffen,  ohne  Habgier 
und  glaubig  ist;  wenn  solcher  Zeugen  ihrer  zwei  oder  drei  sind,  wird 
ihr  Zeugnis  angenommen. 


10 


2^  ^3  Sh^    .•s^eci^opopCD  \.Ti,d»\>>  ^s^^.  el  ^3«^  £^2  ^ 

§2.  %.i^lo  .*~^oa'isopcf.JB>  aLX«.^;s  7  a  to.  ^ap  ^L  ^aj^  .^p^ 
^2  z\52  .^3w.  % .■«ol\\,o  1-i.jaoj.p  i:sopaiJSio  2^oAJi  aop 
Xi3JB30uM3  3iilp  ^3  2^«epopoo  .cT:se?ovo  .\^f1^^>  laaoAsp 
■AXmAsiN  2^3w.3^s  .pajjQ^  ou^p  \6a3   Ua^oua  e2  :aix^3 

§3  wJ^  aau  Ix^sJo  J^p  .ulp  :9Xtt  giaaJS  AVyn^  a^  j:i2 
X^p  lyJO  3uA  ^30  v2  :  23opC3e  2>  yt  .J^  ^JSe  :  ^oc'OuM 
^3  ;Lxor  zi^3a^  1&39  ^  eo7p  .3^:02  o]^  .^  iJiaoe  o;^p  i\^-3^ 
^3^23  iiel  ^p  v2o  .cr^AX  30  ^^.^3  aj^  jop^  .U2  ao^  X^ 

§4.    \%  \,  tt  1    23lJ  »^2o  .k^dvap  u039    .;U^:s^  xa    X^l  •30V*? 

^ov*  ^  Xxcre  :^  Za2  ^sd^i.  A^   1j.^j^  3uao23  ^otooI^ 

;^  ^3  XxoT   :  ^3  X^eci  ixz  luf  eo;j3  :  ls2   a^U   v^  :  w^ 

op  .Xiol  ^2  ^3  ;UAcr   .0;^  ^Xi  1^3  o;^   .NyAx  .1^2   l^kS 

VI.  VI.   1X3   .oT3kao  73-^  23>.-3i.Ve   .g^A^a  au^  2^Xi2  ^2  lutus  ^3 

§1.  Lxok»3  ^  Ijcaoaaa  .^3  ^o^  ^^  ■  ^s  locil  ao  Ax  :  2^J:3  13 
^eJae2^  Ap  :  xtl^  ^p  »^&ao  .2&oi\13l3  I3e2^  Ap  .pjOJ^ 
^■i..>>J3L^3  .  ^.^  LkX^2  JS^2  :  ^  ,tt  V  1 2  >\.\.ao  .  ^p  ^o^  .^ 
t^^^  .•xS^P  .o;iauCia3  Aa-Oo,^  ^ii.ta..o  3>^  ^p  o^  .2&^eaae 
.^a»2  Skd  ^iaoA  uAaa^iSp  Z.>»Ac  josa^o^  Z.i30\.  A  ^  ^i-P 
2ooT3  ^3m*  As  A^o    .  wAda^  *~^oa^J.^o  333^^  .Ls.il  . .  i.ap  20 

§  2.  Ok^  ^3  ..aL^o  .oA  2eo7  ^\aooaaa  2L>.aa  LaoAaj:  :  ^ecr^J^a 
uLp^  ^3  A3  2  .Zjoaaoi  "oja  iJlaoAx  ^  La'xxeuo  Ax 
^3  aJA3  3u\  Lof  .lx*p  «^e3k3Xi  I&9  l&o^ap  .  Looaoi  ajO) 
^e  .Z.a3m«2  ^2  .o;A  Zj^2  .),.i.ria.p  ^x3  \^  ^^  :..».iibp 
i32  oA  wOft.a.3t  :  ^J.^AsOLa  AouOJue  ^.lOuV  vOPuJip  ^^P  ^^ 
:  ^poj  ,.\35oo  xii  I'^slp  Zio  2pcr  \\^  o^  A2  .^fty^'aa 
.1x^1  ^1  oA  li>32  Atp  oA  sV^xoa  .wwX^  ^x  ^j>«*ao  xi2p 
.o;i^a^Mo  A^.Ap  oA  ^x.3>..ci3  ou^^so:^  A-atp  eoA  A^2o 
^.d.2aM.aa\p  ^^oaor  u.g?eL.AA  -Uo^  Ijoaaaa  tljQ}  :^3  «s^3bao 
»^oaoT  .  l.iA3L^x  U'akXajo  ^o^A^  ^^  •  >  eo^J^xs  2ec^  'sa^  30 
.crisis  .^^<A«Zao  ♦^eo;*A^a»  ^oAcuup  u.cr  ^2  ■aka92  ^eoAp 

'   leg.  ja2p.  -   add.  ^l.  ^   1.  7ld.ai».  *   I.  Oia^jj. 


—     197     - 

d)  Wenn  aber  solche  Eigenschaften  nicht  von  Zeugen  bekannt 
sind,  gilt  ihr  Zeugnis  als  anzvveifelbar  (Ebedjesu,  Tradattis  S.  234,  Kol.2). 

§  2  (s.  Anm.). 
Wer  bekannt  ist  als  verlogen,  falscher  Zeuge  und  Ubeltater,  dessen 
Zeugnis  wird  auch  nicht  einmal  als  ein  anzweifelbares  angenommen. 
Wenn  aber  jemand  zu  seinem  cigenen  Nachteil  und  zum  Vorteil  seines 
Gegners  Zeugnis  ablegi,  wird  sein  Zeugnis  als  glaubwiirdig  angesehen 
{Ebedjesu,  Tractatiis  S.  234,  Kol.  2). 

§  3  (s.  Anm). 
Wenn  ein  Mann  einen  anderen  vor  deni  Richter  verklagt  niit  den 
Worten:  >Die  und  die  Habe  hat  er  mir  als  Geschenk  gegeben,  ich 
kann  aber  hierfiir  weder  eine  Urkunde  noch  Zeugen  beibringen«,  und 
wenn  dann  der  Beklagte,  vom  Richter  zitiert  und  befragt,  aussagt:  Ich 
habe  es  ihm  vorzeiten  gegeben,  jetzt  aber  gebe  ich  es  ihm  nicht  ,  muf5 
er  es  ihm  sofort  geben  (d.  h.  die  Schenkung  gilt  als  rechtskraftig).  Wenn 
er  aber  aussagt:  Ich  habe  gesagt,  daB  ich  es  ihm  gebe,  wenn  es  ge- 
wunscht  wird  ,  (auch  dann)  mu(5  er  es  (ihm)  geben  (d.  h.  auch  in  diesem 
Falle  gilt  die  Schenkung  als  rechtskraftig). 

§-*. 

Wenn  ein  Sohn  seinen  Vater  mit  folgenden  Worten  verklagt:  Er 
hat  gesagt:  Die  Habe  x  gebe  ich  dir,  trotzdem  aber  hat  er  sie  mir 
nicht  gegeben  ;  wenn  nun  der  Vater  erklart:  Damals  hatte  ich  mein 
Wohlgefallen  an  dir,  jetzt  aber  nicht  mehr  ,  dann  ist  der  Vater  be- 
rechtigt,  ihm  das  Objekt  nicht  zu  geben. 

Dasselbe  gilt  von  der  Mutter,  von  der  Eliefrau  gegenuber  ihrem 
Gemahl  und  vom  Sklaven  gegenuber  seinem  Herrn  (d.  h.  jede  dieser 
Personen  kann  unter  denselben  Umstanden  eine  den  genannten  Personen 
gemachte  Schenkung  zurucknehmen)  (5.  Anm). 


VI.  Kapitel. 

30  Ober  den  Eid. 

§•• 
Ober  den  Eid  bestimmt  das  Gesetz  Mosis:     Du  sollst  nicht  falsch 

schw6ren«   (Levit.  19,  12).     Unser  Herr  aber  befiehlt:     Du  sollst  iiber- 

haupt   nicht   schworen     (Matth.  5, 34).     Wir  aber  befehlen  aus  Not  zu- 

35   weilen    die   Ablegung    des   Eides,    indessen    keineswegs   in   Opposition 

gegen  den  Befehi  Unseres  Herrn.    Handelt  doch  auch  der  selige  Apostel 

Paulus  nicht    in   Opposition   gegen   Unseren   Herrn,   indem   er  spricht: 

^Die  Menschen  schworen  bei  dem,  der  grolkr  ist  als  sie,  und  fiir  jeden 

Streit  unter  ihnen  ergibt  sich  das giiltige Ende  durch  einenEid<  (Hebr.6, 16). 

40  §2. 

Unser  Herr  aber  hat  nicht  dies  Gesetz  gegeben  fiir  weltliche  Dinge. 
Auch  hat  er  nicht  fiir  die  Richter  das  Gesetz  gegeben,  dal5  sie  auf  solche 
Weise  Recht  schaffen  sollen.  Hat  er  doch  befohlen:  Wer  dich  auf 
die  rechte  Wange  schlagt,  dem  wende  auch  die  andere  zu,  und  wer  mit 

45  dir  prozessieren  und  deinen  Rock  wegnehmen  will,  dem  lali  auch  deinen 
ManteU  (Matth.  5,  39.  40).  Deshalb  aber  befehlen  wir  nicht,  wenn  jemand 
zu  uns  kommt  und  Beschwerde  fiihrt:  Der  und  der  hat  mich  auf  die 
Backe  geschlagen  ,  dal5  er  hingehen  soil  und  dem  betreffenden  auch 
die  andere  Backe  hinhalten  soil,  noch  befehlen  wir  dem,  dem  sein  Rock 

50  weggenommen  ist,  dafi  er  dem  betreffenden  auch  seinen  Mantel  geben 
soil.  Vielmehr  hat  Unser  Herr  dies  Gesetz  fiir  seine  Apostel  gegeben, 
deren  Sinn   vollkommen   erhaben   war   iiber  alle  weltlichen  Dinge,  die- 


-     I'.m 

§  3.  2fr»e3^.'o\  asLtSioa^  »«3^3  >-'^^=>  U.o^  Is^c^  .Ipor  1^2 

<^2  Ol^    .<^    vOl»2^    1^3   ?~0^?   -'^  '^^    -'P     i^^'''    .2^\.13Li 

1^2  .2^ooo»3  l_au2  \^  >ouCU^jQa  Z^o  .2^'3d^  .  eeoup  ^ 
.w.oio:s^2  i^pAo  .^o'ed^23  ^2  .^vo^s^l?  v^M^  >oiaeUp 
§4.  ,^mOl«^^  ;.i,''n\ V.I  Ukxcucxas  >^\.»  ^p  o^.  .w.9!eis^p  ^2 
2pcT  \\^  .1»xa2  ulaa  y«JLM^^  l^p  ,.ii*««3>.Tao  ;^  .U..a>3 
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3 


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fi^  v,2  Z^2  .I^Is    Z^p    .^   ^^iao     o^\^^  UoC^ 

§6.  \  y,>w   :  otSlouA  \S>.\,.n.tB  xa2  Sua   -Zo^p  ^ 

e2  2?v\,t  ^  o;^  ^.^e  .  ^3u»2  :a>se  A\.y)  e2  :s.ka  .: *Vfi»'^  20 
Zi\%\,.liaoo  ^  v^  .2^>3ooiaa^  lx*p  ^p  l\jbo  .2'3w.3Ji  2pc^ 
§7.  23oa  ^2o  .Zvoa  uS>\\.q\  .U>3  ^p  <s^2o  -IvU  ecr  .13^ 
.  ^3u..2  :sa^  e2  Z^LOa  yA  \^Asp  x^lae  :  ljA.3J^ioo 
§  s.  ^  U%\\..tt\  3wae  .UecT  U>\\.tt\  2^^a»  :  ot^-^j^  1^2 
.;.\.t.fip  2^oXM.2  ^p  LiA.3J^^ioaL^  :  23U.XJ:  2%  \.t  »^2  23 
^  Xi.:^  zaT^>>^l  2;se3wM«2  ^  «v^2  .  ^<i  Yift  ift  \  Li^p  L\..abe 
lii.i.d  suwmIA  ^saooM  X3u.  2ov3^  ^JS;^  ^as  e2  :  ^^«j.j:  ^.^.TJa*. 
■  UooT  23L.3a  2a\j:  cpax  ^^2p  oa%S  .'^^  ^p  ^,20  Uec 
aiS  d^2  ^p   1a "i>\\..a    :  U^vtl  x^^l  ^   liXp.^^i'.iop    lieo 

'  add.  2^^a^aa?  -  1.  ;s^2p.  '  add.  ^o^oa    l^o. 

'  I.  Zaooa.       '  add.  aswdo  e2.      '>  add.  ju\3.      '  1.  l\^^  ^a.^. 
»  add.  o;^  ^\  ■'»a\Vy   ^  Losod. 


—     199     — 

selben,  zu  denen  er  auch  sprach,  da(5  sie  ihr  Kreuz  nelimen  und  hinter 
ihm  her  gehen  sollten. 

§3. 
Dies  Gesetz  ist  vielmehr  fiir  das  Wohlgefallen  derjenigen  gegeben, 

5  welche  sich  der  vollkommenen  Tugend  zu  nahern  wiinschen.  In  gleichem 
Sinne  hat  er  auch  befohlen:  Ihr  sollt  iiberhaupt  nicht  schworen  .  Er 
woUte  damit  nicht  verbieten,  dal5  Prozesse  unter  den  Menschen  statt- 
finden,  die  nicht  anders  als  durch  einen  Eidschwur  entschieden  werden 
konnen,   sondern   er   hat  dies  seinen   Schiilern  befohlen,   daB  sie   recht- 

10  schaffen  seien  und  nicht  des  Zwanges  des  Eides  bediirften,  sondern  daB 
sie  von  einer  Sache,  welche  ist,  sagen  sollten,  wie  sie  ist,  und  von  dem, 
was  nicht  ist,  entsprechend  aussagen  sollten. 

§4. 
Wir  aber,  weil  wir  iiber  weltliche  Angelegenheiten  Qericht  halten, 

15  konnen  (den  Schwur)  bei  Prozessen  unter  den  Menschen  nicht  entbehren. 
Wir  befleiliigen  uns  aber,  soviel  wir  konnen,  die  Prozeliparteien  zu 
ermahnen,  daB  sie  moglichst  nicht  schworen,  sondern  sich  vergleichen 
und  nach  rectitudo  verfahren  (s.  I, IV).  Besonders  aber  raten  wir  dem- 
jenigen,    der    seinen   Nebenmenschen    verklagt    und    ihm    den   Eid    zu- 

20  schieben  will,  daB  er,  wenn  moglich,  davon  absehe  und  lieber  das  ihm 
zugefiigte  Unrecht  in  der  Hoffnung  auf  Gottes  Belohnung  ertrage.  Wenn 
er  aber  prozessieren  will,  halten  wir  ihn  nicht  davon  ab  (seinem  Gegner 
den  Eid  zuzuschieben). 

§5. 

25  Dem  Verklagten  konnen  wir  oftmals  nicht  befehlen,  das  Schworen 

zu  unterlassen,  weil  oft  etwas  von  ihm  gefordert  wird,  was  iiber  seine 
Kraft  geht,  oder  etwas,  wovon  er  keine  Ahnung  hat.  Trotzdem  raten 
wir  auch  ihm,  soviel  als  moglich,  nicht  zu  schworen.  Wenn  es  aber 
kein  anderes  Mittel  gibt,  versagen  wir   ihm  nicht  sein  Recht  (sondern 

30   lassen  ihn  schworen). 

§6- 

Wenn  jemand  einen  anderen  wegen  Geld  oder  einer  anderen  Sache 

verklagt,  und  eine  Urkunde  oder  glaubwijrdige  Zeugen  nicht  beibringen 

kann,   und   wenn    nun   der  ProzeB  auf  den  Eid  hinauslauft,   dann  kann 

35   der  Beklagte  schworen,   wenn  er  wilj;   wenn  er  es  aber  vorzieht,   kann 

er  dem  Klager  den  Eid  zuschieben  (Ebedjesu,  Tractatus  S.  243,  Kpl.  2). 

§7. 
Wenn  der  Verklagte  eingesteht:     Ich  habe  das  Geld  oder  das  und 
das  genommen,  habe  es  aber  zuriickgegeben,  dann  iiegt  dem  Klager 
40  der  Eid  ob  (Ebedjesu,  Tractatus  S.  244,  /(of.  /). 

§8. 

a)  Wenn  der  Klager  eine  giJltige  Urkunde  hat,  dagegen  der  Ver- 
klagte den  Besitz  der  Habe,  und  nun  die  Sache  zum  Schwur  kommt; 
wenn   der  Besitz  alter  ist  als  50  Jahre,  oder  er  (der  Verklagte)  ihn  von 

45  drei  Vorfahren  geerbt  hat,  dann  wird  dem  Besitzer  der  Eid  aufgegeben. 
Wenn  aber  der  Verklagte  die  Habe  noch  nicht  50  Jahre  besitzt  oder  noch 
nicht  von  drei  Vorfahren  geerbt  hat,  wird  demjenigen,  der  die  giiltige 
Urkunde  hat  (dem  Klager),  der  Eid  aufgegeben  (vgl.  VI,  IV  §  3). 

b)  Wenn  der  Verklagte  der  Besitzer  der  Habe  ist,  der  Klager  aber 
50  eine  anzweifelbare  Urkunde  und  Zeugen  hat,  dann  wird  dem  Verklagten 

der  Eid  aufgegeben  (Ebedjesu,   Tractatus  S.  244,  Kol.  I  und  Anm.). 


—       2<H)       — 

.U«^tt\  ^  a^A^Io   :  Xu*  ^«-v?   3w^2  K^3   ZjA/v-yn^^oe 
.UeoT  U«\M  Xm^iA  2x»aao  aj!^  ^s^  I^sa\.ft..^^e  ^3  2"v\.t 
;seA  ^v>TY)  w\«3  ^\d    li^tds  :  ia»2  ^    LiWynvia   laee    s 
2laa.i3  k»2  .^p  u\a\.d^^o  :  w.'^^JQ}2  ^«^s^^J^  Uo-  23^^ 
jj>\\.CtN   .^ooo.»    .>w^  2^aJ^OkM^J3oe   2\  \.Te   :  ^3^<.a2 

§  10.   e2  :  Ju\x»o  Jul^  l>\\ift\-j  :9ak»  Ju2  Tt^Tse  >do  .Uoor 
Ua^e  UV^oap  ZiijSftV,  el  :  l\\,  Z^?  .U.m   Jo   Z\Jo 
2oc7  oT^ou^p  eo73  2^.o■^■■.■aagpoo   Ij^^s^  ^  ou^p  :23eLjp  io 
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Jba.a.ji  iS  vfo  ->**  ^^»^o  >.*aaux  2^p  i^io  ^  y.^s-aap 
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X^2o  .^;saa  Jiaat  ^  >:ib2p  ^o  .>»^a.v!ia.q'  U2  wfint 
.w^OL^3ka0  ^2  Za2  Ja.a.xp  o;^  3i^2  .  9fiso>  I'a.ova  3a.^.a 
jA^aa.p  ^>3  \.^  ^  Uisbp  »3»e  .U2  wflju  I^  w.^aj.aauc!o  25 
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2^ea^auc7  \^^  pL^  ^p^  .^^^oaa^  ^**>3>,Tao  Z^  M>p  IxAi 
:  Xxo  o2  Okojo  o2  :  Ijntt.ia^t^  e2  ZauV  sXiI  p^  h>P  ol^o  .^ 
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\>^;saa^  ^  ^p«  L.^2p  ^2  .^\,aVy>'ae  o2  ^^oa  ^  aor  e2 

'   1.  32-  "   Zu  tiigen.  ^   Randnoti/   der  Hds.:    laso'    XjjCXo. 


30 


—     2111      — 

§9. 

a)  Wenn  ferner  der  Klager  spricht:  Icli  liabe  meine  Habe  gegen 
Gekl  diesem  Manne  verpfiindet  ,  der  Verklagte  aber  erklart;  Ich  habe 
sie  gekauft%   und   er   im  Besitz  der  Habe  ist,  aber  eine  Urkunde  oder 

5  (soiistiges)  Beweisriiittel  fiir  seine  Aussage  nicht  hat,  dann  liegt  dem  Besitzer 
der  Habe  der  Eid  ob. 

b)  Und  wenn  der  Klager  spricht:  Meine  Habe  x  habe  ich  diesem 
Manne  gegen  30  Estir  {Ebedjesii,  Tractafus:  50  Estir)  verpfandet, 
wiihrend   der  Verklagte  behaiiptet:     gegen   100  Estir     (Tractatns  fiilsch- 

10  licit  20  Estir).  aber  Urkunde  und  Bevveismittel  nicht  vorhanden  sind, 
dann  liegt  dem  Klager  der  Eid  ob  (Ebedjesn,   Tractatiis  S.  244,  Kol.  I). 

§  10  (s.  Anm.). 

a)  Wenn  jemand  einem  anderen  eine  Sache  als  Depositum  iibergibt, 
und  sie  gestohlen  wird  oder  einen  nicht  offensichtlichen  Schaden  leidet 

15  oder  von  der  Behorde  geraubt  wird  oder  verbrennt,  nicht  infolge  der 
Absicht  oder  der  Nachlassigkeit  des  Depositars, 

(Liicke:  fehlt  der  Nachsatz). 

b)  Wenn  aber  ein  offensichtlicher  Schade  iiber  die  Sache  gekommen 
ist,  und  zwar  infolge  der  Nachlassigkeit  des  Depositars  oder  seiner  Familie, 

20  dies  aber  nicht  durch  Zeugen  bcwiesen  werden  kann,  dann  liegt  der 
Eid  dem  Depositar  ob  (Ebedjesu,  Trachitus  S.  244,  Kol.  I). 

§  II- 

a)  Indem  wir  behaupten,  dali,  wenn  auch  die  Apostel  dasjenige, 
was  Unser  Herr  zu  seinen  Schijlern,  deren  Sinn  iiber  diese  Welt  eriiaben 

25  war,  sprach:  Wer  dich  zwingi  eine  Meile,  mit  dem  geh  zwei  (Matth.  5,41) 
und  Wer  mit  dir  prozessieren  und  deinen  Rock  nehmen  will,  dem  laB 
auch  deinen  Mantel  (Matth.  5,  40),  wegen  ihrer  Bediirfnislosigkeit  und 
im  Interesse  ihres  Heroldsamtes  ausgefiihrt  haben,  er  jedoch  dieseii  Be- 
fehl  ohne  irgendwelche  Unterscheidung  gegeben  hat,  so  behaupten  wir 

30  unsererseits  mit  Zuversicht,  ohne  mit  Unserem  Herrn  und  den  Worten  der 
Lehrer  und  Vater  (der  Kirche)  im  Widerspruch  zu  stehen,  dalS  Christus 
folgendes  gemeint  hat: 

Wer  dich   zwingt  unil  spricht:   ,Komm  mit  mir  eine  Meile  oder 
aber  lali   deinen  Ola u ben    fahren,  und  ich  lasse  dich  fahren',   zu  dem 

35  sprich:  ,lch  komme  mit  dir  auch  zwei  Meilen,  aber  meinen  QIauben 
lasse  ich  nicht'. 

Ferner:  Wer  zu  dir  spricht:  ,LaB  deinen  Rock  fahren  oder  sonst 
verleugne  deinen  Glauben',  zu  dem  sprich:  ,lch  lali  auch  meinen 
Mantel  fahren,  aber  meinen  Glauben  nicht'.- 

40  Ferner:     Wer    dich    auf   die    rechte   Backe  schlagt    wegen    des 

Glauben s,  dem  halte  auch  die  andere  hin. 

b)  Die  Richtigkeit  dieser  Ansicht  ersieht  man  deutlich  daraus,  dali 
Christus  spricht:  Fiirchtet  euch  nicht  vor  denen,  die  den  Leib  toten; 
aber  die  Seele  nicht  toten  konnen     (Matth.  10,28).     Wenn  also  jemand 

45  wegen  des  Glaubens  zu  dir  spricht,  nicht  aber,  wenn  ein  Dieb  oder  Spotter 
oder  Tor  oder  Schuft  zu  dir  eitel  redet:  Ich  zwinge  dich,  eine  Meile  mit 
mir  zu  kommen  oder  gib  mir  deinen  Rock  oder  deinen  Mantel  ,  wie 
solches  vorkommt,  soil  man  ihm  (gleich  das  Verlangte)  geben  (s.  Anm.). 


Canones 


von 


Simeon. 


—     205 


Inhaltsangabe 

zu  den 

Canones 

von 
Simeon. 

Seite 

Einleitung  des  Ubersetzers 208 

Einleitung  des  Verfassers  Simeon 210 

in  3  Kapitein : 
I.  Welche  Tendenz   die  Lehre  Jesu  Christi   hat  und  warum  er 
nicht  die  Entscheidung  von  Rechtsstreitigkeiten  gesetzlich  ge- 

regelt  hat " 212 

II.  Warum  wir  nicht  nach   dem  Gesetze  Mosis  Recht  sprechen     218 
111.  Woher  die  Qesetze,  welche  gegenwartig  in  der  Kirche  gelten, 

entnommen  worden  sind  und  entnommen  werden  ....    220 


15  Inhalt  der  XXil  Canones 

(hier  als  >;§  bezeichtiet). 

§  1.  Bel  Konkurrenz  von  Witwe  und  Bruder  erbt  die  Witwe  .    .    234 
§  2.  Die  verheiratete  Tochter  beerbt  ihren  Vater  nicht,  kann  aber 

von  ihm  ein  Legat  erhalten 236 

20     §  3.  Der  Erblasser  ist  verpflichtet,  seiner  Witwe  den  Lebensunterhalt 

und  die  Mittel  zur  Wieder\'erheiratung  zu  gewahren    .     .     .     238 
§  4.  Von  Giitergemeinschaft  und  Giitertrennung  unter  Eheleuten. 
Erbrecht  gemalJ  den  Bestimmungen  des  Ehevertrages,  jedoch 

unter  Beobachtung  von  §  3 238 

23     §  5  Wie  die  Erbteilung  ist,  wenn  der  Erblasser  hinterlalJt 

a)  eine  Witwe, 

b)  Schwiegertochter  mit  Kindem, 

c)  Schwiegertochter  ohne  Kinder, 

d)  verheiratete  Tochter. 

30  Vom  Erbrecht  der  kommorienten  Sohne 240 

§  6.  Der  Sohn  wird,  wenn  er  ohne  Hinterlassung  von  Frau  und 
Kindern  stirbt,  nicht  von  seinen  Brudern  beerbt,  sondern  von 
seinem  Vater 240 

§  7.  EinfluB  der  guterrechtlichen  Bestimmungen  des  Ehevertrages 
35  auf  das  Erbrecht. 

Eine  mit  ihrem  Gemahl  in  Giitergemeinschaft  lebende 
Frau  wird  von  ihrem  Gemahl  beerbt. 

Die  Sohne  einer  mit  dem  Vater  in  Giitergemeinschaft 
lebenden  Mutter  und  die  Sohne  einer  mit  dem  Vater  in  Guter- 
40  trennung  lebenden  Mutter  beerben  den  Vater  zu  gleichen  Teilen     240 


—    -jih;    — 

S«itc 

§    8.  Ein  Mann  hinterlalit  seine  Mutter  unci  Schwestern.    Er  wird 

von  seiner  Mutter  beerbt,  nicht  von  seinen  Schwestern    .    .    242 

§    9.  Die  erbendeWitwe  ist  nicht  verpfhchtet,  die  Oeschwister  ihres 

verstorbenen  Oatten  zu  unterstiitzen 242 

5  §  10.  Der  Vater  kann,  solange  er  iebt,  dem  Sohne  die  Herausgabe 
seines  Erbteils  verweigern,  ist  aber  verpfiichtet,  einen  (er- 
wachsenen,  aber)  erwerbsunfahigen  Sohn  aus  dem  ihm  zu- 

stehenden  Erbteil  zu  unterstiitzen 242 

§  11.  Will  der  Kleriker  eine  Sklavin  heiraten,  muB  er  ihr  dieFreiheit 

10  geben.     Ein  Skiave  kann  nicht  Kleriker  werden 242 

§  12.  Partus  sequifur  ventrem.     Unfreie  Sohne   erben  nicht  neben 

freien 244 

§  13.  Die  Tochter  erbt  die  Halfte  des  Erbteils  des  Sohnes,  jedoch, 

falls  sie  bediirftig  ist,  auch  etwas  mehr .    244 

15  §  14.  Die  Sohne  erben  zu  gleichen  Teilen,  auch  der  Erstgeborene 
erbt  nicht  mehr,  wohl  aber  der  Kriippel  unter  den  Sohnen, 

falls  er  bediirftig  ist 246 

§  15.  Wie  die  Erbteilung  ist,  wenn  ein  Mann 
a)  eine  verheiratete  Schwester, 
20  b)  seine  Mutter  und 

c)  Briider  hinterlaBt. 

Differierende  Bestimmungen 246 

§  16.  Der  Bruderssohn  schiieBt  den  Vatersbruder,  der  Sohnessohn 

den  Tochtersohn  oder  Bruder  von  der  Erbschaft  aus      .     .     248 
25  §17.  Der  Tochtersohn  schh'elU  den  Bruderssohn  von  der  Erbschaft  aus    248 
§  18.  Der  Sohn,  der  einer  anderen  Religion  angehort  als  der  Vater, 

beerbt  den  Vater  nicht 248 

§  19.  Die  Kinder  einer  zweiten  Frau  haben  kein  Erbrecht  gegen 

die  erste  Gemahlin  ihres  Vaters 248 

30   §  20.  Aufsicht  der  Kirche  iiber  die  Vormundschaft  fiir  Waisen  und 

Unmiindige 250 

§  21.  Ob  der  Vater  einen  TeiJ   seiner   Habe  seinem  Sohne  zum 

Eigentum  oder  nur  zum  NieBbrauch  iibergeben  habe  .  .  250 
§  22.  Die  Kinder  der  Sklavin  beerben  ihren  freien  Vater  nicht, 
35  wenn  er  Mutter,  Bruder  oder  Schwester  hinterlaBt  und  seine 
rechtmaBige  Gemahlin  nicht  mehr  Iebt,  konnen  aber,  wenn 
sie  erwerbsunfahig  sind,  ihren  Lebensunterhalt  ausdem  NachlaB 
beanspruchen     250 


20- 


Text  und  Ubersetzung. 


Verschiedene  Kapitel 
haufiger  Falle  kirchlicher  Rechtsprechung. 

VerfaBt  in  iibersichtlicher  Darstellung  von  dem  durch  apostolische  Ge- 

lehrsamkeit  beriihrnten  Mar  (d.  i.  Monsignore)  Simeon,  Bischof-Metro- 

polit  (d.  i.  Erzbischof)  von  Rew-Ardaschir. 

Obersetzt  aus  dem  Persischen  in  das  Aramaische  von  einem  der  fremden 
Briider  (Monche)  aus  dem   Katariier-Lande. 


Apologia,  gerichtet  an  denjenigen,  der  ihn  (den  Kataraer)  gebeten  hat, 
dies  Buch  aus  dem  Persischen  in  das  Syrische  zu  iibersetzen. 


2UH 


[Vorwort  des  Ubersetzers.] 

Dein  ehrenvoller  Auftrag  hat  mich  angeregt,  mich  mit  einer  Sache, 
die  iiber  mein  Konnen  hinausgeht,  zu  befassen,  o  reiner,  gottliebender 
Priester  und  Letirer  Mar  Simeon,  und  sehr  habe  ich  mich  wundern  miissen 

5  iiber  deinen,  die  Dinge  der  unsichtbaren  Welt  kiindenden  Wiilen,  daB 
du  eine  so  hohe  Meinung  von  mir  hegst.  Sn  oft  ich  aber  mit  einem 
Wissen,  dem  die  Obung  mangeit,  dieser  Aufgabe  zusteuere,  sehe  ich 
mich  gezwungen,  von  ihrer  Ausfiiiirung  ziiriickzustehen.  Fiirchte  ich 
doch,  ich  konnte  etwa  als  einer,  der  dem  ErguB  deiner  gottlichen  Liebe 

10  iiber  mich  ein  Unrecht  und  ihm  Abbruch  tut  (durch  eine  ungeniigende 
Leistung),  befunden  werden.  O  du,  dessen  tatenreiche  Frommigkeit  wie 
durch  eine  kostliche,  kunstvoll  mit  Edelsteinen  bcsctzte  Krone  geschmiickt 
und  dessen  Tugend  dadurch  verherrhcht  wird,  du  bist  durch  einen 
himmlischen,  frommen  Oedenkens  wiirdigen  Lebensvvandel  uns  der  Typus 

15  der  glorreichen,  auserwahlten  Manner,  der  heihgen  Viiter  unserer  Kirche, 
weiche  in  treffhcher  Weise  die  voni  Messias,  dem  Oberhirten,  ihnen  an- 
vertraute  Heerde  vernunftbegabter  Wesen  gehiitet  haben.  \'on  ihnen 
(den  Vatern  der  Kirche)  stammt  kraft  gotthcher  Weltordnung  durch  deine 
Vermitthing  das   natiiriiche  Gesetz  als  ein   herrliches  Los  (Erbteil)  her, 

20  indem  du  von  ihnen  neben  den  Gaben  der  Natur  auch  die  Gaben  des 
Willens  bekommen  hast  und  nach  allseitiger  Ubereinstimmung  als  ihr 
eifriger  und  glaubiger  Erbe  in  Kiirper  und  Geist  befunden  worden  bist. 
Bist  du  doch  in  ausgezeichneter,  vollkommener  Weise  mit  ihnen  verwandt, 
wie  es  den  Sinnen  und  dem  Geiste  wahrnehmbar  ist.    Dies  ist  in  Wahr- 

25  heit  eine  fruchtbare  Erbschaft,  daB  du  jetzt  mit  dem  Zepter(?)  aller 
Tugenden  in  der  Kirche  Gottes,  in  welcher  dich  der  Herr,  der  Geist  als 
ein  Geschenk  seiner  Gnade  wie  eine  im  Licht  ihrer  Strahlen  erglanzende 
Sonne  aufgestellt  hat,  deinen  Wiilen  verkiindest.  Die  dir  Nahestehenden 
erfreust  du  durch  haufige  Reden,  weiche  wie  geistige  Wesen  sind,  sowie 

30   durch  deinen  von  alien  erbetenen  Umgang,  und  die  Entfernten  begeisterst 

du  durch  das  Geriicht  deiner  GroBtaten  zur  Bewunderung.     Es  ist  an- 

gemessen,  daB  an  dich  das  Wort  des  Apostels  (Paulus)  gerichtet  werde: 

Denn  ihr  seid  ein  angeiiehmer  Duft  durch  den  Messias  fiir  Gott<   (v^l. 

11.  Korinther  2,  15). 

35  Ein  Beweis  alles  dessen(,   was   ich    hier   zu   deinem  Preise  gesagt 

habe,)  ist  dasjenige,  was  du  mir  neuerdings  angetan  hast.  Indem  du  eine 
Kundgebung  deiner  wahrhaftigen  und  vollkommenen  Liebe,  weiche  du 
neidlos  alien  zuteil  werden  laBt,  speziell  mit  Bezug  auf  mich  zur  Tat 
werden  lassen  wolltest,  hast  du  aus  der  Gesanitheit  vieler  Personcn,  weiche 

40   gebildeter  und  kundiger  sind  (als  ich),  durch  besondere  Gnade  mich  fiir 


209 


^    lie    13^.30   w>g'f>.n*\\3   9U»   l-^p    oci^   Loao    -M'\«lO    3 

.U!O0l  \a   ^P   1a2   .A>^  ^^2   iLfl   ^\aA\'3,jQ5o  ai\^    ^?o^? 
.1x1    A.\\*c  ^>.j^&^^p  I^ojiaause   lA   slx   :  2;^Ou3^  ^?^^?   >« 
9?p   ^3    i-*2   .\.  1  n    .t^2  I^^^v^  PI  .  \  »o„T   ^   ^li^jils 
.wmA^jlI  ^p2^p    l^oA^  ^Ok*.  ^.oa,.'^.T  A^  alao    *  •'^^  \^  \, 
lapcM  ::^2l\.  l^liio  ^J^»o  ^i^p  UIB  .tSu.^  ;sooopjp 
^ca'\\i«»Jvo3X.>aa  ova  L«oisj:»e  :  Il^^a  ^  A»  <yNcu.o*«  "ga 
^«cu2  2auM>3e  ul^   l3^  liiaeaA  ^oj.p  :  'i.tat  2'aao>3   u 
^ooAp  ^^V, Aao   I^Mt^a-'aN  ^Ucf  ouxap  ^a^o^   :  Ls^Sk^ 
Uiaa^^  LcxiaoA:]  ^  oe%i*ep  2:^0^3  33  I^.xaa  ^  xAbA^2 
3.:^   :  2isSx^^  ^\j>ao  ^.e^.^LJ3    Ix^Ap   '  no.'ia.i   ^\.to  t    A^ 
>o.^^Jc2o   .  iJi-o^p  M^c*  ^2   Lj.*dp  ^.^ajLOi  ^oop>»  is,\  ,tt.x 
2^0u»  pp    :  :  ;  Y>  .ovaao    '.y.^ai....*    2i<.3..«    .OL^aAjLa    ^oov^  20 
X^i  Ala  T  IB  :s..^o2  x^23X.i.20   iv.»oLA^^2pu3    .w..e3po    SA^p 
233kS3  cuN^2p  2por  .2x.a\a^jC)k3oo  2i\  .vTVaioo  ♦^eg'JSa\««.l3 
'li\^axD  i'^iL  AXL2l»  Io*   ^oipk^p   :  2:!w^pb^ioo  .^o<N3l^ 
l«.e3   Ua^ao  ^^  nsp  2oiA2p   c^p,.^  aA^s  ./3iv.k30   A^p 
p^   .^o-OlCU^«P   I«.»^3    iJUAS   ^0203^3   :  cr^on  .y,p    Li^oxj  25 
AA3  <;^'t.;A.o  .Lu.e3  ^2  ^coAaop  v>o Ou-i o^o  ^voouxd^ 
^^a  ^p  23C^A  ^Jl^^p  •-'\-'  ^p  ixu^sA  .du2  7no~>^ 

'  - '  s.  Anm. 
Sachau,  Syrisctae  Rcchtsbucher  III.  14 


—    -J  1(1    — 

die  Ausfiihrung  dieser  Aufgabe  auserwahlt.  Denn  du  hast  mich  auf- 
gefordert,  in  das  Aramaisclie  vielerlei  Dinge  zu  ijbersetzen,  die  von  einigen 
diirch  gottliciie  Oaben  ausgezeichneten  und  in  der  apostolischen  Lehre 
wohl  bewanderten  Miinnem  in  persisclier  Sprache  geschrieben  sind,  solche 
5  Sciiriften,  die  du  mir  dargereiciit  hast,  als  ich  in  deiner  Nahe  war.  Ob- 
wohl  nun  diese  Aufgabe  mir  sciiwer  erschien,  da  du  mir  rietest  einen 
neuen,  bisher  noch  nicht  betretenen  Weg  zu  beschreiten,  so  habe  ich 
dennoch,  da  mir  dein  hochgeschatzter  Auftrag  ehrenvoll  ist,  mit  aller 
Macht  deinen  segenspendenden  Vorschlag  angenommen,  um  ihn  zur  Tat 

10  werden  zu  iassen. 

Als  Vorwort  bemerke  ich  fiir  dich  und  jeden,  der  mit  wahrheits- 
hebendem  Wiiien  auf  diese  Blatter  stoBt,  daB  er,  falls  er  in  ihnen  nicht 
die  geordneten  und  schmuckreichen  Wendungen  des  klassischen  ara- 
maischen  Stils  antrifft,  nicht  dem  Ubersetzer  Vorwiirfe  machen,  sondern 

15  in  GiJte  bedenken  moge,  dal5  dies  durch  die  Kompliziertheit  der  persischen 
Sprache  verursacht  ist,  welche  sich  nicht  iiberall  leicht  dem  entsprechenden 
aramaischen  Ausdruck  anpassen  laBt.  Ich  werde  mir  nach  Kraften  Miihe 
geben,  daB  der  Sinn  jedes  Satzes  ausgedriickt  werde,  wie  es  sich  gebuhrt, 
ohne  daB  der  Sinn  der  Rede  alteriert  wird.    Ich  beabsichtige  dem  Sinne 

20  nach  (wdrt/ic/i :  modo  cogitationis)  zu  iibersetzen.  Wo  ich  aber  durch 
die  Eigenart  des  Ausdrucks  selbst  gezwungen  bin  ihn  zu  erklaren,  moge 
das  ungeordnete  Wortgefiige  der  Armut  der  Sprache,  nicht  der  Un- 
wissenheit  des  Obersetzers  zur  Last  gelegt  werden. 

Es  ist  nun  an  der  Zeit,  daB  ich,  indem  ich  im  Vertrauen  aaf  die 

25  Oebete  meiner  Briider  und  Gefahrten  mit  der  Arbeit  selbst  beginne,  zur 
Starkung  meines  schwachen  Vermogens  die  himmlische  Kraft  des  ewigen 
Lehrers  anrufe,  der  gewohnt  ist  seine  Kraft  in  den  Schwachen  zum  Sieg 
zu  fijhren,  damit  er  mir  aus  dem  Schatze  seiner  unermeBlichen  Weisheit 
das  Dammerlicht  des  Sinnes  (der  Satze)  darreiche  (d.  h.  mich  es  erkennen 

30  lasse),  und  damit  so  dies  Werk  durch  mich  vollendet  werde,  entsprechend 
dem  Wunsche  euerer  in   alien  gottlichen  Dingen  vollkommenen  Liebe. 


Anfang  der  Schrift 

Entschuldigung  des  Verfassers  (Simeon),  gerichtet  an  denjenigen, 
der  ihn  um  die  Abfassung  dieses  Buches  ersucht  hatte. 


35  [Einleitung  des  Verfassers.] 

Die  Fragen,  betreffend  die  kirchliche  Rechtspraxis,  welche  deine 
Heiligkeit  mir  durch  Brief  mitgeteilt  hat, 

warum  Unser  Herr  die   (in   unserer  kirchlichen  Praxis  geltenden 
Gesetze)  uns  nicht  durch  seine  eigene  Gesetzgebung  verliehen  hat, 
40  warum  wir  nicht  nach  dem  Gesetze  Mosis  Recht  sprechen. 


—     211     — 

au^s^l  ^oiXa  xA^crp  <^ou»d^e  :  2o;^l^  ^...t'o'i  l-g.o.n  auA. 
caksp  l^pooap  :s.o^  a^?  .  Ua*  Uo^a  •sxnjo  w.32^3  2po7 
:  .T.v.\  a  J^a^  A  .  \ji  a..o.^  ^??  o°T  :  23u...MlV  ^oumS 
.w.32^3  r*^^?  ^9  «^ft«^.»M^'3  :  lAakXftoa  ^o^P  >*o^ad>«.a3JS 
;sai..%^3  ..^»da^o  v^pa  a^^d^p  .2xlXio  Z^eJa^p  2a\  ^ao 
:  x.\  ua:sMC>^2  .Uxxouo  lio-p  o;^»ajc^  >.^^>sa5  «^^^alM^ 
u.3^.1^  lJ;i>A  ^^x.l^o2  UjoLS  ;j.jiAjp  l.jOu-a..c?  Ls'xx^p 
a^a  ^  ^<.\.xe2p  ^o^ai  :  U^*^i  U^VNoo  ^'abd.;»Owo  ^n«o;^I3 
^aP  U2  .Li»a2  luc^  ^ail  \3.w.2  .^.^oor  m.^^2  «^;soL3uaA3 
l^e  2^3^.  l\«nTTp  »»'>2  2^03^  -Aa^  ;^A£xX^2  A^  a^ 
.!•».. .3  ^aojOL^  >Ax  ■i>.tt.>-i  71  aa  .Ipa^a^  ^i^.aAao  lx>33 
w.o7a.a,aX2p  Uo7  Us^oao  ^jcs^^^  ^AolO  Z.3.*ft\.  a^\jxj 
li^l  \^o  ^  U2  ^poao  3la  %ii  pio>ao  .la'a^ojcxs  ^p<7^ 
soo^a  y>.>.Ti3  ^2p  :  la'hs.  ^ajs  X^  I'^ijt  TL^a  ]j.o^p 
.Uao32p  l.Q.a'w  Ij.x^p  i^^o  2;\o9-»3>>'«  ^^i.'xt  l^?  %\jao 
:s\^  ^p  Isou^  ASu,  Z^2  .;\\-t.'ia\  OLXd.3.3  .^ea^^  1.^ 
«^ea.\ao  >^m  l^p  :  2po7  Z:ca.\  L.jQ>3k^  Ux^p  or^aXdSuajtf 
..\.*V...^2  U2  ..*>Tao3  ,lMLa  ^p  U2  .^^^32  Us^p  LClsoA^ 
Ul^jcao  Z^aa  .UdJV.3a  aJsLs  ;auo^^.^p  :  73U»^p  ;.ii.r\>23 
.;Sd.ijidi^3  >d.g^a.>5a.jo2p  U2  jcxaoor  .l\aop  ^^o^aokjcsp  ZJUi 
Z^  ^^J^^^  .y<rft..en32p  li2  2^ivao  la.a.\y3  ajs?  ^p  Z2u.2 
oT^.X3w.  Z^  2oc'  Z^e  ZuL^p  <7r;saaM.3^^  z\aop  ^son>>\,Y> 
vo^'^ci'^ep  ZA^aoCsj  a^p  \.»3.ao  ^^  oo'  Zj>3*  .Zt\"t'aop 
2xo2  .23s3Laa  013  Z:i2  2a2ao  m1«j^  ^aJ^o  m.m.2p  Vec<;saaaL30  23 
:  Z^J3oe>^  IvA^as  eorp  :  Z^.aft-t  zA.^  w.^a\**^p  zA^Z^ 
2v\  >^  <i*^  \..tn  ip  zA^M.aau3  g;.^*.^  M^j-ao  >.a..aap  ec? 
3Lai\>j p  z\aojC3p  23007^3  Z\^*  :  2^„aa3pioo  Z^  a7^^aak>.p 
.^\«oAZ3  2S>.'»aV  ^ou.p  c7X^Zjc  ^2  Zia^ouo  Z.Acr  ^x>Z^ 
ovi.»  Z->.3p  007  fr.o^  Zooaj  bH  '3>'a  Z^^^p  0^\«p  Z^souS  30 
Zjlap  2>kOu3^  i\^  <y^o]t,.3>.fi3  ^or  .^^u^.ao  ^o70u.>3Laap 

I.  aao2;^^3.  -  1.  .oc<^,aLaao. 


20 


—     212     — 

aus  welcher  Quelle  wir  die  iinter  uns  iibliche  Rechtsiiberlieferung 
bekommen  haben, 

unci  wie  einige  besondere  Rechtsfragen  in  unserer  Praxis  behandelt 
zu  vverden  pfjegen, 
5  diese  Fragen  beantworte  ich  dir  nach  bestem  Wissen  mit  Hilfe  der 

Giite  Gottes. 


I.  Kapitel. 

Welche  Tendenz  die   Lehre  Unseres  Herrn  (Jesu  Christi) 
hat  und  warum  er  nicht  die  Entscheidung  von  Rechtsstreitig- 
10  keiten  gesetzlich  geregelt  hat. 

Die  Tendenz  der  Lehre  Unseres  Herrn  geht  iiber  das  Treiben  des 
irdischen  Lebens  sowie  iiber  alle  Handlungen  eines  tugendhaften  Lebens- 
wandels  weit  hinaus.  Jedermann  sieht  ein,  auch  ohne  unsere  Darlegung 
zu  kennen,  daB  es  nicht  seine  Absicht  gevvesen  ist,  durch  seine  Gesetz- 

15  gebung  die  Menschheit  die  Regeln  des  leiblichen  Daseins  zu  lehren,  noch 
auch  dal5  er  (in  derselben)  die  Taten  des  biirgerlichen  Lebens  als  gut 
Oder  schlecht  bewertet  hat,  sondern  dal5  es  sein  Befehl  ist:  der  Mensch 
solle  zuerst  seine  Absicht  (wdrtlich:  den  Willeii  der  Seele)  heiligen  und 
lautern. 

20  Auf   dieser  Grundlage   hat  er  seinen  Canon  von  Siinde  und  Ge- 

rechtigkeit  aufgebaut,  indem  er  z.  B.  nicht  den  Ehebruch,  sondern 
schon  die  Absicht  des  Ehebruchs  verdammte.  Wer  also  ein  Weib  be- 
trachtet,  wie  urn  sie  zu  begehren,  hat  bereits  in  seinem  Herzen  mit  ihr 
Ehebruch  getrieben  (Matth.  5,  28).    Und  anstatt  der  Tat  des  Mordes  ver- 

25  dammte  er  bereits  die  Absicht.  Jeder  daher,  der  in  Ha(5  und  Feindschaft 
ohne  Grund  seinem  Bruder  ziirnt,  ist  schuldig  (Matth.  5,  22).  Und  anstatt 
des  Meineides  verbietet  er  (wdrtlich:  e  medio  sustulit)  schon  die  Absicht 
des  Meineides  in  folgenden  Worten :  Ihr  habt  gehort,  daB  von  den  Vor- 
fahren  gesagt  worden  ist,  du  sollst  nicht  falsch  schworen  usw.  (Matth.  5,33). 

30  Durch  diese  und  andere  Worte  lehrte  Unser  Herr,  daB  es  ihm  nicht 
allein  daran  gelegen  ist,  die  Glieder  unseres  Leibes  von  alien  siindhaften 
Handlungen  und  Vcrrichtungen  des  Gotzendienstes  frei  und  rein  zu 
machen,  sondern  daB  wir  uns  ganz  besonders  bemuhen  soUen,  die  Seele 
von  der  Neigung  zum  Bosen  zu  reinigen,  sintemal  sie  (die  Seele)  der 

35  wichtigste  und  hervorragendste  Teil  des  Menschen  ist.  Und  well  die 
Tendenz  des  Heilsplanes  Unseres  Herrn  nicht  darin  besteht,  uns  ein  zeit- 
weiliges,  vergangliches  Leben  zu  bescheren,  deshalb  erscheint  auch  seine 
Lehre  als  eine  solche,  die  iiber  leibliche  und  sichtbare  Dinge  weit  hin- 
ausgeht. 

40  Daher  war  es  der  Erhabenheit  der  wunderbaren  gottlichen  Welt- 

regierung  nicht  angemessen,  daB  er  (Unser  Herr)  Gesetze  geben  sollte  iiber 
Handel  und  Verkehr,  wie  sie  fiir  das  Bestehen  des  irdischen  Lebenswandels 
niitzlich  sind.  Denn  wie  sollte  iiber  Prozesse,  iiber  irdischeGiiter  und  Schatze 
derjenige  Anweisung  geben,  der  da  befiehlt,  daB  wir  unser  Denken  iiber 

45  alien  Tand  (?)  des  sichtbaren  Lebens  erhaben  sein  lassen  und  ausschlieBlich 

den  himmlischen  Lebenswandel  nachahnien,  nur  an  ihn  denken  und  auf 

ihn  unsere  Gedanken  richten  soUen!  Sagt  doch  der  Evangelist  (Matth.  6,  2): 

Denn  wo  euer  Schatz  ist,  dort  ist  auch  euer  Herz.      Gedanken  wie  die 

folgenden:    Wenn  einerdeinen  Rock  nimmt,  dem  laBauch  deinen  Mantel 

50  (Matth.  5,40);  Wenn  dich  jemand  auf  deine  rechte  Backe  schlagt,  dem 
wende  auch  die  andere  zu  (Matth.  5,39);  Steht  nicht  wider  das  Bose, 
sondern  gebt  Raum  dem  Zorne  (das.  und  Romer  12,  19);  Verkauft  eure 
Habe  und  gebt  Almosen     (Luc.  12,33),  solche  Gedanken  sind  geradezu 


—     21 H     — 

,7i«jQ»3  ^^2  a\s2  I^  ^MO  Ij^  \\^P  .w.^  Xaass  Z«i';sx^ 
Ixoiop  iJCsoada  Jap  loc'  l^p  2;\\^  ^a^  l^lo  .^ajiLstoaM 
ijLp?  i>ajJao\x.io  Ipor  ^.t^aa  jOw.2  ^»3o  :  XjL?  ^v.>-i.V 
2x>^>3  U2^2p  -li-opa  U'3m.2  3e^  la'^x  \^o  .^^oA  jL.sSp 
liSpoL^a  lA^Ae  o.x^au.  Ic^aaL^p  laa:^  .^3^ioCx»  ^auw«k2  s 
UiJO  13U&  U«23   LiMxd   Ixh  .^  iA2  ,3^^  i^aj!^l  2;soau^p 

^ae  w.^k^»  ^3^303  or^ftv'V.V.'ws  \j^ci  is^ia  .Iilss  ZAjg»^ 

\      .  .  ... 

Idv^eo7p  U'k^ouo  ♦^eo;\.a  ^o  :  Xioi  ,l.aa.\.^3  TLaep  ^ 
^2  :^0L\ak33  .w.\ao  Tip^Ja  ^2  .  >X3.\3>^  w.oi  lA\  :^\o3Xi.»3  io 
fxYiVtiaN  ojJS  ;s^»Miv2  Vi'slXS  2'aoop  Z^  u.goubaaaA  Ti.joa 
..Aje)2  e2  xeu  2iCxA2  ^xos^p  U'aL^euojA  z\^2  .ZsjLjji^ 
wdp4  iJcAis  Li«3^  007  ;9ai..t)a^p  o;^  ^3lAj:  Xj^ui  xSl 
li\t\*»p  ljK..d30LM  7XJC3  w^croX^o  ■a.^.a>  laNo  <>,T>.n.'tt.\ 
■Ajd2  2^o3uA  3  Z.A«3^^  o^  23a\  .^**  3,.a  .^\a£U3f3e  is 
cr3\  23w..:»  .ouXyip  ^l  2:s>ws2  2%.Ma3    a.^   ^\a    .Itt^e 

2^1  \  IBX30    .  lA.,30V^    7  \  y  n  3    1.1 3..Jk,OUO    i^\u»0     .Crt.3,A.3 

eo"  A.«^ao    .1CU2  ^a^o^l  \x  A,3a3    va&\:^    .2^oaL33^\.i^e 
.«.^.x  :2^0l^.V  3  3  ls*iS  oj^  2^.\V  3  2^.aoa»  >^\«.o  .;j^>^ 
.X.*jiopjaS  3^2£\23  :aL^    >  e^-bt^ax   .3^23    ^a%3   li^S^^ie  ^  20 
.•jx^iso  xodp  2^»»A '3^.23  X^yji  '>\x  «^doooiua  \\p^    l^p 
li'3A.ojo  voac    .3ft^^3  2oo-   Z.^3  ^  locn  .^VA.ao   ^^0)^.33 
o.JAi>.S»'o„\  ^^2a   2^,.\.,«.3   ?  >  ..No  *^3  ^vJ^^aoLS^o   2*3....^^ 
ZjAi?  6;A.x  ^^23u.^^3  Z^2  -vS^X^  ^:30  3oi  ^  ft\,y,-t'o\e 
^^daa2  .2^>x^a^  l±u  li^^  ^^  cr^oua^M^^  :  ^  Aa2^3  JOpi  25 
lxu3  >N.yY)o  .ixk3o3  2;s3N.>^e  2:!s.oc3  i^jjaa  o^^^2  ^.073 
;1!m  a  ^^ae  3«lXi3  2ear   I107  oA   :  v^><^?  aiCsa^^apjaap 
•*\jop  U%>*ii^ie  ot^oljJSAm  id2  23cr  \.^  :  1j^3^j:»o  2*3001^ 
Uld  l^  .  K^oA,3oo  .2:\.a^»M^^o  2i>vw>i'3kVd  2£vol3^  ^  lAvra 
71.JCV13  :  ^o;^2e  2^0:^^^  2:soa3w33wa0  y.or3  2;sok33A  Isoai  30 
Ucrp  laow^ouO^p  ^91  :  Z^iooo  3t,id.^3  2;^a3^  \:y.  1  cr>ftaat 

>  I.  :aL^.  '  I.  u^? 


unvereinbar  damit,  dali  er  Oesetze  geben  sollte  ijber  die  iiblichen  Prozesse, 
z.  B.  iiber  Fraijen  wie  die  foljjjciuicn: 

Weiin  cin  Mann  otine  Hintcrlassiniji;  von  Frau  und  Kindern  stirbt, 
weni  geiuirt  sein  NaclilaB?  (5.  ^'j'"  6). 

5  Soil   die  Habe  cles   (verstnrbeneii)  Vaters  zu  gieichen  Teiien  iiber 

seine  Soiiiic  und  Tiichter  verteiit  werden  oder  sollen  die  Sohne  gegeniiber 
den  Toclitern  bevorzugt  werden?  (5.  ^  13). 

Seiien  wir  docii  aus  dem  Oesetze  Mosis,  ais  er  Regein  des  irdischen 
und   weltliciien   Verhaltens   denen,    fiir   die  es   bestimmt   war,   iibergab, 

10  daB  er  das  Qerichtswesen  als  etwas  Niedriges  ansah.  Wer  aber  genau 
wissen  will,  warum  Unser  Herr  nicht  ein  Gesetz  iiber  Handel  und  Ver- 
kelir  gegeben  iiat,  kann  dies  leicht  aus  seinen  Taten  erkennen.  Unser  Herr 
und  Erioser  kiinituLTte  sich  niclit  uni  die  Mittel  und  Wege,  Hab  und  Gut 
zu  erwerben,  sondcrn  was  er  wollte,  war:  die  Menschen  Volikonimenheit 

15  der  Gerechtigkeit  und  eines  rechtcn  Lebenswandcls  lehren,  dagegen  alies 
Unrecht,  Unterdrtickung,  Streit,  Liigc  und  ahniiches  aus  ilirer  Mitte  ent- 
fernen.  Und  da  er  kraft  seiner  goftlichen  Priiszienz  wu(5te,  dafi,  wenn 
nur  Liebe  ini  Menschen  ist,  sie  gcniigt,  uui  alien  Hal5,  Unrecht  und  Liige 
zu   vertilgen,  deshalb   fordert  er  uns  zur  Liebe  und  Eintracht  inehr  als 

20  zu  allem  anderen  auf  und  ermahnt  uns  dazu,  da  er  wuBte,  dal5  er  fiir 
uns  wie  das  Salz  ist,  durch  welches  alle  Faulnis  der  Siinden  aus  unserm 
Herzen  entfernt  und  der  Mensch  von  allem  Schniutz  der  Leidenschaften 
und  schnoder  Begierden  gereinigt  wird,  so  daB  er  fiir  den  Dienst  seines 
Oottes  geeignet  und  fiir  jedes  gute  Werk  vorbereitet  wird. 

25  Weil  nun  ferner  Unser  Herr  wuI5te,  daB  nach  Vollendung  seines 

irdischen  Daseins  und  seiner  Himmelfahrt  seine  Glaubigen  noch  eine 
lange  Zeit  in  dieser  Welt  wohnen  bleiben  wiirden,  und  sehr  wohl  einsah, 
daB  wir  Menschen,  da  wir  sterblich  sind  und  eben  wie  Menschen  uns 
benehmen,  nicht  ohne  Stolpern,  nicht  ohne  viclfache  Verwicklungen  und 

30  Reizungen  unser  irdisches  Leben  fiihren  konnen,  deshalb  hat  er  uns  in 
seinem  Evangelium  zur  Rechtleitung  und  Ordnung  unseres  irdischen 
Lebenslaufes  wunderbare  Gesetze  und  eine  solche  Unterweisung  gegeben, 
die  fiir  uns  geeignet  ist,  uns  nicht  vom  himmlischen  Lebenswandel  zuriick- 
halt,  sondern  im  Gegenteil  uns  dazu  hilft  und  fordert. 

35  Diese  seine  Regein  passen  nicht  fiir  das  Volk,  sondern  ganz  be- 

sonders  sind  sie  passend  oder  niitzlich  fiir  die  Leiter  der  Kirche,  und 
ihnen  iibergibt  er  (Unser  Herr)  die  Handhabung  derselben.  Eine  solche 
Bestimmung  ist  z.  B.  folgende  (Matth.  18,  15):  Wenn  dein  Bruder  fehit 
gegen  dich,  so  stell'  ihn  zur  Rede  nur  unter  euch  beiden.     Der  Ausdruck 

40  steir  ihn  zurRede  wendet  sich  an  irgendeinePersonausder  Allgemeinheit, 
wer  es  auch  sei,  ohne  irgendwelche  Unterscheidung.  Dagegen  der  etwas 
spater  folgende  Ausdruck  damit  er  dir  sei  wie  ein  ZoUner  und  wie  ein 
HeidC"  (Matth.  18,  17)  ist  an  den  Leiter  der  Kirche  gerichtet.  Ihm  ver- 
traut  er  (Unser  Herr)  die  Rechtleitung  der  Kirche  an,  da  er  wuBte,  daB 

45  eine  solche  Aufgabe  nicht  allein  den  hinuulischen  Lebenswandel  nicht 
behindert,  sondern  in  hervorragender  Weise  zur  Volikonimenheit  der 
Gerechtigkeit  anieitet. 

Dagegen  hat  es  Unserem  Herrn  nicht  gefallen,  schriftliche  Oesetze 
den  Teilnehmern  an  dem  Sakrament  seiner  Lehre  zu  iibergeben  fiir  die 

50  Entscheidung  der  Frage,  wie  Prozesse  iiber  Geldeswert  und  Streitigkeiten, 
die  iiber  irdischen  Besitz  angeregt  und  verhandelt  zu  werden  pflegen, 
geleitet  und  entschieden  werden  sollen,  damit  nicht  dadurch  seine  Lehre 
zu  einem  Gegenstiick  gegen  seine  Person  und  gegen  das  Leiden  seines 
Heilsberufes  werde,  indem  er  (Unser  Herr),  der  uns  bestandig  lehrt,  die 

55  Liebe  zur  sichtbaren  Welt  von  uns  zu  werfen  und  nur  an  den  hiiumlischen 
Dingen  den  Blick  unserer  Seele  haften  zu  lassen,  dann  wiederum  im 
Zusanuuenhang  seiner  vollkonuiienen,  lebenspendenden  Lehre  Regein 
aufstellen   wiirde   iiber  Streitigkeiten   unei  Prozesse   iiber   die  Habe  von 


—      21  :i      — 
\^  Loo-   A\ao   T,\i%.2  S.A    ^1  .waou^.  I^o^ou-^p   la^jop 

oise   .2&aaae  .frtt'\,\,i    Ij^^ojil  I'ksepiJ  pcuAje  :  l\.»«^.5o 
oux^Ip  3uA.   ;^>«Ip  -^^  9^?  U2w.2  u.^^3  auol^^e  \o30u    3 
oA  iSl  l.t  y.*!  o2  . .^ft  >  n  ^  k^2  leo^i^  ^iS  .  ♦.ft^S.aoL  ,.n 

23^2  as?-  1^2  .  1JU3  >\TineA  >a»oue;\  l^o  .L&au»2  ^2  9l^ 
.Ti.Okis  m6^  ^x^'s*  009*0  vO,%\.vn  003*3  ^o-e  .2«\,oi^  io 
2kaA.  3  lii.vd3o  .CxX^aoa  o«oc'p  lj,Jx«.e  1^3  \^  ?  no'oi 
Loase  .9'^o^3l.  'jap*  ij^iA  :  Luae  2;sX:i2  oi^  ;s^  x^ 
L.U  e2  .a\\'\Yi\  ^p<  ^.^L-ou:  .^^00*0^323  l.ii..i..b  liJLspo 
Lxojxp  iJun  'a  \j  ^23  .j^-tui  xA  2^  .3^^^  lisJLao  ^is^ 
.2ec  aSfffl  w^oaAt  nia^  ;  .\aa\\,o  la^'32  2'k30  3  jl^  3^  is 
1^2  .lii'Pp  2^oa^  cu^wl23  209*  jlSm  A'V.T'ias  2^oa^  sxa 
:  moYii  >  &»  rues  A  Uaa\\.ao3  :^^2i^XM  >x>aaA  l3^3  ^ 

230^    PT.*V  \l-A3    ClA    Ja>3;.^    .J^^.»e     l.-3.0,.'t93     lJ^3    «X^ 

^0ufiU3*3  2^o^.'w\,3   1^2  .c.^  200*  \.yn   uA-oe   Ijckaas  20 
•nNftxe  l.aoo.\\.  vA^ao  .lxilj.3^  A\:i  2'au.3a  2*300330 
scA^to  3o3.\j   :  ^o;^  -^??  <-Am2o  2^qA\  3o   Li^3u»e 
^N.'nSb  aao  2Xx3uo  20?^  .xa.^.^p  i\  \,tBe   .  Lac.v^vo  ^^.^3   ^^ 
2'v't'nN  .n'V..<5   .julo  w>^^oLl   ^jo   loou.  >  23    :  c;so0lJS23 
\x  2>^0l\\  3e  l<>»a^J^o  2^,lJJC^  a%^  Zox^m  .^   s^^.taNo  25 
.A  3o-«^o  2iv3^  'taVTo  laOkM  \x  a>ta\?>  ..»  Sl^.^.  23ot 
2^AAioo  9133  :  L..\»  Xao>3  a  ^cto^.*2  00^3  209*  >X3,w^3  l^oal 
1x130^300X^0  '1^3k»e  .>  xjf^  ^  2^  .\.:?  2XOU.3JO  aj\A 
*^a%^  209*3  Njooo  2x'3uJXs  2xAA|3o    lJr^3  2>>e2^  d\s>  ^ 
>cd>3l'»3  \\,xe    --si^  30l^  \^  o..\ v>e   .<r'y.iep   l.»3:eu~^   % 
l.iatNs  c-jsjgjo.'sao  ■vq.tbs  9';sokA3.33M3   :Av>ftT  3^03  209* 

1  s.  Anm.  -  I.  la3^oo. 


—      21(1     — 

Mann  und  Fran,  Bruder  und  Schwester,  Snhn  uiul  Tochter.  Solche 
Retjeln  waren  diircliaiis  nicht  anjjemessen  seiner  wunderbaren,  gottlichen 
Lehre  nncli  audi  der  Erhabenheit  der  kiinftigen  Welt,  welche,  wie  er, 
unser  Erloser,  iins  lehrt,  frei  sein  soil  von  Schmerz  und  Leid,  von  Be- 
5  gierden,  von  Bediirfnis  und  von  der  Plage  dieser  verganglichen  Welt. 
Wie  wiirde  doch  die  Lehre  Unseres  Herrn,  der  da  rief:  Bekehret  euch, 
das  Himmelreich  ist  nahe  (Matth.  3,2),  herabgesetzt  und  erniedrigt 
werden,  vvenn  er  sprache:  Wenn  ein  Mann  ohne  Hinterlassung  von 
Frau  und  Kindern  stirbt,  soil  seine  Habe  seinen  Briidern  und  Schwestern 

10  oder  seinem  altesten  Bruder  gegeben  werden  {vf^/.  §  6).  Oder  wie  ware 
Platz  gewesen  fiir  ein  Wort  wie:  llir  snllt  nicht  Gold  noch  Silber  er- 
werbcn  (Matth.  10,  9)  neben  einer  Bestimmung  wie  der  folgenden:  Die 
Habe  eines  Bruders,  dessen  Mutter  noch  lebt,  soil  als  Erbschaft  seiner 
Mutter  zufallen,  nicht  seinem  Bruder     (vgl.  §  15). 

15  Aus  dem  Aiigefiihrten  konnen   verstandige  Menischen  leicht  ent- 

nehmen,  daB,  wenn  ein  solches  Verfahren  beobachtet  worden  ware,  es 
uiiwiiriiige  Dinge  an  die  Gesetze  Unseres  Herrn  angchangt  haben  wiirde. 
Wer  Lust  hat,  kann  vielfache  Beweise  hierfiir  aus  dem  Evangelium  ent- 
nehmen  und  kann  dariiber  disserieren  und  die  Stellen  miteinander  ver- 

20  gleichen  nach  Herzenslust  in  ausfiihrlicher  Darstellung.  Mir  aber  will 
scheinen,  dafi  das  hier  Gesagte  geniigt,  wenn  es  auch  nur  eine  kurze 
Darlegung  ist,  nicht  nur,  damit  die  Darstellung  nicht  langlich  werde, 
sondern  auch  well  ich  weiB,  daB  deine  Weisheit  imstande  ist,  indeni  du 
leicht   die  Substanz   der  Sache  aus  unserer  Darlegung  entnimmst,   auch 

25  dasjenige,  was  wir  hier  nicht  geschrieben  haben,  leicht  zu  erfassen. 


—     217     — 

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^avSkV^e  lauioi\   l-ooooa   •^•sp  ^-^m^P   IL^crs   ,^«*>  'v  \"'o    3 
AaonNp  1^2  .^LiaT  2'3aep  op  ^  l^ou^^jao   zAo   I.aauAp 
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.^^dau^^  ^^?^?  li'aapkXL^  ^.d.2i^X^   1^2  ^^la.'A   l3.^a.Q^  2ea- 
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&^««.>\2  Z^  .  ^oS^Juo  ^oAaa^ivip  jop^  l:o^2p  .^Lxwtj  ;s.i^ 
.oiv^Nft^p  2^32  ..ii,-i  ^  ^\JIU^.Ou^  fx.ia.\  t.'o.N  :  X^l^p  a)JS 
IxJ^e  .ogaooinN  'Aaa-nAp  c^g-j-^Vjo  l.a>..ao  loa^is,  lAp  2a 
2p,xie  \Aip  ^  200*  A\aa  ^3«\o^  p^ap   .c7^0Ljaopb.»p 
llaft.T.np  ^cr  ;solA  pg^Aae   .^9umS»p  ^crp  ^oa^.a   joo 
ptNo.v  A\ao  ^-Xg5a.n   n  .  o.i   «^ou^op  ^x-Aup  230u.  :s-aa 
230^1  p  li^LOp  Ij^pe  U«'3u»  >\a.p  1^00  lUM^^Aaeo  ^x^ws^y 
Xm3  Joer  yy\','\  l^p  m^ot  2^3ae  2X30  2;smO  Ui2o   .2^^ji2e  23 
ec?p  2^«ol33w^o   .'^o;^2e  2;so^.>ao^.  2^»av^V»  ^.o^  ^«  ^ 
^oiXaoo  3X.O0P  .  ^eiB  oc  .A^2  ^.cToA^p  ^^is.xp   laa\a. 
laa\v  l^a^p  •xi«.xo  2^ft.n.v.f3e  .2iNJS^V3e  Zx^o  Is;^  ^ 
U^^^t^ioe  ^o3b^^o  2^>ft\..T  232  23^1^  xA,    ^2  .Ud.3^JUo 
a;^  X3a^  ol3o«s->  .'^Jiolo  l^p  oir  .\  3^3  o7«soaA\»  i^otr   30 
^oada   3o  23ol\  p   .2ocr   3w:)b2  2pc     1A2    Loa^p   2^o  >  \ao 

'  I.  0A2. 


•_>is 


II.  Kapitel. 

(5.  Anm.) 
Warum  wir  nicht  nach  dem  Qesetze  Mosis  Recht  sprcchen. 

Die  Antwort  aiif  die  Frage  deiner  Heiligi<eit,  warum  wir  nicht  nach 

5  dem  Oesetze  Mosis  Recht  sprechen,  ergibt  sich  leicht  aus  dem  Folgenden. 
Die  ganze  Tendenz  des  mosaischen  Gesetzes  geht  darauf  hinaus,  die 
Menschen  zu  der  Erwartung  der  Ankunft  des  Messias  anzuleiten  und 
zu  erziehen.  Es  sind  viele  Oesetze  und  Verordnungen  darin  gegeben, 
welche  nicht  fiir  die  ganze  Menschheit  und   nicht  fiir  jedes 

10  Zeitalter,  sondern  ausschheBlich  fiir  die  Zeit  des  Moses  und  das 
Voii<  des  Moses  geeignet  wareii. 

Wenn  jemand  meint,  daB  ich  init  dieser  meiner  Ansicht  im  Unrecht 
bin,  wie  wird  er  es  dann  ais  einen  Akt  der  Gerechtigkeit  Gottes  auf- 
fassen    konnen,   daB  Gott  alle   iibrigen  Menschen   der  Welt  sich   seibst 

15  iiberlaBt  und  nur  dies  eine  Volk  erwahlt,  nur  urn  dies  eine  sich  kijmmert 
und  ihm  Gesetze  und  Verordnungen  gibt,  an  die  sie  sich  gewohnen 
soJIen,  dagegen  alien  iibrigen  Volkern  keinerlei  Gesetz  iiber  Fragen  des 
Mein  und  Dein  gibt?  —  Wenn  die  mosaischen  Gesetze  fiir  die  ganze 
Menschheit  geeignet  waren,  miiBten  es  Gesetze  und  Verordnungen  sein, 

20  die  nur  fiir  sie  gesetzt  und  gegeben  waren.  ist  es  doch  klar,  daB,  wenn 
die  Gesetze  und  Verordnungen,  welche  Gott  durch  Moses  gegeben  hat, 
fiir  die  ganze  Menschheit  und  fiir  jedes  Zeitalter  erforderlich  waren,  Gott 
von  Anfang  an  sie  an  die  ganze  Menschheit  richten  und  dafijr  bestimmen 
wiirde.    Jedoch  aber  wenn  man  in  dem  Gesetze  Mosis  und  den  einzelnen 

25  Bestimmungen  desselben  nachforscht,  kann  man  erkennen,  daB  die  Mehr- 
zahl  derselhen  sicli  nur  fiir  dicjuden  eignet.  Betrachte,  wenn  du  wilist, 
nur  den  Anfang  der  Gesetze,  wo  es  heiBt  (Exodus  21,  1.  2):  Dies  sind 
die  Gesetze,  welche  du  vor  sie  setzen  sollst.  Wenn  du  einen  hebraischen 
Sklaven  kaufst,  soil  er  dir  sechsjahre  dienen,  aber  im  siebenten  soil  er 

30  frei  von  dir  fortgehen.  Ist  es  nicht  klar,  daB  dies  nur  von  einem 
Hebraer  gesagt  ist?  —  Auch  vom  Grund  und  Boden  ist  darin  die  Rede, 
daB  er  niemals  verkauft  werden  soil  (Leviticus  25,  23).  Dies  Gesetz  wird 
aber,  abgesehen  davon,  daB  eine  solche  Bestimmung  nirgendwo  in  der 
Welt  gilt,  heutigentags  seibst  von  den  Juden  nicht  beobachtet,  well  man 

35  weiB,  "daB  das  Mosaische  Wort  sich  auf  das  Land  der  VerheiBung 
bezieht,  welches  Gott  den  Sohnen  Israels  als  Erbschaft  gegeben,  damit 


—    -ili)    — 

l^p  w.c'A  ISM  leo'  loai  uA   ;a^2  o2  .ZjliJ:^  ^.o-ou.!^  o2 
o;JS  ^^2  Slii  1m23  •\.v.o3  w.or  a^   :  l^lo  ^o  lacrp  ^osJOi>. 
xA  W.O-  l\,^3  .^comI^  2ecr  l^o  .2;^e^3>^  l^p«  laol^  1»2 
2x^^3    .^x»23  ^o!  ^ie  oA^ivjcxuA   Ijco'au^o    1  '»■■  >*.\    5 
^c-OkOOLSLi  ^^J  ipoi  ;sec-   l^ca^  .3a^«a   l^p  2^ft\..To 
X^  1^2  .^9  ^  au>*3  .ou-ao  ^sXxXjoI  •vjuXN  au^2  .>^ak.ao3 
^  aoa^  la^p  ..^o^  ai^  Xa2  2is.o..a.ia  I^^ciLdv  .Isks  Lior 
l\aa3  I^p   Laoua  o'n..'\'n\e  3>aol»No  .>ft^^\je2p   l3>va 
".kao2^2  X>U30lx«  ■.a2.ii'lc3>JSgT3  U»j>.xao  >^3  ^  .2^w^>aa  10 
U2  .ca^.*ff  >A3   1^2   Lsxj:  <^3lu   1^3  ^2  30uA^  200*   zA 
k»2^23  ^o-   ^   22a\»  \ixx  3^33   '.<^ioouM  w.o-   UL^uop 
.^;^  -..la.TS   1^3  ,.Ad.iA  Xi2  «^33u»  is^l^A?   .i^lAwAp 
,.t.3>3V.  1^   Isa^p   ^joora^  j»    'j-ise  \  \.fio  ■:■  ^s^p    l-ss 
1  fpftiai   >^    ?^Yii\\  Yip   :  «^^oujcx>.  ^JSLJ:p  \^^ct  m.ct   .Ij^p   15 
a]\^  .^Sc  jf  c^^A^Up  ^  W.C-   i„cux5   .  hJ^a^p  lS  Isa^p 
•tv.vt^     2^3ae  \3jup   .2e(r  lic^   lAaaa^   ec^p    Ix^   X.V 
21Ajo  Li'pojo^e   Ijcsoslio  .  l....f»p  o-x^;Mmp  l^ajo  ^oA 
^09!^^    Ixii.VtlA  200-   L^p  .CU3  eeo-  ,^«»uU\.»o  ,  ita  .  r> 
lao^  eo;^e   U.39  ocrj  pouAa  1^2  .oecr   wAio^b.   ofAaoo  20 
'Lm.'it.  ou>is.i.2   Li^on   eu^3    3»TL.,cx5e   xj2   v2o 


V 


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23u^^-C3.»    La3«J    1X3^2    2pOT    ^CTp    Xa^jCMO    \X3k^^    .d^X»23 

3b.Ao   :  j3oa.:ri  tiaXs.-ip  Ixi^ja  »  on\^p   :  2a'>^2  jap   ;sec- 
^^J    lupe  Ij&oaaae  .^^li  o;^«po     .? t \ \ p  pfto.\i    laoix 
2^.o^^  \^p    li«p    l\52   L^Lxpb^o   .2x.oisa   ^oo^sp   .ou^   25 
.eec"  ^^o;^  2a\.,  o^\3>^p  oau^i.  .'yx\.sio  A\i   ;.ii.i..op 
o,'o\^j:2e  0L.>a..:!s^2  >eciAp   l^pwiioudo   lJG30.aaui   ^^^xa^s^ 

•  V30,\.  w.3w^L3  plm^o  PLOp  li«pp  LooaoA  Ol^23  'As.  3    .o;^ 
Usoap  ou»  eoc*  ....bji^ao  >j»^3>je   '  •tt\  v.  01. V%^   1  Tf>  y) 

>   I.  .13^23.  '   I.  J3^2;S2.  '   I.  <y»*Bi>M. 

•  1.  -.■kio2^2p.  ■'  I.  223>.ie.  "  I.  ^a.4.  '  I.  i^^V- 

"  I.  M:c;s. 


—     22(1     — 

nicln  das  Erbe  von  eiiium  Stamm  aiif  den   anderen,   von  cincr  Familie 
aiif  die  andere  iibertragen  vverde. 

Es  gibl  noch  viele  andere  Dinjje  im   Buche  Mosis,  die  evident 
nicht  geeignet  sind,  von  der  ganzen  Welt  und  in  jedem  Zeitalter  aus- 

5  gcfiilirt  zu  werden,  Dinge,  die  in  dem  alten  Oesetz  fiir  das  Volk  der 

Juden   erlassen  waren    und   die  sicii  fiir  jene  Zeit  (des  Moses)  eigneten. 

Dasselbe  dri\ci<t  audi  i\iulus  (Hebr.  9,  10)  aus  mit  den  Worten:     Es  sind 

Bestimmungen   des   Fleisches,  gegeben   fiir  die   Zeit  der  Rechfleitung<. 

Aus  diesem   Orunde  konnen   wir,    wenn   Gericht  gehalten  wird, 

10  nicht  bei  jeder  Sache  eine  Belehrung  aus  dem  Gesetze  Mosis  entnehmen, 
noch  auch  leichthin  nach  seinen  Verfiigungen  ein  Urteil  fallen.  Denn 
es  handelt  keineswegs  in  klarer  Weise  von  alien  Dingen,  die  in  der 
Gerichtspraxis  vorkommen,  sondern  nur  von  wenigen,  abgesehen  davon, 
daB  andere  dort  iiberhaupt  nicht  erwahnt  sind.    Aber  auch  in  betreff  der 

15  Dinge,  die  im  Gesetze  Mosis  erwahnt  sind,  diirfen  wir  (nicht)  nach  seinen 
Bestimmungen  verfahren.  Wollte  man  von  uns  verlangen,  daB  wir  nach 
seinem  Gesetze  richten  und  entscheiden  sollten,  miiBten  wir  zunachst 
das  Gesetz  befolgen:  Wer  sein  Haus  verkauft,  soli  es  nach  50  Jahren 
zuruckbekommen<   (Leviticus  25, 13.  31),  wie  Moses  befiehlt. 

20  Wir  haben  daher  nicht  die  Gewohnheit,  nach  dem  Gesetze  Mosis 

Recht  zu  sprechen.    Das  hier  iiber  diesen  Gegenstand  Gesagte  genugt 
fiir  die  Fiille  eures  geschulten  Wissens. 


111.  Kapitel. 

(s.  Anin.) 

25  Uber  die  Frage,  woher  die  Gesetze,  welche  gegenwartig  in 

der  Kirche  gelten,  entnommen  worden  sind  und  entnommen 
werden. 

Wenn   du   mich  brieflich  fragst,  aus  welcher  Quelle  die  Gesetze, 
die  bis  heute  in  der  Kirche  gegolten  haben  und  noch  gelten,  abgeleitet 
30   sind,  so  ist  meine  .^nsicht  die  folgende: 


—     221      — 

Ju>wA3  :  iJX3>>L  ^??  t^soss  op  •Si2  Zs^  »s2o  -eeo^  ^m.«x«« 
2a>,3V  ^t^S  Sla    .»^eo^^»vd   aujo^sp   uls  ^oA  ^c   .L1.30T    s 
.«^JSoA  ^  23U.  3a  ^olSla  .xsjcaoo  .^^\^  ^^jj:  ^jc  L.3aLX 
oiAv  ^2o  ^p  1^2  .2307  2X.M2  L.3aL\,  X\.»3  lA\  2o7   Z^ 

2^:^      1^323    230"    .Pl\^    '^t^    1^    :s^2X^^.«.3    .3u^2    1X323 

soao?  i\^i.  1^2  .3^2  Xso   Upito  23l^2   1^  o;\a   laiA^ap 
eo-  .^3u.  2^A»3   1JU13  ^^.30   .0;^  t'^'V^    lJ.3oa.i.   Upeovi.  in 
wJoA  2o;^2  ^3   ^e*S3>A33   ^en   .a,.»»2   U^Aa^p   1X32  \xp 
^e  ^ \ -» *\  T\,TT  ^  ^e^bw.   Ujc^   l^p   .^J30V>^2  \.>3uou. 
.Isaaop    Isioo  :s^2  ^01  ^i^^lp  2MAJOe    :^'3usA  ^saxx 

u.eOT    ^Op..   ^3»\3>30    l^oAx   Ol^oA   2eO<    l^p     .^3u.O    ^-o^^P 

:w.eo^  jaau^X3o  laax  00;^  U303,A  Ixaa'aova p  ^^b^  exxj^JO>»^  15 
iV\aa  jtaoNft'^  l.v,3o\  2po-  ^ore  .^001  ^^«n  laa<  eo^ao 
U3«!S  >.>aa«xap  2xcx3p  pl^  .0ii2  lipwiiodp  &:ib2  3^^  6^«\.x 
...iMia.i'ao  li^p  7\,Y)  3^  oa^  \x3  2eoi  1^  lpaj!^\ieo  .2^3od^p 
^^l\Ap  bQo^a^e  .Ixoiaop  1  ooion  ^  ^aM;\  .no'gN  ^x«. 
l^^p  :g>ia\'>  >\x  1^^2p  ^ofa  .a^^^aee  >dJl^  ^^?  ltta2  20 
2'30lX9  l3  3j:  \x  1^2  .0^  Aa^^  >>.d.l.Xi.3.d.  Lilpp  2£^aa^3 
*,^'oi  ^2  1^2  .^^JU^wa  l^p  ..0U.O7P  i^A  J3ft.3..Te  .pou*\a 
^^  3>..n.ap  l.ie  ;sa.5k.^p  ^^»  1  r>ft  'a  i  3  o^s  ^r-'-^^-'^^? 
v^>mN  A  200"  l^aX3o  Isok^p  Loa>M  ^l  «^2p  ^ajj  .^p^rkX 

^OOP    11^23    .^OOT    ^3lJXX    2pOi    ^aj\^    :S3a3    MkJBy.^JSoSo    25 

Ltocnvn  ^2p  ^2  .oA  U^^.^  aoJS  ^lui  ^..T.'tt*.  3^a  07^^^ 
>n\nftN  2pi.«x  A  xA  .lxa3op  loa-^sui  ^  vo\>-3  ■3>..tt.a 
«y£0.3w«p  22a^a&^p  ^«2  .^n^xo  la'yx  litr  \xp  ^oro   .U^p 

2^«3w6a    UaOOu.3    Ul3   w.33e   033    l3wi.2    ^3    ^'ol  \x   .2N3^Op0 

2^3b^d  U»ou.p  dv^^a  ulpp  :  u.^  ^a^^3  ^07  \x  ...^Jue^JL3o  30 
.tA  2^k3^JCx3o   Ix^c  .  >A.n,.«x.ao   1.3^.2  ^ap  ^ps  2070   .ops 

'   I.  ^eo;^>^^2.  -   1.  ^^p*6v.  ''   s.  Aiim.  '   add.   1^. 


—     222     — 

[Voin  Prinzip  der  siihjektiveii  Rechtsbildung.) 

Viele  Rechtsfragen  siiui  audi  iiii  inosaischeii  Gesetz  nicht  ausfijhr- 
lich  beliaiidelt,  indessen  aus  geringen  Angaben  daselbst  und  aus  zer- 
streut   liier   und   dort   in   der  Fiibel   vorkommenden   Stellen   iiber  Wahr- 

5  lieit  und  Recht,  werin  sie  auch  in  Form  von  Vcrgleichen  und  An- 
deutungen  auftreten,  konnen  wir,  indem  wir  sie  miteinander  vergleichen, 
vieierlei  lernen  und  entnelinien,  wenn  es  sich  fur  uns  urn  die  Bildung 
richterlidier  Urteile  liandelt.  Wir  wollen  nun  genau  angeben,  wie  wir 
in  Fallen,   wo   die   zur  Verhandlung  steiienden  Dinge  nicht  ausfuhrlicli 

10  in  den  Biichern  beliandelt  sind,  dennocli  bei  vielen  Angelegenlieiten,  die 
in  der  Praxis  vorkonimen,  zu  einer  Urteilsbildung  gelangen,  indem  wir 
die  Angaben  der  Biiclier  in  aliem  mit  einander  vergleichen  und  uns  nach 
ilinen  richten. 

Wir  fiigen  hinzu,  da(i  auch  die  Heiden,  obwohl  sie  vieles  in  ver- 

15  kehrter  und  ungebiihrlicher  Weise  tun,  alle  ihre  Urteile  und  Entscheidungen 
aus  dem  Oesetze  Mosis  entnommen  haben,  wenn  es  auch  einige  Be- 
stimmungen  darunter  gibt,  deren  ti'tvos  aus  Spriichen  der  griechischen 
Philosophen  entlehnt  ist.  Aber  auch  diese  Philosophen  haben  rationem 
et  materiam  aus  dem  Oesetze  Mosis  entnommen.    Fine  seiche  Ratio,  die 

20  dem  von  mir  Qesagten  ahnlich  ist  und  es  bestatigt,  ist  diese,  die  bis  jetzt 
nicht  jedermann  leicht  begreift,  diese,  welche  sie  (die  griechischen  Philo- 
sophen) in  ihrer  Sprache  «/)xt'ri>7rov  nennen,  wodurch  nach  ihrer  Lehre 
zuweilen  die  Wahrheit  von  der  Liige  unterschieden  wird.  Sie  (diese 
Ratio)  iihnelt  in    nicht   geringem   Mal3e  der  Geschichte   des    Propheten 

25  Elias  (1.  Kon.  18).  Als  damals  bei  Oelegenheit  eines  Streites  und  einer 
Disputation  iiber  die  Religion  der  Prophet  Gottes  die  Wahrheit  seines 
Gottes  durch  den  Vergleich  der  Unwahrheit  des  Gotzen  beweisen  wollte, 
lieferte  er  den  Beweis  der  Wahrheit  des  allgebietenden  Gottes  durch 
eine  Wuiuiertat  und  ein  staunenswertes  Geschehnis.    Aus  dieser  Tatsache 

30  haben  auch  diese  (die  griechischen  Philosophen)  AnlaB  genommen,  nach 
Moglichkeit  Analogieschliisse  aufzustellen  und  den  Graben  und  den 
Altar  und  alle  iibrigen  Dinge  (die  in  der  Eliasgeschichte,  1.  Kon.  18,32 
usw.,  erwahnt  sind)  zu  vergleichen  und  anzuwenden.  Weil  sie  aber  ein 
Wunder,  gleich  dem  durch  den  gliickseligen  Elias  in  der  Herabkunft  des 

35  Feuers  verrichteten,  nicht  zu  verrichten  vermogen,  so  stellen  sie  (im  all- 
gemeinen)  das  Feuer  als  dasjenige  hin,  wodurch  nach  ihrer  Ansicht 
Wahrheit  von  Unwahrheit  geschieden  wird.  Das  Gesagte  dient  zuni 
Beweise  dafiir,  daB  wir  aus  dem  Vergleich  der  im  mosaischen  Gesetz  ge- 
gebenen  Rechtsnormen  vieierlei  anwenden  und  danach  erforschen  konnen. 

40  Indessen   die  Gesetze,   die   heutigentags  in  der  Kirche  gelten  und 

iiberliefert  werden,  stellen  wir  nicht  als  Menschenwitz  oder  torichte, 
zufallige  Einfalle  dar;  auch  haben  wir  sie  nicht  von  ungebildeten,  minder- 
wertigen  Menschen  iiberliefert  bekommen,  sondern  von  auserwahlten, 
beriihmten  Mannern,  welche  durch  die  Offenbarung  des  Prophetentums 

45  inistande  waren,  das  Wahre  yon  der  Liige  zu  unlerscheiden.  Und  der 
Anfang  und  der  Gnmd  der  Oberlieferung  der  Gesetze  geht  von  ihnen 
aus  und  ist  durch  sie  bis  zu  uns  gelangt. 


—     223     — 

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>  I.  ^o;^.>w>2  2m1.\jcjp  -  Statt  ^p  I.  ^  Z^2. 

^  1.  ^2.  '  1.  ^o(rja>^o\.         '•  1.  \a.  "  Statt  Ucrp  ajj 

I.  2po7   .op.  ^  Statt  ^^OlIO;^  01^  I.  .oac  o;^.  ><   s.  Anm. 

-'  I.  op3.         "■  I.  23dLXe.         "  1.  aojOA. 


224 


[Rechtsprecliung  unter  Moses.] 

Die  Wahrheit  des  Gesagten  konnen  wir  aus  den  heiligen  Schriften 
beweisen,  wenn  auch  vielen  unsere  Ansicht  als  etwas  Neues  erscheinen 
mag.     Nachdem  Moses   das   israelitische  Volk  mit  groBen  Zeichen  und 

5  Wundern  aus  Agypten  gefiihrt  hatte,  richtete  er  vierzig  Jahre  iiber  sie  in 
der  Wiiste.  Nach  dem  Worte  der  Schrift  (Exod.  12,  3;  Num.  1,  45)  waren 
es  600000  FuBganger  im  Alter  von  20  und  melir  Jahren  ohne  Weiber 
und  Kinder,  welche  ihrerseits  in  einer  den  Mannern  entsprechenden  An- 
zahl  vorhanden  waren.     Nun  kann  man  ganz  besonders  aus  dieser  Tat- 

10  sache  entnehmen,  daB  be!  dem  Ungehorsam  der  israeliten,  ihrem  baue- 
rischen  Wesen,  ihrer  Sittenlosigkeit  und  Gevvalttatigkeit  wahrend  dieser 
ganzen  vierzig  Jahre  und  bei  der  Menge  der  Menschen  nicht  wenige 
Prozesse  unter  ihnen  aufgekommen  sein  miissen,  und  daB  keineswegs 
biol5  solche,  die  im  Oesetze  klar  vorgesehen  und  bestimmt  waren,  sondern 

15  auch  anderweitige  (im  Gesetz  nicht  vorgesehene)  Streitigkeiten  in  nicht 
geringem  MaBe  unter  ihnen  vorkamen. 

Dies  kann  man  leicht  aus  der  Erzahlung  der  Bibel  ersehen,  wo 
es  heiBt:  Jethro,  der  Schwiegervater  Mosis,  kam  zu  ihm  und  sah  ihn  den 
ganzen  Tag  sitzen,  wahrend  das  ganze  Volk  wegen  zahlloser  Streitigkeiten, 

20  die  sie  miteinander  hatten  (Exodus  18,  1.  13),  von  friih  bis  spat  vor  ihm 
standen.  Moses  aber  urteilte  nicht  nach  seinem  Belieben  und  Meinen, 
sondern  gemaB  der  gottlichen  Eingebung,  wie  wir  aus  dem  weiteren 
Verlauf  der  Erzahlung  erfahren.  Als  ihn  namlich  sein  Schwiegervater 
fragte:  was  sitzest  du  da  allein,   wahrend  das  ganze  Volk  von  friih  bis 

25  spat  vor  dir  stehf?,  gab  er  ihm  die  angemessene  Antwort:  Weil  das  Volk 
zu  mir  kommt  zu  fragen  nach  dem  Herrn.  Wenn  sie  eine  Sache  haben, 
konimen  sie  zu  mir,  und  ich  richte  zwischen  dem  Mann  und  seinem 
Bruder  und  zeige  ihnen  den  Weg  zu  Gott  und  seinem  Gericht.  <  Infolge- 
dessen  gab   ihm   sein  Schwiegervater  einen  weisen  Rat:    ->Sei  du  dem 

30   Volke  ein  Lehrer  vor  Gott<>  (Exodus  18,  14—19). 

Aus  dem  Gesagten  ist  deutlich  zu  erkennen,  daB  Moses  fur  alle 
Rechlssachen,  die  vor  ihn  gebracht  wurden  und  fiir  deren  Entscheidung 
seine  Geisteskraft  nicht  gewachsen  war,  von  Gott  eine  Erlaubnis  erbat 
und  daB  er  sie  gemaB  der  gottlichen  Offenbarung,  die  ihm  zuteil  wurde, 

35  aburteilte. 

Ein  anderer  Fall  ist  folgender:  Es  war  deutlich  im  Gesetz  befohlen, 
daB  jeder,  der  am  Sabbat  eine  Arbeit  verrichtete,  getotet  wird.  Als  man 
dann  jemand  fand,  der  am  Sabbat  Holzstiicke  sammelte,  und  ihn  vor 
Moses   brachte,   da   entschied   er  nicht,   daB  jener  sofort  getotet  werden 

40  solle,  wie  das  Gesetz  befiehit,  sondern  befragte  vorher  Gott  nochmals 
iiber  ihn  (Numeri   15,32—36). 


00 


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Ij^o^  oc  J^2  3wA  '^P^m  'a-^  voov^  eoo^  ^0073  Ijcxolo 
2ecr  ^A^  200"  3i.afixao3  'i^o^io  aiis^x':>is  ^  lov  1^  LxolM 
laaa2  .  Uoi^2  ZvAi  ..^  Loa-  7i.x>«is^o3  laaa2  ^2  .Isftxs  ul.3 
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20A23  o;m,3o2  kOoA    U2   2<Xm'«0    .wi0r7Ou.A    23aL\.     i!^*3    1l*P 


'  1.  2^a^\:a>ao3. 

-  1.  21»^j:. 

^  1 

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3a.                   1.  \^o. 

■■■  1.  li'ii^l? 

7  1 

1.  «^eA. 

Sachau,  Syrische  RechUbucher  III. 

15 

—    'i-il;    — 

Zu  dcrsclben  Zeit  brachte  Moses  die  Sache  des  Sohnes  der  Israelitin, 
der  den  Namen  Oottes  gesclimaht  hatte,  (zur  Entscheidung)  vor  Oott 
(Leviticus  24,  10  ff.). 

Audi  fiir  die  Entscheidung  der  Sache  der  Tochter  des  Zelofchad 
bat  Moses  um  eine  Volimacht  von  Qott.  Und  darauf  erging  Gottes  Befehl 
des  hihalts,  dal5  die  Tochter  des  Zelofchad  recht  haben  (Numeri  27,  5    7). 


[Rechtsprechung  unter  den  Richtern  und  Konigen.] 

In  den  Jahrhunderten  nach  Moses  finden  wir  dann,  daB  wahrend 
langer  Zeiten  Recht   und  Oesetz   von   solchen  Mannern   uberliefert  und 

10  ausgeiibt  wurde,  vvelche  neben  dem  Richteramt  die  Gabe  des  Propheten- 
tums  erhalten  hatten,  die  nicht  allein  kraft  ihres  Geistes  Urteile  fallten, 
sondern  durch  die  im  geheimen  ihnen  zukommenden  gottlichen  Offen- 
barungen  Belehrungen  empfingen.  So  heiBt  es  von  der  Debora:  Die 
Debora,  die  Prophetin,  die  Frau  des  Lapidoth,  war  Richter  fiir  Israel  in 

15  jener  Zeit  (Richter  4,5),  und  ferner:  Der  Prophet  Samuel  richtete  und 
lenkte  wahrend  seines  ganzen  Lebens  das  israelitische  Volk  (1.  Sam.  7,  15) 
gemaB  gottlicher  Einsicht,  die  ihm  zuteil  wurde. 

Auf  diese  Weise  vollzog  sich  das  Richteramt  450  Jahre  nach  Moses 
im  Volke.    Als  dann  Konige  gewahlt  wurden  und  im  Volke  aufstanden, 

20  finden  wir  David,  der  durch  die  Weisheit  des  Prophetentums  hochberiihmt 
war,  und  nach  ihm  seinen  Sohn  Salomon,  dem  offenbar  groBe  Weisheit 
von  Gott  verliehen  war.  Seine  Weisheit  war  so  groB,  daB  sie  ihn  in 
den  Stand  setzte,  iiber  alle  Arten  der  Schopfung  zu  reden,  iiber  Sauge- 
tiere,  Amphibien,  Vogel  und  Fische,  iiber  alle  Baume  von  den  Zedern  des 
Libanon  bis  zu  dem  Ysop,  der  aus  der  Wand  hervorkommt  (1.  Kon.  5,  13). 

25  Von   solchen  Menschen  also  gehen   aus   und   sind  iiberliefert  die 

Gesetze,  welche  gegenwiirtig  in   der  Kirche  die  Tradition   und  den 


laj^l  ^  liso.  \  o  'K.in  07x^.^3^3  ?  \ . ..  ^  eoc^  ^^\  \.t9o 
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^3  ;L^2  .ci3xa  2o;^2  iap.ja  ..^^o  laos  Jci^p  ■2^^3JO.  ya 
.H^OJXx^jaa  >^(ro\^  JSls  .2o;^2  ^  3k«.^^3  o''^a33  U«3o 
or^i.'j  .^xao2  :aA  ;s^l^La3  ^o;*^x  2ec?  laauOoud  l.aoTo 
^  ^.M%T*o  21Aa  Us*  ^om  ^J^^V  ^?  3>>J  .a..»A^g3  15 
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^23  ^2  .009^  ^^.'g'Vo.^.ao  090*  ^An.a.ao  i^^l.>xxa3   Uqu^2 

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.oA   ^OO*    laa3M.>a03   ^•o.oA2  is^p.*  ^oA^   w.970.»««3    U39    oA^ 
iJiOJaO    lX30\    3X3    3ua    .lAbuO^    T.IBlV.N    X33u»0    lOO'    ^2.3 

.laa^a  isea*   U33   I19   Uo;3  .2>soj.«3  ^s  ^.twimo  2lm\i32 
»A..>.:»Ta9  .laa^a  A'nHe  .o*a.Vis2  laA'ae  ^A3^J  ^  w.3  3u:3  25 
.209*  MN^uo  Xi.l33e3  2Xou^A3  X0.X03  OCT  •3u.e3  1jjo\,\ 
2xaa^«.  ;s^iAA,  3  ecr  .07x3  ♦^ftta.\t!s  .^i*«..»>  soX  073^.30 
.j^eor  ;AbX»e  23;s^.ae  UA073  u.07  .oA  X3ov<.X2  2oA2  ^  ^a 

'    I.   ^0073.  -    I.  u.'3m2;s23.  ''    D.  i.   w.C03  3udO 

*   loOl  zu  tilgen.  '-   I.  ...CUPl'^.  "   I.  Ax3  ^^2  statt  ^^2 

A^    ^23. 


—     228     — 

Usus  bilcleii.  Unci  wenn  sie  audi  iiiL-lu  sclirittlich  iiberliefert  siiid,  wcil 
sie  iiberliaupt  iiiemals  aufgeschriebcn  waren,  oder  wenn  sie  audi,  obwohl 
urspriintjlich  schriftlidi  abgefalit,  trotzdem  im  Laufe  der  Zeiteii  verloren- 
gegangen  sind,  so  sind  sie  ohne  Zweifel  dennoch  ini  Usus  und  in 
der  Tradition  so  auf  uns  gekommen,  wie  wir  sie  jetzt  haben  und 
kennen. 


[Von  den  verlorenen  Biichern  des  Alten  Testaments.) 

Wenn  wir  gesagt  haben,  daB  sie  (Biicher  des  israelitischen  Alter- 
tums),  obwohl  urspriinglich  schriftlich  abgefaBt,  sich  nicht  bis  zu  unserer 

10  Zeit  erhalten  haben,  so  laBt  sich  das  auch  beweisen.  Wir  finden  namlich, 
daB  viele  Biicher  in  den  Revolutionen  und  Wegfiihrungen  in  die  Ge- 
fangenschaft,  welche  die  Juden  zu  verschiedenen  Zeiten  erduldet  haben, 
verloren  gegangen  und  nicht  mehr  zu  Tage  gekommen  sind.  Von  Salomo 
heiBt  es,  er  habe  3000  Spriiche  geredet,  und  seine  Hymnen  waren  1  005 

15  an  der  Zahl  (1.  Kon.  5,  12).  Von  diesen  ist  das  meiste  nicht  auf  uns 
gekommen.  Das  Buch  von  den  Taten  der  Konige  Israels '  existiert 
jetzt  nicht  mehr  unter  uns,  obwohl  es  in  den  Biichern  (des  Alten  Testaments) 
deutlich  angegeben  ist.  Die  Forschung  der  Konige'-'  und  die 
Kommentare  des  Iddo   des  Propheten'  neben  andern  Biichern 

20  sind  bekanntermaBen  heutigen  Tags  nicht  mehr  vorhanden.  Es  ist  hierbei 
nicht  meine  Absicht  beweisen  zu  wollen,  daB  in  diesen  verschollenen 
Biichern  weltliche  Gesetze  gegeben  waren,  sondern  ich  wollte  nur  be- 
weisen, daB  es  moglich  ist,  daB  Werke  nicht  bis  auf  uns  gekommen 
sind,  obwohl  sie  von  den  Vorfahren  geschrieben  waren.    Das  aber  be- 

25  haupten  wir  mit  Bestimmtheit,  daB  wir  sehr  wohl  wissen  konnen,  daB 
die  Gesetze,  die  wir  heutigen  Tags  haben,  obwohl  sie  uns  nicht  schrift- 
lich iiberliefert  sind,  dennoch  von  diesen  Vorfahren  ausgehen  und  von 
ihnen  bis  zu  uns  gelangt  sind. 


[Rechtsprechung  nach  der  Ankunft  des  Messias.] 

30  Indessen  nicht  allein  von  den  Vorfahren  im  alttestamentlichen  Alter- 

tum,  sondern  auch  aus  der  Zeit  nach  der  Ankunft  Unseres  Herrn,  des 
Messias,  stammen  eben  solche  Gesetze  von  vielen  Mannern  her  und  sind 
von  ihnen  uns  iiberliefert  worden.  Denn  nachdem  iiberall  die  Kirchen  ge- 
grundet  waren  und  iiberall  die  Zahl  der  Glaubigen  groB  geworden  war,  da 

35  eriaubte  die  Giite  des  Heiligen  Geistes  den  Glaubigen  nicht,  wenn  sie 
Streit  urn  Mein  und  Dein  hatten,  die  Beauftragten  der  Kirche  zu  verlassen 
und    mit    ihren    Nachsten    vor    den   Siindern,    d.  i.   den    Heiden,    zu 

'    ;s-=-  ■<:--•:  ----  --:-  -=  1.  Kon.  14,  IQ  und  sonst. 

•■=   =-™r  -s:  ■=—.  2.  Chron.  24,  27. 
40  ^   1--  S-™  3---  2.  Chron.  13,  22. 


—      •22!)      — 

^AsAa  2«32  ^p  li\^2.  KOo;\a  \^e  lioi  \^o  :  .^'a^o 
^cr  ^23  \«aoT  Ixj.':  ^ae  .2XJ013  ^oAip  l3a\^  l^x^e 
2;sak^a   lueou.p   ulse   la<5k^  .^^0^   Iva^^  o^n.is2e  oaa 

^\3u^»3>o  ^^2o  .^^5a\^^>5oe  ^x»»2  l>*^o  2;sa.\.*a\.t.*a.a  5 
»^d^oA  oa^o;s2  Sksp  e2  .oais^^^2  l^p  Av^.y)  .^AvoA  o\t .;s2 
033  Uac?  .Jsov'ta\t*me  2ak,<.^a  uoeS.^  ^  ^as  1^2  .a\^  ^ 
L.^3  ;sS^23  mot  3u3  .^  M>>'>«>2  Za.»oi«3  Z.aa.a2  .«\^oA 
o^^^2  Z<Ma«A^  As  2eoT  Z^  -a^.^  1^  v^^  Ou3X:&JS2  x^p 
2.Juuo  JBXi>x^\.jal3p  *^aibi  .lu\.xo  la'LsS  xA  ,A..<o>aao  lo 
.efi«.2  l^  L»^\^e  .o\au.;s2o  02^32  o«  ^«a  Upoo^  o\-i,top 
.^isie  *.L1^^2  ^\^;s  >\,^>»p  .>^o'ol,\t  .\y,v)  l3,«^.ap  u.oT  ^2 
>^^a^  2l\ac3ap  ^l  ^oio  .jc^mO  >^1  ct^s^^^slxJS  w.ecre 
M.o7e«^A^  luoou.  ^^xou.?  la>\ao3  "^.,«'aa,*vi3  aAjoe  .  >..\.y>  1^ 
^jcSa^^o   laAaap   Lxspo  .^yJOJa)  ^„i.Z^3m  Ij6sAjo   .^^isJLa  15 

ZA.taa  .  opoip  ^^.^.^au*  Ippu^p  Z^  xx  ;zi^  Z.«.3la  .opt.^p 
,.^o]j  .i\iol^  ou^aMSoJ^  L&2  jQ>^or  2pc7  oA  p^  .^^^M^a^ssao  1^ 
;saw»2  ^^9■  i^2  .eeo"  ^^^.aautis^  ZjI??  liijcx^  •ep.32p  la'isA 
.Ol\.»  1^  ^^a^  :  UaJSL^  ^  oaivAdv2  ^Ip  :  L.^»p  ^<^av..:^^ 
^  ft,'^a■\^J^2  1^  ^2e  .^ak.»2  2por   uoea^  >\i.:k    ^    ^io  20 


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po^As  200"  I^e  .«  £sa^  <v\.ioe  a\3Ld.;s2  Uiepja  ^^or  ^ 
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p^:^  .a\3.A^2e  ops  .^«soA  2zl.\£>  p^  ^07  ^Ouicn  LmJcm 
la.aau9;.aep  ,?  \ .  ^  yi  ...^^o  .3^2  >\.a>.3  2^«p..x  ou3^i;s2  >.A  25 
Z^eap  2^<vi*^  ^p  ^ec^  ZjoA.aa  zAp  \.\,V)  .  <yo>.\.3»..3 
Z3JC»&op  Zilp  •\OoA  'i..\.io  p^p  .009"  N^»*ouop  «aioi^ 
.  ooC-^^  ;au.  .oaepao  2^p^p  '2d^'k*aLX  »o-eU3uu  .Z^^^o 
^a>3k»  ^\3070l»  tUx  2po7  »\\.'Y>  .Z^X3  vOOV'>JSd>2p  Z^ox  'np.xi 

'   add.    Z^.  I.   >■>»■> TbBp.  '   I.    Z3^.:^p.  '    I.  Zl^Ok^e. 

''  I'  ^  '    I    «^e^<S2.  '  add.  0007.  '  I.  2'au,3.S. 


—     2H(i     — 

prozessieren.  Eben  tleslialb  gab  Unser  Herr,  abjjcsehen  vun  cicr  be- 
sonderen  Gnadengabe,  die  er  seinen  Glaiibiji;cn  verlieh,  vielcn  von  ihnen 
auch  noch  eine  solche  Erleuchtung  unci  Einsiclit,  welche  sic  in  den  Stand 
setzte,  auf  Grund  der  Erforschnng  der  Wahrheit  gerechte  Gerichtsurteile 

5  zu  fallen,  so  daB  die  Christen  nicht  befugt  sind,  wenn  sie  einen  Rechts- 
streit  untereinander  haben,  ihn  vor  einem  auHerhalb  der  Kirche  slehenden 
Richter  anhangig  zu  machen.  Deutlich  belehrt  uns  der  hi.  Paulus,  in- 
dem  er  spricht  (I.  Kor.  6,  1):  Erfrecht  sich  irgend  jemand  von  euch, 
wenn  er  einen  Rechtsstreit  mit  einem  anderen  hat,  den  Prozeli  zu  fiihren 

10   vor  den  Frevlern  und  nicht  vor  den  Heiligen? 

DaB  es  aber  auch  noch  anderc  Manner  von  hervorragenden  Gaben 
in  iler  Kirche  gegeben  iiat,  welche  ahnliche  Erieuchtung  und  Einsicht 
voni  Heiligen  Oeist  empfangen  haben,  konnen  vvir  aus  folgendem  Worte 
des    hi.   Paulus    (1.  Kor.  12,8)    lernen:      Dem    anderen    das   Wort    der 

15  Weisheit  durch  denselben  Geist  ,  was  Theodorus  (von  Mopsueste),  der 
hiterpret  der  gottlichen  Biicher,  mit  folgenden  Worten  erklart:  -Das 
Wort  der  Weisheit  war  ein  Geschenk  der  Giite  (Gottes),  welches  den 
Menschen  verleiht  sich  auszuzeichnen  in  der  Kenntnis  menschlicher 
Weisheit,    wie   z.  B.  wenn   sie  die   Aufgabe  haben   nachzudenken    uber 

20  irgendwelche  Dinge,  wenn  sie  jemand  brauchen,  der  imstande  sei  weise 
zu  raten,  oder  wenn  sie  einen  Richter  (wortlich:  Horer)  fiir  zwei  urn 
eine  Sache  streitende  Parteien  brauchen,  oder  wenn  sie  nachdachten  iiber 
natiirliche  Dinge  oder  wenn  sie  andere  unterrichten  wollten.  In  alien 
diesen   und   ahnlichen   Dingen,   welche  von   menschlicher  Weisheit  ab- 

25  hangig  sind,  befiihigte  diese  Gabe  (das  Wort  der  Weisheit)  zu  ausge- 
zeichneten  Leistungen.  Salomo  hatte  sie  erhalten,  wurde  als  Richter  und 
weiser  Ratgeber  beriihmt,  so  daB  seine  Lehren  (noch  jetzt)  schriftlich 
iiberliefert  werden. 

Solche  Menschen  hat  es  damals  in  den  Tagen  der  Apostel  gegeben. 

30  Sie  entschieden  vorkommende  Prozesse,  und  wahrend  langer  Zeit  ist 
durch  sie  das  Richteramt  in  der  Kirche  gefiihrt  und  iiberliefert  worden. 
Von  ihnen  haben  wir,  eine  Generation  nach  der  andern,  auch  dasjenige 
Recht  empfangen,  welches  heutigen  Tags  als  Uberlieferung  unter  uns  ge- 
handhabt  wird. 


35  [Von  Gebrauchen  der  Kirche,   die  ebenso  wie  die  biirger- 

lichen  Oesetze  nicht  schriftlich  iiberliefert  sind.] 

Wenn  jemand  diese  Ansicht  fiir  eine  Neuerung  ansehen  sollte, 

so  moge  er  wissen,  daB  auBer  den  weltlichen  Gesetzen  auch  noch  viele 

andere  Dinge   in   der   kirchlichen  Praxis  gehandhabt  werden,   die  nicht 

40   in  deutlicher  Weise  auf  Befehle  oder  Schriften  von  Propheten  und  Aposteln 

zuriickgefiihrt  werilen  konnen,  sondern  die  wir  lediglich  auf  Grund  der 


3    10 


—     2B1      — 

^I  .OU3  ooo"  ^■.v.'aa*guao3  ^A«l^  o>.x^e  ^^^  ^9^  -so^? 
vOloSuCu  0133  2UVcx^  200"  ■aajl  2pci  ^23  2^^au.o  U.\\^ 
lxio^cf.io  .  .\.Ax  Z^po  .233j:p  U^ools  2^«3;s  u1>?  >x%'V*tt\ 
^ov^ebbVli  ^eoTtSajx^ouc   ^.oo  yx^  Zj^s  ^omA  ;Sa2  a^a 

;  V.30  y   ^    >l\aO    :!^iAA^    .2^3u^   ^    >.3..^3    '  Lj^3    "zspjo 

aj^  :\d.2  3^  ♦v^oA\'tf  xi2  'ju2  ;aL^  y»%aaro  .3w:ib2  slA  uoftNa^ 
;^2  .Xx*pJO  ^xa  'Ae  .I^ox  tixd  voaap  Ju2  )aux  ;j^3 
<x\Tn  ^^cr  ^23  2xi)o'aao3  23i^^ido  }j:i2  2;s3L^a  eecrpo  ^3 
ov\-ii3  c^.^.ae  ^39  A^ ;.'a-\  wj^^  .^ess  2;s<>.ni..\,  »-bo 
.L»e3d  ajj  i>t\'\>.?  v>^.»  U3m>1^3  ysol  3^  l«.JSa  ? V3n\, 
ue>e3e32;s  1  v,30.\.  o^  >ni  ^ao  s^a  i-iOLyas^  \.^oi  Xaot^ 
^ocoM  .y>aa3M.«p  ^n\^3  .ij^cr  3^02  l^o]^!  l3i^p  IxAX^jas 
ik'n'\„p  ^3,0  .AjC3  o3^^^^aLS  XsoV"?  •^ec'  6v^^A2  2>\oau^3 
\^  0u3Ju.;!oaL^  NOO^i^  200*  ^auA  v^3  23C7  ^23  .2^..0Li2 
^^liaiNMS  ;j^2  vO^I^  ^oc*  ]A3>S»e  .  mJVs  ^^^2  2;sciL3^  15 
,^33  ^J^l^  Z^oAos  2ecT  1.^3^^  .^2  e2  :  ^V.'ia.'o.N  2^ 
2^cL3^  \^  000^  .^daLSM£^.»  >.^2  o2  .0.3^  «^'X  :  23'3b«.  aux 
^07  ^o^joo  :  Xa'xmZ^  ^OLX3ai3  oecf  r^c  V  ^^  *  ^^^^^ 
2;s^Xjc>  2fiso3X^>»  .2N.OU2  >i> aa > ..3  rli^^3  s,Aw.2  LaLsjo 
:  M.e^;s2o  ♦^0,1'aA.  T  200"  Ajcxi  .^otolM  23cr  :soa^  2>,n.V.  20 
.c^<uA\»^^ik^a  ^23  U3m2  .Z>'ia'v««?  ZvOLaoXtano  2^ft>*3.3 

^30    .,^««.\t3  ^^cLs    U^9   06^3   0007  ^C7  ^233   ;s.kA    )Ju^ 

lUXa  Ijij«e  .»eov^  eecr  ,,»  tt.o*^  •yOu&or   eoor  ,^ .  \'r)p 

;j^0u.3   2307   <£il    p^    •Sect    U33    2^XX3    2^0lL<.3    ^oci^p^Xj 

^33  ^eop^jaep  .2^ft.i-'Ta\T.ift,-io  1^30-1^  ,1..T.aoaoLao  ^i^o^ 
Zju2  fi^2  K2e   :  v^oA  Zaeso.  ^2  lp>^Xa  23.^13  .^JS^e^J:2e 

Xl-lpp    IaC»^    200"    ^3    .XSa    J^    O^    >'33^JQX»    2^^3m*3 

.^^xx  Z\.x.t\.xiiop  i^l  2mAjC3  ^ou3^  ^2  1^2  -peuA-s 
^  ^■kt.^SwAj  e2  ;j'\Bft*V.n  ^^^^^Ld  200*   l^p   '.^.xao^Jt-ao 

»   1.  111?.  »  Zu  tilgen.  '  add.  6j^3. 


25 


von  uns  iibeniommenen  Tradition  in  jreliiihrcnder  Weise  ziir  Ausfiilirung 
bringen,  wolil  vvisscnd,  daR  diejenigen,  welchc  diese  Dinge  zuerst  an- 
genommen  und  eingerichtet  haben,  niclit  ungebiidete  Menschen  waren, 
sondern  solche,  welche  sie  diirch  die  Eingebung  des  Heiligen  Geistes 
5  erhalten  batten.  Zum  Beweise  dessen  erwahne  ich  das  Folgende.  Wenn 
Christen  sterben,  werden  sie  durch  Oebet  und  Oottesdienst  geeiirt.  Das 
steht  in  keinem  Bucii.  Wir  wissen  aber,  daU  dies  nicht  ein  ungebildeter 
Mensch  oder  ein  Mensch  aus  seijiem  eigenen  Ochirn  erfunden  hat, 
sondern  daB  dieser  Usus  durch  die  Oberlieferung  solcher  Manner,  welche 

10  durch  den  Geist  Gottes  das  Ziel  der  Heilsordnung  Unseres  Herrn  er- 
kannt  batten,  auf  uns  kommt.  Obwohi  dieser  Branch  in  der  Lehre 
Unseres  Herrn  und  der  Apostel  nicht  verzeichnet  ist,  so  wissen  wir 
doch,  daB  dasjenige,  was  die  Kirche  beobachtet  und  was  bis  auf  unsere 
Zeit  iiberh'efert  wird,  ein  schoner  Branch  und  keineswegs  eine  Neuerung, 

15   ein  willkiirliches  Produkt  menschhcher  Erwagung  ist. 

Dasselbe  gilt  von  unserer  Taufordnung,  von  dem  Stehen  auf  einem 
Sack  (s.  Anm.),  von  dem  Unbekleidetsein  nackt  und  barfuB,  von  dem  Ans- 
strecken  der  Hande,  von  dem  Kniebeugen  und  von  anderen  Dingen  mehr. 
Es  ist  uns  niciit  schrifthch  vorgeschricben  diese  Brauche  auszuiiben,  daher 

20  der  Kommentator  (Theodorus)  spricht:  Dies  ist  eine  Tradition,  die  von 
friiheren  Menschen  auf  uns  gekommen  ist,  daB  wir  gegeniiber  den- 
jenigen,  welche  zur  heiligen  Taufe  herankomnien,  also  verfahren. 

Ober  die  Ehrung  der  Verstorbenen  und  die  Taufordnung  werden 
wir  durch  Dionysius,  den  Diakon  und  Priester,  der  zur  Zeit  der  Apostel 

25  lebte  (s.  Anm.),  unterrichtet,  indem  er  nicht  nach  eigener  Erfindung  redete, 
sondern  schrieb,  daB  auf  diese  Weise  die  Dinge  gegangen  und  bis  zu 
ihm  iiberliefert  worden  seien.  Es  gibt  aber  auch  noch  viele  andere 
Dinge,  die,  obwohi  nicht  schriftlich  von  den  Vorfahren  uns  uberliefert, 
in  der  Praxis  von  ihnen  bis  auf  uns  gekommen  sind. 


30  [Berufung  auf  Vorgange  im  Neuen  Testament.] 

Die  Darlegung  nun  habe  ich  gegeben,  damit  man  nicht  die  von 
mir  vorgetragene  Lehre  fiir  eine  Neuerung  halte,  namlich  die  Lehre,  daB 
die  weltlichen  Gesetze,  die  jetzt  in  der  Kirche  gelten,  wenn  sie  uns  audi 


—     2H3     — 

eecT  m*j2  OL^spI  l^^oss  l.\.»A.\  ja  ^.^p^ir  lAl  ^  aa  .  ..  t 
.2pcT  2^2  xa»2  v^oumSss  ^2e   .w>CT.;<a>\.'t)e  w.qt.v\Tia50 

ou^3  >Awjf3  ^  Y)  SX3  . 1  aa.Ts  lA  lJi^^  s;ao  a^o  >^\  tti:s.ao 
"7  ^  ^  •■  •"  2ec  g^j.A.a  3   l-aLJCOu.  ^se  Ju2  o2  ?.'o,....,x    l.u2 

olSA^  2ci^23  i«.e3>33  .oao73  ^ovaaXiao  ^^   1^2  .ou«oouoe 

■  ■  ^  • 

007  2auJ^3  ].^ai^  1^2  laouxa  Z^  lMw\spe  v3>»?  cn^ov'VV'n'i  m 
l^o  '.Upse  v^ou^oo  2c7i  ixo^S  t^a^o  2^a>,.^a  x.^2a  2xn.^ 
.u.07o^^a2  Uu2  ~1jl^3  4o\«"»Ve  l^Si^  :s^kao2  e?*  2dv3uM  2eoi 
iaooil  M>p  oac?  .2is^3ft*n\Y)3  3o^  ZjO^"v\,  ^2  xA  l^aot 
;^'i^23  :L\j;.5e  .^^A^o  \.\.3,.X3  2;\oumwAj:  .  rcL  r>  Axs 
A  ^^3,l.^JXo    .^ai  ^23   L^Lxe  .I^aoua  A^p  2^0.1^30  15 

.^2    !!  V  a.T,*\.Y)    IJOa^  33w3    .3u3LXA     Zj^OT3    ^2    ^!^T  h 

..^oA  ^33  UseyJO  ^3  lxi2  w»3  :  23C7  w.ai  2^aa.aaAxtf3 
\^  3^  .lj:«3ba  23b,aa^  ^^31^3  ^^Au.2  ^oA  w.*x*.^.l  Li^oip 
Jae  ,.v.A.\.  .23.»lX3  l.jo.3>  \.  I^crp  w.o7a\xe  23l«\.X3  2xcu2 
■  U^\'x  ...MOuj  2ec73e  LviaTao  23k3,X    jq)OujC30liou.3   .U:ja^,  20 

liAO?  ^i.  -3002  ^cA  ^2  y«Oa2  OJJL^  ^OlS^  ^  2oo?   A  3^ 

^3  2;sxJVo  .c^ivo^  '\.a<.;s2e  ^33  ya^  Xa9  i^o^jp  j^sa 
^  A  JsAxao  A  ^iL^oo  SuCkp  .  ^.t>M>  T*io  2is.a'3M2  ^eJV 
LA  ^c  . ,.y.v)  .k;soA  ^eoiiJ-ao  23^a.X3  ^eou  .A^p-ts 
^c  Lcuo^e  li^pp  :^&ab23  .^c-  2;spM>3  '%tc)^  l^p  .ds3b3»2  23 
.A  aaA^j:2  A  2ivalioo  ^2  .w.3A,:!ocxtt  2:S3k6a  U.^Oup 
ouaa^«s^2  L^pja  .^p  .oa^i^l  ^o^a^  y^  .0407  1A2 
ou^Up  l^^e  .>>aL^  ^2  ny-w  2p^l3  2p,^Z3e  .aaAio:2e 
i.\v<.p  .^.as^  \,^p  ZiOb^2p   .laSi^p  .^oo^^ao  .dy2^^X^  23oA 

'  I.  2p3e.  '  I.  Zajjou..  '  I.  ^S>t.;s2o. 

I.  .>.oA.  1  3o:njq};\. 


—    -i-.w    — 

niclit  scliriftlicli  iibcrlicfcrt  siiui,  ilcnnnch  von  iinscrn  Vorfahren  gej^eben 
iind  iibcrliefert  worden  iiiul  so  von  finer  Generation  zur  anderen  bis 
aiif  uns  gci<omnien  sind.  Man  i<ann  tientlich  aus  den  heiligen  Schriften 
erkenncn  (iniiern  wir  aus  ilinen  lernen),  was  Simeon  Kaphas  fiir  eine  Offen- 
barung  in  betreff  des  Ananias  und  der  Schappira  erhielt  (Aposteigesch. 
5,  Iff.),  und  wie  der  hi.  Stephanus  und  seine  Oenossen  erwahlt  und  speziell 
niit  der  Schliclitung  von  Differenzen  zwischen  Griechen  und  Juden  in 
betreff  der  Versorgung  der  Witwen  beauftragt  warden  (Apostelgesch.  6, 1) 
und  wie  sie  mit  Hilfe  der  Gabe  (Gottes)  und  der  Gijte  des  Heiligen 
Geistes  dies  Amt  im  Sinne  der  Wahriieit  verwalteten.  Es  wurden  ihnen 
mancherlei  Rechtsfragen  vorgelegt,  welche  sie  mit  derWeisheit  desHeihgen 
Geistes  zu  priifen  und  zu  entscheiden  wuCten. 


[SchliiBbemerkiing  von  derlokalen  Verschiedenheit  der  Qesetze.] 

In   solcher  Weise   ist   nun  die  Oberlieferung  der  Gesetze  auf  uns 

15  gekommen.  Freilich  ist  zu  beachten,  daB  hier  und  da  die  Gesetze  bei 
einzelnen  Personen  und  zu  einzehien  Zeiten  nach  den  Meinungen  und 
Ansichten  einiger  von  den  Leitern  der  Kirche  verschieden  gehandhabt 
werden  und  auch  in  der  Praxis  differieren.  Indessen  die  Tatsache, 
dafi  man  an  einem  Orte  anders  richtet  als  an  einem  anderen,   ist  nicht 

20  sehr  auffallend  und  widerlegt  niclit,  was  wir  gesagt  haben,  denn  auch 
die  Ordnungen  des  Gottesdienstes,  die  in  der  Kirche  iiberliefert  werden, 
von  deneii  doch  niemand  meinen  oder  behaupten  kann,  da(5  sie  nicht 
von  den  Aposteln  kraft  der  Gnade  des  Heiligen  Geistes  eingerichtet 
worden  seien,  weisen   ebenfalls   iiier  und  da  mancherlei  ahnJiche  Ver- 

25  schiedenheiten  auf.  Wenn  daher  die  Gesetze  eine  ahnliche  Verschiedenheit 
zeigen,  so  hat  das  nicht  niehr  zu  bedeuten  als  die  Verschiedenheit  in 
den  iibrigen  Dingen. 

Ich  habe  nun  iiber  diesen  Gegenstand  meine  Ansicht  ausgesprochen 
und  niedergeschrieben.    Wenn  aber  ein  anderer  etwas  Neues,  von  meiner 

30  Ansicht  Verschiedenes  oder  etwas  Besseres  dariiber  zu  schreiben  und  zu 
lehren  vermag,  so  habe  ich  nichts  dawider. 


Anfang  der  samtlichen  Gesetze. 
(s.  Aiiin.) 

§1- 

35  Du  fragst (ira/-///f/?:  iiber  das,  was  du  geschrieben  hast),  woher 

man  wissen  kann,  dafi,  wenn  ein  Mann  kinderlos  stirbt,  aber  eine  Witwe 
und  einen  Bruder  hinterlaBt,  seine  Habe  seiner  Frau,  nicht  seinem  Bruder 
gebiihrt. 

Ich  erwidere  dir  das  Folgende':  Gott  der  Allmachtige  hat  von 

40  Anfang  an  das  Weib  wie  zur  Hilfe  des  Mannes  geschaffen,  und  nicht 
bloli  zur  Helferin,  sondern  zu  einer  Helferin  gleich  ihm  selbst,  und  liat 
Weib  und  Mann  zu  einem  Fleisch  gemacht.  Deshalb  verlafit  der  Mann 
Vater  und  Mutter  und  hangt  seinem  Weibe  an  und  beide  werden  ein 
Fleisch.     Nach    dem  Worte  der  Bibel    ist   das  Weib  fiir  den  Mann  ge- 

45   schaffen  (Gen.  2,  20—24),  der  Bruder  aber  nicht  fiir  den  Bruder.    Mann 

'    Anstatt    Ich  erwidere  das  Folgende    wortlich:  sage  ich. 


—     2H5     — 
lx30\.?  Ixisle   .l^la  ♦o.via.T   1  \  -i<v\,\  :w\\M  I%.Axo 

.-Cv^alp  <ouas^3  2^aa^  \^  U'aoLX  tax  :.\ft,.^  loc*  2eor3 
I^oaJS  c-olXmS^  l«.eSp  I^^osu^po   vocol^p   l-t3  3ft.\Jo 
^..\,4>  ijLp?  ll\i:a  iJt'hjt  ^2  Ij^or  .2330:3  ^o-eLds*  ^2  5 
^.\..Tao  1x30033  l«.e33  <>aa%^3  d%a?  ^a^c*  .♦s^eo;*aQ>n  oeoi 
»^ec.soaaa\juo  ^33   Is*  ea;j  ovse  :  ^^eo;^  009-  .ijito^o 
1j^«o    Iw^e^au^    ^oJS    ^op    «»oau3    '^2    .^^seu^    a^3^^ 
X«La3M>2  LAaopk-ao  ^   l.i'3^3M.p  2i^.i^3^o  2JSeua^,3.o.aoe 
2por  ^c  ,32  p^A  >■.^\^^Jao  2p.>^oe  w.\»^wX.ao   .^d>L.i3>M2o   10 
lA.32  2au»;s  .A^xa  oA  ■  iJ^p  ^■.,Q<a  fl  ^^l.d.^i^2  ^op^p 
-^.TiaT^p    1  o.  %  \.   ^23    \Y,«ffi  ~^3uao23    ^o;-^    ^  \^  \  -7  •*? 
i»Li  e2  30UCX13  1.^  l^p  vO^^  .."nN^-xaoe  w^ps  2^>3^3p 
IiSl^oj  ft.'3a.jC5iv>>2   LmoSp  i<.o-3.j\j   l^^j.  ..^   2e9T   jJSp 
.^^2  ZJupp  2307  t32  .U«J  ou  «vep  ffopus   ^eous  2ecr   21Ajo  is 
^Ip   laoa    .CIS  2eor   pcuiAa   U>^oi  ■^ap-so   L.jAouX  0;.^   2eo7 
.^3J3o2  is.a3p2p   l33J(  Uc  \x  ^p   U2  .200"   lasjip  ^lavs 
3u.N^  e2  lie-  ^  soL^  ^Pm.  3.3k»p  xi2  X..2  ^p  ^2  .iooiso 
^eo;X^3   L..30X  .U2  23m^»  Z^   .o^Aaa^e    -^^-■^s,^^  wft^Suo 
§  1.  ^aa&i  SlA  23aLX  p  liw.pu.  Is^l  ^p  ^s.^^^p  w.cr  \x  v  2  :■  Xi^ip  20 
.uapf  o'^^al^  vi\,\n  .ci^  ^^  Uuo  o^  ^^2  U>2e  2Ni^2e 
\akae  2o;^2   Usoa  Jap  ;,s2  X3o2  2pc'  .^oraA.!^  2eci  ;i^e 
.1a33l^>»  pOuAa  2ec-  l^e  .o'sa  2x311  p  lispoA^p  ^2  2;^>a2 
Ug:\\.'o.c'30LX  23ad  pl^  ijoa  p^e  .c^aA2p  Usp^a^ao  i^2 
.9■^^Jl^  Af>  le    .opolAo  ^couszA  2^.n.\    ■Oc>.i.t.\   aA  25 
A\.i9  2^^i2  L^^^  ^A^  ^2e  .aj03  p>.M  ^oo^s«s  >^eeoMo 
.w.3j^2  MCaM2  \\.ae  209"    1^  ^p   1^2  .^^3a;s2  ^p  2%tiV 

pCb.A.3    209*     L^e     . .  .\  ,t3    23L.aOOu^    ♦,OOVd...*>3    ^X22o    23w3Ae 

2i^isj2p  au.u.£3e  ..  o9'».:^...2  2p3b~p  32  1^2  oo-  2oA.,p  ♦  eqn..A.o 
sa\abap  .,*o-oi^2  2\.-i.i  p   *  t  \ Nftj;  x..^^^  g^-.w.«.3  Jo«^  30 


1. 


^2.  '  I.  ^iao23. 


—     2Hfi 

unci  rrau  hiklfii,  solanj^c  sic  Icben,  cine  HausKcineinschaft.    Nicht  allein 

ist  ihrc  Habe  yemeinsam,  sondcrn  sic  gelioren  auch  cinander  gegenseitig  an. 

Ferner  stelit  die  Habe  der  Frau,  solange  sie  lebt,   unter  der  Ver- 

fiigung   ihrcs   Mannes.     Es   ware   dalier  ein   offenbares  Unrecht,   wenn, 

5  wahreiul  die  ganze  Habe  der  Frau  ilirem  Oemahl,  solange  cr  lebt,  gehort 
und  sie  keine  Vcrfiigung  dariiber  hat,  wir  nach  dem  Tode  ihrcs  Gemahls, 
falls  er  keine  Kinder  hinterlaBt,  nun  einem  ihr  fremdcn  Manne  ihrc  Habe 
iiberantworten  vviirden.  Wenn  man  auHerdem  die  Sache  genau  betrachtet, 
so  (Liickc)  —  abgesehen    davon,   ilali   sie   zur  Zeit   ihres   Sterbens   voll- 

10  standige  Verfiigung  hat  iiber  ihre  Habe.  Denn  wenn  er  nicht  soviel 
besitzt,  als  fiir  den  Unteriiait  seiner  Frau  unci  Kinder  ausreicht,  darf  er 
(unter  keinen  Unistanden),  wcdcr  ini  Leben  noch  im  Sterben  einem 
anderen  Menschen  tien  LInterhalt  gewahren. 

Und  dies  gilt  nicht  von  einem  Bruder.    Denn  wenn  sich  z.  B.  der 

15  Bruder  A  iiber  den  Bruder  B  beklagt,  daB  er  ihrn  nicht  seinen  Lebens- 
unterhalt  gebe,  zwingen  wir  ihn  nicht  durch  Oerichtsbeschhil),  ihm  das, 
was  er  braucht,  zu  geben.  Der  Mann  ist  zu  jeder  Zeit  verpfhclitet,  seiner 
Frau  den  Lebensunterhalt  zu  gewahren,  und  die  Frau  ist,  solange  sie 
lebt,  verpfiichtet  ihrem  Oemahl  zu  dienen  und  untertanig  zu  sein.   Lernen 

20  wir  doch  aus  der  Wirklichkeit,  daH  Mann  und  Frau  eine  Hausgemeinschaft 
und  eine  Familie  bilden,  wahrend  Bruder  nicht  dieselbe  Hausgemeinschaft 
und  Familie  bilden.  Deshalb  gebiihrt  die  Habe  eines  Mannes,  der  kinderlos 
stirbt,  aber  (seine  Frau  und)  Briider  hinterlal5t,  als  Erbschaft  seiner  Frau 
und  nicht  seinen  Briidern. 


25  §  2  (5.  Anm.). 

Du  fragst:  Wenn  die  Tochter  eines  Mannes  sich  zu  seinen  Leb- 
zeiteii  verheiratet  und  ihr  Vater  ihr  etwas  von  seinem  Vermogen  ab- 
sondert  und  gibt,  und  wenn  dann  ihr  Vater  testamentlos  stirbt,  erbt 
diese   Tochter   neben   den   iibrigen    Erben   einen  Teil   seines  Nachlasses 

30   Oder  nicht? 

Ich  antworte  darauf  das  Folgende:  Wenn  die  Tochter  bereits  ver- 
heiratet ist  und  im  Oehorsam  gegen  ihren  Oemahl  ihren  Vater  verlassen 
hat,  hat  sie  keinen  Anteil  an  der  Erbschaft  ihres  Vaters,  auBer  in  dem 
Fall,   wenn    ihr  Vater  zu  seinen  Lebzeiten  mit  ihrem  Oemahl  den  Pakt 

35  geschlossen  hat,  dafJ  er  ihr  etwas  geben  will,  und  dann  wegen  dieses 
Paktes  zwischen  ihrem  Vater  und  ihrem  Oemahl  ihr  ein  (Verm6gens)teil 
zufallt.   Das  weiB  jedermann  und  bedarf  keiner  langen  Auseinandersetzung. 


§  3  (s.  Anm). 

Du  fragst:  Darf  ein  Mann,  wenn  er  stirbt,  seine  Frau  deshalb  von 
seiner  Habe  ausschlieBen,  weil  sie  sich  etwa  vvieder  verheiratet? 

Ich  antworte  darauf  das  Folgende:  Der  Mann  ist  berechtigt  iiber 
seine  Habe  zu  vcrfiigcn.  Iiuiessen  es  ist  in  dieser  Welt  Sitte  und  Oesetz, 
daB  ein  Mann,  wenn  er  stirbt,  seine  Frau  nicht  unversorgt  lassen  darf. 


—     237     — 

a-iJ-jja  cA^  Lw.  3w^  I^iulp  oci^l  .lie-  ;AV  oa-  l^Ma\\, 
oi\^ap  o-^a»3  U3«3e  .w-ceA^  :.\..\x  *Ao  w.c-e^^2  oa^js 
xA  Los  3^   .CT\.\a  panSa  c-^xil  ^   s^sAp  ^^a^.:  jl&A 

Ay.'T)  .'ci^ia  \^  :!^l%.ia\    i.\. At  aup^ioub.  ^%jp  ^..^    3 

.\.At    ^'XmI    JUlA    W.C-O.M.O     A^2    erXAV^  -■    lA    .^CoLjOe 

Aa  2oo-  Ap  ^cu  .  L.^  A  a>»2^;\p  L»L  Axp  Ipcf     gw-s.\s^\ 
ae)^   lA   IjcxisolSo   1  *a..\p   :  ^cou^l  ^  ^S -»  *^   Uilp  ><.^^I 
^p  IslsA,  .oU-cuo^a  AaoLip  li^p  w.ca\^  ^^^  n^*^  .A  io 
In^MM  2^<^iIe   .c-^^^ilp    LjoasoiS  o  A,  Ya  ia  \    ^^Aao 
^eci'iJ.   .Jp    p^    .q;\,VT\   e>TV^T  Y>\e  o.Tia  Tia\    L^^p 
2\Y)o  V  pb~  o-^,^^I  aLX  laoA  p  .  u.«d3p>.»  Ipc  ^cr  Ii'kxaAp 
iLaeouX  w^'aMl  w^eu»2  ^  ^p   1«.2    ■„■•». a yi  Z\jaux  lp,^e 
^A  1..J3  pbS  lioA.  p   It  .»t3  2pg7i\  \,v>e   -vooui^l  ^vjduse  15 
leo-    Ae    l-op*   c^iv^A   o■^,o^^>~>   .oA  ^^2   l^Ie   ojS 
§2.   Ve?*  o-olsI  w.d..«a  I^^aj  pj^p  i\s>\^p  ^'a  \^  ■:■  a  v  ^otomA 
^d.p  ^3^o  oA  joue  2i>»  jca.^  cixoA   ^   o-oiale   :  IxsA^ 
lasjc  '21^  2Xaa  ^'cr  .'jais^p  pwOi^  A  p^a  >3^  :2;sx3  ^'cp  I3I 
2pc   .A  e2  .(roa2p   1i«j,J3   ,^  oA   Uoc'  2^a.as    .2^o•^^u.p  20 
2^flLiin>.*\\..vme  2x3.1^  isoc  ep^   ^3^  2^.^ap   .li2  '^i 

aUO    ^O-Q^,...^    .C'Ou32    >.2    A2     .iuxLS    0-Ol02    >Ji0    6;A.X33 

(ra32p  w.Oli^  \\^  .^s^jo  "ap^se  oA  ^is-&p  ^oa;s  ovma 
2^.0L5^oa  ppb»  .cra32p  ^e^^xo  A2  .<a»  oA  l«\.ao  ouo-xp 
1  i..fvj  A^  .l.a<^ra  Ae  . '  AV  xj2  \^^  A^e  .oA  nA  23 
§3.  .y At  •'ia\v,  .^  aoxi  2S.t\  a^s  w.o'  A^  :  A  .  21AjC} 
.Ux»2  2'vt\^  2eo7p  ^07  2^Aaa  .Ci.ua  yjx>  d^i>^L  toSXip 
I'oX^i  ?xj  .,\..V,T  07  \,\  n  A_^  2aL3A  p  .li2  ia»2  2po" 
ci^.a.se  .OV3  2%  Tip   .2p3e    Pu^im2    ijCDOuaaae   2pk_.x    Lac 

■   Lucke.  -   I.  CU^^XJO  ^  I-  oA^>3A 

*  I.  2;so'x,3  I-  23cre. 


—     238     — 

und  wenn  er  bestimmf  (durch  Testament),  daf>  etwas  von  seiner  Habe 
auf  froninie  Zwecke  oder  andere  Dinjje  (wdrtlich:  an  anderen  Tiiren)  ver- 
wendet  werden  soil,  so  ist  das  nur  dann  rechtsgiiltig,  wenn  er  vorher 
entsprechend  der  Hohe  seines  Vermogens  einen  geniigenden  Unterhalt 
5  fiir  seine  Frau  abgesondert  und  ihr  veriiehen  hat. 

Ich  aber  fuge  eine  Bestimmung  hinzu,  die  noch  wichtiger  ist.  Ge- 
sclnveige  denn,  daf5  dasjenige  geschehe,  was  deine  Heiligkeit  geschrieben 
hat,  dal5  namlich  ein  Mann,  damit  seine  Witwe  nicht  wieder  heirate,  sie 
von  seiner  Habe  ausschlie(5en  diirfe,  behaupte  ich  vielmehr  der  Wahrheit 

10  gemaB,  daB  sie  Teilhaberin  an  seiner  ganzen  Habe  ist,  weil  Ehebruch 
und  Unzucht  von  der  Kirche  ausgeschlossen  sind  und  eine  zweite  Ehe 
von  dem  Apostel  Paulus  (Romer  7,3;  l.Kor.  7,  39)  erlaubt  wird.  WeiB 
ich  doch,  wie  oft  eine  Frau,  wenn  sie  nicht  die  notigen  Existenzmittei 
hat,  urn  sich  zu  verheiraten,  unter  der  Kraft  natiirlicher  Reize  der  Unzucht 

15  verfallt,  was  das  gottliche  Gesetz  verabscheut.  Deshalb  bin  ich  derAnsicht, 
daB  der  Mann,  wenn  er  seiner  Witwe  nicht  den  ganzen  Anteil  eines 
Erben  geben  will,  ihr  unter  alien  Umstanden  entsprechend  seinen  Ver- 
mogensverhaltnissen  einen  solchen  Anteil  geben  soil,  deres  ihrermoglicht, 
sich  wieder   zu   verheiraten,   sonst  wiirde  er  ein  offenbares  Unrecht  be- 

20  gehen  und  fur  sie  der  AnlaB  von  Ehebruch  und  Unzucht  werden,  was 
in  fruheren  Zeiten  gelegentlich  vorgekommen  ist.  Wie  wir  der  Witwe 
das  Recht  auf  Lebensunterhalt  zuerkennen,  ebenso  gewahren  wir  ihr 
diejenigen  Existenzmittei  (aus  dem  NachlaB  ihres  Mannes),  welche  sie  in 
den  Stand  setzen,  sich,  wenn  sie  will,  wieder  zu  verheiraten,  damit  nicht 

25  infolge  von  Armut  Hurerei,  Ehebruch  und  Unreinheit  aller  Art  in  die 
Kirche  eindringe.  Die  Heiden  pflegen  fiber  diesen  Gegenstand  kein 
Gesetz  zu  machen,  denn  bei  ihnen  wird  das  ehebrecherische  und  hurerische 
Weib  nicht  verabscheut.  In  der  Kirche  des  Messias  aber,  die  von  Ehe- 
bruch  und  Hurerei   absolut  nichts  wissen  will,   darf  man  die  Frau  (die 

30  Witwe)  des  Geldes,  das  zur  Erreichung  dieses  Zweckes  dient,  nicht  be- 
rauben. 


§  4  (s.  Anm). 

Du  fragst:   Wenn   ein   Christ  mit  seiner  Frau  Gutergemeinschaft 
mit  Bezug  auf  sein  gegenwartiges  und  zukunftiges  Vermogen  macht  oder 

35  wenn  eine  solche  Gutergemeinschaft  zwischen  ihnen  nicht  existiert,  be- 
kommt  die  Frau  einen  groBeren  oder  kieineren  Teil  von  dem  Vermogen 
ihres  Gemahls  (nach  seinem  Tode)  oder  nicht? 

Ich  antworte  darauf  das  Folgende:  Ein  Mann,  der  nicht  in  Guter- 
gemeinschaft mit  seiner  Frau  lebt,  ihr  aber  (durch  sein  Testament)  einen 

40  solchen  Teil  von  seinem  Vermogen  zuwendet,  der  sie  nach  dem  Urteil  der 
Kirche  in  den  Stand  setzt,  davon  zu  leben,  auch  soviel  als  es  ihr  ermoglicht 
sich,  wenn  sie  will,  wieder  zu  verheiraten,  ist  berechtigt,  also  zu  verfahren, 
und  nicht  verpflichtet,  ihr  den  voUen  Anteil  (eines  Erben)  zuzuwenden. 


—     289     — 

^2  ;^I  .%\.Aj:  Z^  po^^vi  li'L^I  l^s^e  IsJnp^ap  xci3  o^ 

23a;  rJap  Zssp  2^3^.2  ^2  ^3   U2  .o;^  sauo   \\^  .(77^:!a2p 
2301X3   :  doaxs  ^^^asuyja 3  ,«or  2o<r^3  ;s^::k  1^323   .U2  3^2    5 
^  o^^AV?  >V«\t  U3U..2  2i3LVS  o'<NXj;2  2ec-^  %^p  dA^d 
\\t»  .w.of  ^v^^olS  aj.y„\.a  af\s^   '^1  233lS3   1^2  .oj.y..sJa 
^  lj^3N  Z\oe«e  .23u>3^  ViaS^  2;\aLa«o  23a\,  2^3u^.33 

Op3    :9X30    ^N^il^    ^^3    00^23    La2    ^xle    ■  yJO'kti     Um.\3! 
2%  .,\.  B    ^    ^J^«    !■»,•>    .23.,a.VA    lotris?    3039^3    ;U^.»    10 

Uoj^2  Looaoap  23o7  l^X^^^  2^oua«^  :.v...a3  2^.^^ou«.3 
Ssne  ^23  .^^  U^^ioe  ij^e  ^oXp^?  .0;^  i\ax^  3  "wi^N 
op3  Axae  OCT  1^2  .0;^^  ^^a3  .«x>A.^ioo  iS  '^  As,^  ts« 
o;,v«vn3  2^a>M^,a  ;soLSb.^  2>.n  \,\  2ocr^3  3e3f;s3  ^.a^JLao 
2^^^  M9re^w.2  ec7o  .  l.\.V  007  1  .YiftV  y.  djj^  jso^  lA  s^a  13 
^3^-b  >J%-a  Jso^^  23ce  .2^^J23  ov^3  2iNada9e  23oA  3 
.o;!^  jo^^^op  ^.tijcx^  IjQMsa^o  2^..<JC^^^3  l.aa.a2o  .as\.'ao 
2ecr^3  U^^  ^2  3o3«^3  Lo>jt.ao  o^jp  ;^  oor  ^2  ^0^07 
2<sa^9  ?..v«Ji.d  osla^s  ^.^.^3  Z^p  .g;A^  ^o-OXm  23>  -1  \  \ 
^3o^  2po;^\j30  ,^p  lAi^  .^OkX^  2^3k^  2^a^j^o  23a\o  20 
•s^oor^oA  2i<^«e  2>>3^  ^^.l2p  \\;»  .Isxs  I107  «!^a»  U«p 
%5a\^  .2;saAA*o  23aX  3  ;  li»^»ao3  w>.3  ffj^3j>.3  . U^uisjm  Z^ 
lA'Mftje^p  :s3^  ocn  >\y.>r>  .^:^a2  nXv^'oN  ^p*  ll  .l.fiL.p 
§4.  ;.v.\.r>%a  23J3\  3  ioNap  <^<r  \^  ■:■  p  -:  locn  2^oa^  i?oip 
Sua  o2  .oA  2ecrpo  d^2p  1  \.\  tti  2^iv&},A  ^;se>vJUo  si^  25 
^  .oA  l«eo7  2;sx..^3  o2  2;s3w..;^.  2Xi»  :  oA  >^^e^JUo  A 
Ap  23ol\  Ij^2p  .UaoT  1^2  3.^2  .A  eor  o2  .o^^.^ap  t t«t.B 
oTJiio?  lisMo  oA  <3^-o  ^3a  .on. tin  cr^^j  A  ^o3^.es  >3l^ 
oA  '  Aaop  u.or  .i<.i^3LV.  l.do^  ^^2  .oujo3^^^a^  I«o>.3!.ao 
A  2^sAukJUo  ^\ue  p^a   .yAt  23>tS^  2og^^  U^3  a^  ^2  30 


I.  ^.oa^^3.  '   ndd.   A. 


—     240     — 

Wenn  cr  dafrejjeii  ilcii  Vfitra};  vollstaiuliKcr  (jiiterj(emeinschaft 
mit  ihr  jjesclilossen  liat,  darf  er  nicht  anders  als  jjcmali  den  Fk-stimmungcn 
dieses  Vertrages  ihr  gegeniiber  verfahren. 


§  5  (5.  Anm.). 

5  Du  fragst:  Ein  Mann  hat  Frau  und  Sohne.     Seine  Tochter  haben 

sich  zu  seinen  Lebzeiten  verheiratet.  Von  seinen  Sohnen  haben  einige 
Frau  und  Kinder,  andere  nicht.  Darauf  werden  nun  der  Mann  sowie  seine 
verheirateten  und  unverheirateten  Sohne  im  Kriege  oder  auf  Befehi  des 
Konigs  getotet.     Bei<ommen   dann    die   (Frauen  und  die  Kinder)  dieser 

10   Sohne  einen  Teii  auch  von  dem  Vermogen  ihres  Vaters  oder  nicht? 

Ich  antworte  darauf  das  Folgende:  Wenn  die  verheirateten  Sohne 

vor  ihrem  Vater  sterben,  geht  das  Erbteii  der  Sohne  auf  ihre  Kinder  iiber. 

Wenn   sie  aber   zugleich    mit   dem  Vater   sterben  oder  nach  ihm, 

aber   nicht   so  iange  nacli  ihm,   daB  in  einem  solchen  Zeitraum  sie  die 

15   Erbschaft   ihres  Vaters  hatten   antreten    konnen,   so   ist  evident,   daB  sie 

ihren  Vater  nicht  beerben.    Und  da  sie  ihren  Vater  nicht  beerben,  kann 

auch   ihr  Erbe   nicht  auf  einen  anderen  (ihre  Kinder)  iibergehen.     Viel- 

'mehr  gebiihrt  in  dem  Falle  die  eine  Halfte  des  Nachlasses  der  Witwe 

des  Erblassers,  die  andere  den  Kindern  und  Frauen  der  Sohne. 

20  In  betreff  der  Tochter  des  Erblassers  soli  also  verfahren  werden, 

wie  ich  oben  (in  §  2)  angegeben  habe,  daB  sie  namlich,  wenn  sie  bereits 
verheiratet  sind,  keinen  Teil  und  keine  Teilhaberschaft  an  dem  NachlaB 
ihres  Vaters  haben,  es  sei  denn,  daB  ihr  Vater  mit  ihnen  (bei  der  Ver- 
heiratung)   einen   Vertrag   geschlossen    oder    sterbend   ihnen  etwas  ver- 

25  macht  hat. 


§  6  {5.  Anm.). 

Du  fragst:  Wenn  ein  Mann  zu  seinen  Lebzeiten  sein  Vermogen 
unter  seine  Kinder  verteilt  und  nun  einer  von  ihnen  zu  Lebzeiten  des 
Vaters  ohne  Hinterlassung  von  Frau  und  Kindern  stirbt,  wem  falH  dann 
30   der  Vermogensanteil,  den  der  Verstorbene  bekommen  hatte,  zu? 

Ich  erwidere  darauf  das  Folgende:  Wenn  einer  von  mehreren  Briidern 
zu  Lebzeiten  des  Vaters  stirbt,  so  fallt  alles,  was  er  hat,  sowohl  dasjenige, 
was  er  vom  Erbe  seines  Vaters  bekommen,  wie  dasjenige,  was  er  dutch 
eigene  Arbeit  erworben  hat,  seinem  Vater  zu. 


35  §  7  (5.  Anm.). 

Du  fragst:  Wenn  ein  Mann  seine  Frau  zur  Teilhaberin  an  seiner 
Habe  macht  und  mit  ihr  Kinder  zeugt;  wenn  diese  Frau  stirbt  und  der 
Mann  darauf  eine  (zweite)  Frau  heiratet,  auch  mit  dieser  Kinder  zeugt 
und  dann  stirbt,  ohne  ein  Testament  gemacht  zu  haben,  wie  soil  in  dem 


—     241      — 


5  3. 


2^do23  U*l  ^aoii  3  ^o^op  .^cr  \x  ;  or  :  >n\«ia\  ,\,At 
i^^Ip  wiO'cuae  .2%t\  »  ^oo"  w.o'Ou.mS  c^jjo  .cA  ^^->>2  l^uo 
t^aioio  .^eoi^  ^>op  ^s.d.2e  .  Ujao  Ixa  ^^oo'*^  i^aIP  ^eopiao  s 
JS^p  ^pacro  :  !Ljje  Ixi  voov^  •^A2^  <^o?ciLi3  TtA.  Xio^  oor 
v^oaor  :  » ft\\.  n^t  l3A.aop  Lip^do^  .^  o2  IsxfiUi  ^  oojJ^ 
Uoo7  ^eo70L32p  U^jud  ^e  :  Lose  Isa  vOO^  jSa2p  iIxj 
Lose  U'lp  llja  ^oacrp  .U2  kai»2  2poT  .iJS  o2  i<iie  •yOO^ 
V  00-032  ^p  ^vuo  .  ^3>J>^  vOO70a2  ppuO   ^   v^  vO^l^  "^^-^  "> 

•veo'oo2  3^j  ^  e2  ^oo70u32    «^^2o  .  *i.\.*n  ♦^^eo7  .i,n.^ 

.^eo^oa2p  Ix^jjo  lliia  ^e«S3U  vij?  ^^^?  ^-u*  laaa  2^ 

.1\^  1^  nooiA  'sp^  Sb^e  .9  3^20  1\.3»  I^  kOojl^P  w.o'  iA\ 
1^2  . '.yin  jcaI^  ^00-^e^au.e  >s,eo7is^>o  l\52p  miOT  }.A\ 
•.nN  o;\^^o  .U3P9  or^Siul^  o;\\^  •^^'^.  o^?  Ui.*iJa  is 
laaa2  .p^3^^„&  Uaor  ^p  ai'tsJia  >\\.ib  .1«u  ^oaoyp  iJcae 
(^o?azi2  SkA  1^2  :  2''vt\N  ^eo-  ea^^  jao  a^a  .Xs^o  \^  .^3 
1^2  ."axaa  ^avi  p-o^  oupaou^  w3«3  o2  :  ^oa^  ^^.o^aav  poL^ 

§6.   Sh^p   :^J^^p   ^o'  \^    :    o    :    v>OL^  i<^   2;^0Ld^0uXe  2i\.i.» 
^     p^p  ^o-Omoo   .  A\^i  w.o:ol13A  ottiii.D  «o7ciLw«a  23aL\  20 
^.aoi^  P^^P  eo-p  2^.U0  .^^oaai  Cuo  i^l  o)!^  iv^p  wofoja 
\a   -pj-^  w.o^oa2  ^.M^ap    ^2  eorp   .lo^or   Za2  3^2   .Ueo? 
uiO'epL^2p  l^.aa:s.  Jsp  >  2e  w.otoL22p  ^>e^3^  jap  ai^  :s*lp   luxa 

§7.  ^^oxi  23aLi.  p^p  W.O-  \x  V  *  :-  l\jio  m070loiA  .o^.T.v.a 
.^ojse^  2>kNi2  m07  ^sxse  x.»u  ou»  pAoie  oivuna  07«sNa2 
.Uia  pAoLi  2>s>i^A2  ^07  jap  ^2e  .SoMx^  i^il  ^^■^^.  9^^ 
iA^lp  Us3  .XJaSi<*p  P'^iLX  lA  pbiA  .•^L:e  Xaoi  eo?  .^sioe 
.  u'l\  a  ■  .\\Aao  Ud^2  .2;\3k««2  2^;^i2p  l!a3  a^  l^i\axasp 
1^01  \x   Ij^p   wO  o  '^..'o.N  ^p<   ^p^orp   ^    L.«,Mioo  iJ^aj 

>  Von  1—1  I.  Uis  ^OliojA   >  00;^  ^^2p   l!i3o    lic'i- 

'  add.  ^XX  ^3.  '   add.  ^3.  >   I.  3m.. 

Sacbau,  Syrische  Rechtsbucher  III.  lb 


25 


—     24-_'     — 

Falle  der  Nachlah  cies  Mamies  iiber  die  Kinder  der  Frau,  welche  die  Teil- 
liaberin  an  seiner  Habe  war,  iind  die  Kinder  der  anderen  Frau  verteilt 
werden? 

Diese  Frage,  scheint  mir,  miili  man  in  folgender  Weise  entscheiden: 

5  Es  soli  die  Urkimde,  die  der  Mann  mit  seiner  ersten  Frau  (verfafit  und) 
untersiegeJt  hat,  zur  Stelle  gebraclit  und  gepruft  werden,  damit  man  er- 
sieiit,  welciier  Art  ihre  Teiihaberschaft  an  seinem  Vermogen  war.  Wenn 
er  in  folgender  Weise  gesciirieben  hat:  An  der  Habe,  die  mir  waiirend 
meiner  Lebenszeit  zufiillt,  seid  ihr,   du  und  die  Kinder,  die  du  mir  ge- 

10  barst,  meine  Teilhaber<,  in  dem  Falle  geht  ihre  Habe  und  ihr  Anteil, 
wenn  sie  zu  Lebzeiten  ihres  Oemahls  stirbt,  auf  ihren  Gemahl  iiber, 
und  die  Kinder  der  Frau  ohne  Teiihaberschaft  und  die  Kinder  der  Frau 
mit  Teiihaberschaft  teilen  nach  dem  Tode  ihres  Vaters  seinen  Nachlal5 
unter  sich  zu  gleichen  Teilen. 

15  Enthalt  dagegen  der  Vertrag  andere  Bestimmungen,  so  muB  denen 

gemaB  entschieden  werden. 

§  8  (s.  Anm.). 

Du  fragst:   Wenn  ein  Mann   Mutter  und  Schvvestern   hat;  wenn 

seine  Mutter  (nach  dem  Tode  seines  Vaters)  sich  wieder  verheiratet  hat, 

20  wenn  einige  seiner  Schwestern  verheiratet  und  andere  (unverheiratete)  noch 

am  Leben  sind,  wem  gehort  dann,  wenn  dieser  Mann  stirbt,  sein  NachlaB? 

Diese  Frage  muB   in  folgender  Weise  entschieden  werden:  Der 

NachlaB  eines  Mannes,  der  weder  Frau,  Kinder  noch  Briider,  wohl  aber 

seine  Mutter  und  Schwestern  liinterlaBt,  gebiihrt  nicht  seinen  Schwestern, 

25   sondern  seiner  Mutter. 


§  9  (5.  Aim.). 

Du  fragst:  Wenn  ein  Mann  viel  Vermogen  hat,  ferner  arme  Briider 

und  Schwestern  sowie  eine  Frau;  wenn  er  ohne  Testament  stirbt  und 

nun  seine  Frau  aus  eigenem  Antriebe  sowie  auch  auf  Zureden  der  Kirche 

30   diesen  armen  Lenten  nichts  geben  will,  in  welcher  Weise  soil  dann  diese 

Sache  geregelt  werden  ? 

Ich  erwidere  darauf  das  Folgende:  Man  kann  nichts  tun  als  im 
Interesse  der  Armen  in  ratender  und  ermahnender  Weise  mit  ihr  sprechen. 
Es  ist  unmoglich  in  irgendeiner  Weise  ein  richterliches  Urteil  gegen  sie 
35  zu  fallen. 

§  10  (s.  Anm.). 

Ober  den  Fall,  wenn  ein  Mann  zu  seinem  Vater  spricht:  »Teiie  deine 
Habe  auf  und  gib  mir  den  Teil,  der  mir  aus  deinem  Hause  zukommt  , 
bestimme  ich  wie  folgt: 
40  Der  Vater  ist,  solange  er  lebt,  berechtigt,  dem  Sohne  die  Heraus- 

gabe  seines  Erbteils  zu  verweigern.  Wenn  er  aber  einen  unmiindigen 
Oder  verkriippelten  Sohn  hat,  der  auBer  von  dem  vaterlichen  Vermogen 
nicht  leben  kann,  ist  er  verpflichtet  ihn  von  seiner  Habe  erben  zu  lassen. 


§  U  {s.  Anm.). 

45  Uber  die  Frage,  ob  ein  Kleriker  berechtigt  ist,  seine  Sklavin  zu 

heiraten,  und  ob,  falls  er  sie  heiratet  und  mit  ihr  Sohne  zeugt,  diese  zur 
Ehre  des  Dienstes  der  Kirche  in  den  verschiedenen  Graden  zugelassen 
werden  diirfen,  antworte  ich  wie  folgt: 


—     248     — 
..3»vao3  Z^J.so  .MNi2  .:y  Y>  ^  .^i^ap    ulixap  oA  A«io  Uao' 

.>**>3    2^;Ni2    3^.1^     >^3u.^     •■^    ♦sO.'V  .^-t2     L^'^OuZ    .  ^OOT    w.^ 

Iaxiol^  3:s3  l^;\auo  I^a  2^^^,l2  .^  ^ecra  1..JJ  ^oaore 
:^^1^0uX  L3JSft.t,'t93  2;s^vj2  .-ao3  vOukCT  ao..  :  ^ecou323 
.2a.^3A.  Li3m.2  U»  ^oa;s  v2e  >.^ecoa2p  :  n..o  ,^\  \  Sl aa 
§8.  b»o'  \a.  V  y>.  :  «\^aaAo  .nualtSLN  ^p^  Li^o-  puiv^p  lttd2 
2^1ix«.au..  yxs.  iielo  :  o]^  ^2  ^eL.2e  1»2  2i3A^  p^^p  ^J^op   lo 

^  aj^  3l^  ~.3llx  ;^  l:&aj:3e  .l"y  i.\  \  ..^ ..a x  0*^0^2  ..^ 

\-    •        •         •  ■  .      \  \ • 

2aaL\  .^jcs^^^p  M?i  XiAV  .Xaiji  Ucr  jop^  ^aaA  ;  vt  \ x 
oj\,\.t3  .01^  2^2  4ou^2o  Iselo  .oO^  :\^  I^2e  UJ.3e  2;s^j2p 
§  Q.  :^.^iop  ^br  .\^  -:-  wV^  :■  ^p9  cpel^  i^2  .9f^<L.Z^  2eoT  iS 
:  ^,.v%,0'a  c'i^ixMklo  >^c:ix^lo  :  o^  •s«2  2;.\ra  U.itH  p^  lxa\p  15 
oj.i.^^  c^Xi2o  :>«I^  l.d2^p  lApo  :  o;^  ;s^2  2>«isa2o 
•  Ua^  1^  J^x^a!^  7)P>M  X  v.3.o,ao  *o^6iS  2;^pu^p  loA-aouse 
i^  ^Ip  .1x1  ao!)2  Uaoi  .2^00^  2po-  jCxix^^^^P  Jopi  <^2 
2>^eLL.i\ 3.300  l3>\3op  1J.JV3  >aio^p  vOgrJ^o.i.'v.fiXiVa  A  yiV) 
ovA^  bQjo^Jtt^  lXi.pe  lojo.^  ..^*  ^  p^a  2^2  .oA  3.3o2;sj  20 
§10.  w.craL3l^  3Jo2  23lIl\,  pop  ^o^.op  w.ct  \.^  -:  »,  -:  Jopi  1^ 
3^302  Ijoc  «,^.o  ^  A  l^»p  2^mU0  .a  jce  ^.^o  .,\N»^p 
.2Xuo  .^Xi  1^3  o>^  \  -^^^  w.cciL.^3p  1532  Uo*  evp  .1&2 
U'j.^  op  s,^  ;^23  ..^..^op  e2  >^>\.p  23u3  ci^  N^2  ^p  ^^ 
n^  .Ssoae  ^^  1^2  ,\,At   1^   .U^  2^30    1^   1^2  ..«cra32p 

§  11.  joev\,a  ^  ^^V  \'^''f  N^?  •^'^  ^■^  ■'■■  ^  -'  gi  ^  ■  ^  P  >^ 
0U3O  cr.^  »<ec'p  I..J0  ot«'>>">N>t  v2pe  . ^n \Yt\  '.Vn  o'^w3o2 
23uaLA  p  .2o2  3ob2  2poT  .»ei.a«^-&p  ^p9  2^3xp  zA's^o 
.jop^  1^  .luo  cu>^i\3a^  1^2  :a■^^2  33^^.00  po  1^2  1  n.%\n 
^2  ^2  .ovax^  ^a  X\Oua«p  ^oa^  .0;^  33.«oo   lA2p  .\\.y> 


25 


I.   U^JiHsp.  '   I.  aJOi.  Oder   ^pj.^.  >   I.   tl«a. 

16* 


—     244      — 

Eiii  Klerikcr  ciarf  luir  claim  seine  Sklavin  lieiraten,  wenn  er  ihr 
vorher  die  Freiiicit  gej^eben  hat.  Denn  solange  sie  niciit  freigeiassen  ist, 
ist  sein  Vcrkelir  niit  iiir  Hiirerei.  Wemi  er  sie  aber  dem  Gesetze  gemali 
zur  Frail  nimnit,  ist  sie  nicht  mehr  seine  Sklavin,  sintemal  sie  seine  Frau  ist. 

Uber  die  andere  Frage,  ob  tier  von  einer  Sklavin  Oeborene  in  die 
Kirche  (den  Kleriis)  aufgenomnien  vverden  darf,  antworte  ich  wiefolgt: 
Kein  Sklavc  darf  in  irgendeine  Klasse  der  Kirche  aufgenommen  werden, 
wenn  ihiii  sein  Herr  nicht  die  Urkunde  seiner  Freilassung  gibt.  Auch 
in  der  Synode  der  Viiter-Bischofe  ist  also  geschrieben.  Wenn  dagegen 
ein  Sklave  von  seinein  Herrn  gemafi  dem  in  der  Kirche  gebrauchlichen 
Usus  die  Freiheit  erhalten  hat,  dann  soil  ihn  der  Bischof  gemali  seiner 
Bildung,  seiner  Begabung  und  seinem  Benehmen  neben  anderen  durch 
die  Aufnahme  in  den  Klerus  ehren. 

Man  soil  aber  diesen  Grundsatz  nicht  zum  Gesetz  erheben,  well 
nicht  ijberall  und  nicht  gegeniiber  jeder  Person  danach  verfahren  wird. 
DaB  aber  ein  Sklave  auf  keine  Weise  in  die  Kirche  (den  Klerus)  auf- 
genommen  werden   darf,   ist  von   unsercn  Vorfahreii   bestimmt  worden. 


§  12  (vgl.  §  22). 

Du  fragst:   Wenn    ein  Mann   rechtmaBige   Frau   und   Kinder   hat, 

20   dann  die  Frau  stirbt  und  er  nun  mit  seiner  Sklavin  Kinder  zeugt;  wenn 

dann  der  Mann  testamentlos  stirbt  und  nun  die  Kinder  der  Sklavin  mit 

den  Kindern  der  freien  Frau  um  die  Habe  ihres  Vaters  streiten,  wie  soil 

man  in  dem  Falle  verfahren? 

Man  muB  in  folgender  Weise  entscheiden:  Die  Kinder  der  Sklavin 
25  konnen  in  keiner  Weise  den  Kindern  der  freien  Frau  gleichgestellt  werden. 
Das  sagt  die  Bibel  deutlich,  und  der  selige  Theodorus  fiihrt  im  Kommentar 
des  Romerbriefes  zu  dem  Verse  (Rom.  9,8):  Nicht  sind  die  Kinder  des 
Fleisches  die  Kinder  Gottes  aus,  daB  dies  in  der  Welt  nicht  allein  inmier 
so  gewesen  ist,  sondern  (auch)  daB  das  von  der  Sklavin  geborene  Kind, 
30  solange  ihm  nicht  sein  Herr  den  Freibrief  gegeben  hat,  ein  vollkommener 
Sklave  ist  (Partus  sequitur  ventrem). 


§  13  (s.  Anin.). 

Uber  die  Frage,  wie  Sohiie  und  Tochter  die  Erbschaft  ihres  Vaters 
teilen  sollen,  sage  ich  der  Wahrheit  gemaB: 

35  Der  Tochter  kommt  von  ihrem  Vater  die  Halfte  eines  Erbteils  zu. 

Denn  wenn  auch  die  Bibel  sich  iiber  diesen  Oegenstand  nicht  ausdriicklich 
ausspricht,  so  ist  doch  klar,  daB  iiberall  in  ihr  die  Sohne  die  Erben 
ihrer  Viiter  sind,  nicht  die  Tochter.  Weil  den  Sohnen  der  Besitz  von 
ihrem   Vater  ganz   besonders  auf   dem  Wege   der  Vererbung  zu- 

4(1  kommt,  bekommt  der  Sohn  einen  ganzen  Teil,  die  Tochter  einen  halben 
fiir  ihren  Haushait,  ihre  Nahrung  und  Kleidung. 


—     245     — 
oT^^al  >I  civaol  2.00"    1^  >^^->^    -^i^  \jos  lic'ip    aAooou 

2^03 X^p  23>\jc  oiiO)  V2  1^  2>.T.v  A.a3   .til  xa)2   Ij^ai 
.ci>^-3.oxaau^  ^p«    1^  2^>^LX^   ^^?  -^  a^"*:!   ^2  .o;^  aau 
^p  ooi  .A^^^  Uao7  13olcLou^2  4op23  joeaov^ouoa  ^2o    5 
op^aep   ^2o  2;s3l^o   233p  2&.«x  ^oA.\  vj^  sx^ao  ori-Mp 
l^Lx  ;a.^p    :  eLcLjOwa lA  ofA   ^p4    o'Susepe    o^^s^ojuoe 

Aaoo  <^ep  \^>j  2oo-  Ap  \\.»  J3P9   A  3^J:)kaaA   l-ttJoAo 
^  au»3  oa-  2p^3L^p  \ap  2pcr  s'^a  .^oio^s^l  Ijao-    I3e^a>a  >o 

§12.    ^^:.Oft»A    1^130    2;S^i2    23,.aL\    p^ap   ^AXJCp    W.07    A^     :    ou 


^u  :aLX  2^002  jaep  Lose  .;sl:b  X^^^p  Ap  23.3,V  .^a^je 
.p.a\aixS  JO?^  >^^2  .^Sw^ioo  vP^A-32p  >,.v>v.n  A^  2^3 1^  is 
:;\,\<>..  .2;\3Z«.  ^X3  "a^  2^^2p  Uup  wQo'VYiN  jc3pi  Xx^oi 
jbe3op2^  Ivsa^^o  .'yiol  x^u\\,  laXae  .^pcfS  isJ^  !sp^ 
ba\i>^  ocrp  lAt<x3L3  .Looecra  ^a^p  2^3lX2p  Z-CLSOuSuS 
'?'n\\-io  .2ou,.»  2oA2p  da  v^oo^;!^2  23ocajp  ll!i3  2e9'  Ap 
^2  .pA«:^»  >^\»2  ^»p  ec-  1^2  .Iph  Uaor  pcuAa  loa^  A  20 
^o<eiv^2  2p>TLa>,  1A2  .4e3X«.p  Z^iv^  ovA  Jso;^^  orsuao  pua  «^2 
§13.  ^ecnoci2p  2^ke^x>  2SLjao  Uiap  <*ir  \^  ■:■  >X»  :  .2x3^x^0 
.^oaop  l\Xa  0^002  ^  2^3aAe  .Ldp«3  1a2  x»2  .^X\a  o^2 
xA  Ijxs  Lio^  \^  ^.«2;s^;)w  L3X.3>j  ^2p  >V.\.»  .  l^\.ao 
^e^a>_  ^'i.j»l  zJj.o  <^ep>.^3i.3p  w.ot  ZwA^A,  1A2  ■><.«>  g'aa  25 
*\<\ii  .  ofTojl  ^p  \ y.'tso  ..^JCs  200*  Ae  >^eoT  » eov(7p2p 
^^.^.aaxso  ^ise  ^p  .  aX  pw3  .>eaA  ly.**)  2^e«si.k3  -^\o3N.'aa3 
ovoaaoL^p  ^2  .2Xuop  l\\5  A-i^c^  2>.k3A  .ZaouX^  23^:3^ 
Xxi  3.%^  Uac7  2Z\.a£]ap  ^2  2po7  ^nao  .9;soaAe  cujoao^e 
?..\.»p  ^si»p   w.^»aji:ao   A   U^itl  Su^p  oo;a2p   .2xi.^JO.aap   30 

'  1.  oo'  .  23.  M.  }^1  St.  .2  A.  =■  I.  laa^^op. 


—     24()     — 

Jeclocli  nach  nieiner  Ansiclit  ist  in  dieser  Angelegenlieit  die  vor- 
herrschcnde  Praxis  die  folgende:  In  dem  Falle,  dali  das  Vermogen  (der 
Naclilali  des  Vaters)  nicht  so  reichlich  ist,  daPj  der  Tochteraiiteii  fiir  ilire 
Ernalirurifi:  und  Kleidiing  sowie  fiir  die  Ausriistung  fiir  ihre  Heirat  aus- 
reicht,  liaben  die  Leiter  der  Kirche  bestimmt,  daR  ihr  noch  etwas  mehr 
als  ein  Tochteraiiteii  gegebeii  wird.  Und  dies  haben  sie  nicht  ohne  guten 
Grund  getan.  Weil  namlich  die  Kirche  unter  i<eincn  Umstanden  Hurerei 
und  Ehebruch  gestattet  (5.  ,<^"  3),  so  haben  sie,  urn  jeden  Aniafi  zii  solchen 
etwa  aus  Not  liervorgehenden  Dingen  zu  vermeiden,  in  rechtschaffener 
und  barmherziger  Weise  ein  solches  Gesetz  aufgestellt. 


§  14  (s.  Atim). 

Du  fragst:  Ziemt  es  sich,  dal5  dem  erstgeborenen  Sohne  oder  dem 
verkriippelten  oder  dem,  der  Kleriker  geworden  ist,  oder  dem,  der  seinem 
Bruder  besondere  Dienste  erwiesen  hat,  ein  groBerer  Teil  von  der  Erbschaft 
15  seines  Vaters  gegeben  werde  als  der  einfache  Sohnesanteil? 

Ich  antworte  darauf  das  Folgcnde:  Es  ist  mir  in  der  Kirche  nicht 

bekannt  geworden,  daB  man  jemals  dem  Erstgeborenen  einen  groBeren 

Teil  als  einen  Sohnesanteil  von  der  Erbschaft  seines  Vaters  gegeben  hat. 

Der  Kriippel  dagegen,  der  nicht  imstande  ist  fiir  seinen  Unterhalt 

20  etwas  zu  verdienen,  soil  noch  einen  Zusatzanteil  bekommen,  falls  er  von 

seinem  Sohnesanteil  nicht  ieben  kann. 


§  15  (s.  Anm). 

Du  fragst:  Wenn  ein  Mann  stirbt  und  eine  verheiratete  Schwester, 
seine  Mutter  und  rechte  Briider  hinterlaBt,  wem  fallt  dann  seinNachlaB  zu? 

Ich  bestimme  wie  folgt:  In  betreff  der  Schwester  soil  also  verfahren 
werden,  daB  die  verheiratete  Schwester  keinen  Teil  von  der  Erbschaft 
bekommt.  Ein  solcher  Fall  ist  zwei-,  dreimal  vor  uns  gebracht  worden. 
Die  friiheren  Leiter  der  Kirche  haben  nicht  diese  Entscheidung  getroffen, 
wohl  aber  ist  es  in  unseren  Tagen  geschehen,  und  in  ihrem  Sinne 
haben  wir  entschieden,  obwohl  viel  Streit  dariiber  war,  und  haben  das 
Gesetz  aufgestellt,  daB  eine  Schwester  des  Erblassers,  die  bereits  ver- 
heiratet  ist,  keinen  Teil  von  seiner  Erbschaft  bekommt. 

Mit  deiner  Frage,  betreffend  die  Mutter,  steht  es  so: 

Die  christliche  Frau  wird,  sobald  ihr  Gemahl  stirbt,  der  Familie 
ihres  Gemahls  fremd,  weil  damit  die  Gemeinschaft  zwischen  ihr  und 
ihrem  Gemahl  gelost  ist  und  die  Christen  eine  Verwandtschaft  durch  die 
Weiber  nicht  anerkennen,  da  ihnen  Znverlassigkeit  fehlt  und  ihr  Zeugnis 
vor  Gericht  nicht  angenommen  wird. 

Deshaib  uiieilen  audi  heidnischeRichter  iiber  diese  Frage  ingleichem 
Sinne,  daB  namlich,  wenn  die  Erbschaft  des  Vaters  noch  nicht  iiber  die 
Briider  verteilt  ist  und  der  einzelne  von  ihnen  noch  nicht  von  seinem 
Teil  Besitz  ergriffen  hat,  und  wenn  dann  ciner  von  ihnen  stirbt,  wo  also 
die  Erbmasse  noch  ungeteilt  ist,  tlann,  so  sagen  sie,  die  Erbschaft  (des 
verstorbenen  Brudcrs)  nicht  seiner  Mutter  zufallt,  sondern  seinen  Briidern. 
Denn  das  Vermogen  war  bis  daliin  in  der  Familie  und  die  Erbschaft 


10 


—     247     — 

23X^^3  ^c-  <a»p  .00X0^  ^^>^P  Li'aaxao  .2v-a.\^  leotraN 
Z^:  .ex)uC3  i^lxi?*  1^  loo-  1^3  230-  .o-J^  l:3au^:3o  .^Jap  ^ 
23aAo  2^0ua9    '  o'V.'n    lA  w^«  ^   3u«ap   2^>.\.'33    ^  \*'< 

§14.  ^bf  \x  :■  Xk  ■:  .^^T  lYi.S'r^o  :^a1i1a  axpo  oM,x>^  U^07 
'li3^0k»  e2  laouA  33  e2  IAAa  e2  23^ou3  23,33  Nsios 
^  9lA  Jou«^^3  J339  2i\3L^;^^  ^.aso  w.creu»lA  ^c^oi»^l 
X^«^  I^  23^a3  23a  >^^»3  .Li2  IiAao  2307  .w.o-oa23  2^o^3^ 

l^O    A..V03    ^3    o'er    .OI^   ^aO;^N2    2;S3l^;S'    2>s.U03     .2^3A3 

cC^  l.\,Y)  1^3  eou2  g;'ia..ftD\3  ^2  1jCx3>a  ov^  ot^'vYtN  2^ 
Jopi  23J!^dM3  2^A»  aA,c^)o;^^vaaL^o    '  -"^^  2^  aux^p  ^s-iJaa 
§  13.   2>«Me  ^.iib  3.^  2%t\  3  ^J^^3  ^cr  \^  ■:-  o^  •:•  oj!S   3a)^>s^p 
.l.\;ie  ooA  cj  \.\  a  ai^  i\^L  Lao2  ^.u   1^2e   Ijaalo   <n^..X3 
.>TiVN->  1j»3o^  2:^«.  A\.i9  ;\3u»23  Ma's   1^2  >n.o.3    L&^or  15 
^;S3^  lasj:  Uor  e<re  .2^j^  o;^  'oov^xn  )^  ^\\^^a  2i^M3 
Uo?  ^id^aut)  U303^    >?L^  ^o   .^^Ok^   ?,\.t9  i>S^t  ^^X 
g,^  Sla  .  ^tao'^  Uao-  ecre  .;^eo-  w\^3  .^^cL^e  .Irucxd 
03^  .^3  2^u<N.3  .>A>-3X   'no^e   Ij^pe  200*   2U\x3 
^3^23   1»23  ae^  «c<o  .^<a»  01^  Uec   lA  23aV^  A.ttT  20 
^  n\^a  ;!sl»3  23Mao3  2^  .^.ypBS^a   2^^i23  6u>^2   Lii^or 
2^o^^ax  0%^  ^^^^J:23  ,\  y vt   .  l^3.3>-i^5o  01.^^33  2;!o3j: 
>\y^>  . .  .-ajc^   1^    lira   ^    2^^o3>j:    '  v  .  y, n'xao    .gi.^>^33 
>eA.,3ae  .AT.oxao  1^  4e3opoao  .  ^.o;^  ;s^  ^^  la  ^e  3^3^x3 

'  1^2  3w:^3    .I1I3    ...ao*^    U^C    l33S   llOT  \x    301^3     1j^3    ^2    25 

ovsAa3  U..Aa  xi2  aA2e  .>  ecoa23  2^e^3«  •^  ooA  ?V  A^  A 
lOkXs  U.v.B  \di:&x^3  Xyin  .^soooi  vO^U>»  a^e  .^olS  1^ 
..i.\,»o  l^l!^  1^2  .lasl^  v>o^3^  1^3f  1^3  ^3l»2  .^are^^2 
i>aJ^isOJj  2^o^3u.e  Ai^s^  ^<roi^l  >^3xs  '\,\np  .\\,y> 
laeoo  OV3  2;NXi2o   .  l\  A3    Z^o    l-Q.a.x  \^xx  ^eoA^? 


30 


'    I.  030303^0.  -   I.    113^0^3.  ^   I.  e>-tV. 

*   add.   ;v.%i».. 


—     24H     — 

noch  ungeteilt  im  Gemeinbesitz  aller  Fainilienangehorigen.  Die  Frau  aber 
ist  mit  clem  Moment  cles  Tocles  ihres  Oemahls  der  Familie  ihres  Oemahls 
und  der  Gcmeinsdiaft  mit  ilim  entfremdet. 

Wenn   dagcj^en    die   Erbscliaft  sclioii  vor   langerer   Zeit  aufgeteilt 
5   war,    iiiui  nun  einer  der  Erben  stirbt,   wahrend  seine  Mutter  noch  lebt, 
dann  fallt  seine  ganze  Habe  seiner  Mutter  zu. 

Zur  Begriindung  fiihren  sie  an,  dali  der  Bruder  aus  der  Gemeinschaft 

der  Bruder  ausgetreten  ist,  das  betreffende  Verniogen  daher  nicht  mehr 

in  der  Familie,  sondern  sein  personliciies  Eigentum  ist,  und  dal5  deshalb 

10   seine  Erbscliaft  wegen  der  Verwandtschaft,  so  sagen  sie,  seiner  Mutter 

zufailen  muB,  weil  seine  Mutter  ihm  naher  verwandt  ist  (als  seine  Briider). 

In  der  Kirche  dagegen  scheint  mir  dies  die  vorherrschende  Ansicht 
zu  sein,  dalj,  wenn  ein  Solin  (dessen  Vater  nicht  mehr  lebt)  stirbt,  seine 
Mutter  und  seine  Bruder  sich  seine  Habe  zu  gleichen  Teilen  teilen. 
15  Wenn   diese  Frage  bislier  nicht  so  behandelt  worden  ist  (wie  ich 

hier  als  Branch  der  Kirche  empfehle),  so  wird  das,  was  bisher  gegolten 
hat,  auch  noch  weiter  gelten,  weil  eine  solche  Rechtsfrage  (nicht)  durch 
ein  Urteil  geregelt  wird,  sondern  durch  den  Consensus. 


§  16  (5.  Antn). 

20  Wenn   ein  Mann    oder  eine  Frau   testamentlos   stirbt   nnd   keinen 

anderen  Verwandten  hinterlaBt  als  einen  Vatersbruder  oder  Bruderssohn, 

dann  hat  der  Bruderssohn  das  groBere  Anrecht  auf  die  Erbschaft.  ; 

Wenn  eine  Frau  stirbt  und  einen  Sohnessohn  oder  einen  Tochter- 

sohn   oder  einen  Bruder  hinterlaBt  (dagegen  kein  Testament),   dann  hat 

25   der  Sohnessohn  das  groBere  Anrecht  auf  die  Erbschaft. 


§  17  (5.  Anm). 

Wenn  jemand  (testamentlos)  stirbt  und  einen  Tochtersohn  oder  einen 
Bruderssohn  hinterlaBt,  so  hat  sein  Tochtersohn  das  groBere  Anrecht  auf 
seine  Erbschaft.  Denn  wenn  auch  in  der  Verwandtschaft  mit  dem  Erb- 
30  lasser  beide  gleich  sind,  so  ist  ihm  dennoch  der  Tochtersohn  wegen  der 
direkten  Fortsetzung  seines  Geschlechts  der  nahere  Verwandte  (von  den 
beiden). 

§  18  (5.  Anm.). 

Der  Fall,  daB  ein  Mann  stirbt  und  einen  Sohn  hinterlaBt,  der  einer 
35   anderen  Religion  angehort,  wird  bisher  in  der  Welt  also  behandelt,  da6 
man  demjenigen,  der  vom  Heidentum  zu  eineni  anderen  Glauben  ubertritt, 
keinen  Teil  von  der  Habe  seines  Vaters  gibt. 

Dasselbe  bestimmte  das  Gesetz  Mosis  iiber  die  Gotzendiener  und 
verhangte  (auBerdem)  iiher  sie  die  Todesstrafe  (Deut.  17,2—5). 
40  Wie   man  einem  Menschen,   dessen  Vater  einer  (nichtchristlichen) 

Religion  angehort,  wahrend  er  selbst  das  Christentum  annimmt,  keinen 
Teil  von  der  Erbschaft  seines  Vaters  gibt,  ebenso  soil  man  auch  dem  Sohn 
eines  Mannes,  dessen  Vater  Christ  ist,  wahrend  der  Sohn  eine  andere  Re- 
ligion angenommen  hat,  keinen  Teil  von  der  Habe  seines  Vaters  geben. 
45  Fiir  diese  Sache  wiiBte  ich  keine  andere  Argumentation  oder  Analogic 

beizubringen. 

§  19  (s.  Anm.). 

Wenn  ein  Mann  stirbt  und  eine  Frau  sowie Kinder (uw/Z/V//:  Sohiie), 

die  aber   nicht  von   dieser  Frau   geboren  sind,   hinterlaBt,   und  alsdann, 

50  bevor  noch  die  Hinterlassenschaft  des  Mannes  verteilt  ist,  auch  die  Frau 


—     249     — 

.Um  ous2e  ^ooujso  su.  Mao  .I^e^a^.  ' \ Aa  oack  ^ao  ^3  ^2 
Xyaaa  Ipa-  \x  U.e3  ^^-aA^e  •  1\^  c.^L^  o'.xa^  oSa 
'S  \o>M  giv.v.oe  ^n^A  ^o'flu.I  ti^p  ^\au^^>aux  ^p  -t.^ 
.^kaol  2>>ft-i.»\.n  \^^  ^erois^L  oulSlip  1^2  .voaJLs  2eo7  5 
^p  2^aL^a  .l3uka  L.x^  o'oo2p  .\\.-ae)  2^e^3>«  Uap^  c^l^ 
oue2  .^1^  xa  2^3  3  ^  l^«^i^^  !.\,acr  2lA.,ftJ0..33  ^2 
Ixcf^  l^p^  ^2   Isaj:   Uc^   .ou«xt>   ,..\^^  i^^Uoa  w.a'aM2e 

233   ll^C  200*    iS   1X91^   1»>^3^   001   .loO"  233    U^OT   200*    1^ 
.^Oua^    23C^3    .\.\.,»    .23ka    233     LXOV^    *OS3uX3     OC-      .200"    10 

§16.  e2  2aL3\  •:-  ou  ■:•  2;soLaa\x3  1^2  .Ivao"  'Sft^^sxao  ^<-^<>>*^-i 
;^2  nOc;^  3.^Ld3  xi2  :v.^e  m>^um  l^^^p  I^  a^p  2N^ji2 
.;^3«  3^;s^  1^1  \n\  4e^^u.  U>23  23bj  o2  la23  }^2  .v^2 
^2  o2  2^3a3  e2  2aa3  233e   .2abJ.^   Laa^^  ^ao  Sua  2^^a2 

§  17.  pox  ju2  3^    :   v.  :    U)3«  L.:^  o^3a   aoi^   2;so^3^  .oC^  is^l  is 
3aA  g;  v.;.03   ^seiv3w«  ou^  ^^2  ^^23  23lJ  e2  2XX33  2ijo 
vOc;^3JS  2>><a,v..i.23  laSjia  3^  3^3  \\'»'  -iJOp^  i^i^  aiishj 
•:-  ouxd   3b^.;s^  2;S3a   ka  2ah^o:303   Ajou.  .\  \.y>   zA2  .^ouS 

§  18.  oS?  23l^  ajJ^  d^^2o  >.ViV.t  '■YK.V.X  ^^  Sua  2%.T,\  •:■  mm. 
.^3  00*3  .2XiA.  233  %utai  lYiVvt  .t^9?oi>w.2  c-^oaaoucr  xa  20 
w.0'a.323  •^^i.d  ^  .Luuo  2>.3u<«>2  2;s<x  ;  "ift  .oyA  2^f> /\.  \  .. 
•sOaor  \x  ZjlAO?  Ixoasp  •  Dotann  ^2e  .^^.ao  a^^  ^ou  1^ 
wttJOLa  2^a»3  U«33Ae  ee<r  ..■■■■A 5  l^aese  2i^e3wA^^3 
9*30  .M97ois^2  2x\m3  ^  ^^'^.  ?^?  i-i>^^2e  .yOcAvi  2eo^ 
^o^db  ;A  M>o'a323  2^o^3.^  ^  <o.ao  >aa^^^^  2^»oi.\,X3X3A  25 
2;\3yM2  4\*«3>.^  'v.\.JOaLa  2kaA,  3  caa  a^a  lu«j  a^j  .o]^ 
\^o  .ja?i  'S  a%^  ^Naft^  <aao  w.oToa23  ?  \.\  n  ..as  T  v,t.*h 
^3bA  lA  o'n..'V'ft\o  0u.is.raN  2^.^y>2  vui.au.^  .  ^3  Issjc  X^ai 

i  1"    M.o'OJae  9*-^  ^^2  2^^>a2e  -"»■/>  v^  ^   3,^    2S.  t  V     :    «^^    :    Li2 
•y.in    \Va-s.t->  pa.^  jue  .>o9i«:s^2  2>b^i2  ^o^  ^  209"  iN  30 
2dk^i2  M.97  'ii.i,o  .\Va^^3  s3.x>  .^00  .>  o9u;s^2  2^^.&2   ^.or 

"^^^^^^  ,  •  •  ■^  •  \       ■ 

'    ^   zu  tilgen.  -   add.  loc    1^.  -^    ^  zu  tilgen. 


—     250     - 

stirbt,  iirul  /war  ohiie  ein  Testament  zu  liinterlassen,  claim  (j^ilt  folj^ende 
Regel:)  Weil  die  Frau,  nacluiem  ilir  Oatte  gestorben,  der  Familie  ihres 
Galien  frenid  geworden  ist,  und  well  dasjenige,  was  ihr  zufallt,  unter 
ihrer  Verfiigung  steht,  so  wird,  wenn  sie  selbst  keine  Kinder  hat,  diese 
ihr  von  ilirem  Oatten  zugefaiiene  Habe  von  ihren  nachsten  Verwandten 
geerbt  (nicht  von  den  Kindern  ihres  verslorbenen  Gatten). 


§  20  (5.  Anm.). 

In  betreff  des  Falles,  dalJ  ein  Mann  sterbend  seine  unmiindigen 
Kinder  der  Fiirsorge  eines  anderen  Mannes  (A)  anvertraut,   und  dann 

10  aiich  dieser  (A)  stirbt  und  die  Fiirsorge  fiir  die  Kinder  wieder  einem 
anderen  Manne  (B)  anvertraut,  bin  ich  der  Ansiciit,  da(5  die  Sache  in 
dieser  Weise  von  den  Vorfaiiren  gehandhabt  worden  ist  und  daB  sie 
ebenso  gehandiiabt  werden  nuiB,  da  die  Leiter  (der  Kirclie)  die  Ange- 
legenheit   der  niinderjahrigen  Kinder  nicht  auBer  acht   lassen,   sondern 

15    ihr  bestandig  ihre  eifrige  Aufmerksamkeit  zuwcnden  solien. 

Ich  sehe,  daB  dies  auch  in  den  Canones  und  Oesetzen  des  seligen 
Cathohcus  Jesujabh  bestimtnt  ist.  Und  in  den  Synodalakten  der  Vor- 
fahren  steht  in  betreff  der  Kieriker  geschrieben,  daB  ein  Kleriker  nicht 
das  Geld  von  Menschen  an  sich  nehnien  und  es  zu  Handel  und  Zins- 

20  geschaft  verwenden  soil,  ausgenommen  auf  speziellen  Befehl  des  Bischofs 
im  Interesse  der  Habe  von  Waisen. 

Wenn  aber  ein  Mann  sterbend  die  Fiirsorge  fiir  seine  Kinder  einem 
anderen  iibergibt  und  dieser  sie  wieder  einem  anderen  iibergibt,  so  ist 
dagegen  von  seiten  der  Canones  der  Kirche  nichts  einzuwenden.  Indessen 

25  die  Leiter  der  Kirche  soilen  fiir  sie  achtgeben,  damit  die  Habe  der  Waisen 
und  Unmiindigen  nicht  verstreut  und  vergeudet  wird.  Wenn  der  erste 
Pfleger  einen  zweiten  ernennt  und  auch  dieser  stirbt,  dann  solien  die 
Leiter  der  Kirche  die  Sache  genau  untersuchen.  Wenn  ein  Blutsverwandter 
der  Unmiindigen  vorhanden  ist,  soil  er  mit  ihrer  Fiirsorge  betraut  werden. 

30  Wenn  aber  eine  in  jeder  Weise  geeignete  Person  (unter  ihren  Verwandten) 
nicht  vorhanden  ist,  dann  muB  (von  seiten  der  Kirche)  ein  Pfleger  fiir  die 
Unmiindigen  und  Waisen  bestellt  werden.  Unter  alien  Umstanden  soilen 
die  Leiter  der  Kirche  sich  Miihe  geben,  daB  die  Waisen  und  Unmiindigen 
nicht  ohne  einen  Pfleger  und  Fiirsorger  belassen  werden. 


35  §  21  (s.  Anm.). 

Wenn  ein  Mann  seinem  Sohne  etwas  von  seinem  Vermogen  gibt, 

dieser  ihm  aber  dariiber  keinen  Schuldschein  ausstellt,  ob  in  diesem  Falle 

der  Sohn  die  Sache  zu  personlichem  Eigentum  erhalten  hat  oder  ob  er 

nur  den  Zuwachs  derselben  erhalten  hat,  wahrend  die  Substanz  Eigentum 

40  des  Vaters  bleibt,  laBt  sich  auf  keinerlei  Weise  unterscheiden. 


§  22  (5.  Anm.). 

Wenn   ein  Mann   stirbt   und  seine  Mutter  und  einen  Bruder  oder 
eine  Schwester  hinterlaBt,    wenn   er  auBerdem   nur  Kinder  von  seiner 


—     251      — 
^oa^  .^  .oA^a  i^^^  3^  :^^:l2^  .\\.y>  .Ix..^  l^x^s  '  l^as 

■  •  •  ^  •  •   • 

§20.  ^«j  sla  ^^olV.   :■  ^  :   M?^  6;^  3^xa  3u.;s^p  eov^  "^Vyt 

Zjcxisou^  ecT3  2%.n.\  eo-  ^s^jo  .vooi^  A  ^  \  ao  I^SmiI 
\x  Ti.Qa  .^3mi2  J:.i2  lio"  ^2e  .•soaoa  \.xViM  w.creXi.L3 
1^30X303  Xoux^M  ^Lp'  N^«^  l.^\.  •^oac'3  L0^30^ 
aa^»lS    1^2   .CUOlS3l13   ^3^    I^    :Tnf>V.    1^3    X<.\\3   2^00^ 

.«veeu<a   >^oo;*\.^3  "2^o  XiV^.n  . *,  \  9Liao2 ^^Z_i   lo 

■  •£ld.^o^a^  aou  ^ax^  If.^i  y^M^p  i.^3e  luo.  i.  a  a  ^2o 
\\.Y)  JuJsa  Ij^o^  Z^xtis  joesgucuojo  ^  ■ " '^ ."^  ^^v^  Ij^c 
ju23  .2«e«  \.  .  \  T  L^  I.>n,..n  La  2%.-i.V  3  ^  -^  -  "  Jlu 
>a3^^  »2  1^2  ^t\')o\  Us^oue  2:^3oA.2^JO  .oun  ca  laN 
^OdOA  23aL\  >2  1^2  .l^&.d.3  U.^g  \^»  *  '^o  a  o  ^2  .^  is 
^x..2  jui^  ^^'^.  o^o  -^^  »\ia.\ao  JciiA  w.aciasp  Ijcmsol^o 
^l  .2^30.3  liooa  ^  lA>^  lA  l^ai  .^.o-ASCu^  rt  \  T,a9 
;  \ .  \  n  3  yogj  A  A.  ou.ou.aa^  ^3*  2JS<>\.\.i  2^3b^3  LA'-v.-axM 
UOkA > *^.'30  eor  »^2o  .33a^.A  e2  3o->\5^^  1^  1  \\o  l3oi<^3 
2^3^3  U'3a>»  ^^aaoa  o'er  ^2e  .'au.CDo  ^x»2  xil^  1.^3^0  20 
juxd3  Xi2  >w.2  *^2e  .^soo^s  gu\^  oTnvnN  •^  eo;^  ^39 
»«aXJU0  1^  liC  ^23  ^2o  .  ZjoisolS  \^^j  t^  '  A\^',\  vOoA 
1  1.0  \\.3L.ao3   ^39    L^S^e    1-^.\.V^  \^   .^.^uosol^  A,.a>j 

.;Li303k.»e  l^e^  A.^3  1  .  \  \^',o  >^>w3  .cv.\..A.«.is.5aL^ 
§21.  ^^v&  csoi^  CT^.to  ^  93^  3^  ^^'^.  '-°  >^  '■'  ••^ouCl^^Ju  1^ 
01x^3  lx..i>a  ^2  >  23  .si^^*  1^3  eo"  \^  .^so^p  2S>\,To 
ZabbXo  .Jucxi  w-caX^  '•9^?  3a*A.3  lu3i^ou  e2  .cA  jok> 
■:-  AA  :-  Z^Swioo  I^  ^1*  ^ap  Sb^s  ^0*0X^2  ^c^oal^  *  v . v  n  3 
§  22.  Jap   ^\,^o   .cA  i^->2  2X»  e2  l«.2o   lao2o  J^oaoi   &A   2vtl.\^ 

'  I.  1^3.  *~-  zu  emendieren  nach  Tukkasa,  s.  Anm. 

'  I.  tq>s>r\         ■■  I.  ;^.tn3  m.  o^S.        «  1.  :^. 


25 


—     252       - 

Sklavin  liintcrlalJt  iind  seine  Fran  iiiclit  melir  lebt,  so  gehort  sein  NachlaB 
seinen  Verwandten.  Denn  seine  Kinder  von  der  Sklavin  sind  von  der 
Erbschaft  ausgeschiossen,  wenn  ihr  Vater  sie  nicht  adoptiert  hat. 

Wenn  sie  indessen  noch  sehr  klein  oder  verkriippelt  sind,  so  daB 
sie  nicht  selbst  etwas  fiir  ihren  Unterhait  erwerben  konnen,  dann  soli 
ihnen  aus  der  Habe  ihres  Erzeugers  etwas  zum  Lebensunterhalt  gegeben 
warden. 

Vollendet  sind  mit  der  Hilfe  des  Herrn  die  Urteile  (Gesetze),  welche 
von  Mar  Simeon,  dem  Erzbischof  von  Rew-Ardaschir,  verfaBt  sind. 


0^ 


5H     — 

:■    XnX33  20u.3  3 

1  I.  ^OOT.         '  I.  ll.'j3^.  '  I.  gjcia^a^^ . 


Eherecht 


lies 


Patriarchen  Mar  Abha. 


257     — 


Inha  tsangabe 

zum 

Eherecht 

des 

Patriarchen  Mar  Abha. 

Einleitung .... 

Seite 

.     .              258 

Zwanzig  Verbote    . 

.    .    260-285 

Sachau.  Syrische  Rechtsbuclier  111. 


—      -ioS 


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^3e^3  1X323  2'iiLX  ^2  .  »\.>jR><   .^n^  xaSkao   Ixaao  3>w>3 

^^^JA3    Z^323   2i.3UX   ;^2o    .>e3^3..XX    L^    .OIUJ    kOiN'V'O  V? 

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X^p  u.o7e  .U.Ok3  1^3  ^en'^o  U^^3  ^o;^  :saudoAe  . 'aii^m 
i's^p  ;au^3  ^23  u.o0^e  2'xa3  'slxs  ^o^  .^.cr  .^2  Iao^o 
.oaau*  ?xfti«^\  ^J^A5^2  U^3  w.07e  lo^ac?  .23u.X33  ^67^0 
^3  :  2x^e:!s33  :y>.oiT\  nuoo  2^ou.a«^  a%iieo  23a^  eriiso 
li^a*s%^  lA-^  o^o^aee  .  L.a^^'ao  Z^'Laoui  ^»  e2  2'3.aoo.A 
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—      2ril)      — 


Text  und  Ubersetzung. 


Ferner 

ein  Schriftstiick.  des  Catholicus  Mar  Abha, 

eine  Aufklarung  uber  die  Gesetze  betreffend  den  Oeschlechtsverkehr  und 
das  Heiraten  (5.  Anm.). 


Qott  befiehit  durch  Moses  den  Israeliten:  Nach  den  Taten  des 
Landes  Agypten,  in  dem  ihr  gewohnt  haht,  sollt  ihr  nicht  tun,  und  nach 
den  Taten  des  Landes  Kanaan,  wo  ich  euch  hineinfiihre,  sollt  ihr  nicht 
tun,  sondern  tut  meine  Gesetze  und  befolgt  meine  Befehle  und  wandelt 

10  nach  ihnen.  Der  Mensch,  der  nach  ihnen  handelt,  lebt  durch  sie  (vgl. 
Levit.  18,  3— 5).  Dies  ordnete  Gott  zu  dem  Zwecke  an,  um  ihnen 
verschiedene  Gesetze  iiber  den  Geschiechtsverkehr  zu  geben  und  um 
sie  das  Verbot  des  Ehebruchs  und  anderer  Missetaten  und  der  Ver- 
wandtenheirat  zu  lehren.    Zunachst  erklart  er  ihnen  den  AnlaB  zu  diesen 

15  Oesetzen,  weist  sie  hin  auf  das,  was  sie  in  Agypten  erfahren  hatten  und 
was  nach  Horensagen  in  Kanaan  getrieben  wurde,  und  dann  befiehit 
er  ihnen,  diese  Dinge  zu  meiden. 

Der  Anlal5  dieser  Gesetze  ist  folgender:  Weil  von  alien  Menschen 
in  der  Folgezeit  (der  Zeit  nach  Moses)  und   bis  zur  Zeit  des  Messias 

20  und  auch  noch  jetzt  sehr  viele  sich  ganz  besonders  in  der  Sache  des 
Oeschlechtsverkehrs  verunreinigt  und  alle  Regeln  der  Natur  und  des 
Gesetzes  uberschritten  haben,  so  wollte  Gott  in  seiner  Weisheit  ihnen 
deutliche  und  detaillierte  Gesetze,  verbunden  mif  Unterweisung  und  Straf- 
androhung  (s.  Levit.  20,  10 — 21)  geben,  damit  sie  nicht  ferner  siindigten 

25  und  die  Ordnungen  des  Heilsplanes  verdiirben.  Der  Geschiechtsverkehr 
namlich,  der  von  Anfang  an  in  der  Kreatur  nur  ein  einziger  war  und 
der  durch  das  Gesetz  und  die  Propheten  geregelt  war,  hat  sich  unter 
den  Menschen  in  verschiedene  Arten  zerteilt,  zunachst  in  die  copulatio 
naturalis   und    die   copulatio    non-naturalis.     Und    letztere   zerteilt    sich 

30  wieder  in  die 

copulatio  cum  masculis, 
copulatio  quasi  cum  masculis  und 
copulatio  cum  pecude. 
Und  gleichfalls  teilt  sich  die  copulatio  naturalis  in  folgende  fiinf  Arten 

35   (s.  Anm.): 

1.  zum  Zweck  des  Ehebruchs, 

2.  zum  Zweck  der  Hurerei, 

3.  zum    Zweck   einer   Entjungferung,   sei   es   durch    heidnische 
Priesler   oder   durch   fremde   Reisende.     Ein  Teil   dieser  Art 

<o  dient  zunachst  der  Hurerei. 


—     200     — 

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.0^3  ^07;^  3w3..\»^  2eoT  Jipi  \ap  Ueaoo  23aix  pa. A 3 
2fr«aao3  2^.\m3o  .>.-3.v,  ovV.3  ^01  lj'i±]0L^3  Xio^Xi  3wa 
2*30033  2;se^«3;s  \^3  U«2  001  \d23  \^»  .>eov^  «2La2 
;^'x^ajc>^3  OCT  2^a»  ^  .3^3  1^  2X03^.^^3  llLo  :  Ifixs  13 
^3  2oo7«S3  .;^3^  1^  2^^'o  2^JVA]3  ^e  .^/..ak^  ^a\ao^o7 
2.i'xciou^3  t.'aai.cx^  o^  .^  2au.o;a  ^ctt  \x3  2^Aao  <u>or 
Slm  \.i3  \.Xe  .^^&.\..i  233UQXJ  i,Jt^pJa  ^o^^ojc  \^3 

§  1.  \^  ^'^.  ^\  .l«aoxa  .\.i*\'Biv>  Z*ojcae3  laaa  ^eop^  3u« 
;U2  .LjC330k5  ft  .W'ttN  .^ekJ3»d^>s  Z^  .gysuo-a  ouxa  >^  2u 
^3   .^dalo  o;\:&  20^^  \x3  ^wA,^2  ^«oj^;s«2  ^aj  .Uk»  U2 
.Wia'M  ^ovA.a  A.^  .Lx'su^k^aeo   UaL^^^*  l^su^oud  <^a;3io 

§2.  <^a323  o;^jo30l3  :  tr*^*^?  -  ^?^  ^-'^  l^a^J^s  ^^.^cn  :axde 
o^.<jCD3oJ^  l\\j\  I^  ^OT  ^2  .lA\>»  lA  ^^3023  o:L.jia3eudo 
2xOd.2  .Uc^    UxdOL^  OU3  ^o^P    ^,<.ov^   "PpJO  u.c^    l\\o  25 

.30^0    .y^O70a3k^a^   ^    3u»a;SA3    O?^    •CIS^P    :  1JU3l33    U^3 

2;scLaA  ;^3».a  i^p  .;juk33  ;\A3  z^o  23mAs  :.jc».aa.^ 

..oovAi.3   1.3euMO  ^\ou.o2o  2;sat>3!.5o  ^A?)  ;a_i,e   .ovXeo«u3 

....    5 
ajpj,  Zi 3^.23  opo2  ZJiakiM2o  .2ecu  w.creu.2e  eo^3  ctjSmP  eo7e  30 

'   1.  2aL^.  -'   zu  tilgeii.  '   I.   z\30lAo.  '   I.  «^23. 

i    I.  .  t  ■\\s»%«»< 


—     2(i  1     — 

4.  copulatio  cum  muliere  viri,  und 

5.  copulatio  cum  muliere  legitima  nach  Gesetzesnorm  (wortlich: 
gemaB  Befehl). 

Die  mulier  legitima   kann  ferner  eine  einzige  oder  eine  Mehrheit 
5   sein,  und  die  Frau  als  einzige  kann  sein 
1    die  Mutter  (s.  §  2), 

die  Frau  des  Vaters  (§  3), 
die  Schwester  (§  4), 
die  Tochter  (§  6), 
10    ■  5   die  Sohnestochter  \  ,^  -, 

die  Tochtertochtcr  /  *^    " 
die  Sclnviegertochter  (§  10), 
die  Frau  des  Bruders  (§  II), 
die  Frau  des  Vaterbruders  (§  9), 
15  10   die  Schwester  der  Mutter  (§  8), 

die  Schwester  des  Vaters  (§  7). 
Es  liegt  auf  der  Hand,  da(3  von  alien  diesen  Unterabteilungen  nur 
eine  einzige  als  tadelfrei  befunden  worden  ist,  die  Verbindung  eines  ein- 
zigen  Weibes  mit  einem  einzigen  Manne,  falls  sie  nicht  miteinander  bluts- 
20  verwandt  sind.     Weil  nun  alle  diese  Dinge  (Verschiedenheiten  des  Ge- 
schlechtsverkehrs),  ob  sie  nun  von  den  Menschen  selbst  herruhren  oder 
von   der  TiJcke   des  durch   verderbliche  Gedanken    in  ihnen  wirkenden 
Satans,  die  natiirliche  Verbindung  und  die  Fortpflanzung  des  Menschen- 
geschlechts  durch   alle  Arten    natiirlicher  und  widernatiirlicher  Oemein- 
25   heit   und  Frechheit   verschlechtert  und  getriibt  haben,   so  hat  Gott  eine 
solche  Rechtleitung  —  ihm  allein,  als  dem  Schopfer  des  Ganzen,  stand 
es  zu  sie  zu  machen  —  durch  den  ErlaB  dieser  seiner  Oesetze  fiir  die 
Seinigen  geschaffen  und  hat  die  Androhung  des  Todes  damit  verbunden 
(Levit.  20,  10 — 21),  damit  audi  solche  Personen,  welche  Rechtschaffenheit 
30  gering  schatzen  oder  sich  aus  tugendhaftem  Lebenswandel  nichts  machen, 
sich  furchten  vor  dem  Tode,  den  solche  Taten  zur  Folge  haben,  und  nicht 
sundigen  Begierden  unterliegen.    Und  damit  nun  unsere  Darlegung  iiber 
diesen  Gegenstand  klar  werde,  nehmen  wir  die  Oesetzgebung  iiber  die 
heilige  Verbindung  (Ehe)  ordnungsgemaB  durch  und  erortern,  so  gut  wir 
35  konnen,  jedes  einzelne  Gesetz. 

§1- 
Kein  Mensch  soil  sich  einem  blutsveiwandten  Weibe  nahern,    urn 
die  Schani  aufzudecken.     Ich  bin  der  herr  (Levit.  18,6). 

Dies  ist  das  ganz  allgemeine  Gesetz.     Nach  demselben  verkiindet 
40  er  einzelne  und  detaillierte  Bestimmungen  uber  das  ganze  Oebiet.    .MIem 
ubrigen  aber  schickt  er  das  folgende  Gesetz  voraus: 

§2. 
Die  Schani   deines  Vaters   und  die  Schaiii  deiner  Mutter  sollst  du 
nicht  aufdecken.     Deine   Mutter   ist  sie,   nicht   sollst   du   aufdecken  ihrc 
45   Scham  (Levit.  18,  7). 

Es  ist  zunachst  klar,  dal5  der  Inhalt  dieses  Gesetzes  das  Folgende  ist: 

1.  Die  Ehrenpflicht  der  Natur  des  Menschen   besteht  darin,  dafi 
er  Ehrfurcht  haben  soil  vor  seinen  Erzeugern. 

2.  Es  ist  eine  schone  und  unzweideutige  Regel  fur  den  Menschen, 
50   daB   er   in   seinem  Geschlechtsverkehr  nicht   die  Tiere   nachahmen   soil. 

3.  AuBerdem    bcsteht   eine  friedliche   und   freundhche    Harmonie 
im  gegenseitigen  Verkehr  der  Menschen  darin,  daB 

A  die  Tochter  des  X  heiratet  und  nun  als  dessen  Sohn  geachtet  wird; 
daB  B  die  Schwester  des  Y  heiratet  und  nun  dessen  Bruder  wird; 
daB  C  ilie  Mutter  des  Z  heiratet  und  nun  Z  ihn  liebt  glcich  wie 
seinen  Vater  (s.  Anm.). 


—     •2H2      — 

M.cro  .JUS  ^  JL^  Jc>*Vta\  .'aL.dw«>ivi  w^cr  l^xao^aoL^  xop 
>jOi.*V\.^.i3  luaoA  Je3?ip  .Im^Ip  I^sSl^xx  2&«.  2^>^^^  ..xaoA.^ 
u>A^o\  ^3  2iSatt.<..3  .^p  w.07e   .^ci^i\^l  ^^^^1^ 

2cLp  ^ouil  UAXoaoe  Zjusp  ^pe^Jr.A3  .1jla3l.tl_\  23Lxp  ■■> 
\AilAe  ;^23  Zi3.J3a3  Uo^^  oA  ^Ao73e  .I^-axolA  Ljcla 
■  ^j.aa-.a7i^.ao  .I.a3>jc3  vo^cr  ^eo^A,.^  i\.^3  1^2  .pa^^Ao 
» eo^\^  ■■^i^'f  ^  ^^-^  Juip  2d<.0k«.i»  ^p  Zi..Va  IicAv^ 
.Ixaio  :23U3ua  ^  .2o^A2  wA^pwl^e  \  \\.^\  .33^.^^  lJLla.3 
.ZAOdoap  ^u^aS,^  e3.3.x  2UXjQ3  ^2  .Uac?  ^p  3.\,  p^^e  lu 
eov^P  v^.^^  2->i.'^vae  L.jis'k3p  ^sa^^Suse  .  Ljo'xB  3M.^^e 
.o«L»e  a.>^p«s2  ^eo^J  vOuior  ^2  .^croA.^  o3u3,.x  luj* 
xA,.  Av^  -^^  ^o^p  }V,ee»3  a^xas.^  Z»Ao  ^A  3Ma2e 
:  ^oAdnCLio  2\ee9  p^^a  ;.bo2e  lo2  .^eo:u^.4,2  2&.JCX.3  p^^p 
t^^oCSJtto  o:u»Ap  ecrp  l..^p.«  .23^5  ^au2  3u»  ^oaj^hif^o  >s 
^^23  6v-<B330l.3o  <^ao2p  oj.jJoioJ^?  .iJoaJsa^  A^o7  3u392 
cnsa  ^p  :i«>2?  23.^^3  l32  i^^oxso  A  iA.  v2  .  AA>  A 
quAsod  :aL^  <)0a2p  o;..uJCD3od  :  UoaJSix.\  'alxa  3302  la.aa^ 
:  oT^«^.i2  3m3  Zs^  o;A  2opt  2eoT  LjoSol^  ^p  Lj^2  ■^^2p 
aii^  ^  a:sis.ilp  l\oe»3p  A  a^2  :2ec'  x^ao  ep^  jwp  eor  20 
^  07^^a23  ^a^^OkX  ;aL^  Uasa^  AX^^e  :  200*  3h^\^» 
lielo  Xal?  A\.ao  A  0A2  ':  loai  '^lja>  ot^^ap  c^;sa^  s^j 
.^3k<.doo  Z.aoX.3  l.»2o  .e3k^o2  2X3  3k^o  sA.^  ..oua2  aw« 
W.OT  Z3lSm£^^  2^.«JoabaA  ^xa^t^oa  a^  .UjO30l5  lao^A-V^ 
oj^Jas?  ecrp  :2oo-;s  0T3>.3p  2;s^22  !3o2  Ux..2o  ^p  A2  .^\a^^oJ:  » 
:''Zdaua^o  2&.\xo  cTXoA  aT.*>^A  2;sxao  ^23  ^.070  .3,A*;n2 
2xauV^  s^2  Ijcs  o;^  2eo7j  ecre  .073.3  ^  ^.M^A  ».^^^^ 
liAOi  .«nx3p  w.a70k.32  ;ru^  23^^^  p^^  ;!sec7p  ^2e  :2>^XiA 
2eo7«S  :  craoA  Zao2  c^^.a23  ^2o  :  ^xo^JSoJu  073,3  tix  2oo'>s 
woroase  :u.o70l&33   1^2  2eoVA   ^^^js  eoro    :  073.3  .w.i.3p    L»2  3a 

'   add.  Of^iop.  -  /u  tilgen.  ^   I.  ^.^.til.  ^   add.  ^^2 

b5;\e^^x»  «<,o7a3A.         '-  I.  l32o.         "  I-  laa^aas. 


—     2fiH      — 

4.  Ferner  soil  der  vernunftbegabte  Mensch  sich  bemuhen,  daB  er 
durch  diese  Gesetze  sich  anieiten  lasse.  das  Gute  vom  Bosen  zii  iinter- 
scheideii. 

5.  Das  einzige  wahre  Wisseii   (des   Menschen)  von  Gott  besteht 
5  darin,  daB  er  allem,  was  von  Gott  kommt,  gehorclien  soil. 

b.  Der  Mensch  soil  sich  fernhalten  von  dein  Irrglauben  an  die 
Damonen,  damit  er  erkenne,  daB  die  Dews  gefahrlich  und  verderblich 
sind  fijr  den  Menschen,  und  daB  diese  V'erordnungen  sich  nicht  auf  das 
Gesetz  betreffend  die  Mutter  beschranken,  sondern  ein  Glaubenssatz  sind, 

10   die   sich   auf  alle   iibrigen   (im   folgenden  genannten)   Personen  bezieht. 
Deshalb   ist  das  Verbot  gegen  die  Unsittlichkeit,  (das  Verbot)  daB 
der  Mensch  seine  Mutter  nicht  heiraten   soli,  alien  Menschen   nutzlich, 
Heiden  sowohl  wie  denen,  die  Gott  fiirchten,  friiher  und  jetzt. 

Trotzdem   haben   viele  Menschen   dies  Gesetz   iiberschriaen,  ganz 

15  besonders  die  Perser,  und  nach  dem  Vorgange  der  Perser  haben  auch 
die  Kananaer  jener  Zeit  das  Gesetz  uberschritten  und  jene  nachgeahmt, 
haben  durch  die  Kopulation  mit  der  Mutter  zugleich  Vater  und  Mutter 
geschandet.  Denn  well  Vater  und  Mutter  infolge  der  ehelichen  Ver- 
bindung  ein  Fleisch  sind  und  beide  ein  Leib  sind,  so  liegt  auf  der  Hand, 

20  daB  der,  der  seiner  Mutter  beiwohnt.  (zugleich  seinem  Vater  beiwohnt). 
Es  sagt  daher  das  Gesetz:  Die  Schain  deines  Vaters  und  die  Scham 
deiner  Mutter  sollst  du  nicht  aufdecken.  Denn  wenn  das  Gesetz  den 
Vater  an  der  der  Mutter  von  seinem  Sohn  zugefugten  Schande  nicht 
teilhaben  lieBe,  warum  wiirde  denn  der  Gesetzgeber  den  Ausdruck  die 

25  Scham  deines  Vaters  mit  dem  Ausdruck  die  Scham  deiner  Mutter 
vereinigen?  Welche  Schande  konnte  dem  Vater  nach  seinem  Tode  in 
der  Person  seiner  Frau  (Witwe)  passieren,  wenn  er  nicht  durch  die 
Kopulation  derselben  mit  seinem  Sohne  geschandet  wiirde?  und  wie 
konnte  der  Gesetzgeber  (in  seinem  Verbot)  das  Aufdecken  der  Scham 

30  (des  Vaters)  mit  der  [etwa)  nach  seinem  Tode  stattfindenden  Kopulation 
seiner  Frau  zusammenstellen,  wenn  nicht  deshalb,  daB  Vater  und  Mutter 
ein  Leib  sind,  den  einen  Sohn  gezeugt  haben  und  in  der  Mutter  der 
Vater  erkannt  wird  (s.  Genes.  4,  1).  Wegen  solcher  Schande  kann 
eine  solche  Kopulation  nicht  als  eine  gesetzliche  angesehen  werden. 

35  Ferner  aber:   Wie  kann   die  Mutter  das  Weib   ihres  Sohnes  sein, 

der  von  ihr  geboren  ist,  und  wie  konnte  sie,  die  ihrem  Sohne  Herrin 
und  Lebensquell  ist,  als  ihm  untergeben  befunden  werden,  und  wie 
kann  er  ihr  Oebieter  sein  wie  der  Mann  der  Gebieter  gegenijber  seinem 
Weibe?   Da  sie  ein  Leib  mit  dem  Vater  ihres  Sohnes  war,  wird  sie  nun 

40  durch  die  Kopulation  ein  Leib  mit  ihrem  Sohne,  und  da  sie  die  Mutter 
ihres  Sohnes  ist,  wird  sie  nun  die  Mutter  der  Sohne  (Kinder)  ihres 
Sohnes,  der  Sohn  wird  der  Bruder  seiner  Sohne  (Kinder)  und  die  Sohne 
des  Sohnes  werden  die  Sohne  der  Mutter  ihres  Vaters.  Wie  kann  unter 
solchen  Umstanden  die  Ehre  gewahrt  werden,  die  der  Sohn  der  Mutter 

••5  schuldet  —    heiBt   es   doch:     -Ehre   deinen  Vater   und    deine   Mutter 
(Exod.  20,  12)  — ,  wenn  die  Mutter  die  Frau  ihres  Sohnes  geworden  ist? 
Und   da   nun,   weil   sie  im   ersteren  Fall  Mutter,   im  letzteren  Gemahlin 
ist,    evident    ihre    zweite    Stellung    als    Gemahli  n -Mutter    ihre    erste 
Stellung  als  Mutter  aufhebt  (zunichte  macht),   so  legt  der  Gesetzgeber 

50  auBer  dem  Gebot  (die  Mutterehe  zu  meiden)  noch  bittere  Schmach  den 
Frechen  (die  dies  (jebot  iibertreten)  ob  und  spricht:  Deine  Mutter  ist 
sie,  nicht  sollst  du  aufdecken  ihre  Scham.  Dadurch  lehrt  Gott,  daB 
noch  arger  als  eine  Gesetzesiibertretung  (an  und  fur  sich)  die  Schande 
ist,   daB  sich   jemand   zu  einer  Kopulation   mit  seiner  Mutter  erfrechen 

55  sollte.  Denn  wenn  sie,  da  sie  Mutter  des  Sohnes  war,  nicht  als  Mutter 
von  ihm  geehrt  wurde,  wie  sollte  sie  dann  als  Mutter  von  ihm  geehrt 
werden,  nachdem  sie  nicht  mehr  seine  Mutter  ist  und  sein  Weib  ge- 
worden  ist?    Natur,  das  gottliche  Gesetz  und  Sitte  verlangen,  daB  der 


—      2C)4 

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2pov3p  t^xao2  p«^»3e9^  ^^^.sp  2ivJL«3i^  2;soufiup«   .  .  6v^ 
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kOot^o^  .^pLd^s^  1^  M>^o;^p  ^ab   .2pc^  6v»^>.a2  Ij^o"   v^2e 
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—     2fi5     ~ 

Mann  seinen  Vater  mul  seine  Mutter  verlassc  uiui  seineni  Weibe  anhange, 
unci  daB  die  zwei  ein  Fleisch  seien.  Wenn  also  dies  gilt,  wie  i<ann 
dann  jeniand  Mutter  oder  Vater  verlasseii,  und  wie  kann  er  sich  einem 
andern  Weib  naheni  und  niit  ihr  ein  Fieiscli  sein,  wenn  er  seine  Mutter 

5  zum  Weihe  genonimen  hat  und  durch  die  Kopulation  mit  ihr  ein  Leib 
geworden  ist?  Denn,  wenn  er  sich  der  Mutter  gcniihert  (sich  niit  ihr 
verbunden)  hat,  wie  kann  er  dann  tiie  Mutter  verlassen,  wenn  er  sie 
verlassen  soli,  sobald  er  einem  Weibe  anhangt?  Weil  das  gottliche  Ge- 
setz,   Natur  und  Sitte   alien  Manncrn   dies   befehlen   (daB  sie  Vater  und 

10  Mutter  verlassen,  ihreni  Weibe  anhangen  und  niit  ihr  ein  Fleisch  seien), 
so  ist  klar,  daB  er  (derjenige,  der  seine  Mutter  geheiratet  hat)  sie  ent- 
lassen  hat  aus  ihrer  Stellung  als  seine  Mutter  und  ihr  anhangt  wie  einem 
fremden  Weibe,  oder  daB  ihr  keines  von  beiden  Dingen  passicrt  ist, 
daB   er   sie   nicht  aus  der  Mutterschaft   entlassen    hat  und  nicht  ihr  an- 

15  gehangen  hat. 

Die  besondere  Qerechtigkeit  der  Ormazd-Anhanger  (der  An- 
hanger  des  Ahuramazda,  wortlich  des  Hauses  desHormizd)  kommt 
dadurch  zustande,  daB  jemaml  mit  seiner  Mutter,  seiner  Tochter  und 
seiner  Schwester  Oeschlechtsverkehr  gepflogen  hat  (5.  Anm.).    Wenn  dies 

20  die  Qerechtigkeit  ist,  kann  also  derjenige,  der  nicht  mit  diesen  (bluts- 
verwandten  Weibern)  Umgang  hat,  nicht  gerecht  sein,  wenn  er  auch 
die  ganze  Magierei  (Magismus)  hersagte  und  alle  Tugenden,  die  es  unter 
Menschen  gibt,  iibte.  Sie  mogen  uns  also  erzahlen  von  der  Mutter  und 
Schwester   und   Tochter  des   Zerdust   oder  des  Westasp   oder  des  Kai- 

25  khusrau,  des  mit  Kindern  geschmiickten,  oder  des  Farkhun  Bar  Artabagan, 
die  zugleich  deren  Gemahlinnen  gewesen  (die  Gemahlinnen  von  Mannern), 
die  sie  als  Gerechte  ansehen.  Sonst  mogen  sie  uns  andere  von  ihren 
Leuten  nennen,  die  durch  die  Heirat  tnit  solchen  (blutsverwandten) 
Weibern   gerecht  geworden   sind.     Wenn   sie  aber  (solches)  nicht  de- 

30  monstrieren  konnen,  was  reden  sie  dann  Torichtes  und  suchen  eine 
schmutzige  Sache,  welche  die  gauze  Natur  verabscheut,  durch  fade 
Redensarten  zu  hewcisen. 

Von  Zerwan  (s.Anrn.),  dem  Vater  ihrer  Gotter,  erzahlen  die  Magier, 
daB  er  1000  Jahre  Magismus  geiibt  habe,  daniit  er  einen  Sohn  bekomme, 

35  und  daB  er  ob  seiner  Qerechtigkeit  erhort  wurde.  Sie  (die  Magier) 
mogen  uns  nun  nachweisen,  wer  dieses  Zerwans  Mutter,  Schwester  und 
Tochter  war,  wer  der  Gemahl  seiner  Mutter  unti  der  Vater  seiner  Schwester, 
wer  seine  Gemahlin  oder  Mutter  oder  der  Vater  seiner  Mutter  war.  Wenn 
sie  fiber  diesen  (Zerwan)  nichts  vorbringen  konnen,  wie  reden  sie  dann 

40  iibcr  Hormizd  (Ahuramazda)!  Woher  kommen  denn  diesc  Weiber  des 
Hormizd,  da  sie  doch  lehren,  daB  er  weder  von  sich  selbst  noch  von 
seinem  Vater  noch  von  irgendeinem  antieren  Menschen  geboren  sei. 

Wie  war  es  aber  ferner  mtiglich,  daB  durch  ein  solches  Lager  die 
Himmelskcirper  geschaffen  wurden,  wie  sie  sagen?    Unwahrschein- 

45  liches  imd  Unglaubwiirdiges  kami  durch  Wahrscheinliches  und  Sichtbares 
bewiesen  werden.  Sie  sollen  uns  nun  ein  sicheres  Zeugnis  ftir  diese 
Hormizdgeschichte  bringen.  Infolge  ihrer  jetzigen  Theorien  heiraten  sie 
ihre  Miitter,  Schwestern  und  Tochter.  Wenn  nun  solchc  Leute  imstande 
sind  Wunder   und  eine  neue  Schopfung   zu  verrichten,   und  durch  den 

50  Geschlechtsverkehr  mit  solchen  Weibern  eine  neue  Weisheit  zu  erlangen, 
dann  glauben  die  Menschen  auch  diese  unwahrscheinliche  Hormizd- 
geschichte so,  wie  sie  erzahit  wird.  Wenn  sie  aber  tierartiges  nicht 
nachweisen  konnen,  wie  sollen  wir  dann  von  Hormizd  glauben,  daB  er 
imstande  gewesen  sei,  die  Weisheit  fiir  die  Erschaffung  der  Hinnnelskorper 

55  durch  eine  solche  schmutzige  Geschlechtsverbindung  zu  erwerben,  er,  der 
ein  Schiiler  des  Satans  ist,  dem  der  Satan  Genosse  und  gesinnungsgleich 
ist.  Wenn  aber  Hornn'zd,  der  nicht  von  sich  selbst  uticI  nicht  von  seiner 
und   seines  Vaters   und   seiner    iibrigen  Vorfahren  Gottesnatur,  sondern 


—     2fifi     — 

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voo;^?  :o^  ^'>^  "  ZA^aoe  1^\\,  1^  li,s^L  .2;s3ae  2^>Me 
2'>*aoL^a^  :  vOOjX^p  2o;^2  p^303e^  A.X  lir'i  >.S(r  ^SLO^ip 
§3.   3^3    :    2^^:sp    :    23U.3JC  2o^2p    Z^e   .ZiA^p   23..3l>,o  vO^a^ 

0^^X3303    .l^A^^    Z^     <^&32    ^^,i2p     L.JCI30.5     3^:o2    30^    ^ci 

w.cro^.^2  Zo23  23.x^3  .2ftA.5o  ^.^23m.9lio  .<^ao23  3A.  eo*  25 
^2  ^^epop  .33bja^^  Z^p  3^2  30  .Z32  ^^i2  ti^p  Z\oot 
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^  zsoMS^  Zisa^  ^2  2pc^  \^p  .  Z32  ^^.i2  a^p  ^nOlS^^ojc 
o;^  ^V^^  ^.d.2x.3w»  .  a\0l3^  2po^  o^^p  pov^>^30  Zxaao  ap^d 
^^.i2  'zxxp  ? •v*i9>ia3  J:a\,  i*CTa32p  2^w.<xsd^p  ec*  :\.«303A  ^o 
^o^p  OCT  \\.»  :  Ixoiep  Z&3«  s^^a  Zj.iw.\3!  jQ}a^a3e  .>«otOi32 

'    1.    Z^.  •   1.   IbwOLbO. 


—    -it;:    — 

von  dem  Satan  diese  Lehre  von  der  absonderlichen  Oeschlechtsverbindung 
mit  Mutter,  Scliwester  und  Tochter  empfaiiijen  hat,  wie  sollte  es  da 
nicht  klar  sein  und  man  es  nicht  laut  ausrufen,  dal5  alle  diejenigen, 
welche  um  ihres  Oottes  Hormizd  willen  solche  (blutsverwandte)  Weiber 
heiraten,  Schiiler  und  Sklaven  des  Satans  sind.  nicht  des  wahren  Oottes. 


§3. 

Weiterhin  spricht  er(Gott):  Die  Scham  der  Frau  deines  Vaters  sollst 
du  nicht  aufdecken,  dcnn  es  ist  die  Scham  deines  Vaters  (Levit.  18,  8). 
Deutiich   legt  er  dar,   dalJ   die   Kopulation    mit   der   Frau   des  (eigenen) 

10  Vaters  eine  Schande  des  Vaters  ist,  indem  er  spricht  du  sollst  dich 
nicht  nahern  {vg/.  Levit.  18,  0  12'"  s"),  da  sie  bei  deinem  Vater  die 
Steiie  deiner  Mutter  einnimmt.  -Denn,  wie  du  durch  den  Umgang  mit 
der  Gemahlin  des  Vaters  deine  Mutter  verdirbst,  so  verdirbst  du  (dadurch) 
auch  deinen  Vater. 

15  Derselben  Sache  gedenkt  auch  schon  vor  Moses  der  selige  Jakob. 

Bitter  verflucht  er  den  Ruben,  der  das  Lager  seines  Vaters  durcli  das 
Liegen  bei  der  Frau  desseiben  befleckt  iiatte  (Genes.  49,  4).  Und  in  der 
Zeit  nach  Moses  bediente  sich  der  Apostel  Paulus  wegen  desjenigen, 
der  bei  den  Korinthern  solches  (den  Incest)  beging,  der  Strafe  der  Vcr- 

20  bannung  aus  der  Kirche  und  von  dem  Umgang  mit  den  QIaubigen,  und 
gab  die  Verwerflichkeit  der  Sache  zu  erkennen  (1.  Kor.  5,  1):  SchiielSlich 
hort  man  von  Hurerei  unter  eucb,  die  nicht  einmai   unter  den  Heiden 


—     2HH      - 

*  %  CD    .  l.A3i.X<XJC33    QT^ei,  ..1  XO    ^poLo     .w^JL^^I    '  ; 'Mb  .  puao  3 

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^.A^  li\i523  .>.x^^jC32p  ^c<  2^JL.^  aj,A^_.23  ^o^.  o]\^  Ixa^o  '■> 
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233  2c;^2  ^A^p  v^oo;^  3^.^  . !»&«.>«  Uc  00-2  .o^xtxtiS 
.\\sie  23kA^.d  .j,J^^  i\oS  ^l  3oi\  lisiaoa  .Ixoio  auxd  ^ 
^  3l\jQ>  :  2^^  .noiaN  2^a\'aa\T^  e2  4oLi«xSt.^  w.p  ^^23 

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.  .  .  .  ^  •     • 

2o;^2p  1  \i.,.\e  2^.^^bA  xa2  Su^p  ^er  .^eo;A  M.eo^p  ^or 
^e  ..ma^juo  a  >iticx^  o-^.oAp  a3k»  .2;scL3^  mj2  ^xa  25 
.  ^\ai  aauoaep  ^cr  ,jae  x.d^p  U2u.2  .9  3l»  Aa  .v^^s,ao  Is^? 
..cft.'V>yivA  InSoo  .'o.n  X^lAlo  ^o;^is^2p  M>^Ap  h^JXA 
opo  A  Jiii.?  .  ^«ttM^^e  2>.ol»p  U^ps^Xsp  U'i^oB  » eou^^2p 
§5.   3^je   ■  lT.aa««p    :    Ajoa    A   IjIjiJ  c^^e  w.<rou32  ^^ilAo 

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—     2(iJ)     — 

genannt  wirii,  bis  da(5  der  Sohn  lieiratet  das  Weib  seines  Vatcrs.  Und 
ihr  seid  aufgeblasen  .  Ail  dies  beweist,  dal5  es  bose  ist,  was  (in  Korinth) 
begangen  worden,  was,  wie  er  sagt,  sogar  unter  den  Heiden  nicht  als 
etwas  gewoliniiches  angeselien  wiirde.  Er  nennt  diesen  Verl<elir  Hiirerei, 
5   wie  Moses  ihn  als  die  Sciiande  des  Vaters  bezeichnet  hat. 


§4. 

Ferner  sagt  Gott :  Die  Sciiam  deiner  Schwester,  der  Tocliter  deines 
Vaters  oderderTochter  deiner  Mutter,  sollstdu  nicht  aufdeeken  (Levit.  18,9). 
Dali   er   in   eben    diesem    Zusaiiimenhang  das  Wort   Scham,   urn   jene 

10  schmutzige  Kopuiation  anzudeuten,  gebraucht,  sieht  jedermann,  der  die 
Bibel  geiesen  hat;  (er  tat  es)  zu  deni  Zweck,  daniit  er  hierdurch  jeden 
abschrecke  von  der  Unreinlieit  unci  Widerwiirtigkeit  der  Sache.  Denn 
derjenige,  der  seine  Schwester  heiratet,  befleckt  durch  seine  Hurerei  so- 
wohl  sich  selbst  als  seine  Eltern,  die  ihn  geboren,  und  seine  Schwester. 

15  Wenn  Schwester  und  Bruder  von  demseiben  Samen  und  von  denselben 
Eltern,  sei  es  demseiben  Vater  oder  derselben  Mutter,  abstanimen,  dann 
liegt  cloch  auf  der  Hand,  daB  derjenige,  der  sich  zu  einer  solchen  Tat 
erkiihnt  und  die  Frechheit  zur  Tat  werden  laHt,  siiiuiigt  gegen  die  Natur 
selbst,  gegen   sein   eigenes   und  seiner  Eltern    und  Oeschwister  Fleisch. 

20  Dies  Oesetz  (Verbot  der  Schwesterheirat)  ist  bei  alien  gottesftirchtigen 
Menschen  in  Vergangcnheit  und  Qegenwart  verbreitet  und  hat  zuni  Teil 
auch  bei  den  Gotzendienern  Giiltigkeit.  DaB  es  aber  erlaubt  oder  Tra- 
dition sei,  die  Schwester  zu  heiraten,  haben  wir  wohl  von  Persern  und 
Heiden  vernoinmen,    nienials  aber  aus  den  (heiligen)  Biichern  oder  aus 

25   der  Natur  oder  dcm  Menschenleben  gelernt. 

Nun  aber  spricht  derHochniut:  Kain  und  Seth  haben  ihreSchwestern 
geheiratet.  Dies  aber  kann  niemand  weder  aus  den  Biichern  noch  durch 
irgend  einen  Beiweis  dartun,  sondern  nur  aus  der  Unwissenheit,  daB  wir 
nicht  vvissen,  woher  die  Frauen  des  Kain  und  Seth  staniinten,  entnehnien. 

30  Indem  der  Mensch  diese  Dinge  der  Weisheit  und  Alhnacht  Gottes  an- 
heimstellt  fur  Gott  gibt  es  nichts  schweres  und  sobald  er  will,  fiihrt 
er  Alles  aus  — ,  ist  es  besser,  daB  wir  mehr  als  individuellen  Meinungen 
den  in  den  Biichern  klar  ausgesprochenen  Dingen  gehorchen,  Befehlen, 
welche   mit  Androhung  des  Todes  bestinimen,   daB   der   Mensch    nicht 

35  seine  Mutter,  noch  das  Weib  seines  Vaters,  noch  seine  Schwester  heiraten 
soli  (Levit.  20,  II.  17). 


§5. 

Ferner  sagt  Gott:  Die  Scham  der  Tochter  deiner  Tochter  oder  der 
Tochter  deines  Sohnes,  nicht  sollst  du  aufdeeken  ihre  Scham,  denn  es 
ist  deine  Scham  (Levit.  18,  10).  Fiir  die  hier  genannten  Personen  be- 
zeugt  das  Gesetz,  dal5  die  bisher  gegebenen  Bestimmungen  auch  auf 
den  Umgang  eines  Mannes  mit  ihnen  zu  beziehen  sind,  und  daB  der- 
jenige das  Oesetz  entehrt  und  befleckt.  der,  obgleich  er  blutsverwandt 
mit  ihnen  ist,  ihnen  beiwohnt. 


—     270     — 

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X«.d^p  ^07  iA,  v^2  .^ir  iaj^><,l  l^p  2•^^.»  U>.£0k3  .^p 
2^o»  01^  j^aoxaop  23a'o«  9l\a  Liot  :  3k«*  23p  ^aouA  ^c*  .^^  ^ 
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J^2o  Xo^pp  ^2p    .1x30    Tt.o.ift.j    lA^e    l^^^^p    ^ou»^3^ 

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Ja?i  \^Aie  l&aMii^o  :  2aL\«o  uy.Tn  xi2p  op^  A\5^2e 
2aaM.2  l.i%j  9^;soA  »o7flL.'vao;u  oe^^p  Jci^^^^p  .oiA  l^e 
1^2  .^0l3^oJc  Suo  »^e  1  Yi^j  p>.«.  23uc».3e  :  2ooT  p^  o^.'n.lfc.p 
wj.3  veo^^.Toe  .•\ah^M2  2'sp  yoc^^a.ap  ^«J^xao  .^07  ,^2e 

pou.^j  2^.aep  2>..o   .  ^^p   Z^^.3«j  .^ocua  w^v-doo  2"3>.a^ 
W.OT  .or^so  ,.lya\  p^^  .auA  '2«^ouodo.^  ^?<^?   lupco^ 
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•s^cT   .Lcaoaoap  Ixks  txjo^  ^s^^^  oa3,M;s2  zA   .^x^:^ja2  20 
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l-A3k-^cuca  xJ^o  .oT^a^  ^^j^pA^ae  ^veal^o  X-i»o^p     -v^^-vt\ 
^7.   .l\\^   A  <;Ou32p  aiis^p   Z...<03ft-a   .  lA.a..xp   .2^»xp^  L^p 
§8.    ^2p  c7^.mP  ouJOso^e   .Lj^^Sp   .«;0o2p  aA.^  -cr  c-^^juxQ 
iaal  laaorp  ^Adi2  ^  •^2p  w.cn  cr^juxop  A.\.ao  .  l\\^  1^  23 
U<>^T>3  .32  Aa^jqxi  i^2x>.^p   A^»«>  ^  sou  .UOOMJ,    ^IJO 
007  •v,2p   .>x>.*ft.\  ^ou.p  W.0VO   .^3X3p  w^Acpe   ixliaop^ap 
IAaa   «c7o^^2   l»2pe    l32p  2xx^   :  ^jaJ'yJop  \\ie  ^c?p 
u.creo;3Z^  :  iX.eeta  ^ojMe  x^2  wdA.^^„i  ^p   »^2   :  ^ouxxp 
^a^^^aoe  s^.\„o:Naop  ^pe^Ju    l-'o.^  pu»   .2pot  p,^  xfiU»  30 
voo^  ^'xa   a^x^p  ^Ad.2  dso^  e2  »^eor;sa^p   Lao   :  2ov32 

'  I.  2;soa3;N'via3. 


§6. 

Ebenso  wie  iiber  die  hier  (in  §  5)  aufgefiihrten  Personen  und  noch 
inehr  miissen  wir  nun  auch  iiher  die  Tochter  denken,  wenn  auch  die 
Bibel  evident  grade  sie  nicht  erwaiint  hat,  sei  es  infolge  (eines)  Versehens 
s  des  Schreibers,  sei  es  auf  Befehi  Onttes.  Indem  diese  jiingeren  Familien- 
glieder  (Sohnestochter,  Tochtertochter  und  ihre  vveiblichen  Deszendenten 
hier,  d.  h.  in  Levit.  18,  10)  als  eine  einzige  Generation  zusammengefaBt 
werden,  richtet  Gott  alle  (ini  bisherigen  enthaltene)  Drohung,  deren  Nicht- 
beachtung  den  Tod  zur  Foige  hat,  gegen  den  Umgang  mit  diesen  (Sohnes- 

10  tochter,  Tochtertochter),  viel  mehr  aber  noch  gegen  denjenigen  Umgang 
(denjenigen  mit  der  Tochter),  der  evident  noch  viel  schreckiicher  und 
strafwiirdiger  ist  als  der  Umgang  mit  diesen  beiden  (in  §  5  genannten 
Personen).  Wie  es  scheint,  deutet  die  Bibel  auch  hier  an,  daB  derjenige 
durch    Kopulation    seiiien   eigenen   Samen   befleckt,    der   seiner  Tochter, 

i;  Sohnestochter  und  TochtcrtoclUer  beiwohnt.  Wie  sollte  es  nicht  Be- 
fjeckung  sein,  daB  jemand  seinen  Samen,  der  einstmals  von  ihni  aus- 
gegangen  und  von  ihm  aus  sich  durch  Schwangerung  und  Ocbaren  aus- 
gebreitet  hat,  der  nun  also  einem  anderen  gebiihrt  (die  Tochter  gebiihrt 
ihrem  Gemalil)  und  nicht  ihm,  versuchen  sollte,  nun  wieder  auf  andere 

20  Weise  zu  sich  selbst  zuriickzufiihren,  sodaB  er  durch  die  Kopulation  mit 
ihm  (seinem  Samen  in  Gestalt  seiner  Tochter)  eins  wird  und  sie  beide 
als  ein  Fleisch  gerechnet  werden! 

Es  ist  bekannt,  daB  diese  Grundsatze  in  alien  Generationen  befolgt 
werden    und  unter   alien  Menschen  Geltung   haben,    sowohl  vor  Moses 

35  wie  nach  Moses  und  iiberall;  sie  sind  aber  samt  anderen  Grundsatzen  ver- 
letzbar  und  werden  verletzt  unter  den  Persern,  bei  denen  bekanntlich 
solche  Dinge  (wie  die  hier  verbotenen)  vorkommen. 

In  der  Bibel  ist  nur  an  einer  einzigen  Stelle  die  Erwahnung  eines 
solchen  (Verbrechens)  verzeichnet,   bei   Lot  und  seinen  Tochtern.     Weil 

30  es  aber  ohne  bosen  Willen  von  seiten  der  Tochter  und  ohne  BewuBt- 
sein  von  seiten  Lots  begangen  worden  ist,  so  sind  diejenigen,  welche 
die  Tater  dieser  Sache  waren  (d.  h.,  welche  als  Instrumente  des  gottlichen 
Willens  sie  ausgefuhrt  haben),  niclil  mit  der  gesetzlichen  Strafe  bestraft 
worden,  weil  Gott  uns  hierdurch  zu  der  Erkenntnis  anieiten  will,  daB  er 

33    nur  den  freien  Willen  richtet,  nicht  eine  ohne  BewuBtsein  begangene  Tat. 


§7. 

Die  Scham  der  Schwester  deines  Vaters  sollst  du  nicht  aufdecken, 
denn  sie  ist  die  Blutsverwandte  deines  Vaters  (Levit.  18,  12). 


§8- 
Die  Scham  der  Schwester  deiner  Mutter  sollst  du  nicht  aufdecken, 
denn  sie  ist  die  Blutsverwandte  deiner  Mutter  (Levit.  18,  13).  Durch  diese 
Worte  hat  der  Gesetzgeber  uns  in  den  Stand  gesetzt,  ganz  besonders 
auch  den  Sinn  der  bisher  gegebenen  sowie  der  folgenden  Verordnungen 
zu  verstehen,  denn  er  leitet  uns  an  zu  erkennen,  daB,  insofern  die  Ver- 
bindung  mit  diesen  (den  Schwestern  des  Vaters,  §  7,  und  der  Mutter,  §  8) 
eine  Schande  fur  Vater  und  Mutter  ist,  andrerseits  aber  jemand,  der  sich 


>.3ao  2>^3^e  lx~e  :  Isl  ;^>«.iIo   Isol   :  Isx^    l^sc  3>je>p 
^x.Xa   aotSo   :  l.ao23  2XM.e   2o23  2X^0    :  2;^'x3   ^3>.3o  2^3 
^*M.  Sua  o^   .lAee<u3  ^  kd^XM   :  1mi2  •^^i2o  2pp  ^^^2o 
\xo   :  laoujcj  2al    oi^a   \^   3yA,_  2po7   :  pa^^a  ^p-^'-v.tl.V 
^o  y.*c^LA^ap  ^aae  a^js  Jas  ^2  l!S2  .2'3^.3l\._   «1jli   ^ctiAa 
20;^2p  2ak«ajc  Isoou^^  Xxai  w.o:o^^2p   .2'\t\^  wooup  axe 
:  '^A»  2X.O  l^e   .  Ivy.NoT  ;s«^  3.aa\^p    A^p   .  J^o-  \xp 
\^  XA  .l\oo%a  ojA  AfToN  o2  .^o-  ^   2x«<.^  .i  oia\ 
ouoolmcN  Z^2  ."zx^jo  i^  laoou.^  Iscn  iJi^oj,  2:^^'x«>2p  lais  i 
jJii.  Sla  ~.23Xm»  1^\x  P^^'^P  ^a^^P  c^OLiJSAaoe  .Icaoaoap 
^i.p  poL«.\a  .L3^  ^.^olS  2ec;;sp  l.,iepja  g;\a.3  •s..»p  lao  .^ouiV 
«^^ak»2p  ^2  ^p  w^cT  .6^;Sd.2  ^\v*n.otaap   oova2    '  « ^  ""■*  ^ 
^o;«3u'xe  ^  ^su^;»^ao  nX»2p  ^«2  2:!^pa3  ^p  J^cr     \  V^ 
^ovJi.»  » la.Msp  »\«lSo  Idi'kaai^  ^p   l-i^c  ai!S  . pou^^j  i 
^c^..\x3p  2^ol»  ado  ^o"  A2  .y^Yao    :  2xoap  2<Noa^wMl3 
.2^ftv,oa^aope  l^*^a  p  ^.Aot  \x  ^^^sa  ju2  l^o  .Ixi  200^0^ 
.aouAa  ,^   ^oaui-ioi  .'i.xX,vi\   1^'xm2   l^ocL^^S    xA,    X^2 
26^oum3  2x00  \aXUL^  .fi»fV.t9   ^^    .  l^'k,3..^e    t^   >eoM>»e 
2d^avicxSoo  ^  is.^  .  ..^sIm  po  e2  ^p  ^m  p^a   .l.JC^JLl^.aop  Ise  21 
1a«a2  .^\a2  1^   iJoiLi^^    a^a   ^l  ^p    ^ou»o   .^a  laxS 
A2  ZJ-ao7o  .^^^o"  ^-*2po  I^LmSo  2'-v,ia,^o   lope    l,T[\ap 
^p  K^^ao  po  .2;scLm  ..^jc^xa  a^a  JS^a  *  'oN  .f»S^.^  UpeoiA 
^a  l^JL»  .^;w^2  ^jcsiLiioe  a^  l^e   wou^e  -1^  ^«.  a^a  e2 
.v^ec;\a  oi^  ^2  .t.o>x^^^  pkae  .^^.lLao  poo  w^^  p^  ;  A'%2  2 
ZJEaaoA  :  IAjLmo   Upeov-e  ^i^^  1^2  .w^mS^^^o   >^ci  \,a>o 
aA  )^o  i\.,.*so  a^  !Ae  w^  aa  1^  .2>scLm  ^2  2xcx3  wiO'ex*2a 
^po^JC^  .  ^^;s  l\^a5  ^-Aop  xap    Ux«2  .,jJSo2  ^^^.d 
■  ft>.aLao  Isip  ^o;j>aop   :  2ecr  2^jlo^  oA  \\o5^oap   Z»ou.;^p 
jx.n'nN  .v.y Atp  :\^2e   .o;\a  \a    I^  ^a).i.so   .■ajsxio^  ^  y 
.^i^\,\x   1^  w.p  2;s^'au«i^   :  ^c^A.xap  2^0u»  ^^.3  ^au^ 


2^Ax 


I.  2aao:ao. 


—     -278     — 

des  Umgangs  init  ihnen  entlialt,  dadurch  seine  Eltern  ehrt,  wir  iini  wie- 
viel  mehr  erkennen.  da(5  die  Eltern  mil5achtet  und  beschmutzt  werden, 
wenn  jeniand  ihnen  oder  denjenigen,  die  ihnen  noch  naher  bkitsvervvandt 
sind,  beiwohnt.    Auch  dies  ist  i<lar,  dal5  die  Bihel  uns  befieiilt,  mit  alien 

5  weiblichen  Wesen,  welche  sie  hier  (in  Levit.  18)  aufzahlt,  keinen  Umgang 
zu  haben,  nicht  mit  der  Mutter,  der  Frau  des  Vaters  (Stiefnuitter),  Schwester, 
Tochter,  Sohnestochter,  Tochtertochter,  Schwester  des  Vaters,  Schwester 
der  Mutter,  ferner  der  Schwiegertochter,  Frau  des  Vaterbruders,  Frau  des 
Bruders,   nicht  allein   nicht,  solange   ihre  Manner   noch    leben  (sondern 

10  iiberhaupt  nicht).  Dies  Gesetz  ist  ganz  allgemein  mit  Bezug  auf  alle 
verheirateten  Frauen,  auf  alle  Witwen  und  auf  alle  Jungfrauen  gegeben. 
Dies  ist  das  wahre  Gesetz  Gottes,  daB  niemand  irgendein  Recht  oder 
irgendeinen  Vorwand  hat,  irgendeine  von  alien  diesen  weiblichen  Wesen 
zur  Frau  zu  nehmen  (ider  mit  ihr  Umgang   zu   haben,  wahrend  in  be- 

15  treff  der  anderen  nichtblutsverwandten  Weiber  ein  solches  Gesetz  nicht 
existiert. 

Die  Bestimmung  des  Gesetzes  und  der  Lehre  unseres  Herrn  (Jesu 
Christi),  die  durch  die  Apostel  festgestellt  ist,  geht  dahin,  dal5  Weiber, 
die  ihren  ersten  Mann  durch  den  Tod  verloren  haben,  heiraten  diirfen, 

20  wen  sie  wollen,  aber  nur  einen  Glaubigen  (Christen),  wenn  sie  selbst 
Glaubige  sind.  Diese  haben,  wie  wir  gesagt,  das  Recht  dazu,  aber  die 
obengenannten  Weiber  (Mutter,  Tochter,  Schwester  usw.)  diirfen  ihre 
blutsverwandten  Manner  nicht  heiraten,  wohl  aber  diirfen  sie  nach  dem 
Tode  ihrer  Ehemanner  frernde  Manner  und  seiche,  mit  denen  sie  durch 

25   fleischliche  Verwandtschaft  nur  entfernt  verwandt  sind,  heiraten. 

Kein  Mensch  wird  Bedenken  hegen  in  betreff  dieser  Bestimmungen 
uber  Eheverbot  und  Eheerlaubnis.  Gibt  es  doch  auch  andere  Gesetze 
fiir  die  Menschen,  von  denen  einige  nur  fiir  uns  (Christen)  bestimmt 
sind,  einige  auch  fiir  die  externi. 

30  Uns  ist  es  erlaubt  das  Fleisch  von  Tieren  zu  essen,  wenn  sie  ge- 

schlachtet  sind,  dagegen  von  lebenden  oder  toten  Tieren  diirfen  wir 
nicht  essen.  Von  einigen  diirfen  wir  auch  dann  nicht  essen,  wenn  sie 
geschlachtet  sind,  wie  von  Hunden,  Baren,  Panthern,  Schlangen  und 
ahnlichen  Tieren. 

35  Auch  die  Juden  diirfen  von  den  Tieren  essen,  wenn  sie  sie  schlachten, 

von  den  toten  oder  lebenden  aber  diirfen  sie  nicht  essen,  und  von  anderen 
diirfen  sie  auch  dann  nicht  essen,  wenn  sie  geschlachtet  sind. 

Die  Heiden  dagegen  essen  die  Tiere  lebendig  oder  tot  oder  ge- 
schlachtet, wenn  audi   nicht  gerade  alle  Heiden  alle  Tiere  essen.     Wir 

40  aber  (alle),  wir,  Juden  und  Heiden,  essen  nicht  das  Fleisch  vom  Menschen 
wie  Fleisch  von  Tieren,  weder  wenn  der  Mensch  lebendig,  noch  tot,  noch 
abgeschlachtet  ist. 

Wenn  du  (Leser)  diese  verschiedenartigen  Bestimmungen  (wortlich : 
Teilungen)  betrachtest,  wirst  du  erkennen,  daB  das  Gesetz,  betreffend  den 

45  Geschlechtsverkehr,  sich  nicht  nachteilig  erwiesen  hat,  (das  Gesetz)  daB 
wir  einige  Weiber  heiraten  diirfen,  andere  absolut  nicht,  und  daB  wir 
Witwen  heiraten  diirfen,  andere  (d.  h.  solche,  die  noch  verheiratet  sind) 
nicht.  Das  ist  ein  weises  Gesetz  des  wahren  Gottes,  ilas  fiir  das  Wohl 
des  Lebens  der  Menschen  verkiindet  worden  ist. 


Sachau,  Syrische  Rtclilsbficher  MI.  18 


—     274     — 

Ixiaop  lL  \^.ao3  lLi.3jiL  ^o;^^p  'la.^..  Iipa30L5  ^cox^lo 

§9.  .oujosolS  As  ■»-  1^   <^3p  ^>^J23  i^josokd  .ib>x;sp  .W»M 

wA^orp   ^o;A^  V^?"-^   .oac'p   .  oa7^.a^2   UsuOOlS    U?'    ^I 

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^jtx^  (r^^i2  \\^e  .Wtati  1^2  \x3  ^2  23  3  \x  Uioae 
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.  ^ppp  cr;^;^J2^  l.tft.in  xao2p  2pov>3e  «^a^2  w.aTe^^.«2p  ^o;  10 
A^  .Ipp  i^^iep  liep  oor  ^2p  :  l^\jp  JulA  cA  oap*  iS 
Xi'x^l  \  V,  au.V  K^2  .c^^^i2  U^^^<.»  l^e  ov>^*2  c^;s>vi2 
\x  ov  ..^A-T  loftinip  :  b.M2  :»At  ^2p  ^2  .Ipoi  Iso-JO 
wmP  lUd  0^.^3.3  ^97  23u.jQ}2p  2^^i2  ^2  :  w>«.p  IdOA  ^^^. 
zcri\^jp  lAOdoa  ^^  JS3aM.^2  .oi\,sa  is..^  ^p  v2o  Iao^jj  15 
L-A  oA  ;A2  .l.&3u«.2  23aiX^  2ocrT^  ^2  2isxA,,  a^is^i  l-^o 
"Ua*  ^o^^A3  A2  .AioT  ;jcaft»vN  Uix  :s«2p  ':  U»p  2ppo 
3^3  .Uac^  ^^3«s2  ^J.M  w.p  wAo-  .^pOsoOiao  »  ecr..,.^^a  puw..2 
\^^pe  .lAsaA^p  ^oo^is^l  -v^oA  ^^xv^ouop  U  kxaucs 
2^3eX  ^  :  o«  ^3^3  eoo?p  2^a^p  ^'2^33^^  0^^9*2  Ij^  2u 
lAp  ^07  ^  \'*'  bwA^  ♦^■\,T.icr>2  .^X3u.  lA  ;s^lA1  .^^9*3 
^cr  ^  soL^p  joepoovioucx3  ^Ada^jop  l^ai«l^o  wa2  ..<oa2 
^o  ^op.»  0u^c72p  :^a2  oit..  2o?^«>3  ,  .\>\v  ■.\.c  Oki^p 
ti  10.  .;\^d^  Z^  «^iA^p  Ljoso^  .2aocx^p  .^ciA^p  Ijjcsa^ 
oU^a>3  ^3  A  0A2  .6;^jO30l5  i\X  ^  A  :  w.cr  «,3o  Nio2p  \\» 
.\3uN30  23olX.  ^a^  2^^i2p  2xv.^  A^ip  :  Ijooaaa  -sljop 
Pls  .oi3l3P  2^030  3^3  ^L^^s^^  or&A3  ^  ldau.p  2^2  l-xie 
^dA*2  ^  'So  .cr;s3o  lAe  oriw  l^e  C7U02  lA  2^>a2  ^c- 
^ijo  l3oou.^  pg^^  a^  ^3  ^2  .6l«^w>2  23^0013  oS  ..s^'Ldp 
;^ou«^^  o;A  .^1^2  2^ou3oe  2^^ft!^o  1^2  :  v>au3^p  oiAa. 
2;!we   Zj2  ^^^2e   1.302  ^^3op   "apjaa  ^2  :  au>3op   U^\.3p 

>   I.  ^..»3S3. 


25 


Die  Scliam  des  Weibes  deines  Vaterbniders  sollst  du  nictit  aufdeckeii 
{vgl.  Levit.  18,  14).  Audi  dies  Gesetz  ebenso  wie  die  friiheren  iiber  die 
blutsverwandteii  Weiber    warnt  (befielilt),    daB  der   Mensch   wegen   der 

5  Ehre  seines  Onkels  (Vaterbruders)  nicht  init  dessen  Weib  Umgano;  haben 
soil.  Weil  der  Onkel  wie  eiii  Briider  ist,  soil  der  Mensch  Ehrfurcht  vor 
ihni  haben.  Finden  wir  doch  in  der  Bibel,  dal5  Abraham  den  Lot,  seinen 
Bruderssohn,  Bruder  nennt  (Genes.  13,8),  iind  der  Evangelist  Matthaus 
nennt  die  Onkel  des  Jechonja  seine  Briider  (Ev.  Mattli.  1,11,  s.An/ri.).   Des- 

10  halb  redet  Moses  iiber  den  Onkel  wie  iiber  einen  Bruder,  hat  in  betreff 
seiner  Frau  befohlen,  dal3  sie  den  Bruder  ihres  Gemahls  nicht  heiraten 
darf,  und  dem  Menschen  Ehrfurcht  gebietend  spricht  er:  Sie  ist  das  Weib 
deines  Onkels  (Levit.  18,  14),  welcher  dein  Bruder  ist.  Weil  Moses  den 
Ausdruck:  das  Weib  deines  Onkels  (~r~^)  braucht,  darf  der  Mensch 

15  nicht  iibersehen,  da(3  nach  dem  Tode  des  Onkels  seine  Frau  nicht  sein 
(des  Neffen)  Weib  ist  (sein  kann)  und  nicht  seine  Frau  genannt  wird 
(werden  kann). 

Dies  Gesetz  findet  aber  auch  noch  auf  andere  Personen  Anwendung, 
wie  der  Apostel  (Paulus)  sagt  (Rom.  7,  1  ff.):     DaB  das  Gesetz  gilt  fiir  den 

20  Mann  solange  er  lebt,  wie  fiir  die  Frau,  die  an  ihren  Mann,  solange  er 
lebt,  durch  das  Gesetz  gebunden  ist?  Ist  aher  ihr  Mann  gestorben,  dann 
ist  sie  befreit  von  dem  Gesetz  ihres  Gemahls  —  und  sie  ist  nicht  Ehe- 
brecheriii,  wenn  sie  einen  anderen  Mann  heiratet,'  aber  nicht  den  Bruder 
und  Onkel  ihres  verstorbenen  Gemahls.     Das  ware  eine  Verletzung  des 

25  Gesetzes,  und  das  Gesetz  gilt  fiir  alle  Zeiten,  fiir  das  Leben  der  Menschen 
und  fiir  die  Zeit  nach  ihrem  Tode. 

So  denken  wir  iiber  diesen  Gegenstand,  obwohl  der  Usus  unter 
uns  das  Gegenteil  ist.  Warum  die  Leiter  der  Kirche  in  friiheren  Zeiten 
versaumt  haben,  diesen  Gegenstand  in  Ordnung  zu  bringen,  ist  uns  nicht 

30  genau  bekannt,  wir  glauben  aber,  da  wir  in  den  Synodalbeschliissen 
keine  Bestimmungen  hieriiber  gefunden  haben  (s.  Anm.),  daB  sie  viel- 
leicht  deshalb  diesen  Gegenstand  veriiachlassigt  und  auf  die  Erforschung 
desselben  nicht  eingegangen  siiid,  weil  sie  ihn  (d.  h.  die  Ehe  mit  der 
Frau  des  Onkels)  nicht  fiir  besonders  siindhaft  erachteten. 


§  10. 

Die  Scham  deiner  Schwiegertochter  sollst  du  nicht  aufdecken,  denn 

sie  ist  die  Frau   deines  Sohnes.    Du  sollst  ihre  Scham  nicht  aufdecken 

(Levit.  18, 15).    Wenn    es  nicht  die  Absicht  des  Gesetzgebers  gewesen 

ware  zu   lehren,  daB  sich  die  Schande  der  Frau  auf  ihren  Mann  iiber- 

40  tragt,  warum  hatte  er  dann  dem  Schwiegervater  verboten,  seine  Schwieger- 
tochter nach  dem  Tode  seines  Sohnes  (ihres  Gemahls)  zu  heiraten,  da 
sie  doch  weder  seine  Mutter  noch  seine  Schwester  noch  seine  Tochter 
noch  iiberhaupt  blutsverwandt  mit  ihm  ist.  Wenn  er  aber  eine  solche 
Verbindung  nicht  allein  verbietet,   sondern  auch  noch  einen  Fluch  und 

45  Todesandrohung  diesem  Verbot  hinzufiigt  (Levit.  20,  12),  wie  er  in  betreff 
(der  Verbindung  des  Mannes  mit)  der  Mutter,  der  Frau  des  Vaters,  der 
Schwester,  Tochter  und  der  iibrigen  (blutsverwandten)  Weiber  bestimmt, 

18* 


—     276     — 
zA^Ie  .cTdvSbO  ■t.o.'n.^   lal  .\..\  t   1^3  ^2e  .la^  i^Ie 

il^i  'oi\.\.^  \j>-  :.\.A.T  lA  :.N^s^:pe  .i^xiiAo  :Ln.\.\ 

.IolmM  T.v.ta'.gme  \^ao   :<..A,»3    L^o^^I   .c^^ulp   la -i.\3 
w.9fOu.awn^a  i».»»3   l»p9'  aA  3jcxi    .»  xaop  ^ouil  Laoaora 
2;s^^  ^jX4p  ^3  ^e^^'^Pk..  lA  o2  .JO~  ..;>^^<3  i.ae3or 
^  O0T3  .  ^3a.ao    l^Sw^ou^   ^o^sp  .otao  v   aA.S  ec*  pw.  10 
mxf>  A  t A,^  1  ^.cu^v^  cbuSL^p  ^2   .  A.n.ix^  c^^A.^p 
Sua  .cibuS   09^  i^^ao  ^^2e  ox^^^o  2kA    ^2o    .2dsau5^0L.xp 
aau  %^o  :  2^TaoA  w.^ao^2  I^  2^ol»p   laoo.«.JS  2p0'>^p   ^ope 
2^ftvo5\.io  adu   l^a^l^p    130^2  :  o<isaA  ^La^ap    croift.A 
lipua&^p  ^3  01^  ^9^  .craoLi.  e2  .crA^o  is..»p  3io  ouucmo^  is 
•pyso  Sm.  )Jioou-  'sSkA  «^3  v^oaoAo   UsoCmAo  Ap    l^o- 
.cx^kiid   a^^o    Upocru  d^oA   Zs^ep    w*p    po^A^s    ..^trois^l. 
.ou  oAa.jC32p  voacr  p^  .Imol^^p  >^co^a.p   1*30.tv  \«»«m\2 
2peop.p    ^(T   A\.,t9    .^\op3..»    lApe   ^\OLj:i.ao    lAp   oS:^^ 
3wab^  ^2  .^pJ.  lA  p^A  o':^^3   lA,^  2x^«p    \vai &3JC3>ac3a  20 
kdoo  crojxJM.  .^   iS3>.3.iJG>3    IjimO   l.^.aoo  ^  V  A.Vao   o-i^A^ 
isoo^  aui>^*l  .lisOkil^  ause  X.>»c-2e  2^0l3u\.  c'Xj^  .ou'kaA, 
2^iA-«x3  sAcrp  2ivxpu.  ^»p    iJKpA  3  ^(T    .2^..v  \,v.a   xA, 
§11.   .  AA^  A  <fa/..2  ^i<a2p   L.J03a^  (2xcxxp^p)  .^e<r   'i.eu*.3 
mCoAm  ^2  ;i^2x..3LS  xA,  ^Jl'Vo  .«va^2p  b^  ec"  ffMssaB  25 
^^  ^^2^^^p  ^aoA  :  ^^oA^ouo  ^'pokip  Is^pJO  lia-  'yy.tnp 
^oiusp  ^Ok^l  i^^i2pe  <^eu.2p  aA  oujosa^    .^2  2a  a».\ 
A-^Xjcxao  ^070mI3  L«.2  ^p  lA.eaoe  2No\..i;e  1«.«j  2o^^^ 
^3  2kx^  oA  ^20  ^^  •  t-^o^  2^>^  o?^  >^  ;^d.^«  2oT  aa 
.2^Am;s^  oi^^a5;sa2  oA^P  «>o70i^2  aa.C3p  ecr  ^«2o  .MCieuM2  30 
;soA  2po?  A2  .oAet  Na>j  Axp  isj^p  liso'\.t\'^  oA  .ttN>yi 

'  I.  X««^^2. 


—      277     — 

dann  ist  klar,  dal3  der  Sohn  wie  die  Tochter  ist,  uiid  wie  der  Vater  nicht 
seine  Tochter  heiraten  dart",  er  ebensoweniij  die  Fran  seines  Sohnes 
heiraten  darf  —  bezeichnet  doch  die  Bibel  beide,  Mann  und  Frau,  ais 
ein  Fleisch  — ,  nnd  daB  die  Fran  nicht  das  Recht  iiber  ihren  Leib  hat, 

5  sondern  ihr  Gemahl,  so  auch  der  Qemahl  nicht  das  Recht  hat  iiber 
seinen  Leib,  sondern  seine  OemaliHn.  Wesjen  des  Oescliieciitsveri<ehrs 
ijehort  ein  Gh'ed  der  Fran  dem  Manne  und  ein  Qh'ed  des  Mannes  seiner 
Frau,  also  dali  der  Apostel  von  den  Olaubigen  (Christen)  sasjt:  >Sie 
sind   Oiieder    unseres   Herrn.     Sollen    wir   also   ein    Oiied   des   Messias 

10  nehmen,  urn  es  zum  Glied  einer  Hure  zu  machen,  Oott  behiite!  Oder 
wiBt  ihr  nicht,  daB,  wer  einer  Hure  beiwohnt,  ein  Leib  niit  iiir  wird?t 
(1.  Kor.  5,  15.  16). 

Durch  diese  Gebote  zeigt  Gott,  dafi,  wer  seiner  Schwiegertochter 
beiwohnt,  gleichsam    in   schnoder  Kopulation   scinem  Sohne   beiwohnt, 

15  und  wie  ein  Ehebrecher  angesehen  wird,  wenn  auch  sein  Sohn  schon 
tot  war,  da  hierin  auch  die  Todesgrenze  nicht  vermoclit  hat,  diese  Be- 
stimmung  aufzuheben  (d.  h.  diese  Bestimmung  gilt  auch  noch  fiir  die 
Zeit  nach  dem  Tode  des  Sohnes).  Gott  erlaubt  nicht  dem  Schwieger- 
vater,  seiner  Schwiegertochter  beizuwohnen,  wahrend  er  anderen  Per- 

20  sonen  erlaubt,  sie  nach  dem  Tode  ihres  Gemahls  oder  ihres  Mannes  (sic) 
zu  heiraten  (5.  Anm.). 

Wir  halten  dafiir,  daB  dies  Gesetz  fiir  uns  und  diejuden  und  die 
Volker  vor  den  Juden  ein  und  dasselbe  ist.  Jedoch  ein  Vorkonimnis 
im  Leben  des  Juda  und  seiner  Schwiegertochter  Tamar  (Genes.  38,  6ff.) 

25  hat  man  wohl  als  eine  Obertretung  dieses  Qesetzes  angesehen,  da  sie, 
obwohl  sie  dagegen  gesiindigt  haben,  ohne  Tadel  und  Strafe  geblieben 
sind.  Denn  weil  Juda  mit  seiner  Schwiegertochter  in  dem  Glauben,  daB 
sie  eine  Hure  sei,  unwissentlich  gesiindigt  hatte,  und  Tamar  gesiindigt 
hatte    wegen    des   Unrechts    und   der   Krankungen,    die   ihr   von    ihrem 

30  Schwiegervater  und  von  ihren  Mannern  angetan  waren,  deshalb  erbarmte 
sich  ihrer  die  Giite  Gottes  und  verfuhr  nicht  mit  ihr  nach  der  Strenge 
des  Gesetzes.  War  sie  doch  eine  Kananaerin,  die  vielleicht  von  der 
Kenntnis  dieser  Gesetze  keine  Ahnung  hatte. 


§  11- 
Die  Scham  der  Frau  deines  Bruders  sollst  du  nicht  aufdecken,  denn 
es  ist  die  Scham  deines  Bruders  (Levit.  18,  16).  Es  geniigen  sicherJicli 
die  Worte  dieser  heiligen  Satzung,  urn  einem  jeden,  der  sich  rechtschaffen 
bemiiht  sie  zu  lesen,  ihren  Sinn  klar  und  deutlich  zu  machen,  namlich 
die  Entehrung  deines  Bruders  und  seiner  Gemahlin,  worauf  mit  Spott, 
Verachtung  und  Hohn  hingewiesen  wird,  (eine  Entehrung),  die  von 
einem  Bruder  dem  anderen  angetan  wird,  nachdem  er  langst  aus  diesem 
Leben  geschieden  ist,  die  aber  ihn  (den  Verstorbenen)  mit  einer  Schande 
trifft,  die  sein  (iebender)  Bruder  ihm  anttit.  Und  da  gleichsam  vor  seinen 
Augcn  ihm  seine  Ehe  geraubt  wird,  so  bedeckt  ilm  dies  mit  Betriibnis 
und  Kummer  urn  seine  Ehegattin. 


•27H 

o^!S  ^^2p  ;jm.23  ^3  lA^oi  :  z1j3  iJ^p  ^^^..^^p  1«.23  po;s  1^2 
\a3^3  laa'>2e  -Ixa^io  w^cr  Uaci  .^.Ad  23a^p  U^^2e  .Cxa 
OCT  ^2  v\^3>,x  U^Qi  ^otol^I^  1->J3  c;^  x«2  aiA  .ije>i3  Uor 
U2  3^2  ^ojjso  23kM3   .u^ora^l^   lljja  :^J^3   lie  z  jjsxi   Z^p 


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^Ok^or^^  Zjoaaanp  ^^«z!^e  >oaoA  2pcre  .ZX3*  <^ou.Z^ 
Aa.p  ^ocr>.a.i.dauc7p  2Necv^3,^  A  \,  V)  .jvec"  Z.^x.^  eoo^ 
,.«^2  ^p  ^  .zl!u  Z^p  o30L\.p  ^OLiorp  Za^AopA  .2iv3auA 
.v^j\a^  2^1^  ^.d^  >japp  ^oau^o  :  ^  Z«>dJ.aop  2>>o  \Yt.P!-3p 
^\a23  ZX39  aifAAp  ^ot  :  Ztl«t«.  e3u.i<.^  ^  .ouN^2  Z>J>aaua;ao  u 
Z^pp  v^eo;^  ^^^.  %eoM^3e  t?  '^'^  2zJXxDp  ^uj^  .oi^iep 
«;  12.  13.  14.  .2'3uQxX^3Xp  .  zl-sa-xp  2Na.^^.»  \.\.ae  .  vooov^  L\,ee« 
dos^ap  e2  craa  ^^ap  e2  .z\V^^  Z^  o7^3.spo  2^:sj2p  Z-^xasad 
.^2  p^'Ld  .^oMa^ou^  tt  .  \  \  ia\  J33k_d^^  zA  .cT^La 
^03.^3^  \\,»p  .^.o^  2^^\^a  ^2  ^AoA  <^oA  -ec  Z^a^e  20 
^A«2p  Z\,oo«p  ^\oi^^oae  Zsjcsoo  2eov&  zAp  3>.,a.5  Zj.dA3 
^2  .  «^oov3  w.^Xx^  ZJ.i*Ap  23b-fiu2  a.xp  Zv  A..2  .^'xijp 
^Au.23  ^ol>.o2o  Z.30mo  .>^^n  \.\  ia  \  ZmSa^p  2;soucx2k.^» 
.^^A^^^  Zte'pOT^   yd^««»p    Z.»LXa\   3hM  ^2   3^    ■^.Q...'3p 

^^  ^ajJ^?  ^p  Ok^  .Ip'i.^?  ^ou^^ousj  ^^-a^QJ;^.aae  25 
g^AaaiS  la^  Ixaixs^ie  ecrp  Zaad2o  :  ^ui.*is*lp  ^2  oaspka&S 
.^isi*3a  2oAi?  zA\  ,-p  v^  ...,4><i.SLip  Z^spOk^a  A  2p3.3iAe 
^3^0u^  A2  :  ^^  jQx^\,30  ^  j:Z3.ip  \\^  <Ae  :  >*a3o  A 
:  A\di^Ap  oaab  :v>aJL.3wA^  ^^o^Jup  '..Atp  a)\ja  ;s3a  ^2 
Z*>3axe  Zsoi^  b..:30vo  :  lieS^^^^o  Zj^3>,.^  oJ^  w.o70kjoa3aip  30 
yJ^oip  .Xi^kjaa^  Zaom  Zso?  ^2  Zj^ot  oorp  .^eo;A>^^2  'sAAp 

'  1.  :a!^. 


—     279     — 

Indessen  dies  auf  die  Briider  beziigliche  Gesetz  o;iit  niclit  unter 
alien  Unistanden  und  zu  alien  Zeiten.  Gibt  es  dncli  ein  anderes,  diesem 
gerade  entgegengesetztes  Gesetz,  dal5  ein  Mann  die  Fran  seines  Bruders 
heiraten  (Leviratsehe)  und  seinem  (verstorbenen)  Bruder  Naclikommen- 
5  schaft  erwecken  soli,  und  daB  er,  falls  er  sicti  weigert,  getadelt  und  als 
ein  Pfliclitvergessener  gesclimaht  wird.  Bei  dem  Levirat  handelt  es  sich 
um  einen  Bruder,  der  sohnlos  gestorben  ist,  bei  dem  vorliegenden  Ge- 
setz aber  um  einen  Bruder,  der  Sohnc  hat  (hinterlalit).  Und  wie  dies 
(dafi  der  Bruder  die  Frau  seines  Bruders,  der  Soline  hat  (ider  hinterlaBt, 

10  heirate)  verboten  ist,  so  ist  jenes  (das  Levirat)  eriaubt.  Wie  lierjenige 
getadelt  wird,  der  seines  Bruders  Frau  heiratet,  wenn  dieser  Scihne  hat, 
ebenso  wird  auch  derjenige  getadelt,  der  des  Bruders  Frau  nicht  heiratet, 
wenn  dieser  keine  Sohne  hat.  DaB  jemand,  meine  ich,  eine  von  solchen 
Schwagerinnen  (die  Sohne  haben  oder  sohnlos  sind)  zu  heiraten  be- 

15  rechtigt  ist,  das  ist  schon  aus  der  vormosaischen  Zeit  durch  das  Bei- 
spiel  des  'Er  und  Onan,  der  Sohne  Judas,  bewiesen.  Denn  nach  dem 
Tode  des  ersteren  sprach  Juda  zu  seinem  Sohne  Onan:  Geh  ein  zu 
dem  Weib  deines  Bruders  und  beschwagere  sie  und  errichte  deinem 
Bruder  einen  Samen    (Genes.  38, 8). 

20  Dies  Gesetz  war  den  Juden   und   denen,  die   nach   dem  Gesetze 

(Mosis)  lebten,  niitzlich  zur  Erhaltung  des  Andenkens  an  die  sohnlos 
verstorbenen,  da  ihr  Glaube  mit  Bezug  auf  eine  Auferstehung  schwach 
war.  Wir  (Christen)  aber,  die  wir  im  Glauben  an  den  Messias  leben, 
und    die  wir  an  die  Auferstehung  von  den  Toten  glauben,   erachten  es 

25  fiir  uberfliissig,  den  Verstorbenen  einen  Samen  zu  errichten  (5.  Anin). 
Dazu  kommt,  daB  viele  Menschen  es  vorziehen,  unverheiratet  zu  bleiben 
wegen  des  Himmelreiches  (d.  h.  in  der  Hoffnung  auf  das  Himmelreich). 


§  12.   13.  14. 

Die  Scham  der  Frau  und  ihrer  Tochter  sollst  du  nicht  aufdecken 

30  oder  der  Tochter  ihres  Sohnes  oder  der  Tochter  ihrer  Tochter.  Du 
sollst  ihnen  nicht  beiwohnen,  ihre  Scham  aufzudecken,  denn  sie  sind 
blutsverwandt,  und  es  ist  ein  Frevel  (Levit.  18,  17).  Wie  Gott  schon  im 
obigen  mit  Bezug  auf  eben  dieselben  hier  genannten  Weiber  dargelegt 
hat,   befiehlt  er,   claB   der   Mann   wegen   der  natiiriichen  Verwandtschaft 

35  blutsverwandte  Weiber  weder  heiraten  noch  Umgang  mit  ihnen  haben 
soil,  damit  unter  Wahrung  der  naturlichen  Ehrc  (eines  jeden)  eine  solche 
Disposition  (Beschaffenheit)  in  ihnen  (den  Familienmitgliedern)  vorhanden 
sei,  welche  unserer  Vernunft  und  der  Freundschaft  und  Harmonic  wie 
unter  nichtverwandten  Personen  dienen  kann.    Sind  sie  doch  (alle  diese 

«  Familienmitglieder)  wie  zu  einem  Korper,  zusammengehalten  durch  die 
GliedmaBen,  zusammengefijgt  und  verbunden  durch  die  Verwandtschaft 
(cnmmunio)  miteinander. 

Wir  (Menschen)  konnen  nicht  alle  Dinge  in  ihrer  wahren  Natur 
erkennen,   noch   (erkennen),  wie  der  Weisheitspender  (Gott)   uns  durch 

■•5  die  Forderung  unserer  Seelen  lehren  und  erziehen  will.  Wenn  es  aber 
sicher  ist,  daB  Gott  nicht  an  unserm  Ubel  Gefallen  hat  und  nicht  uns 
leitet,  um  uns  Boses  anzutun,  sondern  zu  unserem  Vorteil,  wie  das  Wort 
des  Apostels  lautet:  Auf  daB  wir  teilhaben  an  der  Fieiligkeit-  (Hebr.  12, 10), 
wer    kann    noch    zweifeln,    daB   seine   Gesetze  Weisheit   und    Gesittung 

50  spenden  und  Oluckseligkeit  und  ewigen  Ruhm  verleihen. 

In  solcher  Weise  ehrt  er  auch  jetzt  durch  dies  Gesetz  uns  mensch- 
liche  Wesen  (wortlich:  diese  von  unserer  Natur),  indem  er  befiehlt: 
Der  Mann  soil  nicht  sein  Weib  ^urch  die  Heirat  mit  ihrer  Tochter  be- 


—     2.S(i     — 

lA  oTtSkap  t.-t.OiYn  2;s^.^23  .Lable  •'^  "-^  .^..a  '  *  ^;^ 
.^'k^p  mX«2p  l\ee*  v^  .lJOX^^a  I^  U^  eco  ■^.^\■^^ 
v2e  ItSks  v,^  .JjaouOLS   ^oi^  Loer   Laolp  o^J-ao  ..^o-p  .Vy^i 

craa  ^aae  crJsaa  \nsp  ecr  ^2p   L^p^  .^sOLd^axp    Lio    s 
ivlA  l»pc7  ^vaapap  ^  ^2  . 2.ca<>i3Lv\  Ju<.^.Jo  c^^^  ^.^oo 

aa'yJOi^io.^  jcxioc  oi\^p  2^  ..t..^  .^^  n^^MuA  l^p  Uay»2p  w^o- 
X^UAiM2  2^^^lAp     .>.%  niop   la^2  oc"   ^^2  .ol^^oljc  cl^ 
§15.   ^OT  ^^Je   .ai^  ■:■   li^^ap   ZApv^e    l.oKaa  \j   l^o   :J^^^a   lo 
;jUd.jap  2:s.axp  l3!*.^e  :\a  vSp  AxsA  "a^'y^e  x.;^.«»%y  a,^ 

LeUX:^0    .OLO^    2^   CrX>.  ^X    2^^a2p     .^332    l^^.   -^rrA«;^\  X<\-i 

§16.  ^*^c  sXjo  .Okwi  .  1,«.>..3  P!  .  \x  auucaao^  iAA;\o  zvl^ 
l.jcrxv.'aa.x  .lAeetp  <\eL^>saL.xp  ^^23^^^^^  o  o  %  \. aa \  jois 
^\olaa\.e  2;saxa^^e   .slxa  Ijcaaaaap  o;\aP  IxSa  -^'^^-'   15 

§  17.  .9^  .lOLi^ie  2'aciA.  ^0:1  ^0u^.«2p  ^s/kaoa  'auxp  ?.^,■»p>■aa^ 
Zj^P  3iV.e  Up^a^  Aa-v  .U-A3  X^p  6i.>^s^2p  ^ov^  soiso 

.\\,Y>    2;S^2p     Z>^pk»    ^P^     ^    23kAp    TLXp     .i3>2    Cu\^p 

§  18.  sxil  ^2p  w.o7e  .IXdOU.  ZioT   Up,x]oA3  o^jo  .wv.^  .eo*   lda\,p 
.k^,.»2p  ^2  -^p^   2xap   au^p  ^2  2^«Xj2  a^p    ^'l'bh  30 
Ok.ae   lAp  :p>.13l-io   :^c^.&d^p  2is m t  >.     .'\  \..«  >  oc^^'^  n  ip 
^9«.^2  .2'ahapp  ^\a5;S0Lxp  2^o''«i\,p  li«  lier  eorp    ...ou.^2 
I^sSm.  U^ap  2^pbM  l&pbA«  97^.\\.»p   .L^op^ja  ^s>>s  'sp.Ao^ 


AliN 


. 2^0.3^11  «.p  2;se3^2p  2l\ajC3J^  >^2o   .licr  Ucao^p  o-^os^  25 
vOOVJ-ao  pk«.   Z^3L.so   -^^V^   U'peciJS  i^2   ov^^   t^p   2;s4.ae 
^  Ouucp   .iNA^p    L3U.2  ^p  i^2  .^A.3uM  ,^.ia.\,-ip  ^voi^^l? 
lioA  ^.i^o  .oa3La;s2  cr^^eA  2^;sc;j  l^p  .U?*  lal^p  oix«. 
OkS^^  -Cv^a^^e  .0*0.^2  ^wxao.!  2pcr  ^solS^.ouxp  2«seiOL^e 

^^^P    O^^^p    puJ    A^    pkAp    ^01     .^eiO     ^OL^Op^     2popL\^    30 

>  I.  ^ov^.       -  I.  y».Mfta()p.  1.  6^.«..3.       *  I.  2^a5;sea. 


—     281     — 

schmutzen;  er  soil  die  Natiir  nicht  entweilien  durch  Geschlechtsuiii,i>ang 
mit  bliitsverwandten  Weibern,  dcnii  solche  Personen  verdanken  ihre 
Existenz  einer  und  derselben  Mutter,  ob  sie  Tochter,  Sohnestochter  oder 
Tochtertochter  sind.  Wer  sich  mit  ihnen  in  Kopulationsart  verbindet, 
wird  bekanntlich  verurteilt  diircli  das  Gesetz  wie  derjenige,  der  seine 
eigene    Tochter,    Sohnestochter    oder    Tochtertochter    heiratet,    sintemal 

gleichwie  Glieder  fiir  die  Mutter,  aus  der  {O^Aiep  st.  ^opi93V)  sie  her- 

vorgegangen,  die  Tochter  und  Kindertochter  sind 

(Liicke,  Text  verderbt;  s.  A/im.) 

wie  derjenige,  der  sich  erfrecht,  sich  deni  Weibe  auf  andere  Weise  zu 
nahern  als  gemafi  den  Gesetzen  und  dem  Recht  der  Natur. 


§15. 

Fortfahrend  spricht  Gott,  indem  er  durch  seine  lebendigen  Worte 
jeden  moglichen  AnstoB  und  Bedrangnis  der  Menschen  voUstandig  be- 
15   seitigt:      Du  sollst  nicht  ein  Weib   zu  ihrer  Schwester   heiraten,   indem 
du  sie  bedrangest  und  ihre  Scham  aufdeckest,  wahrend  jene  noch  lebt 
(Levit.  18,  18)/ 


§  16. 

Ferner  gibt  Gott   ein  Gesetz   samt  Strafandrolumg   fiir  die  Uber- 
20   tretung  desselben,   um  ganz  im   besondereii    den  Geschlechtsverkehr  zu 
regeln  (Levit.  18,  19  und  20,  18?),  und  legt  dar,  wie  befleckend  und  un- 
rein  es  sei,  bei   fremden  Weibern,   die   mit  (ihren)  Mannern  verheiratet 
sind,  zu  liegen  (Levit.  18,  20). 


§  17  (s.  All  III.). 

25  Und    in   betreff   des  widernatiirlichen  Umganges  verbindet  er  ein 

Gebot  mit  der  Androhung  gesetzlicher  Strafe  und  spricht:  Cum  masculo 
non  recubes  more  foemineo  quia  impiuum  est  (Levit.  18,  22). 


§18. 

In  diesem  Gebot  liegt  auch  das  andere  eingeschlossen,  betreffentl 

30   den  Fall,   daB   jemand   sich   erfrecht   ut  cum  muliere  recubet  sicut  cum 

masculo,  wie  gesagt  ist  (Ronier  1,  20):     Ihre  Weiber  haben  den  Gebrauch 

ihrer  Naturanlage  verwaiidelt  und  sich  des  Umiatiiriichen  bedient  .    Diese 

Art  des  schmutzigen  Mannerverkehrs  hat  sich  vormals  unter  den  Soilomern 

gezeigt,  weshalb  ein  neuer  Brand,   der  auf  iieuc  Art  verkiindet  worden 

35   ist  (sic?),  ihr  ganzes  Land  vernichtet  hat.    Von  ilamals  bis  jetzt  hat  sich 

das   Laster    dieser   Krankheit    auch    iiber   viele   Heidenlander    verbreitet. 

Etwas  davon  ist  auch  zu  den  Juden  gelangt  und  hat  einen  ihrer  Stamme, 

den   Stamm  Benjamin,   verdorben  (jud.  19,  22ff.).     Es   ist   aber  auch  in 

einige  Orte  gedrungen,  wo  die  Leute  infolge  dieser  krankhaften  Lciden- 

40   schaft  Delirien  haben,  ohne  Scham  solches  begangen,  Hochzeitsgemach 

und  Hochzeitsgelage  fiir  diese  sonderbare  Verbindung  eingerichtet  und 

den  Knaben  gleichwie  Jungfrauen  eine  ''.^piii  schriftlich  iiberwiesen  haben 

(.■;.  Anm.).    Diese  Dinge  sintl  zwar  durch  die  Erscheinung  unseres  Herrn 


—     282     — 

.^oi  ^li  U'h^l  >w.2  » 2e  :  U^e  23^>^  \^  a^I^^p 
2^\Sp  Uxa^p  gT^at..jo«.  >.oA^  :  291^2 p  loaaaA  .  ai  poo 
w.:!o>2  2^A<^^.  2Xa..^aa  .52  . ',  t  V  .  n  \  >»pb^2p  2^a.«^kj:p  ^ 
v^oa2  .SA^  -V^-^P  2;^.«jc««  a5A«.p  A^^o  .2^a»  >  eoi  Av 
§  19.  tt\\y.fiioo  2aw>^3  ^3LX  ^»pap  A^p  .^:io2  ae^o  .\^  -I^m  Jap 
§20.   :ziOu0^p  2;^;M2e    .^   .isiA.s^^  1'^j.^J3   ^cr  .52e    ..\.\.n^^A 

■  2ab.\nS  ^2  2^^a2^  cAa\..fi    .mae  A^S^i^p  23^.^0  ^p^xt 

■  j.ao>.B    ^2    ^eu&2   ,X.-Ti«.    l.aoOu.^0    OU   2s^l.X!P*    wAt-A    J&2    lo 

','ft"T^A''*^\  •;p  ^.ap  1^32e  .pk3LX  ^eoAok^  laoAos  2;sa3a3e 
.2^>o»\  ^ec  ^3L.M  pud  oA  .2d^Od.M  .32  ♦  eoi  ^a.v.  ^p  N.iiae2 
2^.x^.3p  ^cr^oAe  .^op^  w.'x^^Jo2p  ^A^ls  -oakt?  b^  lA 
.  'Vi.'\,a  ^^MM  pkA  Ap  ^joaa  .2^ciuM  ^oo"  ^islao  A2  .^cuis^l 
z  ^%ij>:sse  Sua  ^eai.1  lApe  .w.cr;soA  .uu3XI^^.3op  ,..  \  .lA  b 
%lu  ^Ip  ^  -^■'^-  aw.i  3b^2  .1^,0  Lik^a-jop  l^po-ou^ 
vecuep2  A^  .^«eo7  Ijua  2pnx3  .'  notai  ^3^  .jp  pAM^.»p 
2^oumA  m.a2  ^„..3e2  lip^o^  :apJO  licr  >\yYte  .»enA2aau 

^2p    1Um2    .  ?.C">ft.'WLA    S..3.3..3    -i^OV^    0.mXm«S2P     •  T  V.^J    73..^ 

lisopa^Xio  :  2^e '  iaL\,\  o'exa^op  .^AM2e  <>ei  'aa\.  '2puN»  20 
Uoap  A2  .2^ad.ap  ^Ow^ao  ^3»  Aa^J:^.  :  2^elaaL\.p  au^^p 
\s.  li^phi^^  Sum  lJ.2w^2p  .2pcr  ou:s«2p  w.^  io.««>«2  laao^ 
I'^A?  '^3^  ..•j'vaie  2'auA,  Ax  :  lAoa&A  wa.^2  ^eoA^  ^o- 
.  ^or  3u.X.  voc^^^?  .Ixio  2'aaA,  2'Lx3  "a^  ^>>6isx33o 
>^pp  .\\.Y)  A^.»pe  .'uooiOA  ^eovoiV^  ojicxd  l^\.n  pw.3  2s 
.2pxmA  *^oous1ap  lA,,p'^%\^  k52  Mi^pe  .2pxM^  ^ai.^'..^ 
lisx*3  ^o^A^s'sNap  .w.o'  iAA^  ■23^P  !2LX  ^^?P  3.-*A  ecr 
.aC^so  .l»pc  >3k\«<»p  ^oiso  'rr^^'i  A\«.ao p  .^cu  .ASd 
A^^aa  .xijc>  2;sek»au3  c;jp  u.07  Usep  .  ^Jaap  2au.X3  tLxp 
:3l\p  oor   'e2  ^3>^    U^ci   .iJuLs  A\*,.30o  :  ia,\  nl  SuA.  3o 

'  I.  ww.3Aw.^^3.  '  I.  2xi».         '  I.  wttjoS  '  1.  eo'e. 

■  I.  A2. 


—      -JSii      — 

aus  der  Menschheit  ausgerottet,  jedoch  ein  Rest  davon  existiert  auch  jetzt 
noch  in  den  Landern  der  Heiden,  bei  einigen  im  gelieimen,  bei  anderen 
offentlicli,  wie  man  z.  B.  von  den  Kaphtoren  (s.Anm.)  iind  den  Arabern 
erzalilt,  iind  wenn  es  nocli  mehr  (Volker)  dergleicheii  gibt.  Daher  hat  das 
Gesetz  Gottes  wegen  des  heftigen  Brandes  ihrer  Leidenscliaft  und  Liistern- 
heit,  welche  die  Menschen  erfaBt  hat,  sie  mit  dern  Tode  wie  mil  einem 
gevvaltigen  Schlage  getroffen.  Weil  sie  den  natiiriiciien  Vorgang  ver- 
wandelt  haben,  hat  er  sie  aus  Lebenden  zu  Toten  verwandeit. 


§  19. 

10  Und  ferner  spricht  Gott:    Omnis  qui   cum  pecude  recubat  inter- 

ficiatur,  et  etiam  pecus  iapidetur  {vgl.  Levit.  IS,  23  und  20,  15). 


§  20. 

Feminam  quae  stat  coram  pecude  ut  ab  eo  comprimetur,  interficite 
et  earn   et   pecudem  {vgl.  Levit.  18,23  und  20,  15).     In   gerechter  Weise 

15  hat  er  (Gott)  auch  Ubeltatcr  dieser  Art  in  das  Gesetz  einbegriffen  gleich- 
wie  die  vorher  (in  §  19)  gcnannten,  hat  durch  die  Todesstrafe  ihrem 
Frevel  ein  Ende  bereitet  und  die  Erde  von  ihrem  Schmutz  gesaubert. 
Samt  ihnen  hat  er  auch  die  Tiere  getotet.  Zwar  waren  sie  nicht  todes- 
schuldig,  denn  sie  \vu(5ten  nicht,  daf5  bose  war,  was  von  ihnen  und  mit 

20  ihnen  getan  wurde,  aber  sie  verfielen  dem  Tode,  daniit  sie  nicht,  so 
langc  sie  lebten,  Pcrsonen,  die  ihnen  nahe  kamcn,  bcschmutzten  und 
nicht  ihr  Anblick  cine  Eriimerung  an  die  bosen  Taten  weckte.  Sagt 
doch  der  Weise:  Auch  Kinder,  die  aus  Gesetzesiibertretung  geboren 
werden,  sind   bose  Zeugen  wider  ihre  Eltern   bei  ihren  (ilen  an  sie  ge- 

25  richteten)  Fragen  (Weisheit  Sal.  4,  6).  Aus  diesem  Gruntle  hat  er  hier 
(in  §  19  und  §  20)  den  Befehl:  -Tote  die  Tiere  samt  den  Menschen,  die 
sich  ihrer  in  Gesetzesiibertretung  bedient  haben-  vorausgeschickt,  damit 
zugleich  die  Sunde,  die  Sunder  und  das  Zeugnis  dariiber  aus  der  reinen 
Welt  vertilgt  werde. 

30  Was  mir  der  Beachtung  wert  scheint,  ist  dies,  dali  das  Gesetz  iiber 

alle  diese  Obeltater  eine  und  dieselbe  Strafe  verhangt  liat,  iiber  die  Ehe- 
brecher,  die  Paderasten,  die  Sodomiter  und  Sodomiterinnen,  denn  fiir 
ihrer  ailer  Siinden  hat  das  Gesetz  den  Tod  als  Strafe  gesetzt  (Levit.  18,  20). 


—     284     — 

af^?  o^p  >\.\.bo  li^e^3>3  .laepcr  ^\«,.^o  l^o^i3  A\.i».m 
liopai  ^aioi^i.  U^2.  IfvaVa?  .\\.t)  .  ^?  L^pcr  .:^xi2  ^ar 
I-^otJ^  ^Ip  .«^^b^^.;^  ^J^c  ^ajj^^  ^p  ..aour^  2  .2^^_l2p 
^oAp  \^  ^-^  . L.<caoia.t  o^  Ju<»ao  Isuap  3^<^p  :  %,^>.'nLn 
w.creX.2  I^^^Ip  n.^?  a-^o  .cr^x^Ip  iL^i^  «,3J:  2%.t.\ 
?..a...^eiv-B    La 2   w.xaop    2^iA..2    N'aa\  t    .cusopa-p    L'y^^ 

.1X13   lio-g  \^e    Aee«p 


—      28:')      — 

Es  scheint,  da(5,  weil  ihre  Leidenschaften  sich  oleichen,  aiich  die  Strafen 
ihrer  Leidenschaften  sich  gleichen.  Denn  vver  bei  Mannern  liegl,  verfallt 
evident  zvvei  Sunden,  eo  quod  mutat  tu  a-x'lMt  et  quia  niutat  nieinbrum. 
Et  is  qui  recubat  cum  pecude,   eodem  modo  agere  videtur,   nam  nnitat 

3  TO  a-x'ifM  et  mutat  homineni  (ponit  pecudem  loco  hominis).  Ebenso  aiich 
der  Ehebrecher,  nam  mutat  personam  (rn  -poa-M-ov)  et  mutat  membrum, 
personam  quia  non  ejus  est  nuilier,  et  membrum  quia  mulier  membrum 
viri  alius  est.  Aus  aiiem  diesem  ersieht  man,  dal?  das  (jesetz  auch  den 
Paderasten    verurteiit  (nicht   zujjieich   seine  Frau),  denn    zwar   iiaftet  die 

10  Schande  des  Weibes  an  ilirem  Manne,  aber  die  Schande  seines  Oliedes 
ist  nicht  ihre  Schande. 

Voliendet  ist  das  Sciireiben  des  Mar  Abha,  Cathohcus-Patriarch  des 
Ostens,  eine  Aufklarung  iiber  ilie  Oesetze  des  Cjeschlechtsverkehrs  und 
des  Heiratens. 


Anmerkungen 


Corpus  juris 


Jesubocht. 


28 !» 


Anmerkungen  zu  Buch  I. 


'& 


S.  3,  i.     Zu   der  Wiedergabe  des  Ausdnicks   \a.?  Id^OOS^^M 

ZJm.3    Schrift    iiber    die    dine    durch  Corpus  juris    bemcrke  ich, 

daB  dina  Oericht,Oerichtsurteil  (richterliclies  Urteil)  und  Q  eric  lit  s- 
sache  (ProzeB)  bedeutet.  Der  Verfasser  versteht  uuter  dine  in  der 
Hauptsache  die  Entsclieidungen  der  Oerichte  in  Streitfragen  des  biiroer- 
lichen,  nicht  des  kanonischen  Rechtes,  sowie  die  Orundsatze,  nach  denen 
diese  Entsclieidungen  getroffen  werden  sollen,  also  das  biirgeriiclie 
Recht.  Danacli  kann  der  Inlialt  des  Titels  seines  Werkes  durch  Corpus 
juris  civilis,  abgekiirzt  Corpus  juris,  einigermaBen  entsprechend  wieder- 
gegeben  werden. 

Die  eigene  Erklarung  des  Verfassers,  die  er  dem  Worte  dina 
gibt,  s.  in  1,  il,  und  das  Verhaltnis  von  dina  zu  naniosa,  d.  i.  vo/ios, 
s.  in  1,  Vll. 

S.  3,  16.  Ober  den  nestorianischen  Patn'archen  Tiniotlieos(gest.  823) 
s.  Syrische  Rechtsbiicher,  2.  Band,  Einleitung  S.  XVll-  XXI.  Er  lebte  als 
Oberhirt  der  nestorianischen  Christenlieit  in  Bagdad  von  780—823  n.  Chr. 

S.  5,  7.  Ober  den  hier  genannten  Patriarchen  Chenanischo'  ist 
folgendes  zu  erwahnen:  Da  die  Obersetzung  des  persichen  Rechtsbuchcs 
auf  Veranlassung  des  Timotheos  (gest.  823),  also  doch  wohl  zu  seinen 
Lebzeiten  oder  nicht  lange  nachher  angefertigt  ist,  so  ist  mit  der  Tat- 
sache  zu  rechnen,  daB  es  vor  dieser  Zeit  zwei  Patriarchen  des  Namens 
Chenanischo'  gegeben  hat,  Chenanischo  1,  686—693  und  694—701 
(s.  iiber  ihn  Syrische  Rechtsbiicher,  2.  Band,  Einleitung  S.  VI— XVll) 
und  Chenanischo'  If,  der  das  Patriarchat  von  775-779  inne  hatte,  also 
der  Vorganger  des  Timotheos  war.  Aus  den  Worten  des  Obersetzers 
ist  nicht  zu  ersehen,  welcher  Chenanischo'  hier  gemeint  ist;  doch 
scheint  mir  die  Vermutung  dafiir  zu  sprechen,  daB  der  letztere  gemeint 
sei.  Denn  wenn  in  der  Zeit  des  Timotheos  von  eineni  friiheren  Patri- 
archen Chenanischo  die  Rede  war,  dachte  doch  vermutlich  jeder  Horer 
Oder  Leser  an  den  Vorganger  des  Timotheos,  nicht  an  lienjenigen  Che- 
nanischo, der  vor  lOOJahren  Patriarch  gewesen  war.  Ware  der  letztere 
gemeint  gewesen,  so  hatte  der  Obersetzer  wohl  irgeiideinen  Zusatz  ge- 
macht,  um  den  allgcmein  bekannten  Trager  dieses  Namens  von  dem 
halb  vergessenen  zu  untersclieiden.  Danacli  diirfte  der  Verfasser  unseres 
Corpus  juris  der  Zeit  um  775 — 779  zuzuweisen  sein. 

S.  5,  24.  Von  den  beiden  Lesarten  yoS  und  3aiO^  (s.  die 
betreffenden  Stellen  ini  Index)  ist  tlie  letztere  liie  richtige,  il.  i.  persisch 
aL_)    pesend    —  einVerstanden.      Der   Verfasser    versteht    dariuiter, 

S,ichau,  Syrische  Rechtsbucher  UI.  I'J 


—     2 '.Ml 

cialJ  ciii  Oliiubiyer  aus  Oiite  clem  Schuldncr  uinen  Teil  der  Schuld  er- 
lalU  und  da(5  das  Oericht  dies  als  die  rechtmaBige  Erledigung  derSache 
anerkennt. 

Unter  bihdadhastani  jll_ilJ^   wird  das  Gegenteil  verstanden, 

daf5    jemand    aus  Giite    etwas    von  ilim    ziigunsten    eines   aiuiern    zii 

Icistendes  iJber  das  Mali  dcsjenigen,  was  das  Gesetz  von  ihin  verlangt, 
vermehrt. 

Das     persisclie    Abstraktsuffix  wird    liier    ill    ^eschrieben.      Vgl. 

cu>xSjC)\3e3   dudagsalarih  IV,  IX;    o;*iaajoL3i  Erbschaftsver- 

zicht  V,  VI,  und  Bartholomas  Umsclireibungcn  wie  sox^anih,  zanih 
Ehe,  sardarih  i  dutak  in  Ober  ein  sasanidisches  Rechtsbuch  in  den 
Sitzungberichten  dcr  Heidelberger  Akademie,  1910.  28.  Mai.  S.  22,  10; 
S.  7,  Anm.  3;  S.  4,  Anm.  1 ;  S.  8,  10. 

Der  Gebrauch  des  Wortes  dadastan  als  Reclit,  Gesetz  in 
der  Parsenliteratur  wie  im  Armenischen  ist  bekannt.  Vgl.  den  Buchtitel 
Dadistan-i-dinik,  d.  i.  Das  religiose  Gesetz  oder  Recht  (iibersetzt 
von  West,  Pehlevitexte  II).  Bih- dadastan  ill  ist  wortlich  zu  iiber- 
setzen  Gut-Gesetzheit  oder  Gut-Gesetzlichkeit,  d.  i.  Gesetzheit 
Oder  Gesetzlichkeit  im  Sinne  der  zoroastrischen  Religion. 

S.  7,  31.  Zu  dieser  Einteilung  der  Wissenschaften  in  scientia 
rerum  divinarum,  scientia  naturalis  und  artes  liberales  ist  zu  erwahnen, 
dal5  der  Verfasser  sich  auch  mit  der  zweiten  Art  Wissenschaft  befallt 
haben  diirfte,  denn  nach  dem  Catalogus  von  Ebedjesu  (Bibliotheca 
Orientalis  III.    1,  194)  hat  er  auBer  seinem  Oesetzbuch  noch  zwei  andere 

Schriften  verfaBt,  u^  lac?  >\^3  De  hoc  universe  und  t\x3  la^^lae 

0(93223   .XSOLX  Eine  Schrift  uber  die  Vorbedeutung  der  ver- 

schiedenen  Arten  der  Luft.  Hiermit  ist  seine  AuBerung,  da(5  er 
in  der  sapientia  naturalis  nicht  bewandert  sei  S.  9,  5  zu  vergleichen. 
Wenn  daher  die  von  Ebedjesu  genannten  Schriften  wirklich  von 
unserem  Jesubocht  herriihren,  hat  er  sie  vielleicht  erst  nach  seinem 
Corpus  juris  verfaBt. 

S.  9, 25.  Uber  einige  Verschiedenheiten  im  biirgerlichen  Recht 
der  Christen,  besonders  im  Dotalrecht  und  Testament,  vgl.  meine  Schrift 
Von  den  rechtlichen  Verhaltnissen  der  Christen  im  Sasanidenreich  in 
den  Mitteilungen  des  Seminars  fiir  Orientalische  Sprachen,  Jahrgang  X, 
1907.    S.  1—27. 

S.  11,  12.  Die  Definition  von  dina  (—  Biirgerliches  Recht)  findet 
sich  voUstandiger  im  Codex  Parisinus  Syr.  306,  Bl.  116a:  edw.2  )U*3 
2^3JS  ^^--'^  o2  2\DJsao     Dina  ist  ein  richtiges  Gewicht  oder  MaB, 

welches  usw.  Eine  weitere  Erklarung  des  dina  im  Gegensatz  zu 
namosa,  dem  christlichen  Idealrecht,  s.  I,  VII. 

S.  13,  2.  Der  Verfasser  erwahiit  hier  die  drei  aus  dem  Avesta 
und  der  Parsenliteratur  bekannten  Grundprinzipien  der  zoroastischen 
Ethik,  das  Gute  in  Wort,  Gedanke  und  Tat,  d.  i.  hiikhta,  humata 
und  hvarsta,  die  spater  auch  zu  drei  Himmein  umgedeutet  worden 
sind.  Vgl.  Darmsteter,  Le  Zend-Avesta  traduit  111,  S.  3,  167,  16S  und  II, 
S.  654,  Anm.  20.   Jesubocht  gibt  die  Dreiheit  dieser  termini  wieder  durch 

2;se^->3>S    d.  i.   Geradheit,   Korrektheit;    in    sachlicher    Hinsicht 

wiirde,  wie  die  im  folgenden  Absatz  IV  gegebenen  Beispiele  beweisen. 


—     21)1 

ein  Aiisdruck  wic  probitas  oder  aequiini  et  boniim  nielir  ent- 
sprechen.  Oemeiiit  ist  das  etliisclic  Recht  ini  Oegensatz  zuin  fi)rmaleii 
biirgerlichen  Recht. 

S.  13,  17.    Der  Aiisdruck   S^aLi.  1^  ^oa^O  (Text  12,  11)  kaiiu  bc- 

denklich  schcinen,  vjrl.  kiirz  vorhcr  (12,0.7),  demi  an  letztcrcr  Stclle 
miiii  cr  fecit  sti  piilationem  bedeuten  er  hat  den  oder  eineii  Ver- 
trag  vereiiibart,  abgesch lessen  niit  jeniand  ,  wiihrend  er  an  ersterer  ini 
Ziisamnienhang    nicht    anders    gedeutet    werilen   kann  denn  ais     er  hat 

den  Vertrag  zur  Aiisfiihrung  gebraciit  .  Ein  Ausdrnck  wie  w.oa«So 
>*\y>T   1^    wurde  deutlicher  sein. 

S.  13,  25.  Uber  namosa  vo/ios  (das  christliche  Idealrecht)  im 
Gegensatz  zu  dina  (biirgerliches  Recht)  uml  rectitudo  (ethisches 
Recht)  vgi.  hier  Kap.  VII.  " 

Das  hier  in  Zeile  19 — 22  gegebene  Beispie!  ist  schlecht  gewahlt, 
ich  wei6  aber  den  Worten  keinen  besseren  Sinn  abzugewinnen. 

S.  15,  3.  Der  Oedanke  des  (jesetzgebers  diirfte  folgender  sein: 
Jede  weibliche  Person  soil  wenn  moglich  bis  zu  deni  Grade  init  Ver- 
mogen  (Mitgift)  ausgestattet  sein,  daB  sie  sich  verheiraten  kann,  denn 
es  soil  vermieden  wcrden,  dal5  sie  etwa  wegen  Armut  der  Unzucht 
anheimfalle,  falls  sie  unverhciratet  bleibt.  Ganz  besonders  gilt  dies 
auch  von  den  Witwen.  Ausfiihrlich  handelt  hiervon  Erzbischof  Simeon 
von  Revvardasir  in  der  Begriindung  zu  seineni  §  3  (s.  hier  S.  238). 

S.  15, 21.  Der  Verfasser  unterscheidet  zvvischen  namosa  vo/wi 
und  din,  dina  in  folgender  Weise:  Ersteres  ist  die  ideale  Rechts- 
forderung,  das  Gesetz  an  und  fiir  sich  in  idealer  Auffassung,  letzteres 
dagegen  die  praktische  Ausfiihrung  desselben  (Kap.  VII). 

Es  kann  verschiedene  Arten  von  vunoi  geben,  solclie,  weiche 
Fiirsten  ihren  Untertanen,  Vater  iliren  Kindcrn,  Lehrer  iliren  Schiilern 
geben  (Kap.  VIII). 

Der  i"'/''>s  lies  Christentums  ist  das  Moralgesetz,  und  dies  ist 
iiberall  in  der  Christenwelt  dasseihe  (Kap.  IX).  Der  i'v">s  ist  erhaben 
iiber  alle  Detailbestimmungen  des  biirgerlichen  Rechts  (Kap.  X).  Vor 
der  Offenbarung  des  Evangeliums  durch  Unsern  Herrn  Jesus  Christus 
bedurften  die  Menschen  zu  ihrer  Leitung  des  biirgerlichen  Rechts,  das 
Evangelium  aber  macht  alics  bijrgeriiche  Recht  entbehrlich,  das  ist:  fiir 
die  vvahren  Christen.  Wenn  aber  dennoch  die  Christenwelt  biirger- 
liches Recht  hat,  so  hat  dies  nur  den  Zvveck,  die  Unwissenden  zu  be- 
wahren,  dal5  sie  keinen  Schaden  an  ihrer  Seele  leiden  (Kap.  XII). 

Die  christlichen  Juristen  waren  gegeniiher  den  jiidischen  Kollegen 
in  einer  ungunstigen  Lage.  Diese  beriefen  sich  auf  das  Alte  Testament 
als  die  gottliche  Quelle  ihres  Rechts,  jene  konnten  das  Alte  Testament 
nicht  in  seinem  ganzen  Umfange  akzeptieren,  und  das  Neue  Testament 
gibt  keine  (oder  doch  zu  wenig)  Detailbestimmungen  iiber  biirgerliches 
Recht.  Und  gegeniiber  den  jiidischen  Oegnern  einzugestehen,  dal5  das 
bijrgeriiche  Recht,  unter  dem  die  Christen  im  Orient  lebten,  in  der 
Haiiptsache  romisches,  also  heidnisches  Recht  war  (abgesehen  von 
partikularen  Rechten  aus  asiatischer  Heidenzeit),  ist  den  christlichen 
Schriftstellern  schwer.  wohl  meist  unmoglich  gewesen.  Es  blieb  ihnen 
daher  nichts  iibrig  als  fiir  ilir  biirgerliches  Recht  als  Quelle  die  Uber- 
lieferung  von  den  Vorfahren  bis  auf  die  Apostel  zuriick  an- 
zunehmen.  Da  nun  aber  nicht  geleugnet  werden  konnte,  ilali  das 
biirgerliciie  Recht    in    verschieilenen  Provinzen    recht    verschieden   war, 


—     ■2i)2 

so  mochtc  ilcii  Gcuiicrn  iles  Christentums  diese  Uberlieferung 
vdii  lien  Vorfahren  als  eine  recht  triibe  Quelle  erscheinen. 

Dem  I'JNos  steht  s^egeniiber  der  din,  dina,  das  praktische,  das 
hiirjjeriiclie  Recht,  das  eventiiell  aus  dem  lu'/iov  abgeleitet  werden  kann 
{Kap.  IV).  Die  Definition  s.  in  Kap.  II.  Fiir  die  Obersetzung  empfehle 
icli  namosa  io>os  durch  Oesetz  oder  Idealgesetz,  dagegen  dina, 
wo  es  nicht  Gericht  oder  Urteil  bcdeutet,  durch  biirgerl  iches 
Recht  vviedcTzugeben.    S.  Anm.  zu  S.  3,  3. 

Ober  das  Verhiiltnis  von  dina  zu  den  zoroastrischen  Begriffen 
der  rectitude  s.  Kap.  IV,  zu  dem  Rechts-Minus  und  Rechts-Plus, 
s.  Kap.  V,  zu  den  rectificationes  s.  Kap.  XIII. 

S.  17,  27.    Das  X.  Kapitel  findet  sich  in  Tukkasa  Bl.  74a  2   ■74b  4. 

Kollation:  Text  S.  16,  16  ^ijft.^  st.  w.k.aoA,  17  1 1  *  \.  \ .n  st. 
uA^a,  IS  2o07  nach  J3?f,  22  lieL  ol  lal  o2  nach  liso^l. 
23  vi?  St.  ►a*-.!?,  24.25  2^c^2pe  st.  lisuiiolp  o2,  25  Ijoiioo 
St.  Ijoii^e,  25  UJltt^x,  27  '.ViaSsii  st.  l-j-ix'ii,  29  ijA.ouo>? 
nach   -.ojaaoxa,  18,3  2?OI   nacli   \\:»0. 

S.  17,  28.     Dieser  F^assus  ist  vvortlich  II.  Tinioth.  4,  1  entnommen. 

S.  19,  10.    Das  XI.  Kapitel  findet  sich  in  Tukkasa  Bl.75a  17     75b  13. 
Kollation:TextS.18,llhatTukkasa2^ftioeL^>\,^st.:^a»0^\ye. 

13  (;***54  St.  ^--««.^a,  13  ^?  Ol^HMl^  St.  o^Aao^.  15  iScOe^^sM 
St.  IAjO^^^,  17  lA^iJO  St.  ^ooi  lA^JO.  20  2^>^>^  st.  2^^3A3■ 

S.  21,13.  14.  Das  Xlll.  Kapitel  findet  sich  ebenso  in  Tukkasa  B1.81a 
10     17.    Die  Uberschrift  lautet  in  Tukkasa  vOaoi  lal?   SOOaLixOO*? 


aJCo  nOO^  O^Sk^  2^3e«S3   mit  Auslassung  von    liiM  A\^  (hier 

S.  20,  10). 

Unter  diesen  rectificationes  versteht  Jesubocht  Ennahnungen, 
weiche  der  Richter  an  streitende  Parteien  richtet,  uni  sie  zu  veranlassen, 
einmal  iibernommene  Verpflichtungen  nicht  aufzugeben,  sondern  unter 
alien  Umstanden  zu  erfiillen,  eventuell  auch  iiber  die  vom  Oesetz  be- 
stimmten  Grenzen  bei  iiuien  zu  beharren.  Wenn  Verlobte  ihren  Ver- 
lobungspakt  aufhebcn,  nicht  heiraten  wollen,  wird  ihnen  eine  recti - 
ficatio  zuteij,  d.  li.  sie  werden  erniahnt  ihrer  Vereinbarung  getreu  zu 
bleiben.  Vgl.  S.  79  (111,  11).  Wenn  ein  Ehemann  in  der  Fremde'  ver- 
schollen  ist,  nnii5  seine  Fran,  falls  sie  von  seinem  Vermogen  lebt,  bis 
zu  lOJahren  auf  seine  Riickkehr  warten.  Nach  Ablauf  derselben  konnen 
die  Leiter  der  Kirche  (als  Richter)  ihr  eine  rectificatio  zuteil  werden 
lassen,  d.  h.  ihr  vorstelleu,  wie  verdienstlich  es  sei,  in  der  Hoffnung 
auf  Gottes  Giite  uocli  langer  auf  ihren  Gatten  zu  warten  und  ihren 
Ehepakt  nicht  als  erloschen  anzusehen.    Vgl.  S.  85  (III,  IX). 

Vielieicht  staiumt  tier  Ausdruck  turrasa  2e30di>  =  e-m6p0w<ris  aus 
2.  Tinioth.  3,  16:    001    US^SoM    3^^^2    ImOSOS   LA,    3dva   \a 


2iNai  2.3^33  2>Sep3>tt^o  2^^o^.^o  Lseoi^e  tjA^a^. 


—     293     ~ 

S.  21,  41.  In  tier  Mitte  des  W.  Kapitels  beginnt  die  arabisclie 
Paraphrase  (Arabs  I)  des  Codex  Arab.  Vaticaniis  153  aiif  Bl.  81a  in 
folgender  Weise: 

Ubersetzung:  ^weil  die  Menschen  noch  weltlich  gesinnt  waren 
und  an  der  Welt  iind  der  Siinde  hingen.  Aber  als  ihnen  die  Augen  ge- 
i3ffnet  wurden  und  sie  das  Himmelreicli  sahen,  da  hatten  sie  Geiiiige, 
solches  von  sich  werfen  zii  konnen  . 

S.  21,  41.    Das  XV.  Kapitel  findet  sich  in  Tukkasa  auf  Bl.  75a  9—16. 
Kollation:  Text  S.  20,  30   X^Z^O  fehlt,  30  \i-  st.  \x?. 

S.  23,  6.  Das  XVI.  Kapitel  findet  sich  in  Jukkasa,  Bl.  S5b,  6^86a,  16. 
Kollation:   Text  S.  22,  4   hat  Tukkasa   "p^  st.  ^i»,  4    23^*.  nach 

Z^  ^l3.  s  a^Up  23^.33.  q   licr   fehlt,  16  o^slx,  17  as^?' 

20   Mm\^,  20  -W   lAl    St.   U\\  .  20  das  Eweite   iaoj33   fehlt. 


9    v 


S.  23,  12.  Das  Wort  I3X..M  ist  ein  Schreibfehler  fiir  23y«k» 
(so  uberliefert  in  Tukkasa),  das  gewohniich  als  Geometer  gedeutet 
wird,  hier  aber  ehvas  wie  Architekt  T\'%?32  bedeuten  nnili.  Vgl. 
Bar  Bahliil: 

T 1  . 1 1  K^-Su^e  l^i^'^l  Js.".Tab  2^M^^2^   2^^,^ol.t.» 


294 


Anmerkun^en  zu  Buch  II. 

S.  31,8.   Das  Kapitelll,  II  findet  sich  in  Tukkasa  Bl.  111b  — 114a  6. 

Kollation:  Text  S.  30,  6  hat  Tukkasa  lauoao  ^io?  Ii.3>i  st. 
I3UQ>M  ^  iLoa,  12  Zao3  St.  2^^o^,  15  IsyfiU^o  St.  ;.ua.aae. 
wo  itn  Nun  geandert  ist,  22  ^^  au\  2o7  st.  ^V*  2o7,  32,  4  U^AX 
St.  T'V'M,  falsch  abgeschrieben  aus  der  Quelle  von  R,  wo  man  zur  Not 
auch  X*A3>A  lesen  kann;  6  Z^SftVAiON  st.  l\eo*3  2;so\A0^.  6.  7 
2x^&.jOk:»  2X30  a^  lal  e2  %iei  "as.  I'^a  ^  ^Ip  w.c7  st.  ^3k*aT 
2x^XA>»  liel  IZLX  2X30  ^  o2  1^2  \^  23^3  ^3.  s  ^-Vl^ 
St.  uA\,  II  \\,'<)3  St.  v\\.*a.  11  l»2e  1323  2^a3UJe^  st. 
l323  2iNoaujQ>,  12  Z^«^t3o  st.  l\^«o.  17  o^l  st.  a^23.  26 
oris 3a  l\au.^^e  ohne  ^oo",  27  U^s^  st.  IiX«A,  29  z\3U.ioo 
St.  ^oo7  ;^^u.^.»,  29  i*.2  St.  U*2,  34,7  2iouo  fehit,  10  v»0 
2^oZda\,  St.  2^el^a\.  ^,  14  Ixso^  st.  Uxso^o,  is  \\.» 
St.  ^,  23  ^-3  OCT  St.  ^3  ^.p^'oi,  25.  26  i^  st.  1^  i^2,  28  ,!«• 
K^l  .  \ X»  St.  ,--iJf,  20  0070  St.  OCT,  29  >*'ai  ^1  st.  ^2,  36,1 
2isA.3o>S3  ♦\ft\Me  St.  2;sa^3io. 

S.  31,  16.  Die  Textverderbnis  ini  Anfang  dieses  Paragraphen 
findet  sich  gleicherweise  in  der  romischen  Handschrift  wie  in  tukkasa, 
wahrend  in  der  arabischen  Version  derjenige  Sinn  ausgedruckt  wird, 
den  der  Inhait  des  Paragraphen  fordert.  Arabs  I:  Von  dem  Nutzen 
der  Heirat  mit  fremden,  nicht  mit  verwandten  Personen,  und  von  der 
Schadlichkeit  (der  Heirat)  mit  verwandten  Personen<.    Text: 

Aus  dem  fehlerhaften  Anfang  des  Paragraphen  (ii-^ki  st.  ii-niOT) 
erklart  sich,  daB  in  Z.  9  der  Schreiber  gedankenlos  fehlerhaft  fortgefahren 
hat,   indem  er  vor    1  "Oft 50    den  durch  den  Zusamnicniiang  geforderten 

negativen  Ausdruck  (o^s  js^3  »*ci)  vergalJ. 


—     295     — 

S.  32,  6  Text,  Obersetzung  5.33,  17.    Dcr  Ausdruck  :^a\^«^ 

l\eo*p  kann  Bedenken  erregen.  DieLesart  von  Tukkasii  2«So\.\f>^ 

befriedigt  auch  nicht:  also  daB  sie  (die  Liebe  des  Oenusses)  zuweilen 
auch  mit  Seltenheit  verbimden  sein  kaniv  .  In  der  arabisclien  Version 
fehlt  dieser  Passus. 

S.  35,  11  — 17.  Mit  dieser  Begriindung  des  Verbots  der  Verwandten- 
heirat,  speziell  der  Heirat  mit  der  Fran  des  Bruders,  vgl.  Leges  Con- 
stantini  Theodosii  Leonis,  Syrische  Reclitsbiicher  1,  §  53,  S.  85.  Jesiiboclit 
erwahnt  dasseibe  Argument  noch  einmal  II.  Kap.,  Vi,  S.  43,  23.  24. 

S.  36,  8  Text,  Obersetzung  S.  37, 4.    Oegen  den  iiberlieferten  Text 

(hier  iind  S.  26, 6)  scheint  mir  die  Anderung  ♦^^e^ii^T^l    1j?  unerlal5iich, 

denn  der  Verfasser  will  nicht  erklaren,  wie  die  Menschen  imstande  ge- 
wesen  sind,  die  Biutschande  zu  verachten,  sondern  wie  es  ihiien  iiiogiich 
gewesen  ist,  sie  zu  begehen,  sie  nicht  zu  verachten.  Dem  Sinne  nach 
richtig  Arabs  I :  Warum  einige  Menschen  sich  haben  beikommen  lassen 
solchen  Schmutz  zu  begehen.  Wegen  dcr  Macht  der  Begierde,  der  Hab- 
sucht  und  der  Einflijsterung  der  Damonen  usw  .     Te.vt: 

(Bl.  82  b,  2.  3).    ^\  f^  cA!j  jUpUJI  jv_^" 

S.  36,  14  =  S.  37,  12.  Zvk'ischen  :  icr>ft'ni  unci  -op  ist  eine 
Liicke,  in  der  ursprungiich  der  Anfang  des  von  der  Heftigkeit  der  Begierde 
2>N>V3  3   2^o,\.T,^  handelnden  Abschnittes  stand.      Es   fehlt  vielleicht 


nur 


foigendes:  3>J:o  oavp  -cp   [2^A.,^^  I^OlX^jl^o].   Vgl.  hiermit 

Zeile21:   3JCe  «*op  ^.p  "i \>\ f1  ^^aLM^.    Die  arabische  Version  gibt 

den  ganzen  Absatz  S.  36,  14 — 21  mit  folgenden  Worten  wieder:  »Die 
Heftigkeit  der  Begierde,  wenn  sie  von  irgendeiner  Seite  eintritt,  ist,  als 
ware  sie  behindert,  geknechtet  (d.  i.  vom  Qesetz).     Text: 

(Bl.  82b,  4.  5).  oJ-J_ll  ic.yJilS' j_jC'  k^s-  j^  0^--^»-  ^  »>4-^l  °^i 

S.  37,  28.     Diese  Gerechtigkeit  oder    JL-lj    ist  die  zweitgroBte 

Tugend  in  dem  System  des  Mainyo-i-khard  (s.  ed.  West,  S.  38,  XXXVII,  5), 
und  erscheint  dort  verbunden  mit  der  Verwandtenheirat  als  das 
zweite  GroBte  und  Beste,  s.  S.  14,  IV,  4:  Und  das  zweite  ist  Ge- 
rechtigkeit und  Verwandtenheirat..   Vgl.  auch  Ch.  XXXVll,  12;  XXXVI, 7. 

S.  40,  1 1  =  S.  41,  6.  Zwischen  Schwiegersohnschaft  und 
Schwiegertochterschaft  muB  das  Wort  iJSeadOau*,  das  in  den 
Lexicis  fehlt,  einen  Verwandtschaftsgrad  bezeichnen.  Ich  empfehle  es 
als  eine  Ableitung  von    .^'n«.   Schwiegervater  zu  erklaren:  lA^.dau. 

schwiegervaterlich,  2^oa^.aa«•  Schwiegervaterschaft,  hier 
vielleicht    in  dem  weiteren  Sinne  Schwiegerelternschaft  gebraucht. 

S.  42,  13.    II,  Kap.  VI   findet  sich   in   Tukkasa  Bl.  115b3      116a  5. 

Kollation:  S.  42,  22  hat  Tukkasa  3-A,.  st.  ^?.  23  -.crou-I  ^XaI 

fehlt,  2Q  Uo7   '"oXyN  .i.tt..    3>A    ~t.   Uo?    Ua^eaA   ~i...-ax>i. 


—     296     — 

S.  43,  II.  Wie  jedes  Vergclien  nicht  nach  der  Tat,  sondcrn  iiach 
der  Absicht  bcurteilt  werdcn  snil,  so  aiich  (narh  II,  XIII,  S.  61,  IQ)  jede 
gute  Tat.  Es  ist  derseibe  Orundsatz,  der  iin  islamischen  Recht  aus- 
gedriickt  wird  durch  iUl  ^UJl     die  Tat  nach  der  .\bsicht  . 

S.  44,  3.   II,  Kap.  VII   findet  sich    in  Tukkasa  Bl.  81  a,  17— 84a,  21. 
Kollation:    S.  44,  8     hat    Tukkasa     ^A«»3fl^    st.    -ff-mS?     *J    ^ 

w-ceaoLX  fehit,   15  w.07  ^3  st.  <*oi  ^Jat .   16   ..  :^oA  nach  ^xbJOp. 

17  •  I1  V.'V. xaaa^  st.  ivVaXjoaa^,  is  \\,'n  st.  p.^.  \^  ^oAp 

2dO«au.  \.Xe    iajSl  zwischen   IA^^Sm.  und  £00^33,    20.21    Von 

vos^  3^3   bis   Z:3ui<^    Loaaoi  fehIt,  21  L..3u^A  st.  ;Lau><^. 

22    :...n.,.a^^    vor   oA,  22  fehlt    A^.Y).   23    ^.A..d»    st.    -A-JU, 

25   ;-So    St.    I^,    25   OJaa?   \^o   st.  OuM^e.    28    1^2   vor    3u3, 

30  OCT   ^2  St.  ^2,   30   w.c    2'.ia\,    st.  ocr    2M.aa.\.,    44,30. 

46,1    a\.3...ct3o    It.M. •19  3    LiLao.    2   0007  fehlt,    3   %  ntiYtN 

AW'oNo  St.  AV/itiNo  eanvaa^.  5  ^23  fehlt,  6  xciBp  ,30^ 

St.  jo^  XC133,  9  2lAa\.  St.  2M^aA^,  12   llias^^o  st.  llia^,^.    15 

das  eine  ^ai2    fehlt,    17  auOJ  nach   )\a,    19    UoLAo   st.    LiflO^o. 

24  X^JL,?  St.  lAilA.^,  2Q  auo  23cr  .\\.ao  st.  ;a^jQ>  23gi^\,»o. 
4S,  S  isA^Spo  St.  iv\M33,  8  xA.  nach  BOuAa .  12  ,,.aia2  st. 
^d.2,  13  ^op  St.  W.0P0,  16  ^jib  fehlt.  17  w.3  X^2e  st.  ^3  :\^2. 
17—19   (JO  X.2e  .2;^,.jC3kAJSo    Ixo-i^-N?  ^3  ^w.2o   .laoL^s^p 

.23m^3   ^39   ;(o.2o  2^a^JQ}l!S3   ^3  ^^^2o   .1A.30l^3.   22  CN-O 

St.  2iwJ3.  24  ?.\  ei.Jo23  St.  1  \..tt.\yXa23,  28  or^ou«3J3  st. 
O7^0L^e3>.J3,  30  >-^ap  St.  ?-*JO,  50,1.2  ^oov^'x^  iJSo 
♦.^Qca^i^TiNo  St.  vO0v''v«a>a^e  >ec>^auA.2o.  5  laL  st.  15^. 
5  }\^l  St.  X^l,  14  OCT  St.  oc'o.  14  •■iTn>M3  l»a«  st.  •■tt3>*«. 
17  ^2  nacii  ^..,am.UO,  21  lsa:»3  fehlt,  23  UxoOl^  st.  23uOa5. 
27    'Sp  ;s^2o  .St.    I^   ^3   ^w2. 

S.  44,  11  — 17  =  S.  45,  21  diirfte  ini  einzelnen  nicht  y;anz  intakt 
sein.  Das  M.g'o>aa«.  ^,  Z.  10,  scheint  entbehrlich;  in  der  Stelle 
Rom.  I,  20  steht  nichts,  was  ihm  entspricht,  und  in  Tukkasa  fehlt  es. 
Das  J  \\'\i\  lOaa^  Z.  16  der  romischen  Handschrift  ist  ein  Fehler  fiir 
'■\j>:»iC»'ift\,  iind  anstatt  wJmX3u>  Z.  17,  ist  zu  lesen  fcA«a>a>*3.  .Aiich 
mill)  in  Z.  12    nacli    I^dJ^O    ein  Aiisdruck   wie     1j,30l^    3^3023     ^*2 


—     297     — 

jao^Oid  gestanden  haben,  denn  2a~50  /.  It  liat  ilin  ziir  V'oraus- 
setzung;  wie  der  Text  jetzt  lautet,  fehlt  in  la^.^  das  Siibjekt.  Sonst 
miiBte  man  andern  in    -.OT  >Jae    L>>eu«V  aA. 

S.  47,  26.  Uber  heidnische  Bniiiclie  in  bezu";  aiif  Menstruation 
und  Pollution  s.  Diilmann,  Kommcntar  zu  Exodus  und  Leviticus,  zu 
Levit.  U).  17.  10  (2.  .\utl.    1880.    S.  521). 

S.  49,  9  und  ft".  Mit  diesen  Bctraclitunjjen  iiher  den  Sonntag  ist 
zu  vergleichen,  was  Ebedjesu  im  Tractatus  S.  248,  Obers.  S.  84,  als 
Sonntagsgesetz  unter  dem  Nanien  des  Jesubocht  anfiilirt.  Ebedjesu  liat 
vermutlich  dies  Qesetz  aus  einem  anderen  Werke  Jesubochts  als  deni 
vorliegenden  entnommen,  oder  er  hat  Jesubocht  hier  falschlich  genannt. 

Bel  den  Textworten  50,12:    ixo    IjCx^a^j   ^oc   ioilao 

dachte  der  Verfasser  vermutlich  an  die  Stelle  1.  Petri  3,  21    .sO^i^  >^i? 

Den  Ausdruck  2^0u»  z!^  iL.?  l0^a\.  ^?  ^3u.^e  (50,  13, 

vgl.  Z.  20)  mochte  ich  wiedergebcn:  und  wir  nehinen  das  unsterbliche 
Leben  zum  n!7ros< ,  zum  Vorbildc,  oder  wir  .stellen  den  tvttos  des 
unsterhlichen  Lebens  dar< . 

S.  52.  II,  Kap.  IX  vom  Anfang  bis  S.  54,  2  2??—?  Ii?^a3 
findet  sich  in  Tukkasa  HI.  114b— 115a  14. 

Kollation:  S.  52,  23  3«.i<w*  fehlt  in  Tukkasa;  52,30  JaJS  2^^.&2 
St  2^6^ 2. 

S.  53,  9.  Der  paulinische  Oegensatz  von  schniutzig  -  heiil- 
nisch  und  rein  =  chrisflich  findet  sich  ebenso  bei  Muhammed  im 
Koran:  ^-i-j  (J^j)  Schmutz  -—  Hcidentum,  dagegen  jjj^\  die 

Gereinigten  =  die  Muslime. 

S.  55.  II,  Kap.  X  vom  Anfang  bis  S.  56, 9  Iaoi  U^^e2  findet 
sich  in  Tukkasa  Bl.  121b  9-122a  5. 

Kollation:  S.  54,  26  ^3^  ^^  st.  ^iie,  28  ^o^  st.  ^ooj!^, 
56,1  ^ou.«  St.  ^au.e.  2  2oc7  UA07  st.  Xi^m,  5  23^^^  ;l^  st.  l^e 
2aA^,  5  UaA  e2  st  lxp\  p  ^s  aior,  6  Ix^l  liS^  >^V^ 
v*07p   hinzugefiigt  nach   o;i\.b>3. 

S.  57.    II   Kap.  XI,  findet  sich   in  Tukkasa  Bl.  122a  14— 122b  13. 

Kollation:  S.  56, 28  i^-iO>^  st.  2X.ioaud,  28  ^d>.3X3  st. 
^3>.?,  29  Jo  eingefiigt  nach  2^0kS3u.,  58,  I  <r^ivA  la  fehlt,  9 
2x^»aA  St.  2i^.v.>3.  in  23>aooL^  t.  L>30'ia\\,  I J  IXUal  >,» 
St.  Ulu2  ^o. 


—     2!)8       - 

S.  50.    II  Kap.  XII  finclct  sicli  in  Tiikkasa  HI.  I2'3b  12     12).i  S 
KoJIation:  S.  58.  15  ^1  st.  ^l.   15   oj^^jl^,  22    Uoca^o 

St.  2^e^xAo,  2  5  23a\  st.  i^J^.,  24   o2?   st.   ^2?,  26    laix 

St.   ;jaj:3,   28    Ixi?   felilt,  28  iooT  st.  ocr,  28    i'acxl^?   ^   fehlt. 

S.  59,  27  =  Text  S.  58,  19ff.    Das  Wort  I^ftSV^  Teil  erscheint 

liier  in  einer  eigentiimlichen  Bedeutung.  Z.  19:  Er  verleiht  ihnen  (den 
aus  clem  Ehcbruch  seiner  Frau  gehoreneii  Kindern)  nicht  die  Kind- 
scliaft  nnd  den  Teil  iind  die  Erbenscliaft  seiner  reehtmiiHigen  Fran. 
Z.  21:  Sie  verleiht  ihnen  (den  aus  deni  Ehebruch  ihres  Geniahls  ge- 
borenen  Kindern)  nicht  ilie  Kindschaft  nnd  den  Teil  und  den  Unter- 
halt  und  die  Erbenschaft  ihres  Geinahls.  Dafiir  hat  in  letzterer  Stelle 
Tukkasa:  die  Kindschaft  und  den  Teil  und  den  Unterhalt  und  die 
Verpflegung  .    Auf  Grund  desTextes  der  romischen  Handschrift  nehme 

ich  an,  daB  2JSa\\3  Teil  liier  Vermogensteil  bedeuten  soil,  den- 

jenigen  Vermogensteil,  der  speziell  entweder  dem  Ehemann  oder  der 
Ehefrau  gehcirt. 

Die  Bestimmungen  dieses  Paragraphen  iiber  die  Ehebruchskinder 
haben  zur  Voraussetzung,  dal5  der  Ehebruch  nicht  konstatiert,  nicht 
gemaB  den  gesetzlicheti  Vorschriften  nachgewiesen  ist. 

Wenn  der  Ehemann  A  im  geheimen  niit  der  Ehefrau  des  B  Ehe- 
bruch treibt  nnd  Kinder  daraus  hervorgehen,  dann  bleibt  die  legitime 
Ehe  des  A  von  den  Folgen  verschont,  wahrend  B  die  Folgen  einer 
Siinde  tragt,  die  er  nicht  begangen  hat.  In  jedem  Fall  ist  der  Gemahl 
des  ehebrecherischen  Weibes  der  leidtragende  Teil,  und  ein  Unterschied 
ergibt  sich  nur  insofern,  als  die  Familie  des  Ehebrechers  von  den 
Folgen  verschont  bleibt,  wahrend  die  Familie  der  Ehebrecherin  von 
ihnen  getroffen  wird,  dadurch  materielle  Verluste  erieidet.  Man  kann 
daher  sagen,  dafi  auf  seiten  der  Fran  der  Ehebruch  schlimmere  Folgen 
hat  als  auf  seiten  des  Mannes. 

Das  in  geheimem  Ehebruch  gezeugte  Kind  hat  gegen  seine  Mutter 

a)  das  Recht  des  Kindes, 

b)  das  Erbrecht  gegen  den  speziell  seiner  Mutter  gehorigen  Anteil 
des  Familienvermogens,  und 

c)  das  allgemeine  Erbrecht  gegen  die  Eltern,  d.  i.  in  diesem  Fall 
gegen  seine  Mutter  und  deren  Gemahl,  der  aber  in  Wirklichkeit  nicht 
der  Vater  des  Kindes  ist, 

d)  Anrecht  auf  Unterhalt  und  Kleidung. 

Dies  Kap.  XII  findet  sich  anch  bei  Arabs  II  (183  b,  Z.  11—16),  es 
fehlt  hier  aber  der  letzte  Absatz  (die  Verteidigung  der  Tatsache,  daB 
die   Manner    die   Richter    sind    [im    syrischen   Text  S.  60,  3— 7]).     Text: 

■j\,ji\  /j*  A«1.J    <.J|    J-o    A«laSj    AST.1J  y   AjJ..    ^U-^1   L'jj    Uj__^    «jul    a\jL.\   Ijj 

»Jesubocht  spricht:  Der  Mann  darf  die  Frau,  wenn  sie  die  Ehe 
bricht,  entlassen,  nicht  umgekehrt.  Denn  das  Kind  des  Ehebrechers 
gilt    nicht    als    das  Kinti    der  Fran   (seiner  rechtmiiBigen  Gemahlin),    es 


—      29!^) 

beerbt  ihii  niclit,  iiiui  er  braucht  es  nicht  zii  versors^eii.  Dagegen  das 
Kind  der  Ehebrecherin  gilt  als  das  Kind  dcs  Mannes  (ilires  rechtmal5igen 
Gemahls);  dies  Ehepaar  wird  von  seinen  Kindern  beerbt  und  es  hat 
die  Kinder  zu  versorgen.  —  Ober  das  Kind  der  Ehebrecherin  besteht 
kein  Zweifel,  daB  es  von  ihr  ist,  wahrend  es  bei  den  Kindern  des  Ehe- 
brechers  zweifelhaft  sein  kann,  ob  sie  von  ihm  oder  einem  anderen 
abstammen.  —  Auf  den  Ehebrucli  des  Weibes  folgt  ihre  VerstoBung, 
auf  den  des  Mannes  folgt,  dali  er  zur  Rede  gesteilt  und  von  der  Kirche 
wie  von  der  Messe  ausgeschlossen  wird. 

S.  60,  5  =  S.  61,6.    Das  Wort  ISoioJSi   fehit    im  syrischen  Lexi- 

kon.    Ich  nehme  an,  da(5  es  von  den  Interjektionen    mO^    und    lo^Oid 

abgeleitet  ist  und  den  Sinn  verachtlich,  veriichtlich  machend  hat. 

S.  61,  2  —  S.  60,  2.  Zu  den  Kirchenstrafen.  Ich  habe  so  all- 
gemein   Qbersetzt,  weil   mir  ein  sachlicher  Unterschied  zwischen  lauol 

(Bindung)    und   ^t»\a    (Hinderung)    nicht   bekannt,   auch  aus  dem 

KonzilbeschluB  bei  Ebedjesu,  Tractatus  VIII,  22  nicht  zu  ersehen  ist. 
Gemeint  ist,  daB  der  Obeltater  von  der  Messe,  uberhaupt  von  der  Kirche, 
so  lange  ausgeschlossen  ist,  bis  er  durch  BuBe  sein  Vergehen  gesiihnt 
hat,  also  eventuell,  falls  er  ungesiihnt  sterben  sollte,  auch  nicht  eines 
christlichen  Begrabnisses  teilhaftig  werden  kann. 

S.  61,  19.  Zu  diesem  Grundsatze,  daB  eine  gute  Tat  nur  nach 
der  Absicht  zu  beurteilen  sei,  vgl.  Anm.  zu  II,  V,  S.  43,  II. 

S.  63,  21.      Wie  die  Raben  usw.'.     Bei  diesen  Worten  durfte  der 

Verfasser  an  die   !Jm>^^V  oder  Euchiten  gedacht  haben.  Vgl.J.B.Chabot, 

Synodicon  Orientale,  Index  s.  v.  Messaliens,  und  J.  Labourt,  Le  chris- 
tianisme  dans  I'empire  Perse,  Index  s.  v.  Mesalliens. 

S.  65,  II.    II  Kap.  XV  findet  sich  in  Tukkasa  Bl.  124b  l~l25a  11. 
Kollation:   S.  64,  10  ^a^ioo  st.   ^3>,^^vA3,   12  olp   .\.%»2o 

St.  des  ersten  el,   16  O^  st.  >\a,   16  «o;  fehIt,   IS  3^  X^IUumJC  st. 

:>wL5aL^.».T  3b^.  24  I^ft.v  \  >  caia-i  st.  I^oA  %  oa,  25  o2 

UjcdS^^^  -t.  UJe>^^^oeo.  3U  Ua?   st.    Z«a9,  iU  I^soa^s  st 

Im  Anschiuli  hieran  findet  sich  der  folgende  Absatz,  der  gleich- 
falls  als  von  Jesubocht  herruhrend  bezeichnet,  aber  im  Codex  Romanus 
nicht  vorhanden  ist,  in  Tukkasa  Bl.  125a  11  —  17: 

2932  ^303  2^eu.a>^a.io    :  ^coAx  ^o^a   2^3^^  w»p    :  \.\  "^ 

.3^33    lAaJ.  \x  2^a2L«>k  J\ata3    ;^xx  :  ;t.>ff 

Wenn  jemand  von  HaB   gegen  seine  Frau  erfaBt  wird    und    sie 
tier  Hurerei  bezichtigt,  wahrend  sie  unschuldig  ist,    und    ohne   daB   er 


o 


—      HOO      - 

Zeuijen  fiir  seine  Aiissaj^e  beihrin<ren  kaiin,  tl.inn  winl  der  Aussdiliili 
von  der  Kirche  sowie  von  ilen  lieiligen  Sakratnenten  s^egeti  ihn  er- 
lasscn  (und  aiifrecliterhalten),  bis  cr  Bufie  tnl  fiir  die  Siinde,  die  er 
beganj^en   liat. 

Das  Kapitel  XV  findet  sich  auch  bei  Arabs  II  Bl.  183b  16— 184a  8 
in  folgender  Fassung: 

*^j;dl;  ji  jy>-Ji\>  C:=^jj  Jt    A^      ^    (Bl.  184a)    J^J\j   i-j\   JsV\ 
j  o^,*!^.  j^  j\  '(►till  ^  ^,t  cA!i  j^jX;^  as  a;V  i!l^  V  J-*-A_  \  _^l 

er\  }  J*-?  «:^>^*  ^^  J^.J  ^*  ^-r-=^  ^^*  *-r''  «^  ^^'  ^  (> 
iJi^  C.U;  c-i"  jl  ^y»L\)i  Ufr!  J_»i  jlj   ^^Voj  -uil  ^._  j  i:<^l  j^ 

Obersetzung :  Der  Beweis  fiir  den  Frevel  (den  Ehebruch)  wird 
durch  dreierlei  erbrachf,  durch  die  Schwangerschaft  der  Frau  wahrend 
langerer  Abwesenheit  ilires  Gemahls,  dadurch,  daB  sie  als  Ehebrecherin 
notorisch  ist,  oder  durch  gottesfiirchtige  Zeugen.  Die  Zeugen  miissen 
sechs  sein,  denn  das  Zeugnis  bezieht  sich  auf  zwei  Personen,  die  Ehe- 
brecherin und  den  Ehebrecher,  wenigstens  aber  vier.  —  Wenn  ein  Mann 
seine  Frau  wegen  Ehebruchs  oder  Verheiratung  mil  einem  anderen 
Mamie  verklagt,  soli  ihm  nicht  ohne  weiteres  Glauben  geschenkt  werden, 
weil  er  vielleicht  aus  HaB  handelt,  es  sei  denn,  daB  sie  als  schlechte 
Person  notorisch  ist  und  dafi  fremde  Menschen,  nicht  Verwandte, 
solches  von  ihr  aussagen.  In  dem  Fall  besteht  folgendes  Verfahren: 
Der  Mann  beschwort  seine  Aussage  in  der  heiligen  Kirche  vor  der 
Gemeinde  und  nimmt  die  Fliiche  der  Geistlichkeit  auf  sich  (falls  er 
einen  Meineid  schwore).  —  Wenn  aber  nichts  von  dem,  was  die  Klage 
besagt,  an  der  Frau  nachgewiesen  werden  kann  und  niemand  den 
Ehebruch  gegen  sie  bezeugt,  dann  soil  die  Frau  schworen  und  die 
Fliiche  der  Priester  in  der  Kirche,  bei  dem  Evangelium  schworend,  in 
der  Weise  auf  sich  laden,  daB  der  Priester  zu  ihr  spricht:  ,Wenn  du 
also  getan  hast,  moge  das  und  das  iiher  dich  kommen.  Wenn  du  aber 
die  Wahrheit  sprichst,  bist  du  unschuldig.'  Und  daim  kehren  die  beiden 
(Eheleute)  zu  ihrer  Gemeinschaft  zuriick. 

Inhaltlich    ist    hiermit  der  §  XX   bei  Ebedjesu,  Tractatus  S.  217,  zu 
vergleichen. 

S.  65,  40  bitteren  priifenden  Wassern  .  Vgl.  iJber  dies  Gottes- 
urteil  Dillmann's  Kommentar  zu  den  Biichern  Numeri,  Deuteronomium 
und  Josua  S.  28 — 31.  Ober  die  Ausfiihrung  desselben  bei  den  Mono- 
physiten  s.  Barhebraei  Nomocanon  ed.  Bedjan,  S.  147,  17ff.,  und  Mai, 
Scriptorum  veteruin  nova  collectio  X  S.  76,  Kol.  2. 


-     301     — 

S.  66,  1  -    67,  3.     Das  Wort   1jo^\^    (so  die  Romische  Hand- 

schrift  iind  Tukkasa)  kann  wohl  nur  so  s^cdeutet  werden,  wie  ich  ver- 
sucht  habe.  Bei  Arabs  I  und  II  fehlt  dieser  Passiis.  Dein  Sinne  nacli 
umschreibend,  aber  richtig  Ebedjesu  im  Tractatiis  S.  217,  Kol.  2:  iii- 
dem  die  Frau  sich  fernhalt  von  alien  Kenii/^eichen,  die  ihr  Gemahl 
gegen  sie  im  Sinne  fiihrt  . 

S.  67,  17.  Zu  laSOOdM,  ini  allgemcinen  Laden,  hier  als  Schenke 
iibersetzt,  vgl.  Jerem.  35,  2:  iJSo.v  ..■■.  w»  2>,m  ^  —  ^o^l  \^lo 
liaa^.  •voal  Utxxlo 


V 


:{(i-j 


Anmerkuneen  zu  Buch  III. 


'C3 


S.  75,  7.  Ill  Knp.  I,  §  1.  2  findet  sich  in  Tukkasa  Bl.  116b  4  bis 
117a  9. 

Kollation:  S.  74,  5    3u\   felilt,   5  -O^    3^   st.   _0^,   7    i^i? 

St.  a^'^^^a,  11  (^^j^^ouopo  St.  (^t.tia.ctfo,  13  sadsJ^I  st.  ^p^Jc2,  n 
Ifi^e'S^S  St.  I^SiS,  20  ♦s^QgrAiJ  St.  ♦s^Qg^A'aaN,  21  ^or  2;^3b«.3bX 
St.  I^k^xs. 

S.  77,  22.  Ober  den  Orundsatz  des  romischen  Reclits  (SC.  Clau- 
dianiim  vom  Jahre  52  n.  Chr.),  daB  die  von  einer  freien  Frau  mit  einem 
Sklaven  gezeugten  Kinder  unfrei  sind,  vgl.  den  Kommentar  von  Bruns, 
Syrisch-Romisches  Rechtsbuch,  zu  §  48  auf  S.  215. 

S.  78.    Ill  Kap.  II  findet  sich  in  Tukkasa  Bl.  120b  1—16. 
Kollation:   S.  78,  22   ^   fehit,  27   1^   ^?   ^2  st.  zA  ^3    xA, 

80.  1  ^■li.x'vaiaop. 

S.  79,  2.  Und  dann  liaben  sie  usw.  keine  Verfiigung.  Wortlicher 
iibersetzt:  und  nicht  sind  sie  verfiigungsberechtigt  iiber  die  Habe  von 
einanderv,  d.  i.  iiber  die  beiderseitige  Habe.  Nach  meiner  Ansicht  will 
der  Verfasser  sagen,  dal5  die  hier  in  Rede  stehenden  Zahlungen  Ab- 
findungszahlungen  ohne  weitere  Rechtsfolgen  sind  und  daB  sie 
nicht  den  Charakter  von  ccopfd  und  6ep\ij  haben,  dali  daher  die  viel- 
faltigen  Bestimmungen  des  ehelichen  Giiterrechts,  speziell  des  Dotal- 
rechts  auf  diese  Art  von  Zahlungen  keine  Anwendung  finden. 

S.  79,  31.  42.    §  1.  2.     Arabs  1  Bl.  85  a  lautet: 

j\  ^^ajJ  ^j■^\^\   ^   ^Jil    i    /  *.;^'|   iaZ,^.    iJ'>V«l   Ait   Ait   \j|   j)^\ 

.jjAi'l  aJi 

Obersetzung:  §  2.  Wenn  cin  Verlobungspakt  durch  Vermittlung 
der  Priester  geschlossen  wird  und  dann  die  beiden  Kontrahierenden 
aus  Hal5  oder  irgendeineni  anderen  Orunde  nicht  niiteinander  iibcr- 
einstimnien,  werden  sie  nicht  gezwungen  sich  zu  heiraten,  werden  aber 
zur  Rede  gestellt.     Wenn  sie  dann  aber  nach   lOJahren  auf  das  Zur- 


-J    aMx'     j£-     ^h     jl     <^_;j     ■! 0    ^ly-»l     ,«*     A*^    ^Jll    J 


—     303     -- 

Rede-Stellen  niclit  horen,  stelit  iliiien  frei  sich  zii  trennen.  Wenii  aber 
eine  von  den  beiden  Personen  niclit  will,  iiben  wir  Nachsiciit  und  ver- 
fiigen  nur,  was  eben  moglicii  ist. 

Von  den   lOJahren  des  Arabers  ist  ini  syrisciien  Text  i<eine  Spur. 

S.  80.    Ill  Kap.  iV  findet  sicii  in  Tukkasa  Bl.  120b  17— 121a  12. 
KoIIation:  S.  SO,  13    I^AoiO  st.  -.or  I^oAo^Js.    14  :!^:A\ 

zwischen    Z^x«^^    uiul    w.a7,  nicht  hinter  I>S>>^2,    17   X»2JS»  st. 

2aL»2d^^,   ig  oVi^crpI^o  >i.  b^crvalo,  20.21   U,m«»  yaAVaele 

JLau^^e  ohne  lJU>,  23  o-^A.aa^  st.  ;S>lfti. 

Fiir  den  §  2  ist  irrundletjend  die  Stelle  Deut.  22,  13—19.  Der 
Ausdruck  2?o?  ^2?  2^\^  'aihi>':3  siA^  S.  80, 22  entspricht  dem 
Verse  17  in  der  Pesitta:  iXyii  2^JSL^  07^^J  aiV^.  Vgl.  im  Hebraischen 

a-'-ian  rV;y  n;  ric-  in  \.  I4. 

S.  81,  47.  V,  I.  Die  von  niir  gegebene  Obersetzung  scheint  niir 
granimatisch  allein  nioglich.  Anders  die  Anffassung  bei  dem  Uber- 
setzer  von  Ebedjesu,  Tractatus  II,  XII  S.  214,  Obersetzung  S.  07,  und 
stark  verkiirzt  die  Fassung  bei  Arabs  I  Bl.  85  b: 

•  wl'i  J^  A,  JL/VI  l*}Uj  '^J-\ 

>Von  dem,  der  einem  Weibe  beiwohnt,  die  nicht  seine  Gemalilin 
ist.  Wenn  sie  nicht  mit  einem  Manne  verlobt  ist,  und  das  Weib  und  iiire 
Eltern  die  Verbindung  mit  ihm  wiinschen,  dann  kann  es  geschehen. 

Es  ist  die  Frage,  wem  das  geraubte,  nicht  verlohte  Weib  gegeben 
werden  soil,  ob  liemjenigen,  der  sie  geraubt  und  ihr  beigewohnt  iiat, 
oder  demjenigen,  niit  dem  sie  (noch)  nicht  verlobt  war.  Der  arabische 
Text  lalJt  beide  Auffassungen  zu.  Da  §  2  den  Fall  behandelt,  in  dem 
der  Rauber  das  geraubte  und  bereits  verlobte  Weib  nicht  bekommen 
soil,  so  liegt  es  nahe,  in  §  1  denjenigen  Fall  zu  vernuiten,  in  dem  der 
Rauber  das  geraubte,  aber  noch  nicht  verlobte  Weib  bekommen  soli. 

Ist  letzteres  der  Sinn,  dann  muI5  ^.A^,**,  S.  80,  29  in  A^ix  geandert 

warden:  >Wenn,  wahrend  das  Weib  noch  nicht  mit  dem  Manne  ver- 
lobt war,  er  sie  raubt,  und  das  Weib  und  ihre  Eltern  wiinschen,  daB 
sie  ihm  gegeben  werde,  dann  darf  derselbe  Mann  sie  hciraten. 

S.  83, 3.  Mit  dieser  Synode  diJrfte  diejenige  des  Patriarchen 
Ezechiel  vom  Jahre  576  gemeint  sein.  Vgl.  §  VIII  bei  Chabot,  Syno- 
dicon  orientaie  S.  378. 

Der  §  12  im  Buche  II  des  Tractatus  von  Ebedjesu  (s.  Mai,  Scrip- 
torum  veterum  nova  coiiectio  X,  S.  214,  Obersetzung  S.  47)  ist  in  iler 
Hauptsache  aus  diesem  Gesetz  des  Jesubocht  entlehnt. 

S.  83,  17.     Der  Ausdruck  w.C7   22Xil^   aau-'p    Uauoa^  ^x 

wird  von  Arabs  I  Bl.  85  b  I.  Z.  iibersetzt  mit  "ujjjl  jl  ,_^  U  =\j*^  fj^-f 

-und  er  ist  dem  Weibe  gegeniiber  verpflichtet  zu  demjenigen,  zu  dem 
er  verpflichtet  .sein  mul)  .  Ich  nehme  nach  III,  I  §  7  an,  dali  hiermit 
gesagt  sein  soil:  Der  Verfiihrer  mul)  dem  Weib  die  Flalfte  der  orts- 
iiblichen  '"oipea  zahlen. 


:!(i4 

S.  83,  34.  Ill  Kap.  VI.  Ich  kami  dieseii  §  4  nicht  anders  auffassen, 
als  dalJ  in  diesem  abnormen  Fail  der  .^uflosung  einer  nicht  konsum- 
mierten  Elie  durcli  den  Tod  der  Eiiefrau  ihre  <ifpvii  an  ihre  Eltern 
zuriickfailt,  dagegen  itire  cmptd  dem  iiberlebenden  Ehemann  zufallt. 
Storend  ist  aber  der  Satz  und  ihr  Gemahl  liat  keinerlei  Ver- 
fiigung  iiber  ihr  Eigentum  ,  denn  nicht  allein  die  4>(pvii  war  ihr 
Eigentuni,  sondern  audi  ihre  eoipea,  und  diese  ietztere  ist  im  vnrher- 
gehenden  iiicht  crwahnt.  Ich  vermisse  in  diesem  Zusammenhang  eine 
Bestimmung  iiber  die  I'oipta.  Bei  normaler  Ehe  wiirde  nach  den  Leges 
Constantini  Tiieodosii  Leonis  die  ganze  cwped  und  die  Halfte  der  •it/jw; 
dem  iiberlebenden  Ehemann  zufallen.  Siehe  Syrische  Rechtsbucher  I, 
II,  §  51,  Abs.  10.  Vielleicht  hatte  Jesubocht  diese  Ietztere  Bestimmung 
ini  Sinne,  als  er  den  §  5  dieses  VI.  Kapitels  schrieb.  Arabs  I  Bl.  86a 
hat  denselben  Te.xt  wie  die  romische  Handschrift: 

._-Ji  ^UV  «_^L'  J>^'1J  L^. 

Wenn  die  Frau  bei  dem  Manne  ist,  ohne  dal5  er  wegen  eines 
Fehlers  an  ihm  ihr  beiwohnen  konnte,  dann  ist  das  schonste,  wenn 
sie  Geduld  iibt.  Wenn  sie  nicht  Geduld  iibt,  bleibt  sie  ein  Jahr  in 
seiner  Familie  in  der  Hoffnung  auf  seine  Heilung.  Wenn  er  dann 
stirbt,  gehort  ihr,  was  sie  mitgebracht  und  was  er  ihr  gegeben  hat. 
Und  wenn  sie  stirbt,  gehort  ihren  Eltern,  was  sie  mitgebracht  hat,  und 
ihr  Gemahl  hat  keinen  Teil  daran.  Und  wenn  sie  beide  am  Leben 
bleiben,  ist  die  Scheidung  notwendig  wegen  des  Fehlers. <  Der  letzte 
Satz  ist  ein  torichter  Zusatz  des  Arabers,  der  direkt  dem  §  1  dieses 
Kapitels  widerspricht. 

Die  §§  3  und  4  lassen  eine  sehr  wichtige  Frage  unbeantwortet: 
Hehalt  die  Frau  in  einer  nicht  konsummierten  Ehe  ihr  Erbrecht  gegen 
den  Ehemann,  oder  verliert  sie  es?  —  Falls  sie  gemal3  §  1  die  Ehe 
nicht  lost,  verbleibt  ihr  doch  vermutlich  ihr  Erbrecht  gegen  den  Ehe- 
mann. Die  §§  3  und  4  scheinen  nun  den  Fall  im  Auge  zu  haben, 
da(5  die  Frau  die  Ehegemeinschaft  gekiindigt  hat,  aber  noch  im  Hause 
des  Mannes  lebt.  Wenn  in  diesem  Fall  der  Tod  die  Ehe  lost,  treten 
zunachst  die  Bestimmungen  ein,  die  in  diesen  beiden  Paragraphen 
niedergelegt  sind,  und  ich  bin  geneigt  zu  glauben,  dali  damit  gesagt 
sein  soil:  die  Ehe  war  null  und  nichtig,  die  Frau  wird  moglichst 
schadlos  gehalten,  und  auBerdem  ist  ihr  Erbrecht  gegen  den  Mann 
aufgehoben.  Letzteres  hatte  freilich,  wenn  so  beabsichtigt,  deutlich  aus- 
gesprochen  werden  miissen. 

S.  84.    Ill  Kap.  VIII  findet  sich  in  Tukkasa  Bl.  120a6--ll. 
Kollation:  S.  84,  7  au>;s^3  fehlt.  8  ^2>3  st.  ^I?,  0  .i^aJt?  st. 
is^^p,  9.  10  'au.XM  St.  ^LmNXa   30u.\3. 

S.  85,  17.  Anstatt  der  3  Jahre  Wartezeit  der  romischen  Hand- 
schrift und  des  .\rabs  1  hat  Tukkasa  eine  Wartezeit  von  7  Jahren.  Siehe 
nahere  Bestimmungen  in  den  Leges  (Syrische  Rechtsbiicher  1)  R  i 
§  04  S.  37. 


:i05    — 

S.  84.    Ill  Kap.  IX  findet  sicli  in  Tiikkasa   Bl.  ll'lh  4  —  15. 
Kollation:  S.  84,  12.  15  3^^^3  st.  aN^J^O  aouAJSp,  13  iiacli 

;jlo»ao  hinziigefijgt  X-JQ^oiso,  15  ZSw^}^  st.  XCi^l.    Die  beiden  ersten 

Absatze  dieses  Kapitels  IX  sind  auch  von  Ebedjesii  im  Tractatiis  S.  213, 
VI,  S  (Obersetzung  S.  46)  wiedergegeben. 

S.  85, 26.  Einc  zehnjahrige  Wartefrist  wird  als  voii  Jesubdclit 
herriihrend  aiicli  iin  Tractatiis  des  Ebedjesu,  Te.xt  S.  212,  Obersetzung 
S.  46  erwahnt. 

S.  84,  20.    Ill    Kap.  X   fiiulet  sicli  in  Tukkasa  HI.  12»Ja  4     r2<)b  16. 

Kollation:  S.  84,  20    .OulCTS   st.   ^w>!So;p,   20   I^SOJ-XxSl^   X.^ 

St.  2^aJ.jCx2LdX3 ,  21  M.\«23  eingeschoben  vor  $^i?,  24.25  Von 
wJ3  "zx^  ^  2o  bis  li\OJ.iOlo  la^JLX  fehit,  86,4  mO"  nacii  lA.\, 
5  A\.Y)3  St.  \^5o,  8  2^oa>.aaj  oA  st.  2^oxaa.3p,  lo  ^a^ 

St.  kA*.X3kw> ,    1 1    ^3  eingefiigt  nacli  >.^^ . 


Sachau,  Syrischc  Rechtsbucher  IM. 


3  OH 


Anmerkungen  zu  Buch  IV. 


S.  95,  12.  Die  Aufzahlung  cler  acht  nahen  Verwandtschaftsgrade 
sanit  deii  40  fcriieii  Verwandtschaftstjraden  nacli  Jesiibocht  findet  sich 
audi  bei  Arabs  II   Bl.  185b  18— 187 a^ 7. 

S.  95,  25  (Text  S.  94,  6—12).  §  1.  Die  wortliche  Obersetzung  der 
Antwort  dieses  Para^iaphen,  wie  er  in  der  romischen  Handschrift  iiber- 
liefert  ist,  iaiitet  foigendermalkn: 

Wenii  ein  Mann  stirbt,  iiuiem  er  Gemaiiliii,  Sohn  und  Tochter, 
Vater  und  Mutter,  Bruder  und  Schwester  hinteriaBt,  und  iiber  seine 
Habe  niciits  bestimmt  hat  (durch  Testament),  so  beerben  ihn  nur  seine 
Gemahlin  und  seine  Sohne  (d.  h.  Kinder),  namlich  die  Gemahlin  und 
der  Solin,  ein  jeder  von  ihnen  einen  Teil,  die  Tochter  aber,  die 
im  Hause  ist  und  noch  nicht  nach  auBen  hinausgegangen 
ist,  wenn  sie  Sohne  (Kinder)  hat,  bekommt  keinen  Teil  aus 
dem  Hause  ihres  Vaters  . 

Zweierlei  erregt  AnstoB  gegen  diesen  Text: 

1.  daB  neben  der  ledigen  Tochter  (die  im  Hause  ist)  nicht 
die  verheiratete  Tochter  (die  hinausgegangen  ist)  erwahnt  wird,  und 

2.  der  auf  die  ledige  Tochter  beziighche  Passus  wenn  sie 
Sohne  (Kinder)  hat*. 

Eine  ledige  Tochter,  die  Kinder  hat,  ist  eine  solche,  die  Unzucht 
begangen  und  aus  Unzucht  Kinder  geboren  hat.  DaB  ein  solcher 
ganz  abnormer  Fall  gleich  im  ersten  Paragraphen  eines  wohlgeordneten 
Erbrechtssystems  vorgetragen  sein  sollte,  daB,  bevor  noch  von  dem 
Erbrecht  der  Tochter  im  allgem einen  die  Rede  gevvesen,  bereits  die 
Detailbestimmung  iiber  den  AusschluB  der  unziichtigen  ledigen 
Tochter  vom  Erbrecht  gegen  ihreu  Vater  erwahnt  sein  sollte,  ist  an 
und  fiir  sicii  absolut  unwahrscheiniich.  Und  dazu  kommt,  daB  diese 
Fk^stinnnung  inliaithch  falscii  ist,  deun  nach  Jesubochts  in  IV,  IV  §  12 
(S.  119)  vorgetragener  Lehre  ist  die  unziichtige  Tociiter  keineswegs  vom 
Erbrecht  gegen  ihreu  Vater  ausgeschlossen. 

Ferner:  die  §§  2,  3  und  4  bilden  einen  Konniientar  zu  §  I,  und 
zwar  §2  betreffend  Witwe  und  Solm,  §3  betreffend  Sohn  und  ledige 
Tochter,  unil  §4  betreffend  die  verheiratete  Tochter.  Danach 
muB  in  dem  iiberlieferten  Text  von  §  1  eine  Liicke  vorhanden,  viei- 
leicht  eine  ganze  Zeiie  ausgefaiien  sein,  in  der  angegeben  war: 

1.  das  Priidikat  zu  dem  Satze  die  Tochter  aber,  die  im  Hause 
ist  und  noch  nicht  nach  auBen  hinausgegangen  ist  ,  namlich:  bekommt 
die  Halfte  von  dem  Teil  des  Sohnes,  und 

2.  das  Subjekt  des  Satzes  wenn  sie  Sohne  hat,  bekommt  keinen 
Anteil  aus  dem  Hause  ihres  Vaters  ,  namlich:  dagegen  dieTochter, 
(.lie  bereits  nach  auBen  hinausgegangen  ist  (d.  h.  die  ver- 
heiratete). 


—     307     — 

Danach  muBte  der  urspriingliche  syrische  Text  an  dieser  Stelle 
gelautet  haben: 

l\\5  I^au.  .boL^  IclAa    l^e  ^c-  IX^oisp  ^  :^^ae 

Aber  auch  so  ist  der  Paragraph  noch  keineswegs  in  Ordiunig. 
Die  Bestimmung,  wenn  sie  (die  verheiratete  Tochter)  Sohne  iiat,  ist 
in  dieseni  Zusammenhang  falsch,  widerspricht  der  Erbrechtslehre  Jesii- 
bochts.  Denn  wie  er  in  §  4  aiiseinandersetzt,  ist  es  fiir  die  verheiratete 
Tochter  volh'g  gieichguitig,  ob  sie  Kinder  hat  odcr  niclit.  Sie  beerbt 
ihren  Vater  nicht,  soiange  die  in  §  1  aufgefuhrten  Erben  vorhanden 
sind,  einerlei  ob  sie  Kinder  hat  oder  nicht.  Sic  ist  aus  der  Famihe 
ihres  Vaters  ausgeschieden,  gegen  den  sie  nur  den  Anspruch  auf 
eine  Aepvij  hat,  und  ist  in  die  Famihe  ihres  Gem  ah  is  eingetreten,  in 
der  sie  ein  neues  Erbrecht  gewonnen  hat.  Die  fraghchen  Worte  mussen 
als  eine  voihg  sinnlose  und  iiberfliissige  Interpolation  durch  irgend- 
einen  Zufall  in  den  Text  gedningen  sein. 

Inhalthch  richtig,  wie  durch  den  Zusammenhang  gefordert,  er- 
scheint  §  1  nur  bei  Arabs  11  Bl.  153a  4—8: 

jjj\  J.  j^\j  jTj  si^i  jjJ\j  i\^  ^\ji\  J  J^_  UZITiS 


.jj^\  s^  j^  ^ji 


i^T  ii5^ 


Jesubocht  spricht:  Die  Erbschaft  gehort  der  Frau  und  den 
Sohnen  (Kindern).  Jeder  von  den  Sohnen  bekommt  einen  Teil,  und  die 
Tochter,  die  noch  im  Hause,  einen  halben  Teil,  aber  die  hinaus- 
gegangene  bekommt  nichts,  weil  sie  in  der  Obhut  eines  Anderen  ist 
und  von  anderer  Seite  erbt. 

Eine    korrekte  Darsteiiung   des  Erbrechts   von  Witwe,  Sohn  und 
lediger  Tochter  findet  sich  auch  bei  Arabs  II  auf  Bl.  187b  5.6: 


Jesubocht  sagt,  daB  die  Frau  (Witwe)  einen  ganzen  Teil  be- 
kommt, der  Sohn  einen  ganzen  Teil,  und  die  Tochter,  welche  im 
Hause,  einen  halben  Teil. 

««•  •»■  Ich  nehme  danach  an,  daB  der  §  1  in  ursprunglicher  Fassung 
foIgendermaBen  gelautet  haben  muB: 

l\A>3   i^a-.  ^-t^   •  n  '^^    l^o  -cr   :^..n.n3  Jo  I^xjo 

d.  h.  die  ledige  Tochter  erbt  (von  ihrein  Vater)  einen  halben  Teil  (d.  h. 
die  Halfte  von  dem  Teil  des  Sohnes),  dagegen  die  verheiratete  Tochter 
beerbt  ihren  Vater  nicht  (soiange  er  Gemahlin,  Sohn  und  ledige  Tochter, 
Vater  und  Mutter,  Bruder  und  Schwester  hinterlalit). 

Im  ubrigen  sind  iiber  die  ganze  Stellung  der  verheirateten  Tochter 
im  Erbrecht  Jesubochts  die  folgenden  Stellen  zu  vergleichen:  I  §4, 
I  §  17,  §  5e,  §  6,  §  13  und  III  §  5  S.  113. 

Wenn  sich  nun  also  auch  der  ursprungliche  Sinn  des  §  I,  wie 
mir  scheint,  mit  volliger  Sicherheit  erschlieBen  laBt,  so  muB  andererseits 

20* 


—    au8    — 

(.laraiif  hinucwicscii  wcrcltn,  cla(5  die  Korruplel  in  ciciii  Tuxt  dcr 
romisclieii  Haiulsclirift  schon  sehr  alt  sein  muB,  tlenii  Spuren  derselbeii 
zeijjen  sich  iiicht  allein  iiii  syrischen  Text,  sondern  audi  in  beiden 
arabischen  Versionen.  Zimachst  ist  das  irrtiimliche  wenii  sie  cinen 
Solin  hat  aus  §  1  falschlicli  in  die  Fragestellunji  von  §4  iibertrajjen 
worden,  wahrend  dagegen  in  der  Beantwortung  desselben  Paragraphen 
keine  Riicksiclit  darauf  genomnien  vvird.  Dieser  falsche  Zusat/  findet 
sicli  aiicii  in  der  sonst  richtigen  Version  von  Arabs  I  Bl.  86b  10: 

C.J1  j  ^\  cU!,'  jl  p^  ^iC  i\^ic  <fUlj  <=rjj  (1.  ^ilj^i)  ■C\j^ 

Ein  Mann  stirht  and  liinterlaBt  eine  Fran,  Solin,  Toclitcr,  Vater, 
Mutter,  Bruder  unci  Scliwester,  ohne  testiert  zu  haben.  Dann  gebiihrt 
seine  Erbschaft  seiner  Frau  und  seinen  Sohnen  (Kindcrn),  indem  die 
Fran  soviel  wie  den  Teil  cines  Sohnes,  die  Tochter  ini  Hause  soviel 
wie  die  Halfte  des  Teiles  eines  Sohnes,  und  die  verheiratete  Tochter, 
vvenn  sic  Kinder  hat,  nichts  bekommt. 

Bei  Arabs  I    fehlen    ilurchweg   die  Fragestellungen,    so    audi    die 
Frage   in   §  4.     In   der  Antwort   ist  bei  Arabs  I  ebensowenig  eine  Spur 
des  falschen  Zusatzes  wie  in  der  Antwort  des  syrischen  §  4.    Sie  lautet' 
Bl.  87a  3.  4: 

>T  ov.'  iw  w'^i  U^'V  ^y  V  ^jjii  cjJi  j\  j  iL'ij 

Der  Grund,  warum  die  verheiratete  Tochter  nicht  erbt,  ist  der, 
dafi  sie  ihren  Teil  (bereits)  bekommen  hat  (als  <f><^p"i),  und  weil  ein 
Aiiderer  fiir  sie  sorgt,  und  sie  nicht  nach  ihrem  Vater,  sondern  nach 
ihreiii  Oeniahl  benannt  wird,  so  daB  man  sagt  die  Gemahlin  des  N-. 
In  lieniselben  Passus  dagegen  bei  Arabs  II  Bl.  207b  8- 18,  taucht 
der  falsche  Zusatz  wieder  auf.     Dieser  Text  lautet: 

l^vl    vl-X'    ^r»   f>i-   y   ^J~^   -ij    ^   jS'bl    ""-^U-J   *^JJ-J^'    j^    j   ^b 

J,\  <^  J i  _;Vi  vi->^_  j^  *-^'i^  cjj'^  W-'Vj  *-»*->  W**-  c^-^\  U;  V 
•  j^  ^^3  Jii_  J^  ^^\  Ji  — '^^  Vj  c-:>T 

Der  Grund,  warum  die  verheiratete  (Tochter),  und  speziell 
wenn  sie  ein  Kind  hat,  keineii  Teil  aus  dem  Hause  ihres  Vaters 
bekommt,  ist  der,  dal5  sie  schon  ihren  Teil  bekommen  hat  (als  4>efm'i), 
dal5  sie  dem  Hause  des  Vaters  fern,  aber  Anderen  nahe  geworden  ist, 
und  weil  sie  nicht  nacii  dem  Vater  bezeichnet  wird,  sondern  als 
Gemahlin  des  N. 

Der  Gedanke  des  Gesetzgebers  ist  folgender: 
Wenn  ein  Mann  stirbt   und  seine  Frau,    ferner    etwa    drei  Sohiie, 
eine    ledige    und    eine    verheiratete  Tochter,  Vater   und    Mutter,   Bruder 
und    Schwester    hinterlalU,    so    wird    er    nach    dem    Intestaterbrecht    in 
folgender  Weise  beerbt: 

liie  Witwe  erbt -9  des  Nachlasses, 

die  drei  Solme  erbcn  jeder  -j%  zusammen     6/9, 

die  ledige  Tochter  erbt '/g, 

liie  verheiratete  Tochter  erbt     .     .     .     .     .      0 


—       -MY.) 

Ober  lias  wcitcre  Erbrecht  iler  leiliy;en  oiler  verhcirateten  Tochter 
Oder  Tochter  in  Konkurreiiz  iiiit  iler  Mutter  Vijl.  was  Jesiiboclit  an  aiiiirer 
Stelle  (IV,  I    §  5  b,  c  imd  e)  lehrt. 

Was  die  Bezeiciinuiiiien  Jesubochts  fur  die  ledige  und  verheiratete 
Tochter:  die  Tochter,  die  im  Hause,  und  die  Tochter,  die 
hlnaussfe<ranseii,  betrifft,  so  wird  zu  untersuchen  sein,  ob  diese  Aus- 
drucksweisen  vielleicht  von  dem  syrischen  Obersetzer  aus  der  mittel- 
persischen  Diktion  des  Originals  honibergenommen  sind. 

S.  97,  7.  §  5.  Dieser  schr  Iclirreiche  Paragraph  handelt  von  deni 
Erbrecht  der  Witwe  des  sohnlosen,  aber  Tochter  oder  Tochter  und  Eltern 
und  Geschwister  hinterlassenden  Mannes,  wie  es  sich  gestaltet  hat  be! 
den  persischen  Christen  unter  dem  EinfluH  ihrer  zoroastrischen  Uni- 
gebung,  und  anderseits,  wie  es  sein  sollte  nach  der  Ansicht  unseres 
jesubocht. 

Nach  ersterer  Ansicht  erbte  die  Witwe,  nach  letzterer  dieToc  liter. 

Die  Verschiedenheit  des  persisch-christlichen  Rechts  von  dem  Kecht 
der  iibrigen  Christenwelt  fiihrt  Jesubocht  auf  eine  irrtiimliche  Auffassung 
der  magischen  Quasi-Levirats-Ehe  auf  seiten  der  christlichen  Perser  zuruck. 

Zu  des  Verfassers  Darlegung  iiber  das  jiidische  Levirat  S.  97,  17 — 32 
ist  zu  bemerken,  daB  nach  dem  biblischen  Recht  nur  der  Bruder  des 
Verstorbenen  ein  Levir  sein  kann,  wahrend  der  Verfasser  hier  eventuell 
auch  dem  Vatersbruder  oder  dessen  Sohn  oder  einem  andern 
Blutsverwandten  die  Fahigkeit,  Levir  zu  sein,  beilegt.  Aus  welchen 
biblischen  oder  auch  nachbiblischen  Quellen  Jesubocht  diese  Ausdehnung 
der  Leviratspflicht  genommeii  hat,  mull  einer  Untersuchung  iiber  die 
Oeschichte  des  judischen  Levirats  iiberlassen  blciben. 

Was  Jesubocht  S.  97,  33  ff.  als  das  Wesen  des  magischen  Levirats 
angibt,  geht  weit  iiber  die  Grenzen  des  jiidischen  Levirats  hinaus  und 
endet  in  einem  Branch  oder  einer  Eherechtssitte,  welche  bestimmt,  daB 
dem  sohnlos  Verstorbenen  durch  cinen  seiner  manniichen  Blutsver- 
wandten mit  der  Witwe  des  Verstorbenen  oder  eventuell  mit  einem 
ihm  blutsverwandten  Weibe  eine  Nachkommenschaft  gezeugt  werden  soil. 

Das  magische  Recht,  ausgehend  von  den  dem  Levirat  zugrunde 
liegenden  Anschauungen,  ist  dann  noch  einen  Schritt  weitergegangen 
(S.  97,  51ff.)  und  hat  die  erbrechtlichen  Bestimmungen,  die  fiir  das 
Levirat  gelten,  ganz  allgemein  auf  die  Witwenheirat  ausgedehnt. 
Wie  es  scheint,  wurde  ihr  Uterus  ein  fur  allemal  als  das  Eigentuni 
ihres  ersten  Gemahls  angesehen.  Wer  sie  in  zweiter  Ehe  heiratete,  war 
wie  ein  Ackersmann  auf  frcmder  Erde;  der  Sohn  der  zweiten  Ehe  gait 
als  der  Sohn  des  ersten  Ehemannes,  der  Sohn  der  zweiten  Ehe  war 
Erbe  des  ersten  Ehemannes,  und  sein  NachlaB  wurde  daher  nach 
seinem  Tode  seiner  Witwe  iibergeben  (S.  99,  9),  ich  nehme  an:  ihr 
als  Vertreterin  ihres  verstorbenen  Gemahls  und  als  Verwalterin  seines 
Nachlasses  bis  zur  Miindigkeit  desjenigen  Sohnes  oder  derjenigen 
Sohne,  die  sie  etwa  in  folgendcr  Ehe  gebaren  wiirde. 

Diesem  magischen  Recht  stellt  Jesubocht  auf  S.  99,  lOff.  das  all- 
gemeine  Recht  der  orientalischen  Christenwelt  gegeniiber,  welches  be- 
stimmt, daB  wenn  ein  Mann  sohnlos,  aber  mit  Hinterlassung  einer 
Tochter  stirbt, 

1.  die  Witwe  aus  dem  NachlaB  ihre  dos  und  donatio  be- 
kommt,  und 

2.  die  Tochter  den  iibrigen  NachlaB  erbt. 

Dies  ist  svrisch-romisches  Recht.  Siehe  meine  Syrischen  Rechts- 
bucher  I  S.  49  §  1  Abs.  3  und  S.  71   §  44  Abs.  5. 

Abweichend  von  den  Anschauungen  der  im  romischen  Reiche 
lebenden  Christen  haben  die  unter  Magiern  lebenden  Christen  der 
Persis  in  dem  vorliegenilen  Falle,   w'enn  ein  Mann  sohnlos  stirbt,    aber 


—     31(1     — 

Witwc  iiiul  Tocliter  liintcrlalit,  die  Witwe  zur  Erbin  eingesetzt,  nicht 
die  Tochter,  aiis  irrtiirii,  wie  Jesubocht  S.  99,  37ff.  ausfuhrt.  Sie 
liaben  nicht  bedachf,  dalJ  diese  magische  Erbrechtsbestimmung  aus  dcni 
Levirat  hervorgegangen  ist,  und  daB  aber  das  Levirat  mit  aiiem,  was 
drum  iind  dran  ist,  fijr  die  Christen  eine  Unmoglichkeit  ist;  dafi  die 
Magier  das  Eigentuni  des  sohnlos  Verstorbenen  seinem  durch  den 
Levir  zu  zeugenden  Sohne  reservieren,  wahrend  die  persischen  Christen, 
indeni  sie  das  Erbrecht  des  magischen  Quasi-Levirats  aiif  die  Heirat 
der  Witwe  im  allgemeinen  ausdehnen,  den  NachlaB  des  sohnlos  Ver- 
storbenen der  Gefalir  aussetzen,  daB  er  seiner  Deszendenz  oder,  falls 
eine  solche  Deszendenz  nicht  zustande  i<ommt,  seinen  Bhitsverwandten 
wenigstens  zu  einein  Telle  verloren  geht. 

Als  Jesubocht  diese  Befiirchtung  niederschrieb,  konnte  er  meines 
Erachtens  etwa  an  den  foigenden  Fall  denken:  Wenn  eine  in  zweiter 
Ehe  verheiratete  Frau  kinderlos  starb,  hatte  ihr  ijberlebender  Ehemann 
ein  gewisses  Anrecht  gegen  ihren  NachlaB,  wahrend  Blutsverwandte 
ihres  verstorbenen  Gemahls  (Eltern  oder  Qeschwister)  die  eigentlichen 
Erben  des  Nachlasses  waren.  Vgl.  Syrisch-romisches  Rechtsbuch  §  92 
und  die  Anmerkung  von  Bruns  S.  266;  Syrische  Rechtsbiicher  I  S.  71 
§  44.  Wenn  nun  die  in  zweiter  Ehe  verheiratete  Frau,  die  Witwe  eines 
ersten,  sohnlos  verstorbenen  Mannes,  kinderlos  stirbt,  und  sie  das  Ver- 
mogen  des  letzteren  geerbt  hat,  dann  kann  allerdings  der  Fall  eintreten, 
daB  der  zweite  Ehemann  sich  den  NachlaB  seiner  Frau  mit  den  recht- 
mafiigen  Erben  seiner  Frau,  den  Blutsverwandten  ihres  ersten  Gemahls 
teilt,  well  er  einen  Rechtsanspruch  gegen  ihre  i^fn-ij  hat.  Dies  konnte 
z.  B.  in  einem  solchen  Falle  eintreten,  wenn  die  Frau  etwa  in  die  erste 
Ehe  eingetreten  war,  ohne  eine  Mitgift  zu  haben,  und  sie  dann  bei 
dem  Eingehen  der  zweiten  Ehe  das  Vermogen,  das  sie  durch  Erbschaft 
von  ihrem  ersten  Manne  erworben  hatte,  zu  ihrer  Mitgift  bestimmte. 
Gegen  eine  solche  Mitgift  richtete  sich  der  Rechtsanspruch  ihres  zweiten 
Mannes. 

S.  101,9.  Die  foigenden  Absatze  a— m  bilden  eine  Einheit  und 
sind  bestimmt,  das  Erbrecht  der  Witwe  zu  regeln.  In  alien  diesen  Satzen 
ist  die  Frau  als  ihren  Gemahl  iiberlebend  vorausgesetzt,  auch  in  den- 
jenigen  (g,  h,  i,  k),  wo  sie  nicht  ausdriicklich  erwahnt  ist.  Auf  Orund 
der  Einleitung  dieses  §  5  konnen  wir  annehmen,  daB  Jesubocht  mit 
diesen  Paragraphen  denjenigen  Irrungen  entgegentreten  wollte,  welche 
in  der  persischen  Christenwelt  durch  das  Beibehalten  eines  alteren,  ma- 
gischen Rechtsbrauches,  der  urspriinglich  aus  einer  Art  Levirat  hervor- 
gegangen  war,   noch   vorhanden  waren  und  ausgerottet  werden  sollten. 

S.  101,  11,  a.  DaB  bei  dem  Eingehen  der  Ehe  (bei  der  Verlobung) 
ein  giiterrechtlicher  Vertrag  geschlossen  werden  konnte  (nicht  muBte), 
dessen  Bestimmungen  dann  fiJr  alle  Folgezeit  verbindlich  waren,  tritt 
auch  in  §  15  dieses  Kapitels  (S.  109)  hervor. 

Die  syrische  Diktion  unseres  Corpus  juris  entbehrt  eines  tech- 
nischen  Ausdrucks  fiir  Legat,  wodurch  hier  und  da  Undeutlichkeit  ent- 
steht.  Siehe  auch  S.  352.  Ich  verstehe  den  Ausdruck  wenn  er  etwas 
bestimmt<  so:  wenn  er,  der  Erblasser,  durch  Testament  seiner  Witwe 
ein  Legat  vermacht  ,  so  soil  dies  Legat,  abgesehen  von  den  anderweitigen 
erbrechtlichen  Anspriichen  der  Witwe,  respektiert  werden. 

S.  101,  18.  Der  Ausdruck  uind  die  Mitgift  der  Frau,  alles  was 
dem  Mann  gehorte  (ahnlich  in  c,  S.  103)  ist  unvollstandig.  Wenn  die 
(l>epvij  der  Frau  in  die  Erbmasse  des  Mannes  eingerechnet  wurde,  was 
geschah  dann  mit  ihrer  copeu?  Wie  war  iiberhaupt  das  Verhaltnis  des 
Ehemannes   zu   der  4>epvi'i  und  cwpea  seiner  Oemahlin?  —  Nach  meiner 


311     — 

Ansiclit  besonders  von  i^  15  dieses  Abschiiitts  (S.  109)  siiid  hier  zwcierlei 
Rechtszustiinde  zii  unterscheideii: 

1.  Bei  der  EhesciilieBun,<j  wiirde  eiii  oiiterreclitlicher  Vertras'  ab- 
geschlossen,  der  speziell  iiber  tias  Eisjentum  der  Fran  bestiinnite,  iiiul 
demgemaf5  wurde  verfahren.     Oder 

2.  wenii  ein  solcher  Vertrag  nicht  geschlossen  war,  verwaltete  der 
Ehemann  das  Eigentiim  der  Fran  (ihre  Ae^n;;'  und  co>pta  mui  anderes). 
Sie  durfte  weder  iin  Leben  nocli  sterbeiui  ohne  Qenehmiiiunsj  ilires  Ehe- 
manns  iiber  ihrc  Habe  verfiigcii.  Ihre  ganze  Habe  wurde  ais  ihrem 
Oeinahl  geluirig  angesehen,  und  hildete,  wenn  lier  Eiiernann  starb,  zu- 
sammen  niit  dessen  Eigentum  die  Gesamlerbmasse  des  Ehenianns.  So 
nach  IV,  I  §  15. 

Dieser  Grundsatz  ist  aber  niclit  konsequent  durcligefiihrt,  denn 
z.  B.  in  Absatz  e  wird  die  *6pii;'  der  Witwe  aus  der  Oesaniterbmassc 
ihres  Marines  ausgeschieden. 

Mif  deni  Absatz  b  iiber  das  Intestaterbrecht  der  Witwe  und  Icdigen 
Tochter  ist  aus  der  Parsenliteratur  Dadistan-i-Dinik  (Palilavi  Texts,  ed. 
West,  II)  S.  185  zu  vergleiclien. 

S.  103,  21,  g.  Die  Teilung  der  Erbschaft  ist  in  dieseni  Falie,  wenn 
z.  B.  zwei  Briider  vorhanden  sind,  folgcnde: 

die  Witwe  erbt '/u, 

die  Mutter  erbt 2  u, 

zwei  Briider,  jeder  ^  ,4^  zusainnien     .     .     .      *iu, 
die  ledige  Sch wester '/14, 

S.  103,44,  1.     Dieser  Paragraph  existlert  in  verstandiger  Wiedergabe 

auch  bei  Arabs  II   Bl.  187b  10—14,  wo  die  Erbmasse  bezeichnet  ist  als 

die  Habe  des  Mannes  und  die  Habe  seiner  GemahliTi,   welche  sie  be- 

koninien    hat   von    ihrem  Gemahl  {^(opea)  und  von  ihrem  Vater     ((bt^pvi'i): 

S.  105,  15.  25.  §  6.  7.  Das  in  §  6  gewahrte  Erbrecht,  welches  der 
verheirateten  Tochter  zusteht,  verschwindet  in  §  7  gegeniiber  dem 
Erbrecht  der  Eltern,  Briider  und  ledigen  Schwestern  des  Erblassers. 

Arabs  I  hat  den  Sinn  des  §7  niclit  verstanden.     Bi.  88a2: 

Wenn  er  keine  ledigen  Tochter  hat,  gehort  es  (der  NachlaB)  den 
verheirateten  und,  wenn  solche  nicht  vorhanden,  dem  Vater  imd,  wenn 
er  nicht  vorhanden,  der  Mutter  und  den  Briidern  und  tien  ledigen 
Schwestern. 

S.  105,32.  §  8.  Vgl.  Ebedjesu,  Tractatus  S.  60  (Te.xt  S.  226.  227). 
Die  §§  8.  11.  12.  14.  15.  17  finden  sich  bei  Arabs  II  auf  Bi.  207b  18  bis 
208a  11. 

Der  Vergleich  der  Erbschaft  mit  flielJendem  Wasser  findet  sich  auch 
im  Dadistan-i-Dinik  (Pahlavi  Texts,  ed.  West,  II)  S.  194,  Ch.  62,2. 

S.  107,  13.  §  11.  Dieser  Paragraph  ist  eine  naherc  Ausfiihrung  zu 
dem  im  §  7  angegebenen  Erbrechtsfall,  namlich  der  Konkurreuz  voii 
Mutter,  Briiilern  und  ledigen  Schwestern.  Die  Verschiedenheit  des  Erb- 
rechts  des  Vaters  und  der  Mutter  tritt  in  diesem  Fall  besonders  deutlich 
hervor.    Wenn  der  Vater  noch  Icbte,  wiirde  er  nach  §  10  die  ganze  Erb- 


scliaft  crlxMi,  unci  ilie  Mutter,  Iinulcr  tiiiil  Sclnvcstcrn  lickaiiK'ii  niclits. 
Wemi  aber  ilcr  Vater  iiiclit  inuhr  Iclit,  tritt  die  Mutter  (Witwc)  keines- 
wetjs  in  die  Rechte  des  Vaters  tin,  sondern  sic  erbt  nicht  mehr  als  jedes 
der  Gesciiwister. 

S.  107,39.    §  13.     Dicser  Paragraph  laiitet  bei  Arabs  1  HI.  S8a: 

jijUi  oUij  ^uvi  ci_»ji  j:i\  j^  ^j_j,_  Ji  (j^C  ^^  '^vi  ^\j^j 

»Die  Erbschaft  der  Mutter  ist  nicht  ebenso,  sondern  sie  wird  gleich 
iinter  alle  verteilt,  Sohne  und  Tochter,  ledige  und  verheiratete.« 

S.  109,  2.  §  15.  Ober  das  eheliche  Oiiterrecht  s.  Anm.  zu  S.  101, 18. 
Der  SchluBsatz  dieses  Paragraphen  besagt,  dal5  der  Ehemann  aus  dem 
von  ihm  geerbten  Eigenfum  seiner  Oemahiin,  das  urspriinglich  ihre 
Mitgift  war,  einzeJne  Kinder  dieser  Ehe  beschenken  darf.  Es  ist  aber 
niciit  zti  ersehen,  ob  hier  nur  von  einer  Schenkung  inter  vivos  oder 
audi  von  einer  Zuvvendung  post  mortem  durcli  ein  Legat  die  Rede  ist. 
BediTigung-  der  Schenkung  ist,  dali  die  Cleschwister  des  Beschenkten 
nicht  dadurch  ernstiich  geschadigt  werden. 

Dieser  Paragraph  erscheint  bei  Arabs  11  in  foigender  Oestalt 
Bl.  151a  2: 


Ubersetzung:  Jesubocht.  Die  ganze  Erbschaft  der  Fran  kommt 
ilirem  Gemahl  zu,  auch  wenn  sie  ledige  und  verheiratete  Tochter  und 
Sohne  hat,  es  sei  denn,  daB  er  (der  Gemahl)  die  Erbschaft  ihnen  (den 
Kindern)  zuwenden  will.  In  dem  Fall  teilen  sie  dieselbe  unter  sich  zu 
gleichen  Teilen. 

Bei  demselben  Arabs  11  ist  auf  Bl.  153a  9  auf  dies  Gesetz  mit 
folgenden  Worten  Bezug  genommen: 

Jesubocht  gibt  die  ganze  Erbschaft  dem  Gemahl  ,  namlich  wenn 
seine  Ehefrau  mit  Hinterlassung  ihrer  Kinder  und  ihres  Gemahls  ge- 
storben  ist. 

Die  beiden  Araber  iibersehen,  dal^  hier  nur  von  demjenigen  Teil 
des  Nachlasses  der  Frau  die  Rede  ist,  den  sie  aus  ihrem  Vaterhause  mit- 
gebracht  hat. 

S.  109,27  und  35.  §  16.  17.  Der  syrische  Wortlaut  dieser  Para- 
graphen ist  insofern  mangelhaft,  dalJ  in  dem  Falle,  wenn  die  Erblasserin 
eine  verheiratete  Schwester  ist.  nicht  deutlich  angegeben  ist,  der  Vater, 
die  Mutter,  die  Geschwister,  welche  sie  heerben,  seien  nicht  ihr  eigener 
Vater,  ihre  eigene  Mutter,  ihre  eigenen  Geschwister,  sondern  die- 
jenigen  ihres  verstorbenen  Gemahls.  Ehenfalls  in  §  17  sind  ihre 
Verwandten  die  Verwandten  ihres  Gemahls.  Dal)  dies  der  beabsich- 
tigte  Sinn  ist,  scheint  mir  zweifellos,  denn  nach  v?  4  scheidet  das  ver- 
heiratete W^eib  aus  der  Familie  ihres  Vaters  aus,  tritt  in  eine  neue  Familie, 
diejenige  ihres  Gemahls,  ein,  und  gewinnt  hier  ein  neues  Erbrecht. 

Zu  §  16,  Abs.  2  ist  noch  die  Bedingung  hinzuzufiigen,  daB  der 
Vater  der  verheiratcten  Frau  nicht  mehr  lebt.  Denn  wenn  er  lebte,  wiirde 
er  allein  nach  §  9  und  10  ihren  ganzen  NachlaB  erben  mit  AusschluB 
ihrer  Mutter  und  (jcschwister. 


—     H18 

Aralis  I  Bl.  SSli  2~S  liat  denselbcii  syrischeii  Text  vor  sicli  i^e- 
liabt,  ileii  wir  liahcii,  gibt  ahor  in  iinboholfeiicr  W'eisc  lieni  §  17  ileii- 
selben  Sinn,  den  icli  glaube  annchnien  zu  soilen: 

j_»^_  l^iL  ^jjil  j^  oL-«  ^'"^^^  ^''j-i^  ^1  >--(j:^  ji  J  <^L' 

.dl  cJiiL;i  ^Ji  ^Ji  .__^  _^T  ji  ;::.^,i^ij  ^vi  c-_v:^  jp 

Der  Griiiui,  vvariini  ilie  Erbsciiaft  tier  verheiratoten  Toclitcr  von 
der  Erbsctiaft  der  leiiigen  tiifferiert,  ist  der,  dal5  iiire  (der  letzteren)  Hahe 
zuriickkehrt  zu  dein  Haiise  ties  V'aters,  walirend  die  Habe  der  ver- 
lieirateten  einem  Anderen  ziiflielit  uetnaB  der  Faiiiilie,  in  welclie  sie 
(durch  ihre  Heirat)  iiiiergetreten  ist. 

Erhebiich  besser  ist  die  kiirze  Inhaltsangabe  bei  Arabs  II  B1.208a  9: 

.(1.  oJi)  cUi  J-  'l.>'l  <^j  ^IL'  ^  \^;  cJi  ^ui  <;-^- 

'>Der  Grund,  wesiiaib  tlie  iediue  Tochter  anders  beerbt  wird  als 
die  verlieiratete,  ist  der,  dal!  der  Naci)lal5  der  iedigen  von  der  (d.  h. 
ilirer)  Fatniiie  geerbt,  daoegen  der  Naciilali  der  veriieirateten  geerbt  wird 
von  Personen,  welclie  der  Famiiie  (der  Fran)  frenui  situl  (den  V'er- 
wandten  ihres  Geniahls). 

S.  109,43.  §  1.  Weill!  eiii  Mann  eiii  Weib  heiratet,  das  sclion  ein- 
mal  verheiratet  war,  iind  aus  dieser  friiheren  Ehe  Kinder  hat,  und  niit 
ihr  Kinder  zeugt,  so  sind  die  Kinder  dieser  beiden  Ehen  in  re  naturae 
insofern  einander  gleich,  als  sie  demselben  Uterus  entstammen. 

S.  113,9.  §3.  Die  nicht  wieder  verlieiratete  Schwiegertochter  be- 
erbt neben  ihren  Kindern  ihren  Schwiegervater,  es  ist  aber  nicht  an- 
gegeben,  ob  sie  nur  ebensoviel  erbt  wie  jedes  einzelne  ihrer  Kinder, 
Oder  ob  sie  etwa  einen  groBeren  Teil  bekonimt. 

S.  113, 30.  §5.  Zwischen  Frage  und  .^nwort  in  dieseni  Para- 
graphen  besteht  eine  Unstimmigkcit,  insofern  die  Frage  von  Personen 
handelt,  die  durch  zwei  Cienerationen  niit  deni  Erblasser  verwandt  sind, 
wahrenii  liie  Antwort  an  erster  Stelle  die  Tochter  erwahnt,  obwohi 
sie  mit  dem  Erblasser  doch  durch  eine  einzige  Generation  verwandt 
ist.  Dennoch  diirfte  der  Text  richtig  sein,  da  die  Lesart  die  ledige 
Tochter  (Text  S.  112,  15)  gestiitzt  wird  durch  den  Gegensatz:  die 
verheiratete  Tochter  in  der  folgenden  Zeile  (Text  S.  112,  16). 

S.  113,49.  §7.  In  dem  syrischen  Text  dieses  Paiagrai)hen  sind 
leider  zwei  Liicken,  die  durch  die  Wiederholung  dersclben  Wortreihen 
entstanden  sein  diirften.  Die  Reihenfolge  der  hier  behandelten  Erben 
ist  folgende: 

a)  Sohnessohne  (Sohneskinder), 

b)  Tochtersohne  (Tochterkinder), 

c)  konsanguine  Geschwister, 

d)  uterine  Geschwister, 

e)  konsanguine  Geschwister  des  Vaters, 

f)  uterine  Geschwister  des  Vaters. 

Die  erste  Liicke  klafft  im  Text  S.  112,31  zwischen  Absatz  b  und  c, 
wo  ausgefiihrt  war,  dali,  solange  direkte  Deszendenten  des  Erblassers 
vorhanden  sind,  die  Seitenverwandten  von  der  Erbschaft  ausgeschlossen 
sind.  Wenn  aber  solche  nicht  vorhanden  sind,  dann  c,  fallt  die  Erb- 
schaft den  Briitiern  und  Schwestern,  ilie  von  demselben  Vater  ab- 
stammen,  zu. 


—     314     — 

Die  zwfite  Liicke  liegt  in  S.  114,  1  (Text)  im  Abs.  d.  Es  fehit  das 
Folijende:  [Wonn  aber  sojche  (d.  h.  die  in  c  genannten  Personen)  nicht 
vorhandeii  siiui],  fallt  die  Erbschaft  den  Briidern  und  Sciiwestern,  die 
von  derselben  Mutter  abstammen,  zu. 

Bei  Arabs  I  Bi.  89a  14ff.  lautet  die  Obersetzung  wie  folgt: 

V^.  J  AtLVl  ^j^VI  ir  ^^  ^^  ^VjVI  ^V^l  (.b  Uj    §  7a. 

cl)l^  a  VL*  ■^J^  Si-  VjliVi 
l^^  o\j-J\i  (Lucke)  o->  ^Vj\  ^,  \  jli    h.  c. 

jV>  jCj  jij  oV'^^ij  Ji>^ui  iy>C.i  j(j  oi^'ij  fi'^^ui  \yf_ 

J^_   A^_   j\   J^_    _^   J  "(.Vlj   ^Vl   ^jSI   J*  ^-u.   J«-^ 

•(^  tS-  >^  J^>-'b  a-^\j\  ol>^b  ^y-L*  r  Jjrb  •>>'  ^jls'  ^'\»     '!• 

Obersetzung.  §7,  a.  Solange  Kindeskinder  vorhanden  sind,  be- 
kommen  andere  von  den  ferneren  und  naheren  Verwandten  nichts,  aus- 
genommen  die  Witwe,  der  Sohn  und  die  Tochter. 

b)  c)  Und  wenn  Sohneskinder  nicht  vorhanden  sind  (zu  erganzen: 
erben  die  Tochterkinder.  Und  wenn  solche  nicht  vorhanden  sind) 
d.  fallt  die  Erbschaft  den  konsanguinen  Briidern  und  Schwestern  des 
Erblassers  zu. 

d)  Und  wenn  solche  nicht  vorhanden  sind,  den  uterinen  Briidern 
und  Schwestern; 

e)  und  wenn  solche  nicht  vorhanden  sind,  den  Vatersbriidern  und 
Vaterssch western,  und 

f)  wenn  solche  nicht  vorhanden  sind,  den  Mutterbrudern  und 
Mutterschwestern ; 

g)  und  wenn  solche  nicht  vorhanden  sind,  den  ferneren  Ver- 
wandten des  Vaters  und  der  Mutter,  sei  die  Verwandtschaft  mit  dem 
Erblasser  auch  noch  so  fern. 

h)  Was  aber  die  Verwandten  der  Gemahlin,  des  Gemahls,  der 
Briider  und  Schwestern  der  beiden  Eltern  (des  Erblassers  oder  der  Erb- 
lasserin)  oder  sonstige  Verwandte  betrifft,  so  bekommen  diese  nichts.-- 

Auch  bei  Arabs  11  ist  dieser  §  7  vorhanden  auf  Bl.  220a  llff.  und 
Bl.  205  b  5ff.,  aber  an  ersterer  Stelle  ist  der  Te.xt  abgesehen  von  Abs.  a 
dermaBen  zerstort,  da(5  er  nicht  mehr  nutzbar  ist. 

S.  115,  21.  IV.  Kapitel.  Ein  Teil  dieses  Kapitels  findet  sich  bei 
Arabs  II  auf  Bl.  219b  6—21,  ist  aber  so  zerstort,  daB  ein  zusammen- 
hangender  Text  nicht  mehr  hergestellt  werden  kann. 

In  Tukkasa  Bl.  15Sb  17—22  findet  sich  folgende  Definition  von 
Erben,  welche  der  Definition  der  Sohne  in  diesem  Paragraphen  ent- 
nommen  sein  diirfte: 

Jesubocht:  Oesetzliche  Erben  sind  solche,  die  von  Mann  und 
Frau  auf  gesetzliche  Weise  geboren  werden.  Ungesetzliche  Erben  sind 
solche,  welche  von  Mann  und  Frau  auf  ungesetzliche  Weise  geboren 
werden  .     Text: 


-     315      - 

S.  115,  4Q.  Die  §§  4  uiui  6  (aiif  S.117)  sind  bei  Arabs  II  R!.210a 
10 — 12,  in  fol,i>encle  Ncitiz  ziisaiiiiiieniictiraniTt: 

Obersetzung:  Jesubocht  spricht:  Wenn  ein  Mann  mit  einer 
Sklavin  oder  andern  Person  ein  ungeselzliches  Kind  zeus^t,  sei  es  vor 
der  Verheiratung  mit  einem  gesetzlichen  Wcibe  oder  nach  derselben, 
mu6  er  fiir  das  Kind  eine  Bestimmung  treffen,  wie  wir  bcstimmt  haben 
in  betreff  des  gesetzlichen  Kindes. 

S.117,  10.  §5.  Der  syrische  Wortlaut  dieses  Paragraphen  ist 
etwas  kurz  geraten,  doch  kann  iiber  den  Sinn  desselben  kauni  ein 
Zvveifel  bestehen.  Ein  Mann  kann  nach  Belieben  in  seinem  Testament 
verfiigen,  jedocli  niir  innerlialb  der  durch  die  vorhergehenden  und 
folgenden  Paragraphen  gezogenen  Orenzen. 

Der  arabische  Text  bei  Arabs  1    ist    noch  kiirzer  als  der  syrische: 

.^_^U|  A  ^,J  J^L^\  ^a!U  o3x  jl  jLJ^  ^xlj 

>Der  Mann  darf  nicht  seine  Habe  vererben  wie  er  will,  sondeni 
nur  an  diejenigen,  an  tlie  es  ihm  das  Oesetz  gestattet. 

S.  117,30.  §7.  Wiilkiirlich  verandert  erscheint  dieser  Paragraph 
in  Tukkasa  Bl.  159a  10:  Von  Jesubocht:  Wenn  er  iiberhaupt  keine 
gesetzliche  Frau  geheiratet  hat,  die  Sohne  (Kinder)  aber  von  einer 
Sklavin  oder  einer  anderen  Frau  stammen,  fallt  ihnen  die  Erbschaft  zu 
oder  nicht?  —  Antwort:  Wenn  der  Mann  zu  Lebzeiten  vor  den  Priestern 
und  Leitern  der  Kirche  oder  vor  Olaubigen  bekcnnt:  ,Diese  Frau  ist 
meine  Frau  und  dies  sind  meitie  Sohne  (Kinder)',  dann  ist  die  Sklavin 
samt  ihren  Sohnen  (Kindern)  frei.  Und  wenn  sie  (die  letzteren)  un- 
miindig  sind,  werden  sie  auf  Kosten  ihres  Vaters  erzogen,  und  die  Erben 
des  Mannes   sind  nicht  berechtigt,  sie  in  die  Skiaverei  zu  reklamieren.« 

Kollation:  S.  116,  16  Mb8  >a  fchit,  17  2aa^  ^  ^2  st.  .^2 
2poLao  iS,  18  w\«3  2^Xl2st.  M.cr  ^^ivi2,  ig.  20  Von  SQuAa  1^1 
bis  ^o?  eaA^is2  tVhlt,  22  ^ooioa2?  st.  23.3l\?,  22  ^^  fehit,  22 
2aaL\3  nach  u.070^'x.,  23  2;so>T^a  St.  2;so>tO>. 

S.117,  49.  §8.  Tukkasa  Bl.  159a  18— 24:  Von  demselben 
(d.  i.  Jesubocht):  Der  Sohn  (das  Kind),  das  von  einer  Ehebrecherin 
geboren  wird  unter  solchen  Umstanden,  daB  sie  nicht  von  ihrem  Ehe- 
mann  geschieden  ist,  daB  letzterer  aber,  obwohl  er  den  Tatbestand 
kennt,  nicht  vor  aller  Welt  bekannt  gibt,  daH  dies  Kind  von  einem 
andern  Manne  stammt,  sondern  die  Sache  unklar  und  zweifelhaft  bleibt, 
dann  beerbt  es  (das  fragliche  Kind)  ihn  wie  seine  iibrigen  Sohne 
(Kinder).'     Text:  

x!^  x:^   2^iA,  2^;!vl2  ^  sA^iv^a  ^p   2ao    .oiA^a 
Z^   1^  .:^^.s2^  cOk>^a  ^^«  >Ap  OCT  >  2  .o^^a  ^  ;)ai3^j:2 
:^««;s  :,^2  Mcre^2  ZiL~2  2k3A   .»  U<rp  sxA:^  Tixfi  ,^^^ioo 
.llj^p  laaj  &^2  ^creN^2  2^»^w.  .I^oj^  gu^^2  l3>ya3o  l:k^.^a^ 


—     H16     - 

S.  119,  11.  §9.  Der  Passiis:  Dasselbe  s^iit  von  Fraiicn,  welchc 
iiiclit  clfiiselbcn  Olaiiben  haben  wic  ilire  Ehemanner  laiitet  in  er- 
weiterter  Form  hei  Arabs  I: 

Dasselbe  gilt  iisw.    wie  ihre  Ehemanner,  oder  von  Ehemannern, 
liic  iiicht  denselben  (jiaiiben  haben  wie    ihre  Fraiien   : 

Diese  Erweiterung  fehlt  in  Arabs  II,  der  die  §§  9—11  auf  Bl.  206b 
2—9  gibt. 

S.  119,  27  und  36.  §§  11.  12.  Diese  beiden  Paragraphen  sind  von 
Ebedjesu  frei  zitiert  im  Tractatus  S.  229.  230  (Obersetzung  S.  63). 

S.  119,  44.    §13.     Der  arabische  Text  iautet: 

.\^\  «-A)d  j_j>o'  Oj 

Obersetzung:  Wenn  ein  Weib,  das  keinen  Gemahl  hat,  einen 
Sohn  gebart,  der  an  dem  Wohnort  seiner  Mutter  auhvachst,  dann  hat 
dieser  Sohn  seine  Kopfsteuer  in  dem  angegebenen  Orte  zu  zahlen.- 
Diese  Ansicht  des  Arabers  ist  falsch.  Nach  dem  Wortlaut  des  syrischen 
Textes  ist  die  Steuergemeinde  dieses  unehelichen  Sohnes  diejenige,  in 
der  er  lebt,  nicht  diejenige,  in  der  er  aufgewachsen. 

Ober  die  auf  der  Ortsgemeinde  liegende  Verpflichtung  zur  Steuer- 
zahlung  vgl.  meine  Syrische  Rechtsbiicher,  2.  Band,  S.  184,  Anm.  zu  VIII. 

S.  121,  4.  V.  Kap.  Dies  Gesetz,  betreffend  den  Unterhalt  der 
geschiedenen  Frau,  findet  sich  inhaltlich  ebenso  auch  bei  .\rabs  II 
Bl.  206a  2—5. 

S.  121,  30.  §  4.  Die  Zusammenstellung  der  beiden  Subjekte  Frau 
Oder  unmijndiges  Kind  ware  auffallig,  wenn  weiter  nichts  ausgedruckt 
werden  sollte  ais  unmiindiges  Kind,  Madchen  oder  Knabe  .  Wir  werden 
daher  annehmen  miissen,  dal5  das  Wort  Frau  hier,  wie  an  vielen 
Stellen  in  diesem  Zusammenhange,  in  dem  Sinne  von  Ehefrau  ge- 
braucht  ist,  und  daf5  der  Verfasser  den  Fall  im  Auge  hat,  daB  ein 
Mann  seiner  Ehefrau  oder  einem  adoptierten  Kinde  das  Erbrecht  von 
Kindern  verleiht,  sie  unter  seine  Erben  aufnimmt.  DaB  ein  Mann  seine 
Frau  zur  Erbin  einsetzen  darf,  diirfte  aus  IV,  1  §  5a  folgen.  Der  ara- 
bische Text  iautet: 

Obersetzung:  Wenn  jemand  die  Frau  oder  das  unmiindige  Kind 
aufzieht  und  wie  seine  Kinder  behandelt,  und  diese  nun  vor  ihm 
sterben,  dann  bekommen  ihre  Blutsverwandten  nichts  von  der  Hahe 
des  Mannes.  Wenn  sic  dagegen  nach  ihm  sterben,  dann  bekommen 
die  Frau  und  das  unmiindige  Kind  einen  Teil  von  seiner  Erbschaft, 
und  der  Erbe  kann  sie  nicht  daran  hindern.    Und  wenn  der  (nntiirliche) 


—     317     — 

Erbe  ihiien  einen  Anteil  gewahrt  an  eiiiem  hinterlasseiien  Landtjut  oder 
(sonsti.a;em)  liegenden  Besitz,  so  fallt  dieser  ihr  Anteil  nach  ilireni  Tode 
ihreii  I^kitsverwandten  zu. 

S.  121,  44.  §  5.  6.  7.  Die  drei  Adoptionsparao^raphen  diirften  in 
folgender  >X'^eise  aufzufassen  sein: 

§  5.  A  schenkt  dem  B  sein  Kind.  Von  nun  an  ist  das  Kind  iti 
alien  rechtliciien  Beziehungen  das  Kind  des  B. 

§  6.  B  adoptiert  das  Kind  des  A,  nicht  weil  A  es  iiini  geschenkt, 
wohl  aber  sich  mit  der  Adoption  einverstanden  erklart  iiat.  In  dem 
Falle  gilt  das  Kind  reclitlicli  ais  das  Kind  zweier  Vater,  d.  ii.  es  beerbt 
sowolil  den  ieibliclien  wie  den  Adoptivvater. 

§  7.  Speziaibestiinniung  zu  v^  0.  Wenn  das  Kind,  welches  B 
adoptiert,  nocli  unniiindig  ist,  und  mm  B  iinn  einc  Sclienkung 
mactit,  dann  gehcirt  diese  Sclienkung  dem  leibliclien  Vater  des  Kindes, 
doch  wohl  aus  dem  Qrunde,  weil  das  unmiindige  Kind  nicht  rechts- 
fahig  zur.Vermcigenserwerbung  ist  und  daher  in  dieser  Angelegenheit 
trotz  der  vorhergegangenen  Adoption  A  als  der  Vertreter  des  un- 
niiindigen  Kindes  im  Rechte  erscheint.  Da  aber  nach  §  6  das  Kind 
auch  seinen  leiblichen  Vater  beerbt,  so  mul^  nach  dem  Tode  des  leib- 
lichen  Vaters  diese  Schenkung  eventuell  ganz  oder  teiiweise  dem  Kinde 
zufallen. 

S.  123,  26.  VI.  Kapitei.  §1.2.  Der  arabische  Text  lautet  bei  Arabs  1 
Bl.  90b  5ff.: 


Obersetzung.  VI.  Von  der  Fran,  welclie  nach  dem  Tode  ihres 
Qemahls  auch  noch  ihre  Kinder  durch  den  Tod  verliert.  Wenn  sie  (die 
Kinder)  zu  einer  Zeit,  wo  sie  unverhciratet  ist,  sterben,  bekommt  sie 
einen  Teil  (Erbteil)  von  ihnen.  Wenn  sie  dagegen  wieder  verheiratet 
ist,  bekommt  sie  keinen  Teil,  sondern  ihr  Vermogen  (der  Nachlali  ihrer 
verstorbenen  Kinder)  fallt  den  Briidern,  Schwestern  und  ubrigen  Bhits- 
verwandten  der  Erblasser  zu. 

Wenn  der  Verfasser  hier  auf  fruhere  Stellen  seines  Werkes  ver- 
weist,  so  nehme  ich  an,  dal5  er  damit  lien  §  3  in  Buch  IV,  Kap.  Ill 
(S.  113)  meint,  wo  er  die  erbrechtliche  Stellung  der  ledigen  oder  wieder- 
verheirateten  Schwiegertochter  gegen  den  Vater  ihres  Gemahls  be- 
handelt  hat.  Nach  dieser  Analogie  beliandeit  er  hier  das  Erbrecht  der 
Schwiegertochter  gegen  ihre  eigenen  Kinder.  Bieibt  sie  ledig, 
so  beerbt  sie  ihre  Kinder;  verheiratet  sie  sich  wieder,  geht  ihr  dies  Erb- 
recht verloren.  Beides  entspringt  dem  Orundsatz  IV,  I  §  4,  dalJ  das 
Weib  durch  die  Verheiratung  aus  der  Fannlie  ihres  Vaters,  ilaher  durch 
die  Wiederverheiratung  aus  der  Familie  ihres  ersten  Qemahls  ausscheidet. 

S.  123,27.  VII.  Kapitei.  Mit  den  Ausdriicken  durch  das  Testa- 
ment und  den  Befehl  ihres  Gemahls  und  durch  den  Befeh! 
ihres  Vaters  ist  jedenfalls  eine  testamentarische  Verfiigung  gemeint. 
Ich  verstehe  die  §§  1—3  so,  dal5  die  Abfindung  der  Witwe,  der  Tochter 
und  des  Sohnes  sie  ausschlielit  von  iler  Beerbung  des  Ehegatten  bzw. 
des  Vaters  und  samtlicher  zu  seiner  Fam  ilie  gehoriger  Personen, 
dal5  dagegen  das  Erbrecht  der  Abgefundenen  gegen  solche  Personen, 
welche  urspriinglich  zu  der  Fannlie  des  Erblassers  gehorten,  aber  durch 
Verheiratung  aus  derselben  ausgesch  ieden  sine!,  durch  diese 
Abfindung  nicht  aufgehoben  wird. 


—    :n  s    — 

Das  Subjekt  in  den  §§  1—3  ist  allemal  eine  Person  (Witwe,  Tochter, 
Solin),  welche,  wie  aiis  der  Ubersclirift  des  Kapitels  sowie  aus  dem  Zu- 
satnnienliang  zu  entnchnien  ist,  durch  Abfindung  vnn  seiten  des  Erb- 
lassers  (Eliegatten  bzvv.  Vaters)  von   dessen  Beerbung  aiisgeschlossen   ist. 

In  den  §§  1.2.3  ist  der  Orundgedanke  der,  da(5  durch  die  Ab- 
fiiuliing  des  Manncs  (Oemahls,  Vaters)  das  erbrechtliche  Band  zwischen 
ilitn  iind  Oemahiin,  Tochter  nnd  Sohn  zerschnitten,  nicht  abcr  das 
erbrechtliche  Band  zvvischen  der  abgefundenen  Person  und  den  iibrigen 
Bhjtsvcrwandten  (zvvischen  verheirateter  Tochter  und  ihrcr  Mutter  und 
•sonstigen  Erben  §  1,  zwischen  verheirateter  Schwester  und  lediger 
Schwester  §  2,  zwischen  Bruder  und  Oeschwistern  §  3). 

Auf  vvelciie  friiliere  Stelle  in  seinem  Werke  der  Verfasser  in  §  2  ver- 
weist,  ist  mir  niclit  ersichtlich,  vielleicht  auf  IV',  I,  §  12,  letzter  Absatz.  Nach 
letzterer  Stelle  beerben  cvcntiiell  ledige  und  verheiratete  Schvvestern  den 
Bruder  zu  gleichen  Teilen.  An  diese  Analogic  wollte  der  Verfasser  hier 
vielleicht  erinnern,  indem  er  bestimmt,  daB  in  diesem  Falle  zwischen 
ledigen  und  verheirateten  Schwestern  ein  erbrechtliches  Band  besteht, 
das  auch  durch  die  Abfindung  der  ersteren  nicht  aufgehoben  ist. 

S.  125,  27.  VIII.  Kapitel.  Die  §§1.2  finden  sich  bei  Arabs  II 
Bl.  205b  9— 16.  Mit  dem  Inhalt  des  §2  beriihrt  sich  ein  unter  dem 
Namen  des  Jesubocht  angefiihrtes  Zitat  bei  Arabs  II  Bl.  209a  7 — 10  (von 
der  Entfernung  eines  ungetreuen  Vormundes  und  der  Ernennung  eines 
getreuen  durch  die  Kirche). 

S.  127,2.  IX.  Kapitel.  Das  Wort  diidagsalarih  ist  zusammen- 
gesetzt  aus  dudag,  einer  niitteliranischen  Form  fiir  das  neupersische 
dude  ojjj  (vgl.  jU.ijj)  und  ^^jV^—  Fuhrerschaft.  Beachtenswert  ist 
die  Schreibung  des  letzteren  Wortes  im  Syrischen  mit  OT  am  Ende: 
6^3k^JCxX.303;  s.  Anm.  zu  S.  5,24. 

Derselbe  Paragraph  findet  sich  auch  in  Tukkasa  Bl.  158a  15  bis 
158b  1. 

Kollation:  S.  126, 3  2i^*3  as  st.  2X*3  Oti,  4  U*-*i09  st. 
2«^^^,  5  I^o^au^o  St.  2^e^3b.o,  5  I&j>jl3  st.  2^e^3w^, 

5  ^.^At*^  o2  St.  <^^1i\t«,  6  U'aaa^^  st.  Uap^^.  7  I'oai  st.  007. 

In  Tukkasa  Bl.  159  b  wird  ein  Gesetz  iiber  das  Erbrecht  des 
Monches,  der  in  die  Laienwelt  zuriickkehrt,  als  ein  Gesetz  des  Jesubocht 
zitiert.  Dies  ist  aber  ein  falsches  Zitat,  denn  es  ist  das  Gesetz  des  Pa- 
triarchen  Jesubarnun  §  69  (s.  Syrische  Rechtsbiicher  II  S.  149). 


311)     — 


Anmerkungen  zu  Buch  V. 


S.  131,3,  Buch  V.  Die  Biicher  V  unci  VI  von  Jesubochts  Werk 
sind  abgesehen  von  einer  Inhaltsangabe  der  einzelnen  Kapitel  in  der 
arabischen  Obersetzung  des  Arabs  I  niclit  vorhanden.  Es  heiCt  auf  B1.91a: 


■U  J^\j  j5vi  ^\ 


"Das  fiinfte  und  sechste  Buch.  Alle  Kapitel  dieser  beiden  Biicher 
sind  verbreitet  in  der  Form,  in  der  sie  in  dem  von  Gabriel  verfal5ten 
Buche,  betitelt  Die  Frucht,  vorliegen.  Es  lohnt  sich  nicht,  sie  zu 
wiederholen.  Die  Kapitel  des  funften  Buches  sind  13,  von  der  Familie 
eines  Mannes,  da(3  er  seine  Habe  vor  seinem  Tode  gibt,  wem  er  will, 
Oder  nicht  usw.  Und  die  Kapitel  des  sechsten  Buches  sind  12,  von 
dem  ersten  und  zweiten  Gegner    usw. 

Gegen  letzteres  ist  zu  bemerken,  daB  in  dem  syrischen  Text  das 
Inhaltsverzeichnis  des  sechsten  Buches  nicht  12,  sondern  13  Kapitel  angibt. 

Aus  dieser  Notiz  entnehme  ich,  daB  zur  Zeit,  als  der  arabische 
Obersetzer  schrieb,  die  beiden  letzten  Biicher  von  Jesubochts  Werk  in 
einem  anderen  Werke  zirkulierten,  das  mit  dem  Titel  Die  Frucht  zitiert 
wurde  und  einen  Gabriel  zum  Verfasser  hatte.  Ob  hiermit  das  Rechts- 
buch  des  Erzbischofs  Gabriel  von  Basra,  der  nach  Assemani,  Bibliotheca 
orientalis  111,  202  um  das  Jahr  893  gelebt  haben  soil,  gemeint  ist?  Vgl. 
Ebedjesus  tadelndcs  Urteil  iiber  Gabriels  Werk  im  Tractatus  S.  221,  Kol.  1 
(Obersetzung  S.  54,  Kol.  2).  Es  ist  freilich  nicht  bekannt,  daB  Gabriels 
Werk  den  Titel  Die  Frucht  gefiihrt  habe.  Es  war  jedenfalls  urspriing- 
lich  syrisch  geschrieben;  vielleicht  ist  aber  hier  im  Zusammenhang  der 
arabischen  Obersetzung,  eine  arabische  Version  jenes  Werkes  gemeint, 
welche  den  Titel  Die  Frucht  gefiihrt  haben  mag. 

Bei  Arabs  II  finden  sich  leider  nur  wenige  Paragraphen  aus  den 
Biichern  V  und  VI  unseres  Corpus  juris,  die  in  den  folgenden  An- 
merkungen verwertet  sind. 

S.  133,  13.  im  mittleren  Satz  Z.6ff.  sind  zwei  Falle  angenotnmen: 
Ein  verschuldeter  und  ein  schuldenfreier  Maim.  Der  Vcrschuldete  schenkt 
seine  Habe  den  Seinigen,  wiihrend  sie  tatsachlich  seinen  Glaubigern  ge- 
hort.  Zweiter  Fall:  Der  Schuidenfreie  kontrahiert  cine  Schuid;  um  sic 
al)er  nicht  zu  bezahlen,  verkauft  er  seine  Habe  den  Seinigen. 


:r_'(i    — 

Das  Suffix  ill  »  eo;uo  S.  132,7,  inui  in  .00;^  /.  8  mu(5  vur- 
schiedene  Personen  bezeichnen.  Man  wiirde  claher  an  letzterer  Stelle 
«sOLi6j^  erwarten,  falls  nicht  noch  cine  andere  Korruptel  vorliegt. 

S.  133,38.  §  ().  Dariiber,  dafi  der  Erbiasser  nicht  jede  beliebij^je 
Person  zum  Erben  einsetzen  darf,  s.  Erbrecht,  Bucli  IV,  Kap.  IV  §  5. 

Uber  Sohne,  Eliefran  und  Kinder,  die  wegen  ihres  Betragens  ent- 
erbt  werden  konnen,  s.  daselbst  IV,  IV  §  1 1  und  IV,  V  §  3.  Ein  Sohn 
ohne  Gottesf  u  rcht  wiirde  auch  ein  solcher  sein,  der  vom  Christen- 
tuni  zum  Islam  iibertritt;  s.  IV,  IV  §  Q. 

S.  135,  13.  III.  Kapitel.  Dies  Kapitel  handelt  vom  Testament  und 
von  der  Zuwenduiiji:  inter  vivos  und  post  mortem,  zum  weitaus  groBten 
Teil  von  letzterer,  und  hierbei  zeigt  sicli  storend  der  sclion  S.  310  er- 
wahnte  Mangel  der  Terminologie  Jesubochts,  dal5  sie  keinen  Ausdruck  hat 
fiir  Legat,  riiit  dem  Wort  Gabe  oder  Geschenk  sowohl  das  Geschenk 
wie  das  Legat  bezeichnet,  wahrend  z.  B.  in  der  altesten  Redaktion  der 
Leges  Constantini  Theodosii  Leonis  das  Wort  Legat  in  der  prazisierten 

Form  xeyarov  *^S^,\  ,\  helbehalten  ist. 

S.  135,21.  Man  kann  die  Reste  dieses  Paragraphen  versuchsweise 
etwa  in  folgender  .\rt  erganzen: 

|.Zi)^.,i.3  ^»  2^.3caM{  Lx^&d  U'oja  .lo^i,  |  Ixs    Licu| 
l»xx  wis    l^i<w.3|>  w»6v3   l3:,>a>3 1   l^i^^s  h»  xA..  ii^a-a^ 

2x<m3  ;N.3o;^;s2p  S^J  «J>9  I^ocaaoe  .23i>:vs.»  |2^.3A{  ec7p 

S.  135,33.  Der  Text  S.  134,  19.20  von  ixo  o-SJ  oer  Ijaa  ^2 
bis  o^  3a]^lslp  ist  verderbt,  nieine  Ubersetzung  konjektural.  Es  wird 
jedenfalls  hier  wie  in  V,  I  §  4  deutlich  zwischen  Geben,  dare  =  <30Jj., 
und  Obergeben,  tradere  -  ^\t2,  unterschieden.  Vielleicht  ist  der 
Text  in  folgender  Weise  herzustellen : 
u.c;oum3  2i2L\  .^  2^^.A2  ^or  o2  23o  ec?  |oc-p|  laaa  ^2 

.01^  jaf.^i\l  a>,M  OCT 

Dies  wiirde  besagen,  dal5  ein  Mann  eine  Schenkung  (d.  i.  Versprechcn) 
an  Kind  oder  Oemahlin  unausgefiihrt  bieiben  lassen  kann,  soiange  er  lebt. 

S.  135,  46.  Icli  verstehe  diesen  Paragraphen  so,  daB  diese  Ver- 
fiigung  nur  auf  diejenige  Habe  des  Donators  Anwendung  findet,  welche 
er  seit  deni  Datum  sei  ner  Verf  iigung  erworben  hat,  wahrend  die- 
jenige Habe,  die  er  vor  dem  Datum  dieser  Verfiigung  besal5,  seinen 
Erben  verbleibt. 

S.  137,  12.  Dieser  Paragraph  lautet  in  Arabs  II  Bl.  21 1  a  1.2 
folgendermalkn : 

oU  IJlj  *->Vjl  iy>  J^")/^  L.  «-^.  '^^-^y    J^j  ^j  bl  ^i^-j^_\j 

.<]]    Ajjjj    ^LaJVl   *MiJ\  J->^   ^^ 


—     321     — 

Jesubocht.  Wenn  eiii  Mann  diirch  lestainent  eine  Saclie  dem 
besten  seiner  Kinder  vermacht  und  stirbt,  dann  untersucht  der  Leiter 
der  Kirche,  wer  der  Beste  sei,  und  iibergibt  sie  ihm.>< 

S.  137,  IS.    Dieser  §  8  iautet  bei  Arabs  II,  2: 

Und  was  er  (eiii  iMann  durcli  Testament)  einem  niinderjalirigen 
Sohne  vermacht,  darf  er  (dieser)  weder  verkaufen  noch  verpfanden;  wenn 
er  aber  15  Jalire  alt  ist,  hat  er  die  Verfiigunsj  dariiber. 

S.  137,50.     Der  §  11   Iautet  bei  Arabs  II  BI.  211a  4ff.: 

jU_)  cU  i\  4  ■^jj  '~^^    J^j  ^>  \i\   (d.  i.  C-i^-o^J)   Jlsj 

(J^)  J'r^  J'  \  ^'^jJ^.  a*r*  ^'^  y*"^^  ^^-.  '^JJ'  ^  Jf'  '-^  -^ 
^U-jI|  oAlju  Ip-^«j1-  i  jl   <~^^\  ^  Jlj  jlj  U4]  j^  A<  ^j  L.J  a^ 

Wenn  ein  Mann  durch  Testament  seiner  Fran  oder  Tochter  einen 
Garten  oder  anderes  vermacht  und  speziell  die  Bedingung  der  Ver- 
heiratung  mit  einem  Manne  hinzufiigl,  dann  haben  sie  die  Freiheit,  den 
einen  Christen  zu  heiraten  oder  den  anderen,  nnd  das  Legat  kommt 
ihnen  zu. 

Wenn  er  aber  in  dem  Testament  sagt:  ,Wenn  sie  nicht  einen  be- 
stimniten  Mann  heiraten,  bekommen  si^  nichts  von  dem  Legal,'  in  dem 
Falle  bekommen  sie  nur  dann  das  Legat,  ohne  mit  dem  bestinimten 
Manne  verheiratet  zu  sein,  wenn  der  Vater  der  Kirciie  denselben  in  Untcr- 
suchung  nimmt  und  findet,  daB  er  einen  Leibesfehler  iiat  (der  die  Ehe 
ausschlieBt). 

S.  139,  20.  §  14.  Dieser  Paragraph  enthalt  Bestimmungen  iiber 
die  Folgen  der  testamentarischen  Abfindung  erbberechtigter  Personen, 
Gemahlin,  Tochter  und  Sohn. 

Wenn  ein  Mann  Gemahlin  oder  Tochter  abgefunden  hat,  kommen 
zwei  Falle  in  Betracht: 

a)  sie  haben  keinen  .\nteil  an  seiner  Erbschaft  und  audi  nicht 
an  der  Erbschaft  seiner  Kinder  bzw.  seiner  andern  Kinder,  falls  er 
solche  hinterlalU; 

b)  hat  er  dagegen  au(5er  der  abgefundenen  Tochter  keine  erb- 
berechtigte  Kinder  hinterlassen,  dann  eriischt  die  Abfindung,  und 
damit  erlangt  die  genannte  Tochter,  eventuell  die  Frau,  wieder  ihr  Erb- 
rechtgegen  den  Testator,  das  vorher  durch  die  Abfindung  aufgehoben  war. 

Wenn  ein  Mann  einen  Sohn  abgefunden  hat,  sind  ebenfalls  zwei 
Falle  zu  unterscheiden: 

a)  wenn  der  Mann  mit  Hinterlassung  anderer  erbberechtigter 
Kinder  stirbt  und,  bevor  noch  die  Erbteilung  abgeschlossen  ist,  audi 
eines  dieser  Kinder  stirbt,  dann  wird  der  Erbteii  iles  verstorbenen 
Kindes  ijber  seine  iinterbenden  Oeschwister  verteilt,  und  der  ab- 
gefundene  Bruder  bekommt  weder  efwas  von  seinem  Vater  noch  von 
scinem  verstorbenen  Bruder  bzw.  seiner  Sdiwester; 

b)  wenn  dagegen  ilie  Erbschaft  des  Testiitors  unter  seinen  erb- 
berechtigten  Kindern    bereits    verteilt  ist    uml    nun    eines    der    letzteren 

Sachau,  Syrisclie  Rechtsbuchcr  MI.  21 


-     822       - 

stirbt,  daiiii  wird  cr  auch  von  detn  abjiefuiulenen  Soline,  seineni  Bruder 
beerbt.  Letzferer  tritt  wieder  in  sein  natiirliches  Erbrecht  ein,  und  die 
Folgen  der  Abfindimff  sind  erloschen. 

Im  Falle  a  ist  das  Erbrecht  zwischen  Vater  und  Kind  auf- 
gelioben,  dagegen  ist  im  Falle  b  das  Erbrecht  zwischen  Geschwistern 
nicht  aufgehoben,  sondern  besteht  zu  Recht. 

Meines  Erachtens  niufite  in  lit.  a  eine  Einschrankung  des  Ge- 
setzes  angegeben  werden.  Der  Erbteil  des  Kindes  B,  den  es  von  seinem 
Vater  A  erbt,  kann  wahreiid  der  Aufteilung  des  vaterlichen  Erbes,  bevor 
es  noch  Eigentiim  des  B  geworden  ist,  wenn  B  wahrend  dieser  Zeit 
stirbt,  nicht  aiif  seinen  abgefundencn  Bruder  C  vererbt  werden,  denn 
es  handelt  sich  nnch  um  die  Erbschaft  des  A,  und  ein  erbrechtliches 
Band  zwischen  A  und  C  besteht  nicht  mehr,  denn  C  ist  abgefunden. 
Also  C  kann  in  diesem  Fail  den  B  nicht  beerben. 

Anders  folgender  Fall.  B,  Sohii  des  A,  hat  vor  dem  Tode  seines 
Vaters  ein  eigenes  Vermogen  erworben.  Wenn  nun  wahrend  der 
Aufteilung  der  vaterlichen  Erbschaft  B  kinderlos  stirbt,  dann  hat  C 
ein  Erbrecht  gegen  den  Bruder  B,  denn  das  Erbrecht  zwischen  den 
Briidern  (Geschwistern)  ist  nicht  aufgehoben. 

Die  Bestimmung  in  lit.  a  gilt  also  nur  von  demjenigen  Vermogen 
des  erbberechfigten  Kindes,  das  es  von  seinem  Vater  erbt. 

Dieser  §  14  lautet  bei  Arabs  II  Bl.  211a  8ff.: 

jLil  oL.  blj  <S J  J"  ^1-2* J  '^_  *^j3  j'  "^  jLJI  ^i  jlj 

^  ^L^I-C*  jyl-  >V1  oVjl  (-b  U  <I*^_ 

>Wenn  ein  Mann  seiner  Jochter  oder  Gemahlin  etwas  vermacht 
und  sie  von  seinem  NachlaB  trennt;  wenn  dann  einer  der  Seinigen 
(ein  Kind  von  ihm)  stirbt,  wahrend  seine  iibrigen  Kinder  am  Leben 
sind,  dann  falit  die  Erbschaft  nur  den  letzteren  zu,  und  die  Frau  und 
jene  Tochter  sind  ausgeschlossen.  Wenn  aber  solche  Kinder  nicht 
vorhanden  sind,  dann  werden  die  Frau  und  jene  Tochter  zur  Erbschaft 
berufen  nach  der  oben  angegebenen  Bestimmung. 

Ebenso  wenn  eine  testamentarische  Bestimmung  in  betreff  eines 
Sohnes  vorhanden  ist.  Wenn  dann,  bevor  noch  der  NachlaB  des  Vaters 
verteilt  ist  und  ein  jedes  seiner  Kinder  seinen  Teil  bekommen  hat,  eines 
von  letzteren  stirbt,  bekommt  jener  (der  in  der  Testamentsbestimmung 
genannte  Sohn)  die  Erbschaft. 

Dieser  letzte,  ganzlich  irrige  Absatz  ist  aus  dem  Anfang  von 
Abs.  a  und  dem  Ende  von  Abs.  b  in  §  14  zusammengeflossen. 

S.  141,  5.  Das  vorhandene  Bruchstiick,  der  Rest  eines  langeren 
Paragraphen  iiber  eine  bedingte  Schenkung,  lautet: 

seinem  Genossen  (Nebenmenschen),  ,dal5  ich  dir  gegeben  habe', 
so  ist  das  nichts  (d.  h.  rechtsungiiltig).  Wenn  er  aber  erspricht:  ,Ich 
gebe  (es)  dir';  wenn  es  dann  von  ihm  gefordert  wird,  mul5  er  (es) 
kaufen  und  ihm  geben.  Wenn  er  aber  die  Sache  nicht  verkauft, 
schuldet  er  ihm  ihren  Geldwcrt.- 

Vielleicht  war  hier  von  der  Schenkung  einer  Sadie  die  Rede, 
welche  der  Schenkende  nicht  oder  noch  nicht  besitzt.  Wenn  ein 
Mann,  der  z.  B.  kein  Pferd  besitzt,  zu  einem  andern  spricht:  ,Ein 
Pferd  habe  ich  dir  hiermit  gegeben',  so  ist  das  nichtig.  Wenn  er 
aber  spricht:  ,lch  gebe  dir  (ein  Pferd)',  dann  mul5  er,  wenn  es  von 
ihm  gefordert  wird,  ein  Pferd  kaufen    und   ihm  geben    oder,    wenn    er 


—     H23     — 

es  nicht  verkauflicli  ist,  ihm  den  Preis  eines  solchen  zahlen.  In  diescm 
Fall  wiirde  der  Unterschied  der  beiden  Falle  durch  das  Perfekt  und 
das  Prasens  des  Verhums  geben  bedingt  sein. 

In   Arabs  II  Bl.  2Ila  sind  die  samtlichen  §§  15 — 18   ausgelassen. 

S.  141,  12.  Die  §§  IQ.  20  finden  sich  ohne  sachliche  Differenz 
bci  Arabs  II  Bl.  211a  I3ff.  Eine  Estira  (§  19)  ist  gleich  vier  ziize 
Oder  Dirhenis. 

S.  141,  30.     Dieser  §  22  laiitet  bei  Arabs  II  Bl.  211a  16ff.  so: 

'Wenn  ein  Mann  nominatim  genannten  Personen  einen  Sklaven, 
Garten,  Gehoft  oder  Geld  verschreibt  und  das  Geld  als  eine  bestimmtc 
Summe  angibt;  wenn  dann  der  Sklave  stirbt  oder  das  Gehoft  einstiirzt, 
wendet  sich  der  Verlust  nicht  zuriick  auf  die  Gesamtheit  (d.  li.  hat  die 
Gesamtheit  der  Erben  nicht  den  Verlust  zu  ersetzen). 

Und  wenn  das  Geld  zu  wenig  ist,  wird  es  erganzt  aus  deni  Vor- 
handenen  oder  von  der  Gesamtheit. < 

Das  syrische  2a\^  ist  hier  durch  «£.Li-|  wiedergegeben ;  es  kaini 

in  solchem  Zusammenhang  auch  Erb masse  bedeuten. 

S.  141,46.  Die  §§  23.  25  sind  bei  Arabs  II  Bl.  211b  Iff.  ohne 
nennenswerte  .^bvveichungen  vorhanden. 

S.  143,  31.  Die  §§  27.  28.  29  sind  in  Arabs  II  Bl.  211  b  5ff.  vor- 
handen. 

S.  143,  39.  Nach  diesem  §  28  ist  der  Testator  berechtigt,  seine 
gesetzlichen  Erben  von  seiner  Erbschaft  auszuschliefien.  Eine  genaue 
Fixierung  eines  Pflichtteils  fiir  Witwe  und  Kinder  findet  sich  bei  Jesu- 
bocht  nicht,  nur  in  betreff  der  Kinder  die  ganz  allgemein  gehaltene 
Bestimniung  in  Buch  V   Kap.  I    §  6. 

S.  143,  42.  Es  liegt  hier  (Text  S.  142,  22)  eine  Liicke  vor,  die 
wohl    auch    schon  Arabs  II  vorfand,    denn    bci    ihm    fehlt    diese  Stelle. 

Vielleicht  stand  in  der  Liicke:  [iio  o?'?  iM^J  d-  i-  "wie  viel  er 
auch  verlangen  mochte,  dali  ihm  gegeben  werde*.  Bei  Arabs  II 
Bl.  211b  7.8  lautet  der  Paragraph: 

Wenn  er  bestininit,  dal5  ,N  neben  meinen  Erben  einen  Teil 
meiner  Habe  bekommen  soil',  dann  bekommt  N,  wenn  es  ein  Mann 
ist,  den  Erbteil  eines  Mannes  oder,  wenn  es  ein  Weib  ist,  den  Erbteil 
eines  Weibes. 

S.  143,48.  §  1  findet  sich  auch  in  Tukkasa  Bl.  139b  14  -18  ebenso, 
ohne  Variante. 

S.  145,21.  Der  Ausdruck  in  Abs.  b,  bevor  er  niit  ihm  Erbschaft 
teilt  ,   kann   bedeuten:   bis  er   sein   Testament   macht,  d.  h.   bis  an  sein 


H24     — 

Lcbenseiule.  Dieser  Sinn  kaini  aher  liier  wolil  niclit  beabsichtij^t  seiii, 
ila  eiiie  Sozietat  docli  iiicht  notwendig  bis  zum  Tode  eines  Sozietars 
fortbesteiien  muB,  sondern  zii  seinen  Lebzeiten  aufgelost  werden  kann. 
Ich  nehiiie  dahcr  an,  dal5  jcner  Ansdruck  bedeuten  soil:  bevor  er  fder 
Adoptivvater)  mit  ilim  (dem  Adoptivsolin-Kompagnon)  Erbscliaft  (d.  h. 
seiii  Vcrmogen,  zu  dessen  Erben  er  ilin  mit  dem  Rechtstitel  eines  Kom- 
pagnons  berufen  hat)  teilt,  d.  li.  bevor  auf  seine  Veranlassung  die  Sozietat, 
weiclier  der  Adoptivvater  und  der  Adoptivsohn  angehoren,  aufgelost 
win!.      Wenn    diese    Aiiffassung    richtig,    ist    allerdings    der    Ausdruck 

2•Se^•^kd.  Erbscliaft    rcclit    inigenau,    denn    gemeint    ist  Sozietats- 

vermogen. 

Von  den  Erben  eines  Adoptivkindes,  das  zugleich  Kompagnon  ist, 
handelt  Buch  IV,  Kap.  V  §  4. 

S.  145,31.  Von  dieseni  Paragraphen  findet  sicli  der  erste  Absatz 
(Text  S.  144,  17—26)  audi  in  Tukkasii   Bl.  139b  18  — 140a  6. 

Kollation:  Text  S.  144, 19  M^dOCl  ^ecr^o^^osp  st.  v,00;:S^.0L3^? 
»3ivx2,  20  liMa  ^  St.  IhisXa,  20  ^?  iasjc  st.  lasjc,  24  ^ 

A^JSOX  -^lai  St.  l^aSos  ^oaoT,  das  ^So  nachfraglich  hinzugefiigt; 
25  Ua^Ou  St.  UNsou.,    25   au*  St.  3m3.  / 

S.  145, 49.    §6.     Der  eine  Passus  in   diesem   Paragraphen   (Text 

Bl.  146,  1.  2)  ZidSeSO  'yxo  X^  i^l  iso^ai  findet  sich  im  Tukkasa 
Bl.  140a  6 — 9  in  folgender  Oestalt: 

o2  2dv30k.\2:\3  .233.«A  ojaa^  2;sa3j^0uxp    L>.».3    w\«l^ 

.u>07  3  23w>2  2asoo^3  e2  2«S^>OJU 

Dasselbe  gilt  von  eineni  Geschenk,  das  von  Konigen  und  Grolkn 
denjenigen  gegeben  wird,  welche  einander  den  Eid  der  Sozietat  gegeben 
haben    mit  Bezug  auf  Handel  oder  Funde  oder  irgend  etwas  anderes. 
Der  iibrige  Inhalt  des  §  6  findet  sich  in  Tukkasa  nicht. 
Der  Text  von  Arabs  II  ist  fehlerhaft: 

j»j\  (fJ^)  Jl^l  1^  ^A^l  -^jj  i^V^  c^  (>:  j^  j\  ^/".J 
^^  ^-  i  j\  iS^ll  J^\>j  ^^  aij  j  Xj^  ^^}  \^^  rj^  ^^^  '^ 

:^^\  zM\ 

»Wenn  unter  Leuten  eine  Kompagnie  besteht,  und  einer  der 
Kompagnons  etwas  bekommt  wegen  einer  Kriegstat,  die  I'nit  einem 
Konigsgeschenk  bedacht  ist,  so  haben  nach  der  Ansicht  einiger  die 
Kompagnons  hieran  keinen  Anteil.  Und  in  betreff  der  Kompagnie 
(Sozietat)  sagen  sie,  dali,  wenn  das  Geschenk  nicht  untor  ilinen  verteilt 
wird,  die  Kompagnie  aufgelost  ist.' 

S.  147,  38.  §  5.  Der  vorliegende  Text  liilU  sich  in  folgender  Weise 
iibersetzen:  Wenn  ein  Mann  zu  einem  anderen  spricht:  ,Eine  Eselin 
von  ihrem  Fiillen  (sic),  welche  30  Estire  wert  ist,  ist  mir,  und  ich 
habe  sie  dir  gegeben',  dann  ist  ihm  (dem  Beschenkten)  das  Fiillen  nicht 
gegeben,  (sf)ndern  niu'  tlic  Esolin). 


—     H25      — 

Wemi  cr  dagegen  spriclit:  ,Eine  Eselin  von  ihrciii  Fiilleii  (sic) 
ist  niir,  unci  sie  ist  20  Estire  wert.  Ich  hahe  (sie)  dir  gegeben",  dann 
ist  ihm  audi  das  FuUen  gegeben. 

Ob    etwa    anstott   gt\*a...  ^    in   beiden    Fallen   q;\.X    aiiy  zu 

lesen  ist?  Dann  konnte  der  I'litcrschied  der  beiden  Stipulationen  darin 
liegen,  dalJ  es  im  ersten  Fall  heiBt,  ich  habe  sie  (die  Eselin)  dir  ge- 
geben,  wahrend  im  zweiten  Fall  in  dem  Ausdruck  ich  habe  dir  ge- 
geben  als  Objekt  alles,  was  in  der  vorhergehenden  Erklarung  angefiihrt 
ist  (Eselin  samt  Fiillen),  aufzufassen  ist. 

S.  147,49.  §  6,  Abs.  2.  3.  Der  hier  zwischen  Weinstock  und  Palm- 
baum  gemachte  Unterschied  ist  vielleicht  daraus  entstanden,  daB  der 
hohe  Palmbauni  etwa  als  ein  Individuuni  fiir  sich  und  als  besonders 
kostbar  angesehen  wurde.  Die  Dattelpalme  braucht  vielejahre  Wachstum, 
bevor  sie  Frucht  tragi.  Dagegen  gait  der  Weinstock,  am  Boden  liegend. 
vielleicht  vie!  mehr  als  mit  dem  Boden,  auf  dem  er  steht,  verwachsen, 
und  ist  allein  an  und  fiir  sich  als  einzelner  Weinstock  von  verhaltnis- 
maBig  geringem  Wert.  Die  Steuer  wird  vom  einzelnen  Palmbaum  er- 
hoben,  nicht  vom  einzelnen  Weinstock.  Was  aber  auch  der  Orund  sein 
mag,  Weinfeld  und  Palmenwald,  Weinstock  und  Palme  werden  vom 
Gesetzgeber  in  charakteristisch  verschiedener  Weise  hehandelt. 

S.  149,35.  hii  ersten  Absatz  von  §  10  liegt  vielleicht  eine  kleine  Text- 
verderbnis  vor,  wenn  auch  fiber  den  Sinn  kaum  ein  Zweifel  bestehen  kann. 

Wenn  man  mit  Umstellung  des  Wortes  'PSM  im  Text  S.  148,  21.  22  liest: 

30CO  w.erTa^  ^or^^  op>bo    ^a^be  ojS  \,ntp  IsolX.  oor  *^2 

'Wenn  der  Mann,  der  etwas  (eine  Teilzahlung)  von  ihtn  (dem  Stipu- 
lanten)  bekommen  hat,  sich  gegen  ihn  wendet,  dann  wird  von  ihm  (von 
seiten  des  Stipulanten)  das,  was  er  (jener  bereits)  bekommen  hat,  ge- 
fordert  (zuriickgefordert),  und  dann  iibergibt  er  (der  Stipulant)  ihm 
(jenem)  jenen  Acker  oder  jenes  Haus,     ist  vielleicht  geholfen. 

S.  151,16.  Die  §§  1—9  und  11  sind  bei  Arabs  II  Bl.  211b  und 
212a  vorhanden,  durchweg  in  sehr  verkiirzter  Form. 

Zu  §  1  ist  zu  bemerken,  daB  hiernach  der  Verzicht  der  Kinder 
zugleich  fiir  die  Witwe  Rechtskraft  hat. 

S.  151,47.  Zu  der  Dos  als  Schuldforderung  gegen  den  Nachlafi 
des  Gatten  vgl.  Syrisch-Romisches  Rechtsbuch  §  111,  die  Anmerkungen 
von  Bruns  S.  280  und  Syrische  Rechtsbucher  I,  S.  127,  §  140. 

S.  153,  16.    Dieser  §  5  lautet  bei  Arabs  II   Bl.  212a: 
^  ^yyi\  .L^;  ^>_  V  i5^l  ^  \'j  bl  jVjVIj  '\J.\  Ji  Jy>j 
L.  jj  1>*>1  ^J^  ijM  w^l-»j  *-Jl  j>->^  jjl  i^>^^  '-^  '^  {"^^J^ 
.v_3-\^   ^r->i  \.xt>j  Z\iti\  JUi  oJl  J-  (zerstort) 

Wenn  Frau  und  Kinder  sich  lossagen  von  dem  NachlaB,  brauchen 
sie  die  Schuld  des  Verstorbenen  nicht  zu  zahlen,  wenn  sie  auch  in  seinem 
Hause  mit  Erlaubnis  des  Leiters  der  Kirche  und  des  Glaubigers  wohncn. 
Oftmals  hat  man  sie  gezwungen  zuriickzugeben,  was  sie  aus  dem 
Hause  (des  Verstorbenen)  nach  seinem  Tode  hatten.  Das  ist  aber  nicht 
notwendig. 

S.  153,30.  §8.  Der  Anspruch  der  ledigen  Tochter  gegen  den 
NachlaB  ihres  verstorbenen  Vaters,  von  dem  hier  die  Rede  ist,  kann 
meines  Erachtens  nur  der  Rechtsanspruch  der  Tochter  auf  eine  von  ihrem 
Vater  zu  gcwahrendc  Aussteuer  sein.    Vgl.  IV,  I    i?  5,  h    §§6  und   12. 


—    :m\    — 

S.  153,57.  Icii  iielime  an,  dali  in  cliesem  §  10  wic  in  §  11  ini 
i7iittelpersischen  Original  fiir  >X3?  ein  pragnanleres  Wort  gestanden  hat, 

ein  Ausdruck  fiir  I'rozeBf iihren,  and  vcrstehe  diesen  Paragraphen  so: 
Wenn  z.  B.  in  einer  Erbschaftsverhandiung  jemand  auf  jedes  Recht  gegen 
die  Erbsciiaft  verzichtet,  sich  aber  hinterher  eines  anderen  besinnt,  kann 
er  nur  dann  ini  ProzeBwege  seinen  Anspruch  geJtend  machen,  wenn 
die  erbberechtigte  Partei  sich  damit  einverstanden  erklart. 

Zii  Text  S.  154,  1    ist  auffalHg,  daB  eine  Person,  auf  welche  sich 

das  007   (in    oojs   iJSfx \ to. '\.lf)   i^?)    bezieht,    vorher    nicht  genannt 

ist.     Die  Form  Jl*3p  in  deni  hier  geforderten  Sinne  kann  ich  nicht  be- 

iegen;  vielleicht  darf  man  sie  nach  Analogic  von  » «\y,  ^3>m  auM>2 
zulassen.     Arabs  II  hat  diesen  Paragraphen  ausgelassen. 

S.  155,  1.  Wenn  ich  recht  sehe,  bezieht  sich  dieser  Paragraph  auf 
Verhaltnisse,  die  z.  B.  bei  einem  Erbschaftsstreit  vorkommen  konnen. 

Absatz  a:  Bei  Gelegenheit  einer  Erbschaftsteiiung  erklart  z.  B.  eine 
den  Erben  unbekannte  Person;  Der  oder  der  Acker  des  Nachlasses 
gehort  mir«  und  erhebt  einen  ProzeB,  um  sein  Recht  zu  erstreiten. 
Wahrend  dieser  Zeit,  pendente  causa  kann  er,  wenn  er  will,  zur  Be- 
zahlung  der  Schulden  des  Erblassers  mit  herangezogen  werden. 

Absatz  b:  Wenn  jemand  das  Eigentum  an  einer  Sache,  die  er  in 
seiner  Verfiigung  hat,  durch  ProzeS  erstreiten  will,  und  den  ProzeB  ver- 
liert,  nachdem  er  sich  vorher  als  mithaftbar  fiir  die  Schulden  des  Erb- 
lassers erklart  hatte,  dann  ist  diese  seine  Erklarung  hinfaliig,  d.  h.  er  hat 
dann  keinerlei  Haftpfiicht  fiir  die  Schulden  des  Erblassers. 

Ob  der  Text  ganz  intakt  ist,  besonders  in  Abs.  a,  kann  wohl 
zweifelhaft  sein.     Arabs  II  Bi.  212a  hat  mehr  geraten  als  verstanden: 

Der  Mensch  ist  nur  dann  berechtigt  sich  von  einer  Sache  los- 
zusagen,  wenn  sie  in  seiner  Hand  ist,  sei  es  Haus  oder  Garten  oder 
anderes.< 

S.  155,  13.  Die  §§  1  und  2a  sind  in  Arabs  II  Bl.  189a  sowie  in 
Tukkasa  BI.  138b  23— 139a  13  ijberliefert. 

Kollation:  Text  S.  154,10  iio  ^  o2  ^fo2  »^ooj*^ak-d  st. 
k^9o2  ^ocrs^o  ^»  s,2o  vOOVo^Sk^,  11  }J(a2o  st.  Ixilpo.  13 
sdsip  St.  ^u.^^^,  14  Z^^.^oe  st.  Z^^^e  l^^J^oe,  17  o^^p  st. 
cf\^,?  pioa,  17  Jbtaap  st.  U'y^lp. 

§  1  handelt  von   beweglicher  Habe  (Mobiliarbesitz)   als  Pfand. 

Vorhanden  sind  mehrere  Glaubiger,  aber  unter  ihnen  nur  ein 
Pfandinhaber. 

Nach  Tod  oder  Bankrott  des  Schuldners  kann  der  Pfandinhaber 
das  Pfand  unter  Kontroile  des  geistlichen  Gerichts  und  seiner  Beisassen 
veriiuBern,  sich  aus  dem  Erios  bezahlt  machen,  und  muB  den  etwa 
iibrigbleibenden  Rest  den  andern  Gliiubigern  zur  Befriedigung  ihrer 
Forderungen  iiberlassen. 

In  diesem  Falle  wird  die  zeitliche  Reihenfolge  der  von  dem 
Scluildner  eingegangencn  Verpflichtungen   nicht  beriicksichtigt. 


—     327     - 

Bei  diesem  §  1  wie  hei  §  2  ist  die  Voraussetzuna:,  dal5  die  Erben 
des  verstorbenen  Schiildners  sich  von  seiner  Erbschaft  losgesagt  haben. 
Vgl.  §  3a. 

S.  155,24.  §2  handelt  von  unbeweglicher  Habe  (Imniobiliar- 
besitz),  die  durch  schriftliche  Uri<unde  verpfandet  ist. 

Erster  Fall:  Vorhanden  niehrere  Glaubiijer,  aber  unter  ihnen 
nur  ein  Pfandinhaber,  der  das  Pfand  besitzt.  Der  Pfandinhaber  ist  der 
Zeit  nach  der  erste  in  der  Reihe  der  Glaubiger. 

Er  ist  berechtigt  sich  seibst  zuerst  bezahlt  zu  machen,  und  verpflichtet 
den  etwa  verbleibenden  Rest  den  iibrigen  Glaubigern  zu  iiberlassen. 

Zweiter  Fall:  Der  Pfandinhaber  ist  nicht  der  Zeit  nach  der 
erste  Glaubiger,  sondern  z.  B.  der  vierte  oder  fijnfte.  Fur  diesen 
Fall  gab  es  zweierlei  Bestimmungen: 

a)  der  erste  Glaubiger  macht  sich  zuerst  vollstiindig  bezahit; 

b)  der  erste  Glaubiger  bekomint  zuerst  sein  Kapital  (nicht  die 
Zinsen)  zuriick,  und  der  Rest  wird  iiber  die  iibrigen  Glaubiger  verteilt. 

Dritter  Fall:  Weder  der  erste  Glaubiger  noch  ein  spaterer  hat 
das  Pfand  in  seinem  Besitz,  schriftlich  ist  es  aber  nur  dem  ersten 
Glaubiger  verpfandet. 

Der  erste  Glaubiger  darf  sich  aus  dem  verpfandeten  Gut  sein 
Kapital  (nicht  die  Zinsen)  zuriicknehmen. 

Vierter  Fall:  Das  Pfand  ist  zugleich  zwei  Glaubigern  ver- 
pfandet und  es  befindet  sich  nicht  im  Besitz  des  ersten,  sondern  des 
spateren  Giaubigers. 

Die  beiden  Pfandinhaber  machen  sich  zugleich  aus  dem  Pfand 
bezahit. 

Fiinfter  Fall:  Vorhanden  mehrere  Glaubiger,  aber  eine  Ver- 
pfandung  hat  nicht  stattgefunden. 

Die  Glaubiger  teilen  sich  die  Habe  des  Schuldners,  eventuell 
seinen  NachlaB.  Wenn  der  Schuldner  noch  lebt  und  das  von  ihm 
verpfandete  Objekt  zur  Zahlung  seiner  Schuld  nicht  ausreicht,  fordern 
sie  von  ihm  den  Rest  der  Schuld,  d.  h.  der  Schuldner  nniB  in  der 
Folgezeit  den  Rest  seiner  Schuld  abtragen. 

Dieser  Paragraph  unterscheidet,  ob  das  Objekt  (die  Habe  des 
Schuldners)  in  der  Hand  oder  in  den  Handen  eines  Giaubigers, 
Oder  ob  es  bei  ihm  verpfandet  ist  (S.  154,  15.  18.  19.  22.  23.  24. 
25. 26. 27).  Ich  verstehe  unter  ersterem,  da(5  das  Objekt  sich  im 
faktischen  Besitz  des  Giaubigers  befindet,  ihm  ubergeben  vvorden  ist, 
daB  er  nicht  etwa  bloB  die  Verpfandungsurkunde  in  der  Hand  hat, 
sondern  das  Objekt  seibst.  Der  Verfasser  unterscheidet  demnach  zwei 
Arten  der  Verpfandung,  die  eine  ohne  traditio  des  Objekts,  die  andere 
mit  traditio  desselben.     Vgl.  hiermit  den  folgenden  §  3. 

Es  verdient  bemerkt  zu  vverden,  dal?  Ebedjesu  in  seinem  Tractatus 
S.  239  Kol.  I,  Z.  10  zwar  die  weltlichen  Richter  eru-ahnt,  aber  ihre 
Ansicht  auslaBt,  dagegen  die  Ansicht  der  kirchlichen  Richter  mit- 
teilt,  aber  unkritischer  Weise   als   diejenige    der    weltlichen  Richter. 

Jesubocht  nennt  drei  Arten  Richter: 

Die  Richter  der  Kirche  V,  VII,  S.  42;  VI,  I,  S.  75. 
Weltliche  Richter  V, VII,  S.37;  V.VII,  S.  50.  51 ;  Vi,ll,  S.83. 
Judices  extranei  VI,  I,  S.  76;  V,  Vll,  S.  42. 

S.  155,  55.  §  3  unterscheidet  folgende  drei  Falle  der  Befriedigung 
der  Konkursglaubiger: 

Erster  Fall:  Vorhanden  Glaubiger  ohne  Pfand  und  Glaubiger, 
denen  eine  unbewegliche  Habe  verpfandet  ist,  die  aber  diese  Habe 
nicht  in  ihrem  Besitz  haben,  wohl  aber  die  Verpfandungsurkunde. 

Der  der  Zeit  nach  erste  Glaubiger  macht  sich  aus  dem  Eigentum 
des  Schuldners  bezahit,    und  der  Rest  fallt  den  iibrigen  Glaubigern  zu. 


—     :v2s    -^ 

Zweiter  Fall:  Wcnn  iiiclit  blol5  an  eineii  ersten,  sondern  audi 
an  (.iiicii  zweiten  Oiaubigcr  (dassclbc)  Feld  oder  Hans  schrifllich  ver- 
pfiitKlet  ist,  teilcn  sie  sich  das  Pfand  nacii  MaBgabe  ihrer  Forderungen. 

Drittcr  Fall:  Vorhanden  mehrere  Glaubiger,  aber  eine  Ver- 
pfandung  iiat  nicht  stattgefunden.  Sie  teilen  sicli  die  vorhandene  Habe 
des  Schuldners  nach  MalJgabe  ihrer  Forderungen. 

S.  157,  14.  §  4.  Wenn  mehrere  Glaubiger  vorhanden  sind  und 
diese  sich  gegenseitig  verklagen  (z.  B.  deshalb  weil  der  zweite  Glaubiger 
von  dem  ersten  mchr  verlangt,  als  dieser  ihm  geben  will,  oder  deshalb, 
weil  der  erste  Pfandinhaber  das  Pfand  zu  billig  verauBern  will,  so  daB 
etwa  fiir  die  Befriedigung  des  zweiten  nichts  iibrigbleiben  wiirde), 
dann  laBt  das  Gericht  das  Pfandobjekt  taxieren,  und  es  (das  Pfand- 
objekt?)  dem  ersten  Glaubiger  iibergeben. 

a)  Wenn  dann  der  erste  Klager  zugleich  der  Zeit  nach  der  erste 
Glaubiger  ist,  ist  er  berechtigt  die  Habe,  die  er  in  seinem  Besitze  hat, 
solange  dem  zweiten  Glaubiger  vorzuenthalten,  bis  er  sein  Kapital 
(nicht  die  Zinsen)  daraus  zuriickgewonnen  hat 

b)  Ist  dagegen  der  erste  Klager  nicht  der  erste  Glaubiger,  dann 
teilen  sich  die  beiden  Glaubiger  das  Pfand  nach  .MaBgabe  ihrer 
Forderungen. 

S.  157,  27.  §  5.  Wenn  der  Eigentiimer  eines  verpfandeten  Grund- 
stucks  es  verkauft,  so  kann  es  erst  dann  dem  Kaufer  iibergeben  werden, 
nachdem  der  Schuldner  die  Schuld,  zu  deren  Sicherstellung  das  Pfand 
gegeben  war,  dem  Glaubiger  ausgezahlt  hat. 

Es  kann  danach  ein  verpfandetes  Grundstiick  erst  dann  seinen 
Eigentiimer  wechseln,  nachdem  es  aus  der  Pfandverbindlichkeit  gelost  ist. 

S.  157,  33.  §  6.  Nach  Absatz  b  darf  der  Schuldner  ein  dem 
ersten  wie  dem  zweiten  Glaubiger  verpfandetes  Objekt  an  den  ersten 
Glaubiger  verkaufen,  und  dies  Geschaft  ist  wirksam,  falls  der  gezahlte 
Preis  dem  wirklichen  Wert  des  Objekts  entspricht. 

Wenn  aber  der  zweite  Glaubiger  nachweisen  kann,  daB  der 
Schuldner  das  Objekt  an  den  ersten  Glaubiger  unter  seinem  Wert 
verkauft  hat,  dann  ist  dies  Geschaft  nicht  wirksam.  Wenn  der 
Schuldner  z.  B.  an  den  ersten  Glaubiger  ein  Pferd,  das  3000  Mark  wert 
ist.  um  2000  Mark  verkauft,  so  wird  der  zweite  Glaubiger  dadurch  ge- 
schadigt,  daB  ihm  das  Pfandungsrecht  gegen  einen  Wert  von  1000  Mark 
entzogen  wird.  Wenn  er  daher  nachweisen  kann,  daB  das  Pferd  in 
der  tat  3000  Mark  wert  ist,  kann  jener  Verkauf  nur  dadurch  Wirk- 
samkeit  erlangen,  daB  der  Kaufer,  d.  i.  der  erste  Glaubiger,  ihm,  dem 
zweiten  Glaubiger,  die  Differenz,  d.  i.  den  Betrag  von  1000  Mark,  fiir 
die  Ausiibung  seines  Pfandungsrechtes  zur  Verfiigung  stellt. 

S.  159,  4.  §  8  handelt  von  dem  Fall,  daB  der  Schuldner  zur  Sicher- 
stellung seines  Glaubigers  durch  schriftliche  Urkunde  ihm  sein  Ver- 
mogen  in  toto  als  Pfand  stipuliert,  ohne  ein  bestimmtes  Objekt  seines 
Vermogens  als  Pfand  zu  bestimmen,  oder  daB  er  dem  Glaubiger  irgend 
etwas  nicht  naher  bestimmtes  aus  seinem  Vermogen  zum  Kauf  anbietet. 
In  welcher  Weise  ist  in  diesem  Fall  der  Schuldner  in  der  Verfiigung 
iJber  seine  Habe  beschrankt? 

Erste  Entscheidung:  Der  Schuldner  darf  von  seiner  gesamten 
Habe  nichts  verauBern,  solange  er  nicht  seine  Schuld  bezahit  hat.  Falls 
er  trotzdem  etwas  davon  verauBert,  kann  der  erste  Glaubiger,  dem  jene 
Urkunde  ausgestellt  ist,  es  fiir  sich  reklamieren. 

Zweite  (kirchliche)  Entscheidung: 

a)  Hat  der  Schuldner  dem  Glaubiger  eine  Verkaufsurkunde  aus- 
gestellt, so  wird  der  Verkauf  gemaB  der  Urkunde  ausgefiihrt. 


—     329     — 

b)  Liegt  aber  eine  Verpfandiing  vor,  so  kniiii  der  Sclnikliicr, 
falls  der  Olaubiger  das  zu  vvahicnde  Pfandobjekt  bestimmt  hat,  iibcr 
seine  Habe  -  init  Ausnahmc  dieses  i^faiidobjekts  -  frei  verfiiijeii. 
Falls  dageuen  der  Olaubiijcr  seine  Wahl  noch  nicht  getroffen  hat, 
kann  der  Schnldner  iibcr  seine  Habe  niit  Aiisnahnie  eines  solchen 
Teiies,  der  dein  Werte  der  Schnid  entspricht,  frei  verfiigen. 

Der  Absatz  d  handelt  nnn  von  deni  Znwiderhandein  gegeii  die 
Bestimmungen  des  Absatzes  b.  Wenn  der  Scliuldner  widerrechtlicii 
das  Pfandobjekt,  das  sein  Glaubiger  fiir  sich  ansgesiicht  iiat,  verauBert, 
was  dann? 

Erste  Entscheidimg:  Der  Glaubiger  ist  nicht  berechtigt,.  von  deni 
Schuldner  BuBe  (fiir  die  Rechtsverietzung)  zu  fordern.  Ini  iibrigen 
bleibt  natiirlich  seine  Forderung  zu  Recht  bestehen. 

Zweite  Entscheidung:  Der  Glaubiger  hat  keinen  Anspriich  auf 
BuBe,  und  im  iibrigen  inuii  das  eine  von  zwei  Dingen  geschehen: 
der  Schuldner  bezahlt  dem  Glaubiger  seine  Scinild,  oder  der  Glaubiger 
efl<lart  sich  daniit  einverstanden,  irgendein  Objekt  aus  der  Habe,  die 
der  Schuldner  noch  hat,  an  Stelle  des  urspriinglich  von  ihin  aus- 
gewiihlten  Objekts  als  Pfani.1  anzunehnien. 

S.  159,  38.  §  9.  Von  den  Rechten  und  Pflichten  der  Pfand- 
inhaber  (Schuldner)  eines  Glaubigers  unter  einander. 

Der  Inhaber  eines  iiberwertigen  Pfandes  hat  nicht  die  Verpflichtung, 
dem  Inhaber  eines  minderwertigen  Pfandes  das  Minus  zu  ersetzen. 
Letzterer  hat  aber  das  Recht,  wenn  das  Pfand  dem  stipulierten  Wert 
nicht  entspricht,  jederzeit  sicii  das  fehlende  nachzahlen  (oder  in  Gestalt 
eines  Zusatzpfandes  nachtragen)  zu  lassen. 

S.  159,48.  §10.  Die  Unterscheidung  zwischen  Fruclit  und 
Wurzel,  Ususfructus  und  Substanz,  diirfte  so  aufzufassen  sein,  dali  z.  B. 
der  Gebrauch  eines  verpfandeten  Pfluges  Ususfructus  (Antichrese?),  nicht 
Substanz  ist,  wahrend  dagegen  ein  in  der  Verpfandung  geborenes 
Kamelfiillen  Substanz  ist,  nicht  Ususfructus. 

S.  161,  9.  §11.  Wenn  der  Schuldner  den  Termin,  zu  dem  er 
seine  Schuld  bezahlen  will,  niclit  angegeben  hat,  oder  einen  solchen 
Termin,  falls  er  ihn  angegeben,  nicht  innegehalten  hat,  so  kann  der 
Glaubiger  (Pfandinhaber),  der  das  Pfand  mit  Wisscn  des  Schuldners  an 
einen  andern  weiter  verpfandet  hat,  wenn  nun  der  Schuldner  seine 
Schuld  tilgen  will,  ihn  an  den  zweiten  Pfandinhaber  verweisen.  Das 
Geschiift  der  Schuldentilgung  vollzieht  sich  dann  —  mit  Ausschaltung 
des  ersten  Pfandinhabers  —  zwischen  dem  Schuldner  und  dem  zweiten 
Pfandinhaber. 

S.  161,  38.  46.  §  12.  Der  SchluBpassus,  daB  der  Kurator  den 
Glaubigern  von  den  Zinsen  der  Schuld  soviel  als  moglich  abzielien 
soil,  ist  aus  der  prinzipiellen  Abneigung  des  geistlichen  Gesetzgebers 
gegen  jede  Art  von  Zinsnehmen  zu  erklaren.     Vgl.  Kap.  IX   §  1. 

S.  163,  n.  Die  §§  15—19  sind  vorhanden  bei  Arabs  II  Bl.  I89a. 
Dieser  §  15  lautct  dort: 

Wenn  jemand  verschuldet  ist  und  ein  Feki  oder  Gehoft  an  einen 
Andern  verschenkt  hat,  so  soil  vorher  hieraus  seine  Schuld  bezahlt 
werden.  Voraussetzung  dieses  Paragraphen  scheint  mir  die  zu  sein, 
daB  das  Eigentum  des  Versclnildeten  nicht  groBer  ist  als  seine 
Schuldenmassc. 


I 


—    no    — 

S.  163,  23.  §  17.  Das  ProzeBfiihren  von  seiten  des  Schuidners 
wiirde  darin  besteheii,  daf5  cr  durch  Zeugenaussapen  oder  durch  Schrift- 
stiicke  vor  deni  Oerichte  nachweisen  miiBte,  daB  das  fragliche,  in  der 
Hand  des  Olaubigers  befindliche  Objekt  sein,  des  Schuidners  Eigentiim 
sei,  und  daI5  es  als  Ptand  in  tlie  Hand  des  Olaubigers  gelangt  sei, 
walireiid  der  Olaubiger  z.  B.  etwa  behauptet,  das  Objekt  sei  ihm  von 
dein  Scluildner  als  fleschenk  ziigekomnien. 

S.  163,  50.    §  IQ.     Der   Text    dieses    Paragraphen    bei    Ebedjesu, 

Tractatus   S.  236    Kol.  2    ist   verderbt.     Die  Worte    ^cre^s^I   ta^S, 

♦v^oo^Ao  Sum  >\a    i,^    .caoUiS  sind  ausgefallen,  ebenfalls  die  Worte 

X^&3M   1^3   2Xj>»   u.0M|e{   im  SchluBsatz. 

S.  163,  54.  Die  drei  kurzen  Satze  dieses  §  20  durften  in  folgendfr 
Weise  zu  deuten  sein:  Wenn  eine  Schuldurkunde  iiber  eine  aus  Kapital 
und  Zins  bestehende  Scliuld  prnduziert  wird  und  sich  nun  herausstellt, 
dafi  das  Kapital  nicht  (noch  nicht)  zuriickgezahlt  ist,  dann  kann  der 
Giaubiger  auch  nicht  die  Zinszahlung  von  dem  Schuldner  verlangen. 
Bei  Arabs  II  ist  dieser  Paragraph  ausgelassen.  Es  kann  wohl  fraglich 
sein,  ob  hier  der  Te.xt  richtig  iiberliefert  oder  ob  etwa  dem  syrischen 
Ubersetzer  seine  Ubersetzung  recht  gelungen  ist. 

S.  165,  1.  §  21.  Der  gewohnliche  Hergang  ist  der,  daB  nach 
dem  Tode  eines  verschuldeten  Mannes  zuerst  seine  Schulden  aus  dem 
NachlaB  gezahit  werden  und  dann  erst  die  Verteilung  des  iibrig- 
bleibenden  Restes  unter  den  Erben  stattfindet.  Im  Gegensatz  hierzu 
besagt  Abs.  1  dieses  Paragraphen,  daB  auch  nach  vollzogener  Erbteilung 
der  Glaubiger,  der  etwa  von  dem  Tode  des  Schuidners  nicht  rechtzeitig 
Kenntnis  bekommen  hat,  die  Schuld  einfordern  kann,  nach  dem  ersten 
Absatz  von  seinen  Sohnen  (Kindern  des  Mannes),  vorausgesetzt 
natiirlich,  daB  diese  nicht  vom  Vater  enterbt  sind  oder  sich  nicht  von 
seinem  Erbe  losgesagt  haben  (V,  VI  §  1),  nach  dem  zweiten  Absatz 
von  seinen  Erben,  unter  denen  neben  seinen  Kindern  auch  Fremde 
sein  oder  weiche  ausschlieBlich  Fremde  sein  konnen. 

In  dem  Text  S.  164,  5  liegt  eine  alte  Liicke  vor,  es  fehit  ein  Wort 
fiir  anvvesend.  Die  anwesenden  Erben  zahlen  zugleich  auch  fiir 
die    abwesenden    und  fordern    von   diesen    das   Ausgelegte   wieder  ein. 

Ebedjesu  hat  die  Liicke  durch   •^OO^Aa    sie  alle  ausgefullt,   was  dem 

Sinne  nicht  gerecht  wird.  Der  in  Rede  stehende  Gegensatz  ist:  an- 
wesende  und  abwesende  Erben,  wahrend  Ebedjesus  Wortlaut  den 
Gegensatz:  Erben  und  Nicht-Erben  ergibt,  und  letztere  sind  be- 
kanntlich  nicht  zur  Zahlung  der  Schulden  des  Erblassers  verpflichtet, 
da  die  Schuld  auf  der  Erbmasse  ruht. 

Der  Text  der  romischen  Handschrift  scheint  auch  dem  Arabs  II 
BI.  189a  19— 189b  2  vorgelegen  zu  haben.    Text: 

»Die  Schuld  des  Vaters  muB  bei  der  Teilung  seines  Nachlasses 
von  seinen  Sohnen  gezahit  werden.  Von  Rechts  wegen  gebiihrt  es 
sich,  daB  von  jedem  einzelnen  (Erben)  sein  ,\nteil  (d.  h.  der  auf  ihn 
entfallende  Teil  der  viiterlichen  Schuld)  gefordert  wird  und  daB,  wenn 
eiiier  von  ihnen  nicht  vorhanden  ist  (sic),  die  Forderung  an  die  vor- 
JKiiulonen  "erichtet  wird. 


—     331     — 

S.  165,  33.  §  1.  Der  Text  ist  sdnverlich  ganz  intakt,  meine  Obcr- 
setzung  ein  Versucli,  den  iiberlieferteii  Text  zu  retten.  Ebedjesu  sjibt 
diesen   Paragraphen    in   seiiiem    Tractatiis,   und   in    seinem   Tiii<kasa  die 

§§  1    und   2  bis    l.>yV..a3  ^O07^aOM^   ^Ok^a^   ^oAdvi    iL^po 

^ov>>«S-»^     ohne  den  Giaubigern,  denen  das  gefahrdete  Objekt  geschuldet 
wird,  etwas  abzugeben. 

Die  Abvveidningen  desTukkasa  Ri.  137b,  1 1  — I3Sa,  16sindfoigende: 

S.  164,  IS  :^J.J0  fehlt,  21  lVyt.da  st.  Z\j-tta?,  2ft  fehlt  ^i, 
26  nach  Wl  ia\\  fiigt  Tukkasa  hinzii:  U'loW  i0.i»p  1^  ol 
>oder  nachdem  es  (das  Schift")  in  den  Hafen  geiangt  ist.  2Q  iVn^N  o^^ 
St.  I>tl\!S.  166,2  o  X^'a^   lulpe  st.  lulpo. 

Ein  in  der  ersten  Halfte  unverstandlicher  Reflex  dieses  Paragraphen 
findet  sich  bei  Arabs  II   Bl.  190a  3ff.: 

■  ;^J\j  (den  Hafenleuten)   '<L>Vl  'Ul  t>  li\c  '  iiL- •     50 

S.  167,  14.  §3.  Der  .'\usdruck  debirath-kadh  maja  ist  mir  aus 
andern  Queilen  niclit  hekannt.     Will    man    aber   den  iiberlieferten  Text 

beibehalten,  so  kann  man  das  Wort    ^.'ViNl  Schiff  erganzen  unii  er- 

klaren:  (das  Schiff),    das    von    dem   ersten  gefiihrt  wird,  d.  i.  von 
demjenigen  Schiffer,  der  zuerst  irn  Hafen  eintrifft.    Die  andere  allenfalls 

mogliche  Lesung  und  Obersetzung  i«HO>M  aSab^a      die    Burg    des 

Ersten«  kommt  wohl  nicht  in  Betracht. 

S.  167,35.  §1  ist  audi  in  Tukkasa  Bl.  141  b  21  bis  142a  15 
iiberliefert. 

Kollation:  S.  166,21  pjOu^  st.  JO  XOS ,  26  ^-.an^p^^  st. 
^  ^^.^lQ\p^^o,  2S  nS^^ou.  >t.  U3^ou>,  2S  ^Jb*  st.  ^  >-^a*, 
2Q  *.Okiin  St.  sOacr   *s0^ori,  32  oooi   ^^.^JX^i^^io  st.  .  .,>iT..^oo. 

Der  Text  des  Tukkasa  schlieBt  ab  mit  den  Worten    ^   SuiX^O 

(Text  S.  168,2),  fiigt  dann  aber  nodi  die  folgenden  Worte  hinzu,  die 
also  vielleicht  nicht  von  Jesubocht  herstammen: 

cjjOA   1^3^  ^  A^I  Ipoi  W.07  2aJlx  %^?  oAo 

Und  dies  ist  nicht  ohne  Wurzel   (ohne  guten  Grund),  sondern 
von  den  Vorfahren  hat  man  es  iibernommen.- 

Ein  Auszug  aus  den  §§  1  und  2  findet  sich  bei  Arabsll  Bl.  190a  8—10. 

S.  169, 13.  §  2.  Wenn  ich  diesen  Paragraphen  recht  verstehe, 
bestimmt  der  Verfasser  20  Estire  Prozent  von  100  Estire  ini  Jahr  als 
Maximum  und  10  Estire  als  Minimum.  Es  bleibt  dabei  auffallend,  wie  er 
gegeniiber  dem  \°,o  im  Monat  =  12<'/o  im  Jahr  in  §  1,  hier  die  200o 
als  eine  Herabsetzung  bezeichnen  konntc.    Man  darf  vielleicht  annehmen, 

dal5   er  bei   dem  Worte  eio»2   (Text   S.  168,  3)    nicht  an   cicn  im  vor- 


—    -n-2    — 

licrjfcliendeii  y;enaiiiiteii  biblisclieii  ZinsfulS,  sontleni  an  tien  Zinsfu(5 
seiner  Zeit  gedacht  liabe,  und  letzterer  mochte  allerdinjjs  gelegentlicli 
holier  sein  als  20"  o.  Vgl.  Jesnbarnun  (Syrischc  Rechtsbiicher  II  S.  157) 
i;  88,  wo  20''/o  im  Jahre  wie  liier  als  cin  Maximum  bezeichnet  sind. 

S.  169,43.  Bei  Arabs  II  HI.  IbOa  161  b  finden  sich  die  §§1—4 
und  7-9  von  diesem  Kapitel. 

S.  171,  19.  §2.  Der  Gegensatz  zwischen  Abs.  a  und  b  besteht 
darin,  daB  B  in  dem  ersten  Fall  das  ihm  anvertraute  Out  ebenso  be- 
liandelt  hat  wie  sein  eigenes,  wahrcnd  er  in  dem  zweiten  Fall  das  ihm 
anvertraute  Gut  oline  spezielle  Erlaubnis  des  Eigentiimers  einer  Gefahr 
ausgesetzt  hat,  vor  der.  er  sein  eigenes  bewahrtc. 

Bei  Arabs  II  Bl.  160h  8.  0  findet  sich  an  Stelle  des  §  2  nur  die 
folgende  kurze  Notiz: 

Wenn  jeinand  eine  Sache  bei  einem  .■Xnderen  deponiert  und  dieser 
sie  an  einen  Dritten  iibertragt,  indem  sie  in  der  Gesamtheit  seiner  Habe 
ist  (1.  c^^j)  und  dann  verloren  geht,  haftet  er  (der  erste  Depositar)  fur 

dieselbe.<  Eine  Fliichtigkeit,  die  aus  dem  Vordersatz  von  Abs.  a  und 
dem  Nachsatz  von  Abs.  b  zusammengeschweiBt  ist. 

S.  171,25.  §  4.  Arabs  II  Bl.  160b  11  gibt  diesen  Paragraphen  in 
folgender  Fassung: 

JU   Jt   ^\>   iiidl   Jill    ^^U  jWj   SjLJ-I   <.J\j    pj_»*\!   rz.J\    JC    jc-ljj 

Wenn  jemand  bei  eineni  Anderen  eine  Habe  unter  Siege!  deponiert 
und  letzterer  das  Siegel  erbricht,  mit  der  Habe  wirtschaftet,  Gewinn  und 
Verlust  daniit  erzielt,  den  Gewinn  mit  dem  Eigentiimer  teilt  und  den 
Verlust  ihm  auferlegt;  wenn  nun  aber  der  Eigentiimer  sich  beschwert, 
daB  seine  urspriingliche  Habe  gemindert  worden  sei,  und  diese  Be- 
hauptung  sich  als  wahr  erweist,  dann  wird  sie  (die  Habe)  ihm  iiber- 
geben  (letzteres  sicher  irrtumlich  fiir:  wird  ihm  [dem  Eigentiimer)  der 
Schaden  [von  dem  Depositar]  ersetzt).<. 

Dieser  arabische  Text  beweist,  daB  die  Lesart  der  romischen  Hand- 

schrift  (Text  S.  170,  19)  ;^3tS0u.   UaLjQsou..  die  sicher  falsch  ist,  auch 

schon  dem  Arabs  II  vorgelegen  hat. 

S.  173, 13.  §  8.  Wahrend  §  7  von  dem  leblosen  Objekt  handelt, 
bezieht  sich  §  8a  auf  ein  lebendes  Wesen.  Wer  jenes  erborgt,  muB  es 
im  Verlustfall  unter  alien  Umstanden  ersetzen.  Wer  dieses  erborgt,  muB 
es  im  Verlustfall  ersetzen,  falls  ihm  Nachlassigkeit  in  der  Behiitung  des- 
selben  nachgewiesen  werden  kann. 

Diese  Auffassung  vorausgesetzt,  muB  man  die  Worte  2auo^.»  e2 

als  den  Rest  etwa  des  folgenden  ausgefallenen  Passus  auffassen: 

und  wenn  sicii  nachweisen  laBt,  daB  es  (das  Gestohlenwerden 
oder  Verlorengehen  des  erborgten  Objekts)  eine  Folge  der  Nachlassigkeit 
des  Borgnehmers  ist. 


—     3H3     — 

Wahrend  ferner  §  Sa  davon  handelt,  dalJ  ein  erborgtes  lebeiidiges 
Wesen  gestolilen  wird  oder  verloren  geht,  handelt  §  8b  von  deni 
andern  Fall,  daB  es  stirbt. 

§  8  lautet  bei  Arabs  II   Bl.  160b  15ff.: 

Ebenfalls  wenn  jemand  ein  Keittier  borgt  und  es  gestohlen  wird, 
Muili  er  den  Wert  ersetzen.  Und  wenn  das  Tier  stirbt  wegen  Nacli- 
lassigkeit  auf  seiten  des  Borgnehmers,  dann  haftet  er  fiir  den  Schaden. 
Wurde  aber  das  Tier  rucksichtsvoll  behandelt,  dann  haftet  er  nicht  fiir 
den  Schaden.  Und  wenn  das  Tier  hinkt  und  der  Eigentunier  an  dem 
Tier  ctwas  auszusetzen  hat,  dann  ebenso  (d.  h.  der  Borgnehiner  haftet 
dafur,  wenn  er  nachlassig  war,  sonst  nicht). 

S.  173,50.  §  2.  Es  handelt  sich  in  diesem  Paragraphen  um  dreierlei: 

1.  Verkauf  von  Vieh  und  Nicht-EBbarem  vor  der  Marktzeit. 

In  diesem  Fall  ist  Riickgabe  zulassig. 

2.  Verkauf  derselben  Dinge  wahrend  der  Marktzeit. 

In  diesem  Fall  ist  Riickgabe  nicht  statthaft. 

3.  Verkauf  von  EBbarem. 

Riickgabe  stets  unstatthaft. 
Der  Ausdruck   der  Markt   stand  bedeutet  der  Markt  war  iin 
Gange,  vgl.  ZamachSaris  Asas  s.  v.  ^\i-  ci*'  J^l  C^li- 

Die  fehlerhafte  Version  von  .\rabs  II  ist  dadurch  entstaiideii,  daB 
er  die  beiden  Falle  1  und  2  irrtumlich  zusammengeschweiBt  hat.  DaB 
bei  Arabs  II  eine  Liicke  vorliegt,  beweist  auch  der  Ausdruck  vjJlij  4  ^j-^. 

denn   das  in  cA)j  gemeinte  (das  Ruckgeben)   ist  im  vorhergehenden 

gar  nicht  genannt.    Siehe  Arabs  II  Bl.  161a  lOff.: 

•J_»_'l  »iiiA,_  ji  ^Lj  o3j  4  |_^  ^i-  L.  iTfe  cX'j  4]  ^r-^  Jj-Jl  ^^  j\ 

Wenn  jemand  von  einem  andern  Vieh  oder  allgemein  etwas  Nicht- 
EBbares  auf  dem  Markt  und  vor  AbschluB  des  Marktes  kauft,  so  darf 
er  das  nicht  (sic);  aber  eBbare  Sachen  kann  er  nicht  vor  AbschluB 
des  Marktes  zuriickgeben. 

S.  175,8.    §  3  lautet  bei  Arabs  11    Bl.  IbUa  12     15  folgendermaBen : 

v_  -  ■       ^.  •  ■^  >.      -•  ■     \j:  ■ 

'Wenn  man  etwas  aus  den  Hausern  (nicht  auf  dem  Markt)  uiui 
mit  Ubereinstimmung  (zwischen  Verkaufer  und  Kaufer)  kauft,  7.  B.  ein 
Stiick  Vieh ;  wenn  dies  einen  Fehler  hat,  den  tier  Verkaufer  verschwiegen 
hat,  so  darf  der  Kaufer,  wenn  dies  innerhalb  40  Tage  nach  KaufabschluB 
bekannt  wird,  das  Vieh  samt  dem  Wert  iles  Nutzens,  den  er  davon  ge- 
habt  hat,  (dem  Verkaufer)  zuriickgeben. 

Wenn  aber  das  Vieh  bei  dem  Kaufer  krank  wirtl,  darf  er  es  nicht 
zuruckgeben. 


r.u 


Bemerkenswert  ist  in  dieser  Version,  dalJ  der  Ausdruck  I^s^poaaa 
durch  ^iljdt    iinter    beiderseitiger  Ubereinstimmung    wieder- 

gcKeben  wircl.  Icii  wiiRte  ihn  niciit  anders  7,u  ijbersetzen  als  mil 
Kenntnis  (en  pieine  connaissance  de  cause)  oder  mit  Bekanntgabe, 
(I.  Ii.  auf  Orund  der  Erklarunj^  des  Kaufers,  dali  die  Ware,  die  er  ver- 
kaiift,  das  und  das  ist,  z.  B.  ein  gesundes  Tier,  nicht  ein  lahmes.     Man 

darf  vermutiich   2:s^3aU3  niit  dem  folgenden  07a^  cj,^3e2  1^  e2 

»oder  ilin  (es)  nicht  bckanntgegeben  hat  ihr  Eigentiimer  (oder  auf 
den   der  Verkaufer   ihn   nicht   aufmerksatn  gemacht  hatte)   koinbinieren. 

S.  175,20.  §  4.  Anstatt  2»A^  =  jii  cuivre  fondu  hat  Tractatus 
^S93w3    Eisen   iinii  ebenso  Arabs  II    Bi.  161a  15ff.  joAa-. 

S.  175,31.  §5.  Dieser  Paragraph  bezieht  sich  auf  einc  nachtrag- 
liche  Anerkennung  eines  an  und  fur  sich  rechtswidrigen  Verkaufs  oder 
Geschenks.  Wenn  jemand  ein  gestohlenes  oder  geraubtes  Kamei  eineni 
Andern  verkauft  oder  verschenkt,  so  ist  diese  Transaktion  rechtsungiiitig 
und  kann  jederzeit  riickgangig  gemacht  werden  (vgl.  Buch  Vi,  Kap.  1 
§  9c).  Wenn  aber  in  der  Zeit  nach  dem  Verkauf  oder  der  Verschenkung 
auf  irgendeine  Weise  sich  herausstellt,  da(5  das  angeblich  Gestohlene  oder 
angeblich  Geraubte  in  Wirklichkeit  dem  Verkaufer  eventueli  dem  Donator 
gehorte,  oder  daB  z.  B.  der  Rauber  des  Kamels  durch  nachtraghche  Ver- 
handlung  mit  dem  beraubten  Eigentiimer  desselben  es  zu  rechtmafiigem 
Eigentum  erworben  hat,  in  dem  Fall  hort  der  zu  Anfang  genannte  Ver- 
kauf bzw.  die  Verschenkung  auf,  rechtswidrig  zu  sein. 

Arabs  II  Bl.  161a  18  hat  nur  den  ersten  Anfang  dieses  Paragraphen. 

S.  175,54.  §  6a  handelt  von  der  Umwandlung  eines  gemeinsamen 
Eigentums  in  Individualeigentum  und  sichert  dem  urspriinglichen  Mit- 
eigentiimer  ein  Vorkaufsrecht  gegeniiber  dem  Fremden,  wahrend  6  b  dem 
Adjazenten  ein  Vorkaufsrecht  gewahrt. 

Das  persische  Textwort  aao^3  war  Ebedjesu  (Tractatus  S.  241, 

Kol.  1)  unbekannt;  er  hat  es  durch  %Je».*^>3  mit  Uberredung<> 
wiedergegeben. 

S.  177,3.  §  1.  Die  4  Paragraphen  dieses  Kapitels  finden  sich  be! 
Arabs  II   Bl.  188b  4ff. 

S.  177,40.  §  la  enthalt  einen  Teil  der  Lex  Fufia  Caninia  vom 
Jahre  8  n.  Chr.,  vgl.  Bruns  in  Syrisch-Romisches  Rechtsbuch  S.  184.  Die 
hier  gegebene  Begriindung  dieses  Gesetzes,  die  Verteilung  des  Sklaven- 
besitzes  iiber  Mann,  Frau  und  Kinder,  sicherlich  nicht  romischen  Ur- 
sprungs,  ist  sehr  merkwiirdig.  Wenn  der  Text  richtig  iiberliefert  ist, 
wiirde  das  Verfiigungsrecht  des  Pater  familias  gegeniiber  der  Ehefrau 
und  den  Kindern  speziell  im  Punkt  der  Freilassung  von  Sklaven  ein 
beschriinktes  gewesen  sein,  wahrend  doch  im  allgemeinen  der  Pater 
familias  wahrend  der  Dauer  der  Ehe  das  Vermogen  seiner  Ehefrau  (vgl. 
Buch  V,  Kap.  Ill  §21)  wie  auch  das  Vermogen  seiner  Kinder,  falls  ihnen 
z.  B.  durch  Schenkung  oder  Erbschaft  ein  Vermogen  zugeflossen  ist, 
verwaltet. 


385 


Anmerkunsen  zu  Buch  VI. 


'& 


S.  183,  22.    V'l    Kap.  I.     Das  Wort    iJ-?  \ia    kann    iibersetzt 

werden  Prozefiinhaber,  ProzeBpartei,  Prozessist,  Gerichtspartei.  Die 
merkwurdige  Bezeichnung  erste  ProzeBpartei  und  letzte  ProzeBpartei 
fur  Kiager  und  Beklagter  durt'te  aus  dem   persischen  Original  unseres 

syrischen  Textes  entlehnt  sein.     Zwischen  den  Schreibungen    !lA*'\\a.3 

L>aM2  und  lidbM.!  '  \t'\\\'i  wird  in  der  romischen  "Handschrift 
nicht  immer  sorgfaltig  unterschieden. 

Im  Tractatus  Bl.  232,  Kol.  1  ist  anstatt  ii^yx  IpovOe  in  S.  182, 15 

uberliefert  2ahk3j:  IpojSa   o2.     Wortliche    Obersetzung:      Wenn   der 

Kiager  nicht  hat  eine  echte  oder  zweifelhafte  Urkunde  oder  echte  oder 
unzweifelbare  Zeugen. 

Dies  ganze  1.  Kapitel  ist  bei  Arabs  II   Bl.  192b  6ff.  vorhanden. 

Anstatt  des  Ausdrucks  einander  etwas  geben  hat  Arabs  II 
■•4m    Geschafte  mit  einander  machen. 

S.  183,  35.  §  2b  findet  sich  auch  in  Tukkasa  Bl.  98b  8—14.  Hier 
beginnt  der  Absatz  mit  ^3^*2  ^p  i.uXj>X3.  Das  zweite  j^.'V.lo 
in  S.  184,  6  fehlt  in  Tukkasa  Z.  12. 

S.  185,  20.  §  3.  Der  Obersetzung  des  Passus  daB  er,  der  Kiager, 
ihni  den  ProzeB  an  seiner  Start  zu   fiihren    iibcrgeben    habes    bin    ich 

nicht  sicher,  da  es  fraglich  ist,  ob  WiSOLiai,  wortlich  wieer,  bedeuten 

kann,  was  es  bei  dieser  Auffassung  der  Worte  bedeuten  miiBte.  Wort- 
liche Obersetzung:  daB  der  Kiager  ihm  ein  Recht  ubergeben  habe 
gleich  ihm  das  ware:  gleich  dem  Recht,  das  er,  der  Kiager,  selbst  habe. 
Der  Text  des  Tractatus  S.  232,  Kol.  2  lautet  ahnlich  und  ist 
auBerdem  verderbt: 

.3CUO   1..MXC3  ou^p  \^p  o'er   laaaa  l^^.^  crJS  .^^^e 

wo  fur  OTJ^p  \^p  zu  lesen  ist  ZJup  >X^33  und  .90^  anstatt  aauo- 
Bei  Arabs  II   Bl.  192b  llff.  lautet  der  Paragraph  wie  folgt: 


A 


Wenn  zwei  PersDiien  einen  [-"rozelj  niit  einaiulcr  haben  uiui  er 
aus  einem  Oruncle  bis  zu  einem  bestimmten  Termin  verschoben  wircl, 
dann  kann  der  Klager  an  seiner  Start  einen  Menschen  bestellen,  der 
den  ProzeB  fiihrt.  Und  wenn  der  Verklagte  nicht  zu  dem  bestimmten 
Termin  erscheint,  wendet  sich  der  ProzeB  gegen  ihn. 

S.  185,  42.  §  6.  Bei  Arabs  II  Bl.  193a  Iff.  ist  leider  der  Absatz  b 
dieses  Paragraphen  ganzlich  miBraten: 

iU-1  -Cfr  <is-  c-C '  <:>LS-  ^    s,  i«  i\-i\  «  »v=>-  ''LjV  ■>&  Ijl  • 
.4J1  ojjjjuj  j>-\  $ip.  Xs.  c^  Ajj  ^1:^=  *«  j^  j\'  s^\  ajuL.  >_j>-1_*» 

>Wenn  jemand  mit  einem  andern  einen  ProzeB  hat,  aber  keine 
Urkunde  hat,  und  bei  dem  Richter  feststeht,  dati  er  betrogen  hat,  dann 
soil  er  (der  Richter)  seinen  ProzeB  abweisen.  Wenn  er  (der  Klager) 
aber  eine  Urkunde  hat,  und  sie  bei  einem  andern  Richter  feststeht 
(d.  h.  sie  nach  dem  Urteil  eines  andern  Richters  echt  ist),  dann  soil  er 
(der  Klager)  sie  zu  ihm  schicken. 

Meine  Ubersetzung  ist  ein  Versuch,  den  iiberlieferten  Text  zu 
retten;    er   ist   aber   wahrscheinlich    nicht    intakt.     Vermutlich    ist    vor 

w.CT0u.3aJU3  S.  184,29  etwas  ausgefallen. 

S.  187,36.    Dieser  §  10  lautet  bei  Arabs  II  Bl.  193  a  15ff.: 

.^'Ulj    JSV\   ^\   ^   p-\   J^J   f^\   J.    ^^^-J    vll;\ 

Wenn  jemand  einen  ProzeB  mit  seinem  Gegner  hat  und  sein 
Qegner  denjenigen,  von  dem  er  (das  streitige  Objekt)  gekauft  hat,  zur 
Stelle  bringt,  dann  kann  derjenige,  der  (das  Objekt)  gekauft  hat,  aus 
dem  ProzeB  ausscheiden,  und  es  bleibt  iibrig  der  ProzeB  zwischen  dem 
ersten  Klager  und  dem  Verkaufer. 

S.  187,  43.  Dies  ganze  Kap.  II  ist  in  Tukkasa  Bl.  132a  13— 133b  8 
vorhanden. 

Kollation:  S.  186,  27  Z^X..  a-3  st.  lJ»X»3,  186,29-188,  1 
Die  Worte  Ipoiutop  ;bo:^M3p  ise  2i^A^^^  a^  'J^JiX  ^  l3k\.xo 
fehlen  in  Tukkasa,  188,2  .^>^e  st.  ^V©  ■  !'•  '-  «^  i^'Sooa 
lag 0^3  3  23oiuc}  st.  ;A3teA3p  IxseOkXo  Ipoiuo,  22  lup  fehit 
in  Tukkasa,  24-27  Die  Worte  ^?  XXO  x\  1^  .;jAO?  oA  I^iJou. 
i^jcp  304v  fehlen  in  Tukkasa,  29  a^LXa  I**??  <ib  ocr  st.  OC" 
X3i«3    lA*?    ^»?,   30  3h3^a   St.   ^3Li«,   188,31  —  190,  1    C^OLCUiO^. 

a;j.3«  i^o%.\ao  St.  or^ouaA^•A,o  c^ebbAj. 

S.  189,  8.    §  2b.     Im  Text  S.  188,  10  anstatt    l^poOuXe    2?crw& 

Zeugen  und  Beweise-  liest  Tractatus  S.  234,  Kol.  1   I&^aij:  2p^A 

IXSOOiSe     wahrhaftc  Zeugen    und  Beweise  ,    und    in  Z.  11.  12    statt 

lajloAaa  l^peoLXe  IpooJO)     Zeugen    und  anzvveifelbare  BeweisC' 


—     3:57     — 

liest  Tractatus  daselbst   2.3kJ:a.3Ljp   IpiJfJOO    l^sooa     Beweise  unci 

anzweifelbare  Zeiigen  ,  Tukkasa  (s.  ohen)  Beweise  oder  anzweifelbare 
Zeiigen«. 

Bei  Arabs  II  Bl.  194a  lift",  siiul  die  drei  ersten  Parayraplien  dieses 
Kapitels  vcirhanden.  Derselbe  gibt  aiif  Bl.  194a,  17— 194b,  1  don  ScliliiH- 
satz  von  §  2b  in  etwas  abweichender  Form: 

j_jyi  <1  jV   1  jl  C-._j1   -w   Jljj  J'J^^  jLjVI   ^j^tl   IjI   \jSj>' 

. JU-I  ^    lii  f^  ^ •A.i_»  j\  •Co  »<— .  jiO^j-io  ->/"  -^^  >j°  O^J  *-°   *•• — 1  ^' 

Ebenfalls  wenn  jemand  sich  zu  einer  Schuld  bekennt,  aber  spricht: 
,lch  habe  sie  (bereits)  bezalilt';  wenn  er  keine  Zeuij;en  hat,  wird  sein 
ProzeH  nicht  angenommen.  Wenn  er  aber  annehmbare  Zeugen  hat, 
wird  sein  ProzeH  angenommen,  oder  wenn  (er  cinen)  anzweifelbareii 
(Zeugen)  hat,    tritt    man    in   die  Untersuchung  ein.       Der    letztc  Passus 

(i'  »V  -    A)  geht  aiif  einen  Text  wie  den  des  Tukkasa  zuriick. 

S.  1S9,  51.  Meine  Ubersetzung  der  zweiten  Halfle  dieses  §  0  ist 
konjektural.  Der  Wortlaut  differiert  in  beiden  Handschriften  und  scheint 
in    heiden    gestort.      Ich    vermiite,    daB    der  nrspriingliche  Text    lantet: 

1^2  .o^)  y«a«.^.l  laaju  .aou.  U^as  «^  ooT  -iJ-Aap  la-bftx 

.op  kOUiXi  ^3>.«07o  .lad ft V  w.o7oA,x  >2L^a  ;i3m*2  -Xi^?  vf 

Die  Untersuchung  des  Richters,  desjenigen,  der  den  ProzeH 
niacht  (leitet),  beniitzen  wir  als  giiltig.  Wenn  aber  ein  anderer  Richter 
tlie  Untersuchung  ilariiber  (iiber  die  fragiiche  Urkunde)  anstellt,  benutzen 
wir  auch  die. 

S.  191,  1.  Dies  Kapitel  findet  sich  ganz  in  Tukkasa  Bl.  133a  8 
bis  133b  8.  '         .  .. 

Kollation:    S.  190,  4   OJ^JOppO   st.  OU.t)3e,   4    l*.3u.  st.    1*.X., 

5.  t)  2\  \.t23  ^  St.  2%\.T  ,^p  a^oi  siA^x^etp   w^ib.  7  o'crp 

OL^is^p  ^t.  .sis^p  OCT.  S  2x^x2  lo'cr  st.  2%y,T2  ec^,  8  o'er,  ^ 

St.  \j^^,  12  jOuao3>ijc>-a>Ao  St.  I^exucx^A^e,  it    mAop  st. 

:g>Mui,  14   loaoAsp  ^2p  St.   ZJCasoAsp.  lo  ^p  ^o^crro  st. 

•sOLnicre,  10  u.c;eX<.2p  st.  io.2p,  ]h  ^Xi.aOu.^.»  st.  yMS«.^>.2.  17 
2&ab..X3  fehit  in  Tukkasa,  17  >^lo  fehlt,  17  ^^.a  fchit,  IS  2.au\j: 
n^Pb^la  ;^^2p  fchIt,  19  2i\.xaw.o  st.  2;\aL^*3MO,  21  2pcriuQ»o  st.  e2 
2poio. 

S.  191,  5.  §  1.  Der  Ausciruck  bei  deni  eine  Urkunde  gefunden 
wird    findet  sich  iihnlich  in  den  §§  2,  3,  4  wieder  (w.OToau.13  JS^2p  OCT 

—  tm^p   \ij  w>auil3   J^j.2p).     Er  wird  clem  Oedanken    nicht   ganz 

gerecht,  was  auf  einen  Mangel  der  syrischen  Version  zuriickzufiihren 
sein  mag.  Es  kann  hier  nicht  gemeint  sein,  da(i  zufallig  die  gefalschte 
Urkunde  sich  bei  oder  in  der  Hand  eines  Menschen  befindet,  sondern 
nach  dem  Zusammenliang  verlangt  man,  dali  damit  ausgedriickt  sei: 
eine  ProzeBpartei  bedient  sich  einer  gefalschten  Urkunde 
vor  Gericht,  oder  jemand  hat  eine  Urkunde  gefiilscht. 

Sachau,  Syrisclie  Rechtsbucher  in.  22 


—    ns    — 

S.  191, 10.  §  2.  In  dem  ersten  Teil  des  Wortes  saAa^e*  vtrmute 
ich  eine  altere,  vielleicht  in  der  Oberliefening  alterierte  Form  des  per- 
sisclieii  zur  -  Liige.  Danach  miiHte  paA^Su^Of  aus  sakAse*  ver- 
schrieben  sein. 

S.  191,  24.  Die  §§  3  und  4  sind  auch  bei  Arabs  11  Bl.  I94b  3ff. 
vorhanden,  ohne  nennenswerte  Abweichungen. 

S.  191,38.  Das  Kap.  iV  findet  sich  ganz  in  Tukkasa  Bl.  I30a  9 
bis  131b  8. 

Kollation:  S.  190,23  ^aioi^l  st.  2ooT,  23  U-.2  ocT  st.  li-i, 
24  Ixilp  St.  Is'il,   25   ^^  ^^2  3wd  St.  ^  ^^2,   26  ^^.2  st.  pJ^l, 

28  Zxilo  v.^2^ju  St.  wju2  >^eAzsA,  29  ♦^e>TLa.A  st.  a^xx^. 

29  ;L^2o  St.   i\32,   31    i^  ^2©  st.   Z^  ^-?   »^2o,    192.1    a^a  st. 

>^a,  4  ..,\.  ao   St.  x.oi,.,\.,'».  7  oo?  st.  ^cn,   g  2^eaud^Zj  st. 

oT^eab.d^l.3,    11    ^  ^2  St.  ^o,    12  ;Ai«.v.d  st.  1  \*\  n  ooT, 

14  ^^ae  St.  2^»,  17  XxiaJo  Ucn  st.  Ix^na,  18  ^a  o'a-o  $t.  ooi 

^a,  20  ecra  w.97ex<.ia  st.  l^o?  ^au.Z.3,  20  .xau.^^  ^'^\\^  v^2. 

Ijor  (1.  ^)  s^  ;9auao  fehit,  21  eor  st.  oc?  obi,  22  .^i..»i^j 

St.  Liicke,  23  ^ea^^.a.^0  st.  ;so..>^...aoe,   24  .^;sA^  st.  ^^. 

26  ^oaOuX*  St.  Liicke,  28  Oliio   U«a  ^a   .^wao^JUO  St.  ^ic»>ouo 

U«p  op^,   194, 1  >,\jLao  St.  ^X-auca,  1  ,Lt.v.n  fehit,  6  o^-aou^  st. 

^eopax,   11  oc  St.  U*A.a  007,   12  ^o&oja  st.  ^oja,   13  \xe 

St.  \ae.    14  2;s^^  e2  st.  2^...aoo,   14  ^a  iss  *^o  st.  ^a  .^2o 

Z^,   15  cTau.laa  st.  ^OTe;!^2  cra^olsa. 

Dies  Kap.  IV  findet  sich  ebenfaJls  vollstandig  bei  Arabs  11 
Bl.  194  b  7ff. 

S.  193,6.  In  den  §§3.  4  und  6  wiederholt  sich  derselbe  Aus- 
driick  in  verschiedener  Anordnung: 

2;^fti^xb>3  e2  ?\\,\<>fi  o2  2;saaOk\.^>3  in  §  3, 

2:soao\^e  •\\.^eae  2;soj.*jcx  in  §  4, 

uyiNoace  2^ot«,y.ve  2;soaa\x  in  §  6. 

Das  Wort   2JSasa\x  bedeutet  Oewalttatigkeit  (injuria,  oppressio), 

dafJ  jeniand   mit   Gevvalt  und   widerrechtlich   sich   eine  Sache  aneignet. 

Das  zweite  2«\OJmJL^  bedeutet  Kraft,  Starke  und  das  dritte  n\iNnT 

Macht,  Vollmacht,  Herrschaft.  Vielleicht  ist  dem  syrischen  Ober- 
setzer  an  diesen  Stellen  die  Wiedergabe  der  persischen  Ausdriicke  doch 
etwas  zu  blaB  geraten  (s.  seine  Klage  iiber  die  Schwierigkeit  der  Wieder- 
gabe persischer  Ausdriicke  in  der  Einleitung  oben  S.  3).  Jedenfalls  be- 
zeiclinet  Jesubocht  luit  der  Vereinigung  dieser  drei  Dinge  ein  Verfahren 
der  Besitzerwerbung,  das  dem  Oesetze  nicht  entspricht.    Man  darf  daher 


—     339     — 

die  betreffendeii  Ausdriicke  vielleicht  in  etwas  mehr  konkreter  Fassung 
so  wiedergeben:  2^a3ft\i^  mit  gewalttatige,  widerrechtiiciie 
Aneignung,  2»Soi«3:A»  mit  iibermachtiger  EinfiuH   (infolgc  von 

Reiciitnm    und   zalilreicher   Famiiie)   nrul    *v\,\f>T  mit  Amtsgcwalt  (in 

diesem  Ziisammeniiang:  widerreclitlich  angewendete  Anitsgewalt).  Im 
Arabischen  bei  Arabs  II  werden  diese  drei  Ausdriicke  wiedergcgeben 
durch   Upj -ifr,  d.  i.  Unrechttun  nnd  widerrcciitliche  Oewalttat. 

Die  in  diesem  Paragraplien  auftretende  Frist  von  50  Jahren  (ebenso 
in  §  4  nnd  in  Kap.  VI  §  8a)  erscheint  als  eine  Art  Ersitzungsfrist,  niclit 
als  eine  Frist  der  Verjiihrnng.  Vgl.  Annierknng  zn  den  §§  4.  6  =-  S.  193, 18 
nnd  43. 

Der  arabische  Text  (Arabs  U  Bl.  194  b  12ff.)  lautet  folgendernialJen : 

t-U  <!;•  J.  aJI  ^\  jl  *^  t>_<-  'Sj^  jj\^  lil    j:}\  j  J)'j^\^ 

■  k\\  4*Jl_)_«  ■U.-s^   ^tf^o     _•(  ^_ii^  j^^l  'W-ai-  Ajl—  jlj   \>-  Jij^\  vjAljii 

»Wenn  der  Besitz  des  Besitzers  einer  Saclie  alter  ist  als  SOJahre 
oder  an  ihn  gekommen  ist  von  drei  Vorfahren,  nnd  diejenigen  Personen, 
von  denen  er  ihn  bekommen  hat,  nicht  als  Unrechttner  oder  Bosewichter 
bekannt  sind,  er  (der  Besitzer)  jedoch  eine  Urkunde  nicht  besitzt,  dann 
ist  solcher  Besitz  rechtmaBig.  Und  wenn  sein  Gegner  ihn  zvvingt  zu 
schworen,  dann  schwort  er  oder  laBt  seinen  Gegner  schworen,  und  dann 
(wenn  der  ProzeB  durch  den  Schwur  des  Qegners  zu  dessen  Ounsten 
entschieden  ist)  iibergibt  er  ihm  das  (streitige)  Objekt. 

S.  193, 18.  §  4.  Nach  §  3  gilt  der  faktische,  fiinfzigjahrige,  vom 
Rechtsstandpunkt  aus  nicht  anfechtbare  Besitz  als  entscheidendes 
Beweismittel  im  ProzeB.  Deni  entgegen  handelt  §  4  von  dem  andern 
Fall,  daB  der  faktische,  fiinfzigjahrige  Besitz  angreifbar  erscheint,  an- 
greifbar  insofern,  als  er  eventuell  nicht  rechtmaBig  erworben  sei.  Wenn 
der  Klager  dies  beweisen  kann,  kann  nach  Ansicht  des  Gesetzgebers 
auBerdem  sein  Interesse  eventuell  noch  durch  zwei  weitere  Umstande 
gefordert  werden : 

a)  wenn  der  Klager  oder  seine  Vorfahren  irgendvvo  in  der  Fremde 
lebten  und  daher  uber  die  Wandiungen  des  Besitzes,  auf  den  sie  nini- 
mehr  einen  Anspruch  erheben,  nicht  unterrichtet  waren,  oder 

b)  >nicht  ProzeB  zu  fiihren  verstanden<,  d.  h.  doch  wohl:  zu  un- 
gebildet  waren,  ihre  etwaigen  Rechtsanspriiche  zu  erkennen  und  recht- 
zeitig  geltend  zu  machen. 

Einen  ahnlichen  Zusammenhang  s.  in  §  6  dieses  Kapitels  sowie 
auch  Kap.  VI   §  8,  a.  b. 

Dieser  Paragraph  lautet  etwas  verstiimmelt  bei  Arabs  II  Bl.l94b  16ff.: 

>Wenn  jemand  nicht  eine  Urkunde  (oder)  zuverlassige  Zeugen  hat 
und  einen  ProzeB  fiihrt  wegen  eines  Besitzes,  den  er  seit  50  Jahren  be- 
sitzt oder  von  drei  Vorfahren  geerbt  hat;  wetni  nun  sein  Gegner  nach- 
weisen  kann,   daB  seine  Vorfahren  Unrechttner  uiul  Bosewichter  waren, 

22' 


340 

imd  weiiii  er  es  niclit  (naclnveisen)  kaiiii  (sic),  wciin  siu  miteinantlcr 
prozcssieren,  wird  sein  (des  Klagers)  Wort  gehort  oder  (wenn  er  es) 
nicht  (kann),  wird  es  verworfen. 

S.  193,32.  Dieser  §  5  lautet  bei  Arabsll  Bl.  195a  1  ff.  folgendermaBen : 

A_    j    ^_Ji    jJ\    OHi   J\    ^j    y\\    ^^    c^l     b\s    jCl_.    J     C.^    AJ^ 

^^.  a^'i  ^-^  ^i^'.A.  J  ^^j  ji  VI K  \i  A,  VI  _.^^_  Vj  juvi 

Wenn  jemaiid  A  einen  alten  Besitz  in  der  Hand  hat,  und  sein 
Gegner  spricht:  Dieser  Besitz  ist  ihm  zugekommen,  ais  er  bei  mir 
diente,  und  nun  der  derzeitige  Besitzer  es  leugnet;  wenn  die  Sache 
nntersucht  wird  und  sich  ergibt,  daB  dieser  Besitz  seit  langem  in  der 
Hand  des  A  ist,  nur  dies  allein  bekannt  ist,  er  (A)  aber  keine  Urkunde 
in  der  Hand  hat,  so  verlangt  man  wegen  des  Zweifels  (d.  h.  weil  dieser 
Besitz  anzweifelbar  ist)  von  dem  Klager,  daB  er  Zeugen  beibringt  und 
den  Eid  leistet. 

S.  193,43.  Ich  verstehe  diesen  §6  in  folgender  Weise:  Ein  Gut 
(z.  B.  ein  Landgut)  ist  im  Besitz  des  A  seit  3  Jahren  (so  Die  romische 
Handschrift,  Ebedjesu  und  Arabs  II,  dagegen  Tukkasa:  seit  30  Jahren). 
Der  Besitz  wird  angefochten.  War  er  auf  unrechtmaBige  Weise  in  die 
Hand  des  A  gekommen?  Hatte  A  davon  keine  Kenntnis,  weil  er  etwa 
noch  ein  Kind  war?  Oder  ist  der  Besitz  etwa  so  lange  unangefochten 
geblieben,  weil  der  Klager  nicht  anwesend  war,  sein  Recht  nicht  geltend 
tnachen  konnte?  Wenn  diese  Dinge  (ini  allgemeinen)  bekannt  sind,  so 
wird  zunachst  das  Gut  in  den  Handen  des  A  belassen  und  der  ProzeB 
von  ihm  angenommen  (d.  h.  es  wird  der  ProzeB  eroffnet  und  ihm  Ge- 
iegenheit  gegeben,  sein  Recht  auf  das  Gut  zu  heweisen).  Wenn  nun 
ciner  von  den  genannten  Umstanden  zutrifft,  und  er  (A)  nicht  eine 
Kaufurkunde  in  Handen  hat,  dann  wird  er  wie  ein  Usurpator  angesehen 
(d.  h.  A  wird  verurteilt,  das  Gut  dem  Klager  herauszugeben). 

Der  Grund  dieses  Urteils  scheint  mir  der  zu  sein,  daB  erstens 
die  allgemeine  Priisumption  gegen  A  ist  und  daB  A  sein  Besitzrecht 
nicht  beweisen  kann.  Hatte  er  das  Gut  vor  3  Jahren  gekauft,  muBte 
er  die  Kaufurkunde  haben. 

Wenn  nun  h  mit  diesem  Urteil  nicht  zufrieden  ist,  das  Gut  nicht 
herausgeben  will,  sondern  an  eine  hohere  Instanz  appelliert,  dann  soil 
das  Gut  pendente  causa  in  seiner  Hand  belassen  und  nun  die  Aussage 
des  Klagers  als  Ausgangspunkt  des  Prozesses  genommen  werden,  d.  h.  es 
wird  nun  Sache  des  Klagers  sein,  durch  giiltige  Urkunden  und  ein- 
wandfreie  Zeugen,  eventuell  durch  den  Eid,  sein  Eigentumsrecht  an  dem 
streitigen  Objekt  zu  beweisen. 

Wenn  meine  Auffassung  dieses  Paragraphen  richtig  ist,  handelt  es 
sich  hier  um  einen  ProzeB  vor  einer  ersten  Instanz  und  um  einen 
zweiteii  ProzeB  vor  einem  .^ppellationsgericht.  In  jenem  hat  der 
Klager  gewonnen,  weil  der  Verklagte  seinen  Anspruch  nicht  beweisen 
kann;  in  diesem  wird  dem  Klager  aufgegeben,  seinen  Anspruch  zu 
beweisen.  Und  wenn  er  das  nicht  kann,  veriiert  er,  der  Klager,  den  ProzeB. 

Zu  Einzelheiten  bemerke  ich  folgendes: 

Das  Wort  ^.^.Tia  (Text  S.  194,  1)  bezeichnet  z.  B.  in  den  Appell- 

gerichtsurteiien  lies  I'atriarchen  Chenanischo  (s.  Syrische  Rechtsbiicher  II) 
denje?ugen,  der,  nicht  zufrieden  mit  einem  Urteil  erster  Instanz,  eine 
luihere  anruft. 


—     841     — 

Wiilireiui  die  roniischo  Haiulschrift  iiiul  Tiikkasa  clen  Text  iiber- 
einstimnictul  iiberliefern.  tiiulet  sicli  hei  Ehedjesu,  Tractatiis  S.  23fi,  eine 

erhebliche  Differenz.     Im  Text   (liier  S.  1Q2,  27.  28)   wird    statt    k,a:^^JK^ 

^070X^13    ^   (wird    helasseii    in    seiner  Hand)    das  fnljjende: 

>A07eXk2  )^  <\i)^OU  (tolletur  de  manibus  ejus,  s.  Obersetzuny 
S.  70)  gelesen.  icii  ,s,rebe  der  ersteren  l.esart  den  Vorzug,  denn  wenn 
dem  Besitzer  A  das  Out  abgenommen  wird,  ist  damit  sclinn  das  Urtcil 
sjesprochen,  und  es  branclit  niciit  erst  der  Prozeli  von  ilim  gehort  zu 
werden. 

Dieselbe  Lesart  findet  sich  auch  bei  Arabs  II  Bl.  195a  5ft".,  der 
den  Paragraphen  in  folgender  Weise  wiederzugeben  siicht: 

0-  J~^^)  ^  ^^  '-^  -'^  -'^  oh  (»^l^  ^  ^'cf.x_  j  ^C  i  jf  p-\ 

'Wenn  eine  Habe  3  Jalire  lang  als  Besitz  eines  Menschen  bekaiint 
ist;  wenn  dies  auf  eincn  Betrug  von  seiten  seines  Landesfiirsten  zuriick- 
geht,  Oder  wenn  er  in  dem  Besitz  nicht  angegriffen  worden  ist,  oder 
wenn  man  nicht  wul3te,  dal3  die  Habe  in  seiner  Hand  war,  dann  wird 
sie  aus  seiner  Hand  weggenommen,  und  er  muB  sicii  dem 
Urteil  fijgen.  Wenn  in  seiner  Hand  keiiie  Urkunde  ist,  ist  cr  ein 
Unrechttuer.  Und  wenn  er  sagt:  Diese  Sache  ist  in  meiner  Hand  , 
soil  sie  in  seiner  Hand  bleiben  und  ihm  der  ProzeB  gemacht  werden. 

Das  wichtigste  in  alien  diesen  Paragraphen  (2  b,  3-6,  ferner 
Kap.  VI  §  6 — 10)  ist  die  Entscheidung  iiber  die  Frage,  wer  zum  Eide 
zugelassen  oder  verpflichtet  sein  soli,  ob  der  Klager  oder  der  Verklagte, 
weil  durch  den  Eid  der  ProzeB  entscliieden  wird.  Fiir  die  Forderung 
der  Untersucluing,  nach  welchen  Prinzipien  diese  Entsclieidiuig  vom 
Oesetzgeber  getroffen  wurde,  mag  die  foigende  Zusanniiensteliung  dienen: 

Kap.  IV  §  2  b.    Der  am  meisten  notorische  Besitzer  leistet  den  Eid. 

§  3.  Der  Besitzer,  der  das  Objekt  schon  50  Jahre  lang  hat 
Oder  von  drei  Vorfahren  ererbt  hat,  leistet  den  Eid,  nicht  der  Klager 
mit  gultiger  Urkunde.     Vgl.  §  8a. 

§4.  Wenn  der  Besitz  des  Besitzers,  der  ihn  schon  50  Jahre  lang 
hat  usw.  von  dem  Klager  als  angreifbar  nachgewiesen  werden  kann, 
dann  leistet  der  Klager  den  Eid,  nicht  der  Besitzer.     Vgl.  §  Oc. 

§5.  Der  Klager  leistet  den  Eid,  wenn  der  Verklagte,  der  Be- 
sitzer des  Objekts,  nicht  durch  eine  Urkunde  sein  Recht  an  dem  Objekt 
nachweisen  kann,  imd  hekannt  ist,  dali  das  Objekt  ab  origine  dem 
Klager  gehort  hat. 

§  6.  a)  Wenn  der  Inhaber  die  Habe  seit  3  (oder  30)  Jahren  hat 
und  sein  Recht  an  derselben  nicht  angegriffen  werden  kann,  leistet  er 
den  Eid,  nicht  der  Klager.     Vgl.  §  3. 

b)  Ist  sein  Recht  angreifbar,  dann  ist  er  ein  Usurpator  (d.  h.  doch 
wohl:  dann  leistet  der  Klager  den   Eid,  nicht  der  Besitzer).     Vgl.  §8. 

c)  In  der  Appellinstanz  dasselbe  Verfahren   wie  sub  b. 

Kap.  VI,  §  6.  Wer  einen  Anspruch  auf  Geld  oder  anderes  er- 
hebt  und  seinen  Anspruch  durch  Urkunde  und  Zeugen  erharten  kann, 
kann  den  Eid  leisten. 

§  7.  Wenn  der  Verklagte  gesteht,  sich  die  Habe  des  Klagers 
angeeignet,  sie  aber  zuriickgegeben  zu  habcn,  unil  derKliiger  letztercs 
be.streitet,  ilann  leistet  liieser  den   Eid. 


—      U2     — 

§8.  a)  Wer  die  Habe  50Jalire  besitzt  odcr  von  drei  Vorfahren 
geerbt  hat,  leistet  den  Eid,  audi  wenn  der  Klajjer  eine  jjiiltige 
Urkunde  hat.     Vgl.  Kap.  IV  §  3. 

Dagegen  leistet  der  Klager  den  Eid,  wenn  der  Besitzer  das 
Objekt  noch  nicht  50Jahre  hat  und  von  weniger  als  drei  Vorfahren 
ererbt  hat. 

b)  Wenn  der  Klager  auBer  Zeugen  nur  eine  anzweifelbare  Urkunde 
hat,  dann  leistet  der  Verklagte,  der  Besitzer,  den  Eid. 

§  9.  a)  Im  Streit,  ob  jemand  ein  Objekt  als  Pfand  habe  oder  von 
dein  Andern  gekauft  habe,  leistet  der  Besitzer  den  Eid,  wenn  er  eine 
Urkunde  oder  Beweise  nicht  hat. 

b)  Wenn  ein  Pfandgeber  behauptet,  dem  Andern  ein  Pfand  gegen 
ein  Darlehn  von  30  Estir  gegeben  zu  haben,  wahrend  der  Pfandnehmer 
behauptet,  von  jenem  das  F^fand  zur  Sichersteilung  fiir  ein  Darlehn 
von  100  Estir  angenommen  zu  haben,  dann  leistet  der  Pfandnehmer 
den  Eid,    wenn   der  Pfandgeber    eine  Urkunde  und  Beweise    nicht  hat. 

Fiir  §  10a,  b  s.  die  Anmerkung  zu  der  SteJle. 

S.  195,  6.    Dieser  §  7  lautet  bei  Arabs  II   Bl.  195a  9  ff.: 

V  J_*^^  ^C   A.^  ^i   S^\  tl'%\  J*  ^  ^  (j-VI   wi_r^"  IJ'j 

Wenn  der  Sohn  iiber  etwas  von  der  Habe  des  Vaters  verfiigt, 
ohne  Urkunde  und  Zeugen  zu  haben,  gilt  dies  nicht  als  rechtsverbindlich, 
und  das  Objekt  wird  aus  seiner  Hand  fortgenommen. 

Ebenso  die  Sozietare  vor  der  Teilung,   nicht  gilt  ihre  Verfiigung. 

Wenn  jemand  Sklaven  und  Sklavinnen  halt,  ohne  sein  Eigentum 
an  denselben  durch  Urkunde  beweisen  zu  konnen,  kann  er  nicht  rechts- 
kraftig  iiber  sie  verfiigen.- 

Nach  meiner  Ansiclit  ist  der  Sinn  des  syrischen  Textes  ein 
anderer  als  der  von  Arabs  II  angenommene,  namlich  folgender:  Auch 
das  peculium  von  Sklaven  und  Sklavinnen  ist  nicht  rechtskraftig,  wenn 
es  nicht  durch  Urkunde  oder  Zeugen  bewiesen  werden  kann. 

S.  195,  15.    Dieser  §  S  lautet  bei  Arabs  II  Bl.  195a  13.  14: 

Wenn  ein  Sklave  sich  gegen  seinen  Herrn  emport,  ohne  eine 
(Freilassungs-)  Urkunde  zu  haben  und  ohne  daB  Zeugen  seine  Frei- 
lassung  bezeugen,  wird  er  seinem  Herrn  zuriickgegeben.  Dies  ist  mit 
dem  syrischen  Text  unvereinbar.  Ich  denke  mir  die  Situation,  die  der 
Gesetzgeber  in  diesem  Paragraphen  im  Auge  hatte,  folgendermalJen :  Der 
Herr  (A)  eines  Sklaven  hat  den  Sklaven  ausgeliehen  an  B.  Nach  einiger 
Zeit  bestreitet  B  des  Besitzrecht  des  A  an  dem  Sklaven.  A  kann  sein 
Recht  nicht  beweisen,  aber  (einstweilen)  wird  ihm  der  Sklave  zuriick- 
gegeben, und  dann  wird  ProzeB  gehalten.  Dem  Klager  B,  der  den  Sklaven 
in  seinem  Besitz  hatte,  wird  gestattet,  seine  Klage  vorzubringen  und  zu 
beweisen. 

S.  195,  21.  Dieser  §9  ist  bei  Arabs  II  Bl.  195a  14.  15  durch 
wenige  Worte  vviedergegeben : 


—     348       - 

>Er  ist  ziini  Scliailenersatz  verpflichtet.  Unci  es  stelit  ihni  (clem 
Eigentiimer)  frei,  dali  er  seine  Habe  clem,  in  dessen  Handen  sie  ist, 
gebe  Oder  ihn  zn  seineni  Steilvertreter  niaclie. 

Die  Benicrkuni>-  iiher  die  Sclienknny'  am  Ende  dieses  Paragraphen 
ist  auffaiiend,  weil  seliistverstandlich.  Ob  vielieicht  im  persischen 
Original  das  Wort  fiir  geben  im  Sinne  von  gestatten  gebraucht  war? 
Wenn  er  aber  will  (d.  li.  wenn  der  Eigentiimer  des  usurpierten 
Objekts  vorzieht,  iiber  die  Art  desselben  nicht  zn  schworen  oder 
Zeugnisse  beizubringen),  kann  er  (es)  demjenigen,  in  dessen  Hand  es 
ist,  gestatten  (d.  i.  zu  schworen  nnd  Zeugnisse  beizubringen). 

S.  197,  3.  Die  zweite  Halfte  dieses  §  2  findet  sich  ebenso  in 
Tukkasa  Bl.  104a  24.  25;  das  ganze  Kapitel  V  aucli  bei  Arabs  II 
Bl.  195,  16ff. 

S.  197,9.  In  diesen  Bestimmungen  der  §§3.4  glaube  ich  den 
EinfluB  des  syrisch-romischen  Rechtes  zu  erkennen,  nach  deni  eine 
dem  Sohn  gemachte  Sclienkung  jederzeit  zuruckgenommen  werden 
kann,  niclit  aber  die  einem  Fremden  gemachte  Schenkung.  Vgl. 
Syrische  Rechtsbucher  I  R II,  §  8,  und  die  Anmerkung  von  Bruns, 
Syrisch-romisches  Rechtsbuch  S.  197  (zu  L,  §  22). 

S.  197,28.  In  dem  zweitcn  Absatz  von  §4  (dasselbe  gilt  von 
der  Mutter)  fehlt  bei  dem  Syrer  wie  bei  clem  Araber,  was  hinzu- 
gefiigt  werden  mu6:  gegeniiber  ihrem  Kinde. 

S.  197,  30.  VI  Kap.  VI.  Von  dieseni  Kapitel  sind  die  §§  1—5  und 
11   in  Tukkasa  auf  Bl.  104- 105  b  vorhanden. 

Kollation  von  §  1—5:  S.  196,  15  ^a:»p  ;  C>ft?ifti  st.  jnoYti 
Ixoiep  ^,  10  liS  St.  X^p,  \b  loj!^l  K^p  k3>»  St.  ^3  v?^'  IS 
a^  St.  ^?  ol^,  19  t\Slp  St,  'S  J^lp,  20  i-.\.  Ixi-jj?  St.  Ju? 
ii'ai,  22  lA^Ie  St.  lA^I,  23  ?j1-o  st.  ?!-«>,  27  ^i»2  St. 
^ii«a>.aa,  28  k^I  ^iv&3  St.  ^X^p.  30  -auiio  St.  :apio,  31  c-iio 
St.  or^aa,  198,  1  .^Yn.P>  St.  la^ci^,  0  >sex»U  st.  <voa>^U3,  9 
:sa23  St.  i^3,  10  liA'\  St.  ;»a3,  10  ^^oaeoa  l^e  ^oiolx  l^p 
St.  vft.aoI,a  i^,  11  oov^  st.  ^  oo^JS,  12  ^  ot^  st.  o^,  13 
laooa  St.  Ijaoli,  16  ,A>t:*  st.  ^vo^yJl^p,  17  a;\^^  .^  sap 
xA.3  Z^  \Vk\N3  7ipj33  oi,  lijckenhaft  in  R,  18  ^Ol^  ^^i»  liCTX^ 
2\^^  St.  ^  ^^300  o)\^  —  lAO^,  19  ^taXy  'S  ijEbsoB 
o^^  St.  Liicke,  200,  17  2^'■.Yl\^  -Si  ?t.  :^'.'■^3L^^  ^l,  18.  19  'J^p 
ly.XX^  UxSoS  St.  pjtl^  lixioS  iS?  ^  OCT  1^2,  23  Jo  ^lo 
St.  ^abe,  29  oAo  st.  ^p  oAe.  31   ^\.a\,iaoe  st.  ^\.a\.bb»  o2 

S.  199,51.  Dieser  Absatz  §  8b  ist  im  Tractatus  Bl.  244,  Kol.  1, 
Z.  12—15,  ganzlich  entstellt,   jedenfalls   durch    Irrtuni    (Auslassung   der 

Worter  w?  UV.Sy.a).  Er  lautet  in  Obersetzung:  Wenn  der  Ver- 
klagte  der  Besitzer  der  Habe  ist,  er  (sie)  eine  echte  Urkunde  und  an- 
zweifelbare  Zeugen  hat,    dann    wird    dem  Klager  der  Eid  aufgegeben.« 


I 


—     344     — 

S.  201,  12.  Dieser  iiier  liickeiihafl  iiberiieferte  §  10  findet  sicli 
bd  Ebedjesu,  Tractatus  S.  244,  Kol.  1,  2ftff.  in  folfi^endcr,  ebenfails  niclit 
einwaiidfreier  Form:  Wenn  jemaiui  fin  Deposituni  einein  andcrn  ijbcr- 
gibt,  und  es  gestohlen  wird  oder  ein  nicht  offensichtlicher  Schaden 
iiber  dasselbe  kommt,  Raub  des  Fiirsten  oder  Brand  und  Feuer  nicht 
nacii  dem  Willen  und  aus  Nachlassigkcit  des  Depositars,  danii  komrnt 
dieseni  (dem  Depositar)  der  Schvvur  zu. 

Wenn  aber  ein  offensichtlicher  Scliade  iiber  das  Depositum  jje- 
konimen  ist  durcii  die  Nachlassigkeit  des  Depositars  oder  seiner  An- 
gehorigen,  Zeugen  aber  nicht  vorhanden  sind,  dann  kommt  der  Eid 
dem  Depositar  zu.<  Es  ist  schwerlich  zntreffeiid,  dali  in  beiden  Fallen 
der  Depositar  scliworen  sollte.  Wahrscheinlicher  ist  mir,  dafJ  in 
dem  zweiten  Fall  der  Deponent  sclnvoreii  nuiHte,    nnd    dali    in  dem 

SchluBsatz    von   i;  10b    zu  lesen  ist  |  ,Yl  r>|  OT^oAs  ob'p  Li\.ieojaa 

i*OOT    ,lv\vetV^   2o07,  d.  h.      dann    kommt    der  Eid    demjenigen  zu, 
der  das  Deposit  bei  ihm  deponiert  hattc ,  d.  i.  dem  Deponenten. 

S.  201,  48.  Die  am  Ende  dieses  Paragraphen  in  der  romischen 
Handschrift  befindliche  syrische  Notiz  berichtet:  Es  fehlen  hier  sieben 
Kapite!  (die  Kapitel  VII — XIII)  an  der  Vollendung  des  Buches<  (d.  i.  des 
Buches  VI). 

In  fukkasa  Bl.  143a  12—20,  erscheint  ein  Paragraph  iiber  Fund- 
recht,  der  als  von  Jesubocht  herrijhrend  bezeichnet  wird,  sich  aber 
inhaltlich  und  zum  groHten  Teil  audi  in  der  Form  mit  dem  §  55  c  der 
Leges  Constantini  Theodosii  Leonis  in  der  Redaktion  Roinanus  1  (s.  meine 
Syrischen  Rechtsbiicher,  Band  I,  S.  31)  deckt.     Te.xt: 

2N^o^  ..«u  ol  l^JscLs  ^^JLJilp  jb  eou2  ^>aec^a.0L3r.^^ 
001  ^p  •s2  .ou&X^k,^  ou.olX3  «seoi\d  ^s.JH>^   .gu.3j;2  }..ae3La 

^2  2^..«o^  u.ov^  2i\j.^   loov*^^^   ^  e>  ~i.X?   Lia^JlN  a^a 

Ubcrsetzung:  Wenn  einer  von  Leuten,  die  Kompagnons  sind 
oder  zu  derselben  Schar  gehoren,  des  Weges  einherziehen,  einen  Fund 
findet,  dann  teilen  sie  es  alle  gleichmassig  unter  sich,  falls  der  erste 
(der  vorderste)  den  Fund  gemacht  hat. 

Wenn  aber  der  letzte  (der  hinterste)  den  Fund  gemacht  hat,  gehort 
er  ihm  ganz  allein. 

Wenn  dagegen  einer  von  den  mittlereii  (in  der  Mitte  marschierenden) 
den  Fund  gemacht  hat,  gehort  er  ihm  und  denjenigen,  die  hinter  ihm 
kommen,  indem  die  ersten,  die  (daran)  vorbei  gegangen  sind,  keinen 
Anteil  an  diesem  Funde  bekommen,  wie  die  Gesetze  befehlen. 

In  dem  Schlulipassus  >wie  die  Gesetze  befehlen  liegt  vielleicht  eine 
Hindeutung  darauf,  dafi  dies  Gesetz  von  Jesubocht  aus  den  Gesetzen 
der  Kaiser,  den  Leges  Constantini  Theodosii  Leonis  entlehnt  war. 


Anmerkungen 


zii  den 


Canones 


Simeon. 


u: 


S.  207.  Eine  vollstandige  arabischc  Obersetziing  tier  Cnnoiics 
Simeons  scheint  nicht  erhalten  zu  sein,  ist  wenigstetis  inir  niclit  hekamit. 
Einige  Reste  einer  solchen,  welche  sich  zerstreut  in  tiem  Codex  Vaticaiuis 
Arabicus  153  finden,  siiui  in  den  folgenden  Aninerkiingen  verwertet 
(s.  zu  §  V.  Vll.  X.  Xill.  XVI.  XVII.  XIX). 

S.  209,  10.     lil   ttAao.     Beqiicmer  ware    1x2.   U^isiO,  ersteres 

aber  mag  richtig  sein,  indem  eiii  Objektsakkusativ  wie  etwa  i«.t3Lii  oder 
«<JmhX3  oder  ahnliches  zu  erganzen  ist. 

S.  209,  14.  Das  a^J3  (OU?)  nach  23?oj.»  iind  U^jiocio 
konnte  entbehrt  werden,  da  es  eine  Wiederhnlung  von  3J:o  tSOLiaopka  ist. 

S.  209, 23.  2%\.^ea  cin  mir  iinbekanntcs  Wort.  Ob  etwa  ver- 
derbt  aus  2x^.^u>CLO  a-KijwTpov? 

S.  215, 3.     2^<J^o  Ia*?  .w^o;\a  vcrderbt.    Moglich  ware  ctwas 

wie  22^  ^e  2ou.*  >^eov\A. 

S.  218,  1.  Das  2.  Kapitel  der  Einleitung  (S.  218—221)  findet  sich 
auch  in  Tukkasa  Bl.  84a  22— 85  b  5. 

Kollation:   S.  219,  17   223^^e  st.  2^aao,    20.21  von  i^2  bis 
fehlt,   22  >i-?wa   St.  ^>.l,   23  X-a-Va  st.  l-a-V^?, 


26  ,^d.^3X»e  St.  >■■>a.3^^,   27  ^axa%^p  st.  .e^?.  28  '.^ajj  st. 

o^a,  221,3  ^ooui^l  St.  «sec;«>^23,  o  U'aoi^  st.  X^aoLX,  7  ^2 

St.  t^2e,  7  li,^iol  St.  3um2,  S  ^P9*S  st.  ^39^,  II  2au^2  st.  X.M2, 

15  eoA  St.  oajj.  17  IpJao^p  st.  ;j3wi9a3p,  21  ^2  1^2  st.  ^L, 

24  ^JCoaop  fehlt,   25  oocr  st.  ^Od. 

S.  220,  23.  In  dicsem  dritten  Kapitel  der  Einleitung  weist  Simeon 
darauf  hin,  daR  in  lier  kirchlichen  Gerichtspraxis  iiber  viele  Dinge  cnt- 
schieden  werden  nuiP),  fiir  die  es  geschriebene  Oesetze  nicht  gibt;  claB 
es  aber  in  iler  Kirche  eine  von  den  Vorfahren  iibernoniniene  F^cchts- 
ijberlieferung  gibt,  mit  deren  Hiife  unci  nach  deren  Analogic  die  vom 
gottlichen  Oeist  bcseelten  Leiter  der  Kirche  in  alien  Fallen  Recht  zu 
sprechen  vermogen.  Diese  Rechtsprechung  ist  auch  nicht  deshalb  an- 
zuzweifeln,  weil  sie  in  verschiedenen  Oegenden  etwas  tiifferiert.  Oleicli- 
wie   die   liturgischen  Oebniuche   der  Kirche   beruhen    ihre  biirgerlichen 


—     348     — 

Oi-setze  aiif  alter,  aiithciitisclicr  Tradition.  Der  Verfasser  verwahrt  sicli 
hcsoiuicrs  lebhaft  dajjegen,  dali  diese  seine  Ansiciit  etwa  cine  Neucruiiy 
inul  die  biirjrerliciien  (jesetze  lier  Kirche  lediglicli  i^ewolmlieher  Meiischeii- 
witz  seien. 

Es  ist  mir  auffallend,  da(5  Simeon  au(5er  in  §§  II.  IQ  nicht  Bezug 
iiinnnt  auf  irgeniiwelclie  Konziiai<ten,  weil  docii  in  ihnen  aucii  viele 
liestininuins^en  iiher  biir<ferliches  Reciit  enthalten  sind.  Ferner  darf  man 
wohl  annehmen,  dali  ihm  keitie  Sammlung  von  Satzen  aus  dem  bijrger- 
liehen  Recht  vnrgelegen  hat.  Daraiis  wiirde  folgen,  dalJ  die  sonst  so 
weit  verbreiteten  Leges  Keguiii  oder  Leges  Constantini  Theodosii  Leonis 
nicht  bis  zii  ihm  vorgedrungen  sind. 

Voin  3.  Kapitel  findet  sich  das  meiste  in  Tukl<asa  BL  76a  15— 76b  10. 

Kollation  S.  22L  28— 223,  14:  221,  2Q  0?a  fehlt,  223,  1  ImI'Vas 
^OV»4^*i  St.  2zl\jCJ?,  1  i^..23u.o^  t'ehjt,  1  ^»  i^2  st.  wbo?,  3  ^2 
St.  k^2,    8  ^  fehlt.    11  vAiiuk  st.  ^A.»Aj:.    13  ^ai.xx^<y\  st. 

Die  Paralleie  des  Kampfes  des  Propheten  Elias  mit  den  Baais- 
priestern  (Text  S.  223,  15 — 27)  ist  im  Tukkasa  ausgelassen,  vermutlich 
weil  der  Text  in  dem  Exemplar,  welches  Ebedjesu  vorlag,  nicht  besser 
war  als  derjenige,  der  uns  in  der  romischen  Handschrift  vorliegt. 

Der  zweite  Abschnitt,  Bi.  223,  28—235,  19  entspricht  Tukkasa 
Bl.  76b  10— 81  a  9. 

Kollation:  S.  225,  4  2^a4^auaep  st.  2^ttv\n.aoo3.  10  21a0^j; 

St.  2^.s,  10  ao  St.  3^.3,  11  \.^^e  st.  \a>^e,  11  ^Oibi  st.  ^07, 

12  ^07  St.  ^aor,   21  0007  fehlt,   26  Z»3bXe  St.   lao>x,   27  w.^oA 

St.  6»oJS,  227,  I  U.007?  St.  2o07  3,   9  looi  fehlt,    15  23u^  st.  21AjO. 

IS  ^i>JC»a  St.  ^,SlA,    is  ZxA\p  St.  iiASa.    19.  20  \.V.  >^lp 

St.  Ah^^2p,  26  M^idvlao  st.  y^^Jtf,  229,3  2oc?  Ltx^p  st.  yJi^Sp. 

5  aA.rL..^2  zA  St.  aA.3.,.^2.  6  oui^^slp  st.  eu3^^;s2  Susp, 
14  ^*aa,.303  St.  ^da«j.33,  15  lo^p  st.  23akMp.  16  U^^ouo  st. 
iJMOu.,  18  ^^lA3  St.  X»Za,  21  ^.«3  •p'ya  St.  "o'^s.  21  l*^iep 
St.  |w>^»,  21  ^«au^2  St.  ^3k.w.2,  23  ^07  st.  sOaof,  24  2ll\jo  ^ 
St.  2i*\jCD  p^,  25  3^1^.2  St.  aa^iCsL,  25  Zualcpep  2^'ix  st. 
2^X\,,  26  ^3  >\\.ao  St.  >^\r»,  26  £so07  St.  ^3  ;SoOT,  27  ^..\,iia 
OOOr  St.  «^'>\f^,  28  2'3u.3J:  St.  2^'aw.ij:,  28  2^3k^33  st.  2£s3u^3, 
231,  1  OOOT  fehlt,  0  tX^  fehlt,  7  -.OJOu.2  st.  JU,i,  10  3u\  3^202  st.  SkA 
3k^2,  14  ^2  St.  sf?,  20  AJiyi  aC^p  st.  Ajoa,  26  2x»l3  2au.2  st. 
2;w.1j]  23U.I.3,  27  ^X»23  ^ai  st.  v^Aof,  29  ^dA^^JLM  st. 
,^,Kbi»^.x».  233.2  >.v.'aa\t^  st.  ^xAmjlm,  5  ^aa.^  st.  ^xa.^. 

6  ^oov>'3k\^  w*3>,Jl.ao  St.  ^'xa^^^o,  8  t^  fehlt,  II  2330  st.  Z^pso, 


—     34'J     — 

12  Iuol^p  <i.  Ix^p.  14  lNok«.«^e  St.  I^ou^^.  15  I^J^..VVJ^ 
St.  IXolioo.  17  .^3  tehlt.  20  23^*00  loT  ta.T.in  st.  '■t.T'ta/t.Y). 
24  v^dkO^  St.  wi;sa^.   25  aa^JO^  st.  xsuo^.   235.4  2^oa^\.3  st. 

:^ft.i«\.3o.  s  ^1  St.  ^:.  11  ^o?  St.  «vo?^?.  12  ^3^23  St. 

^3>3o23.  13  ^\aoX3ao  st.  .  .taNxxao.  17  ^^3323  l^a^  st.  Xa3323, 

S.  221,8.    Das  Wort   1^32  bedeutet     lali  faliren,  lalJ  los  von, 

sieli  ab  von,  abgesehen  von  .  So  an  dieser  Stelle,  und  ebenso 
S.  243, 23  und  walirscheinlich  auch  S.  237, 4,  wo  freilich  zu  beachten 
ist,  daB  eine  Liicke  vorliegen  diirfte.  Auf  einen  negativen  Satz  folgend 
hat  es  den  Sinn :  geschweige  denn,  erst  recht  n  icht,  z.  B.  in  Kalila 
und  Dimna,   ed.  SchultheB,   S.  155,15.  16:      Ein  Freund,   der  sich   niclit 

fiir  seinen  Freund  opfert,  ist  nicht  vollkommen,  geschweige  denn  ^^32 
ein  Knecht.       Derseibe  Gebrauch  daselbst  S.  183,  17. 

S.  223,  16.     JCxSe^JC3    ist    von    Dr.  Riicker,    Die   Canones   des 

Simeon  S.44,  als  je»3e^  JU3.  fehlerhafte  Schreibung  fiir  ZJC3L5a\.  JU3 

=  apxeri'^rov  (adjektivjscii  apx^rv-os)  gedeutct.  DaB  Schriftsteller.  wie  z.  B. 
Dionysius  Areopagita,  den  Oraben  und  den  .Mtar  der  Eliasgeschichte 
symbolisierend  ausgeiegt  und  die  Herabkunft  des  Feuers  zu  einem  npx^' 
nnrov  gemacht  hatten.  um  theosophische  Gedankenreihen  daran  anzu- 
kniipfen,  ware  in  keiner  Weise  auffatlend,  icli  habe  aber  in  den  Schriften 
des  Dionysius  nichts  gefunden,  was  zur  Kontrolie  und  weiteren  .\us- 
fuhrung  dieses  Zusammenhanges  bei  unserem  Simeon  dienen  konnte. 
Fiir  den  Satz  von  dem  Feuer  als  Mittel  der  Unterscheidung  zwischen 
Wahrheit  und  Unwahrheit  kann  man  vielleicht  eine  entternte  Parallele 
in  riepi  rrjs  ovpavi'as  lepapxias  (Migne,  Patrologia  Oraeca  III,  I,  S.  317)  sehen, 
wo  im  Zusammenhang  der  Auslegung  von  Jesaias,  Kap.  6,  von  dem 
Feuer  als  Mittel  der  Reinigung,  von  einer  ^v.^jriji  evfpyem  als  einer 
KaOapriK^  lotonjs  der  Seraphim  die  Rede  ist. 

S.  232,  17.  Stehen  auf  einem  Sack  ,  vgl.  Stehen  auf  Sack  und 
Asche  bei  Timotheos  §  5.  6.  13.  14.  45:  Ebedjesu,  Tractatus  S.  213, 
Koi.  2,  l.Z.  und  S.  214,  Kol.  1,  1;  Histoire  de  Mar-Jabalaha,  de  trois 
autres  patriarches  usw.,  Paris  1895,  S.  247,  11.  12;  und  dasselbe  im  christ- 
lichen  Arabisch  jL.JIj  ^\  Jt  (-Ull,  s.  Timotheos  §  38,  Anm.  S.  192 

und  Chronique  de  Seert,  ed.  Addai  Scher,  I.  partie,  S.  219,  2  jp  f^^'J 

jUJIj  ■y-J.\-     Diese  Syrer  sagen  also   nicht  in  Sack  und  Asche  wie 

Matth.  11,21  und  Lukas  10, 13. 

S.  232,  25.  Unter  Dionysius  ist  Dionysius  Areopagita  gemeint, 
speziell  in  seinem  Werke  flip't  rijs  eK/c\;)cr(«(m».-vs  'upapxias,  die  Abschnitte 
uber  die  Taufe  Awi-ier/ios  und  fiber  die  Weihen  der  Toten  (Migne,  Patro- 
logia Graeca  III.  I,  S.  396,  §  VI  und  S.  552 ff.). 

S.  234,32.  §  1.  Bischof  Simeon  verfolgt  in  mehreren  Paragraphen 
seines  komplementaren  Rechtsspiegels  den  besonderen  Zweck,  die  Stellung 
der  Witwe  im  Erbrccht  zu  sichern  und  vermutlicli  zu  bessern,  woraus 
man  fulgern  darf,  daB  in  der  persischen  Kulturwelt,  wie  Simeon  sie 
vorgefunden  hatte,  die  Witue  nicht  so  versorgt  war,  wie  cr  es  wiinschte. 


—     350     ^ 

Nach  diesem  F^aragrapli  ist  sie  die  Gesamterbin  ihres  Gemalils,  wenn 
LT  keiiie  anderii  Ang^eliorijjen  hinterlassen  hat  als  einen  Briuier  unil 
sie,  und  in  wcitcrer  Aiisfiihrunu;  dieses  Gesetzes  bestimnit  v?  9,  dai5  der 
Witwe  als  (jesamferbin  keinerlei  rechtliche  Verpflichtiint,'en  gegcn  die 
(jcschwister  ihres  verstorbeneii  Eiiefjeniahls  obliegen.  in  §  5  wird  das 
Erbrecht  dcr  Witwe  jjej^eniiber  denijenijfen  der  Enl<el  des  Erblassers 
fcstgeiegt,  iiiul  in  §  Hi  gegen  etwaige  Anspriiche  der  von  ihrem  ver- 
storbencn  Qemalil    mit    einer    andern  Fran   gezeugten  Kitulcr  gesichert. 

Ill  diesem  Ziisamnienhaiii,'^  vcrdient  §  3  besondere  Reachtung. 
Der  Erblasser  soil  fiir  ilen  Unterlialt  seiner  Witwe  sorgen,  und  falls  er 
etwa  fromme  Legate  niaclit,  sind  diese  niir  dann  rechtsgiiltig,  wenn 
die  Witwe  ausreichend  versorgt  ist.  Er  darf  seine  Witwe  nicht  von 
seiner  Habc  ausschlieiien,  wenn  und  weil  er  etwa  annimmt,  dal5  sie 
iiacli  scinem  Tode  sich  wieder  verheiraten  werde,  vielmehr  soil  er  in 
seinen  letztwilligeii  Verfiigungen  nicht  allein  fiir  ihren  Unterhalt  sorgen, 
sondern  zuglcich  ihr  auch  so  viel  von  seiner  Habe  zuwenden,  als  fiir 
sie  erforderlich  ist,  daniit  sie  eine  neue  Ehe  eingehen  kann.  Es  ist 
eine  heidnische  Auffassung  unseres  Gesetzgebers,  dali  ihm  der  Ge- 
schlechtstrieb  und  seine  Befriedigung  als  etwas  Berechtigtes  gilt.  Bei 
den  Heiden  sei  ein  hurerisches  Weib  nicht  anstol^ig,  in  der  Kirche  des 
Messias  dagegen  eine  Uniiuiglichkeit.  Deshalb  sei  eine  Wieder- 
verheiratung  der  Witwe  empfehlenswert  und  der  Erblasser,  ihr  ver- 
storbener  Ehegenialii,  sei  verpflichtet  ihr  dazu  durch  Gewahrung  der 
notigen  Mittel  behiiflich  zu  sein.  Wie  die  Tochter  die  <hi^nvii  aus  dem 
Hause  ihres  Vaters,  so  soil  die  Witwe  eine  6epvij  aus  dem  NachlaB 
ihres  ersten  Gemahis  mitbringen,  falls  sie  nicht  selbst  die  Mittel  besitzt, 
welche  zum  Eingehen  einer  neuen  Ehe  erforderlich  sind. 

In    der  Begriindung   des   §  1    im  Text   S.  237,  4   liegt   cine  Liicke 

vor,  wahrscheinlich  zwischen  den  Wortern   2poT  2aSou3^3    und   I.S32 

X^a.    Vielleicht  war  der  Zusammenhang  folgender:  »Indem,  wenn  man 

die  Sache  genau  betrachtet  (man  findet,  daB  der  Ehemann  zwar  der 
Verwalter  der  Habe  seiner  Gemahlin  ist,  sie  aber  die  Eigentiimerin, 
liaB  daher  seine  Verwaltuiig  iiirer  Habe  gewissen  Beschrankungen 
uiiterliegt),  abgesehen  davoii,  daB  die  Gemahlin,  wenn  sie  stirbt,  voll- 
kommen  frei  (d.  i.  ohne  irgendwelche  Riicksicht  auf  ihren  Gemahl) 
iiber  ihrc  Habe  verfiigen  (testieren)  darf.  Demi  der  Ehemann  darf 
weder  im  Leben  noch  sterbend  einem  andern  etwas  zuwenden,  solange 
er  nicht  fiir  Gemahlin  und  Kinder  ausreichend  gesorgt  hat.  Seine 
Vermogensverwaltung  ist  beschriinkt  durch  die  Pflicht  gegen  Frau  und 
Kinder,  nicht  durch  eine  Pflicht  gegen  den  Bruder. 

Zum  Inhalt  dieses  Paragraphen  ist  zu  vergleichen  §  3,  wo  von 
der  Beschrankung  der  Testierfreiheit  des  Ehemannes  gegeniiber  seiner 
Witwe  die  Rede  ist,  und  §  19,  wo  der  Witwe  die  unbeschriinkte  Ver- 
fiigung  iiber  ihr  Eigentuin  vindiziert  wird.  Der  Tod  lost  die  Ehe- 
gemeinschaft,  s.  §15,  Abs.  2.  

Der  Ausdruck,   Text  S.  237,  4,    3uXO    ^S-^I^^^Sw..   .si    A^   XA 

fimlet  sich  ahnlich  S.  221,  1,  und  zu  dem  Ausdruck  l^si  vgl.  An- 
inerkung  zu  S.  221,  8. 

Dr.  Riicker  a.  a.  O.  S.  49,  verweist  auf  eine  Stelle  in  den  Briefen  des 
nestorianischen  Patriarchen  Jesujabh  III.,  cd.  Duval,  S.  153,  welche  ich 
hier  in  freier  Obersetzung  mit  besonderer  Hervorkehrung  des  juridischen 
Inhalts  gebe: 

Mogest  du  nun  stets  festhalten  an  dem  Forschungsergebnis,  das 
liu  in  den  Briefen  fixiert  und  mir  niitgeteilt  hast,  namlicli: 

1.  Die  illegitime  Ehe  eines  Mannes  mit  der  Frau  (Witwe)  des 
Bruders  seiner  Mutter  ist  zu  verwerfen; 


—     351      — 

2.  Wenn  die  sub  1  genannte  Frau  scluildbeladen  stirbt,  ist  ihr 
Oemahl  von  ihrer  Erbschaft  auszuschlieBen. 

Unter  Erbschaft  der  Frauen  verstehe  ich  nicht  dasjenioe,  was 
bishcr  im  Getjensatz  ziir  Bibel  und  der  bisheriijen  Lelire  (der  Kirche) 
in  diesem  Reiclie  (des  Islams  unter  Oman  und  Othman)  der  schleclite 
Usus  ist,  dal5  man  namlich  die  Witwen  die  Habe  iiirer  Ehemanner  erben 
laBt,  aucii  wenn  sie  weder  durcii  Testament  noch  durch  eine  Schenkun<r 
der  Ehemanner  iimen  verniacht  worden  ist,  wahrend  nach  gottliciiem 
Gesetz  diese  Habe  den  Sohnen  oder  Toclitern  oder  Briidern  oder  Vaters- 
briJdern  oderanderen  nahen  Verwandten  zufailen  miil5te.  Ich  verstehe  unter 
Erbschaft  der  Frauen  viehnehr  die  6epvij,  weiche  die  Frau  bekommt: 

1.  entweder  aus  dem  Hause  ihres  Vaters 

2.  Oder  aus  dem  Hause  ihres  Gemahls  zur  Zeit,  wo  sie  (die 
Frau)  ihm  (dem  Gemahl)  iibergeben  wird  (dies  ware  also  nicht  <f'epvti, 
sondern  cuipea), 

3.  von  ihrem  Gemahl  bei  seineni  Tode  (durch  letztwiiiige  Zu- 
wendung  zum  Unterhait  und  eventueij  zur  Wiederverheiratung), 

4.  oder  von  ihren  eigenen  Sohnen  als  freiwillige  Zuwendung 
(falls  z.  B.  sie  ohne  eigenes  Vermogen  ist,  fails  ihre  6epv,j,  die  ihr  nach 
dem  Tode  iiires  Gemahls  wieder  zufallt,  fiir  sie  nicht  geniigt,  um  sich  zu 
unterhalten  und  wieder  zu  verheiraten,  und  ihr  Oemahl  ihr  nichts  oder  nicht 
genugende  Mittel  fiir  diesen  Zweck  durch  sein  Testament  iiberwiesen  hat), 

5.  oder' von  den  Vorstehern  der  Kirche  (falls  sie  weder 
selbst  noch  durch  ihren  Gemahl  noch  durch  ihre  Sohne  die  notigen 
Mittel  zum  Unterhait  und  zur  Wiederverheiratung  hat). 

Hierbei  ist  iiberail  die  Voraussetzung,  daH  die  Frau  sich  einwandfrei 
benimmt.  Im  entgegengesetzten  Fall  soil  ihr  auch  die  genannte  Habe  nicht 
zufailen,  sondern  den  rechtmalJigen  Erben,  d.  i.  den  Sohnen  (Kindern), 
gegeben  werden.     Solches  ist  christliches  Gesetz  in  unserem  Lande.< 

Jesujabh  III.,  der  .\diabener  (d.  i.  gebiirtig  aus  der  Gegend  von 
Arbela),  war  Patriarch  von  647  bis  658,  hat  aber  den  Brief,  dem  wir 
diese  Stelle  entnchmcn,  vorher,  als  er  Erzbischof  von  Mosul  und  Arbela 
war,  geschrieben.  Wenn  er  also  die  usuellen  Rechte  der  Witwe  be- 
schranken  oder  cventuell  aufheben  will,  wahrend  unser  Simeon  im  Gegen- 
satz  dazu  bemiiht  ist  sie  sicherzustellen,  so  ist  diese  Differenz  vielleicht 
in  der  Weise  zu  crklaren,  dal5  Jesujabh  die  Verhaltnisse  in  Assyrien, 
Simeon  diejenigen  in  der  Persis  im  Sinne  hatte.  Jesujabh  III.  behandelt 
dieselben  Fragen  des  Erb-  und  Dotalrechts,  mit  denen  sich  bereits  cin 
halbes  Jahrhundert  friiher  noch  im  Sasanidenreich  sein  Vorganger  und 
Namensvetter  Jesujabh  II.  beschaftigt  hatte,  woriiber  ich  auf  meine  Schrift 
Von  den  rechtlichen  Verhaltnissen  der  Christen  im  Sasanidenreich  S.  IS 
bis  20  (Milteilungen  des  Seminars  fiir  Orientalische  Sprachen  1907,  Jahr- 
gang  10)  verweise.  Ober  das  Erbrccht  der  Witwe  im  allgemeinen  s. 
a.  a.  O.  den  Abschnitt  iiber  Testament  S.  20—23. 

S.  236, 25.  §2.  Dieser  Paragraph  besagt,  da(3  die  verheiratete 
Tochter  ihren  Vater  nicht  beerbt,  denn  infolge  ihrer  Verheiratung  gilt  sie 
als  aus  der  Familie  ihres  Vaters  ausgeschieden. 

in  der  Fragestellung  verstehe  ich  unter  der  vaterlichen  Zu- 
wendung an  die  verheiratete  Tochter,  da  sie  unmittelbar  auf  den  Satz: 
Wenn  die  Tochter  zu  Lebzeiten  ihres  Vaters  sich  verheiratet<  folgt,  die 
Mitgift  oder  (i>epv,;.  Danach  bedeutet  die  Frage:  ob  die  verheiratete 
Tochter,  nachdem  sie  ihre  Mitgift  bckommen,  noch  erbrechtliche  An- 
spriiche  gegen  den  Nachlali  des  verstorbenen  Vaters  zu  stellen  hat.  Die 
Antwort  hierauf  lautet:  nein. 

In  der  Antwort  behandelt  der  Verfasser  daneben  einen  Anspruch 
der  verheiratcten  Tochter  gegen  den  Nachlal?  ihres  Vaters,  der  nicht  aus 
dem  Erbrecht  entspringt. 


Er  hatte  vielleicht  eiiieii  Fall  wie  deii  folgenden  ini  Augc:  Ein 
Mann  verheiratct  seine  Tochter;  er  kaiin  ihr  keine  so  i^roBe  Mitgift 
ijeben,  wie  wohl  Reclit  und  Sitte  erfordert,  macht  daher  mit  seinem 
kiinftigen  Schvvieji;ersohn  den  Pakt  (Dotalvertrag;),  daB  er  seiner  Tochter 
eritvveder  zu  einem  spateren  Zeitpunkt  eine  Zuwendung  machen  oder  in 
seinem  Testament  ein  Legat  anssetzen  werde.  Beide  Handlungen  sind 
im  letzten  Absat/  von  §  5  anjjjegeben  und  deutlich  gesciiieden. 

Wir  diirfen  danach  den  Inhait  des  §  2  in  folgende  zwei  Satze  zii- 
sammenfassen : 

1.  Die  veriieiratete  Tochter  ist  nicht  Erbin  ihres  Vaters. 

2.  Der  Vater  einer  verheirateteii  Tochter  kann  ihr  sow(jhi  zu 
seinen  Lebzeiten  infolge  eines  Dotalvertrages  wie  sterbend 
durcli  sein  Testament  Ziiwendungen  machen. 

Letztere  Bestimnuing  hatte  vielleicht  die  erforderliche  Begrenzung 
in  anderen,  damais  bekannten,  hier  aber  von  Simeon  nicht  erwahnten 
Rechtssatzen  iiber  das  Anrecht  der  Erben  auf  Pflichtteile,  zu  denen  dieser 
§  2  etwa  wie  eine  Erganzung  hinzutrat.  Uber  eine  gewisse  Beschrankung 
des  Testierrechtes  s.  §  3. 

Es  ist  ein  groBer,  bereits  oben  S.  320  geriigter  Mangel  in  der 
Diktion  des  syrischen  Ubersetzers,  daB  er  nicht  einen  technischen  Aus- 
druck  fiir  Legat  gepragt  hat. 

S.  236,  38.  §  3.  Der  Inhait  dieses  Paragraphen  kehrt  in  §  4  wieder. 
AuBerdem  ist  der  letzte  Absatz  von  §  13  zu  vergleichen.  Wie  Simeon 
hier  dafiir  kampft,  daB  der  Witwe  aus  dem  NachiaB  ihres  Mannes 
nicht  bloB  die  Mittel  fiir  den  Unterhalt,  sondern  auch  diejenigen  fiir  die 
Wiederverheiratung  gewahrt  werden  sollen,  so  fordert  er  in  §  13,  daB 
der  Tochter  eines  verstorbenen  Mannes  aus  seinem  NachiaB  nicht  bloB 
ihr  Erbteil,  d.  i.  die  Halfte  eines  Sohneserbteils,  gegeben  werden  soil, 
sondern  eventuell  noch  mehr,  falls  ihr  Erbteil  fiir  ihre  Wiederverheiratung 
nicht  ausreicht.  In  jenem  wie  diesem  Fall  soil  jeder  AnlaB  zur  Unzucht 
und  damit  zu  Argernis  in  der  Kirche  vermieden  werden. 

Das  Gesetz  Simeons,  betreffend  die  Ausstattung  der  Witwe  oder 
Tochter  fiir  die  Verheiratung  bzw.  Wiederverheiratung,  macht  den  Ein- 
druck  einer  Neueriuig  gegeniiber  einem  bestehenden  Zustande,  den  die 
persischen  Christen  in  ihrer  heidnischen,  zoroastrischen  Umgebung  vor- 
gefunden  haben  mogen.  Wenn  wir  Simeon  glauben  diirfen.  hatten  die 
zoroastrischen  Bewohner  der  Persis  an  weiblicher  Unzucht  keinen  An- 
stoB  genommen. 

Der  Behauptung  Simeons,  daB  die  Heiden  (d.  h.  doch  wohl  hier 
die  Mazdajaznier  oder  Parsen)  eine  ehehrecherische  und  unzuchtige  Fran 
nicht  verachteten,  darf  man  eine  Stelle  in  einem  Patet  (BuBgebet  der  Parsen) 
entgegenhalten,  wo  Prostitution  und  Hurerei,  Umgang  mit  einer  Prosti- 
tuierten  zu  den  Siinden  gerechnet  werden.  Siehe  Le  Zend-.^ vesta, 
traduit  par  Darmsteter,  III,  S.  174. 

S.  238,32.  §  4.  Aus  diesem  Paragraphen  wie  aus  §  7  lernen  wir, 
daB  es  im  persisch-christiichen  Altertum  eine  doppelte  Ehe  gab,  eine 
Ehe    mit  Gii  tergemeinschaft  und  eine  Ehe  mit  Oiitertrennu  ng. 

Im  ersteren  Fall  ist,  wenn  der  Mann  stirbt,  der  Verinogensanspruch 
der  Witwe  gegen  seinen  NachiaB  nach  den  besonderen  Bestimmungen 
des  Ehevertrages  zu  regeln,  und  alle  Gesetze  des  Intestaterbrechts  sind 
in  diesem  Falle  ausgeschlossen.  Ober  den  andern  Fall,  daB  die  Ehe- 
frau  eines  Mannes,  der  mit  ihr  in  Giitergemeinschaft  lebt,  stirbt,  und 
seine  vermogensrechtliche  Stellung  vgl.  §  7. 

in  dem  zweiten  Fall  diirfte  nach  diesem  §  4  sowie  nach  §  3  die  ver- 
niogensrechtiiciie Stellung  iler  Witwe  in  folgender  Weise  zuprazisierensein: 


-        353     — 

Das  personliche  Eigentum  der  Witvve,  das  sie  niit  in  die  Ehe  ge- 
braclit  hatte  iind  \\m  dem  wir  durcli  §  1  wissen,  dafi  es  wall  rend  der 
Ehe  von  ihrem  Oeniahl  verwaltet  wiirde,  fallt  in  der  Substanz  sanit  Zins 
und  Zinseszins,  falls  nicht  in  dem  Etiekontrakt  etwas  anderes  bestimmt 
vvorden  ist,  an  die  Wihve  zuriick.  AnIJerdem  aber  bekonmit  sie  aus 
dem  von  ihrem  Oemahl  hinterlassenen  Vermogen  ihren  Unterhalt  nnd, 
falls  sie  sich  wieder  verheiraten  will  und  ihre  eijjenen  Mittel  dafiir  nicht 
ausreichen,  noch  so  viel  melir,  das  sie  in  den  Stand  setzt  eine  iieiie 
Ehe  einzujjehen. 

Die  Bestimnuing  der  Hohe  der  einzelnen  Betrage  wird  Sache  der 
geistlichen  Behorde  gewesen  sein. 

S.  240,  4.  §  5.  Die  Frage  dieses  [^aragraphen  lantet  vvortlich  wie 
folgt:  Bekommen  dann  die  verheirateten  Sohne  von  dem  Vermogen  ihres 
Vaters  einen  Teil  ,  was  nicht  richtig  sein  kann.  Denn  die  verheirateten 
Sohne  konnen  ihren  Vater  nicht  beerben,  weil  sie  nach  detn  Znsamnien- 

hang  bereits  tot  sind.    Ich  empfehle  anstatt    «^ec;^  it^lp  Lj3  ^^Ok^cri 

iliao    Ixi   zu  lesen    Loj   vOuioV^   nO^V^  ^.^Ip   j..'.',\,3e    XJix. 

Dadurch  ergibt  sich  folgender  Sinn :  Bekommen  dann  die  Frauen  und 
Kinder  dieser  Sohne  auch  von  dem  Vermogen  ihres  Vaters  (des  Vaters 
der  letzteren,  des  Erblassers)  einen  Teil. 

Im  folgenden  werden  zwei  Falle  unterschieden: 

1.  Wenn  die  verheirateten  Sohne  (B',  B^,  B'^  usw.)  vor  ihrem 
Vater  (A)  sterben,  treten  die  Enkel  in  das  Erbrecht  der  Sohne,  ihrer 
Vater,  ein. 

2.  Im  zvveiten  Fall  handeit  es  sich  um  Kommorienten  oder  solche 
Personen,  die  als  Kommorienten  angesehen  werden.  In  diesem  Fall 
gilt  ein  anderes  Erbrecht:  Der  NachlaB  des  Vaters  (A)  wird  zur  einen 
Halfte  von  seiner  Witwe,  zur  andern  von  den  Kindcrii  und  Frauen 
seiner  Sohne  (B',  B^,  B^  usw.,  den  Enkeln  und  ihren  Miittern,  den 
Schwiegertochtern  von  A)  geerbt. 

Im  ersteren  Fall  ist  das  Erbrecht  der  Enkel  ein  starkeres,  groHeres, 
im  zweiten  ein  schvvacheres,  geringeres.  Oher  den  Grund  der  Ver- 
schiedenheit  in  der  erbreciitlichen  Beurteilung  dieser  beiden  Faiie 
aulJert  sich  der  Verfasser  nicht.  Ob  etwa  die  Tendenz,  die  Witwe  des 
Erblassers  unter  alien  Umstanden  sicher  zu  stellen,  auch  hier  wie  in 
mehreren  anderen  Bestimmungen  Simeons  mitgewirkt  hat? 

Die  Stellung  der  Mutter  der  Enkel,  der  Schwiegertochter  des 
Erblassers,  wird  von  Simeon  nicht  naher  bestimmt.  Wir  diirfen  aber 
den  Ausdruck  die  andcre  (Halfte)  den  Kinder n  und  Frauen  der 
Sohne  so  auffassen,  daH  diese  Frauen  die  Habe  ihrer  Kinder  wjihrend 
der  Minderjahrigkeit  derselben  eventuell  unter  Beihilfe  eines  Kurators 
verwalteten,  da(5  sie  aber  gegen  das  Vermogen  ihrer  Kinder  das- 
selbe  Recht  hatten  wie  gegen  das  Vermogen  ihrer  Ehemanner, 
der  Vater  ihrer  Kinder,  d.  i.  das  Recht  auf  Unterhalt  und  die  Mittel 
zur  Wiederverheiratung,  falls  sie  eine  solche  eingingen. 

Der  letzte  Absatz  der  .\ntwort,  betreffend  die  verheirateten  Tochter, 
ist  bereits  unter  §  2  S.  351   besprochen. 

In  dem  Fragment  einer  arabischen  Version  Cod.  Arab.  Vat.  153 
BI.  153b  liegt  ein  arges  MiBverstandnis  des  syrischen  Originals  vor: 

^»^LJ  pLJ_j  jVj>   -.^;  (sic)  jrtiiiil  ^^^  ^J^\  J  iJji  jVjI   ^^   ^-^ 

Sachau,  Syrische  RechtsbOclier  \\l.  23 


H54 

— ^  f-^^ViV  ^U*  <_)J  \p  jlj  A_^  ji  (^1  A„  l_^  jl  ^^Vji,. 

(das  weitere  felilt  in  cicr  romischen  Handschrift).   Vj  (.*-'  jVjI  V  0" J!b 

Ubcrsetzunjr:  Simeon  der  Perser:  Wenn  ein  Mann  Sohne  iind  ver- 
heiratete  Tochtcr  hat,  und  wunn  von  seinen  Sohncn  einige  einen  Solin  odtr 
(niehrere)  Kinder  iialx-n,  andcre  da.Ljegen  kinderlos  sind;  wenn  es  nun 
passiert,  da(5  dieser  Mann  und  seine  Kinder  (Sohne),  sowohl  die  niit 
Kindern  verselienen  wie  die  kinderlosen,  im  Krieg  getotet  werden,  dann 
failt  der  Teil  (Erbteii)  den  Gemordeten,  die  Kinder  und  Frauen  hinter- 
lassen,  ihren  Frauen  und  Kindern  zu,  falls  sie  nach  ihrem  Vater 
oder  zugleicli  mil  ihm  getotet  sind.  Wenn  sie  aber  vor  ihm  ge- 
totet werden,  dann  gehort  ihre  Habe  nur  ihren  Kindern.  Und  dle- 
jenigen,  die  keine  Kinder  haben  noch  ....<- 

S.  240,  26.  §  6.  Die  in  diesem  Paragraphcn  behandelte  Frage  hat 
der  Verfasser  zweimal  in  der  Einleitung  gestreift,  S.  214,  3:  Wenn  ein 
Mann  ohne  Hinterlassung  von  Frau  unci  Kindern  stirbt,  wem  gehort 
sein  NachlaB?  ,  und  S.  216,  8:  Wenn  ein  Mann  ohne  Hinterlassung 
von  Frau  und  Kindern  stirbt,  soil  seine  Habe  seinen  Briidern  und 
Schwestern  oder  seineni  iiltesten  Bruder  gegeben  werden?- 

Der  Text  dieses  Paragraphen  bedarf  keiner  Erlauterung.  Eine 
arabische  Obersetzung  war  in  Cod.  Arab.  Vat.  153  Bl.  220  b  vorhanden, 
ist  aber  fast  bis  zur  Unkenntlichkeit  zerstort. 

Der  Ausdruck  voni  Erbe  seines  Vaters  bedeutet  hier:  von 
der  Habe,  welche  sein  Vater  zu  Lebzeiten  verteilt  hat. 

S.  240, 35.  §  7.  in  der  Fragestellung  ist  zu  beachten,  dalJ  die 
andere  Frau,  welche  der  Mann  heiratet,  im  Oegensatz  zur  ersten  Frau 
eine  Frau  ohne  Teilhaberschaft  an  seiner  Habe,  ohne  Giitergemeinschaft 
mit  ihm  ist,  wie  im  Wortlaut  der  Antwort  angegeben. 

Von  Ehe  mit  oder  ohne  Giitergemeinschaft  ist  bereits  in  den 
Anmerkungen  zu  §  4  die  Rede  gewesen.  Die  Giitergemeinschaft,  die 
in  diesem  §  7  gemeint,  ist  derartig,  daB  der  Mann  bei  dem  Eingehen 
der  Ehe  kontraktlich  seine  Frau  und  die  Kinder  ihrer  Ehe  zu  Teil- 
habern  an  seinem  Vermogen  erkiart. 

Der  aus  dem  Kontrakt  zitierte  Wortlaut  iiber  die  Giitergemeinschaft 
zwischen  Mann,  Weib  und  Kindern  scheint  auf  den  ersten  Anblick 
bedenklich.  Wenn  die  Kinder  der  ersten  Frau  wirklich  Teilhaber,  d.  h. 
Mitbesitzer  an  dem  gemeinsamen  Vermogen  ihrer  Eltern  sind,  wenn 
dies  Vermogen  dem  Vater,  der  Mutter  und  den  Kindern,  und 
nach  dem  Tode  der  Mutter  dem  Vater  und  den  Kindern  gehort, 
so  konnte  man  daraus  folgern,  daH  nach  dem  Tode  des  Vaters  diese 
Kinder  die  einzigen  Erben  seines  Vermogens,  also  die  Kinder  der 
zweiten   Ehe  von  seiner  Erbschaft  ausgeschlossen  seien. 

Anders  unser  Bischof  Simeon.  Er  laBt  die  Kinder  der  zweiten 
Fran,  obgieich  er  weder  diese  Frau  noch  ihre  Kinder  kontraktlich  zu 
Teilhabern  an  seinem  Vermogen  erkiart  hat,  mit  den  Kindern  der  ersten 
Ehe  zu  gleichen  Teiien  den  gesaniten  NachlaH  ihres  Vaters  erben,  be- 
trachtet  also  das  Anteilsrecht  der  Kinder  aus  erster  Ehe  als  nicht  vor- 
handen. Es  hat  danach  den  Anschcin,  als  habe  Simeon  die  Sozietat 
eines  Mannes  mit  seiner  Frau  und  seinen  mit  ihr  gezeugten  Kindern 
als  durch  ilen  Tod  der  Frau  aufgelost  betrachtet.  Denselben  Fall  mit 
besonderer  Begriindung  s.  bei  Jesubocht  V,  V  §  S. 

Wenn  man  den  Ausdruck  ihre  Habe  und  ihr  Ante il  (Text 
S.  243,  5)  nicht  allgemein  als  eine  Bezeichnung  fiir  ihre  Teilhaberschaft 
an  dem  Vernuigen  ihres  Mannes  auffassen  will,  kann  man  das  erstere 
als  ihre  Mitgift  o'l^/mj  und  das  letztere  als  ihren  Anteil  an  dem  Ver- 
mogen ihres  Mannes  auffassen.     In    dem    Fall    wiirde   das    gemeinsiinie 


—     355     — 

Vermogen  bzw.  der  NachlalJ  des  Mannes  bestelien  a)  aiis  dem,  was 
er  hat  und  erwirbt,  und  b)  aus  dem,  was  die  Frau  niit  in  die  Ehe 
gebracht  hat. 

Fur  die  erbrechthche  Stellung  der  Kinder  ist  zu  beachten,  daH 
die  unverheirateten  Tochter  die  Halfte  von  dem  Erbteil  eines  Sohnes 
erben  {§  13). 

Aus  dem  SchlulJabsatz  der  Antwort  diirfen  wir  entnehmen,  daB 
in  dem  guterrechthchen  Kontrai<t,  der  bei  dem  Eingelien  einer  Ehe 
abgeschlossen  wurde,  die  verschiedensten  Kiausehi  vorgei<ommen  sein 
mogen,  wie  z.  B.,  da(5  der  Nachlali  des  Mannes,  falls  er  ohne  Erben 
sterbe,  der  Kirche  zufaiien  solie,  oder  ahnliches. 

Von  der  arabischen  Version  ist  nur  ein  Teil  eriialten  in  Cod. 
Arab.  Vat.  153  BI.  174  b,  4  von  unten: 

Simeon  der  Perser:  Wenn  die  Habe  des  Mannes  und  der  Frau 
vermischt  ist,  wenn  er  von  ihr  Kinder  hat,  und  sie  dann  stirbt;  wenn 
er  eine  andere  heiratet,  audi  von  dieser  Kinder  hat  und  nun  testament- 
los  stirbt;  wenn  das  Obereinkommen  zwischen  ihm  und  der  ersten 
Frau  Idar  ist,  und  dalJ  (sic)  ihre  Habe  und  ihre  Kinder  ihm  gehoren; 
wenn  sie  stirbt,  kehrt  ihre  Habe  zu  ihrem  Gemahl  zuriick.  Wenn  er 
dann  eine  andere  heiratet  und  nun  stirbt,  wird  verteilt . . .  . 

S.  242,  17.  §  8.  Auch  dieser  Paragraph  scheint  mir  in  der  Haupt- 
sache  bestimmt,  die  erbrechtiiche  Stellung  der  Witwe  zu  sichern,  wie 
die  §§  1.  9.  5.  19.  Wie  in  §  1  bestimmt  ist,  dal5  bei  Konkurrenz  von 
Mutter  und  Briidern  des  Erblassers  nur  die  erstere  zur  Erbschaft  berufen 
wird,  so  gibt  ihr  dieser  Paragraph  dasseibe  Recht  auch  in  der  Kon- 
kurrenz mit  den  Schwestern  des  Erblassers.  Was  aber  in  diesem 
Paragraphen  besonders  wichtig,  ist  der  Umstand,  dal5  ihr  dies  Erbrecht 
selbst  in  dem  Fall  gesichert  wird,  wenn  sie  nach  dem  Tode  des  Erb- 
lassers sich  wieder  verheiratet.  Man  hatte  wohl  so  deduzieren  konnen: 
Durch  die  Ehe  mit  einem  andern  Manne  ist  die  Frau  aus  der  Gemein- 
schaft  mit  dem  ersten,  dem  verstorbenen  Manne  ausgeschieden,  und 
damit  auch  aus  den  Rechten  dieser  Gemeinschaft.  Danach  hatten  die 
Schwestern  zur  Erbschaft  berufen  werden  miissen,  nicht  die  Witwe. 
Wenn  ich  nicht  irre,  ist  auch  dies  Gesetz  eines  von  denjenigen,  durch 
welche  Simef)n  der  Witwe  den  Weg  zur  Wiederverheiratung  zu  ebnen 
und  zu  sichern  sucht  (s.  §  3). 

In  der  Fragestellung  diirfte  der  die  Tochter  betreffende  Passus 
besagen,  dal5  einige  der  Tochter  verheiratet  sind  und  damit  das  Erb- 
recht gegen  ihren  Vater  verloren  haben,  andere  dagegen  unverheiratet 
und  noch  am  Leben  sind.  Diese  letzteren  haben  noch  ihr  voiles  Erb- 
recht gegen  ihren  Vater,  trotzdem  wird  ihre  Mutter,  obgleich  sie  einen 
zweiten  Mann  geheiratet  hat,  ihnen  als  Erbin  vorgezogen. 

S.  242,  26.  §  9.  In  weiterer  .Ausfiihrung  der  §§  1  und  8  schiitzt  dies 
Gesetz  die  ihren  Gemahl  beerbende  Witwe  gegen  etwaige  Anspriiche 
seiner  Bruder  oder  Schwestern. 

S.  242,36.  §  10.  Oemeint  ist,  da(5  ein  Mann,  also  ein  Erwachsener, 
nicht  berechtigt  ist,  tlie  Herausgabe  seines  Erbteils  von  seinem  Vater, 
solange  dieser  lebt,  zu  fordern.  Dies  Gesetz  erieidet  aber  zwei  Ausnahmen: 


:!;■>(', 

1.  1st  iler  ervvachsene  Sohn  tiiircli  ein  korpcrlidies  Leiden  erwcrbs- 
unfaliiy,  dann  soil  sein  Vater  ihn  von  seiner  (des  Vaters)  Habe  erbeii 
lassen.  Icii  verstehe  dies  so:  Der  Vater  soil  ihm  die  Mittel  des  Unter- 
iialts  j^ewahren,  ihm  etwas  von  seinem  Vermoj^en  als  Erbteil  iiber- 
weisen,  obwolil  er,  der  Vater,  noch  lebt,  darf  abcr  in  seinem  Testament 
diesen  Betrai;  in  Rechnuni^  setzen,  il.  h.  bestimmeii,  da(5  dem  betreffenden 
Erben  von  dem  ihm  vermachteii  Erbteil  dasjenige  abgezogen  werden 
soil,    was    ihm    der  Vater-Erblasser  schon  zu  Lebzeiten  iiberwiesen  hat. 

2.  Zu  dem  Wortlaut  betreffend  den  zweiten  Fall  ist  zii  bemerken, 

dali  das  Wort  Sohn   li3    hier   vvahrscheinlich    den    Sinn    von    Kind 

haben  diirfte,  denn  die  Verpflichtung  des  Vaters  muB  dieselbe  gegen 
cine  unverheiratete  Tochter  wie  gegen  einen  Sohn  gewesen  sein.    Ferner 

diirfte   das  Wort   .lY^.p,  li.  i.   mini  iiiidiges    Kind,   als   Obersetzung 

ilem  persischen  Original  nicht  ganz  gerecht  geworden  sein,  denn  es 
kaiiii  hier  nicht  ein  unniiindiges  Kind  gemeint  sein,  sondern  ein 
Erwachsener,  welcher  kindisch,  also  geistig  minderwertig  und  dadiirch 
erwerbsunfahig  ist.     Eine  solche  Bedeutimg   wohnt  aber  dem  syrischen 

l\\.    Z«j>\y  nicht  inne.    Dal3  der  Vater  verpflichtet  ist,  fiir  ein  geistig 

nicht  normal  entwickeltes  Kind  bis  zum  Mijndigkeitsalter  zu  sorgen, 
ist  selbstverstandlich  und  kanii  hier  nicht  gemeint  sein.  Ich  verstehe 
daher  den  zweiten  Fall  so:  Wenn  ein  Mann  ein  erwachsenes  Kind 
(Sohn  Oder  unverheiratete  Tochter)  hat,  das  infolge  psychischer  Mangel 
erwerbsunfahig  ist,  dann  verpflichtet  das  Oesetz  seinen  Vater,  in  der 
Weise  fiir  dasselbe  zu  sorgen,  daB  er,  solange  er  (der  Vater)  lebt,  es 
unterhalten  muB,  dal5  er  aber  diese  Kosten  in  seinem  Testament  in 
Anrechnung  bringen,  d.  h.  bestimmen  darf,  daI5  der  diesem  Kinde  zu- 
fallende  Erbteil  urn  dasjenige  geringer  sein  soil,  was  der  Vater  ihm 
(dem  Kinde),  seitdem  es  miindig  geworden,  zugewiesen  hat. 

In  der  arabischen  Version  Cod.  Arab.  Vat.  153  Bl.  206  b,  11  lautet 
dieser  Paragraph  folgendermaBen: 

Jjl  ^^  L^l  ;^A.  V  jl  jlLL.  aJ  ■<;x.  ^j  j  jig' life  U^l  UsA.  Y  jl 
f^A  JU  j^  Vl  a!  iL^  Vj  j-1-  j\  l^  >*  ^j  jU")!]  jlS' jL*  '^-^•r"  J 

.4j1^^  •w  jl  jyf-^  yVJ 

Dieser  Text,  der  wesentlich  vom  syrischen  Original  abweicht, 
bedeutet: 

Simeon:  Wenn  die  Gemahlin  oder  der  Sohn  zu  Lebzeiten  des 
Oemahls  und  des  Vaters  einen  Erbteil  verlangen,  konnen  sie  (Gemahl 
und  Vater)  ihn  ihiien  verweigern.  Wenn  es  (dies)  zur  Zeit  seines 
Todcs  geschielit  (d.  h.  wenn  diese  Forderung  an  den  sterbenden  Ge- 
mahl oder  Vater  gerichtet  wird),  ist  er  (Gemahl  oder  Vater)  berechtigt, 
ihn  ihnen  zu  verweigern.  Wie  viel  mehr,  wenn  7A\  seinen  Lebzeiten 
(diese  Forderung  an  ihn  gerichtet  wird).  Wenn  aber  der  Mann  ein 
Kind  hat,  das  entweder  unmiindig  oder  dauenul  kriinklich  ist  und  nicht 
anders  als  von  der  Habe  des  Vaters  leben  kann,  ilann  darf  er  ihm 
nicht  seine  Erbschaft  verweigern. 

S.  242,  44.  §  11.  Der  SynodalbeschluB,  auf  den  sich  Simeon  beruft, 
ist  ^  \2  der  Synode  des  Mar  Ezechiel  vom  jahre  576  (s.  I.  B.  Chabot, 
Synodicon  Orientale  S.  379).  Vgl.  anlxTdem  den  .'Xbschnitt  Sklaverei 
in  iiieiner  Schrift  Von  ilen  reclitlichen  Verhaltnissen  der  Christen  im 
Sasanidenreich  S.  24.  25. 


I 


Aus  dor  einsclirankeiulen  Bemerkiinjj  dcs  letzten  Absatzes  Man 
soil  aber  diesen  Orundsatz  iisw.  dart"  man  entnehnien,  dali  in  ver- 
schiedenen  Landern  der  nestorianischen  Cliristenlieit  der  Grnndsatz, 
ein  Freigelassener  kcinne  Kleriker  werden,  nicht  iinbestritten  yjewesen  ist. 

S.  244,32.  §  13.  In  dem  Passus  >.Weil  den  Sohncn  dor  Besitz  v(in 
ilireni  X'ater  iisw.  liegl  dor  Nachdruck  auf  don  Worten  auf  ilom  Wege 
der  Vererbnng.     Der  natiirliche  Verlaiif  der  Din»e  ist  der,  dali 

a)  die  Tocliter  heiratet,  in  die  Familie  ihres  Gemahls  iibertritt 
und  daniit  aufhort  Erbin   Hires  Vaters  zu  sein; 

b)  dali  der  Solin  seinen  Vater  beerbt,  seine  Familie  nnd  seinen 
Namen  fortpflanzt. 

Auf  solche  Weise  geht  das  vaterliche  Vermcigen  in  den  meisten 
Fallen  diirch  Vorerbung  auf  den  Sohn  fiber,  wahrend  nur  ein  Toil  des- 
selben  als  Mitgift  oder  etwa  als  Legat  (§  2)  auf  die  Tochter  iiber- 
zugehen  pflegt. 

Der  Ausdruck   03P'3».aa.je     sich    zu     iiiiten,    in    aciit     zu 

n  eh  men  ist  ein  alter  Fehler.     Man    erwartet  oinen  Ausdruck  wie  sich 

auszuriisten,  ausgeriistet  zu  sein,  etwas  wie  opop%iO>S. 

DerVerfasser  erwahnt  in  der  EinleitungS.214,5  die  Fiage,  obSohne 
und  Tochter  gleich  erben,  oder  ob  die  Sohne  bevorzugt  werden  sollen. 

In  der  Begriindung  des  Satzes,  daB  die  Tochter  unter  Umstanden 
etwas  mehr  erben  soil  als  die  Halfte  eines  Sohnesanteils,  zeigt  sich 
wiederum  das  Streben  Simeons,  alles  zu  verhindern,  was  zur  Unzuclit 
fiihren  kann,  in  §  3  in  bezug  auf  die  Witwe,  hier  in  bczug  auf  das 
noch  nicht  yerheiratete  Madchen. 

Fine  Obersetzung  des  ganzen  §  13  finde  ich  boi  dem  Araber 
nicht,  aber  auf  den  letzten  Absatz  desselben  diirfte  sich  die  folgende 
Stelle  Bl.  208  a  12  beziehen: 

t>Vl   Jfr  j2air_«   ^j\^rrJ   W^  J  "-^^  *^   ^^-'''  '^^   <^-!.    ^ i*^ 

Simeon  ist  der  Ansicht,  dali  man  fiir  die  Tochter,  fiir  ihre  Be- 
diirfnisse  und  Ausriistung  sorgen  und  sie  vor  dem  Sohne  bevorzugen 
muB,  damit  sie  keine  Veranlassung  hat,  ungehorige  Dingo  zu  begehen. 

S.  246,  11.  §  14.  Ober  die  Versorgung  des  verkruppelten  Kindes 
vgl.  §  10. 

Wie  der  Verfasser  in  §  13  bestimmt,  daB  die  ihren  Vater  be- 
erbende  Tochter,  falls  ihr  Erbteil  fiir  ihre  berechtigten  Anspriiche  nicht 
ausreicht,  etwas  mehr  bekommen  soli  als  ihr  de  jure  zusteht,  so  verfiigt 
er  hier  dasselbe  zugunsten  eines  verkruppelten  Kindes,  dessen  Erbteil 
zur  Bestreitung  seiner  Bediirfnisse  nicht  ausreicht. 

S.  246,  22.    §  15.     Der  Fall  ist  folgender:  es  sind  vorlianden 

a)  rechte  Geschwister,    namlich   Briider   und   einc  verheiratete 
Schwester; 

b)  die  Mutter  dieser  Oesciiwister,  weiche  Witwe  ist. 

Nun  stirbt  einer  der  Briider,  ohne  Kinder  und  sonstige  Erben  und 
ohne  ein  Testament  zu  hinterlassen.    Was  geschieht  mit  seinem  NachlaB? 

1.  Die  Schwester  gilt  als  durch  ihre  Heirat  aus  der  Familie  ihres 
Vaters  ausgeschieden  (§2).  Daraus  folgt,  daB  sie  auch  aus  der  Erb- 
gemeinschaft  mit  ihren  rechten  Geschwistern  ausgeschieden  ist,  also  in 
dem  vorliegenden  Fall  nicht  Erbin  ist. 

Simeon  bemerkt,  daB  dieser  Satz  nicht  unbestritten  gewesen  sei. 
In   friiheren   Zeiteii    hatten    die   Loiter   der   Kirche  anders  entschiedcn, 


—    :^r)8 

wir  erfaliren  aber  iiicht,  wie  sie  deiin  entschieden  liaben.  Ob  sie  ctwa 
ilcr  vcrlieirateteii  Schwester  die  Halfte  von  deni  Erbteil  eines  Bnidcrs 
zii.t;cbilli.t>t  liabcn?  —  Dies  mag  mm  sein  wie  es  will,  Simeon  cnt- 
sclieidet  sicii  trotz  mehrfacher  Opposition  fiir  den  oben  erwahnten 
Rechtssatz. 

2.  in  betreff  der  Witwe,  der  Mutter,  der  Briider  werden  zwei 
Situationen  unterscliieden : 

a)  Ihr  Gemaiil,  der  Vater  ihrer  Sohne,  ist  soeben  j^estorben,  sein 
NachlaH  nocii  niclit  imter  seine  Erben,  d.  i.  seine  Sohne  verteilt.  Nun 
stirbt  einer  der  Sohne  ohne  Hinterlassung  von  Kindern  und  sonstigen 
Erben  imd  ohne  Testament,  bevor  er  nocli  den  iimi  zusteliendcn  Erbteil 
in  Besitz  genomnien  iiat. 

In  dieser  Situation  sieht  unser  Gesetzgeber  den  gesamten  NachlaB 
als  gemeinsames  Familienvermogen  an.  Da  nun  die  Witwe,  die 
durch  die  Heirat  in  die  Familie  ihres  Mannes  eingetreten,  durch  seinen 
Tod  aus  seiner  Faniiiie  wieder  ausgeschieden,  ihr  fremd  geworden  ist, 
so  hat  sie  keinen  Teii  an  dem  nachgelassenen  Familienvermogen. 
Mit  anderen  Worten:  In  dieser  Situation  wird  der  verstorbenc  Bruder 
von  seinen  Briidern  beerbt,  luid  seine  Mutter  geht  leer  aus. 

b)  Die  zweite  Situation  ist  foigende:  Der  Familienvater  ist  langst 
gestorben,  sagen  wir:  bereits  vor  lOJahren.  Sein  NachlaB  ist  iiber  seine 
Sohne  verteilt.  Das  Vermogen  dieser  verschiedenen  Bruder  hat  nun  nicht 
mehr  den  Charakter  des  Familienvermogens,  sondern  es  ist  indi- 
viduelles  Eigentum.  Wenn  nun  einer  dieser  Bruder  stirbt,  ohne  Erben 
und  Testament  zu  hiiiterlassen,  danii  beerbt  ihn  seine  Mutter,  nicht 
seine  Bruder,  denn  seine  Mutter  ist  ihm  naher  verwandt  als  seine  Bruder. 
Diesen  Rechtssatz  hat  der  Verfasser  bereits  in  der  Einleitung  S.  216, 12 
erwahnt. 

Diese  sub  a  und  b  vorgetragenen  Ansichten  bezeichnet  Simeon 
als  diejenigen  der  Richter  von  drauBen,  womit  er  nach  meiner  An- 
sicht  nichtchristliche,  heidnische  Richter  meint.  Im  Gegensatz  zu  diesen 
erwahnt  er  dann  im  folgenden  die  Kirche,  und  als  Ansicht  der  Kirche 
stellt  er  den  Grundsatz  auf :  Der  Verstorbene  wird  zur  einen  Halfte  von 
seiner  Mutter,  zur  andern  von  seinen  Briidern  beerbt. 

Trotzdem  scheint  Simeon  seiner  Sache  nicht  sehr  sicher  zu  sein, 
denn  der  letzte  Absatz  dieses  Paragraphen  besagt,  dafi  seine  Ansicht 
bisher  nicht  gegolten  habe,  und  dal5  vielmehr  das  bisherige  Verfahren 
auch  noch  weiterhin  gelten  werde,  da  eine  solche  Frage  nicht  dutch  ein 
Gesetz  bestimmt  werde,  sondern  durch  den  consensus. 

Es  ist  mir  nicht  ersichtlich,  wen  der  Verfasser  mit  den  Richtern 
von  drauBen  meint.  Etwa  zoroastrische  Richter?  Muslimische  konnen 
nicht  gemeint  sein,  denn  im  Islam  wird  die  Mutter  des  Erblassers  neben 
seinen  Geschwistern  zur  Erbscliaft  berufen. 

S.  248,  19.  26.    §  16.  17.    Zu  dem  ersten  Fa!l  ist  zu  bemerken,  daB 

der   Bruder   bzw.  seine   Desziendenz   dem    Erblasser   naher  steht  als  der 

Bruder  seines  Vaters,   und  ziun  zweiten  Fall,  daB  der  Tochtersohn  des- 

halb  nicht  erbt,  weil   seine  Mutter  als   durch   ihre  Ehc  aus  der  Familie 

(=  Vater  und  Mutter)  des  Erblassers  ausgeschieden  gilt  (s.  §  2  und  15). 

Von   dieseni   letzteren  Grundsatz  weicht  Simeon  ab,   indem  er  in 

der  Konkurrenz   zwischen  Tochtersohn   und  Bruderssohn   dem  ersteren 

den  Vorzug  gibt.     Denn    nach  seinem  in  den  §§  2  und   15  dargelegten 

_  Prinzip  sollte  der  Tochtersohn  infolge  der  Heirat  seiner  Mutter  als  aus 

'  der  Familie   des  Erblassers  ausgeschieden  gelten.     Wenn  ihm  aber  hier 

der  Vorzug  gegeben  wird,  so  geschieht  es  deshalb,  weil  er  ein  direkter 

Deszendent  des  Erblassers,  nicht  ein  Seitenverwandter  ist. 

Einen  Reflex  dieses  §  16  kann  man  in  dem  ersten  Teil  des  folgenden 
arabischen  Textes  Bl.  205  b  fintlen: 


359     — 


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^^\  ■*^-  -Sj 

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.Li^V 

^\A\ 

J^    <Ua 

Simeon.  Wenn  jeniand  stirbt,  oline  eincn  anderen  Yerwaiuitcn 
zu  hinterlassen  als  eineii  Vaterhnicierssohn  oder  Miitterhruderssohn 
(syrischer  Text:  Kruderssoliii),  dann  ijehort  sein  NachlalJ  liem  ersteren. 
Im  alljjenieinen,  wenn  jeniaiui  oline  Testament  stirht,  sj;eli()rt  sein  Erbe 
seinen  Kindern.  Wenn  er  aher  keine  Kinder  liatte,  wind  sein  Naclilali 
in  drei  Teile  tjeteilt,  einen  fiir  das  Haus  Gottes,  einen  fiir  die  Witwe  und 
einen  fiir  seine  Verwandten.  Wenn  er  abcr  seine  Gemahlin  in  seinem 
Testament  von  seiner  Erbschaft  aiisschlieHt,  wird  sein  Testament  nicht 
angenommen-    (d.  h.  ist  sein  Testament  nicht  rechtsi<raftiu;). 

Die  arabische  Version  faBt  den  zweiten  Absatz  von  §  16  umi  17 
zusammen  auf  Bl.  152  b  4  von  iinten: 

•(jVI  Cry  >L>\j<^^  7-\  ij\j  C'^  ctL*  »^^  <j  vi-iii-j  '\^\  C)'L  jlj 

Simeon  der  Perser:  Wenn  ein  Mann  stirbt  imd  einen  Tocliter- 
sohn  und  einen  Bruderssohn  hinterlal5t,  geliort  seine  Erbschaft  dem 
Tochtersohn. 

Wenn  eine  Frau  stirbt  imd  einen  Tochtersohn,  Sohnessohn  und 
Bruderssohn  (syrischer  Text:  Bruder)  hinterlalU,  gehcirt  ihre  Erbschaft 
dem  Sohnessohn. 

S.  248,33.  §  18.  Es  ist  aus  Simeons  Wortlaiit  nicht  zu  erschen,  oh 
er  in  dem  ersten  Absatz  einen  Apostaten  von  der  zoroastrischen  Religion 
oder  einen  Apostaten  vom  Islam  meint.  Im  Islam  kann  ein  Niclitnuislim 
unter  keinen  Umstanden  einen  Muslim  heerben.  Das  Umgekehrte  da- 
gegen,  dafJ  unter  Umstanden  ein  muslimisches  Kind  seinen  christ- 
lichen  Vater  beerbt,  vviirde  —  trotz  Simeon  —  in  einem  islaniischen 
Lande  nicht  immer  durch  christliches  Gesetz  verhindert  werden  konnen. 
Vgl.  mein  Muhammedanisches  Recht  nach  schafiitischer  Lehre,  1897, 
S.  206.  207. 

S.  248,47.  J?  19.  Dieser  Paragraph  besagt,  dalJ  die  Kinder  der  ersten 
Frau  keinerlei  Vermogensanspruch  gegen  das  Eigenfum  der  zweiten 
Frau  haben,  daB  das  Eigentum  der  Witwe  durchaus  ihr  aliein  untersteht 
und  gegen  etwaige  Velleitaten  ihrer  Stiefkinder  geschiitzt  werden  soil. 
Wenn  ein  Mann,  der  bereits  eine  Frau,  von  der  er  Kinder  hat,  durch 
den  Tod  verloren  hat,  nach  zweiter  Ehc  stirbt,  so  bekommt  seine  Witwe 
aus  seinem  NachlaB  (auBer  der  ihr  gehorigen  Atpvi],  cwjiea  und  dem  ihr 
wahrend  der  Ehe  zugefalienen  Vermogenszuwachs)  die  Kosten  des  Unter- 
halts  und  der  Wicderverheiratung,  letztero  falls  sic  eine  neue  Ehe  ein- 
gehen  will.  Dies  ist  ihre  rein  individuelle  Habe,  iiber  die  sie  nach  Bc- 
lieben  verfiigen  kann,  gegen  welchc  ihre  Stiefkinder  kein  Anrecht  haben, 
welche,  wenn  sie,  die  Kinderlose,  ohne  Testament  stirbt,  iliren  Biutsver- 
wandten  (Eltern,  Geschwistern  usw.)  zufallt. 

Den  Unterschied  in  der  Stelkmg  der  Witwe,  ob  sie  vor  der  Ver- 
teilung  des  Nachlasses  stirbt  oder  nachher,  diirfte  nur  darin  bestehen, 
daB  sie  in  erstercm  Fall  die  ihr  zustehenden  Unterhalts-  und  eventuellen 
Wiederverheiratungskosten  noch  nicht  iiberwiesen  bekonnnen  hat.  Ihre 
Blutsverwandten  wiirden  also  in  diesem  Falle  nur  ihr  Individualeigentum 
crben.     Dagegen    wiirden   sie,   wenn   sie  nach   erfolgter  Verteilnng  des 


Naclilassc's  stirlit,  aiilicr  ilircni  liulivicliialeit(i.'iitimi  audi  nocli  die  ilir  bc- 
rcits  iiberwiescnen  Uiitorhaltiings-  iiiul  eventiicllcii  Wifclcr\'crhciraliinjjs- 
kosten  erben. 

Fiir  das  Ei.E^eiitiim  der  Witwc  kommt  audi  in  Betradit,  ob  sie  bei 
der  Verheiratung  eineii  Kontrakt  auf  Giitergcmeinschaft  mit  ihreni  Gemahl 
abgeschlosseii  liat  (s.  §  4).  Im  dcni  Falle  kommt  ihr  iiach  dem  Ableben 
ilires  Gemahls  audi  der  koiitraktlicli  ihr  zugesicherte  Teil  des  Oesamt- 
vermogens  zu. 

Die  arabisclie  Version  ist,  stellenweise  sehr  verwischl,  auf  Bl.  221  a  5 
von  unten  erhalten : 

Simeon  der  Perser:  Es  stirbt  der  Gemahl  einer  Frau  nnd  hinter- 
laBt  Kinder,  die  aber  nicht  von  dieser  Frau  geboren  sind.  Bevor  noch 
der  NachlaB  verteilt  wird,  stirbt  auch  die  Frau,  und  zwar  ohne  Testa- 
ment. Nun  ist  sie  durch  den  Tod  der  Faniilie  ihres  Gemahls  ent- 
fremdet.  Was  ihr  von  seiten  ihres  Gemahls  gebiihrt,  kommt,  falls  sie 
seibst  keine  Kinder  hat,  ihren  nachsten  Verwandten  zu. 

S.  250,  7.  §  20.  Dieser  Paragraph  ist  auch  bei  Ebedjesu  in  seinem 
Werke  ^la^^A.  ill'?  JQ»aa\.  (Ms.  Chabot,  BI.  157b  14— 158a  15) 
ill  folgender  Weise  iiberliefert; 

:  lJ\\.  ^^OuAcrp  Lcx&sa^  A^  "txJO^  ^XmI  x^2  l^cr  eoTo 
bOp*  IxfT  ^l  Uacre  ."Lseyjo  >^  liso^^  ^ooaa^«s2p  ^v^^m  Uac^ 
la-Bax  l!^p  1 . VVyP  2^.00^  2^>^?  l^'Lsa^^p  .joa&^^^p 
.^^oopCMSOL^p  «^a^^^  oh,«»1j  1^2  .bu^oJ^'^^p  Ja^p^  lA 
^jb^po  liciaAs  L^2e   ■♦veg;«\a>  ^^oaMji  2JSo\.\."io  '.iS^.ao2o 

;aL!S  23aL\p  .1ia.Ja  wJ3  \\,^  :  a^X:^  Uaor  joepouA-Oae 
'..^uya  3\^^^e  ^oMXx  ^il'i  2«otp  .\. .\.t  l!S  :  laauA  ao 
^Ijaei^  laaap  :  aaa«X3;^;s2  li'aap^M  ^»  or^^oA  u\\ioV  p  lio 
ci^  ^^2e  23ol\_  XaUA  >.l'p  l3axiJC3^l2i  ^^p  ^p«  .2pw^auoe 
(7;»970Ljy  w»  .2  2oAl^  >^??  23iJL.\  1%*^  :  23a.x*  •.,..>.-i 
JOcxx^  ^.ose  o'c  ^is^  u.ero>^l3  0  .L.'aaea  ^  v2e  23aA,  p 
a.\^p  ^p^^p  L»a>.x  :  llA.\^  jcx.a  '\.^.\  ocfo  .dv^i^p  eor 
^eo;\«p  i-&3>3a>^  >3^1^  2JSa\..AA.  ^^.p  n\3o  .2X>.0L,T'ttN 
.l£^o^.>   l^p  >  OlAsXu   ^a   l^o  :  lA^p 


—     361 

»SiiiiC()ii,  Erzbischof  iler  Persis:  Ein  Maim  liinterlalJt  stL'iheiui 
unmiindige  Kinder;  cr  iibergibt  sie  der  Fiirsorge  eines  aiuieren  Maiines; 
darauf  stirbt  auch  der  Mann,  der  diese  Fiirsorge  iibemonitnen  liat;  der 
letztere  betraut  wieder  einen  anderen  Mann  niit  der  Fiirsorge  fiir  diese 
Kinder.  In  dieser  Weise  ist  die  Sache  meines  Wissens  von  den  Vorfahren 
gehandhaht  worden,  und  in  dieser  Weise  mu(5  sie  audi  jetzt  gehandiiabt 
werden,  weii  die  Verwalter  der  Kirche  das  Interesse  der  Unmiindigen 
nicht  unbevvacht  lassen  diirfen,  sondern  sich  bestandig  der  Fiirsorge  um 
dieseiben  annehmen  und  (hierbei)  Fleili  und  Eifer  zeigen  niiissen. 

Auch  sehe  ich,  dali  in  den  Canones  des  seiigen  Catholicus  Jesujabh 
dasselbe  bestimint  ist,  und  in  lier  Synode  ist  also  geschrieben:  .Betreffend 
Kleriker.     Ein  Kleriker   darf  nicht  das  Geld  anderer  Menschen  nehmen 

und  damit  Handel  treiben'  aulier  (add.  iSl)  wenn  ihin  von  seiten  der 

Verwalter  (der  Kirche)  der  Auftrag  gegeben  ist,  Waisen  und  vereinsamte 
Menschen  (sic!  Witwen?)  Gewinn  erzielen  zu  lassen. - 

Wenn  ein  Mann  stirbt  und  unmiindige  Kinder  hinteriaBt,  muB  der 
Bischof  einen  gottesfiirchtigen  Mann  zu  beschaffen  suchen,  sei  es  aus 
der  Verwandtschaft  des  Verstorbenen,  sei  es  von  Fremden,  und  dem  muB 
er  den  NachlaB  des  Verstorbenen  fibergeben.  Dieser  niuB  fiir  die  Un- 
miindigen sorgen  so  lange,  bis  er  weiB,  daB  sie  niiindig  geworden. 
Mit  ganzem  Eifer  soli  der  Verwalter  (der  Kirche?)  fiir  die  Unmundigen 
sorgen,  und  sie  sollen  nie  ohne  Pfleger  belassen  werden. « 

Die  zweife  Halfte  dieses  Paragraphen  findet  sich  auch  bei  Ebed- 
jesu,  Collectio  canonum  synodicoruni  ed.  Mai  S.  243  in  Scriptoruni 
veterum  nova  collectio,  toni.  X,  Rom  1838),  beginnend  mit:  In  der 
okumenischen  Synode  ist  geschrieben,  daB  ein  Kleriker  das  Geld 
anderer  Menschen  nicht  nehmen  soil  usw. 

Der  Synodal-Canon,  auf  den  der  Verfasser  Bezug  nimmt,  ist 
Nr.  XVI  des  Konzils  des  Catholicus  Jesujabh  I.  vom  Jahre  585  (s.  Chabot, 
Synodicon  orientale  S.  412).  Im  iibrigen  vgl.  meine  Schrift  Von  den 
rechtlichen  Verhaltnissen  der  Christen  im  Sasanidenreich  S.  23.  25  und 
Dr.  Riicker,  Die  Canones  des  Simeon  S.  54. 

S.  250,35.  §  21.  Dieser  Paragraph  hat  zur  Voraussetzung,  daB  nach 
Simeon  ein  Vater  seinem  Sohn  eine  Sache  (z.  B.  eine  Herde  Schafe) 
schenken  durfte.  Ob  hierbei  der  Sohn  als  noch  unter  der  patria  potestas 
stehend  oder  als  bereits  aus  derselben  entlassen  zu  denken  ist,  ist  nicht 
zu  ersehen,  da  in  Simeons  Gesetzen  die  patria  potestas  iiberhaupt  nicht 
erwahnt  wird. 

Eine  solche  Schenkung  konnte  miindlich  oder  schriftlich  gemacht 
werden.  In  letzterern  Falle  muBte  deutlich  angegeben  werden,  ob  das 
donum  die  Substanz  allein  ohne  den  NieBbrauch  oder  der  NieBbrauch 
ohne  die  Substanz,  oder  Substanz  und  NieBbrauch  zusammen  war. 
Und  wenn  eine  schriftliche  Urkunde  dieser  Art  nicht  vorhanden  war 
(und  wenn  Zeugen  der  miindlichen  Schenkung  nicht  existierten),  dann 
konnte  allerdings  uber  die  Natur  der  Schenkung  keine  Entscheidung 
getroffen  werden  auBer  durch  einen  ProzeB. 

Nach  Ebedjesu  im  ;U&^akX  li-?  JCa^o^  (Ms.  Chabot,  Bl.  140a) 

konnte  ein  Mann  sowohl  seinem  unmiindigen  (noch  nicht  15  Jahre  alten) 
wie  seinem  miindigen  Sohne  ein  Geschenk  niachen,  konnte  es  aber 
beiden  wieder  abnehmen,  dem  letzteren  in  dem  Falle,  wenn  er  den  alt 
und  erwerbsunfahig  gewordenen  Vater  nicht  in  der  gebiihrenden  Weise 
ernahrte  und  unterhielt. 

S.  250,  41.  §  22.  Ober  die  Stellung  der  Kinder  der  Sklavin  und  den 
Grundsatz  Partus  sequitur  ventrem  s.  §  12.  Wenn  Mutter,  Bruder  und 
Schwester  des  Erblassers  alle  noch  leben,  erbt  nur  die  Mutter  unter  Aus- 
schluB  der  Geschwister  (nach  §8  und  15). 


—     362     — 

III  cicni  arabisclieii  Text  wiril  iKicli  als  ein  Gcset/  Simeftns,  das  sich 
aluT  ill  iliosen  22  I'arasxrnpheii  iiicht  fiiulet,  das  folgende  zitiert:  Wenn 
ein  Mann  Vatcr  iiiul  Mutter  hintL-rlafit,  soil  der  Vater  seinen  ganzen  Nach- 
Ial5  erben.     Text  Bl.  221a  und  b: 


ill  '^yij  jOdl  >~>yi   f-_^l  AX  '<-^\j  ^1  ^J^j  oL  J=-j 
Tj-  U-ilv  olj^il  J/"    ^r'J^^^J  ^">^  3^\   Jy*    (Bl.  221b)  o^_^(_, 

»Wenn  ein  Mann  stirbt  und  Vater  und  Mutter  hinterlaBt,  dann 
soli  nach  Ebedjesu  der  Vater  2/3,  die  Mutter '  3,  nach  Jesubocht  (IV,  I  §  10) 
der  Vater  das  Ganze  erben;  nach  Timotheus  (§87)  sollen  Vater  und 
Mutter  den  Nachlali  zu  gleiclien  Teilen  erben,  wahrend  nach  den  grie- 
chischen  Konigen  (d.  i.  Leges  Constantini  Theodosii  Leonis,  wo?)  sowie 
nach  Simeon  der  Vater  das  Ganze  erbt. 


Anmerkungen 


Eherecht 


des 


Patriarchen  Mar  Abha. 


365 


S.  259,  5.  Mit  dem  Inhalt  dieses  Traktats  ist  ein  Sendschreiben  des- 
selben  Verfassers    Cher  die  Rechtleituna:  der  Giaiibigen    (d.i.  der  Christen) 

.Tt*n.gp03    IxaiAOJ^  Ax  2t^3k^2  zu  verjjlelchen,  das  ediert  ist  von 

Bedjan  auf  S.  274 — 2S7  eiiier  Histoire  de  Mar-Jabalaha,  de  trois  autres 
patriarciies,  d'un  pretre  et  de  deux  laiques  Nestoriens,  Paris,  Leipziij  1895, 
iind  iibersetzt  von  O.  Braun,  Bucii  des  Syrchados,  Stuttgart  und  Wien  1900, 
S.  127—133,  sodann  wieder  ediert  und  iibersetzt  von  }.  B.  Chabot,  Syno- 
dicon  orientale,  Uberset_zung  S.  332— 338.  Ini  Synodicon  fiihrt  dies  Send- 
schreiben  den  Titel      Ober  die  ~o\ire,'a  des  gerechtcn  Lebens- 

vvandels     UJoi>>  I'ijopp    U\.a^o5  \x. 

Inhaltlich  ist  ferner  zu  \ergleiclieM  der  §  3S  der  Caiiones  unseres 
Mar  Abha  bei  Braun,  a.  a.  O.  S.  143  und  Chabot,  a.  a.  O.  S.  561,  der 
wortlich  aus  dem  Sendschreiben  Ober  die  TroKirela  usu^.  entnommen  ist, 
und  auBerdem  niehrere  Stellen  in  der  bei  Bedjan  S.  205-  287  ab- 
gedruckten  Vita  unseres  Patriarchen,  besonders  S.  235,  5.  6;  238,6—8; 
S.  254,  4.  5. 

S.  259, 35.  Von  diesen  Arten  der  copulatio  sind  3.  und  4.  be- 
merkenswert.  Was  versteht  Mar  Abha  unter  der  letzteren,  der  copulatio 
cum  muliere  viri?  Man  sollte  meinen,  dal5  damit  nur  der  Ehebruch  be- 
zeiclmet  sein  kann,  indessen  dieser  ist  bereits  unter  Nr.  1  erwahnt.  Der 
Verfasser  spricht  hier  von  Qebrauchen  unter  Nichtchristen.  Ob  er  viel- 
leicht  an  die  Leviratsehe  gedacht  hat?  Oder  etwa  an  die  Ehe  mit  einer 
Witwe? 

Was  die  dritte  Art,  die  copulatio  zum  Zweck  der  hntjungferuiig 
usw.  betrifft,  so  ist  die  Angabe  leider  nicht  so  deutlich  uiul  ausfiihrlich, 
wie  man  wohl  wiinschen  mochte.  Mar  .\bhk  handelt  jedenfalls  von 
einem  zu  seiner  Zeit  bestehenden  Branch.  Der  Ausdruck  durch  heiil- 
nische  Priester  legt  die  Vcrmutung  nahe,  dalj  ein  bei  einem  Heiligtuni, 
z.  B.  einem  Ischtartempel,  bestehender  Branch  gemeint  ist,  etwa  eine  mit 
gewissen  Traditionen  zusammenhangende,  urspriinglich  als  Opfer  fiir 
die  Gottheit  gedachte  Entjungferung,  die  dann  im  Laufe  der  Zeit  in 
erster  Linie  zu  einem  Institut  der  Prostitution  geworden  war.  Eine 
solche  Sitte  ist  mir  anderweitig  nicht  bekannt,  ich  mochte  aber  auf  fol- 
gende  Stelle  bei  Strabo   (ed.  Kramer  111,  S.  277,  21ff.)  verweisen:   nd<Tais 

oe  rats  BajivKojx'iats  tOos  Kara  rt  Koytov  ^^vm  iti'yvru-Oai,  Trptis  -i  'A<j>pocifnov 
a<inKOfi€vats  fi€Ta  TToKKtjs  Oepatreias  Ktn  o^\ov  0o*fityyi  r'  htrTeTTTai  tKafrrtj'  ore 
irpofTtotv  Karafie]s  erri  -a  yovara^  oa-ov  Ka\o>s  ey^i  apyuptov,  <rvyyi\'€Tm,  ttTro^Oev 
Toii   Tf/Aevons   aTtayaywv    r'o   o    I'lpyvpiov   itpov    ri;s  'A<f>po?!Tijs  vo/iiferni.     In    dicser 

Beschreibimg  der  Sitte  der  Babvlonierinnen  ist  zwar  von  Entjungferung 
und  von  den  heidnischen  Priestern  nicht  liie  Rede,  doch  aber  scheint 
es  mir  nicht  ausgeschlossen.  daB  zwischen  den  von  Strabo  und  Mar 
Abha  beschriebenen  Sitten  ein  innerer  Zusaminenhang  besteht,  unci  daH 
aus  einer  im  ersteii  Jahrluindert  n.  Chr.,  der  Zeit  Strabos,  bestehenden 
Tempelsitte  im  Laufe  der  Jaiiriiunderte  bis  zur  Zeit  Mfir  Aiihas  (t  552) 
dasjenige  geworden  war,  was  letzterer  erwahnt. 


—     366     — 

Es  frajjt  sicli  nun,  bei  welchcm  Brucliteil  cicr  Bevolkcriiiig  des 
Sasanidciireichs  die  von  Mar  Abha  geiiannte  Sitte  ini  Schwantje  war. 
In  dcm  §  38  der  Canones  iinseres  Mar  Abha  (s.  Chabot,  Synodicnn 
Text  S.  550,3.  4;  Obersetziing  S.  561  iind  Bedjan,  a.  a.  O.  S.  281,  13.  14) 
werden  von  der  Bevoikerung  des  Sasanidenreichs  zu  seiner  Zeit  aiiBcr 

den  Christen  folgende  drei  Elemente  erwahnt:   Magier  ixo\»,  Jiiden 

und   Heiden  jAJIm.    Er  iintcrschcidet  S.  268,  20  Perser  und  Heiden. 

DaB  nun  Mar  Abha  in  seiner  Beschreibiing  eine  heidnische  Sitte  im 

Aiige   hat,   wird   nahegelegt   durch   den    Ansdrnck    23bMOLA    kiimrc,    da 

dieser  kauni  etwas  anderes  als  cinen  heidnischen  Priester,  schwerlich 
einen  zoroastrisciien  Mobed  bezeichnen  kann.  Auch  ist  es  absohit  un- 
vvahrscheinlich,  dalJ  Mar  Abha  einen  zoroastrischen  Branch  gemeint 
haben  sollte,  denn  eine  solche  devirginatio  und  fornicatio  hat  sicher 
niemals  bei  einem  Feueraltar  der  Mazdaverehrer  stattgefunden. 

Wir  niiissen  daher  anneiiinen,  daH  Mar  Abha  in  Nr.  3  seiner  Auf- 
zahlung  eine  Sitte  der  Heiden  seiner  Zeit  beschreibt.  Welcher  Art  war 
aber  dies  Heidentnin,  diese  heidnische  Religion?  Reste  des  alten  baby- 
lonisch-assyrischen  Ischtarkultus?  —  Diese  Frage  weiteren  religions- 
geschichtiichen  Studien  anheinistellend,  fiige  ich  nur  noch  hinzu,  daB 
Mar  Abha  selbst  vielieicht  aus  diesem  Heidentum,  nicht  aus  dem 
Mazdaismus  hervorgegangen  war. 

S.  261,56.  Der  hier  unter  3.  ausgesprochene  Gedanke  des  V'er- 
fassers,  daB  dem  Manne  durch  die  Exogamie  und  die  dadurch  gegebenen 
verwandtschaftlichen  Beziehungen  zu  der  Familie  seiner  Fran  ein  Zu- 
wachs  friedlicher  und  freundlicher  Harmonic  mit  anderen  Menschen 
zuteil  werde,  ist  ahnlicii  und  noch  ausfiihriicher  im  Ehereciit  des  Jesu- 
bocht  dargelegt  (s.  oben  S.  31). 

S.  265, 19.  Der  Passus  S.  265, 16—267,  5  ist  bereits  von  Professor 
O.  Braun  veroffentlicht  in  Synhados  S.  143,  Anm.  2  und  Zeitschrift  der 

DMG.,  Bd.  57  (1903),  S.  562ff.    Vgl.  auch  Spicilegium  Syriacum  S.  ?-., 

16ff.  Die  persische  Inzestehe,  chvaetvadatha  im  Avesta,  im  Pehlewi 
chwetukdas  und  chwetodatih  genannt,  wird  von  dem  Lyder  Xanthos  in 
seinen  Maytm  schon  nm  4S0  v.  Ciir.  bezeugt  (s.  Windischmann,  Zoroastri- 
sche  Studien  S.  269)  und  ist  meines  Erachtens  auch  im  -Avesta  erwahnt 
(anders  Hiibschmann  in  der  Zeitschrift  der  DMG.  43,  308 ff.).  Fiir  die 
Geltung  der  Inzestehe  sind  auBer  den  oben  in  der  Anmerkung  zu  S.  37,28 
gegebenen  Stellen  im  Menoikhirad  die  folgenden  zu  vergleichen:  Im 
Bundehesch  erscheint  in  Kap.  XXXV  die  Inzestehe  als  ein  Palladium 
der  Ormazdschopfung,  gegcn  the  Ahriman  nichts  auszurichten  vermag. 
Im  Arda-Viraf  (Ausgabe  von  Hoshangji,  Haug  und  West,  Bombay- 
London  1872)  erscheint  der  Weise  als  verheiratet  mit  sieben  Frauen,  die 
alle  seine  Sclnvestern  sind  (Chapter  II).  Wer  in  dieser  Verwandtenehe 
lebt,  kommt  in  den  Hinimel  (Ch.  XII);  wer  sie  bricht,  kommt  in  die 
Holie  (Ch.  LXXXVI).  Ober  den  Inzest  in  der  zervanitischen  Schopfungs- 
theorie  s.  weiter  unten  S.  308. 

Lehrreich  fiir  die  praktische  Bedeutung  der  Verwandtenehe  ist  die 
Schilderung  Jesnbochts  (s.  oben  S.  37)  davon,  wie  sie  den  Zwecken  per- 
sonliclier  Habsnclit  dienstbar  gemacht  werden  konnte. 

Gegen  diese  Eiie  richtet  sicli  der  intransigente  Kampf  der  Vater 
des  ostlichen  Christentums.  Demjenigen  Christen,  der  vor  seiner  Be- 
kehrung  mit  einer  Blutsverwandten,  Mutter,  Schwester,  Tochter,  ver- 
heiratet war,  wird  ein  Termin  von  cinem  Monat  bis  zu  einem  Jahr  zur 
Auflosung  dieser  Ehe  gegeben.  Lost  er  sie  nicht,  so  wird  er  mit  .\us- 
stoBung  aus  tier  Kirche   bestraft,   bis  er  sich   bessert  (s.  Sendschreiben 


—    3t;7    — 

des  Mar  Abha  bei  Bedjaii,  a.  a.  O.  S.  282.  283).  Die  Verwaiidtenehe  inul5 
aber  so  tief  im  BewuBtsein  und  in  der  Vorliebe  der  Perser  gewurzelt 
haben,  dal5  sie  auch  dann,  wenn  sie  Christen  geworden  waren,  den 
dringenden  Wunscii  hegten  sie  beizubehalten.  Verlangten  nun  die 
Bischofe  von  ihnen  die  Losiing  ihrer  Ehe,  dann  wandten  sie  sich  sogar 
an  die  persische  Behorde  mit  der  Bitte  urn  deren  Vermittlung  dafiir,  daG 
ihnen  gestattet  werden  moge,  ihre  Ehen  auch  iin  Christentum  beizu- 
behalten. In  der  Vita  des  .Mar  .Abha  wird  erzat'ilt,  dali  die  Magier  von 
ihm  verlangten,  er  solle  schriftlich  erklaren,  da()  er  die  mit  Vatersfrau, 
Schwester  oder  Schwiegertochter  verheirateten  Personen  nicht  aus  dein 
Christentum  ausstoBen  werde  (Bedjan,  a.  a.  O.  S.  238,  5 -8).  Der  per- 
sische Oberpriester  fordert  ihn  auf,  er  solle  doch  wenigstens  diejenigen 
Personen  in  die  Kirche  aufnehmen,  die  in  der  Zeit,  bevor  Abha  Patriarch 
wurde,  also  wahrend  des  Schismas,  solche  Ehen  geschlossen  batten. 
Der  Patriarch  lehnt  allemal  bedingungslos  ab,  natiirlich  bei  Gefahr  seines 
Lebens  (s.  Bedjan,  S.  235,  lOff.).  Wenn  man  dem  Biographen  Mar  Abhas 
glauben  darf,  ergibt  sich  die  auffallende  Tatsache,  dal5  die  persischen 
Behorden  den  Reichsangehorigen  auch  dann  noch  ihr  Interesse  zu- 
wendeten,  wenn  sie  vom  Mazdaglauben  abgefallen  und  zum  Christentum 
iibergetreten  waren. 

Die  Ehe  mit  der  Mutter  wird  von  Strabo  ais  eine  Sitte  der  Naba- 
taer  erwahnt  (XVI,  4,25,  ed.  Kramer,  S.  340, 11   iiiymv-a  «  Km  fit]Tpd<ri). 

Von  den  Tragern  soldier  Ehen  erwahnt  Mar  Abha  (S.  265,  24.  25) 
vier  Personen:  Zerdust,  Westasp,  Kai  Khusrau  und  Farkhim  Bar  Ar- 
tabagan. 

Was  Zerdust-Zoroaster  betrifft,  so  hat  der  Verfasser  vielleicht  an 
eine  solche  Tradition  gedacht,  wie  sie  im  Dinkard  (Sacred  books  of  the 
East  vol.  XXXVII,  translated  by  West,  Oxford  1892)  S.  299  vorkommt, 
wo  es  hei(5t,  daB  Porucast,  die  Tochter  des  Zoroaster,  sich  ihm  in  die 
Ehe  (zanciih  oder  neSmanih,  d.  i.  Ehe,  nicht  womanly  service,  wie  West 
ubersetzt,  vgl.  auch  S.  382,  Abs.  9)  gegeben  habe.  DaB  diese  Auffassung 
der  Stelle  die  richtige  ist,  wird  auch  dadurch  gestutzt,  daB  in  den  gleich 
darauf  folgenden  Zeilen  (S.  300)  die  Rede  ist  von  Hutos,  Hutaosa,  welche 
die  Frau  und  Schwester  des  Westasp  (Oustasp)  war.  Ober  letztere  vgi. 
Geiger,  Das  Yatkar-i-Zariran  und  sein  Verhaltnis  zum  Shahname  in  den 
Sitzungsberichten  der  Miinchener  .Akademie,  phil.-hist.  Klasse  1890,  2.  Band, 
S.  59  und  76.    Ebenso  wie  Westasp  ist  dem  (jujl?-)  verheiratet  mit  seiner 

Schwester  Gemek,  s.  Bundehesch,  Kap.  XXXII,  und  Pahlavitexts,  trans- 
lated by  West,  part  II  (1882),  appendix  S.  419. 

Wie  Mar  ,\bha  dazu  gekommen  ist,  dem  Kai  Khusrau  das  Epithet 
geschmiickt  (ausgezeichnet)  durch  Kinder  beizulegen,  ist  mir  uherfind- 
lich.  Nach  Spiegel,  Eranische  Altertumskunde  I,  658  hatte  Kai  Khusrau 
einen  Sohn  Akhrura,  der  aber  nicht  sein  Nachfolger  wurde.  also  wohl 
als  vor  dem  Vater  gestorben  zu  denken  ist,  und  bei  seinem  Tode  hinter- 
lieB  er  vier  Tochter,  so  daB  die  Herrschaft  auf  eine  Seitenlinie  des  Ka- 
janierhauses  uberging.  In  den  zerstreuten  Nachrichten  der  Parsenliteratur 
iiber  Kai  Khusrau  finde  ich  nichts,  was  zu  dem  Epitheton,  das  Mar 
Abha  ihm  gibt,  berechtigen  oder  AnlaB  bieten  konnte. 

Fiir  Farkhim  Bar  Artabagan  verweist  Braun,  a.  a.  O.  S.  564,  Anm.  2 
auf  Farruchan,  Sohn  lies  Parthers  Artaban  V.,  den  Vater  der  Mutter  des 
groBen  Sasaniden  Sapor  I.,  in  Justis  eranischem  Namenbuch  S.  94.  Auf- 
fallend  ist  die  Namensform  Artabagan,  d.  h.  von  Artabag  abstammend. 
Ob  etwa  ein  Schreibfehler  fiir  Artaban?  —  Wenn  die  Identifikation  des 
Farkhim  mit  dem  genannten  Farruchan  zutreffen  sollte,  beweist  seine 
Erwahnung  bei  Mar  Abha  in  diesem  Zusamiiienhang,  daB  die  Ehesitten 
der  Parther  dieselben  waren  wie  diejenigen  der  Perser.  daB  auch  die 
Parther  die  Inzestehe  batten. 


S.  205,  33.  Die  zervam'tisclic  Form  ilcs  Mazdaj^laubciis  ist  fiir  das 
fiiiifte  Jahrhuiulert  bezciiy^t  durch  Eznik  und  Martyrerakten,  fiir  das  sechsle 
diirch  diese  Angaben  unseres  Patriarchen  Mar  Abha.  Vgl.  dcs  Wardapel 
Eznik  von  Koib  Wider  die  Sekten,  iibersetzt  von  J.  M.  Sclimid,  Wien  1900, 
S.  89ff.  (geschrieben  zwischen  445—448  n.  Chr.),  und  Syrische  Poiemik 
gegen  die  persische  Religion  von  Noideke,  in  Festgru(5  an  Roth  S.  34 
bis  38.  In  der  Schopfungslehre  der  Zervaniten  spielt  der  Inzest  eine 
groBe  Rolle.  Hormizd  mul5  seine  Mutter  beschlafen  uni  die  Sonne  zu 
erzeugen,  und  seine  Schwester,  uni  den  Mond  zu  erzeugen,  s.  Eznik, 
a.  a.  O.  S.  109.  Wenn  wir  nach  Mar  Abha  annehnien  miissen.  dafi  der 
zervanitische  Magismus  die  aligemein  im  Sasanidenreich  vorherrschende 
Religionsform  war,  dann  ist  die  Folgerung  H.  Oelzers,  dafJ  gerade  in 
dieser  Zeit,  d.  h.  unter  Anosarwan  (531—578),  die  reine  Mazdalehre, 
vvelche  nach  Dinkard  IX,  30,4.  5;  31,6  —  10  die  Geburt  Orniuzds  und 
Ahrinians  aus  demselben  Uterus  als  Liigc  des  Damons  Aresch  darstellt, 
zur  Herrschaft  gelangt  sei,  nicht  haltbar.  Siehe  Eznik  und  die  Entwick- 
lung  des  persischeii  Religionssystems  in  der  Zeitschrift  fiir  armenische 
Philolqgie,  Marburg  1903,  Bd.  1,  S.  149-163. 

Ober  das  Vorkommen  von  Khwetukdas  in  der  Parsenliteratur  vgl. 
West,  Pahlavi  texts,  part  II  (1882),  appendi.x  S.  309^430,  The  meaning 
of  KhwetiJkdas  or  Khwetiidad. 

S.  275,9.  Nach  der  Chronik  (I,  3,  16;  II,  36,  10)  waren  Jechonjah 
(Jehojachin)  und  Zedekiah  (Mattanjah)  Briider,  wahrend  nach  11.  Konige 
24,  17  Zedekiah  der  Onkel  (Vatersbruder)  des  Jechonjah  war. 

S.  275, 31.  Von  den  Synoden  der  Zeit  vor  Mar  Abha  hat  nur 
diejenige  des  Acacius  voni  Jahre  486  sich  in  Canon  111  (s.  Chabot,  Syno- 
dicon  orientale  S.  303 — 306)  eingehend  mit  Eherecht  beschaftigt,  aber 
von  dem  Verbot  der  Ehe  mit  dem  Bruder  oder  Vatersbruder  des  Oemahls 
ist  in  der  Zeit  vor  Mar  Abha  niemals  die  Rede. 

S.  277,  21.  Der  Ausdruck  eraoii,^  ol  o;\^^  nachdem  ihr  Ge- 
niahl   oder  ihr  Mann  gestorben;^  ist  schwierig,  weil  zwischen    ?  j>^3 

Gemahl    und    2>tV^  Mann    in    diesem   Zusammenhang   nicht   unter- 

schieden  zu  werden  pflegt.  Oder  versteht  der  Verfasser  unter  Gemahl 
etwa  denjenigen  Ehemann,  der  mit  seiner  Frau  in  regularer  Ehe  zu- 
sammenwohnt,  dagegen  unter  Mann  denjenigen  Ehemann,  der  durch 
Krieg  oder  Reisegeschafte  gezwungen  ist,  fern  von  seiner  Frau  in  der 
Fremde  zu  leben? 

S.  279, 25.  Von  der  Bedeutung  des  christlichen  Auferstehungs- 
giaubens  fiir  die  Argumentation  gegen  das  Levirat  handelt  Jesubocht 
11,  VI  (s.  oben  S.  43). 

S.  281,9.  Die  Worte  2ft«.«o;*A  .  JS  ^^^.aauJO  I^?  li'su.:?  ^^a- 
.c^^isoJi  ys.o  sind  verderbt.    Man  kann  allenfalls  iibersetzen :    (gleich- 

wie   Glieder    fiir   die  Mutter),    diese  anderen    (I.  Xi  Xm2  [Glieder]),   die 

ich  nicht  genannt  habe.  Fiir  seinen  Nutzen  (NutznieBung)  gedenkt  sein 
Genosse  (Ehegenosse?)  sich   ihm  zu  nahern,     (wie  derjenige,  der  sich 

erfrecht  usw.).  Sinn?  Auch  schon  vorher,  in  Z.  7,  diirfte  ^aOU>^?  in 
aiiiOi  zu  andern  sein. 


—     H(i5)     — 

S.  281, 43.    Der  Verfasser  diirfte  Kenntnis  gehabt  haben  von  solclieti 

Sitten,    wie    sie    im    Spicilegium    S.  Ou,  5  ff.   angedeutet   vverden:     >lni 

Norden  und  unter  den  ihnen  (den  Nordlandern)  benachbarten  Germanen 
sind  schone  Knaben  den  Mannern  wie  Frauen,  und  audi  Gelage  (Malil- 
zeiten)  werden  ilinen  gegeben.«    Verkiirzt  ist  die  Naciiriclit  bei  Eusebius: 

flapa    Cf    HaWois    oi    vfoi   yafiovvrai   fierit   —appiiai'us   (Spicilegiuin    S.  22).      Vgl. 

audi  Strabo  IV,  4  (ed.  Kramer,  S.  312,3),  wo  er  von  den  Kelten  in  Gallien 

berichtet:    ov    voitiC^erat    Trap'   avro?s    aitr^pov    to    Ttjs    uKfitjs    a(}>etceiv    Toi'S   vt'oi'S. 

Von  der  iepnj  bei  einer  solchen  Verbindung  ist  in  diesen  Quellen 
keine  Rede. 

S.  283,3.  Die  Kaphtorini  Genes.  10,  14  werden  von  der  PeSitta  mit 
den  Kappadokcrn  identifiziert,  von  deiien  aber  aus  anderen  Quellen  niclit 
bekannt  ist,  da(5  sie  den  Vorwurf,  den  Mar  Ablia  ihnen  niaclit,  verdienten. 


Corrigenda.  S.  79,38  Anm.  streichen.  AufS.  145,49;  155,55;  191,39; 
197,30  s.  Anm.  hinzufiigen.  Auf  S.  295, 3  v.  u.  nach  S.  42,  13  hinzufiigen 
=  43,  16,  und  auf  S.  296,  5  nach  S.  44,  3  hinzufiigen  =  45,  6. 


Sachau,  Syrische  Rechlsbucher  III.  24 


Sachindex. 

Von  Dr.  Erich  Pritsch. 


J  =  Jesubocht,  S  ^  Simeon,  A  ^  Mar  Abha. 

I.  Teil.    Allgemeine  Rechtslehre. 

I.  Biirgerliches  Recht  (dtna). 

1.  Begriff  J  1,11  (11). 

2.  Unterschied  vom  gottlichen  Idealgesetz  (vn/ios)  J  l,\ii  (15f.). 

3.  Unterschied  vor  der  rectitude  j  I,  iv  (13). 

4.  Verschiedenheit  der  biirgerlichen  Rechtssatzungen   in  den  ein- 
zeinen  Landern  und  Zeiten  J  I,  i  (9);  IV,  i  (93). 

5.  Grund  dieser  Verschiedenheit  J  I.viii  (15). 

6.  Grund    der  Verschiedenheit  der   biirgerlichen   Rechtssatzungen 
unter  den  Christen  J  I,  ix  (15f.):  Sill  (234). 

7.  Oberliefertes  und  neues  Recht  J  1,  i  (9). 

8.  Widerlegung  der   Behauptung,  daB   die   Christen  kein  biirger- 
liches Recht  hiitten  J  I,  xiv  (21). 

9.  Notvvendigkeit  der  Darstellung  des  bfirgerlichen  Rechts  im  Alien 
Testament"  J  I,  xv  (21  f.). 

10.  Weshalb  das  mosaische  Gesetz   nur  noch  teilweise  beobachtet 
wird  J  II,  VII  (45ff.);  S  II  (218f.). 

11.  Grund  des  Schweigens  des  Neuen  Testaments  J  I,  x  (17f.):  VI,  vi 
§  11   (201);  SI  (212ff.). 

12.  Weshalb  trotzdem  biirgerliches  Recht  angewendet  wird  J  I,  xi  (19). 

13.  .•Xrt  der  Darstellung  des  Rechts  J  I,  x\  i"  (23). 

II.  Das  gottliche  Idealgesetz  (lo'uos). 

1.  Begriff  J  I,  VII  (15). 

2.  Unterschied  vom  biirgerlichen  Recht  J  l,vii  (15). 

3.  Verschiedenheit  der  vouoi  unter  den  Menschen  J  l,viil  (15). 

4.  Einheitlichkeit  des  vo/ws  unter  den  Christen  J  I,  ix  (17).     . 

III.  Die  rectitudo  (terisiitha). 

1.  Begriff  J  I,  ill  (11  f.). 

2.  Unterschied  vom  biirgerlichen  Recht  J  I,  iv  (13). 

3.  Anwendungsfall  J  VI,  vi  §  4  (199). 

IV.  Die  rectificatio  (turrasa). 

1.  Begriff  J  I,  xii  (21). 

2.  Grund  der  Verschiedenheit  der  rectificationes  unter  den  Christen 
J  I,  XIII  (21). 

3.  Anwendungsfalle  J  II,  xiv  (63f.);  Ill,  i  §  4  (75);  §  6  (77);  ii  §  1 
(79);  III  (Si);  IX  (S5). 


—     371     — 

V.  Milderimg   des   sfreiigen  Reclits  diirch  Entgegenkonimcn  (pusend 
und  bihdiidhastinih). 

1.  Begriff  J  l,v  (13  f.). 

2.  Vorzuij  des  Eiitgegenkommeiis  J  I,vi  (15). 

3.  Einzelfalle  J  V.vin  §  3  (167);  xi  §  6  (175);  xiii  §  7  (179). 

VI.  Wahrnehmiing  seines  Rechts  ist  jedem  erlaiiht  J  VI.vi  §  11   (201). 
VII.  Quellen  und  Mittel  der  Reclitsfindung  Sill  (222ff.). 

1.  Gewohnheitsrecht  J  IV,  i  (95);  v  (121);  Sill  (230ff.). 

2.  Kaufmannischer  UsusJV.vni  §3  (167). 

3.  Analogic  J  I,  xvi  Abs.  3  (23);  Sill  (222). 


II.  Teil.    Privatrecht. 
I.   Personenrecht. 

A.  Minderjahrige. 
I.  Geschaftsunfahigkeit  J  V,  III  §8  (137). 

II.  Erreicliung  der  Volljahrigkeit  mit  tiem   15.  Lebcnsjahre  J  V,  ii  §  1 
(133);  III  §8  (137);  vi  §4  (151  f.). 

B.  Frauen. 
I.  Name  J  IV,  i  §  4  (97). 

II.  Geschaftsunfahigkeit  J  III,  i  §  5c  (77). 

III.  Zeugnisunfiihigkeit  S  §  15  Abs.  4  (246). 

IV.  Sie  stehen 

1.  als  Jungfrauen  unter  der  Gevvalt 

a)  des  Vaters  J  IV,  i  §  5d  (103);  V,  ii  §  3  (135); 

b)  nach  dessen  Tode'  der  Briider  J  !V,i  §  5d  (103). 

2.  als  Ehefrauen  unter  der  Gewalt  des  Mamies  J  IV,  i  §  4  (97). 

C.  Geisteskranke  sind  geschaftsunfahig  J  IV,vii  §  5  (125). 

D.  Sklaven. 
I.  Rechtsstellung. 

1.  Sie  solien  milde  bchandelf  werden  J  III,  x  §  3  (87). 

2.  Unfahig.keit  zum  Kleriker  S  §  11   Abs.  3  (244). 

3.  Peculium  des  Sklaven. 

a)  Verfiigungsbefugnis  J  V,  ill  §  16  (139);  §  18  (141). 

b)  Wirkung  der  Frcilassung  J  V,  xiii  §  3  (179). 
II.  Entstehung  der  Sklaverei  durch  Geburt:  das  Kind  folgt  der  argeren 

Hand  J  III,  i  §  5c  (77);  S  §  12  (244). 
III.  Erwerb  der  Freiheit. 
1.  Frcilassung. 

a)  Form  (Freilassungsurkundc)  J  VI,  ii  §  6  (189);   iv  §  8  (195); 
S  §  11   Abs.  3;  §  12  (244). 

b)  Kcine  Geltung  der  lex  Fiifia  Caninia  J  V,  xiii  §  1   (177). 

c)  Wirkung. 
a)  Keine  revindicatio  in  servitutem  J  IV,  iv  5?  7  (117);  V,  xiii 

§2(177). 
p)  Die  Frcilassung   erstreckt   sich    iin  Zweifel    iiicht  aiif  das  t 

peculium  J  V,  xiii  §  3  (179). 
7)  Nach   Frcilassung  der  JVlutter  geborene  Kinder  sind    im 

Zweifel  frei  J  V,  xiii  §  4  (179).  " 

d)  Frcilassung  durch  eincn  Miteigentiimer. 
a)  Wirkung   hinsichtlich   des   Sklaven  J  V,  xiii   §6.7   (179). 
/J)  Wirkung    hinsiciitiich    der    Kinder    der    SklaVin  J  V,  xiii 

§5  (179). 

e)  Patronat  iiber  Freigelassene  J  V,  xiii  §2  (179). 

24* 


—    a72    — 

2.  Die  Sklavin  vvircl  frci 

a)  durch    Erklariiii<j   ziir   Ehofraii   eines  Freien  J  III,  i  §4  (75); 

b)  durch  Tod  des  Mannes,  dessen  Konkiibine  sie  war  J  IV,  iv 
§7  (117). 

IV.  Sklavenehe. 

1.  Oeschleciitsj):emfinschaft  einer  Freien  mit  einem  Sklaven  J  III,  i 
§5b  (77);  X  §4  (87). 

2.  Erlaubnis  des  Herrn  ziir  Elieschiiclkinij;  J  III,  x  §  I   (85). 

3.  Verbot  der  Heirat  zwischen  Kieriker  iind  Sklavin"  S  §  11  (242  f.). 

4.  Unziilassigkeit    der   Trennung    eines   Sklavenehepaares   J  III,  x 
§2.4  (85  f.). 

V.  Sklavenkinder. 

1.  Erbrechtlictie   Stellung  J  IV,  iv   §4   (I15f.);   §7   (117);   S  §  12 
(244);  §  22  (250  f.). 

2.  Sie  werden  beim  Tode  des  Vaters  zugleich  mit  der  Mutter  frei 
J  IV,  IV  §7  (117). 

3.  Wiilirend   der  Vcrpfanduns;  einer  Sklavin  von  dieser  geborene 
Kinder  gelioren  dem  Verpfander  J  V.vii  §  10  (159f.). 

II.   Obligationenrecht. 

A.    Allgemeiner  Tell. 

!.  Gegenseitiger  Vertrag:  Leistung  abtiiingig  von  Gegenleistung  J  V,  v 

§  11  (149).    Vgl.  J  VI,  II  §  2a  (189). 
II.  Unzulassige  Vertrage. 

1.  Torichte  Vertrage  J  V,  v  §  1   (147). 

2.  Versprechen,  nicht  wieder  zu  heiraten  J  V,  v  §  S  (149). 

3.  AusschlieBiing  der  Kinder  spaterer  Ehe  von  der  Erbschaft  J  V,v 
§  8  (149). 

4.  Verpfandung  des  ganzen  Vermogens  J  V,  vii  §  7  (157f.). 

III.  Anfechtung 

1.  wegen  Furcht  J  V,vii  §  14  (163); 

2.  wegen  Betruges  J  V,  xi  §  1  (173);  §  4  (175); 

3.  wegen  Olaubigerbenachteiligung  J  V,  vii  §  13  (161  f.). 

IV.  Anspruchsverzicht  J  V,vi  §  10  (153);  §  11   Abs.  2  (155). 
V.  Gefahrdete  und  gefahrlose  Schuld  J  V,viii.§  1.  2  (165  f.). 

VI.  Verzug 

1.  des  Schuldners  J  V,vii  §  11   Abs.  3  (161); 

2.  des  Glaubigers  J  V,v  §  7  (149);  ix  §  5  (169). 
VII.  Stellung  des  Schuldners. 

1.  Beschrankung  der  Verfiigungsgewalt  J  V,  i  §  2—4  (133);  vii  §  13 
(161  f.);  §  15  (163). 

2.  Beneficium  competentiae  J  V,  vi  §7  (153). 

3.  Beweispflicht  des  Schuldners  J  V.vii  §  22  (165);  VI, vi  §  7  (199). 

4.  Haftung  bei  Anspruchsbehauptung  J  V,  vi  §  11   (155). 

5.  Mehrere  Schuldner  haften  als  Tei'lschuldner  J  V,vii  §  19  (163). 
Vgl.  J  V,  III  §24  (143);  Vii  §21   (165). 

VIII.  Zinsen. 

1.  Keine  Qeltung  des  Zinsverbots  J  V,  ix  §  1  (167). 

2.  Akzessorischer  Charakter  der  Zinsforderung  J  V,vii  §  20  (163). 

3.  Hohe  der  Zinsen  J  V,  ix  §  1.2  (167f.). 

4.  Versprechen  der     ortsiiblichen*  Zinsen  J  V,  ix  §3  (169). 

5.  Antichrese  J  V,  ix  §  4  (169). 

6.  Keine  Zinszahlungspflicht  wahrend  Glaubigerverzuges  J  V,v  §  7 
(149);  IX  §  5  (169). 


373     — 


B.    Besonderer  Teil. 
1.  Kauf. 

1.  Form  J  V,xi  §  1  (173). 

2.  Kaufpreis. 

a)  Korrekter     Preis  J  V,vi  §  9a  (153). 

b)  Perfektion  des  Kaufes  mit  der  Preiszahlung  J  V,  xi  §  1  a  (173); 
VI,  II  §2a  (189). 

3.  Riicktrittsrecht  des  Kaufers  J  VI,  ii  §  4  (189): 

a)  beim  Marktkauf  J  V,  xi  §2  (173f.); 

b)  beim  Tierkaiif  J  V,  xi  §3  (175). 

4.  Verkaiif  ohne  Veraiilierungsbefuirnis 

a)  durch  den  Nichteigentamer  j'V,  xi  §  5  (175);  VI,  i  §9(187); 

b)  von  Klostergtit  iisw.  J  V,  xii  §  1   (177); 

c)  einer  Pfandsaclie  J  V,  vii  §  5  (157). 

5.  Vorkaufsrecht  J  IV,  i  §  5m  (105);  V,VI  §  9a  (153);  xi  §  6  (175). 
II.  Schenkung. 

1.  Schenkungsversprechen. 

a)  Form  J  V,  ill  i^  15  (139);  VI,  v  §  3  (197). 

b)  Verbindlichkeit  J  VI,v  §  3  (197). 

Ausnahmen  J  V,vi  §  9  (153):  VI,v  §  4  (197). 

c)  Eigentumsiibergang  bei  Obergabe  J  I,  iv  (13). 

2.  Kein  Riickforderungsrecht  des  Schenkers  J  V,ii  §  4;  in  §  1  (135). 

Ausnahmen: 

a)  bei  Schenkungen  an  Gewaltunterworfene  J  V,  ii  §  1  (133); 
§3  (135);  ni  §8  (137); 

b)  bei  Verarmung  des  Schenkers  J  V,  ii  §  2  (135). 

3.  Schenkungen  an  Familienangehorige: 

a)  an  den  Sohn:  Eigentum  "oder  NiefSbrauch?  S  §  21   (250). 

b)  an  die  Frau: 

a)  VerauBerungsbefugnis  der  Frau,  Verwaltung  des  Mannes 

JV,iii  §  15  (139); 
i^)  fiir  den  Fall  der  Oeburt  eines  Sohnes  oder  einer  Tochter 

JV.v  §12  (151). 

c)  an  die  Frau  und  die  Kinder: 

")  das  Oeschenkte  verbleibt  ihnen  nach  dem  Tode  des 
Schenkers  auiier  ihrern  Erbteil  J  V,  ill  §2  (135); 

/i)  keine  Verpflichtung  des  Schenkers,  das  Schenkungsver- 
sprechen   vor   seinem  Tode  zu  erfiillen  J  V,  ill  §3  (135); 

-/)  Unwirksamkeit  der  Schenkung  bei  spaterer  Verau(5erung 
des  Geschenkten  J  V,vi  §9  (153); 

c)  Haftung  fijr  die  Sciiulden  des  Schenkers  bei  Schenkung 
des  ganzen  Vermogens  J  V,  i  §  2  (133). 

d)  des  ganzen  Vermogens  an  andere  Vervvandte:  Schuldenhaftung 
JV,.  §3.4(133). 

e)  an  Skiaven  J  V,  in  §  16  (139f.);  §  18  (141). 

4.  Schenkung  des  Nichteigentiimers. 

a)  Schadensersatzanspruch  des  Beschenkten  bei  Gutglaubigkeit 
J  V,  III  §  12  (139). 

Ausnahme  J  V,  ill  §  13  (139). 

b)  Bosglaubigkeit  des  Beschenkten  J  V.iii  §  12  (139);  xi  §  5a(175). 

c)  Konvaleszenz  der  Schenkung,  wenn  der  Schenker  Eigentiimer 
wird  J  V,  XI  §  5b  (175). 

III.  Darlehn. 

1.  Form  J  V.vii  §  19  (163). 

2.  Oefahrdetes  Dahrlehn. 

a)  Begriff  J  V,viii  §  I.  2a  (165). 

b)  Befriedigung  des  Glaubigers  J  V,  viii  §  2  b,  c  (165f.). 


—     374     — 

3.  Beweispfliclit  des  Schuldners  fiir  die  Ruckzahlung  J  VI,  ii  §  2b. 
3  (189). 

4.  Mehrere    Darlehnsscluildner    liafteii    als   Teilschuldner  J  V,  vii 
§  19  (163). 

5.  Seedarlehn?  J  V.viii  §  3  (167). 
IV.  Lcihe.     Haftung  des  Entleihers 

1.  bei  Leiiie  von  Geraten  fiir  Zufall  J  V,  x  §  7  (173); 

2.  bei  Leilie  von  lebenden  Wesen  fiir  Verschulden: 

a)  im  allgemeinen  J  V,  x  §  8  (173); 

b)  bei  Leilie  zu  bestimmtem  Zweck  J  V,  x  §  9  (173). 
V.  Verwahrung. 

1.  Versiegeltes  Dcpositum  J  V,  x  §4  (171). 

2.  Haftung  des  Vervvatirers 

a)  Grundsatz:  niir  fiir  Verscluilden  J  V,  x  §  6  (171); 

b)  bei  Geraten  J  V,  X  §  1  (169f.); 

c)  bei  lebenden  Wesen  J  V,  x  §  5  (171); 

d)  bei  Aftervervvahrnng  J  V,  x  "§  2  (171). 

3.  Benutzung  der  verwahrten  Saclie  J  V,  x  §4  (171). 

4.  Verpfandung  der  verwahrten  Sache  J  V,  x  §  3  (171). 

5.  Beweislast  bei  Untergang  und  Verschlechterung  J  VI,  VI  §  10  (201). 
VI.  Gemeinschaft. 

1.  Sozietatsvertrasr  J  V,  iv  §  1   (143). 

zwischen  Ehegatten  S  §  4  (238 f.);  §  7  Abs.  2  (242); 
zwischen   Adoptivvater  nnd  Adoptivsohn  J  V,  iv  §3  (145); 
s.  a.  Erbengemeinscliaft. 

2.  Anteile  der  Gemeinschafter. 

a)  Sie  sind  im  Zweifel  gleich  J  V,  iv  §  1  (143). 

b)  Verfiigungsrecht   nur  am   eigenen  Anteil  J  V,  iv  §  3b  (145). 

c)  Keine  Anwaclisiing  beim  Tode  eines  Gemeinschafters  J  V,  IV 
§2  (143f.). 

3.  Sondervermogen  J  V,  iv  §  6  (145  f.). 

4.  Auseinandersetzung: 

a)  Auflosung  der  Gemeinschaft  J  V,  iv  §  6c  (147); 

b)  Anteil  eines  Abwesenden  J  V,  iv  §  5  (145); 

c)  beziiglich  eines  Grundstiicks  J  V,  xi  §6  (175). 

5.  Notwendige    Streitgenossenschaft    der    Gemeinschafter    J  \'I,  i 
§  4  (185). 

VII.  Deliktsobligationen. 

1.  Verfiihrung  J  III,  i  §  7  (77f.). 

2.  Frauenraub  J  lll,v  §  3  (83). 

3.  Prozessieren  vor  heidnischen  Richtern  J  VI,  i  §  2b  (185). 

4.  Urkundenfaischung  J  VI,  in  §  2  (191). 

5.  Diebstahl   und  Ranb  JV,vr§l   Abs.  2  (151);  VI,  i  §  9c  (187). 


III.    Sachenrecht 

A.  Haupt-  und  Nebensache. 

I.  Substanz   und   Frucht  J  IV,  i   §  5   Abs.  4  (99);  V.vii   §  10  (159f.); 

S  §  21  (250). 
II.  Selbstandigkeit  der  Bodenerzeiignisse  J  V,V  §6  (147). 

B.  Besitz. 

1.  RechtmaBiger  und  anzweifelbarer  Besitz  J  VI,  iv  §1  (191). 

Beweis'der  F^echtmaBigkeit  J  VI,  iv  §  2  (191  f.);  §  5  (193). 
II.  UnrechtmaHiger  Besitz. 
1.  Begriff  J  VI,  IV  §6  (193). 


—     375     — 

2.  Vermutiina;   der  UnrechtmaBigkeit  bei  Nichtvorhandensein  von 
Urkunden^J  VI,  iv  §  7  (195).  '^ 

3.  Herausgabepflicht  des  unrechtma(5igen  Besitzcrs  J  Vl,iv  §  9  (195). 

III.  Stellung  des  Besitzers  im  Eigentumsprozesse. 

1.  Anzweifelbarer  Besitz  J  VI,  iv  §2  (191  f.). 

2.  UnrechfmaBiger  Besitz  J  VI,  iv  §  6  (193f.). 

3.  Behaiiptmig  des  Ervverbs  diircli  Kaiif  JVI,vi  §9  (201). 

4.  Bcneniuing  des  Reclitsvorgatigers  J  VI,  i  §  9.  TO  (187). 

5.  Stellniig  des  Besitzers  gegeniiber  dem  Vorbesitzer  J  VI,  iv  §  5  (193). 

6.  Streit   iim   das   Eigentuni   an   eineni  Sklaven  J  VI,  iv  §8  (195). 

7.  Streitgenossenschaft  mehrerer  Besitzer  J  VI,  i  §  4  (185). 

8.  Ersitzimg  J  VI,  iv  §  3.  4  (193);  vi  §  8  (199). 

:.   Pfandrecht. 

I.  Arten  der  Verpfandung. 

1.  Mobiliarpfand  (Besitzpfand)  J  V,vii  §  1   (155); 

2.  Iintnobiliarpfand.     Verpfiindiing    diirch    imtersiegelte    Urkunde 
J  V.vii  §  2a  (155);  §  8  (159):  ' 

a)  mit  Besitzeinraiirnimg  J  V,vii  §  2a,  b,  d  (155); 

b)  ohne  Besitzeiiirauiming  J  V.vii  §  2c  (155);  §  3b  (157). 

3.  Antichretisches  Pfand  J  V,  ix  §  4  (169). 

4.  Verfallspfand  J  V,v  §  10  (149). 

II.  Pfandsnche. 

1.  Verpfandung  von  Sklaven  und  Tiereii  J  V,vn  §  10  (159f.). 

2.  Unzulassig  ist  die  Verpfandung  des  ganzen  Vermogens  J  V.vii 
§  7  (157  f.). 

3.  Wert  der  Pfandsache. 

a)  Uberwert. 
")  Keine   Ausgieicliungspflicht   des   Pfandgiaubigers  gegen- 
iiber minder  gesicherten  Olaubigern  JV.vii  §9  (159). 

/i)  Die  li\peroclia  gebiihrt 

aa)  dem   nachfolgeiiden  Pfandglaubiger  J  V.vii  §  6  (157), 
bb)  wenn   ein   soldier   nicht  vorhanden,    dem  Verpfander 
J  V.vii  §  18  (163). 

b)  Mindervvert:   die  Forderung   bleibt   in  Holie  des  Restes  be- 
stehen  J  V,vii  §  9  Abs.  2  (159);  §  18  (163). 

III.  Stellung  des  Verpfandcrs.  I 

1.  Er  darf  die  I'fandsache  nicht  veraufScrn  J  V,  vii  §  5  (157);  §  8  (159).  ' 

2.  Haftung  fiir  Zufall  beini  anticlirctischen  Pfand  J  V, -X  §4  (169). 

3.  Ersatz  von   Aufwendungen    des  Pfandglaubigers  J  V.vii    §  10  » 
Abs.  2  (161). 

4.  Er  hat  die  Verpfandung  zu  beweisen,  wenn  er  die  Pfandsache  i 
zuriickfordert  J  V,vn  §  17  (163);  VI, vi  §  9a  (201).  | 

IV.  Stellung  des  Pfandglaubigers.  i 

1.  Einraumung  eines  Wahlrechts  J  V.vii  §  8  (159).  ^ 

2.  Riickgabcpfiicht  nach  Befriedigung  J  V,  ix  §  5  (169). 

3.  Bevveispflicht  bez.  der  Hohe  der  Forderung  J  VI, VI  §  9b  (201). 

4.  Vorhandensein  mehrerer  Glaubiger  s.  Konkurs. 

V.  Befriedigung  aus  dem  Pfande.  ' 

1.  Pfandreife. 

a)  Tod  des  Schuidners  J  V.vn  §  1  (155f.). 

b)  Verarmung  des  Schuidners  J  V.vii  §1  (155). 

2.  Regelung  des  Pfandvcrkaufs  J  V,  vn  §4  (157). 

VI.  Weiterverpfandung  der  Pfandsache  durch  den  PfandglaubigerJ  V,vn 
§11  (161);  §16  (163). 


—     376     — 

IV.   Familienrecht. 

A.    Eherecht. 

1.  Arten  des  Gesclilechtsverkehrs  A  Einl.  (259  f.). 
II.  AhscliIiiB  des  Ehevcrtraj^es  (Verlobiiis). 

1.  Im  normalen  Falle  Ringaustausch  iiiiter  kirchlicher  Mitwirkung 
J  111,1  §1   (75). 

Ik^i  Sklavvn  J  III,  x  5?  1  (85). 

Ungiiltig  blolj  sdiriftlicher  Vertrag  J  111,  x  §  9  (79). 

2.  In  besoiuicren  FallL-n. 

a)  In  Ermangelung  von  Priestcrn  J  III,  i  §  2  (75). 

b)  In  Ermangelung  von  christlichen  Laien  J  III,  i  §  3  (75). 

III.  Elie  nach  vorausgegangenem  Oesclilechtsverkelir. 

1.  Erklarung  dor  Konkubine  zur  Ehefrau  J  111,1  §  4  (75). 

2.  Ubereinstimniende  Erkiiirung   beider  Parteien   unter  kirchlicher 
Mitwirkung  J  lll,i  §  5  (75  f.). 

3.  Verfiihrung  einer  Jungfrau  durch  einen  Unverheirateten. 

a)  Heirat  bei  Einverstiindnis  beider  Teile  J  111,  i  §  6  (77). 

b)  Weigerung  eines  Teils: 

a)  der   Mann    iiat   die   Ehe  versprochen   und   vveigert  sich: 

Entscliiidigungspflicht  beider  Teile  J  III,  i  §  7  (77f.): 
ji)  andernfall's  Kirchenstrafe  J  III,  i  §  8  (79). 

4.  Frauenraub. 

a)  Raub  einer  Unverlobten  J  III,v  §  1  (81). 

b)  Raub  einer  Verlobten 

a)  wider  itiren  Wiiien  J  Ill,v  §  2  (83); 
/?)  mit  ihrem  Willen  J  lll,v  §  3  (83). 

IV.  Ehehindernisse. 

a)  Bestehende  Ehe  J  II,  ii  (35);  ix  (53f.). 

b)  Religionsverschiedenheit  J  II,  i  §  4  (31);  viii  (51  f.). 

c)  Frauenraub   mit  Einverstiindnis   der  Geraubteii  J  III,v  §3  (83). 

d)  Bosliche  Verlassung  des  friiheren  Ehegatten  J  III,ni  (81). 

e)  Verbot  der  Ehe  mit  einer  wegen  Ehebruchs  Geschiedenen  J  II,  i 
§3  (29  f.). 

f)  Verwandtschaft. 

a)  Verbot  der  Verwandtenheirat  im  allgemeinen  J  II,  ii — v  (31  ff.); 

A  §  1  (261). 
j3)  Verbotene  Grade: 

1.  Mutter  J  11,1  §  1   (29);  A  §  2  (261). 

2.  Stiefmutter  J  II,  i  §  1   (29);  A  §  3  (267). 

3.  Tochter  J  II,  i  §  1   (29);  A  §  6  (271). 

4.  Stieftochter  J  II,  i  §  1  (29);  A  §  12  —  14  (279ff.). 

5.  soror  germana  J  II,  i  §  1   (29);  A  §  4  (269). 

6.  soror  consanguinea  J  II,  i  §  1  (29);  A  §  4  (269). 

7.  soror  uterinaj  II,  i  §  1  (29);  A  §  4  (269). 

8.  Tochter  der  Stiefmutter  J  II,  i  §  1   (29). 

9.  Sohnestochter  J  II,  i  §  1   (29);  A  §  5  (269). 

10.  Tochtertochter  J  II,  i  '§  1  (29);  A  "^g  5  (269). 

11.  Stiefenkelin  A  §  12  —  14  (279f.). 

12.  Mutter  der  Mutter  J  II,  i  §  1   (29). 

13.  Vaterssch wester  J  II,  i  §  1  (29);  A  §  7  (271). 

14.  Mutterschwester  J  Ii,  i  §  1  (29);  A  §  8  (271). 

15.  Brudertochter  J  II,  i  §  2  (29). 

16.  Schwestertochter  J  II,  i  §  2  (29). 

17.  Tochtertochter  der  Stiefmutter  J  II,  i  §  I   (29). 
IS.  Schwiegermutter  J  II,  i  §  1  (29). 


—     377     — 

19.  Schwiegertochter  J  II,  i  §  1  (29);  A  §  10  (275). 

20.  Frau  des  Bruders  J  11,  i  §  1  (29);  11,  VI  (43);  IV,  i  §  5  (97  ff.); 
A  §  1 1  (277). 

21.  Schwester  der  Frau  J  11,  i  §  2  (29);  A  §  15  (281). 

22.  Frau  des  Vatersbruders  J  11,  i  §  1  (29);  A  §  9  (275). 

23.  Frau  des  Mutterbruders  J  11,  i  §  2  (29). 

24.  Tochter  des  Bruders  der  Frau'^J  II,  i  §  2  (29). 

25.  Tochter  der  Schwester  der  Frau  J  II,  i  §  2  (29). 

v.  Konsutumation  der  Ehe. 

1.  Trennung  vor  der  Konsumniation. 

a)  Beiderseitiges  Eiuverstaiidnis  J  III,  ii  §  1  (79). 

b)  Weigerung  eines  Teils  J  III,  ii  §  2  (79). 

c)  Abvvesenheit  des  Mamies  J  III,  ix  Abs.  1  (85). 

2.  Unmoglichkeit  der  Konsumniation  infolge  Impotenz  des  Mannes. 

a)  Die  Frau  darf  beim  Manne  bieiben  J  lll,vi  §  1  (83). 

b)  Wartepflicht  der  Frau  J  lll,\i  §  2.  5  (83). 

c)  Folge  der  Nichtkonsurumation:  die  Frau  wird  nicht  Ehefrau 
J  llf,vn  (83f.). 

VI.  Ehescheidung. 

a)  Sie  ist  im  ailgemeinen  verboten  J  II,  x  (55 f.). 

b)  Scheidungsgriinde: 

1.  Gottesieugnung  (Zauberei)  J  II,xi  Abs.  1  (57);  xiv  Abs.  1  (63f.). 

2.  Mord  J  11,  XI  Abs.  1   und  3  (57f.);  Xiv  Abs.  1   (63f.). 

3.  Ehebruch  der  Frau  J  II,  xi  Abs.  1   und  2  (57 f.);  xii  (59f.). 

a)  Beweis  des  Ehebruchs  J  II,  xv  (65  f.). 

b)  Pfiicht  des  Klerikers  zur  Scheidung  J  II,  xvi  (67). 

c)  Unzulassigkeit  der  Scheidung  bei  Notzucht  J  III,  xii  (89). 

4.  Voreheiiche  Defloration  der  Frau: 

a)  wenn  sie  offenbar  ist  J  III,  iv  §  1  (81); 

b)  wenn  sie  nicht  offenbar  ist: 

a)  Eid  des  Mannes  J  HI,  iv  §  2  (81); 
f^)  Eid  der  Frau  J  III,  iv  §3  (81). 

c)  Unzulassigkeit  der  Scheidung  bei  Notzucht  J  III,  xii  (89). 

5.  Qefangenschaft  eines  Ehegatten  (nach  Ablauf  der  Wartezeit) 
J  III,v"iii  (85). 

6.  AbwesenheitdesMannes(nach  Ablauf  tier  Wartezeit)  J  lll,ix(85). 

7.  Bosliche  Verlassung  J  III,  in  (81). 

8.  Krankheit. 

a)  Sie  bestand  schon  vor  der  Konsununation  der  Ehe:   bei 
Unheilbarkeit  Scheidung  gestattet  J  III,  xi  §  1  (87). 

b)  Sie    entstand    erst    nach    der    Konsummation    der    Ehe: 
Scheidung  nicht  gestattet  J  III,  xi  §  2  (87). 

VII.  Wiederverheiratung  nach  Auflosung 

1.  der  nicht  konsummierten  Ehe  gestattet  J  lll,\ii  (83f.); 

2.  der  konsummierten  Ehe: 

a)  nicht  gestattet  derwegen  EhebruchsGeschiedenen  J  ll.xvii  (67); 

b)  gestattet 

")  der   aus   anderen    Griinden  Oeschiedenen  J  II,  xix  (69); 

111,111  Abs.  2  (81);  ix  Abs.  3  (85);  x  §2  (87); 
Ii)  der  Witwe  J  II,  xiv    Abs.  2   (65);   V,v    §9  (149);    S  §3 

Abs.  3  (238). 

VIII.  Ehemannliche  Gcwalt  J  IV,  i  §  4  (97). 

IX.  Eheliches  Giiterrecht. 

1.  Giiterrechtsvertrag  J  IV,  i  §  5a  (101);   i§  15  (109);  S  §  2  (236); 
§  4  Abs.  3  (240);  §  7  Abs.  2  (242). 

2.  GutergemeinschaftS  §  1   Abs.  2  (236f.);  §4(238f.);  §  7  (240f.). 


—      378     — 

3.  Vcrmogcnsmassen: 

a)  Donatio  ante  nuptias:  des  Verfuhrcrs  J  III,  i  §  7  (77). 

b)  Dos 

a)  der  Verfiihrten  J  III,  i  §  7  (77). 

fi)  Anspruch  auf  clos  gegen  den  NachlaB 

aa)  des  Vaters  J  IV,  i  §  6  (105);  V.vi  §  8  (153); 

bb)  des  Bruders  J  IV,  i  §  5h  (103);  §  12  (107). 

c)  Sonstlges  Fraiienverniogen. 

«)  Zuvveiidimgen   des   Mannes  J  III,  VI   §3   (83);   V,  ni   §  15 

(139);  V  §  12  (151). 
ji)  Zuwendungen  Dritter  J  V,  iii  §21  (141). 

4.  Das  Fraiienverniogen  wahrend  der  Ehe. 

a)  Verfiigungsgewalt  des  Mannes  J  IV,  i  §  5b  (101);  §  15  (109); 
V,  III  §  15  (139);  §  21  (141);  V  §  4  (147);  S  §  1  Abs.  3  (236). 

b)  Keine  Verfiigungsgewalt  der   Fran  J  IV,  i   §  15  (109);   V,  in 
§  21  (141);  V  §  4  (147);  S  §  1   Abs.  3  (236). 

c)  Veraulkrungsbefugnis    der    Frau    bez.    Zuwendungen    des 
Mannes  J  V,  in  §  15  (139). 

5.  Schicksal  des  Fraucngutes  bei  Auflosung  der  Ehe 

a)  durcli  Tod 

a)  des  Mannes: 
aa)  Die  dos  gehort  zum  Nachlasse,  wenn  nur  ledige  Tochter 

vorhanden  J  IV,  i  §  5b  (101);  §  5c  (103). 
bb)  Die  dos  falit  an  die  Witwe  aufier  ihrem  Erbteil,  wenn 

nur  verheiratete  Tochter  vorhanden  J  IV,  i  §  5e  (103). 
cc)  Wenn    die  Ehe    nicht    konsummiert  war:    das  ganze 

Frauenvermogen  fallt  an   die  Witwe  J  Ill.vi  §  3  (83). 
dd)  Stellung  der  Witwe  im  Nachlafikonkurse  J  V,  vi  §  3  (1 51). 
/i)  der  Frau: 
aa)  Das  Frauengut  fallt  an  die  Erben  der  Frau  J  IV,  i  §  15 

bis  17  (109). 
bb)  Bei    nicht    konsummierter  Ehe:    die  dos  fallt  an   die 

Eltern  der  Frau  J  Ill.vi  §4  (83). 

b)  durch  Scheidung 

a)  wegen  unheilbarer  Krankheit:  das  Frauengut  fallt  an  die 

Frau  J  III,\i  §  1   (87); 
/))  wegen  Ehebruchs  der  Frau:  die  Frau  verliert  ihr  ganzes 

Vermogen  J  IV,v  §  1  (121). 


B.    Verwandtschaft. 
I.  Allgemeines. 

1.  Verwandtschaftsgrade: 

a)  nahere  J  IV,  i  Abs.  2  (95); 

b)  entfcrntere  J  IV,  ill  §  1  (111). 

2.  Keine  Verwandtschaft  durch  Heirat  S  §  15  Abs.  4  (246). 

II.  Haushaltertum  (dudagsalarih). 

1.  Einsetzung  des  Haushalters  durch  letzlwillige  Verfiigung  J  IV,  IX 
§  1  (127).' 

2.  Einsetzung  durch  die  Kirche  J  IV,  ix  §  2  (127). 

III.  Stellung  der  ehelichen  Kinder. 

1.  Arten  der  Kinder  iiberhaupt  J  IV,  iv  §  1  (115). 

2.  Vaterliche  Oewalt  (resaniitha) 

a)  iiber  den  minderjiihrigen  Sohn  J  V,  ii  §  1  (133);  IV  §  4  (145); 

b)  iiber  die   ledige  Tochter  J  IV,  i   §  5d   (103);  V,  ii  §3  (135). 

3.  Vermogensrechtliche  Stellung  der  gewaltunterworfenen  Kinder 
a)  zu  Lebzeiten  des  Vaters. 


—     371)     — 

a)  Zuwenduntren  ties  Vaters  konneii  zurQckgefortlert  werden 

JV.ii  §1  (133):  §3  (135). 
/i)  Kauf  vom  Vater  wirkt  nicht  gegen  Dritte  JV,vi  §  9b  (153). 
y)  Zuwendunjren  Drifter  fallen  an  tlen  Vater  J  IV,v  §  7  (123). 
Konvaleszenz  bei  Volijahrigkeit  J  V,  III  §  S  (137). 
b)  nach  dem  Tode  des  Vaters:  Das  peculiuin  verbleibt  dem  Sohne 
auBer  seinem  Erbteil  J  V,  iv  §  4  (145). 
4.  Erbabfindnng  der  Kinder  zii  Lebzeiten  des  Vaters. 

a)  Keine  Verpfliclitung  d;un  J  IV.v  §  2  (121);  S  §  10  (242). 

b)  Eine  Zuwendiing  enthalt  ini  Zweifel  keine  Abfindung  J  IV.vii 
§  3  (123f.):  V,  Ml  §  2  (135);  iv  §  4  (145). 

c)  Abfindung  der  Tochter  durch  die  dos  J  IV,  i  §4  (95);  S 
§  2  (236).' 

IV.  Stellung  der  unehelichen  Kinder. 

1.  Kein  Erbrecht  gegeniiber  dem  Erzeuger  J  IV,  iv  §  2  (115);  §  5 
bis  7  (117):  S  §  12  (244);  §  22  Abs.'l   (252). 

2.  Ehebrucliskinder   beerben   nicht   den  Mann   der  Mutter  J  IV,  IV 
§  S  (117f.). 

3.  Ort  der  Steucrpflicht  des  unehelichen  SohnesJ  IV,  iv  §  13  (119). 

4.  Legitimation  durch  Anerkcnnung,  wcnn  der  Erzeuger  nicht  ver- 
heiratet  ist  J  IV,  iv  §  4  (115f.);  §  7  (117). 

V.  Wahlkindschaft. 

1.  Ainiahme  aus  der  Taufe  J  IV,  iv  §  1   (115). 

2.  Annahme  eines  Findlings  J  IV,  iv  §  1  (115). 

3.  Adoption 

a)  mit Aufgabe  des  bisherigen  KindesverhallnissesJ  1V,V  §5  (121); 

b)  ohne  diese  J  IV,  v  §  6  (121). 

zu  b)  Zuwendungen  des  Adoptivvaters  an  das  Adoptivkind 
fallen  an  dessen  natiirlichen  Vater  J  IV,  v  §  7  (123). 

c)  Adoptionsvertrag  mit  dem  Vater  eines  nasciturus  J  V,v  §  2. 
3  (147). 

d)  Giitergemeinschaft  zwischen  Adoptivvater  und  Adoptivkind 
J  V,  IV  §  3  (145). 

4.  Erbrechtliche  Verhaltnisse. 

a)  Das  Wahlkind  beerbt  den  Wahlvater  nicht  ah  intestate,  kann 
aber  von  ihm  zum  Erben  gemacht  vi'erden  J  IV,  IV  §  3  (115); 
V,  IV  §  3a  (145). 

b)  Das  Wahlkind  wird  beerbt 

")  von  dem  Wahlvater  J  IV,v  §4  (121);  V,v  §3  Abs.  1  (147); 
/i)  nach   dessen  Tode  von   den  Verwandten  des  Wahlkindes 
J  lV,v  §  4  (121);  V.v  §  3  Abs.  2  (147). 

VI.  Unterhaltsanspriiche: 

1.  der  Frau  gegen  den  Mann  J  Ill,vi  §  2  (83);  S  §  1   Abs.  4  (236); 

2.  der  wegen  Ehebruchs  Geschiedenen  gegen  den  friiheren  Ehe- 
mann  bei  Erwerbsunfahigkeit  J  IV,v  §  1  (121); 

3.  des  Wahlkindes  gegen  den  Wahlvater  J  IV,  IV  §  3  (115); 

4.  des  unehelichen  Kindes  gegen  den  Erzeuger  und  dessen  Erben 
J  IV,  IV  §2  (115);  §7  (117);  S  §  22  Abs.  2  (252); 

5.  des  Oeisteskranken  gegen  seine  Verwandten  J  IV,  vii  §  5  (125). 


C.    Vormundschaft. 

I.  Fijrsorge  fiir  minderjahrige  Waisen  S  §  20  (250). 
II.  Auseinandersetzungspfleger  J  IV.viii  §1.2  (125). 


—     380     — 

V.   Erbrecht. 

A.    Allgemeines. 
I.  Erbiinfahigkeit 

1.  iinelielicher  Kinder  J  IV,  iv  §  2  (115);  §  5—7  (117); 

2.  heidnisciicr  Fraueii  unci  Kinder  J  IV.iv  §  9.  10  (IIQ);  S  §  18  (248). 
II.  Beerbun.n  von  Heiden  J  IV,  iv  §  9  (119);  S  §  18  (248). 

III.  Beerbung  von  Komniorientcn  J  IV,  V  §8(123);  S  §5  Abs.  3  (240). 

B.    Intestaterbrecht. 

I.  Prinzip  der  Erbfolge:  Deszcndenten  liabcn  den  Vorrang  vor  Aszen- 

denten  J  IV,  i  §  8.  9  (105);  ill  §  5  Abs.  2  (113);  S  §  i?  (248). 
II.  Erbfolgeordnung. 

A.  Beerbung  von  Mannern. 
1.  Erbrecht  der  Verwantitcn. 

1.  Sohne  J  IV,  i  §  1  (95). 

2.  Ledige  Tochter  J  IV,  i   §1;    §3   (95);   §5b  (101);   §  5c 
(103);  §6  (105);  S  §  13  (244f.). 

3.  Verlieiratete  Tochter. 

a)  Kein   Erbrecht  J  IV,  i   §  1   (95);   §  4   (95f.);   §  7  (105); 
S  §  2  (236);  §  5  Abs.  4  (240);  §'l5  Abs.  2  (246). 

b)  Sie  erben 

«)  neben  der  Witwe  J  IV,  i  §  5e  (103); 
/')  neben  ledigen  Tochtern  J  IV,  i  §  6  (105). 
zu  1  —  3: 

a)  Kein  Erstgeburtsreclit  S  §  14  Abs.  2  (246). 

b)  Kinder  aus  verschiedenen  Ehen  S  §  7  (240 f.). 

c)  Kein    Erbrecht   der  Wahlkinder   und  der  un- 
ehehchen  Kinder  s.  Faniilienrecht. 

d)  Bevorzugung 

")  unheilbar  kranker  Kinder  J  IV,vii  §  4  (125); 
rf)  verkriippelter  Sohne   S  §  14   Abs.  3  (246). 
7)  bedurftiger    Tochter  J  I,v    Abs.  2    (13  f.); 
S  §  13  Abs.  2  (246). 

4.  Sohneskinder  J  IV,  Ml    §2  (lllf.);    §4—7   (113);    S§5 
Abs.  2  (240). 

5.  Tochtersohne  J  IV,  iii  §  5—7  (113);  S  §  17  (248). 

6.  Schwiegertochter  J  IV,  ni   §3  (113);   S'§  5    Abs.  3  (240). 

7.  Vater  J  IV,  i  §  5f.  (103);  §  7  (105);  §  10  (107);  S  §  6  (240). 

8.  Mutter  J  IV,  i  §  5g  (103);  §  7  (105)";  §  11  (107).  —  Abw. 
S  §  8  (242);  §  15  (246  f.). 

Kein  Erbrecht  hat  die  Mutter: 

a)  wenn   sie  abgefunden   ist  J  IV,vii   §1   (123);  V,  in 
§  14  Abs.  1   (139); 

b)  wenn  sie  wieder  heiratet  J  IV,  vi   §1.2  (123).  — 
Abw.  S  §  8  (242). 

9.  KonsanguineOeschwisterJlV,ii§l  — 3(109f.);iii§7c(115). 

a)  Briider  J  IV,  i    §  5g  (103);    §  7   (105);  S  §  15  (246f.). 

Kein  Erbrecht  des  abgefundenen  Brudersani  Stamm- 
gut  J  IV.vii  §  3  (123  f.);  V,  111  §  14  Abs.  2  (139). 

b)  Ledige   Schwestern   J  IV,  i    §  5g,  h    (103);    §7   (105); 
§12^(107). 

Sie  haben  kein  Erbrecht 

a)  neben    der   Mutter  S  §  8   (242).  —  Abw.  J  IV,  i 
§5g,  h  (103);  §7  (105);  §  12  (107); 


—     381     — 

b)  wenn    sie   diircli  Vermachtnis  abgefunden  sind 
JV,m  §  14  (139). 

c)  Verheiratete  Schwesterii. 

Sie  haben  kein  Erbreclit  J  IV,  i   §  12  (107);  vii  §  2 
(123);  S  §  8  (242);  §  15  (246f.). 

Ausiiahme:  wenn  keine  Briider  vorlianden  sind 

J  IV,  I  §  5h,  i  (103). 

d)  BruderskindorJIV.i  §  5k  (103);  I1§1  (109);  S§1C)(248). 

10.  Uterine  Oeschwister  J  iV,  ii  §  1  —  3  (109);   ni  §  7d  (115). 

11.  Konsanguine  Vatergeschwister  J  IV,  ni  §  7e  (115). 

12.  Uterine  Vatergeschwister,  Muttergesclnvister  J  IV,  ill  §  7f. 
(115). 

13.  Der  nachste  Verwandte  des  Vaters  Oder  der  Mutter  J  IV,  i 
§5k  (103);  §7g  (115). 

II.  Erbrecht  der  Witwe. 

a)  Verfiigungsbesciirankungen   liinsichtlich   des  Stanimgutes 
J  IV,  1  §  5  m  (103  f.). 

b)  Erbrecht  neben 

1.  Kindern  J  IV,  i  §1.2  (95); 

2.  ledigen  Tochtern  J  IV,!  §  5b  (101); 

3.  einer  ledigen  Tochter  J  IV,  i  §  5c  (103); 

4.  verheirateten  Tochtern  J  IV,  i  §  5c  (103); 

5.  Enkeln  J  IV,  ill  §  6  (113);  S  §  5  Abs.  3  (240); 

6.  Schwiegertochtern  S  §  5  Abs.  3  (240); 

7.  dem  Vater  J  IV,  i  §  5f.  (103); 

8.  Mutter,   Brijdern  und  ledigen  Schwestern  J  IV,  i   §  5g 
(103).  ^    Abw.  S  §  1  (234  f.);  §  9  (242); 

9.  ledigen  und  verheirateten  Schwestern  J  IV,  i  §  5h  (103); 

10.  verheirateten  Schwestern  allein  J  IV,  i  §  5i  (103); 

11.  anderen  Verwandten  J  IV,  i  §  5k  (103); 

12.  bei  Fehlen  von  Verwandteirj  IV,  i  §  51  (103). 

Kein    Erbrecht    der  Verwandten   der   Frau  J  IV,  ill 
§  7h  (115);  vgl.  S  §  15  Abs.  4  (246). 
III.  Erbrecht  der  Kirche  J  IV,  i  §  51  (103). 

B.  Beerbung  von  Frauen. 

I.  Unterschied  zwischen  verheirateten  und  unverheirateten  Frauen 

J  IV,  I  §  17  (109). 
II.  Die  verheiratete  Frau  beerben 

1.  der  Ehemann  J  IV,  i  §  1 1  (107);  §  15  (109);  S  §  7  (240f.); 

2.  die  Kinder  J  IV,  i  §  13.  14  (107); 

kein  Erbrecht  der  Stiefkinder  S  §  19  (248  f.); 

3.  die  Sohne  der  Kinder  S  §  16  Abs.  2  (248); 

4.  der  Vater  des  Mannes  J  IV,  i  §  16  Abs.  2  (109); 

5.  die  Mutter  und  die  Oeschwister  des  Mannes  J  IV,  i  §  16 
Abs.  2  (109). 

III.  Beerbung 

1.  der  unverheirateten  Frau: 

a)  Mutter,  Briider  und  ledige  Schwestern  J  IV,  i  §  16  Abs.  1 
(109);  S  §  17.  19  (248). 

Kein  Erbrecht 

a)  der  abgefundenen  Mutter  (auBer  wenn  die  Erb- 

lasserin  fruher  verheiratet  gewesen)  J  IV,vii  §  1 

(123); 
,3)  der  abgefundenen  Sch wester  J  IV,vii  §  2  (123); 

b)  Bruderssohne  S  §  16  Abs.  1  (248); 

2.  der  Frau    bei   nicht   konsummierter  Ehe  J  III.vi  §  4  (83); 

3.  der  Witwe  S  §  19  (248  f.). 


—    :S82    — 


C.    Oewillkiirte  Erbfolge. 

I.  Arten  der  letzhvilligen  Verfiigung. 

1.  Testament. 

a)  Form  J  IV,  iv  §3(115);  V,  m  §3-5(135);  §7(137);  VI,  II 
§  6  Abs.  1   (18Q). 

b)  Widemiflichkeit  J  V,  iii  §  1  (135);  §  6  (135f.). 

c)  Keine  Bindung  inter  vivos  J  V,  iii   §3.4  (135);  §6  (135f.); 
IV  §  3  Abs.  1  (145). 

2.  Erbvertrag  J  V,v  §  2.  3  (147). 

II.  Inhalt  der  ietztwilligen  Verfiigung. 

1.  Erbeinsetzung 

a)  eines  Universalerben  J  V,  in  §  5  (135); 

b)  oline  Bezeichnung  von  Erbteilen 

a)  der  Frau  murder  Kinder  J  V,  ill  §  26  (143); 

(3)  der  Sohne  und  Tochter  J  V,  in  §27  (143); 

y)  der  Frau  und  der  Kinder  eines  Dritten  J  V,  in  §  28  (143); 

<))  eines  Dritten  als  Miterben  J  V,  in  §-29  (143). 

2.  Vermachtnis 

a)  an  den     besten«  Sohn  J  V,  in  §  7  (137); 

b)  unter  Bedingung  J  V,  iii  §  1 1  b  (137). 

3.  Bestinimung,  daB  ein  Dritter  die  Verfiigung  treffen  solle  J  V,  in 
§  10  (137). 

4.  Aufiage  J  V,  in  §  9.  1 1  a  (137);  §  19  (141). 

5.  ErbausschlieBung 

a)  der  Frau  wegen  Ungehorsams  J  IV,  v  §  3  (121); 

nicht   fiir  den  Fall  der  Wiederverlieiratung  S  §  3  (326 f.); 

b)  des  Sohnes  wegen  Ungehorsams  J  IV,  iv   §  11  (119);  v  §  3 
(121);  V,I  §6  (133); 

c)  der  Tochter  wegen  Unzucht  J  IV,  iv  §  12  (119); 

d)  der  Frau    und  Tochter   bei   Abfindung  durch  Vermachtnis 
JV.iii  §14  (139);  S§4(238f.). 

III.  Beschrankung  der  Testierfreiheit: 

1.  hinsichtlich    Erbunfiihiger  J  IV,  iv   §5.6   (117);   V,  i   §  5  (133); 

2.  bei  Verschuldung  J  V,  i  §  1  —  4  (131  f.); 

3.  Noterbrecht 

a)  der  Sohne  J  V,  i  §  6  (133);  vgl.  S  §  10  (242); 

b)  des  Ehemannes  J  IV,  i  §  15  (109); 

c)  Anspruch  der  Kinder  auf  die  dos  ihrer  Mutter  J  V,i  §  5  (133); 

d)  Anspruch   der  Frau  auf  Versorgung  S  §  1   Abs.  3  (236);  §  3 
(236  f.). 

D.    Rechtsstellung  der  Erben  und  Vermachtnisnehmer. 

1.  Miterben. 

1.  Ungeteilte  Erbengemeinschaft  J  IV.v  §  4  (121);  V,  in  §  14  Abs.2a 
(139);  §  15  Abs.  5  (246f.);  S  §  19  (24Sf.). 

2.  Auseinandersetzung  zwischen    vol!-  und  minderjahrigen  Erben 

a)  auf  Antrag  der  Volljahrigen  J  lV,viii  §  1  (125); 

b)  von  Amts  wegen  J  IV,  viii  §  2  (125). 

II.  Vermachtnisnehmer. 

1.  Kein   Verfiigungsrecht    des   Erben    iiber    die    vermachte   Sache 
J  V,  III  §  20(141). 

2.  Insuffizienz  des  Nachlasses  J  V,  III  §22  Abs.  2  (141);  §25  (143). 

3.  Haftuiig    fiir    Untergang    der    vermachten    Sache  J  V,  in    §  22 
Abs.  1  (141). 


—     38B     — 

III.  NachlaBschulden. 

1.  Haftung: 

a)  des  ungeteilten  Nachlasses  J  V.vii  §  12  (161); 

b)  der  Erben  als  Teilschiiidner  J  V,  ill  §  24  (143);  vii  §  21  (165); 

c)  der  Vermachtnisnehmer  J  V,  ill  §  23  (141);  §  24  (f43). 

2.  Kein  beneficium  competentiae  der  Erben  J  V,vi  §  6.  7  (133). 

3.  NachiaBverwaitung  J  V,vi  §  1.  2  (151). 

4.  NachlaBkonkurs  s.  Konkurs. 

IV.  Ausschlagung  der  Erbschaft  (abasakhuni). 

1.  Form  J  V',vi  §  I   Abs.  1  (151). 

2.  Die  Erben  diirfen  niclits  behaltenj  V.vi  §  1  Abs.2  (151);  §Q  (153). 

3.  Keine  Haftung  der  Erben  fiir  die  Naclila(5schuliien: 

a)  wegen    Unterhaits  walirend   der  Minderjalirigkeit  J  V,vi  §4 
(151  f.); 

b)  wegen  Wohnens    im   Hause   des   Erblassers   vor   der  Aus- 
schlagung J  V,  VI  §  5  (153). 


III.  Teil.    Offentliches  Recht. 
I.    ProzeBrecht. 

A.  Weltliche  Richter  und  Richter  der  Kirciie  J  IV,v  §3  (121);  V.vii 
§2b  (155);  §8(159):  §21  (165);  .\i  §4(175);  VI,  i  §  1  (183);  ii  §  5 
(189);  S  §  15  Abs.  5  (246). 

Klage  beim  heidnischcn  Richter  J  Vi,  i  §  2b  (185). 

B.  Parteien. 

I.  Klager: 

1.  ProzeBvertretung  J  VI,  i  §  3  (185); 

2.  Fehlen  von  Bevveismittein  J  VI,  i  §  1  (183). 

II.  Beklagter: 

1.  Streitgenossenschaft  J  VI,  i  §  4  (185); 

2.  Benennung  des  Rechtsvorgangers  J  VI,  i  §  9.  10  (187). 

C.  Klage. 

I.  Keine  Verjahrung  J  VI,  i  §  5  (185). 
II.  Einreden: 

1.  der  Rechtshangigkeit  J  VI,  i  §  7  (185); 

2.  des  Verzichts  J  V,vi  §  10  (153); 

3.  der  Arglist  J  VI,  i  §6  (185). 

D.  Verfahren. 

I.  Terminsanberaumung  J  VI,  i  §  8  (187). 

II.  Ladung  des  Beklagten  J  VI,  i  §  2  (183). 

III.  Versaumnisurteil  gegen  den  Beklagten  I  VI,  i  §3  (185). 

IV.  Sitzungspolizei  J  VI,!  §  2a  (183 f.). 

E.  Beweiserhebung. 

I.  Beweiswiirdigung  J  II,  xv  (63f.);  VI,  i  §  1  (183);  v  §  1  (I95f.). 
II.  Urkundenbeweis. 

1.  Beweiskraf t : 

a)  Urkunden  mit  Notariats-  und  Zeugensiegel  J  VI,  ii  §  1  (187f.); 

b)  alte  Urkunden  J  VI,  i  §  5  (185);  ii  §  7  (189); 

c)  Abschriften  von  Urkunden  J  VI,  ii  §5.6  (189). 

2.  Entkraftung  durch: 

a)  Ersitzung  J  VI,  IV  §  3  (193);  vi  §  8  (199); 


—     384     — 

b)  Nachweis  der  Zahliing  (Scliuklsehein)  J  VI,  ii  §  3  (189); 

c)  Nacliwcis  der  UnrichtiKkeit  J  VI,  ii  §2  (189); 

d)  Nachweis  der  Falschuiig  J  VI,  iii  §  3.  4  (191). 

III.  Zeuirenbeweis. 

1.  Zeiisjnisiinfahifjkcit: 

a)  cier  Fraueii  S  §  15  Abs.  4  (246); 

b)  des  Urkiiiuienfalsctiers  J  VI,  iii  §  2  Abs.  3  (191). 

2.  Beweiskraft  ilcr  Aiissajj^e: 

a)  klassische  und  anzweifeibare  Zeugen  J  Vl,v  §  1  (195f.); 

b)  iiiiglniibwiirdisje  Zeiigen  J  VI,V  §  2  (197); 

c)  Ehebruchszeugen  J  II,  xv  Abs.  1   und  2  (65). 

IV.  Eid. 

1.  Zulassiffkcit  des  Eides  J  Vl.vi  §  1  —  5  (197f.). 

2.  Einzclfalle; 

a)  mangels  anderer  Beweismittel  J  Vl,vi  §  0.  7  (199); 

b)  beim  BesitzJVI,  iv  §  2b.  3.  5  (193);  §5  (195);  vi  §8  (199); 

c)  bei  Verpfiindung  J  VI,VI  §  9  (201); 

d)  bei  Verwaiirung  J  VI,  vi  §  10  (201); 

e)  bei  Schenkung  an  Verwandte  J  V,  i  §  4  (133); 

f)  bei  Ehebruch'j  II,  xv  Abs.  3  —  5  (65  f.); 
g)  bei  Verfiihrung  J  III,  i  §  7.  8  (77  f.); 

h)  beim  Vorwurf  voreheiiclier   Defloration  J  111,  i\'   §  2.  3  (81)., 

F.   Restitutionskiage  J  V.vii  §  22  (165). 


II.    Konkurs. 

1.  Verhaltnis  der  Glaubiger  untereinander. 

I.  Nicht  bevorreclitigte  Glaubiger  J  V,vii  §  2e  (155). 
II.  Pfandglaubiger  und  pfandlose  Glaubiger. 

1.  Mobiiiarpfandglaubiger  J  V,vii  §1  (155). 

2.  Immobiiiarpfandglaubiger  J  V,vii  §  2a — c  (155). 

III.  Pfandglaubiger  untereinander  J  V,vii  §  2d  (155). 

IV.  Glaubiger  einer  gefahrlosen  und  einer  gefahrdeten  Schuld  J  V.vni 
§2c  (167). 

.   NachlaRkonkurs. 

I.  Verhaltnis  der  Glaubiger  untereinander  J  V,vii  §3  (155f.). 
II.  Stellung  der  Witvve  und  ledigen  Toehter  J  V,  vi  §  3  (151);  §  8  (153). 


III.    Strafrecht. 

A.  Strafen. 

I.  Verweis  und  offentliche  Riige  J  III,  i   §  8  (79);    V,v  §  1   (147);  vii 

§  22  (165);  VI,  I  §  2  (185);  ni  §  3  (19^1). 
II.  KirchenbuBen  J  II,  xii    Abs.  4  (61);   III,  i    §8  (79);  VI,  i  §2  (185); 
Ml  §  1  (191). 

III.  GeldbuBe  J  lll,v  §  3  (83);  VI,  ni  §  2  (191). 

IV.  Kirchenbann  J  II,  xn   Abs.  4  (61);^III,  i  §8  (79);   ill  (81);  V,v  §1 
(147);  Vil  §  22  (165);  VI,  I  §  2  (185);  III  §  2  Abs.  3;  §  3  (191). 

B.  Delikte. 

I.  Gegen  die  Ehe  und  die  geschlechtliche  Sittlichkeit: 

1.  Gesclilechtsverkelir   oline   nachfolgende   Heirat  J  111,  i    §8  (79). 

2.  Frauenraub  J  111,  v  §  3  (83). 

3.  Bosliche  Verlassung  J  III,  iii  (81). 

4.  Ehebruch  des  Mannes  J  II,  Xii  (61);  A  §  16  (281). 


88^^ 


—     H85     — 

5.  Paderastie  A  §  17.  IS  (281  f.). 

6.  MiBbrauch  der  Fran  A  §  IS  (2S1  f.). 

7.  Unziicht  mit  Tieren  A  §  19.  20  (2S3f.). 
II.  Sonstige  Delikte. 

1.  Prozessieren  vor  heidnischen  Richtern  J  VI,  i  §  2b  (1S5). 

2.  Arsjlistige  Kiasreerhebimg  J  V,  vii  §22  (165). 

3.  Diebstahl  und"  Raub  J  V,vi  §  1   Abs.  2  (151);  xi  §  5  (175):  VI,  i 
§9c  (187). 

4.  Urkundenfalschung  J  VI,  iii  §  3  (191). 

5.  Hergabe  des  Siegels  zur  Falschung  J  VI,  ill  §  2  (191). 

6.  Besitz  einer  verfalschten  Urkunde  J  VI,  in  §  I  —  3  (191). 


IV.    Kirchenrecht. 

A.  Vermogen  kirchliclier  Institute. 

I.  UnverauBerlichkeit  J  V.vil  §  1  (177). 

II.  Verwaltung  J  V.vii  §  3  (177). 

III.  Aufsicht  der  Kirche  J  V,vii  §2  (177). 

IV.  Behandlung  geschenkter  Sklavinnen  J  V,vii  §  4  (177). 

B.  Verbot  der  Ehe  eines  Klerikers: 

I.  mit  einer  Verlassenen  J  II,  .Xl.X  (69); 
II.  mit  einer  Sklavin  S  §  11  (282). 

C.  Unfahigkeit  des  Sklaven  zum  Kleriker  S  §  1 1  (2S2). 

D.  Der  Kleriker  soil  sich  von  Geschaften  fernhalten  S  §  20  Abs.  2  (250). 


V.  Verwaltungsrecht. 
Ort  der  Steuerpflicht  des  unehelichen  Sohnes  J  IV.iv  §  13  (119). 


Reichsdnickerei.    Berlin. 


Sachau,  Synsche  Rech'sbucher  111 


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